AUS: PARADIESISCHES GEDICHT AN DIE LORBEEREN O lorbeern die im grossen strengen schatten Ihr den gedankenvollen jüngling hegtet · Erzählet mir von ihm · am ersten abend Erzählet mir von ihm in milden worten · Ihr alten lorbeern! weil vielleicht er hört · Weil er vielleicht entfernt ist und doch hier. Wie hat der junge hüter euch geliebt · Wie beugtet ihr auf seine freundes-stirne Die äste oft um euer lob zu hören! Er las in jenem buche worin züchtig Die seele zittert und begehrt und weint Umschlossen vom gewand antiker grazie. Langsam im kreise stieg der schöne garten Auf – wie ein traumbild aus dem herzen steigt Bewässert von der reinen sangesweise · In einem ungewohnten geistigen licht Das nicht vom himmel sondern auf der erde Von dem unsterblichen gedicht entflossen. O lorbeern · ich bin der! nicht mehr verberg ichs – Ich bin es der im buche las · das licht Erschaute und im tiefen herzen froh war. Ist alles hin? der lezte strahl bespottet Im grossen becken das verfaulte wasser · Auf einer hohen mauer schreit der pfau. In dem geblichnen und versengten grase Sind tot des ortes liebe schutzgewalten .. So ist denn jede gottheit hingeschwunden? Nur kommt ein heisrer klang der glocken näher · An welchem leid die fromme flut sich bäumt! Der schatten dringt zu einem haus allmählich · Dem trüben haus wo meine mutter weint. TROST Nicht länger weine! der geliebte sohn Kehrt heim zu dir. Er ist des lügens müde. Komm mit hinaus! zeit ist es neu zu blühen · Du bist zu weiss · dein antlitz gleicht einer lilie. Komm mit ins freie! der verlassne garten Bewahrt für uns noch manchen seitenweg. Ich sage dir wie das geheimnis süss ist Das auf gewissen fernen dingen schwebt. Noch manche rose ist am rosenbusche. Noch manches kraut gibt schüchtern seinen duft. Obwohl verlassen wird die teure stätte Noch lächeln wenn du lächeln wirst. Ich sage dir wie süss das lächeln ist Gewisser dinge die vergessen dulden. Was dächtest du wenn jezt mit einem male Die erde dir zu füssen blumen brächte? Dies wird geschehen wenn es auch kein mai ist. Komm mit · bedecke nicht dein haupt! sanft ist Septembersonne und noch scheint kein silber Auf deinem haupt und fein ist noch die falte. Warum verweigerst du mit müdem blicke? Die mutter tut des guten sohnes willen · Du musst ein wenig sonnenschein geniessen · Ein wenig sonne auf dein weisses antlitz. Du musst getrosten mutes sein · du musst An alle bösen dinge nicht mehr denken .. Wenn wir nach jenen rosenbüschen gehen So red ich leis und deine seele träumt. Träume · träume! teure seele. Alles Wird wie in den vergangnen jahren sein. Ich will in deine reinen hände legen Mein ganzes innre. Nichts ist noch verloren. Träume · träume! ich will dein leben leben · In einem neuen leben tief und einfach Erstehn. Die leichte hostie die reinigt Ich will aus deinem finger sie empfangen. Träume! da des träumens zeit gekommen. Ich rede. Sag · versteht mich deine seele? Sieh! in den lüften schaukelt und entfacht sich Fast das gespenst von einem toten mai. September (sag! vernimmt mich deine seele?) Hat in den düften und in seiner blässe So etwas wie die düfte und die blässe Von einem lenz der aus dem grabe steigt. Träumen wir! es ist die zeit zu träumen · Und lächeln wir! dies hier ist unser lenz. Zuhause später in den abendstunden Schlag ich den flügel wieder auf und träume. Wie lang lag er im schlaf der flügel! damals Schon fehlte eine saite · eine saite Fehlt immer und die tasten mahnen an Der ahnin wächserne und schmale hände. Inzwischen von dem abgeblassten vorhang Wird ein geruch ein zarter sich verbreiten · (Du hörst mich?) etwas wie der schwache atem Von veilchen die ein wenig schon im welken. Ich werde einen alten walzer spielen Sehr alt sehr edel · auch ein wenig traurig · Der klang wird heiser und verschleiert sein Als ob er aus dem andern zimmer käme. Für dich allein will ich ein lied verfassen Das dich wie eine wiege schaukeln soll Nach einem alten tone · doch mit etwas Nachlässiger und schwanker zierlichkeit. Wie in der fernen zeit wird alles sein · Die seele einfach werden wie sie war Und wenn du wünschest sachte zu dir kommen Wie in die hohle hand das wasser kommt. DER BETRUG Ich leide nicht! nein · wenn ich schweigsam bleibe Am abend wenn ich dir zu füssen sitze – (O schreck des nahen nächtigen gerichtes In jenem grossen weissen bette) wisse: So tu ich es damit die seele besser Geniesse diese köstlich süsse stille – (Bei tag und nacht zermartert ein gedanke Die seele ohne ruhe ohne ruhe!) Die süsse stille die um mich gezogen Vielleicht mit allzu ungewohnten freuden. (Verleih · o Herr · verleih dass ich auf immer Mein schreckliches geheimnis nicht verrate!) O dies vergessen-haben · dies verzichten Auf alles · dir zu füssen · sei gesegnet! (Die seele wird niemals vergessen können · Niemals vergessen · niemals!) sei gesegnet! EINE ERINNERUNG Zu der erde wandte sie die blicke – Unerklärlich schweigen. Die minuten Schienen klüfte masslos zu eröffnen. O dass wir doch unter unversehenem Schlag auf ewig stumm geblieben wären! Langsam hob sie auf mich jene augen. Ihre lippen leer von blut und zuckend Seh ich noch und ihre ersten worte Fallen wie die ersten tropfen blutes Einer wunde die zu bluten anfängt. EIN TRAUM Sie war gestorben. Sie war kalt. Die wunde War kaum ersichtlich in der einen seite: Ein kleiner ausgang für so grosses leben! Weit minder weiss erschien mir als die leiche Das linnen · niemals wird das auge sehen Ein ding das weisser ist als jenes weiss. In flammen traf der ungestüme sommer Die scheiben und insekten · ungeheure · Im schwülen dunste summten ohne ruhe. Sie war erstarrt. Ich sagte: schläfst du denn? Mit einem stumpfen fürchterlichen lächeln Ganz nahe wiederholt ich: schläfst du? schläfst du? Schläfst du? und denkend dass die schrille stimme Nicht meine wäre bebte ich vor angst. Ich horchte. Aber weder hauch noch stimme! Es schien als ob die wände flammen wären. In jener schwüle hob sich immer stärker Ein odem wie aus einem grabgewölbe. Der unbesiegliche geruch des todes Erstickte mich – ich musste wohl ersticken · Ich selber hatte tür und tor geschlossen. Schläfst du? Schläfst du? sie hatte keine antwort · Das linnen schien vor ihr weit minder weiss. Auf erden werden nie die augen sehen Ein ding das weisser ist als jenes weiss.