AUS: SATURNISCHE GEDICHTE DIE STUNDE DES SCHÄFERS Rot tritt der mond aus dunstigem himmel vor Es scheint der nebel tanze – es verlösche Das rauchige feld .. und das geschrei der frösche Steigt aus dem schauer-überlaufnen rohr. Die wasserblumen ruhn · gebeugte schläfer Die pappelbäume bleichen in der weite Hoch und gedrängt · ein schemenhaft geleite Und nach den büschen irren feuerkäfer. Die käuze wachen auf und streifen sacht Die schwarze luft mit ihrem schweren fittich Mit dumpfem leuchten füllet der zenith sich Und weiss taucht Venus auf – und es ist nacht. HERBSTLIED Seufzer gleiten Die saiten Des herbsts entlang Treffen mein herz Mit einem schmerz Dumpf und bang. Beim glockenschlag Denk ich zag Und voll peinen An die zeit Die nun schon weit Und muss weinen. Im bösen winde Geh ich und finde Keine statt .. Treibe fort Bald da bald dort – Ein welkes blatt. AUS: GALANTE FESTE MONDENSCHEIN Dein herz ist ein erlesenes gefild Bezaubert von dem takt der bergamasken Von lautenspielen und von tanz – ein bild Fast traurig trotz der ausgelassnen masken. Wenn sie in sanften tönen auch besingen Der liebe siege und das leichte sein: Will ihnen rechte freude nicht gelingen Und ihr gesang verschmilzt im mondenschein – Im stillen mondenscheine schön und fahl Vor dem die vögel träumen in den hecken Und in verzückung schluchzt der wasserstrahl Der grosse schlanke strahl im marmorbecken. DER LAUBGANG Geschmückt gemalt wie zu den schäferzeiten In grossen bandes-schleifen zierlich geht Sie durch den laubgang wo sich schatten breiten Und wo das moos auf alten bänken steht: Mit tausend lärvchen tausend zierereien Als ob im spiel mit lieblingspapageien. Ihr langes schleppenkleid ist blau · ihr fächer Im schmalen finger mit den breiten ringen Erzählt von so verworrnen liebes-dingen Die sie zuweilen – ganz im traume – lächern. Blond also! Ihre nase ein zierlich eckchen Ihr mund voll fleischrot kindlich stolz ist ganz Entzückend – schöner als das schönheits-fleckchen · Es hebt des auges etwas faden glanz. DIE KINDLICHEN Die hohen fersen kämpften und die langen kleider · Und je nachdem es boden oder wind gefiel Erglänzten manchmal beine – aufgefangen leider Zu häufig – und wir liebten dieses torenspiel. Und störte eines neidischen insektes stich Den hals der schönen manchmal unter einem busche · So spähten wir ob glanz auf weissen gliedern husche Und unser närrisches vergnügen mehrte sich. Verfänglich war ein spätjahr-abend angebrochen · Die schönen hingen träumerisch an unserm arm Und sagten worte so verdächtig ohne harm Dass unsre herzen seit der zeit verwundert pochen. DER FAUN Der alte faun aus grauem thone · Sieht aus dem gras mit lüsternheit · Er profezeit uns zweifelsohne Ein schlimmes end auf heitre zeit Die mich geleitet dich geleitend Uns wanderer mit trübem geist Bis zu der stunde die entgleitend Beim klang der tamburine kreist. AMOR AUF DER ERDE Der nachtwind warf den liebesgott herab Der in des parks geheimstem winkel stand Und boshaft spielte mit des bogens band Und der uns einst so viel zu denken gab – Der nachtwind jagte ihn herab · es streichen Die morgenwinde drüber hin · o trauer! Den sockel anzusehn wo der erbauer Geschrieben steht in halbverwischten zeichen. O trauer! wie der sockel nun verwaist Für sich! Ein düsterer gedanke kam Und ging in meinem sinn wo tiefer gram In eine zukunft schlimm und einsam weist. O trauer! dich sogar schien zu bekümmern Das trübe bild wenn du auch keck und heiter Dem gold- und purpurfalter folgst der weiter Sich tummelt über den zerstreuten trümmern. GEFÜHLSAMES ZWIEGESPRÄCH Im alten einsamen park wo es fror Traten eben zwei schatten hervor. Ihre augen sind tot · ihre lippen erblassen · Kaum kann man ihre worte fassen. Im alten einsamen park wo es fror Rufen zwei schatten das ehmals hervor. – Entsinnst du dich unsrer alten minne? – ›Was willst du dass ich mich ihrer entsinne?‹ Dein herz klopft bei meinem namen allein· Siehst du mich noch immer im traume? – ›Nein‹ Ach die tage so schön · das glück so unsäglich Wo unsere lippen sich trafen! ›Wohl möglich‹ Wie blau war der himmel · die hoffnung wie gross! – ›Die hoffnung entfloh in den finsteren schooss.‹ Sie gingen hin in den wirren saaten · Die nacht nur hat ihre worte erraten. AUS: LIEDER OHNE WORTE VERGESSENE WEISEN I Dies ist die müde verzückung · Dies ist der liebe bedrückung · Dies ist aller wälder gesang Unter dem kusse der winde · Dies ist durch des laubes gewinde Der kleinen stimmen klang. O schwaches und frisches flüstern! Das murmelt und zwitschert im düstern · Das ähnelt dem sanften moll: Dem hauch auf bewegtem korne – Und fast auf dem ringligen borne Der kiesel dumpfem geroll. Die seele die leidende zage In dieser schläfernden klage Es ist die unsere · nicht? Die meine sprich! und die deine · Aus ihnen flieht leise der reine Psalm in das abendlicht. II Ich ahne hinter leisem geraun In feinem umriss alte stimmen Und in dem tönevollen glimmen · Bleiches lieb · ein neues morgengraun. Herz und seele – in wahnesschleiern – Sind nur noch ein zwiefach gesicht Wo zitternd durch trübes licht Das liedchen dringt von allen leiern. O stürben wir sacht so dahin! Lass jahr und tag im gegaukel Beängstigtes lieb! nur entfliehn – O sterben auf dieser schaukel. III Es tränet in mein herz Wie es tropft auf die häuser · Was für ein sehnender schmerz Dringt mir ins herz! Ein sanftes geräusch ist der regen Auf dem boden auf dem dach. Für ein herz das die leiden bewegen – O wie singt der regen! Es regnet ohne grund Im herzen das sich verzehret. Was? kein verrat ward ihm kund? Die trauer ist ohne grund. Das sind die ärgsten peinen: Nicht zu wissen warum .. Liebe keine – hass keinen – Mein herz hat solche peinen. IV Wir müssen – siehst du – uns versöhnlich einen: So können wir noch beide glücklich werden · Und trifft auch manches trübe uns auf erden: Sind wir doch immer – nicht wahr? zwei die weinen. Vermischen wir mit unsren wirren drängen · Verschwistert herz · das kindische belieben Uns fern zu halten von der menschen gängen Und frisch vergessen was uns weggetrieben. Wir wollen kindern · jungen mädchen gleichen · Den herzen die um nichts verwundert pochen · Die unter keuschem blätterdache bleichen Und wissen sich nicht einmal losgesprochen. IX Die schatten der bäume in umnebelten wogen Wie rauch verzogen! Und oben in lüften in dem wirklichen laube Klagt eine taube. Wie blicken · wandrer · auf dich diese blassen wasser – Dich selber noch blasser! Wie traurig weint es in dem hohen laube: Dein ertränkter glaube! SPLEEN Ganz rot die rosen blinken · Der efeu ist schwarz wie die nacht. Teure · wenn leis du nur winkest Die alte verzweiflung erwacht. Zu zart und zu blau war der himmel Zu mild die luft und zu grün die bucht. Ich erwarte – ich fürcht es immer – Von dir eine schreckliche flucht. Den leuchtenden buchs bin ich müde Des hulstes gefirnisstes dach Die endlos weiten gefilde Und alles – dich nur nicht – ach! GREEN Hier siehst du blätter früchte blumenspenden Und hier mein herz · es schlägt für dich allein! Zerreiss es nicht mit deinen weissen händen! Lass dir die kleine gabe teuer sein. Ich komme eben ganz von tau noch blinkend Den kühler wind an meiner stirn gefriert · Geruhe dass sie dir zu füssen sinkend In teurer rast die müdigkeit verliert. Mein haupt noch dröhnend von den lezten küssen Lass michs an deinen jungen busen tun Dass es genest von starken wettergüssen Und lass mich da du schläfst ein wenig ruhn! VÖGEL IN DER NACHT * Was verlier ich mich in eitler klage! Da ich weiss du liebst mich nicht: ists gut. Dass mich keiner zu bedauern wage Will ich leiden mit entschlossnem mut. Ja ich leide da ich dich geliebt · Doch ich halte wie ein krieger stand Der noch liebe voll sein leben gibt Blutend für ein undankbares land. Du in