Der Buchstabe Ha. 1. Wenn Verliebte zu ermorden Dir dein Glaube nicht verwehrt, Will ich stets für Recht erklären Was du selbst für Recht erklärt. Deiner Locken Schwärze kündet Den Erschaffer finst'rer Nacht, Und den Schöpfer lichter Tage Deiner Wangen weisse Pracht. Jener Quell, der aus dem Auge In den Schooss hinab mir fliesst, Ist so mächtig gross, dass schwimmend Ihn kein Schiffer je durchmisst. Deiner Lippe Leben swasser Bietet Nahrung für den Geist , Sie, die für den Erdenkörper Sich als Kraft des Wein's erweist. Deiner Locke Hand entwischte Niemand unversehrt und heil! Alle traf dein Brauenbogen Oder deines Auges Pfeil. Andacht, Gottesfurcht und Reue Ford're nicht von mir als Pflicht; Beim verliebten, tollen Zecher Sucht man ja die Tugend nicht. Dein Rubinenmund verwehrte Hundert Listen Einen Kuss, Und durch hunderttausend Bitten Kam mein Herz nicht zum Genuss. Doch was soll das Glas, das immer Wir zum Wohle leeren dir? Nicht allein den Wein im Becher, Auch die Becher trinken wir. Das Gebet für deine Seele Sei so lang' Hafisens Fleh'n. Als der Abend und der Morgen Innig in Verbindung steh'n. 2. Schau den Neumond des Moharrems, Jetzt begehr' ein Gläschen Wein, Denn nun tritt der Mond der Ruhe Und das Jahr des Friedens ein. Um der nieder'n Welt Gelüste Streitet wohl der Bettler nicht: Gib den Ball des Glück's dem Kaiser, Du mein theures Augenlicht! Halte hoch die Zeit in Ehren, Die Genuss dir bieten mag, Denn der Kraftnacht ist sie ähnlich Und des Sieges hellem Tag. Bringe Wein! denn es entbehre Frohe Tage Jener nicht, Der ein Gläschen Morgenweines Aufgestellt als Morgenlicht. Welche Art von Andacht passte Wohl für mich, den trunk'nen Mann, Der ich Früh- und Abendrufe Nimmer unterscheiden kann? Sorglos bist du um dein Treiben, Herz, und ich besorge sehr, Weil den Schlüssel du verloren, Öffne man kein Thor dir mehr. Füge, auf Genüsse hoffend, Wie Hafis , den Tag zur Nacht, Weil dir durch den Alleröffner Dann des Glückes Rose lacht. Schah Schĕdschā' sitzt auf dem Throne, Weisheit herrscht und Recht besteht: Strebe d'rum, dass Herz und Seele Ruhe finden früh und spät.