[Nun ist es wohl auch einmahl Zeit] Auf den Nahmenstag Herrn Lorenz Kriegels in Hirschberg Den 10. Aug. 1722. Nun ist es wohl auch einmahl Zeit, Ein Zeugnüß frommer Redligkeit Mit schlechten Worten darzubringen Und, da ich weiter doch nichts kan, Dir jezo, wohlerfahrner Mann, Ein kurzes Dancklied abzusingen. Ich bin ein Schuldner, deßen Hand Zeither schon manch gewißes Pfand Von deiner Gütigkeit bekommen, Die mich als einen fremden Gast, Von dem du nichts als Unruh hast, Stets werth und liebreich aufgenommen. Dein ehrlich und dein deutsches Herz Erweckt mir oft nicht wenig Schmerz Und plagt bisweilen mein Gewißen. Warum? Ich weis kein Wiedergelt Und mag von niemand auf der Welt Nicht gern etwas umsonst genießen. Das sag ich mit Bedacht heraus: Kommst du und dein geneigtes Haus Mir jemahls aus Gemüth und Sinnen, So will ich als ein Musenfreund Von keinem, der es ehrlich meint, Von nun an weiter Trost gewinnen. Nein, glaub es ein- vor allemahl: Erhebt mich einst des Glückes Strahl Und kan ich deinen Kindern nüzen, So will ich nach Vermögen thun Und bey Gelegenheit nicht ruhn, Sie noch mit Rath und That zu schüzen. Wer weis, welch Land mir meinen Herd Und meinem Fleiße Brodt bescheert, Das Glücke scheint mich weit zu schlagen; Es sey, wohin es immer will, So will ich doch vertraut und still Dein Lob noch manchem Freunde sagen, Dein Lob von Kunst, Verstand und Fleiß, Als deßen Ruhm und Ehrenpreis Durch so viel Blut und Wunden grünet, Nachdem die Cur von deiner Hand Manch Opfer schon dem Tod entwand Und so viel Krancken treu gedienet. Was ist nun wohl davor dein Lohn? Zehn Männer gehn gesund davon, Mit Noth kehrt einer danckbar wieder. So gehts im Evangelio, Es geht auch unter uns noch so, Die Neune haben tausend Brüder. Erkennt man gleich nicht deine Müh, So tröste dich und las es die, So Hülfe brauchen, nicht entgelten; Dein Trost ist schon des Nechsten Heil, Der Himmel zahlt dir vor sein Theil Und wird den Undanck kräftig schelten. Dein Haus muß doch an Glücke blühn Und durch dein heilsames Bemühn Mehr Seegen und mehr Wachsthum finden Als Mäckler, die aus Übermuth Und durch ihr schlimm erworbnes Gut So plözlich steigen als verschwinden. Die Vorsicht werfe deiner Ruh Durch andrer Wohlseyn Früchte zu Und las es deiner Kunst gelingen Und laße dies dein Nahmenslicht, So sehr die Misgunst wiederspricht, Dir jährlich neue Kräfte bringen. Sie führ auch deinen starcken Fuß Ohn Anstoß, Fall und Überdruß Bis in des Alters späten Winter; Und kommstu einst an deinen Ort, So blüh dein Ruhm in Kindern fort. Dies wüntschen Eydam, Sohn und Günther.