der ich liebe · schönheit fand · Trifft auch all mein kummer mich durch dich· Bleibst du immer doch mein vaterland Wie mein Frankreich toll und jugendlich. * Ich gleiche manchmal einem armen schiffe · Es läuft entmastet mitten durch die stürme · Es sieht kein licht auf Unsrer Frauen türme Und wartet betend auf den tod am riffe. Und manchmal leide ich wie jener böse Der sich verdammt weiss wenn er nicht bekennt · Der nicht mehr hofft dass ihn ein priester löse Und schon im vorgefühl der hölle brennt. Doch manchmal ach! mich fromme brunst belebt Des ersten christen vor dem strafgerichte: Er lächelt seinem heiland zu · ihm bebt Kein haar am leib · kein nerv im angesichte. AUS: WEISHEIT I Vermummter guter reiter auf dem stillen rosse – Das unglück traf mein altes herz mit dem geschosse. Mein altes herzensblut in einem strahl entfuhr Um zu verflüchten in dem lichte auf der flur. Mein aug erlosch · ein schrei entfuhr aus meinem munde · In wildem zucken ging mein altes herz zugrunde. Der ritter Unglück hat indessen beigelenkt · Ist abgestiegen · hat die hand auf mich gesenkt. Sein finger erzumkleidet trat in meine wunde – Er gab mit rauhem wort von seinem willen kunde. Und sieh! kaum drang sein kalter eisenfinger ein Ward mir ein neues herz – ein herz so stolz und rein. Und sieh! erleuchtet wie von einem himmelsdochte Ein herz so jung und gut in meinem busen pochte. Noch blieb ich zitternd und zum zweifel noch geneigt Wie einer dem der Herr im schlaf gesichte zeigt. Er aber sass von neuem auf · der gute reiter · Er nickte mit dem kopf herab und sprengte weiter. Er schrie: – und seine stimme gellt mir noch im ohr – Nun aber vorsicht! solches kommt nur einmal vor. KASPAR HAUSER SINGT: Sanften blickes ein stiller waise Zu grosser städte getös Kam ich auf meiner reise – Niemand nannte mich bös. Im zwanzigsten jahre ein grauen (Man heisst es auch liebesglut) Gab mir die schönheit der frauen – Sie waren mir nicht gut. Wenngleich ohne heimat und erben Wenngleich ich für tapfer nicht golt · Im kriege wollt ich sterben .. Der tod hat mich nicht gewollt. Kam ich zu spät · zu frühe? Ich weiss nicht wie mirs ergeht. O ihr all! schwer ist meine mühe – Sprecht für mich ein gebet! XVII Teure hände · ehmals die meinen · Nach diesem tödlichen irren Nach diesen heidnischen wirren Ihr die ganz schönen ganz reinen – Nach den rheden und uferräumen Nach den ländern und provinzen – Hehrer als hände der prinzen Geleitet ihr mich zu den träumen. Traum-hände · auf meiner seele · Was ihr zu sagen geruhtet Mitten in sünd und fehle Zu dieser seele die flutet! Trügt es mein keusches sinnen Von geistiger begleitschaft Von mütterlicher bereitschaft Von liebe weit und tief innen? Strafe · gute begehrte · Heils-träume – hände der weihen O hände · deine · verehrte · Hebet euch zum verzeihen! AUS: GEDICHTE SEEBRISE Das fleisch ist trauernd ach! und alle bücher las ich. O fliehen dorthin fliehn! ich weiss dass vögel trunken Inzwischen unbekanntem schaum und hirnmel sind. Nichts – auch die alten gärten die das auge spiegelt Nicht – hält dies herz zurück das sich im meere badet. O nächte! weder die verlassne helle meiner lampe Auf meinen leeren blättern die die weisse schüzt · Noch auch die junge frau die ihren säugling stillt. Ich zieh ins ferne. Dampfer das getakel schaukelnd Den anker heb nach einer fremden heissen erde! Ein leid · um grausam hoffen in verzweifelung · Vertraut noch auf der taschentücher lezten gruss. Vielleicht sind diese masten die die stürme laden Von denen die ein windstoss neigt auf die zerschellten Verlornen · ohne mast noch grüner insel flor ... Doch · o mein herz · horch horch auf der matrosen chor! ERSCHEINUNG Der mond war in trauer und weinende engel im traum · Den bogen in ihren händen im blumigen raum · Im hauchenden · liessen aus den sterbenden saiten Wie weisse seufzer auf azurne kelche gleiten. Es war deines ersten kusses gesegneter tag. Mein schwärmen quälte mich mit geisselndem schlag Und tauchte mich weise unter im dufte der trauer Der ohne nachgeschmack lässt und ohne bedauern Das pflücken eines traums fürs herz das ihn pflückt. Ich irrte das auge aufs alternde pflaster entrückt – Da kamst du mit der sonne im haar auf den wegen Und in dem abend auf einmal mir lächelnd entgegen. Ich glaubte ich sähe die fee im strahlenhut Die einst überm schlaf des verwöhnten kindes geruht Mit halbverschlossenen händen vorübergleiten Draus weisse sträusse von duftenden sternen schneiten. AUS: HERODIAS HERODIAS HERODIAS DIE AMME Lebst du? ist dies nicht einer fürstin schatte? Dein finger und sein ring zum mund mir! wandle Nicht länger durch vergessne zeit! Zurück! Die blonde flut · mein unbeflecktes haar · Den leib der einsamen umbadend · macht Ihn starr. Mein haar vom licht durchflochten ist Unsterblich ... Weib! mich tötete ein kuss Wäre nicht schönheit tod .. Was zieht mich hin Und welch verschollner morgen der profeten Ergiesst ein trübes fest auf sterbendes Gefild – ich weiss nicht. Winterliche amme · Du sahst in dumpfer gruft aus stein und eisen Wo meiner löwen wilde jahre schleichen Mich schreiten im verhängnis – unversehrt In dieser alten fürsten ödem duft. Doch hast du meinen schreck gesehn? ich stehe Von fremder heimat träumend und entblättre Wie überm brunnen dessen strahl mich grüsst Die bleichen lilien die in mir sind .. Und wie verzückt der zarten trümmer fall Sacht durch mein sinnen hin zu folgen · drängen Die löwen meines kleides saum und schaun Auf meine füsse die dem meer geböten .. Gebiete · du · des greisen körpers schauer Und komm! da meines haars zu wilde weise Wie die von mähnen dich beängstet. Hilf mir Da du mich so nicht mehr zu sehen wagst Dass ich mich lässig vor dem spiegel kämme! Wenn nicht die heitre myrrhe in den urnen – Willst du geraubte seele alter rosen Mit ihrer totenhaften macht versuchen · Mein kind? Lass die gerüche! weisst du nicht Dass ich sie hasse · amme! oder willst du Mit ihrem rausch mein mattes haupt ertränken? Ich mag nicht dass mein haar wie blumen sei Die über menschenpein vergessen breiten. Es sei wie gold für immer frei von düften Grausamen glanzes oder stumpfen schimmers Des erzes unfruchtbaren frost bewahrend. Denn in ihm spiegelten der heimat mauern Geschmeid und wehr seit meiner öden jugend .. Verzeih! das alter wischte dein gebot Aus meinem geiste wie ein altes buch! Genug! halt diesen spiegel vor! O spiegel · Wasser durchs leid im rahmen eingefroren · Wie oft und während stunden in verzweiflung Ob träumen und erinnerungen suchend Wie blätter unter deinem tiefen eise Erschien ich mir in dir ein ferner schatten! Doch schrecken! nachts · bei deiner strengen quelle Ward meines irren traumes nacktheit kund. O amme · bin ich schön? Ein stern fürwahr. Doch diese flechte sinkt. Halt ein im frevel Der bis zum quell mein blut erstarrt! bezähme Den griff – bekannte lästerung! und melde Welch starker dämon dich so fremd erregt! Dies küssen · dargebotne dufte und (unsagbar Mein herz!) o diese hand noch schänderisch – Denn du berührtest mich – sind eines tags Der nicht ohn unheil auf dem turme endigt ... Turm den Herodias mit grauen schaut. Seltsame zeit fürwahr! behüt der himmel! Du schweifst · einsam gespenst und neue furie · Und schaust frühreif in dich mit angst – und doch Anbetungswert gleich den Unsterblichen · Mein kind! und furchtbar schön und so geschaffen .. Berührst du mich nicht eben? Gerne wär ich Dess eigen dem das los dich aufgespart. O schweig! Kommt er nicht dennoch? Reine sterne Hört nicht! Wie · wenn nicht unter finstrem schauder · Soll man noch unversöhnlicher sich denken Im gnadeflehn den gott der deiner reize Kleinod für sich erharrt – und wem · von angst Verzehrt · bewahrst du den verborgnen glanz Und deines wesens leer geheimnis? Mir! O blume einsam