August Adolph von Haugwitz Schuldige Unschuld oder Maria Stuarda, Königin von Schottland Trauer-Spiel [Widmung] An Herrn Erasmus Francisci über Seine Mariam. Und bild ich mir wol ein / noch dieses zu erheben / Was von Mariens Fall dein Kiel hat auffgesetzt / Dein Kiel / dein netter Kiel / der manchen Sinn ergetzt / Der dieser Königin von neuen wie ihr Leben Durch seine Niedligkeit und reines deutsch gegeben / Ob Brittens Eifer sie gleich noch so sehr verletzt / Wil meine Dichterey was jederman hoch schätzt / Mit ihrer schlechten Zier / O Thorheit! überstreben? Ja wohl! Sie gibt sich mehr zu ihrer Schande hin / In deiner Schrifft zwar lebt der Schotten Königin: Man sieht ihr Wesen / Thun / Beginnen und Geberden / Was aber schreibt von ihr mein allzufrecher Kiel / Aus einem traurigen macht er ein Freuden-Spiel / Weil sein gantz albres Thun verdient belacht zuwerden. Inhalt Inhalt deß Trauer-Spiels. Maria gebohrne Königin von Schottland Francisci deß zweyten Dauphins oder Königlichen Erb-Printzes in Franckreich Gemahl / nachdem Sie von ihren eigenen Unterthanen ihres Erb-Königreichs Schottland /in welches sie sich / nach frühzeitigen Tode ihres Ehe-Herrns deß Frantzösischen Cron-Printzens /Franckreich verlassende / wieder begeben / und allda zum zweyten mit dem Grafen Stuard von Arley und zum drittenmal mit dem Grafen von Botwal sich vermählet / verjagt / wird gezwungen / nach England zuflüchten / allda sie anfänglich von der Königin Elisabeth ziehmlich wohl empfangen / und tractiret / nachmahls aber auff einigen geschöpfften Argwohn / als ob sie nach selbiger Königin Reich und Leben trachtete (welchen etliche / so die Röm-Cathol. Religion wieder einzuführen höchst begierig durch ihre Gefahr volle Anschläge angeflammt zuhaben schienen) gefänglich angehalten / und endlich auff Verstärckung erwehnten Argwohns / wie denn auch Zuschürung etlicher ihr gehässigen Leute und Verfolger / die umb Erhaltung ihrer Religion und der Elisabeth Leben allzueifrig bekümmert waren / auff Befehl der / ihren Todt (als wäre sie übereilet worden / und die Hals-Straffe wider ihren Willen vorgangen) betraurenden Königin Elisabeth / zum unerhörten und allen gekröhnten Häuptern sehr nachtheiligen Exempel / mit dem Beil enthäuptet worden. Der gantze Verlauff ihres Lebens wird weitläufftig erzehlet / von ihr selbsten in der andern Abhandlung ersten Eingange. Und was dem anhanget / von dem Bischoff von Rosse in dem ersten Auffzuge der dritten Abhandlung. Personen Personen deß Trauer-Spiels. Der Geist Heinrichs Stuards Grafens von Arley der Königin Mariä zweites Gemahls. Der Geist Howarts Hertzogs von Norfolck. Maria gefangene Königin von Schottland. Melvin ihr Hoffmeister. Burgon ihr Leib-Artzt. Ihr Frauen-Zimmer. Elisabetha regierende Königin von Engelland. Bacon der Engl. Reichs-Kantzler. Hattan, Burghlay, Beal, Walsingham, Warwik, Borckhorst, , Königl. Englische Räthe. Der Bischoff von Rosse. Bellieuvre der Gesandte von Franckr. Patritius Gray der Gesandte von Schottl. Davidson der Staadts-Secretarius. Ritter Thomas Andres. Der Graff von Leycester, Der Graff von Schrasbury, Der Graff von Kent, etc., , Executores Sententiæ. Flehter der Thum-Dechant von Petersburg. Die Hencker. Stumme Personen. Der Königin Elisabeth Leib-Wacht. Der Englischen Graffen und Herrn ihre Diener. Die Reihen sind der Hoffleuthe / der gefangenen Jungfrauen / der Syrenen und der Religion. Schuldige Unschuld 1 , oder Maria Stuarda, Königin von Schottland. 1. Akt Die I. Abhandlung. Der Schau-Platz stehet gantz leer / über selbigen öffnet sich der Himmel / aus welchem die Ewigkeit herunter kömmt / und auff dem Schau-Platz stehen bleibt. Die Ewigkeit als Vorreder. Ihr die Ihr Euch groß zumachen Über andre / meistens tracht! Ihr die Ihr deß Pösels Sachen (Lachens würdige) verlacht! Was bemüh't Ihr Euch zu sitzen Bey den Sternen Wolcken an / Daß vielleicht auff euch mehr blitzen Der erzörnte Himmel kan / Wißt ihr nicht daß auff die Klippen / Wo deß Adlers hohes Nest / Als auff niedrige Gestrüppe / Mehr der starcke Sturmwind bläst? Schaut die Fackel / derer Strahlen Ob sie noch so helle blinckt / Frembde Sachen nur bemahlen / Wie sie stirbt und niedersinckt Auff den Wiesen / die sonst zieren / Was den schönsten Tulpen weicht / Kan ein Irrwisch uns verführen. Zwar ihr Albern meint vielleicht / Es gilt nur die Hose-Diener; Nein! was hier das Glücke thut / Macht mich umb so viel noch kühner / Das gantz Königliche Blut / So ihr schaut in kurtzen fliessen / Macht daß ich die Scepter nicht Noch die Cronen kan ausschliessen. Zwar die so man pflegt aus Pflicht Auff die Throne zuerheben / (Wie es niemand läugnen kan /) Mögen etwas fester stehen: Der dem von der Wiegen an Hat deß Kerckers Last umbfangen / Trägt nicht nach der Freyheits Pracht Ein so sehnliches Verlangen / Die der Cimmerischen Nacht Schon bißhero angewehnet / Achten nicht der Sonnen Schein / Nach dem sich ein andrer sehnet. Und gesetzt auch / daß sie seyn Etwas sich'rer noch zuschätzen / Und daß sie nicht also fort Kan ein harter Fall verletzen / Sind sie doch wie jene dort / Die die hohen Alpen decken / Die von jeden Donnerblick Nicht sogar geschwind erschrecken. Doch hat auch das blinde Glück Oeffters die wohl selbst betrogen / Die auch mitten in der Schoß Grosser Herrschafft sind erzogen. Offtmahls schlug ein harter Stoß Ihnen Scepter / Thron und Reiche / Und den göldnen Königs-Crantz Auß der Hand mit einem Streiche. Denn was ist deß Scepters Glantz? Als ein Rohr / das Spiel der Winde Das / so wie es prächtig steht / Und hervor ragt / so geschwinde Und noch plötzlicher vergeht. Was sind Cronen? Güldne Schaalen / Die von aussen Gold und Kunst / Uber schön und herzlich mahlen / Und doch nur kaum leere Dunst / Ja wohl bittre Wermuth-Säffte / Mehr als etwa süsser Wein / Und vermeinte Honig Kräffte / Innen kan verborgen seyn. Denn wie offt muß ein Printz drincken Seinen unvermeinten Tod Aus den Schaalen / die zwar blincken / Und von Gold und Steinen roth; Wie offt lassen selbst die Hauffen / Die auff seinen Leib bestellt / Sich zu seinem Tod erkauffen / Kaum umb eine Hand voll Geld Wie offt decken seine Kleider / Die zwar reich von Perlen seyn / Ach! ach! leyder! leyder! leyder! Innre Mängel / Noth und Pein. Ja er ists / auff den stets blitzet Glück und Unglück / und ein Ziel / Da geschaffte Pfeile spitzet / Fast ein jeder / wie er wil. Welche er denn abzutreiben / Muß bemüh't seyn viel und offt. Biß ihn endlich selbst ableiben Todes Pfeile unverhofft. Ihr / den'n euch die Welt zu enge / Kommt und schaut Mariam an / Die euch eures Grabes Länge Nach dem ihren messen kan / Die euch wird gar sanffte kühlen Durch ihr jetzt bald fliessend Blut / Euer lechtzend Ehr erzielen / Und den Ruhm-entbrannten Muth. Dieses Spiel das soll euch rauben Den so hoch getrotzten Geist / Und mehr als zu viel beglauben / Was ich jetzund angeweist. Drumb lasst Cron und Scepter stehen / Flieht die eingebildte Zier / Ich wil euch weit mehr erhöhen / Wann ihr folget einig mir. Wolt ihr euren Purpur hassen / Das erborgte Ehren-Kleid / Und den eitlen Thron verlassen / Der mehr qvälet als erfreut / Wil ich euch mit schönern Cronen / Als die irrdnen sind / belohnen. Elisabeth auff dem Throne / Bacon der Englische Cantzler / Patritius Gray der Schottische Abgesandte / Hattan, Burghley, Beal, Walsingham, Leycester, Warwik, und die andern Englischen Königlichen Räthe stehend umb sie her. Wir / die uns durch uns der Sterbligkeit entrissen / Wir / die die grosse Welt auch todt wird rühmen müssen / Wir / die wir dargethan durch unser Tugend Schein / 2 Daß auch ein leichtes Weib kan Cronen wichtig seyn / Wir / die wir wunderns werth / auch dieses übertroffen / Was man von einer Frau kan ungewöhnlich hoffen / Wir / die wir unsern Thron vor andern hoch erhöht / Wir / der der Amphitrit stets zu Gebothe steht / Wir / sag ich / die wir nun von so viel langen Jahren In unserm Reiche nichts als Fried und Ruh erfahren / Sind durch ein eintzig Weib / durch ein gefangen Weib Nunmehr so weit gebracht / daß wir vor unsern Leib Fast selbsten furchtsam seyn / weil wir auch keine Stunde / Ja keinen Augenblick / vor der Verräther Bunde Und finstern Meuchellist recht frey und sicher seyn / Welch Eris nimmt uns doch mit solchem Schrecken ein! Was nützt der Scepter mir? was nutzt mir diese Crone Wann ich in lauter Furcht und lauter Hoffnung wohne / Wann ich mich für und für deß Lebens mit Verdruß Vor dem verdeckten Stahl und Gifft befürchten muß. Entblöst den schärfssten Dolch / gebt klaren Gifft zusauffen / 3 Ich lieg entweder ob / entweder kan entlauffen; Nur ein verborgen Schwerdt und ein vermischter Gifft Ist / so man nirgend kennt / so unvermeidlich trifft. Ach was ist alles Thun! ach was sind alle Sachen / Die Fürsten hier berühmt / die Fürsten herrlich machen / Was is doch ihre Lust als eine leere Pracht; Man gibt auff ihren Glantz / nicht auff die Bürden acht / Man sieht auff ihr Gesicht / nicht auff verdeckte Schmertzen / Nicht auff die rauhe Qvaal / durch Angst bestürmter Hertzen / Man preiset unsre Ruh; Wir finden nichts denn Streit Und Argwohn und Gefahr und den verhassten Neyd. Durchlauchtigste Princess! wofern ein Knecht darff wagen / Rath bey so schwerer Sach der Fürstin vorzutragen / So sieht es / bitt ich frey / was uns Ihr werthes Heyl Und aller Wohlfahrt heist. Uns ist das Leben feil Vor Englands Haupt und Reich / uns die es aufferzogen / Uns die wir die Gefahr schon längsten überwogen. Und Mittel ausgedacht. Wir kennen eure Treu / Erklährt uns / was euch dünck't ohn' alle Furcht und Scheu Princesse / Sie verzeih / wir