Am Feste des H. Augustini Epistel II. Timoth. IV. v. 1. etc. Nunmehr bezeug ich auch vor Gott Und seinem Sohn auf Erden, Durch deßen Kraft und Zukunft wir Dereinst gerichtet werden: Halt an und predige das Wort Auch wider andrer Willen; Schilt, strafe, bitte mit Gedult, Die Lehren zu erfüllen! Es kommt schon eine böse Zeit, Da viel verkehrte Sachen Das heil- und gnadenreiche Wort Schlecht und verächtlich machen: Sie werden Lehrer wilder Art Nach ihrem Dünckel suchen, Den Fabeln Herz und Ohr verleihn Und auf die Warheit fluchen. Du aber treib mit Ernst das Werck Und werde nirgends schüchtern, Verrichte deinen Dienst getreu, Sey eifrig, fromm und nüchtern. Ich bin geopfert und geprüft, Und nach so vielem Bösen Verspür ich endlich auch mit Lust Die Stunde zum Erlösen. Mein Kampf ist scharf und gut gekämpft, Mein Lauf bereits vollendet, Es hat mir weder Furcht noch Qual Des Glaubens Kraft entwendet; Daher erwarth ich auch nunmehr Die beygelegte Crone Der ewigen Gerechtigkeit Zum theuren Siegeslohne. Mein Heiland hat sie mir vorlängst Erstritten und erworben, Ich aber bin auch als sein Knecht Lebendig drum gestorben, Und dadurch ist und bleibt sie mir Auf jenen Tag verschrieben Und allen denen, die mit mir Auch seine Zukunft lieben. Jezt leider ist die böse Zeit Auf unsre Tage kommen, Da Menschensazung und Betrug Die Herzen eingenommen. Man läst die Lebensbrunnen stehn Und gräbt nach neuen Quellen Und läst die Bösen ungestraft Der Warheit widerbellen. Exempel ziehn die von Natur Zur Welt geneigten Herzen; Drum braucht es Fleiß und Wachsamkeit, Sein Heil nicht zu verscherzen. Des Geistes Nüchternheit besteht In Bethen, Flehn und Wachen Und in der Übung der Gedult, Den Glauben starck zu machen. Kein Streit ist schärfer als der Kampf Mit unsern eignen Lüsten, Kein Lauf beschwerter als der Zug Durch dieses Lebens Wüsten; Hier müßen wir wie Israel In seinen vierzig Jahren Viel Hunger, Müh und Feinde sehn Und manche Noth erfahren. Indeßen wird ein jeder Christ Mit Wort und Glauben fechten; Er kennt, er weis und hoft gewis Die Crone der Gerechten. Da soll ein jeder Tropfen Schweiß, Den wir um Gott vergießen, Mit Wollust als ein Lebensstrom Uns zur Erquickung fließen.