trüb die nur bewegt Ihr schatten den sie starr im wasser blickt! Behalt für dich dein mitleid wie dein höhnen! Und doch erkläre · du unkindlich kind! Wird nie die herrische verachtung schwinden .. Doch wer berührt mich die die löwen scheuen? Auch will ich nichts von menschlichem · ein steinbild. Und siehst du meinen blick nach himmeln suchend: Denk ich nur deiner milch die ich einst trank. O kläglich opfer · dem geschick verfallen. Für mich · ich blühe nur für mich · verlassen: Ihr wisst es · amethystne gärten: endlos In weissen schluchten blendenden verhüllt · Verkanntes gold das alte leuchten bergend Im düstren schlafe ungenuzten landes! Ihr steine draus mein auge · reines kleinod · Klangvolle helligkeit entnimmt – und ihr Metalle die ihr meinem jungen haar Unseligen glanz verleiht und starres wallen .. Du weib · in schlimmen zeiten aufgezogen Zur bosheit der sibyllenhöhlen · sprichst Von einem sterblichen auf dessen wink Aus meines kleides tulpen · wilder duft · Der weisse schauer meiner nacktheit stiege – Verkünd dass wenn der laue sommer-azur Für den die frau unschuldig sich enthüllt · mich In meiner sternenkeuschheit zitternd sähe: Ich stürbe .. Graun der jungfrau lieb ich · will Im schrecken leben den mein haar mir macht Um abends auf mein lager schleichend – schlange Unnahbar – auf der brachen brust zu fühlen Das kalte rieseln deiner bleichen klarheit Du die hinstirbt du die vor keuschheit brennt Du weisse nacht aus eis und grausigem schnee. Einsame schwester · ewig schwester mir! Mein traum steigt zu dir aufwärts und schon so In seltner herzenshelle die ihn dachte Glaub ich allein mich in der öden heimat Und alles lebt um mich im götzendienst Des spiegels der in schlafesstille zeigt Herodias mit klarem demantblick. O höchster reiz! ich fühl es .. ja! allein! So willst du sterben? Arme ahnin – nein! Sei still und geh! verzeih mir hartem herzen! Doch vorher · willst du? schliesse hier! der azur – Seraphisch lächelt er im tiefen fenster .. Ich hasse ihn den schönen azur. Wellen Dort – wiegen sich. Weisst du nicht fern ein land Mit düstrem himmel und dem hassesblick Der Venus die des nachts im laubwerk glüht?.. Dort will ich hin .. Noch zünde (kindesspiel Sagst du?) die fackeln wo bei leichtem brand Das wachs im reinen golde seltsam weint Und – Jezt? Leb wohl! Ihr lüget nackte blumen Der lippen! Droht doch unbekanntes ding! Vielleicht auch wisst ihr nichts von dem geheimnis Und stosst den lezten und zerquälten schrei Der kindheit · fühlend wie sie unter träumen Sich endlich löst von kühlen edelsteinen. AUS: GEDICHTE VOKALE A schwarz E weiss I rot U grün O blau – vokale Einst werd ich euren dunklen ursprung offenbaren: A: schwarzer samtiger panzer dichter mückenscharen Die über grausem stanke schwirren · schattentale. E: helligkeit von dämpfen und gespannten leinen · Speer stolzer gletscher · blanker fürsten · wehn von dolden. I: purpurn ausgespienes blut · gelach der Holden Im zorn und in der trunkenheit der peinen. U: räder · grünlicher gewässer göttlich kreisen · Ruh herdenübersäter weiden · ruh der Weisen Auf deren stirne schwarzkunst drückt das mal. O: seltsames gezisch erhabener posaunen · Einöden durch die erd- und himmelsgeister raunen. Omega – ihrer augen veilchenblauer strahl. DER SCHLÄFER IM TAL Ein grüner winkel den ein bach befeuchtet Der toll das gras mit silberflecken säumt · Wohin vom stolzen berg die sonne leuchtet – Ein kleiner wasserfall von strahlen schäumt. Ein kriegsmann jung barhaupt mit offnem munde Den nacken badend in dem blauen kraut Schläft unter freiem himmel · bleich · am grunde Gestreckt · im grünen bett vom licht betaut. Ein strauch deckt seine füsse. Wie ein kind Lächelnd das krank ist hält er seinen schlummer. Natur umhüll ihn warm! es friert ihn noch. Ihm zuckt die nase nicht vom duftigen wind. Er schläft im sonnenschein · die hand auf stummer Brust – auf der rechten ist ein rotes loch. FAUNSKOPF Im busche · grüner schrein mit goldnem guss · Im busche voll von blumigem geschwanke · In riesenblumen schläft der goldne kuss · Dort zeigt sich keck vorm köstlichen geranke Mit grossen augen der verliebte faun Der weissen zahns die rote blume beisset Und wie ein alter wein blutfarbig braun · Sein mund mit lachen durchs gezweige reisset. Ist er geflohen wie ein eichhorn flink · Hängt noch an jedem blatte sein getriller Und es erscheint geschreckt durch einen fink Der goldne kuss im wald. Dann wird es stiller. AUS: ERSTE VERSE * Am wasserplatz der singt und kühl gewährte Schwieg der zerstreuten meute lang gebell · Die jäger flohen auf den rossen schnell Bei horn und stimmenlärm auf falsche fährte. Den teich bewegten nicht der hunde zungen Kein fuss zertrat der graden rohre stolz · Kein zug in der verlezten bäume holz Begräbt die flüchtigen erinnerungen. Und abends kommt zu mir der hirsch gezähmt · Wenn aus der flöte kindlich und verschämt Mein finger lockt die abgemessnen klänge · Er reicht gekniet sein ästiges geweih Woran ich eine rosenbotschaft hänge Dir · Süsse · deine diener sind wir zwei. NACHWORT Im alten buch geziert mit krallenschlössern Hab ich begierig nach der zauberweisheit Den geist und allen willen eingesezt Um der juwelen manche kraft zu lernen. Smaragde helfen zwillinge gebären · Rubin macht keusch und hält die lüste fort · Der amethyst das auge fleissger nächte · Und demant bricht das gift und böses wort. Ich tötete an seinem tisch den meister · Als kymophan er schnizte und gagat Ein wirksam mittel gegen zaubereien. Die steine hab ich dir gestohlen · Holde! Und tat an meine hand sein vorrecht kennend Den chrysolith der von dem wahnsinn heilt. AUS: WIE IM TRAUM ABSCHNITT Wo sich des waldes wege kreuzen – eines abends Im sturm · mit meinem schatten – eines abends Die aschen müd von herden und von jahren Eh ich die vorbestimmung noch erfahren Liess ich mich hin. Die wege zogen nach den tagen hin · Ich hätte noch mit ihnen ziehen können · Und immerfort Zu ländern meeren träumen immerfort Bis zu dem tag Wo mit der magischen geduldigen hand der Tod Mein aug geschlossen hätte mit dem siegel: Mit seiner goldnen friedensblume. Du weg der stolzen eichen und der einsamkeit · Dein herber stein ist schlimm für müdigkeiten · Dein spitziges geröll für müde füsse. Dort wird das blut vergangner jahre bluten Bei jedem schritt. Die stolzen eichen schelten in den rauhen winden Und ich bin matt. Du weg der klaren birken die sich zitternd Entblättern · bleich wie deiner bleichen wandrer schmach · Der irrenden in deinem zähen schlämme. Sie gehn zusammen · Sich drehend um sich nicht ins angesicht zu sehn – Du weg aus kot und schweissenden gewässern · Wind flüstert deinen blättern seine klage · Der grossen sümpfe silber mond und frost Stehn still im dämmerlichte deiner fähren · Und wer dir folgen will Den führt gram bei der hand. Du weg der sanften eschen und des leichten sandes Wo wind den schritt verwischt und wünscht dass man vergesse · Dass man wie er von baum zu baume gleite – Wie goldner sand ist deiner honigblumen farbe · Dein bogen so dass man wo's abweicht nicht bemerkt. Die stadt zu der du führest ist den fremden hold · Sacht würden meine füsse über ihre schwelle treten Wenn sie nicht an dem andern leben haften blieben Wo hoffnung weinend aus nach toten schatten späht. Ich werde nicht zu euren eichen schreiten Noch längs der birken längs der eschen · Zu euren sonnen städten und gewässern · O wege! Ich höre die vergangenheit! sie blutet · Die totgeglaubten schritte – ach sie kommen wieder Und scheinen mir vorauszugehn mit ihren echo. O wege! Du leichter du · du schmählicher · du stolzer! Ich horche zu Dem wind · begleiter meiner eitlen züge · Der weint und wandert durch die eichen weiter. O seele mein · der abend trauert wegen heut. O seele mein · der abend schauert