3. Vom Baal zu Babel 1 Vierzig Schafe und zwölf Malter Weizen nebst drei Eimern Weines wurden täglich am Altar des grossen Baal geopfert: und am nächsten Morgen war es alles aufgezehrt, und gnädig und gesättigt grinste Baal herab auf seine Knechte. Auch der König Cyrus diente täglich seinem Gott und ging hinab zum Tempel, am Altar des grossen Baal zu beten. Und er sprach zu Daniel, seinem Freunde, den er ehrlich hielt, obwohl er Jude: Sage mir, was betest du nicht auch an meinen Gott, den grossen Baal zu Babel? Daniel versetzte: Keine Götzen, die von Menschenhand gemacht, verehr ich, einzig den lebendigen Gott des Himmels, Zebaoth, den Herren über Alles! Sprach der König: Hältst du denn den Baal nicht für lebendig? Siehst du nicht, wie viel er täglich isst und trinkt? Doch Daniel lachte: Herr, mein König, lass dich nicht bethören! Dieser Baal ist eine todte Puppe, draussen Erz und drinnen eine Höhle: was der Götze frisst, verdaut der Priester! Zornig ward der König. Rufen liess er seine Priester, und er sprach zu ihnen: Wenn ihr mir nicht sagt, wer all die Opfer täglich frisst, die wir dem Baal bereiten, müsst ihr alle sterben. Könnt ihr aber mir beweisen, dass sie Baal verzehre, so muss Daniel sterben, denn er lästert unsern Gott! Und Daniel rief: Herr! König! Es geschehe so, wie du geredet! 2 Siebzig Priester dienten Baal, dem Gotte. Siebzig Priester traten mit dem König in den Tempel, und es sprach der Aeltste: Siehe, Herr, wir lassen dich gewähren. Du, der König, mögest Trank und Speise selber opfern und die Thür verschliessen und versiegeln mit dem eignen Ringe. Kommst du wieder dann, am nächsten Morgen, und du findest, dass der Baal nicht alles aufgezehrt, so wollen gern wir sterben. Findest du jedoch, dass Baal die Speise und den Trank, so ihm gebührt, verzehrt hat, so muss Daniel des Todes sterben, wie du sagtest, weil er Gott gelästert. Und sie gingen grollend. Cyrus aber hiess vor seinen Augen Alles häufen, vierzig Schafe und zwölf Malter Weizen nebst drei Eimern Weines, Baal zum Opfer. Daniel indess befahl den Knechten, dass sie Asche holten: diese liess er streun ums Opfer, durch den ganzen Tempel. Schweigend und verwundert sahs der König. Darnach gingen sie hinaus. Die Thüre ward verschlossen von des Königs Händen und versiegelt mit des Königs Ringe. 3 Und am andern Morgen in der Frühe stand der König auf und ging mit Daniel vor den Tempel. Und der König fragte: Ist das Siegel unversehrt? Das Siegel hat kein Mensch berührt, versetzte Daniel. Und die Thür sprang auf. Leer war der Altar. Cyrus aber rief mit lauter Stimme: Baal, du bist ein grosser Gott! Bei dir ist kein Betrug! Verzeih mir! Und er wollte vorwärts eilen. Halt!, rief Daniel lachend: Halt, mein König, warte nur ein wenig. Siehe dort! Was siehst du auf dem Boden? Wes sind diese Stapfen? Und der König sah und sprach: Ich sehe wohl die Tritte. Männer gingen aus und ein und Weiber, Kinder auch ... Und siehst du auch, woher sie alle kamen und wohin sie laufen? In den grossen Bauch des grossen Baal! Dort mündet ein geheimer Gang ... Ja, König: was der Götze frisst, verdaut der Priester! Da ergrimmte Cyrus! Alle Priester liess er fangen. Und noch einmal mussten sie mit Weib und Kindern durch die Höhle in den Tempel kriechen – statt der vierzig Schafe wurden siebzig Priester festlich Baal geschlachtet, der gesättigt grinste. Aber dann zerschlug das Bild des Götzen Daniel und zerbrach des Tempels Säulen und zerstörte seine festen Hallen.