sind etwas zulinde / Wir sehn die nahe Gluth und Sturm der stoltzen Winde / Und steuren gleichwohl nicht / und da wir doch den Brannt / Der unser Reich ansteckt / in unsrer Macht und Hand. Wie kan man sich dann nun / sagts nur / der Frau befreyen / Die uns scheint unsern Todt und Untergang zudräuen. Man scheide Kopff und Leib. Ach allzuherber Schluß. Den Sie doch / wenn Sie selbst wil leben / schliessen muß. Man kan gleichwohl uns Ruh durch lindre Mittel werben. Das beste Mittel scheint zuseyn en kurtzes sterben. Sie schlägt durch Raum uns gar sich're Mittel vor. Wer ihren Reden traut / halt ich vor einen Thor. Man muß nicht so auff sie als auff den Bürgen schauen. Ja wohl / der Schotte wird uns seinen König trauen. Zu dem: Sie ist gleichwohl nicht gäntzlich überführ't. Genung wenn man daraus so sacken Argwohn spühr't. Und wird sie sich auch wohl nach unserm Schluß beqvemen / Ein eingekärckert Weib ist leichtlich zubezähmen. Der Kärcker schleust den Leib / nicht das Gemüthe ein. Der Sinnen Trotz benimm't der harten Straffen Pein. Ein höchstgekröhntes Haupt darff keine Straffe leiden. Und dennoch muß man auch die Häupter unterscheiden. Maria trug so wohl deß Scepters Glantz / als Wir. Sie hat sich längst beraubt der Königlichen Zier / Durch was? Durch allzuschwer und vielerley Verbrechen. Man kan von ihr zwar viel / doch nichts gewisses / sprechen. Wer lobt / daß sie so bald mit Stuard Heyrath schloß? Weil Stuard Edel / war der Fehler nicht so groß! Wer lobt / daß sie so groß den Lautenisten ehrte? Mit dessen klugen Kopff sie Murrays Tücken wehrte. Wie daß sie mit Gewalt die Schott'sche Kirche höhn't? Mit dem hat Murray nur die Mäuterey beschön't / Wie daß sie dann die Macht deß Königs selbst vermindert? Weil dessen Trägheit nur deß Reiches Heyl verhindert. Ja weil sie seiner schon gantz überdrüssig war: Der drauff erfolgte Mord macht dieses allzuklar; Diß einz'ge Stücke dient statt tausenden Verbrechen / Er ist das frevle Stück dem Bothwel zuzurechnen / Dem Bottwel, und auch Ihr / die diese That gab an / Man hielt es gleichwohl nur damahls für einen Wahn. Das treffliche Gepräng / so seine Leiche zierte / Das schlechte Klagen / so sie umb den Todten führte / Der Thränen Sparsamkeit / die zeug'ten genungsam an / Daß dieses nicht so fast ein eicht gefasster Wahn. Was kunte sie davor / daß jene aussen blieben / Umb blos durch solche List den Mord auff sie zu schieben / Gesetzt es sey / doch wie / daß sie sich nicht gescheut Und sich dem Mörder selbst nach diesem angetraut. Sie wurd' zu solchem Bund von Fürsten fast gezwungen. Die gleichwohl kurtz hernach den Mörder selbst besprungen. Es war kein rechter Ernst / man wieß Ihm nur das Thor / Damit so nicht durch ihn die Warheit stieg' empor / Man hat ihm nicht aus Rach / aus Falschheit nur vertrieben. Die Meinung stösset ümb / was Buchanan geschrieben / Und das / was zwischen ihr und Murray einst vorlief / Und was er damahls wies'. Ein leichter Vers und Brieff / 4 Und falsch gemachtes Buch / die können nichts beweisen. 5 Doch war Maria nicht so engelrein zupreisen. Ein Fürste muß so wohl von blossem Wahn und Schein / Als von der bösen That selbst / auch befreyet seyn. Wer billigts / daß sie dem / dem noch sein Weib am Leben / Sie ihre Huld und Gunst und selbst das Hertz gegeben / Drumb wurd' ihr auch zuletzt / zum wohlverdienten Lohn / Von ihren Leuthen selbst der ärgste Spott und Hohn. Und was geht uns das an / von dem mag Schottland klagen / Man kan / was sie gestifft in Britten / noch mehr sagen / Sie hat ja unsre Ruh beym ersten tritt versehrt / Und Norfolck zum Gemahl doch mehr das Reich begehr't. Er that es nicht vor sich. Und gleichwohl mag sie glauben / Daß er und sie gezielt' / Ihr Ihren Thron zurauben. Der Ehr-Geitz ist gebüst / der ihn damals betrog. Man sah' gleichwohl / was es vor Früchte nach sich zog. Wann unsre tapffre Faust den Auffstand nicht vertrieben / Und die gesuchte Macht deß Spaniers aussenblieben / So hätt' Maria schon ihr längst getrotztes Recht Und diesen Thron behaupt. Sie sahe ja wie schlecht Ihr angebohrnes Reich / das vorhin mit ihr prangte / Sie / als wir damahls sie antrugen / mehr verlangte / Sie sahe wie / je mehr ihr ihre Hoffnung sang / Je mehr sie immer noch nach Mord und Auffruhr rang. Sie suchte sich / und recht / zureissen aus den Banden / Und zwar durch ihren Todt. Das hat sie nie gestanden / Sie läugne wie sie wil / was aller Welt bekannt / Man weiß / warumb das Reich sich selbst mit sich verband / Man weiß / wer Franckreich / Rom und Spanien auffgehetzet / Man weiß / wer ihr den Dolch schon an die Brust gesetzet / Man weiß / – – – Schlug Wadi nicht noch ziemlich Mittel vor. Man wasche wie man wil / man ändert doch den Mohr An seiner Farbe nicht. Der Himmel selber schickte / Daß man den Anschlag erst nach diesem recht erblickte. Doch hat sie sich nachdem zum Zweck noch mehr gelegt. Nicht so durch eignen Trieb / als Englands Bund / bewegt. Doch hat auch Schottland selbst dies alles umbgestossen. Sie dencke wie viel Blut ob diese Frau vergossen: Sie denck' wie Babington in vollem Anschlag stund / Zustürtzen Sie und uns / als den Verräther-Bund Der Himmel noch entdeckt / die Mörder eingezogen / Die sonder Pein bekenn't / wer sie hierzu bewogen: Sie denck' was Ballart that / was Ravi uns entdeck't / Was Curlus ausgesagt / wie offt uns nun erschreck't / Was dieser Schadenfroh bald hier bald dort gestifftet / Und unsre Stadt und Land auch Kirch und Haus vergiftet: Sie denck / daß sie sich selbst in alles Unglück senckt / Wann sie Marien / wie sie wil / das Leben schenckt. Sie laß sich do deß Reichs und selbst ihr Heyl bewegen / Ist ihr der Mörd'rin Todt denn allzusehr entgegen? Der irrt und laufft gefehr / der auch nur einen Tag Dem nachsieht / dem er stracks den Nacken brechen mag. Man muß in der Gefahr auff Gottes Hülffe bauen. Der trotzt den Himmel mehr / als daß er solt' vertrauen / Der / wenn er die Gefahr verhüten kan / entsteht / Und / da er stehen kan / mit ihr zu Grunde geht. Wo bleibt die Freundschafft dann / und die versproch'ne Treue? Das ist ein blosser Wahn und ja der Welt nicht neue. Wie offt sucht sich ein Printz durch andrer Sterben Ruh? Das heil'ge Recht / die Schrifft und Priester gebens zu. Wurd' / als der Span'sche Printz in gleichem Fall verbrochen / Nicht gleichfals durch den Tod die frevle That gerochen? Und vielleicht schreckt sie ab die Gleichheit von Geschlecht; Man hat von ihr schon längst geschwächt der Throne Recht / Da als Johanna must' den zarten Geist auffgeben Durch der Marien Schluß / da doch ihr heilig Leben Bey weiten nicht dem Staat so überschädlich war / Und Sie wil nicht / da doch viel größere Gefahr Anjetzt verhanden ist / dem nahen Sturme wehren / Und noch die Schlange selbst in ihrem Busen nähren / Die sich auff ihren Tod und Reich und Erbschafft spitzt / Und unser Land mit Blut und Röm'schen Gifft besprützt. Es spring der tolle Kopff / der sich nicht kan bezähmen; Alsdann so wird Gefahr und Furcht ein Ende nehmen. Ein Todter beist nicht mehr. 6 Es geht zwar schwerlich ein; Doch kan es anders nicht / so mag es endlich seyn. Elisabeth alleine. Soll dann der eigne Nutz selbst die Natur vertreiben / Soll ich mein eigen Blut die Königin entleiben / Die Königin / die mir und meinem Reiche traut? Hat wohl die grosse Welt was grausamers geschaut / Als diese That wird seyn? soll ich mit Blutvergiessen Bestützen Thron und Reich? O grausames entschliessen! Ja grausam / doch gerecht: Ich führe ja das Schwerdt Nicht blos zum Scheine nur vor Staat / vor Kirch und Heerd. Doch wie? soll dieses mir auch wider Fürsten nützen? Warumb nicht? wann man sich nicht anders kan beschützen. Mein Land ist ja verkauft / ich selbst steh in Gefahr: Man bringt / wo heute nicht / mich morgen auff die Bahr. So lang die Königin der Schotten noch am Leben / Wird Brittens Haupt und Reich in lauter Furchten schwebē. Und wenn ich länger noch dem Rasen solt zusehn / So wär' es ümb die Kirch' / ümb Mich und Reich geschehn. Die Laster soll man mit verdienter Straff' belohnen / Man soll nicht Weib / nichts Mann / nicht Sohn / nicht Tochter schonen. Wie offt hat Himmels Zorn das nähste Blut versöhnt? Wie offt hat Wahn den Tod / vielmehr die That / verdient? Drumb waffne dich / mein Hertz! wilt du nicht selber schneiden / 7 Must du in kurtzem selbst deß andern schneiden leiden. Sie sterbe denn: Es sey! Ich schliesse ihren Todt: Weil es erheischt deß Reichs / deß Leibs und Seelen Noth. Der Schau-Platz verändert sich in den Königlichen Verhör-Saal. Elisabeth, Mons. Bellivre der Gesandte auß Franckreich. Ich frage / mit was Recht kan man die Bitt' ausschlagen? Deß Reiches Wohlfahrt zwingt uns dieses zuversagen. Hängt dann deß Reiches Heil an einer Frauen Tod? Der Engelland und Uns befreyt von Tod und Noth. Der sie vielmehr in Tod und grössre Noth verteiffet. Sie dencke / daß der Groll noch weiter umb sich greiffet. Er greiffe wie er wil; Wir leben durch ihr Grab. Sie und ein jeder Printz 8 stirbt durch Marien ab. Wer recht und redlich thut / darff sich vor nichts nicht scheuen. Auch die Gefang'ne that / was niemahls zubereuen. Hat sie nicht eben das / was Babington erkühn't. Man schiebe nicht auff sie / was andere verdien't. Es hat es Babington ja sterbend ausgesaget. Und sonder ihr bewust vielleicht das Stück gewaget. Nein! Ihre Hand ists selbst / aus der die Warheit strahlt. Die wohl deß Feindes List vielleicht hat nachgemahlt. Hat sie den Anschlag nicht auff England selbst gestanden? Und dieses blos umb sich zuretten aus den Banden. Die Sie durch meinen Tod zulösen unterwandt. Sie hat die