wegen morgen. O seele mein · dem abend bangt es wegen dir. EIN TRAUM VON STUNDEN UND JAHREN Es ziehn vorbei vergessner stunden züge ... Den schatten schmückte ich mit bleichen blumen Und von der decke bis zum estrich hin Liess ich die wände lange falten tragen Gefärbt von toten nächten und verlornen tagen Und meine bleich gewordnen träume In noch bleicheren schatten Erschienen darin eingewebt Mit reinen händen drin die goldne blume bebt. Des alten und trübsinnigen hauses grund Von saal zu saal · von stund zu stund Durchschweifst du · lächelst · weinst · Erinnerung mit dem angesicht von einst · Schreitest auf sandalen Lautlos wie neben einem schläfer her. Die klare silberampel mit dem goldnen öl Verstreut durch deine wachsam bleichen hände strahlen Auf der Vergessenen wangen Auf ihrer augen schlaf und ihrer lippe kühle · Sie die im fahlen kleide mit juwelenspangen Sich schlummernd stützen in dem alten chorgestühle. Und meine seele wohnt in trübem haus Wo bis zum estrich von der decke aus Die wände lange falten tragen Von toten nächten und verlornen tagen. Die fenster ach! sind offen all gen norden. Der horizont ist himmel weg und flut. O dass ich noch mit meinen träumen schwebte · Geführt wie einst längs weg und flut! O dass mein traum noch vor mir schwebte Mit reinen händen drin die goldne blume ruht! AUS: PARADIESISCHES GEDICHT AN DIE LORBEEREN O lorbeern die im grossen strengen schatten Ihr den gedankenvollen jüngling hegtet · Erzählet mir von ihm · am ersten abend Erzählet mir von ihm in milden worten · Ihr alten lorbeern! weil vielleicht er hört · Weil er vielleicht entfernt ist und doch hier. Wie hat der junge hüter euch geliebt · Wie beugtet ihr auf seine freundes-stirne Die äste oft um euer lob zu hören! Er las in jenem buche worin züchtig Die seele zittert und begehrt und weint Umschlossen vom gewand antiker grazie. Langsam im kreise stieg der schöne garten Auf – wie ein traumbild aus dem herzen steigt Bewässert von der reinen sangesweise · In einem ungewohnten geistigen licht Das nicht vom himmel sondern auf der erde Von dem unsterblichen gedicht entflossen. O lorbeern · ich bin der! nicht mehr verberg ichs – Ich bin es der im buche las · das licht Erschaute und im tiefen herzen froh war. Ist alles hin? der lezte strahl bespottet Im grossen becken das verfaulte wasser · Auf einer hohen mauer schreit der pfau. In dem geblichnen und versengten grase Sind tot des ortes liebe schutzgewalten .. So ist denn jede gottheit hingeschwunden? Nur kommt ein heisrer klang der glocken näher · An welchem leid die fromme flut sich bäumt! Der schatten dringt zu einem haus allmählich · Dem trüben haus wo meine mutter weint. TROST Nicht länger weine! der geliebte sohn Kehrt heim zu dir. Er ist des lügens müde. Komm mit hinaus! zeit ist es neu zu blühen · Du bist zu weiss · dein antlitz gleicht einer lilie. Komm mit ins freie! der verlassne garten Bewahrt für uns noch manchen seitenweg. Ich sage dir wie das geheimnis süss ist Das auf gewissen fernen dingen schwebt. Noch manche rose ist am rosenbusche. Noch manches kraut gibt schüchtern seinen duft. Obwohl verlassen wird die teure stätte Noch lächeln wenn du lächeln wirst. Ich sage dir wie süss das lächeln ist Gewisser dinge die vergessen dulden. Was dächtest du wenn jezt mit einem male Die erde dir zu füssen blumen brächte? Dies wird geschehen wenn es auch kein mai ist. Komm mit · bedecke nicht dein haupt! sanft ist Septembersonne und noch scheint kein silber Auf deinem haupt und fein ist noch die falte. Warum verweigerst du mit müdem blicke? Die mutter tut des guten sohnes willen · Du musst ein wenig sonnenschein geniessen · Ein wenig sonne auf dein weisses antlitz. Du musst getrosten mutes sein · du musst An alle bösen dinge nicht mehr denken .. Wenn wir nach jenen rosenbüschen gehen So red ich leis und deine seele träumt. Träume · träume! teure seele. Alles Wird wie in den vergangnen jahren sein. Ich will in deine reinen hände legen Mein ganzes innre. Nichts ist noch verloren. Träume · träume! ich will dein leben leben · In einem neuen leben tief und einfach Erstehn. Die leichte hostie die reinigt Ich will aus deinem finger sie empfangen. Träume! da des träumens zeit gekommen. Ich rede. Sag · versteht mich deine seele? Sieh! in den lüften schaukelt und entfacht sich Fast das gespenst von einem toten mai. September (sag! vernimmt mich deine seele?) Hat in den düften und in seiner blässe So etwas wie die düfte und die blässe Von einem lenz der aus dem grabe steigt. Träumen wir! es ist die zeit zu träumen · Und lächeln wir! dies hier ist unser lenz. Zuhause später in den abendstunden Schlag ich den flügel wieder auf und träume. Wie lang lag er im schlaf der flügel! damals Schon fehlte eine saite · eine saite Fehlt immer und die tasten mahnen an Der ahnin wächserne und schmale hände. Inzwischen von dem abgeblassten vorhang Wird ein geruch ein zarter sich verbreiten · (Du hörst mich?) etwas wie der schwache atem Von veilchen die ein wenig schon im welken. Ich werde einen alten walzer spielen Sehr alt sehr edel · auch ein wenig traurig · Der klang wird heiser und verschleiert sein Als ob er aus dem andern zimmer käme. Für dich allein will ich ein lied verfassen Das dich wie eine wiege schaukeln soll Nach einem alten tone · doch mit etwas Nachlässiger und schwanker zierlichkeit. Wie in der fernen zeit wird alles sein · Die seele einfach werden wie sie war Und wenn du wünschest sachte zu dir kommen Wie in die hohle hand das wasser kommt. DER BETRUG Ich leide nicht! nein · wenn ich schweigsam bleibe Am abend wenn ich dir zu füssen sitze – (O schreck des nahen nächtigen gerichtes In jenem grossen weissen bette) wisse: So tu ich es damit die seele besser Geniesse diese köstlich süsse stille – (Bei tag und nacht zermartert ein gedanke Die seele ohne ruhe ohne ruhe!) Die süsse stille die um mich gezogen Vielleicht mit allzu ungewohnten freuden. (Verleih · o Herr · verleih dass ich auf immer Mein schreckliches geheimnis nicht verrate!) O dies vergessen-haben · dies verzichten Auf alles · dir zu füssen · sei gesegnet! (Die seele wird niemals vergessen können · Niemals vergessen · niemals!) sei gesegnet! EINE ERINNERUNG Zu der erde wandte sie die blicke – Unerklärlich schweigen. Die minuten Schienen klüfte masslos zu eröffnen. O dass wir doch unter unversehenem Schlag auf ewig stumm geblieben wären! Langsam hob sie auf mich jene augen. Ihre lippen leer von blut und zuckend Seh ich noch und ihre ersten worte Fallen wie die ersten tropfen blutes Einer wunde die zu bluten anfängt. EIN TRAUM Sie war gestorben. Sie war kalt. Die wunde War kaum ersichtlich in der einen seite: Ein kleiner ausgang für so grosses leben! Weit minder weiss erschien mir als die leiche Das linnen · niemals wird das auge sehen Ein ding das weisser ist als jenes weiss. In flammen traf der ungestüme sommer Die scheiben und insekten · ungeheure · Im schwülen dunste summten ohne ruhe. Sie war erstarrt. Ich sagte: schläfst du denn? Mit einem stumpfen fürchterlichen lächeln Ganz nahe wiederholt ich: schläfst du? schläfst du? Schläfst du? und denkend dass die schrille stimme Nicht meine wäre bebte ich vor angst. Ich horchte. Aber weder hauch noch stimme! Es schien als ob die wände flammen wären. In jener schwüle hob sich immer stärker Ein odem wie aus einem grabgewölbe. Der unbesiegliche geruch des todes Erstickte mich – ich musste wohl ersticken · Ich selber hatte tür und tor geschlossen. Schläfst du? Schläfst du? sie hatte keine antwort · Das linnen schien vor ihr weit minder weiss. Auf erden werden nie die augen sehen Ein ding das weisser ist als jenes weiss. AUS: VERSE I–V DAS BUCH Sie sprach: du sitzest verstimmt über deinen papieren Und zupfest im munde die feder die lange nicht ruhte. Brich ab mit deinen gedichten und ernsten gedanken Und weihe dem eigenen glück eine kurze minute! Und saugt dein gemüt durch vieles sinnen gefesselt Im garten der bücher einen belebenden odem Und stützest du brütend das schwere haupt mit dem arme Wie hölzerne götter in indischen pagoden: So stelle dir vor ich wäre ein buch: ein solches Das nie zu betrüben und immer zu trösten suche Und wenn aus der feder dir ein missklang gleitet So blättere einige seiten in diesem buche! IM NEBEL DES HERBSTES Auf meiner gedanken auen war lange dürre · Die gütige sonne strahlte den reifenden feldern · Heut stechen die scharfen stoppeln und werfen schweigend In nebel gehüllt einen langen blick nach den wäldern. Ich wollte das wasser der sinnlichen quelle schöpfen · Im rasen der lüste gelagert mich vergessen. Es ist zu spät! um die zieh-brunnen braust der nord · Ihre schwengel ragen empor wie verödete essen. Ich schaudere. Doch wenn manchmal die nacht in die augen Mir schaut und die träume fliegen – o traurige schemen: Es drückt mein gedanke sich an die brust der begierde Wie an seine stute der bronzene leib des moslemen. PALME IN DER WÜSTE Herrin · ich sah dich plötzlich schlank wie die palme Und dachte dass ich im wandern jezt rasten würde Mein schweres haupt dem schutz deiner haare vertrauend Wie einem baum ein pilger seine bürde. Ich wollte zu füssen deines kräftigen lebens Den lüften lauschen die deiner wimper begegnen · Ich möchte die wonnen mystischer liebe trinken · Erwartend ob weiche küsse auf mich regnen. Doch weisheit die jede lust zu zerstören bedacht ist Lässt mich mit trügendem gleichmut vorübereilen Damit ich nicht eines traurigen abends bedaure Die schatten des lieblichen baumes die hinter mir weilen. PHÖNIX STEIGT AUS DEN FLAMMEN Ewig unsterbliches lied der immer jungen liebe Fliegt geheimnisvoll durch vermooster jahrhunderte wald Auf der holdseligen schwermut melodischen flügeln. Schliessen möchten sich menschliche lippen gleich mimosen Rosen gleich wenn vom kirchturm der angelus niederfliesst Wie bei des mondes erscheinen die persischen tulpen. Auf der holdseligen schwermut melodischen flügeln Durch die gärten durch meine träume fliegt wonnend dahin Ewig unsterbliches lied der immer jungen liebe. MEINE GELIEBTE... Meine geliebte hat augen wie ein see Augen wie ein see hat meine geliebte. Warum geliebte? Siehst du in fernen gefilden irrend Inmitten der berge ein grünliches meer So sprich: In diesen gewässern schlummert ein stück meines lebens. Meine geliebte hat einen leib ganz weiss Einen leib ganz weiss hat meine geliebte. Warum geliebte? Fällt auf den kirschbaum der schnee der blüten Und tauchst du dein aug in das sinnige weiss So sprich: In diesen blüten beschau ich ein stück meines lebens. Meine geliebte hat ein berückendes lächeln Berückendes lächeln hat meine geliebte. Warum geliebte? Giessest du dir einen trank in den becher Und trübt der wein deine schaffenden sinne So sprich: In diesem weine schäumt ein stück meines lebens. Meine geliebte hat duftende haare Duftende haare hat meine geliebte. Warum geliebte? Wenn du im kies eines parkes wandelnd Den duft der orangen in dich trinkst So sprich: In diesem dufte schwebt ein stück meines lebens. Meine geliebte kennt ein entzückendes lied Entzückendes lied kennt meine geliebte. Warum geliebte? Wenn unserer freuden ernte vorüber ist Und hörst du ein lied aus einsamer gasse klingen So sprich: In diesem liede schluchzt ein stück meines lebens. Meine geliebte hat einen türkischen dolch Einen türkischen dolch hat meine geliebte. Warum geliebte? Liebst du mich sehr so schmied ich daraus eine feder Und wenn du priesterlich hehre sänge schreibst So sprich: In dieser feder gleitet ein stück meines lebens. DER ORTE GIBTS... Der orte gibts die eingedenk Der mensch umgeht mit achtsamkeit Als ob ereignis längst verschollen Sich traurig wiederholen könnte – In diesem leben rätselhaft Gibts orte welche eingedenk Der mensch umgeht mit achtsamkeit. Der orte gibts die wehmutvoll Der mensch besucht im träum – Vergangenem ereignis treu Verhüllt im mantel des gefühls Schöpft er unendliches bedauern An orten welche wehmutvoll Der mensch besucht im traum. LILIEN EIGENE BLUMEN Ich schreite mit des prunkenden herzens gefühlen Nach traurigen lebens rötlichen gestaden · Ich schreite mit weisen gedanken auf marmorner stirne Durch blinder erinnrungen zerfallene arkaden. Bevor die sonne den himbeerfarbenen fächer Entfaltet und meeresvögel den schrei erheben Besteig ich voll sanftmut das gespenstische fahrzeug Dess schwarze segel zur insel der toten streben. Mit angespielter leier zartem gesange Entfach ich was von sterbender liebe noch glüht Und segne diese duftende einzige wahre Von der in der ferne ein herz ohne namen blüht. TEICH DER ERINNRUNG Auf sehnsuchtvollem teiche der weissen erinnrung Auf schlafenden fluten von angst und von wahn Segl ich tief einsam in den stunden des seufzens Auf nachtäugigen angedenkens kahn. Ich gleite still und die schwäne der gefühle Tauchen ferne von mir in das dunkel ein · Ich gleite wie in einer feudalen ballade Mondlich beleuchtet von der gedanken schein. Ich segle schweigend – plötzlich aus klagenden fluten Hebt sich die maid der reue in sagengrau Und schluchzt die weissen lilienhände windend Wie einsame quelle auf der verwitweten au. Auf sehnsuchtvollem teiche der weissen erinnrung Auf schlafenden fluten von angst und von wahn Segl ich tief einsam in den drückenden nebeln Auf nachtäugigen angedenkens kahn. WACH AUF Wach auf die du mich geleitet durch einsame jahre Smaragdener stern meines lebens · wach auf! Wach auf · du leuchtende sfinx · denn es läutet Zum angelus droben vom turme der kirche – wach auf! Die kräuter der schlummernden felder duften berückend Und stimmen ertönen vom grünlichen wasser – wach auf! Wach auf! dem auge des himmels fallen die lider Vorm kusse der feierlichen nacht – wach auf! Wach auf! meine arme erhoben sich zum gebete · Erhoben sich wie zwei gespenstische vögel – wach auf! ERINNERUNG AN PAUL VERLAINE I AM TOTENBETT Der Weise der kühn in das auge des lebens schaut Wird unbereit vom tode nimmer ereilt. Er klagt weder bittend um ein verlängertes leben Noch rechtet er mit den jahren verflossener jugend Noch fürchtet er sich vor unbekannten gefilden Noch zeichnet er pläne der klugheit in seinen gedanken. Er schreitet mit stolzem abgemessenem schritte Und wenn er dem ehernen tod auf dem wege begegnet · So bleibt er stehen und bietet die stirn ihm dar: Er überliefert dem mäher die reifende ähre. II NACH DEM BEGRÄBNIS So bist du geschieden · pauvre Lelian · und liessest Uns treue hüter deines barmherzigen liedes Das wirken wird so lang im menschlichen geist Als unser planet das antlitz der sonne umkreist. Nachdem sie beturbant dich mit dem weissen lein Und dich verschlossen in schmucklosen fichtenschrein Und dich überschüttet mit erde – erdengeschicke – Wird sich deiner züge deutliche prägung verwischen. Doch ich werde oft dich noch sehn in der dunkelheit Wenn regen von den verhüllten gestirnen speit – Dein sagenhaft haupt in deinem mantel verborgen Auf Sankt Genovevens lateinischer höhe – Ich stehe und schaue erfasst von unheimlicher macht Und zwölfmal schlagen die glocken der mitternacht. MEINE MENSCHLICHE LIEBE Meine menschliche liebe ist nicht von fleisch und von blut · Sie schaukelt auf den geistigen b-moll-flügeln – Sie waltet eigenschaftslos in unendlichkeiten · Von sinnbildern frei und frei von ebenbildern. Ich fühle sie – heimliches flüstern der kommenden tage · Ich fühle sie – wonnende nebel des blauen sumpfes · Doch ich vermag nicht sie aus den saiten zu locken · Vermag sie zu malen nicht und nicht sie zu meisseln. Wenn ich die worte zum worttag des wohlklangs berufe Dass flügelgedanken auf durstigen mund sich