VERSTATTET DIES SPIEL: EURE FLÜCHTIG GESCHNITTENEN SCHATTEN ZUM SCHMUCK FÜR MEINER ANGEDENKEN SAAL [Soll nun der mund der von des eises bruch] Soll nun der mund der von des eises bruch Zum neuen reife längst erstarkt im wehe Sich klagend öffnen und nach welchem spruch Dem kinde? unterbrich mich nicht – ich flehe. Du stehst am strand · die segel blähn im porte · Es geht in tollen winden auf ein riff – Bedenke dich und sage sanfte worte Zum fremdling den dein weiter blick begriff. [Die du ein glück vermehrst auch nicht es teilend] Die du ein glück vermehrst auch nicht es teilend · Für schmerzen balsam bist auch kaum sie fassend Und gar aus schlimmen zeichen schönes rätst · Erfinderisch und gross im reich der güte · Du darfst dich rühmen: manchen geist am strand Der nach dem schiffbruch hingeschleudert wurde · Den götter und genossen liegen liessen – Ich jenes mädchen hab ihn aufgerichtet. [Angenehm flossen bei dir unsre nächtlichen stunden] Angenehm flossen bei dir unsre nächtlichen stunden Dass wir der ampel vergassen · doch dir zum gewinn nicht. Trieb dich verblendung mit misslicher wende zu reden Was mir zu hören nicht noch zu erwidern vergönnt ist? Kannst du bedächtige spräche nicht weiter erfinden Meide mich! so nicht mein schmerzlich erstaunen dich zwinge Lenke die eigne verachtung ob müssigen werbens Und die gelächter von deiner zerknitterten seele. [So grüss ich öfter wenn das jahr sich dreht] So grüss ich öfter wenn das jahr sich dreht Dich in der weile wo die nacht noch zögert Vor dir verblichene bunte reiser breitend Die du vielleicht nicht liebst – und scheide bald. Ich bringe diesmal nur den trost: ich möchte Doch einst an solchem früchte-abend nahen Den glanz der schönen trauer auf den händen Mit einer gabe die dich mehr erfreut. W. L. Der seltnen Einer die das loos erschüttert Verbannter herrscher · ihr erhabnes trauern Und unbemerkter tod · schon weil du bist Sei dir in dank genaht · durch deine hoheit Bestätigst du uns unser recht auf hoheit · Verwirfst und nimmst mit königlichem wink · Du richte unsrer manchmal schwanken tritte Und leitstern über jeder edlen fahrt. P. G. Im offnen leben wo ihr all euch gleichet · Wo ihr fast niemals wie ihr fühlet saget · War manches kommen doch von starkem zittern · War manche trennung voll zerdrückter tränen · Es waren tage gross wo ihr euch gabet · Wo ihr die schleier eurer klugheit risset Und abende wo nichts geschah doch töne Und blicke fielen ewigen angedenkens. M. L. Wie unsre glorreichen himmel – bruder im stolz! So breitet dein glänzendes gelb und wie reifender lohn · Es zittern in deinem lila und wehen grün Gestaltlose stunden mit ihrem mühsamen rinnen Und lange seufzer aus kerkern ohne erhebung. Dein strahlendes blau umkleidet die wunschlosen götter · In deinem veilchendunkel voll purpurner scheine Ist unser tödliches sehnen – bruder im leid! H. H. Erfinder rollenden gesangs und sprühend Gewandter zwiegespräche: frist und trennung Erlaubt dass ich auf meine dächtnistafel Den frühern gegner grabe – tu desgleichen! Denn auf des rausches und der regung leiter Sind beide wir im sinken · nie mehr werden Der knaben preis und jubel so mir schmeicheln · Nie wieder strofen so im ohr dir donnern. K. W. Wir seligen! die gottentsandten sprecher Nur wagen diesen laut · auf deinen fähren Erklang er täglich aus umkränztem becher Und dennoch fühl ich reue in mir gären: Dein leben ehrend muss ich es vermeiden · Dein lächeln und das glück (für dich das wahre) Ich muss zurück auf meere dumpfer leiden · In meine wunderbaren wehmutjahre. E. R. Oft scheint es so als ob wir unsre besten Erhebungen mit ihren süssen reizen Aus früher frühe holen und mit resten Die öde ganzer lebensräume heizen · Bald so dass höchster schatz den wir besessen Nur noch in seltner nacht uns mag bekümmern Und wir auf eines schönen alters trümmern Hin schreiten kühl mit grausamem vergessen. A. H. Du sanfter seher der du hilflos starrest In trauer über ewig welke träume · Gib deine hand! wir zeigen dir gefilde Um saaten der erlösung hinzustreun. Wir wollen gerne sie – verborgne wunder – Mit unsrem blut und unsren tränen pflegen Und heiter lächelnd wirst du uns umarmen Wenn sie vor den erstaunten blicken blühn. A. V. Ihr ahnt die linien unsrer hellen welten · Die bunten halden mit den rebenkronen · Den zefir der durch grade pappeln flüstert Und Tiburs wasser weich wie liebesflöten? Da hebt sich euer blondes haupt: kennt IHR Der nebel tanz im moore grenzenlos · Im dünenried der stürme orgelton · Und das geräusch der ungeheuren see? R. P. Was frommt die weisheit dem bezirk des wahnes nahe Die uns mit grellem blenden schreckt und überwältigt Des einen unkund wo sie bürde wird und frevel? Wie friedenlos · du allerbleichster unsrer brüder · Durchirrst du deine traurigen und weiten lande! Wann wirst du müde neue felder zu erobern Und lernest einmal pflanzen pflegen und dich freuen An dem was blüht und grünt und reift in dreien gärten? C. S. Du teuer uns · doch rätsel das uns martert · Dein lächeln spielt: die klüfte zwischen uns Erkennt wie ich als unergründbar an Und haltet ihr geheimnis hoch – ja jubelt Sie nie zu fassen ... und wir suchen schmerzlich Mit unsrer liebe sie zu überbrücken Und folgen deinem wandel ohne furcht: Aus deinem antlitz dringt der blick der sieger. A. S. So war sie wirklich diese runde? da die fackeln Die bleichen angesichter hellten · dämpfe stiegen Aus schalen um den götterknaben und mit deinen worten In wahneswelten grell-gerötet uns erhoben? Dass wir der sinne kaum mehr mächtig · wie vergiftet Nach schlimmem prunkmahl taglang uns nicht fassten · Stets um die stirn noch rosen brennen fühlten · leidend Für neugierblicke in die pracht verhängter himmel. L. K. Doch unser aller heimat bleibt das licht Zu dem wir kehren auf gewundnen stegen. Magst du dich einig nennen mit den recken Und trotzigen gewalten bracher ebnen: Sagt nicht bei jedem treffen die umschlingung Und dass ich oft dich suche wie du viel In mir erregst und mir gehörst? verrät nicht Dass du mich fliehst wie sehr ich in dir bin?