Mörder selbst ja niemahls nicht erkannt. Kannt sie den Morgan nicht / der mich gesucht zutödten / Und dem sie Geld versprach. Sie halff ihm nur aus Nöthen / In die ihn bloß umb sie sein treuer Dienst gebracht. Wird ihre Majestät dann dieses auch verdacht. Was Sie der Schotten Printz dem Gray und andren schencken / Das kömmt aus andrer Grund und höheren bedencken. Der Printz ist mir verwandt / und Schottland gantz verarmt. So daß als Freundin Uns sein Zustand fast erbarmt. Hat sie ihr Erbrecht nicht an Spanien wollen schencken? Gesetzt / kan man sie wohl in diesem Stück verdencken / Sie / die gleichwohl noch Macht zuschencken wie sie wil? Daß Sie mein Reich verschenckt / ist dieses nicht zuviel? Dieß ist mir unbewust. Und gleichwohl zeugens Schreiben / Die man so leichtlich nicht wird wider hintertreiben / Indem man Sie / die sich vor Hochmuth selbst nicht kennt / Sie Englands Königin und Höchst-Durchlauchtig nennt / So gar / daß Frembde auch ihr diesen Stoltz gemehret. Und was kan sie davor / daß se ein Frembder ehret / Daß man Ihr / die zwar nie dergleichen Prangen liebet / Aus wohlgemeinten Sinn / so hohe Titul giebet. Vielleicht wohl nicht umbsonst. Man kan darauß nichts schliessen. Doch was zum Handel dient / mehr als zuviel / draus wissen. Man wisse was man wil / so ist doch nichts nicht klar. Genug wann man draus wähnt die drohende Gefahr. Man wird sie gleichwohl nicht nach blossem wähnen richten. Was sie bey uns verdammt / ist nicht ein blosses dichten; Man weiß was Nav entdeckt / was Curlus hat bezeug't. Die man vielleicht durch Geld und glatte Gunst gebeug't. Die / was sie ausgesagt / mit theurem Eyd beschworen / Der Fürsten Majestät und Wohlfahrt geht verlohren / Wann man der Diener Wort / nicht ihrem Munde traut. Sie laß es zu / daß Sie das Parlament selbst schaut. Daß man ausführlich kan / was sie einwendet / hören. Man würde nur dadurch die vielen Klagen mehren. Doch würde man hier durch einst noch die Warheit hören. Der grosse Rath hat Ihr den Tod schon zuerkannt / Von solchem Urtheil-Schluß kan sie ihr Stand lossprechen / Man hat ja nie gesehn den Thron durch Throne schwächen / Gesetzt ich geb es noch / es sey so / wie sie spricht / Sie habe dies / und das / und noch mehr angericht / Sie habe Brittens Reich mit innerlichen Flammen Gleich Troja angesteck / wer kan sie denn verdammen / Sie / die sich Königin und zwar gebohren nenn't / 9 Und niemand ausser Gott vor ihren Obern kenn't? Gott und deß Siegers Schwerdt. Man hat sie nicht bestritten / 10 Vielweniger besiegt. Sie kam als Feind in Britten. Vielmehr als Freund / und die bey Ihr war angeklagt. Nach dem doch wieder mich mehr als ein Feind gewagt / Sie leyde was sie that. Der Himmel fordert Rache: Man sieht je mehr und mehr / wie schlimm sey ihre Sache / Die sie zwar klug beschönt / beschönt nur vor der Welt. Doch nicht vor dem der jetzt vielleicht ihr Urtheil fällt / Das sie schon längst verdient / verdient / doch auffgezogen / Biß daß se noch in deß mit langer Reu erwogen / Wie groß ihr Fehler sey / als die ihr fromm Gemahl Ermord't / nicht nur durch Gifft / nicht etwa durch den Stahl / Und was sonst ehrlich scheint / nein / durch / O Ungeheuer! Den gantz verbuchten Strang und unterlegtes Feuer; Und den so herben Fall nicht einmahl nur bethränt. Was Wunder / daß sie sich nach meinem Tode sehnt. Was Wunder / daß sie Uns und unser Reich verschencket / Daß sie nur Tag und Nacht auff unsern Tod gedencket; Was Wunder / daß sie offt schon hat den Stahl gewetzt / Und Freund und Feind auff Uns und unser Reich gehetzt; Was Wunder / daß sie nicht durch so viel Bluth ermüdet / Noch allzeit neue Ränck und Bluth-Anschläge schmiedet; Was Wunder / daß durch Ihr auch Fürstlich Bluth verfiel / Daß kurtz mein Tod und Fall ihr eintzig Zweck und Ziel. Drumb fort mit dieser Pest! Man soll entsceptert schauen Die uns entsceptern wil / man soll / wie viel zu trauen Auff Scepter / Cron und Reich / die alles Recht verschmähn / Und ware Tugend-Bahn verfehlen / balde sehn. Drumb fort mit dieser Pest! Die grosse Welt soll lernen / Daß man / je mehr man sich dem Falle will entfernen / Je mehr man sich ihm naht / daß jener offt verfällt In Netz und Stricke / die er andern hat gestellt. Drumb fort mit dieser Pest! Sie soll in kurtzem essen / Was sie von langer Hand mir selber zugemessen. So ist dann nichts / das sie vom Tod' erretten kam Das Urthel ist gestell't / verfast / noch nicht gethan. Reyen. Der Engländischen Hofe-Junckern der Königin Elisabethæ. Ists war / was man sonst pflegt zusprechen: 11 Ein Weib / ein Werckzeug der Gebrechen / Die Meisterin von allen Trügen / 12 Geschwind und hurtig in den Lügen / Ein Bild der Unbeständigkeit / Die Mutter von dem bloßen Neyd / Ein überschwemmter Fels und ein verdecktes Feuer / Und ein mit Bluhmen gantz umbhüll'tes Ungeheuer / Deß Bösen nur Erfinderinne / 13 Der Wohn-Platz aller wancklen Sinne / 14 Der Boßheit unerschöpffte Qvelle / 15 Der Eitelkeiten Sitz und Stelle / Der Unvollkommenheiten Bild / Die unauffhörlich keifft und schilt / Und allzeit dicht und tracht / nur Unglück anzustifften / Ein überdörnte Ros' und zuckersüsses gifften. Ists war / daß ihnen das Regieren 16 Als Unterthan nicht kan gebühren? Daß sie vor sich und ihren Sachen 17 Stets and're müssen lassen wachen / Und daß man sie gantz ausgethan Von dem / was uns erheben kan / Daß auch ihr klügstes Thun nichts als den Rocken treibe / Und ihr Spitzfindigkeit muß bey der Nadel bleiben. Wie oder leydet diß Gesetze / Daß man es nicht durchgehend schätze. Wer weiß nicht der Amazoninnen So Helden-müthiges Beginnen / Wer kennt nicht / die den Helden zwang / Der doch durch so viel Länder drang? Hielt nicht Semiramis viel tausendmahl geringer / Als den geringsten Sclav / den grossen Welt-Bezwinger. So daß wir auch fast sagen müssen / Daß wir die Weiber nur ausschliessen / Umb ihnen nicht den Weg zuzeigen / Daß sie uns können übersteigen. Man seh' nur Brittens Pallas an / Der auch so gar nichts abgewann 18 Der Held / dem Junons Reich muß zu Gebothe stehen / In dem man niemahls sieht die Sonne untergehen. 19 Sie ist gefürcht bey ihren Feinden / Beliebt bey Unterthan und Freunden: Man muß vor Ihr sich fast entsetzen / Und ihre Tugend göttlich schätzen. Und ob gleich Mißgunst ihr nachtracht; Der Himmel ist / der vor sie wacht / Den keine dunckle Schrifft noch Ziffer kan betriegen; 20 Macht daß ihr tückscher Feind ihr muß zum Füssen liegen. Drumb ist es nur ein blosses dichten / Was wir von Weiber Schwachheit richten; Offt hat der Himmel durch die Weiber Und durch die allerschwächsten Leiber Mehr ausgerichtet und gethan / Als durch den allerstärcksten Mann. »Ein Weib / wann sie sich kan und ihren Willen zähmen / Ists / die die Faust und Witz der Männer kan beschäme.« 2. Akt Die II. Abhandlung. Der Schau-Platz verändert sich in der gefangenen Königin Zimmer. Gott / der du unsre Zeit und unsre Jahre zählst / Und uns mit Lust erfreust / und uns mit Creutze gvälst! Wann wirstu nach der Pein mich wiederumb erqvicken! Wie lange soll mich dann der schnöde Kercker drücken? Der Kercker / der den Leib / doch nicht die Seele / schleust / Die Seele / die sich hin zu deiner Wohnung reist. Was hab ich / grosser Gott! von Kindsbein an gelitten? Wie hat mich Noth und Tod und Leyd und Neyd bestritten? Bestritten / nicht besiegt / weil noch dies Hertze lebt / Dies Hertze / so dem Feind' großmüthig widerstrebt. Ihr / die ihr Printzen pflegt als Götter zuverehren! Mein Kercker / meine Noth und Unglück wird euch lehren / Wie nichtig ihre Pracht und eitle Herrligkeit; Schaut mich an / die ihr noch was zweiffelhafftig seyd: Ich / eine Königin zu Thron und Cron gebohren / Hab / als der Eltern Trost ich allzufrüh verlohren / Schon Unfalls gnung gefühlt; doch ward der Riß ersetzt / Als Galliens Erbe mich auff seinen Thron gesetzt. Ich meinte nun dem Glück selbst in der Schooß zusitzen / Als schon der Himmel fieng auffs neue an zublitzen: Wie wurd ich doch betrübt / als ich so bald verlohr Den / der mich kurtz zuvor zu Bett und Thron erkohr. Der Gallier Cron-Erb starb / mit Ihm mein gantzes Hoffen / Als die mich nach der Zeit das groste Creutz betroffen / So jemahls auff der Welt bey sterblichen mag seyn. Ich / gleichsam wie versehn zu lauter Angst und Pein / Beschloß stracks nach dem Tod' deß Printzen heimzukehren / Und meinen Unstern / zwar unwissend / zu vermehren. Die Sonne schwärtzte sich / aus Tag wurd finstre Nacht / So lang ich auff der See ja Reisen zugebracht. Ach! daß ich damahls doch mich meiner Ruh' beraubte / Ach! daß ich damahls nicht den trüben Wolcken glaubte / Den Wolcken / die mir da schon deutlich angesagt / Was mich nach dem gedruckt / und was mich jetzund plagt. Ich reis'te Schottland zu / lies Englands Klippen liegen / Die mich wiewohl ümbsonst / versuchten zubetriegen. Man sah' so bald ich in die rauhe Insul kam / Und Schottlands Scepters Gold in meine Rechte nahm / Mein Ansehn durch mein Volck beym Gottesdienste schände / So daß ich must die Macht durch schimpflichs bitten wenden. Wie grob man da mit mir schon pflegte ümbzugehn / Must das rebell'sche Volck gezwungen selbst gestehn. Mein Sorgen war ümbsonst / was ich auch nur anwannte; Das Volck war gantz erhitzt / der falsche Eifer brannte. Was that ich damahls nicht / wer wurde wohl versehrt / Weil dieses Haar gecrön't / offt hab ich selbst gehört Der Unterthanen Noth / wen hab ich je verschonet / Der Straffens würdig war / und wen auch nicht belohnet / So Tugend-eifrig schien. Ich wandt' die Reichs-Gefahr Auch noch von aussen ab / und weil es nützlich war / Daß Britten unser Freund / ließ ich es bald beschicken / Und dennoch suchte man mich hier und dar zudrücken / So gar / daß man sich auch der Waffen nicht geschähm't / Die doch / recht bleibt doch recht / durch meine Macht bezähm't. Doch dieses war noch nichts / nichts gegen dem zuschätzen / Was mich erst nach der Zeit begunte zuverletzen / Als ich dem / dem ich mir zum andernmahl vertraut / Bey den Verrätern selbst als Oberhaupt beschaut. Als die verfluchte Hand mein Kleid mit Blut befleckte / Mich und so gar die Frucht in Mutter Leib erschreckte / Die Frucht / die kurtz hernach wurd' an das Licht gebracht / Und machte daß mein Hertz / wie schwach es war / verlacht Die immer frische Noth / die es bißher gekräncket / Und mit so vieler Qvaal wohl tausendfach ümbschräncket; Doch war die Freude kurtz; bald folgte neue Qvaal / Die mir die letzte Zier den guten Namen stahl: Als auch den Königs-Mord die Feinde auff mich brachten / Und solches vor der Welt so listig scheinbar machten. Gott / der die Warheit sieht / auch in der Lügen Nacht Weis wie mir diese Schuld so unrecht zugedacht. Ach dieses war noch nicht bey drauff erfolgtem Hohne / Als mir der Kercker ward zu meiner Mühe Lohne; Den ich doch nach der Zeit durch Beystand treuer Hand Und Hoffnungs voller Macht mich endlich überwandt; Doch kurtze Zeit besaß. Den mein ermüd'tes Hoffen / Wurd' durch den Donnerschlag deß Feindes Sieg getroffen / Biß / als mein Thron und Cron und Sieg und alles hin / Ich sucht' in Brittens Schooß den doppelten Gewinn. Was hab ich / indem mir Verwandten Reiche funden? An statt der Freyheit hat man mich noch mehr gebunden. Was hab ich nicht gesehn? was hab ich nicht gefühlt? Wie hat so mancher Blitz auff meinen Kopff geziehlt? Wie ist so mancher Held nur bloß umb mich gefallen? Und ich muß gleichwohl noch in dieser Wüsten wallen. Wie hat so manche Angst die Seele mir gerühr't? Wie hat der Diamant mich doch so gar verführ't? Den / vielleicht aus Betrug / Elisabeth zerstückte / Und als ein Freundschafft-Pfand mir nur die Helffte schickte. Was hab ich nicht erlebt? und was erfahr ich noch? Erlöser! ach wie lang zieh' ich an diesem Joch? Wie fern von meinem Hof? und mir entwandten Crone / Und umgekehrten Reich / und meinem lieben Sohne? Und doch giebt man mir Schuld / ich richte Unruh' an / Ich hätte diß und das / bald hier / bald dar / gethan. Ists unrecht / daß ich so nach meiner Freiheit strebe? Ich / der ich nun so lang in diesem Kercker lebe? Daß ich nach diesem steh' / was unrecht mir geraubt? Und noch kein Ende seh'; Und ist es nicht erlaubt? Soll ich nicht / wie ich thu / bey Frembden Mittel fassen; Da Doch mein eigen Volck und Frembde mich verlassen? Doch mag nur Volck und Freund und alles von mir gehn / Wann nur mein Heyland bleibt / so wil ich dennoch stehn. Maria und eine von Ihren Staats-Jungfrauen. Gleichwie bey dunck'ler Lufft und trüben Wolcken-Weine Uns Thürme / Stadt und Haus und Berge weiter scheinen / Und wie deß Nebels Dunst die güldne Sonne deckt / So kan Ihr trüber Geist / von trauren gantz erschreckt / Den nahen Sonnen-Schein / so pfleget auffzugehen / Und Bald erscheinen wird / vor lauter Furcht nicht sehen. Ja freylich sieht man nicht bey trüber Unglücks-Lufft / Wie nah' uns unser Sarg / wie nah uns unsre Grufft / Die uns offt diesen Tag / in dem wir Freude hoffen / Den wie zur Lust bestimmt / im Augenblick betroffen. Was können wir doch seyn vor einen Sonnen-Schein / Wir / die wir noch ümbhüll't mit Kerckers Wolcken seyn. Der Nebel deckt den Zorn deß dräuenden Cometen / So wohl als er sonst kan der Sonnen Gläntzen tödten. Durchläuchtige Princeß! ich bitte / Sie verzeih' / Wenn ich bekenne / daß sie allzufurchtsam sey. Gesetzt / es führt uns Gott bißweilen in die Wüsten / Da keine Quelle rinnt Daß wir uns öffters selbst zu unserm Tod uns rüsten / Löst er doch auff / was blind / Daß wir wie Hagar können schauen / Deß Himmels unverhofftes trauen / Er treibt die See von unsern Hertzen / Daß derer Wellen stoltzer Guß Uns oft erziehlet heisse Schmertzen / Doch ist es nur der Wunder-Fluß / Durch dessen unbegreifflichs regen / Sich unsers Unglücks Kranckheit legen. Es nahm zwar Londens Hoff den Vorschlag willig an. Und was ist dann / das uns nun weiter hindern kan? Wann Gifftgefüll'ter Neyd der Tugend Glantz bekrochen / Wird offt der schon gemacht' und feste Schluß zerbrochen. Ich sehe nicht / wer uns hier kan zugegen seyn. Was England gleich gebaut / reist Schottland wieder ein. Mein Schottland / das nicht kan als nur sein Haupt verfluche / Sein Haupt / das es doch mehr zufreyen solte suchen. Offt hält man einen Freund in fälschlichem Verdacht. Ein schöner Freund / der uns in so viel Angst gebracht. Sie muß sich nicht so sehr mit leerem Argwohn qvälen; Man muß im Hoffen nur das beste stets erwehlen. Wir fürchten nicht zusehr / und hoffen nicht zuviel; »Doch kennen wir vorlängst deß wancklen Glückes Spiel / Das offt ein enges Nu / das offt ein Augenwincken 21 Hat zwischen Cron und Strang / und zwischen stehn und sincken.« Herr! der ich nur Durch dich in solchen Nöthen steh / Herr! der ich deiner Faust und Macht allein zudancken / Daß meine Sinnen nicht in so viel Nöthen wancken / Daß ich / ein schwaches Weib und meines Heylands Magd / Gleichwohl vor deiner Kirch und Lehr soviel gewagt. Soll ich noch meinen Feind gestürtzet vor mir schauen / Soll ich noch deine Kirch auff diesen Felsen bauen / So gieb / daß / wann mein Schiff die frohen Segel streifft / Und mit erwünschtem Wunsch in seinen Hafen läufft / Nicht komme in dem Port auff Klipp und Sand zustehen. Ists aber / daß ich soll und muß zu Grunde gehen / Und soll ich deiner Kirch ein werthes Opffer seyn / Mein Heyland! ich bin hier mit Leib und Seele dein. Maria und eine andere von ihren Staats-Jungfrauen. Durchläuchtige Princeß! Sie laß ihr Trauren schwinde. Die Königin läst uns durch zwey der Band entbinden / Der Bande / die bißher so lange uns gedrückt / Durch zwey / die sie zu uns von ihrem Hoff geschickt. O längst gewünschte Zeit / O längst gewünschte Stunden! Wir haben / wornach wir so sehr gewünscht / gefunden. Bemeistre deinen Geist. Die Freude ist zugroß. Du gläubst / was ungewiß; wir sind noch nicht schon loß. Kan sie denn auff der Welt gantz keine Lust ergetzen? Man wird uns nicht so bald in vorge Freyheit setzen. Es ist noch mir / noch dir / was man anbringt / bewust. Es ahnt mir wenig Guts / es klopfft und hüpfft die Brust. Wohl! weil ihr Hertze nicht wil meinen Worten trauen; So soll ihr Auge selbst in kurtz die Warheit schauen. Baron Burckhorst, Beal, (die zwey Abgeschickten) Maria. Durchläuchtige Princeß! nach dem man gnug erwegt / Was vor und wieder Sie vor Zeugnüß auffgelegt / So hat der grosse Rath einmüthiglich gesprochen / Daß Sie an Englands Haupt und Crone sich verbrochen / Und wil / weil jederman Sie numehr schuldig nennt / Daß Sie vor Ihrem Tod' noch, ihre Sünd' erkennt / So Sie an Ihrem Gott und Königin begangen. Der waren Kirchen Heyl muß ihren Tod verlangen. O Freudenvoller Schluß! mein Gott! ich bins nicht werth / Daß mir dies hohe Glück in dieser Welt beschert / Daß ich als Opffer soll der Römschen Kirchen dienen. Willkommen werther Todt! du bist erwünscht erschienen. Erlöser! habe Danck vor überreichte Cron! O Ewigs Königreich! O überstiegner Thron! O Freyheit meiner Seel! O auffgelöste Bande! Mein Heyland rufft durch dies mich hin zum Vaterlande / Durch dies / das mir gewünscht deß Lebens Ende macht / Deß Lebens / das ich hier so mühsam durchgebracht. Danckt euer Königin / und sagts / wie hoch wirs schätzen / Daß Sie uns wil sobald ins ewge Reich versetzen / Und sprecht sie noch zuletzt von unsertwegen an / Wir lassen / weil Sie uns nicht lebend dulden kan / Sie durch den höchsten Gott durch Stamm und Freundschafft bitten / Daß Sie / weil auff der Welt uns 22 Unruh stets bestritten / Uns doch nach unserm Tod' ein ruhig Grab verstatt'. Und weil der Schotten Kirch der Feind entheiligt hat / Und England niemand kan nach Römschen Brauch begraben / Soll Franckreich meinen Leib nach meinem Tode haben / Wo meiner Mutter Grab. Und weilen Tyranney Von unser Feinde Wuth uns zubefürchten sey / So dulde sie doch nicht / daß ein verborgen Eisen Uns Haupt und Leben raub' / Sie gönne / daß wir weisen / Wie wir im Tode stehn / daß Priester / Volck erschein / Als unsers Glaubens Zeug / und Beystand unsrer Pein. Daß man von unserm Tod nicht Lügen kan außsprengen / Die man uns lebend war beflissen anzuhengen. Sie gönn' / daß meinen Freund' und Dienern wiederfährt / Was etwa ihm mein Tod und Testament bescheert: Sie gönn' / – – – – doch kan ich nur so viel Genade finden / So wird Elisbeth Uns mit letzter Gunst verbinden / So is mein Leben mir vor Ihre Crone feil / So wünsch ich / daß mein Tod sey Ihres Reiches Heyl. Wir werden solches ihr schon wissen vorzuragen / Sie wird Ihr diese Gunst und nochmehr nicht abschlagen. Maria alleine. Das Briten über mich 23 ein solches Urtheil spricht / Ist nicht so ungewohnt / ja gantz kein Wunder nicht. Wie offte hat es doch sein Fürstlichs Bluth vergossen? Und Ich / der ich au bin aus ihrem Bluth entsprossen / Wil noch was bessers seyn / und hoffe mehr Gewinn Als andre weit vor mir. – – – – – – – Eine von Ihren Staats Jungfrauen tritt ein. – – – – – – – – – – – – Durchläuchtge Königin! Der Gallier Abgesandt 24 läst Dienst und Hülff antragen / Und wil / wo Sies nur stimmt / ein solches Stücke wagen / Das Ihre Majestät in kurzem soll befreyen / Elisabeth soll tod / Sie Englands Fürstin seyn. Danck Franckreich vor die Treu / un thut Ihm stracks zuwissen / Daß ich kein Reich verlang durch mördrisch Blutvergiessen / 25 Ja selbst die Freyheit nicht / die uns doch so beliebt / Daß ewig sie der Grund / deß / was uns jetzt betrübt. Ade beherrschtes Reich! Wir wollen uns durch sterben Und durch den tapffern Todt ein höhers Reich erwerben. Reyen. Der Gefangenen Jungfrauen. Hilfft dann nicht in Purpur sitzen / Nicht der Cron und Scepter Schein / Nichts mit Diamanten blitzen / Nichts mit Gold gezieret seyn? Bringt man dann von aller Wahre 26 Nur ein blosses Tuch zur Baare / Und von allem Schmuck und Pracht Kaum deß Sarges schwartze Tracht? Helffen nichts die schönen Wangen / 27 Und deß Mondes Purpur Klee / Die so manches Hertz gefangen? Hilfft dann nichts der Hände Schnee / Nichts der Venus starcke Pfeile Wieder Plutons Donner-Keile? Nicht der Schönheit holde Pracht / Der zu liebe alles lacht? 