mir setzen: Kein wort ist im stande das siegel des rätsels zu brechen · Denn nicht ist von dieser welt meine menschliche liebe. Vielleicht verstände sie irgendein meeresgestade Wo die sonne in heimweh den glühenden bogen zeichnet Auf felsen auf stränden wo schildkröten gleich und vögeln Die roten gedanken ruhen in sattem schlafe. REGEN-LANDSCHAFT Der regen · dunkel · der mond in verdichteten wolken Ertränkt die elektrischen augen im kühlen bad – Schlaf-wandelnden jungfrauen gleich in wehenden hemden Irrt luftiger nebel auf nasser hügel pfad. Ein haus steht geheimnisvoll am fuss eines hügels Ohne schutz ohne klang ohne licht ohne lied · Die läden sanken herab auf seine fenster Wie auf ein träumendes auge das müde lid. Der regen weint gleich der reifen frauenseele · Ist ihre heliotropische liebe vorbei – Die ganze welt ist bedeckt mit feuchtender schwüle · Wird finster und ruht nach abgebrochenem schrei. Ein wesen sonderbar gehüllt ganz in schleier Pocht heimlich wie eine maus an dem schweigenden haus Und wartet · pocht wieder und wartet gekauert Und giesst sich · ein trüber fleck · in die dämmerung aus. DIE SCHWALBEN Wie eine türkin bläulich grün gekleidet · So ging sie langsam in der felder fläche. Auf ihre hüften ihre haare flossen Wie morgenstrahlen auf zwei bergesbäche. Zur rechten grüsste sie der weisse roggen · Zur linken zitterte der lerchen chor Und wie die wache bei der fürstin nahen So stand des feldes pappel grad empor. Der tag versank schon und die sonne pflanzte Westwärts das banner der Johannis-nacht Dess bunte spitzen sich im winde hoben – Das Ave von dem dorfe schallte sacht. Auf einmal eine – zwei – drei schwalben – viere Mehr und mehr schwalben hinter ihr erscheinen · Sie ziehen überm haupt ihr blitzeskreise Und hundert kreise · kronen gleich · in einen. Der jungfrau bangt vor ihren schwarzen feinden · Sie jagt sie weg · sie schwenkt ihr tuch im winde · Doch unbotmässig folgen noch die schwalben Mit lautem schrei dem unbeschüzten kinde. Im freien so bestürmt von geistervögeln Will sie ins schloss zurück in banger eile · Sie läuft mit lautem pochen bleich erschrocken Umkrönt von diesen schwalben schnell wie pfeile. Zur linken grüsste sie der weisse roggen · Zur rechten sah die lerche staunend vor Und wie die wache bei der fürstin nahen So stand des feldes pappel grad empor. DIE ZAUBERIN Warum · geheimnisvolle herrin · führst du Mich und verbirgst mir rätselhaft die wege? Von deiner stirne strahlen engelslichter · Wohin du schreitest ist ein sonnen-land. Wie der ernährerin ein zartes lamm Aufmerksam nachläuft also folg ich dir · Gleich einem irrlicht auf verstreuten sümpfen Verlockst du mich und lächelst zauberisch. Bist du das märchen wohl der berges-grüne Von dem ich seit den kinderjahren träume? Bist du nicht sie die auf planeten herrscht? Dem ritter aus den grauen zeiten gleich Irr ich dir nach · o Melusine · träumend. Doch wohin führst du mich? ins land der trauer. WAHLSPRUCH Wozu der stolz auf den besitz der gefühle? Wozu dich rühmen deiner gedanken und taten? Bist du nicht geschaffen aus einer handvoll erde Vermischt mit einigen tropfen bittren wassers? – Ja – doch ich trage mein haupt so hoch erhoben Und so hoch streben seine wünsche und pläne Dass dieser turban womit es sich decke nur einzig Gefüttert sein kann mit den sternen des himmels. WIDMUNGEN AN S.G. I Es schimmerten gleich zwei sternen in frühlingsbläue Im weltraum unsre beiden leben · Gefährte – Gleich zwei planeten die über wolken träumen · Zwei leben traurige und unerklärte. Geheimnisse gibt es unter der ewigkeit siegeln: Dass sterne nach ihrem tode die erde betreten · Bevor ihr licht gelangt zu der erde tiefe Erstarrte oft der eisige tod die planeten. So ist unser lied voll tönender künstlerhöhe Verurteilt zu der menschlichen augen truge. In grabesnähe muss es erst erstöhnen Eh es die erde berühre mit seinem fluge · Da zu hoch oben seine klänge fluten · Da menschliche blicke zu schwach sind es zu lesen · Da es genährt an der jahrtausende busen Zu ernst ist für das kindliche erdenwesen. Einst wenn die trauer unseres sinnens entschlafen Erblicken die völker zweier sterne schein – Dies sind dann unsrer entfernten tage strahlen Die brennen werden über Weichsel und Rhein. II Wenn unsrer verwandten sänge lezte silben An lauten beifalls felsen brechen würden So müssten bitter wir die häupter schütteln Und rückwärts gehen wie enttäuschte besucher. Und müssten unsre haare mit asche bestreun Und sieben jahre schweigende busse tun Und erst im achten den bann der lippen brechen Zu hören ob edlere seele aus ihnen zittre. III Wir aber suchen nicht nach dem glück der erde · Wir die vor allen das glück der erde besitzen · Besitzend aber es schenken und meiden Um dann zu leiden. Wir wissen zu lachen und wir wissen zu schluchzen · In wollust die wollust – im grame den gram zu lieben · Das grosse und kleine mit weisem maasse zu messen Und zu vergessen. Verschieden sind der verschiedenen menschen sitten: Ein jeder gibt seinem glück einen anderen namen – Wie unsres glückes klingende silben sich fügen: Selbst uns genügen. IV Da unsere augen sich traurig machen mussten Und unser herz wie ein regentag nebelig weinen · Der mund sich gewöhnte bedenkliche lieder zu singen Und laut die unaufhaltsame trauer zu rühmen: So ist kein ort wo sich unser fürstliches sinnen Ergehen könnte als die entferntesten pfade Wo unschuldig weisse lilien erblühn und die quellen Mit ihrem schluchzen den schrei unsrer seele begleiten Nicht ist es sünde zu weinen wenn rhythmischer finger Die traurigen reime an klingende fäden kann reihen. Nicht ist es sünde zu schluchzen wenn herz aus oboen Ein unvergesslich bedauern zu tönen vermag. So wie Narziss in den eigenen schmerz uns verliebend Scheuchen wir nicht unsres lebens blasse gedanken Und weinen! o weinen gleich den pelikanen – An rosigen küsten der einsamen inselreiche. V Wenn manchmal langsam hinter uns sich schleppen Mit irrem aug der sorgen menschen-schatten · Geschieht es nur wenn – ohne dass wirs wollen – In uns sich der gedanken reihn verschieben. Wenn es uns dann erscheint als wär es nötig Des brodes willen einen tag zu leben In einfalt einen schönen kurzen tag · Lasst breit das fenster offenstehn auf trauer! Hörst du nicht fern geheimnisvolle laute Die zu uns von den frohen dörfern schwimmen? O unbemerkter glanz auf hohen stirnen · Besitzer dieser erde · Herrn der gnaden! Von allen tagen die Gott günstig gibt Ist nur ein schöner tag: der tag der dichter. VI Ich möchte wissen ob auf dieser erde Es fürsten gibt so fürstensinniger kraft Dass Deine durch sie überfinstert werde – Du der sich ohne salböl hub zum throne – Doch hältst Du auch kein zepter auf der erde Wird über ihr und ihnen Dir die krone. VII Nicht lang mehr wird es sein und der befreite geist Wird ruhig aus des körpers überwurf entschlüpfen · Fortfliegen in den sterblichen verhüllte länder – Nicht lang mehr wird es sein und alles endet dann. Die seele tritt vom sinnlichen gesanges-mahle · Sie zieht hinweg und lobt der gottesgaben güte · Die menschen werden gleich den dienern der tyrannen Sich auf die nachgebliebnen reste gierig stürzen. Und jene seele die satt hinging wird im spiegel Der sage wiederum in nebelform erscheinen · Gleich einer lilie der gewässer wenn sie senkrecht In einer mainacht auf entschlafnem teiche hinfähr. VIII Wenn du nun scheidest · nicht alltäglicher gast! Am Rheine wieder des Wortes banner zu schwenken So nimm auf den schmerzlichen gang meine vorderste trauer Und meiner redenden augen zartes gedenken. Erinnern werd ich mich all jener guten tage Auf deren schwingen der träume zweisang geflogen · An jene gespräche · lebendge gedanken spinnend · Die angenehm uns den weltlichen dingen entzogen. Noch schwimmen über die