GEBETE I Kam mir erinnerung jener frühlingsstrassen Lichtfülle in erwartung deines blickes Und jener abende voll purpurdunkel Wo hohes leben festlich uns umschlungen Bis es im nachtgewölb verklang mit flehen: So schien mir dass aus meinem besten blute Das bild nur abglanz sei der kraft und würde Dass ich von unsrem schauer deiner nähe Beter und Schöner! nicht genug gedeutet · Mein lied dem wahren gang mehr nicht entspreche Als einem ding sein schatten auf der welle ... Nun weiss ich dass der Seher und der Weisen Verkündigung seit unsres blühens jahren Als wirklichkeit ein mund nicht ganz erschöpfe Nun seh ich hunderte von edlen stirnen Auf die dein schimmer heimlich eingeflossen Mit ihrer herrlichkeit dein wesen preisen – Fügsam ein werker der sein teil vollendet Will ich nicht mehr mit dichterworten klagen: Da Du der höhere bist muss ich versagen. II In wilden wirren · schauerlichem harren Auf eine mär von trümmern und von tränen Auf einen toten-ruf .. wohin entfliehen Dass ich das fest der erde frei begehe? Mir bangt dass ich umwölkt von frost und starre Auf die Verkündung minder tief vertraute Und · was als eifer treibt in meine tage · In dumpfen stoff mein feuer nicht mehr presste .. Dass mir der schönsten leuchten führung fehlte Und ich mich rückwäris in die nacht verlöre. Da kommt herüber vom gebirg ein wehen In grauen garten flutet glanz und bläue .. Perlfarbner duft behaucht die schattengegend Und silbern-südlich lagert dämmerschimmer Mit sanfter blendung über turm und bogen Wie einst im knospenmond da du entstiegest · Erwartung zittert als ob jezt nicht ferne Ein tor-gang hallte von ersehntem schritte: Als wandeltest Du wieder neu gestaltet In Deiner stadt wo Du für uns gewaltet. III So hohes glück war keinem je erschienen Dass er verharren dürft in seinem strahle · Mit auf- und niedergang wird es bestehen .. Ich muss mich neigen überm dunklen brunnen · Die form aus seinen tiefen wieder suchen – Anders und immer Du – und aufwärts holen .. Die reichste feier will verjüngt sich sehen Der flüchtigen von heut entnimmt sie dauer .. So lass geschehn dass ich an jeder freude Gemäss dem satz des lebens mich entfache! Da uns die trübe droht wenn wir nicht strömen Reisst oft sich unser geist aus seinen grenzen: Vom glorreichen beginn an webt er träume In reihen endlos bis in spätste zonen Verfolgt er zug um zug verwegne spiele .. Zujubelnd den erahnten morgenröten Hängt er verzückt in unermessner schwebe. Dann wieder schaut er aus wo sich ihm weise Ein fester stern – dein stern – zu stetem preise Und wo ein ruhen sei im allgekreise.