28 Nein; Maria / die am Stande Keinem in Europa weicht / Die an Königreich und Lande Auch den grösten Printzen gleicht / Die / von der der Schotte lebte / Und der Gallier so erhebte / Wird in Britten / da man schreibt Nur mit lauter Blut / entleibt. Diese Schöne / derer Gaben Himmel / Feuer / Lufft und Welt Längsten angebetet haben: Die man fast vor Göttlich hält / Die so vieler Hertzen lenckte / 29 Der man soviel Cronen schenckte / Wird durch Brittens herben Neyd In der Blüthe abgemeyt. Grosse Fürstin! 30 deine Crone 31 Wird durch diesen Mord befleckt. Es gereicht dir mehr zum Hohne / Und dein Ruhm wird gantz verdeckt. Die vorhin so hell geschienen / Wird forthin zum Deckel dienen / Wann man Stahl auff Printzen wetzt / Und den Thron durch Thron verletzt. Nymphen! die ihr in Gestrüppen An der schwancken Temse sitzt / Die ihr auff den weissen Klippen Euch mit Amphitrit bespritzt / Lasset zu Marien Ehren Noch ein Grab- und Lob-Lied hören: Die / ob sie gekärckert war / Dennoch tausend Lust gebahr. Lobt nicht Ihre Marmor Wangen / Nicht den göldnen Königs Crantz / Nicht das königliche Prangen / Nicht deß rothen Purpurs Glantz / Nicht ihr hoch gestiegnes Wesen / Das man ohne dem wird lesen / Biß die Welt vergeht in Gluth; Nur den Helden gleichen Muth. Aber du Durchläuchtge Seele! Eile auß dem eitlen Wust In deß Grabes Ruhe-Höle Heldenmüthig / wie du thust. Besser recht als unrecht leiden / Besser Welt als Himmel meiden Offt / der so wie du verdarb / Mehr / als er verlohr / erwarb. Dem der nicht aus Gottes Gnade Und dem guten Namen fällt / Ist der Fall zwar wohl ein Schade Doch nur vor der bösen Welt. Denn offt fällt vor bösen Buben Auch der Frömmste in die Gruben; Und wen Tugend fallend hällt / 32 Steht mehr als er etwa fällt. 3. Akt Die III. Abhandlung. Der Schau-Platz bildet ab der Gesandten Zimmer. Der Gesandte von Franckreich / der Bischoff von Rosse. So ists / wie ich erzehlt: Es hilfft kein fleissigs bitten / Kein angewendter Fleiß bey den erzürnten Britten. Was hab ich nicht gethan / was hab ich nicht versucht / Zuretten ihren Kopff; doch alles sonder Frucht. Die Königin bleibt fest auff ihrer Meinung stehen / Es würde Kirch und Reich / Sie selber untergehen / So fern Maria nicht bald würde abgethan. Doch ist es / wo mir recht / ihr nur umb ihren Wahn Und Brittens Ketzerey / die fürcht man zuverlieren / So fern Maria hier den Scepter solte führen / Die Königin wanckt noch was / doch schürt man hefftig zu: Es läst Ihr weder Schott noch Britte wenig Ruh / So / das sie endlich wird / und zwar gezwungen / müssen Das Urtheil / so sie noch jetzt auffgezogen / schliessen. So hat der Himmel uns denn allen Trost versagt? Ist alles gantz ümbsonst / was ich bißher gewagt Umb dich / O werthe Frau! bringt denn dir meine Treue / Princeß! so wenig Nutz? hilfft weder Fuchs noch Löwe? 33 Mein Herr / es wird / wil nun der Himmel nicht mehr hört / Das / was ihr dienen soll / zum Schaden umbgekehrt. Man sah' es mehr als viel / da als man meinen Trappen In voller Hoffnungs Blüth begunte zuertappen. Verfluchter Unterthan / der seine Königin Verläst / verräth / verkaufft ümb schändlichen Gewinn! Verfluchtes Vaterland / das sein Haupt so entehret / Und das ohn' dem bey Ihm beruffne Laster 34 mehret! Das Laster / das die See / wie sehr sie sich bewegt / Und deine Ufer wäscht 35 / doch nimmermehr absegt. Mein Herr / wir müssen nicht nur diese Zeit verfluchen / Wenn wir Marien Jahr' / und rauhe Zeit durchsuchen / Wird man von Tag zu Tag der Ketten Glieder sehn / In die Sie wurd' verstrickt. Es war ümb sie geschehn / Nicht nur als Calidon Ihr seine Pflicht versagte / Nicht nur als Calidon Sie endlich gar verjagte; Sie fiel / als Murreys Geist ihn allzeit höher trieb / Sie fiel / als Gallien sich der Britten Erbe schrieb; Alls was nur Römisch war / aus Schottland must entlauffen / Als man den Closter-Zwang warff über Stock und Hauffen. Sie fiel als Sie den Sturm auch nicht von dem Altar Und dem geweihten Licht zuwenden mächtig war / Als Sie aus Noth sich must' mit fremder Macht verschrencke / Und durch der Thränen Fluth / den groben Eifer lencken: Als ihren Priester selbst man ungestühm anlieff / Als wieder Sie das Volck gar zu den Waffen grieff / Als Sie deß Königs Stand und Ansehn so verdrückte / Und ihn von Rath und Staat und gar vom Hofe schickte: Als die bewehrte Schaar in ihre Zimmer brach / Und den so klugen Mann 36 an ihrer Seit' erstach / Als der verfluchte Mord am Könige verrichtet / Den man Ihr sonder Grund und Recht hat angedichtet: Als Sie durch jene Wahl noch den Verdacht gemehrt: Als die / die kurtz zuvor die Heyrath selbst begehrt / Und Bottweln angestifft / ein offnes Heer auffführten / Und Sie mit einem Rock von alten Lumpen zierten: Als man Ihr Heinrichs Bild so schimpfflich vorgestallt / Als leichter Buben Schaum Sie Hur und Mördrin schalt. Als der so hohe Geist sich muste lassen schliessen / Als Sie den Königs-Stab auffstets verschweren müssen / Als ihr unächter Freund an ihre Stelle kam / Als Sie die letzte Flucht aus Schott in Britten nahm / Als man den Murray hier vor Brittens Recht betagte / Und die gefangne Frau vor diesem Thron anklagte / Als man Ihr Norfolcks Gunst und Heyraths-Bund antrug / Als man Ihr frembde Hülff bald hier bald da vorschlug / Als Chraieton (wunders werth) verrathen von den Windē / Als Britten vor sein Haupt fieng an sich zuverbinden / Als alles / was Sie sich erbot / nur wurd verlacht / Und sie durch Ungedult verzweiflungs vollgemacht / Als sie durchs Sinnen-Bild 37 aus erster Hafft gestohlen / Wurd Powlets Strengigkeit und Drurens anbefohlen / Als man Sie abzuthun durch Meuchellist gesucht / Das doch noch Drurius als schändlich selbst verflucht / Als Sie der Königin jemehr und mehr verschwärtzet / Als alle Hoffnung durch der Mörder-Bund verschertzet / Als man Sie drumb verhört / mit fragen in Sie drang / Als man aus Noth / auch gar die Diener zeugen zwang. Da fiel der Scepter hin / jetzt liefert Sie die Leichen Auff Britten Schau-Gerüst zu einem Greuel-Zeichen / Zu einem Wunder-Bild / zum Vor-Spiel solcher Noth / Die über Throne wacht. Vor war Maria todt: Jetzt stirbt der Kön'ge Macht. Laßt uns den Tag begehen Mit seufftzenden Gewein / es müssen Grampens Höhen 38 Erschellen vom Geheul. Auff! heute legt der Stand Der Höchst-Gesalbeten an Sie die Mörder Hand. Hilfft ihr dann Franckreich nicht? Es muß sich selbst betrauren / Das sich in sich verzehrt: Wird Spanien nicht betrauren Die Mittel / die man Ihm / zu zwingen Holland wies' / Die selbst der Kirchen Haupt vor überselig pries'. Ja freylich! aber ach! es ist nun die verlohren / Die zu der Kirchen Heyl schien gleichsam wie gebohren. Wie offte wird uns doch der Leiter Steg gezeigt. Auff welchen man nachdem / was man offt wünschet / steigt. Doch sind die Sprossen schwach / und müssen offters biegen / Eh' man den Gipffel hat und Spitze überstiegen. O ümbgekehrtes Glück! O Wechsel aller Welt! Die uns zuhelffen denckt / ist hülfflos und verfällt. Das Thun der Sterblichen / ist ja in allen Ländern / Gantz unterthan gemacht dem Spiegel glatten Endern. Den Schau-Platz vor'ger Welt / ersäuffte jene Fluth / Das grosse Babylon erstickte in dem Blut Durch Med' und Perser Schwerd; Die wurden ausgestossen Durch Alexanders Macht / den man darmub den Großen Nicht sonder Fug genannt. Die ungezehle Zahl Der Folger dieses Printzs besiegte allzumahl Das weitberühmte Rom / von dessen tapffern Streiten Und unerhörter Pracht man nichts zu unsern Zeiten Als nur den Namen weiß. Die ihren Sinn gestellt Zu reisen weit und fern durch weite See und Welt / Erzehlen gleichfals / wie Carthago gantz verbrennet / Wie man Athen nicht mehr als von den Mauren kennet. Wo ists / da man die Pracht deß Mausols annoch schaut / Von Artemisien so künstlich auffgebaut? Wo ist der Platz und Orth / wo Troja pflag zuprangen? Der Pyramiden Stoltz ist meistens gantz vergangen. Weil dēn vergänglich ist Welt / Thron / Stahl / Holtz u Stein / Muß ja ein Rundes Thun in allen Sachen seyn. Man sehe weiter an der Zeit vergänglichs Wesen / Man wird aus ihrem Lauff bald die Verändrung lesen: Den Sommer / Lentz und Herbst und ihren Schmuck und Fleiß Verderbt deß Winters Frost und gantz erstarrtes Eiß: Der hohe Himmel selbst und die besternte Lichter Sind / die in diesem Satz sind mehr als helle Richter / Und stimmen selber bey: Es stirbt zum öfftern gantz Das Auge dieser Welt / der Silber helle Glantz: Der Mond verdunckelt sich / und zeiget an der Erden / Daß etwan Stadt und Land bald soll verändert werden: Der Elementen Krafft bezeuget / daß sie sey Auch der Veränderung nicht allerdings frey: Das Erdreich wird an Frucht und Kräutern allzeit ärmer / Und giebet / wie erkargt gar sparsam / seine Därmer Das Gelt und Ertzt hervor. Von Nord wird offt bedrängt Deß Amphitriten Feld / daß es bald