stirn mir wolken des traumes · Ich scheide und denke nicht was mit dem morgen droht · Wie nach korinthischem mahl auf lateinischer tafel Wo man zum nachtisch reichliche küsse bot. LIED UNTER TRÄNEN I Ein andrer sein glück verlierend verzweifelt unrühmlich · Mit hundert riegeln versperrt in dem häuslichen kloster · Und rollt von der höhe des schmerzes gleich einer lawine Den fluch auf das tal in dem nimmer er schreiten darf ... Wer das herzleid behüllt mit bösem zorne und welchen Gewundne gedanken hinführen durch abgrundswege Ist gleich einem menschen eines erloschenen glaubens Ohne gott ohne kirche ohne festtag und beten. II Ich hätte ohne zweifel das herzensrecht heute Zu wandeln wohin mich unfrei gefühle führen · Am Weichselstrand hin im weinen aufzustöhnen Wie einst die Juden an Babylons trüben gewässern. Ich könnte gleich diesen altertümlichen Juden So bangen schrei aus der tiefe der brust aufholen Und ihn so vielfach modulieren mit schluchzen Dass leichen röcheln würden · lebendige versteinern. III Wol hätte ich dies menschliche recht · doch zu sehr verführend Macht sich der erinnrung nymfe dem auge schön · Nicht ganz verblühte veilchen duften zu süss noch Auf wäldlichen stegen wo schatten ziehn von zwei seelen. Noch wurde die liebe · zweier herzen geheimnis · Nicht unterdrückt durch eigenwillige mächte Und noch gleich zwei vögeln rufen sich dein mund und mein mund Einander zu bei stiller bei träumender nacht. IV So also hinsitzend an heiliger gefühle orgel Sing ich dem Herrgott mein lob für verflossene tage. In wortlosen liedern und in biblischen tönen Vergiesse ich dort mein wesen und all mein lieben. Schon beben von mächtigen psalmen der seele gewölbe Und wiegen sich schäumend anschwellende widerhalle · An wänden hängend schluchzen erinnerungs-bilder Und Gott selbst · gleich deiner liebe · lächelt mir zu. BEGRÜSSUNG Das herz hat frisch sich geziert auf deinen empfang Gleich einem schloss im wald zur begrüssung des herren · Du trittst in ein mit träumen bemaltes gemach · Trittst etwas verwundert etwas gedankenversunken. Willkommen! es scheine dir dass es mein ruf nicht sei Den du vernimmst sondern dass auf gegebenen wink Die sonne ein goldnes willkommen zu füssen dir streue Dem neuen wohnsitz wonne verkündend und heil. Hier geben gedanken gleich gärten den schatten der wollust · Hier singen die worte gleich vögeln der wälder · hier trinken Der märchen falter den honig süsser empfindung In ruhe · stille · einsamer träume welt. Ein unbescholten leben hebt mir das herz · Kein winkel birgt drinnen mit staub erfüllte wüsten · In jeder falte für dich geschnittenen kleides Glänzt frischen gedankens und neuen gefühles faden. O müsstest du schreiten in ein nicht schimmerndes haus Verzichtend auf prunk und gefällige kleinigkeit · Sollt ich einen ärmlichen mantel um dich werfen: Ich schluchzte vor schande · stürbe vor dürftigkeit. IM HERBST DES LEBENS Ich liebe den mann auf dessen hoher stirne Der herbst des lebens furchen ausgehöhlt · Der viel ertragen hat und viel gelitten · Dem keine lüge aus den augen schaut · Der zu ergötzen zu verfluchen wusste · In dessen herzen feuer aufgebrannt · Der dieses feuer mit den tränen löschte · Verzweiflung kannte und den sehnsuchtsgram. Der ist imstande andrer herzen bängnis Wol zu begreifen · andrer seelen schmerz Versteht er – gleich erinnrungen – zu ehren · Er weint mit ihnen ohne dass ers weiss. STIMMEN DER EINSAMKEIT Gedenke meiner wenn dein blick sich senkt Auf jeden gegenstand den ich berührt · Wann die gedanken sich dir trüben wollen Und leer wird deines herzens heiligtum! Gedenke meiner wenn in zarte arme Der reue meine bangen sinne fallen · Wann einsamkeit an ihre brust mich drückt · Verzweiflung über meinem haupte hinzieht! Gedenke meiner! himmlisch denke meiner Wenn meine hoffnung manchmal mich verlässt · Erinnerungen wie ein feindlich heer Herziehend mich zu schwerem kampfe fordern! Gedenke meiner wenn in schwäche ganz Den todesengel ich willkommen heisse Und wenn ich mit der allerbangsten stimme Ihn frage nach des sonnenaufgangs zeit! Gedenke meiner wenn auf harte späne Gedungnes volk mein haupt wird niederlegen · Begräbnisglocken in den wolken schluchzen Um mich der nicht mehr fühlt und nicht mehr weiss. BITTE Geh nicht davon! kalt wird das heiligtum Wenn Gott und altar fortgetragen wird – Bleib · lass mein herz dich nicht beschuldigen! Lass meine augen keine träne spielen! So märchenhaft fliesst unser stilles leben · So gleichgestimmt ist unsrer herzen schlag Als leuchte über unsren beiden stirnen Derselbe als bestimmungs-stern. Mir ist bei dir so still so zauberhaft Als ob ich auf der harfe töne hörte. Kein peinender gedanke fällt mich an · Gleich einer zarten leier ist mein herz. Bleib! liebe! lass uns traumeskränze winden In treuen ketten herzlichen umarmens – Doch wenn du gehst zerschmettre erst die harfe · Dann wird es kalt · es stürzt des glückes haus. So auf ein prächtig schloss vom herrn verlassen Streun angst und wehmut ihren totenblick Und stolze pfeiler der gewölbe fallen Und türmen auf ein trauernd träumer-mal. ÄHRENLESEN Herrin voll trauer! wie bereitest du leid mir Dass du ein herz trägst gleich zerschmetterter harfe! Noch tönt aus den saiten echo alter sänge Indem der meister irrt in der unterwelt. Nicht schluchze wie der vorfahren klagefrauen Und opfere nicht der trauer deine seufzer! Den becher des verzichtes leere mutig Und wenn du kannst vergiss deines herzens zögling! Ehmals lieblich geborgen an zärtlicher brust · Nach sanftem himmel fliegend in gedanken · Zukunft der unerforschlichen bang lauschend .. Nun zieh durch unsrer liebe wüste fluren Wie mit verwehtem haar die bettlerin Übrige ähren der erinnrung sammelnd! AUS: MEINE MUSE Hier ist die bei nacht zirpende halle Aus harzigen lärchen vor jahren gezimmert. Der gottesgebärerin bildnis hängt an der wand Davor das lämpchen das schaukelnd flimmert. Und vor der Maria mit kriegerischen narben Die junge frau in tiefer demut fleht. – Vom lichte ist an den wänden gezeichnet ein schatten Der gross ist wie der knieenden gebet. Und hinter dem fenster venetischen baus Steigen vom teiche die rhythmischen stimmen Lautlosen fluges irrt eine fledermaus .. Glückseligkeit legt mir die hand aufs herz. Es wächst mein glaube – wächst wolkenwärts Ich könnte an ihm empor in den himmel klimmen. ANHANG Die erste ausgabe des mehr romanischen bandes der Zeitgenössischen Dichter erschien bei Georg Bondi 1905 · zahlreiche gedichte waren vorher in den Bl. f. d. K. gedruckt wie das inhaltsverzeichnis nachweist. Mallarmés Herodias erschien ausserdem 1905 in einem von Melchior Lechter handgeschmückten einzeldrucke. Hinzugekommen sind folgende bisher unveröffentlichte stücke: Verlaine ›Die Stunde des Schäfers‹ (s. 9) und ›Herbstlied‹ (s. 10) W. Lieder. ›Widmungen Vk · von anderwärts schon gedrucktem ein gedicht von W. Lieder (s. 116: aus Bl. f. d. K. V. F.)· sowie alle im anhange vereinigten übersetzungen (aus Bl. F. d. K. I. und III. F.) nebst den vorsprüchen welche die dichter in Deutschland einführten .. die gedichte des Anhangs sind wol unter der aufsicht des übersetzers entstanden · jedoch nicht ganz als eigene arbeit anzusprechen. Von mitteilung der abweichungen wurde wie im ersten bande abgesehen. Einleitende Sätze EINLEITENDE SÄTZE BEI DER ERSTEN VERÖFFENTLICHUNG IN DEN BLÄTTERN FÜR DIE KUNST Die reihe der im ersten heft versprochenen werke von fremden künstlern eröffnen wir mit den Parisern · und mit solchen die ungeachtet ihrer bedeutung bei uns gar nicht oder in falscher verbindung genannt werden ... ›nicht jene französische literatur‹ – um den worten eines beaniagten dichters und kritikers herrn Albert Mockel zu folgen – ›die man in Deutschland kennt · wo Leconte de Lisle noch unbekannt ist · sondern die grosse edle französische literatur die ihre wogen rollt von Froissart zu Hugo und von Chateaubriand zu Mallarmé.