Der Buchstabe Kaf. 1. Ein sich'rer Ort, ein laut'rer Wein, Ein Freund, der Liebe nährt, O des beglückenden Geschick's Ist dies dir stets beschert! Ein Nichts in Nichts nur ist die Welt Und Alles was sie thut: Wohl tausendmal erprobte ich Dies Wort nur allzugut. Such' eine sich're Stätte dir Und nütze deine Zeit, Denn im Versteck' des Lebens steh'n Weglagerer bereit. O Jammer und o Schmerz! Bis nun Sah ich es nimmer ein, Es könne nur ein Freund, ein Freund Der Stein der Weisen sein. Komm, denn dem Lächeln des Pocal's Und Lippen von Rubin Entsagen, ist ein eitler Wahn: Vernunft missbilligt ihn. Der Süsse, die der Brunnen hält In deines Kinnes Rund,' Kömmt hunderttausendfacher Witz Wohl nimmer auf den Grund. Wo weilt der mich zum Guten führt, Der herzbegabte Mann? Denn noch auf keinem Wege kam Ich bei dem Freunde an. Nie nahet deine Lende mir Die zart ist wie ein Haar: Und dieses feine Wahngebild Entzückt mich immerdar. Die Thrän' ist roth wie Karniol, Was Niemand wundern soll: Gleicht meines Auges Siegelring Doch auch dem Karniol. Er sagte lächelnd: »Dir zum Knecht, Hafis , bin ich bestellt.« Doch sieh nur bis zu welchem Grad'. Er mich zum Besten hält. 2. Des Rohres Zunge weigert sich Den Schmerz der Trennung vorzutragen, Denn ich erklärte dir wohl sonst Was ich von Trennung weiss zu sagen. Ich wand're mit des Wahnbild's Heer, Und sitz' auf der Geduld zu Rosse; Ich steh' dem Scheidungsfeuer nah', Und bin der Trennung Bundsgenosse. Weh, dass in Hoffnung auf Genuss Mein Leben an sein End' gekommen, Und doch der Trennung lange Zeit Noch immer nicht ein End' genommen! Ein Haupt das ich mit hohem Ruhm Gerieben an des Himmels Wälle – Ich schwör's bei der Gerechten Schaar – Legt' hin ich auf der Trennung Schwelle . Wie kann mit off'nem Flügel ich In des Genusses Lüfte dringen? Verlor mein Herzensvogel doch Im Nest der Trennung seine Schwingen. Kann meine Seele eine Gunst Dir abzufordern sich erdreisten? Dem Schicksal folgen muss mein Herz , Mein Leib , ach, Trennungsbürgschaft leisten! Am Sehnsuchtsfeuer ward mein Herz Zum Braten und, vom Freund geschieden, Ist immerdar am Trennungstisch Nur Herzblut mir als Trunk beschieden. Was nun, da auf des Grames Meer Versank in eines Wirbels Wogen Mein leichter Nachen der Geduld, Vom Trennungssegel fortgezogen? Gar wenig fehlte, dass nun gar Mein Lebensschiff gescheitert wäre Beim Wogenschwall der Lust nach dir Im unbegrenzten Trennungsmeere. Der Himmel, als er um mein Haupt Den Reif der Liebe sah gewunden, Hat um den Nacken der Geduld Den Strick der Trennung mir gebunden. Wer brachte auf die Welt, o Herr, Der Trennung und des Scheidens Leiden? In Schwarz soll sich des Scheidens Tag Und Haus und Hof der Trennung kleiden! Erreichte mit der Sehnsucht Fuss, Hafis , man dieses Pfades Ende, Dann gäbe wohl des Scheidens Zaum Kein Mensch mehr in der Trennung Hände. 3. Möge Niemand, gleich mir Krankem, Je der Trennung Opfer sein! Denn die ganze Zeit des Lebens Schwand mir in der Trennung Pein. Fremd, verliebt, beraubt des Herzens, Arm und an mir selber irr, Schleppe ich das Leid der Tage Und der Trennung Maal mit mir. Doch erhasche ich die Trennung, Stirbt sie ganz gewiss durch mich, Und mit meines Auges Wasser Tilge dann die Blutschuld ich. Wohin wend' ich mich, was thu' ich, Wem vertraue ich mich an, Dass er mir mein Recht verschaffe Und die Trennung strafe dann? Fühlen soll mir nun die Trennung Deine Trennung, also zwar, Dass ich Blut nur mache träufen Aus der Trennung Augenpaar. Stamm' ich etwa mit der Trennung Und dem Gram aus Einem Land? Scheint's doch dass ich nur zur Trennung Mich dem Mutterschoss entwand. Darum sing' ich, gleich Hafisen , Von der Liebe Maal durchglüht, Tag und Nacht mit Morgen sprossern Immer nur der Trennung Lied.