hebt bald senckt Das Daumen dicke Breet. Ihr Götter dieser Erden! Schaut hier / wie eure Pracht auch kan verändert werden; Schaut / wie der Stoltze Thron die hoch gepochte Macht Selb-selbst durch euch verfällt / selbst wird von euch verlacht; Seht wie eur Frey-Brieff wird durch eure Hand durchstochen / Und öffters Cron und Thron durch Cron und Thron zerbrochē. Drumb traut nicht euern schwachen Mächten / Besondern Gottes starcken Rechten / Der Cron und Scepter theilt Und schlägt / verwundt und heilt. Und vielleicht über die die jetzt Marien richt / Ein noch viel härtren Schluß und schärffer Urtheil spricht. Der Schau-Platz verändert sich in der Königin Elisabeth Zimmer. ELISABETH, DAVIDSON. Damit der Unterthan schläfft sicher bis? an Morgen / Theilt offt der Fürste Tag und Nacht in schwere Sorgen / Wir haben diese Nacht fast wachend zugebracht / Durch einen Traum erschreckt / den Sachen nachgedacht. Hat Ihre Majestät den Vorsatz lassen schwinden? Nein dieses nicht / doch könt' man andre Mittel finden Was wir bereit erwehlt / scheint wohl das best zuseyn. Laufft dann von Powlet uns noch keine Antwort ein? Er weigert noch wie vor etwas auff sich zunehmen / So seine Ehrligkeit im mindsten kam beschämen. So hält man so den Eyd / den Er und viel gethan Vor Ihre Königin? Ein treuer Unterthan Wagt vor deß Fürsten Heyl Guth / Muth und Blut und Leben / Und steht bereit / vor Ihn sich in den Tod zugeben / Und Powlet zeigt der Pflicht / die man so hoch beschwor / Und die gantz England bindt / den leichten Nachklang vor. Vielleicht wird sich noch wohl ein treuer Britte finden / Der mich der Sorge wird in diesem Stück entbinden. Durchläuchtige Princeß! Ich bitte / Sie verzeih': Sie denck' / daß nicht allzeit / was nutz' / auch ehrlich sey: Sie denck' / in was Gefahr Sie sich sammt Powlet stürtzet. Lobt sie die That / so wird Ihr Name selbst verkürtzet / Und mit der Grausamkeit und Unrecht gantz befleckt / Der doch die Laster sonst so rühmlich hat geschreckt. Verwirfft sie diese That / die Sie doch angegeben / So wird es zwar beschönt / doch stürtzt Sie dessen Leben / Der sich umb Sie so wohl verdient / in Unglück ein. Kurtz: Sie muß undanckbar / entweder unrecht seyn. Genug hiervon. Hastu den Mord-Befehl geschrieben? Ja. Wohl! Ich wil / man soll das Urtheil was verschieben. Die Königin tritt ab / Davidson bleibet. Der Schau-Platz ist das Königliche Vor-Gemach. Hattan, Burghley, Beal, und etliche andere königliche Räthe und Davidson. Viel Glücks! Ich sag' ihm Danck. Wie schau ich ihn allhie? Was macht Marien Tod mir nicht vor Sorg und Müh. Uns auch / doch numehr wil Ihr letzter Tag erscheinen? Drumb ist noch mehr zuthun / als jemand zuvermeinen. Wieso? der Urtheil-Schluß der Köngin steht ja fest. Ihr wanckler Sinn ists / der uns noch dran zweiffeln läst. Was zweifflen? Sie wird nicht ihr Wort zurücke nehmen. Doch wil Sie sich noch nicht zur Thätigkeit beqvämen. Man glaubt / daß der Befehl schon längsten abgefast. Und die Vollziehung ist ihr gleichwohl noch verhast. Sie hat mir zwar schon längst zuschreiben anbefohlen / Doch's durch den Killigray zurücke lassen holen. Bald schilt Sie / daß ich mich in etwas übereilt; Bald / daß ich langsam bin / und allzusehr verweilt; Bald soll ichs also fort und sonder Säumnüß schreiben; Doch soll das Siegel noch davon zurücke bleiben. Kurtz: heute hebt sie auff / was sie mir jüngst befohl / So daß ich / weil ich nicht weiß wie ichs halten soll / Beschlossen / weiter mich hierinn nicht zuvertieffen / Weil mir noch wohl bewust / wie Burgley sich vergrieffen / Dem man die Schuld auch gab / und doch nicht schuldig war. In Warheit / wie ich seh' / es stöst sich hier und dar. Ihr Herren was zuthun? Es dürffte noch wohl wancken / Der Königin Unbestand macht mir noch fast Gedancken / Als ob Marien Fall noch nicht so nahe sey / Wie wir bißher gemeint; ja daß sie noch wohl frey Uns kan gebenden sehn. Mein Rath / man lasse schliessen Den schon gemachten Schluß / auch obn' der Kön'gin wissen. Man lobt den Thäterer / nach wohlvollbrachter That; Schläfft gleich Elisabeth / so wacht doch derer Rath. Vielleicht hat sie das Werck mit Fleiß noch hintertrieben / Damit man nicht auff Sie kan ein'ges Unrecht schieben. Ich setz' auch ihren Zorn / die Noth spricht ja frey / Und ihre Wohlfarth selbst. Ich stimme gleichfals bey. KÖNIGLICHE RATH. Und ich. Und ich. Und ich. Mein Herr / es ist beschlossen / Marien schändlichs Blut wird morgen noch vergossen. Wie wann die Königin in ihrem Zorn entbrannt Mich diesentwegen strafft. Wir mit gesammter Hand Vertreten ihn bey ihr: er traue dem Versprechen. So schieb ich dann auff sie das gänzliche Verbrechen. Nur kühnlich. – – – – Davidson geht ab / die andern bleiben. – – – – – – – Das war gut / daß er uns noch entdeckt; Ihn hätt' die Königin sonst noch wohl abgeschreckt Ich hätte nicht gedacht / daß Sie so solte wancken. Ein Weib hägt niemahls nicht 39 beständige Gedancken. Sie sieht gleichwohl / wie nah' die fürchtende Gefahr: Man sagt / es habe sich verschworen eine Schaar / Zustürtzen Brittens Haupt noch vor dem Urtheil fällen. So muß man / was so noth / geschwind' zu Wercke stellen / Eh' noch Elisabeth davon etwas erfährt / Zu ihrem Schaden das Urtheil wieder wehrt. Ich halt' es auch dafür: Uns schadet das Verweilen; Wir müssen mit dem Werck so viel als möglich eilen. So sagt dann / was zu thun? Stracks. Du must fort / Zusammlen das Gericht / hier hast du Brieff und Wort. Laß ja das Trauer-Spiel in einem Nu sich enden; Es möcht' Elisabeth die schwachen Sinnen wenden. Noch eins: in dem ihr sprecht / sperrt Foudrings Thore zu / 40 Daß durch geschwinde Post man keine Rettung thu'. Ich richte alles aus / eh' soll man mich verbrennen / Eh' soll man meinen Kopff von meinem Leibe trennen / Eh' soll mein blutend Haupt auff Münsters Thüren stehn / Eh' die verdammte Frau dem Tode soll entgehn. Reyen. 41 Der Syrenen. Wer nicht mit jener Höllen Kunst Den Geist weiß höflich auszuzieren / Die Menschen durch geschmeckten Dunst Der leeren Worte zuverführen: Wer nicht die Sünd' und Laster weiß Scheinheilig stets zuunterdrücken / Und sich mit aller Müh und Fleiß Durch Trug und Heucheley zuschicken / Der näh're sich ja nicht der Pracht / Die uns / in dem Sie uns erhebet / Nach vielgeleistem Dienst verlacht / Und gleichsam lebendig begräbet / 42 Wofern Er nicht mit Schand und Hohn Wil seines steigens Lauff verkürzen / Und wie ein andrer Davidson In den schon offnen Kercker 43 stürtzen / Der / weil er nach der alten Zeit Es mit der Fürstin treulich meinte / Einräth von eignem Nutze weit / Was ehrlich war und nicht nur scheinte / Und meint bey solcher Einfalts-Pflicht / Zugehn auff sichren guten Wegen. O albre Tugend! 44 weist du nicht / Daß meist ein Fürste pflegt zulegen 45 Deß selbst gestifften Lasters schuld. Auff den / dem Er nur kurtz zuvore Nach dessen Außgang seine Huld Versprach / und jetzund / gleich dem Rohre / Schon strafft / was Er nur jüngst befahl. So daß / wenn nur der Diener meinet / Er sey bald über Berg und Thal / Und wo die güldne Sonne scheinet; So ist / und eh' man blitzen schaut / 46 Er von den Strahlen schon getroffen. Dann liegt / worauff er hat gebaut / Sein Trost und offter schwangres Hoffen. Was giebt der Köngin zwischen Nein Und Ja 47 so zweiffelhaftes wancken In diesem Zustand anders ein / Als jetzt eröffnete Gedancken? Und gleichwohl glaubt Er ihrem Traum / Und wann sie noch mehr Mährlein brächten / Und wiederlegt den falschen Schaum / Und streit noch mit dem Spiegelfechten. So ists / daß der gemeine Mann 48 Nur muß in albrer Warheit wandeln; Den Fürsten aber steht es an / (O Zeiten!) mit der Schmincke handeln / Drumb traut den Höfen nicht zuviel; Seht / wie man diesen angeführet / 49 Den / wann Er bey dem Trauer-Spiel Hat seinen Auffzug wohl geziehret / Und die Person nun außgespielt / Wenn nun durch den geputzten Affen / Was sie begehrt / gewünscht / erziehlt / Man wird vom Hof in Kercker schaffen. 4. Akt Die IV. Abhandlung. Der Schau-Platz verändert sich in der Gefangenen Königin Zimmer. Maria und die Englischen Herren den letzten Todes-Befehl Ihr anzeigende. VON DEN ENGLISCHEN HERREN. Ach dem man ein Geboth von Hof uns zugestellt / Princeß! so ihren Todt und Sterben in sich hält: Als hat uns erst gebührt / Ihr solches anzudeuten / Daß sie auff Morgen sich kan zu dem Tod' bereiten. Daß meine Schwester mich 50 dem Tode zugedacht / Hätt' ich zwar nicht vermeint / nachdem ich Ihrer Macht Nicht unterworfen bin; doch weil es Ihr Verlangen / So wil ich mit dem Tod' so lieb als Leben prangen. Der Mensch / der nicht den Schlag deß Beils ertragen kan / Ist nicht der Freude werth / die uns wird angethan. Wann wir nach dieser Zeit das Vaterland ererben. Ich bitt / man laß mich nur nicht sonder Beystand sterben Deß Priesters / den ich bat / und gebe gleichfalls frey / Daß mein Melvin auch noch bey meinem Tode sey. Daß Sie nicht / ob man Ihr zuwieder / darff vermeinen / So soll Melvin bey Ihr vor Ihrem Tod' erscheinen / Und an deß Priesters statt / den Sie zur Beicht' erkohr / Schlägt man den Thum-Dechant von Petersburg Ihr vor. Ich wünsche keinen mehr / als einen Artzt zuhaben / Der mich nicht kan als mit so schwacher Stärckung laben. In Ihrem Leben / und / Princeß! in Ihrem Tod' Steht unsers Glaubens Heyl / und unsers Glaubens Noth. Es stehe wie es wil / ich hab ein gut Gewissen. Und gleichwohl jammert Sie Babingthons Blutvergiessen. Es war mir dieser Mensch und Anschlag nicht bewust. Es sey; Doch hat man nach der Zeit noch mehr gefust / Auff das was Navus uns und Curlus angezeiget. Seind sie die ersten wohl / die man mit