‹ Die fülle des stoffes ist mit einemmal nicht zur übersicht zu bringen · das begreift man leicht· auch möge man in der aufeinanderfolge der verfasser keine rangordnung erblicken. Auf der einen seite verkennen wir die schwierigkeiten nicht die bei einer übersetzung aus fremder sprache sich darbieten · bauen aber darauf dass unsre mitarbeiter die seit jahren mit den vertretern der jungen bewegung eng befreundet sind eine getreue und bezeichnende wiedergabe von deren werken und ansichten zu geben vermochten. HH. Stéphane Mallarmé · Paul Verlaine · Jean Moréas und Henri de Régnier sind wir sehr verpflichtet für ihre zustimmung zu unsrem plan und die gewogenheit mit der sie uns ihres rates teilhaftig machten. (Bl. f. d. K. I. F. 2. B.) FRANCIS VIELÉ-GRIFFIN · STUART MERRILL · ALBERT SAINT-PAUL Aus der grossen schar begabter dichter des jüngsten Frankreich wählen wir drei: den ersten bezeichnend für eine gewisse engländische feinheit · den anderen den bewunderer der ritter und edelfrauen · den dritten der spiel und tanz leichter frauen bald in einem garten Louis' XV. bald mit japanischem hintergrund hervorruft. (Bl. f. d. K. I. F. 4. B.) GABRIELE D'ANNUNZIO Diese verse eines der hervorragendsten dichter des jungen Italien standen zum erstenmal in der römischen ›Antologia Nuova‹. Der verfasser macht uns bekannt dass sie noch in diesem jahre in einem buch ›Margaritae ante porcos‹ erscheinen werden. (Bl. f. d. K. I. F. 3. B.) WACLAW LIEDER Wir führen unseren freund den polnischen dichter Waclaw Lieder mit diesen gedichten ein · von denen das erste ›das Buch‹ in seinen ›Poezye‹ enthalten ist · die übrigen zum erstenmal in dieser übertragung veröffentlicht werden. (Bl. f. d. K. II. F. 3. B.) Die folgenden beiträge entnehmen wir der neuen eben erscheinenden gesamt-ausgabe der werke des Dichters: Die EINLEITUNG zum ganzen werk · sowie zwei seiner ›WIDMUNGEN‹ die sich den früher in diesen Blättern veröffentlichten anreihen. (Bl. f. d. K. IV. F. 4. B.) JEAN MORÉAS AUS: SYRTES Zwischen kastanien und zwischen Dem weissen · dem blauroten flieder Hopfen die villa umwinden · Hopfen und kriechender efeu · Blütentrauben aus vasen An schwertblatt hängen und linden. Teure hände mit schmächtigen fingern Ihr giesst uns das gold der muskaten In der köstlichen frische der lauben · Im köstlichen dufte der saaten · Im abend wo töne verhauchen Von geigen und wechselgesängen. Bei klagendem plätschern der bronnen Auf matten und teppichen nieder: Die trägheit · in den locken · den losen. Im köstlichen dufte der flieder Gelindertes leid · müde herzen In langsamem schmachtendem kosen. AUS DEM: PÈLERIN PASSIONNÉ DIE BELEHRUNG Wir schweifen am gitter des parks entlang Zur stunde wo der Bär sich neigt · Und dabei trägst du – denn ich will's – Zwischen den bändern in deinem haar Die blume asfodelos genannt. Deine augen sehen in meine augen Zur stunde wo der Bär sich neigt Und meine augen haben die farbe Der blume asfodelos genannt. Deine augen sehen in meine augen · Es schwankt dein ganzes wesen · Wie der mythische felsen schwankt (So sagt man) bei der berührung Der blume asfodelos genannt. Ich wurde geboren am strand eines meeres dess farbe An milde dem saphir des orients gleichkommt. Lilien Spriessen im sande dort · ach! sind sie nicht dein betrübtes Antlitz · die lilien die bleichen am heimatlichen gestade · Ist es dein zierlicher leib nicht · der ragende stengel Der lilien am heimatlichen gestade? O liebe du duldetest nimmer dass frohe begierde Uns leitete · ach! sind das nicht deine augen · Das zittern der wasser am heimatlichen gestade? STUART MERRILL AUS: GAMMES DER SCHMERZ DER PRINZESSIN I Im königlichen garten durch den duft der rosen Die dunkeläugige prinzessin · reife schwester Der blumen irrt und weint geführt von trüben träumen. Die abertausend stimmen im triumph des morgens Murmeln ihr von liebe und die sonne schimmert Im haare das um ihren kinderhals sich schmiegt. Des wasserstrahles garbe die in goldnen perlen rieselt Auf rasenplätzen die der buchs umrandet Schillert in bernstein und in rubicell. Die brise lachte glücklich in den weiden des gehölzes Die vögel aus dem grünen dickicht aufgeflogen Berauschten sich im blau der lüfte mit gezwitscher. Doch nicht der blüten rosiger und roter nebel Und nicht das wasser das die sommerwolken spiegelt Noch das gezweige das sich von belebten worten regt Vermag die sanfte unvernunft zu scheuchen Der jungfrau die hinauf zu der terrasse schreitet Von wo der fürsten blick ins ferne schweift. II Mit ihren purpurschuhen streifte sie den marmor · Nun hat sie auf der brüstung leiste sich gebeugt Indessen unter ihr das grün der bäume wogt. Zu füssen ihr in wiesen und im gras der sümpfe Vom frührot bis zum ave schluchzen die geläute Der feierlichen stier- und rinderherden. Der berge linie vor des ostens sonne Im amethyst- und azurscheine schwankt Und stirbt dann mitten in der felder meer. Bisweilen wie der laute ton der warne-glocke Schwebt aus der ferne eines hornes seele Und plötzlich unter einem schreckenshauch erstickt es. Die hitze lastet schwerer · unter schmalen pfeilern Der eschen und der fichten schiesst der mittag schon · Die brise singt zum herzen der so zarten blumen· Die blätter weinend seufzen vor verlangen: Doch traurig wartet die prinzessin heute Und folgt dem laufe ihrer bösen lust. FRANCIS VIELÉ-GRIFFIN SANKT MARTINIAN Sie war zur zeit in Caesarea königin Durch ihre schönheit die ihr Gott zum schmuck verliehen Und diese feige liebe die aus uns Zuweilen irre macht und immer thoren. Er alles dieses alles jenes satt · Vergab sein gold den armen und ging fort Auf dass des unverständgen herzens leiden An frommer abgeschlossenheit verscheide. Obwol er eitle reue in uns weckte War sein entschluss uns doch befriedigung· Wir lobten feige seinen mannes-schmerz· Sein hoher mut war etwas unser stolz: Denn diese bittre schande SIE zu lieben Um ihres düftereichen lachens willen · Um ihres hohen blickes · ihrer hand · Um ihrer nägel mit karmin bemalt Und um der süssen gifte ihrer launen willen. Dies machte unsre eitle jugend so verworfen Dass nichts mehr blieb als die beherzte tat Des schönen Martinian mit der sanften rede Der in dem namen aller sie verschmähte. – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – (Das vorstehende ist nur der anfang des umfangreichen gedichtes) ALBERT SAINT-PAUL AUS: PÉTALES DE NACRE Gestalten des feenreiches aufgescheucht Aus dem gras am wasserrand eurer gefilde Welche blume glänzt im stillen eurer gefilde? Aus den kiosken des zaubergeweckten palastes Verstreuten eure schwestern die süssen blüten Und gruppenweise tanzet ihr auf den blüten. Welche blume verkündet euch einen abend im gefilde Für das sich euer herz vergötternd regt? Das gefilde um dessentwillen man die heimat lässt. Noch zieren sich mit der erobrung pracht Eure mütter gebettet unter der palankine zelt · Heldinnen des festes und der feenwelt. O meine schwestern geht In den schönen wald Die schöne blume pflücken Die das herz entzückt. Geht o meine schwestern! Hütet euch vor furcht In dem schönen wald Wenn ihr schwestern geht · Die schöne blume pflücken · Die blume die der drache in dem wald bewacht. Schon fliegen auf den feldern · von den seen · die ibis Die störche und die marabu des reiches. Was sagt ihr von den turteltauben Den turteltauben die gefangen Bei eurem vater? Sie ruckerten in schlanken weidenkäfigen dem frühling zu. Und von den freien schwalben Die ihre nester Aus erde hingen An die palastdächer Eures vaters? Sie flogen bald zerstreut davon. Ach was sagst du meine teure Deren kuss auf der wange Brennt wie ein nesselblatt Ach · was sagst du von dir? *