Gold' gebeuget? Man bring' nur / was gerührt / mir ihre Schrifften für. Princeß! wir sind nicht ümb mit Ihr zurechten hier; Es ist schon ziemlich spät. Sie weiß zu was vor Sorgen Der nahe Tag Sie rufft. Wir wünschen Ihr auff Morgen Deß Höchsten Hülff' und Trost. Indessen gute Nacht! Habt danck! wir nehmen schon bestimmte Zeit in acht. Maria, Burgon, das gantze Frauen-Zimmer. Wir / Lieben! sind nun frey: der Höchste reist die Bande Des langen Kerckers auff / und führt uns aus dem Lande / Da Todt und Marter herrscht / in das gewünschte Reich Der ewig-steten Ruh'. Wir lassen diese Leich' / Die sich an jenem Tag' wird mit dem Geist verneuen. Was klagt / was weint ihr dann? Ihr solt euch mehr erfreuen / Daß eure Frau erlöst von Sorgen / Angst / Gefahr / Mit welchen sie allstets hier gantz umbgeben war. Doch dieses sind es meist der Hoheit schöne Früchte. So bald ein Printz betrübt / so sieht Er kein Gesichte / Das durch den frohen Blick Ihm etwa tröstlich sey. Dann wie in Freud' und Lust durch tausend Schmeicheley Erdichter Fröligkeit und angenommen lachen / Man pfleget selbigen noch fröliger zumachen / So leidt zur Zeit der Noth ein Fürst durch gleichen schein / Und nur gestellte Angst mehr als zweyfache Pein. Es ist ja jetzt nicht Zeit zuklagen und zuweinen / Da unsrer tapffrer Todt soll vor der Welt erscheinen: Der Todt / durch den man uns entweder trefflich schätzt' Der Todt / vor dem man sich entweder mehr entsetzt. Es wird die Nachwelt noch von unsern Schmertzen sagen / Und mit mehr Sicherheit mein reines Blut beklagen / Die sonst ja niemand nicht deß Nachruhms je beraubt / Als etwa wie dem kaum zuseufftzen ist erlaubt. Der heilgen Engelschaar sieht selbst mit frohen Hertzen Den Zustand unsrer Pein und unsrer grossen Schmertzen / So dem durchrechnen Hertz und auffgewallten Blut Ein köstlich Räuchwerck sind zerrieben auff der Glut. Die werden dermaleins dem Richter offenbahren / Ob man mit unserm Tod' recht oder nicht verfahren / Und ob wir bessern nicht verdient als solchen Glimpff / Die Marter ist ja nicht / da Laster nur ein Schimpff / So wenig als die Pein / wenn nicht gerechte Sachen / Kan einen / der sie leid't / zu einem Märtrer machen. Und wie? was red ich viel? der Höchste selbsten sieht / Ob uns entweder recht / entweder nicht geschieht / Er / ohn' dem niemand Uns nicht kann ein' Haar betrüben / Pflegt unsere Gedult und Langmuth so zuüben. Daß Er unsr' Hoffnung prüft / und unsern Glauben schreckt / So unterweilen schläfft / und unsre Andacht weckt / Er läst uns in die Macht der schnöden Welt gerathen / Daß man durch Weiber Stärck erkenn' auch seine Thaten. Das wird ein schlechter Kampff und Glaub u Sieg geschätzt / Dem Zweiffel / Streit und Feind nicht tapffer zugesetzt. Was fürchten wir uns viel / von wegen solcher Sachen / Zu leiden Noth und Tod / die uns kan heilig machen? Was fürchten wir uns viel vor dessen Angesicht Zu leiden / der uns all's zu lauter Heyl gericht? Was fürchten wir uns viel / da wir doch sattsam wissen / Daß uns der Höchste wird das herbe leid versüssen? Das uns / so bald uns nur der Todt hat weggerafft Das Leyden dieser Zeit / die Ewigkeiten schafft: Daß wir nicht ewiglich in dieser Folter bleiben: Daß man uns endlich wird ins Buch deß Lebens schreiben: Und daß der Außgang Uns und unsre Schmertzen kröhnt / Und unsre Marter hier auff dieser Welt verhöhnt. Kan Britten immer mehr denn solches Mord-Spiel schauen? Es kan deß Glaubens Grund durchaus nicht anders bauen. Hilfft dann kein bitten nicht / kein Vorschlag / kein Vertrag? Man braucht viel / wo mans verricht mit einem Schlag. Sind das / wie wir gehofft / die auffgelösten Banden? Warumb? Man führt uns ja aus diesen Würge-Landen Ins ewig-stete Reich. Ist das der Britten Thron / Den jene Faust versprach? Mißgönnt Uns nicht die Cron / Mit der uns Jesus krönt. Man spricht / ich solle sterben / 51 Darumb: Weil ich gesucht der Königin Verderben / Doch sagt der Graff von Kent / daß ihres Glaubens Noth / So fern ich leben blieb / erheische meinen Tod. So ist dann nicht / daß ich der Königin nachstelle / Wie man zwar fälschlich ticht' / nur ihre Furcht die Qvelle / Als dar mein Todt herrinnt / in dem daß Untreu schein Deß Glaubens jeder sieht / was Ihm mag nützlich seyn. Princesse. Sie verzeih / und laß es Gott außführen. Wir haben längst verziehn / dieweil wir nichts verliehren / Als diese Hand voll Blut / die uns die Ewigkeit Doch doppelt wiedergibt. Ade! Die enge Zeit / Die uns gesetzt / verlaufft; Der Abend unsers Lebens Und dieses Tags bricht an / wir halten euch vergebens Mit leeren Worten auff! Nehmt dieses letzte Pfand / 52 Was uns noch übrig von Reichthumb Ehr und Stand. Johanna! nimm den Ring; Maria! die Rubinen / Die offt auff Unserm Haar als rother Blitz geschienen; Ihr / Burgon! dieses Gold / der Demant soll Melvin; Die Kette jenem Freund; Ihr! nehmt die Perlen hin. Hier dieses Bildnüß soll der Schotten Abgesandten. Theilt dieses unter euch / und unter die Bekandten / Wie dieß Papier euch zeigt / und nehmt / nehmt alles an / 53 Nicht was ich schencken wil / nur was ich schencken kan. Soll Ihre Majestät so kläglich von uns scheiden! JUNGFRAU. Ach daß wir doch den Tod nur mit Ihr solten leiden! Ach daß man uns von Ihr in solchen Nöthen trennt! Weil man nicht euch nur Uns vor Todes schuldig kennt. Ach! Ach! wo werden wir nach Ihrem Tode bleiben Der Höchste bleibt bey euch. Doch langt mir Zeug zuschreiben. Sie schreibt. Wa Franckreichs Haupt mit uns so / wie es zwar noch scheint / Und Guise, wie es Ihm aus Freundschafft ziehmt / gut meint / Wird Er / was wir vor euch in diesem Brieff begehren / Und was ihr sucht / und Ich vor euch verlang' / gewehren. Noch eins: Hier diese Brieff schickt meinem Priester zu / Daß er zu Gott vor mich sein täglichs bitten thu. Nun / Erde! gute Nacht! ich steig auß deiner Höle. Mein Got! Ich opffre dir die schon gantz müde Seele. Ich übersteige Schmertz und Angst / und Haß und Neyd / Und schau von deiner Burg die schnöde Eitelkeit Der mir verhaßten Welt. Mein Heyland ich erscheine / Ich komm bey diesen an / die ihre Kleider reine In deinem Blut gefärbt. Was mich zuvor verletzt / Was mich zuvor geschmertzt / ists / was mich jetzt ergetzt. Der Geist Thomas Howarts Hertzogs von Norfolk. Schreit dann das freche Land das Kreydigte Gebirge. Noch allzeit / wie gewohnt / sein grausam Echo: Würge! Das Land / so man mit nichts als lauter Blut begeust / So nur von Fürsten quillt / und Königs Leichen fleust? So ists. Mein Blut bezeugt diß unersätte dürsten Und meines Vaters Tod 54 und tausend andrer Fürsten / Die vor mir / so das Beyl / wie mich / hat abgehaut / Und nach mir diese Welt bald sonder Köpffen schaut. Doch ich zwar hab den Tod in etwas wohl verdienet / Weil ich / was Brittens Ruh' / höchst schädlich / mich erkühnet / Erkühnt / durch andre doch zu solchem Werck verführt / 55 Die eben dies / was ich / und noch wohl mehr verbührt. Wer sich durch falsche Wort' und Freunde läst verleiten / Fällt / leyder / so wie Ich / und muß gezwungen gleiten / In dem der nasse Grund / worauf er steifft und steht / Den grünes Gras bald deckt / bald mit Ihm untergeht: In dem das glatte Eys / worauff er die Gedancken Und seine Hoffnung setzt / bald brechen kan / bald wancken / Voraus wenn ihm der Schein deß güldnen Scepters blendt / Daß Er / was lincks und rechts / ja offt sich selbst nicht kennt. Ich rang nach meinem Tod' / der mich auch hat betroffen: Ich suchete mein Glück / da wo das Grab zuhoffen / Und ließ nicht eher nach (so fest steht ein Mann / Den gantz kein warnen nicht zurücke ruffen kan / Den einmahl schon der Wahn und Vorsatz eingenommen) Biß das ich war umb Ehr / umb Gut und Leben kommen. Doch dieses gieng'noch hin. Ach! aber ach! das Bild / Die Frau / die jeder Knecht und leichter Bube schilt / Die abgekränckte Frau / die Sie jetzund verdammen / Fiel damahls schon durch mich / durch die verbotne Flammen / Durch die in uns durch List und Trug erweckte Gluth / Von der mein Tod herstammt und ihr bald fliessend Blut. Verzeih' mirs / Königin! daß ich dich so betrübe / Ich ursach deinen Tod / doch mehr die solche Liebe Mir erstlich in und nachmahls umb den Kopff gebracht / Und dein gekröhntes Haupt selbst wacklende gemacht. Verfluchter Tag! als ich ein Mann von Hohen Adel / Der seinen Lauff geführt bißhieher sonder Tadel / Verrathen und verkaufft 56 / dem Vater folgte nach; Doch ist der nahe Fall von noch viel herber Schmach. Ich fiel / umb / weil ich mich an Englands Haupt verbrochen / Ich fiel / umb / weil ich nicht die Königin gerochen / 57 Ich fiel / als einer der Gebothen wiederstrebt / 58 Und kurtz / als Unterthan / der nicht gehorsam lebt; Hier aber / bey dem Fall der Königlichen Frauen / Hier / sag ich / hier wird man weit ander fallen schauen: Dort fiel ein blosser Knecht; hie ein gekröhntes Haupt / Das zuverdammen nur dem Himmel ist erlaubt: Dort strafft man ein wiewohl nicht allzuklar Verbrechen; 59 Hier strafft man eine Frau / die vielmehr loszusprechen; Hier wird die Fürstin selbst / die Franckreich hat erwehlt / Der Schottland eigen war / den Mördern zugezehlt: Hier stürtzt der grimme Stahl / ein öffentliches Eisen / Die freye Königin / der man nichts kan beweisen / Was Mordt und Todt verdient. Hier wird ein Haupt verhöhnt / Und war von dieser Faust die es vorhin bekröhnt. Doch zage nicht / Princeß! Die Rach hat schon gefället. 60 Den / der mit schlauer List uns beyden nachgestellet. Denn ob der Höchste gleich / so ins Verborgen sieht / Nicht stracks auff frischer That mit Donner-Keulen sprüht, Ob gleich der Blitzen klafft in etwas erst verziehen / Und lassen Lastern zu in lauter Rosen blühen / So stürtzt sie doch zuletzt die hochgestiegne Pracht / Wenn ihre Zeit vertagt / mit noch viel höher Macht. Drumb laß / Elisabeth! nur Cronen Ehre geben / Dich wird ein tapffer Tod / Maria! mehr erheben. Chor der Religion. Herr! Wie lange soll ich hier / Hier in Brittens Wüsteneyen Meines reinen Glaubens Zier Diesen Schelmereyen leyhen! Herr! wie lange soll mein Mord Und das freche Cronen-höhnen Mit nichts als mit Gottes Wort Und der Frömmigkeit beschönen. Ach was must ich damahls nicht Schon vor grosse Schande tragen Da / als Britten fing die Pflicht An den Päbsten zuversagen / 61 An die doch als an ihr Haupt Alle vorige Besitzer Brittens mehr als viel geglaubt / 62 Und den Titul Glaubens-Schützer / Durch beliebten Dienst 63 erlangt / Mit dem Sie nach diesen Zeiten Bißher singende geprangt. Doch schrieb man damahls bey weiten Meinen sonst so lieben Nam Nicht mit so gefärbter Dinten / Als bis da die Wölfin kam. 64 Jetzo muß durch gleiche Finten Schottlands Haupt Maria fort / Und weil ich nicht wollen reichen / Muß man noch dazu den Mord Mit Verrätherey austreichen. Aber meint ihr / daß der Tod Solcher hochgesetzten Leute Mindre Eures Glaubens Noth / Und die Kirche mehr erweite? Nein! deß Bluts gemachter Schall Wird euch wie dem Usa nützen / 65 Als er bey besorgten Fall Wolte Gottes Lade stützen. Dann gesetzt / daß eurem Wahn / Eurem Glauben recht zugeben / Ist es doch nicht wohlgethan / Daß ihr ihn durchs Schwerdt wolt heben. Dann der Krieg / das Schwerdt und Blut Sind mehr Glaubens Hindernüsse / Weil man dennoch böses thut / Ob gleich gutes draus entspriesse. 66 Zugeschweigen daß mein Schein Durch das überhäuffte dämpffen Und der Märtrer strenge Pein Mehr gläntzt als durch Streit und Kämpffen. 67 Doch es kömmt noch eine Zeit / 68 Da weit höherem erkühnen Mein zwar unbedecktes Kleid Wird als Deckel müssen dienen. Drumb weich ich aus diesem Land / Von dem Bessrung nicht zuhoffen / Das in Deuteley und Tand 69 Gantz und gar / als blind / ersoffen / Das stets neuer Wahn ansteckt / Das sich selbst in sich verkehret / Das viel tausend Secten heckt / Und nur lauter Auffruhr nähret. Gute Nacht! ich wil viel lieber Sonder Sitz und Tempel seyn / Als mit meinem Schmuck und Schein Zieren Brittens Jährlichs Fieber. 70 5. Akt Die V. Abhandlung. Der Geist Heinrichs Grafen von Arley / der Königin Maria anders Gemahls / und Maria auff dem Bette. Wer auff die Liebe traut / auff eines Weibes glattes schweren / Fällt / leider / gleich als ich / und wird mit seinem Schaden lehren / Wie ein so gar betrieglich Ding es sey Umb aller Weiber Treu / Die sich mit Mund und Hand verschreiben / Und doch gar kurtze Zeit deß ersten Sinns verbleiben. Ich / den Mariens Gunst 71 und ihrer Schönheit Glantz Mehr als zuviel verführt / sammt Schottlands Königs Crantz / Besaß ein grosses Reich / und wurd' durch sie gekröhnt; Doch leider mehr durch Sie in solchem Reich verhöhnt / 72 Ein König und ein Mann; Doch wieder alles Recht ein Schlav und Unterthan. Biß daß mein albrer Geist durch leichtbeglaubte Jugend Und selbst der Königin fast zweiffelhaffte Tugend Bey tieffer Mitternacht Durch Mörderische Faust von dieser Welt und unglückhafften Reiche bracht. Doch zweiffl' ich nicht durchaus / Princeß! an deiner Treu: Die vorgesetzte Flucht nach Franckreich macht dich frey. 73 Ich weiß / daß dein zwar scharff Verbitten Nichts halff vor dieser Mörder Wüten. Ich klag nur über die / Die mich so früh Und fast im Frühling meiner Jahre Gebracht durch unerhörten Mord / auff diese Todten-Baare. Doch wohl! ich bin nun loß von dem / was mich gequält. Der meine Zeit gezehlt / Hat Rache schon geübt An den' / die mich betrübt: Der ärgste unter allen Ist sonder Witz gefallen; 74 Die andern werden den verdienten Lohn schon kriegen / 75 Wann wird vereinigt seyn / nach vieler Wunsch bestiegen / Zugleich der Schott- und Britten Thron 76 Von meinem annoch jungen Sohn. Auff! auff! bestürtzt' Gemahl! die Zeit ist auch verhanden / Die dich wird durch den Tod erlösen von den Banden. Hier wird dir nicht gewehrt die Freyheit / die du suchst: Der Kercker / den du fort und fort verfluchst / Und achtst vor deine Pein / Bricht / nicht wie du gewünschet / ein; Doch ob du dich gleich wirst / wie ich durchs Schwerdt / verbluten; So braucht der Himmel doch bey dir gelinde Ruthen: Mich würgt man in der Nacht / alleine gantz bestürtzt / Dir wird das Leben ja noch öffentlich verkürtzt. Drumb was bemühstu dich mit rasender Begier Zureissen deine Bänder / Zuherrschen über Brittens Würge-Länder; Herrsch vielmehr über dir / Und flieh die eitle Zier; Und dring aus aller Noth Durch einen tapffern Tod Ins ewige Reich zu mir. Der Geist verschwindet; das Frauen-Zimmer tritt ein. Maria auff dem Bette / das Frauen-Zimmer so sie ankleidet. Halt! halt! betrübter Geist! wie? ist er schon verschwunde? Wie? hab ich mein Gemahl nun einmahl wiederfunden? Bleib! bleib! mein Liebster / bleib! ach bleib doch meine Zier! Wie? eylstu? fliehstu schon? ja / ja! wir folgen dir. Hat uns ein Traum erschreckt? wie? oder das Gewissen? Nein / nein! Maria ist behertzt bald zuvergiessen Ihr gantz unschuldig Blut. Es brause Wind und Meer / Der Himmel schicke fort die schwangern Blitzen her / Es zittre Mast und Tau / last Seiten-Breter krachen / Reiß Segel / reiß entzwey / sperrt auff der tieffe Rachen / Ja selbst der Höllen Schlund; Ein kluger Schiffer lacht Doch aller der Gefahr. Ein Geist / der allzeit wacht / Findt Hafen / Port und Land im höchsten Unglücks-Wetter / Und wann er fällt / so ist der Todt auch sein Erretter. Brich an gewünschtes Licht! wir sind deß Lebens satt / Die Erde stinckt uns an / wir wünschen nach der Stadt / Die uns voll lauter Ruh' der Heyland hat erworben / So gleich wie wir verhönt und sonder Schuld gestorben. Princeß es ist noch früh. Uns nicht / die wir die Nacht Stets an den Tag / der uns befreyen soll / gedacht. Der Himmel wende doch den uns verhasten Morgen! Der Himmel wird vor euch nach meinem Tode sorgen. Reicht uns den rothen Sammt / und dies geblümte Kleid 77 Und schwartzen-Atlaß / daß man / was den Sinn erfreut / Und was den Leib betrübt / kan auff den Kleidern lesen / Und sehet wer wir sind in diesem Spiel gewesen / Indem der blasse Tod den letzten Auffzug macht. Ziert das verdammte Haupt / mit dieser Schleyer Tracht / So uns auff unsern Thron der schwartzen Trauer-Bühnen Statt einer Crone soll und Königs-Crantze dienen; Dieß Buch und Crucifix von weissen Elffenbein 78 Soll mir stadt Königs-Stabs und göldnen Scepters seyn / Und daß der schwache Hals sich unters Beil kan wagen / Soll er diß göldne Creutz zu seiner Stärckung tragen. Ach daß in dieser Noth der Priester ihr versagt! Weil England auch so gar nichts nach der Seele fragt; 79 Doch mag es wieder Leib und wieder Seele wüten / So kan es mir doch nicht das Himmelreich verbieten / Das mich in dieser Noth mit reichem Trost beschenckt / Und mir die Freudigkeit zusterben eingesenckt: So daß ich auch gantz willig scheide / Den Tod / noch eh' er ankommt / leide / Weil dies die Blut betreuffte Spur / Die auch den Märtrern wiederfuhr / Man mag mich zu den Thieren schmeissen / Ein Tiger-Thier mag mich zureissen / Ich wil auch in deß Löwens Rachen Mit Daniel den Tod verlachen; Es mag mich lichter Schwefel brennen / Und Fleisch und Bein von Adern trennen / Saß doch auch sonder der Gefahr Im Ofen die gedrehte Schaar; Man mag mich nur ins Elend jagen; Ich wil auch das geduldig tragen. Kurtz: Ich kan alle Marter höhnen Bloß mit Erinnrung meines Schönen / Der mir durch seine Pein / hat meine Pein gelindert / Deß Todes Bitterkeit vermindert. Drumb folg ich meinem Heyland nach / Und leyde allen Hohn und Schmach / Die mir die böse Welt anthut / Weil meines Jesu theures Blut Verstärcket meinen schwachen Muth. Ritter Thomas Andreas mit etlichen Dienern / der Graff von Schrasburi, und die andern zur Execution gesandte Engländische Herren / Maria kniend /Melvin ihr Hofemeister / ihr Artzt / Apotheker /Wund-Artzt und zwo Dienerinnen. Maria erscheinet in der innern Scena kniend und betend / zu welcher der Ritter Thomas mit den Seinigen von aussen zu Ihr tritt / und sie aufffordert. Durchläuchtige Princeß! Die Zeit ist nun verhanden / Die Sie durch den Befehl deß Todes von den Banden Und von dem Kercker löst. Wohl! Ich bin schon bereit. Madam! wir sind allhier / was Brieff und Schluß gebeut / Ihr so mit Wort' als That jetzt zuverstehn zugeben. Der süsse Tod ist mir weit lieber als das Leben. Durchläuchtige Princeß! ach / was vor eine Pein! Daß ich an derer Sohn soll Unglücks-Bothe seyn. Melvin! euch soll durchaus nicht vor der Bothschafft grauen; 80 Ihr werdet Mariam nun bald sonder Sorgen schauen / Bezeuget jederzeit / daß ich gestorben sey Im Glauben unbewegt und Schott und Franckreich treu. Der Höchste wolle nur den'n ihre Schuld vergeben / Die wie ein duzend Hirsch nach meinem Blute streben. Herr! der du selber nichts als lauter Warheit bist / Der du das innerste in meinem Hertzen siehst / Weist / wie ich stets gewünscht mein Land in dies' zuschliessen. Ihr könnt nur meinen Sohn von meinetwegen grüssen / Und bringet ihm von mir noch diese Meinung bey: Daß ich nie was gethan / so Schottland schädlich sey. Vermahnt ihn / daß er nie zu Argwohn Ursach gebe / Und mit der Königen von England friedlich lebe: Und macht / daß er euch vor den treusten Diener schätzt. Genädigste Princeß! die mir von Gott gesetzt / Wie ich ihr treu zuseyn mich jederzeit befliessen; Als werd' ich meine Treu mit dieser Botschafft schliessen. Gehab di wohl Melvin! Zu guter Nacht! ach weh! Behüt' dich Gott! Melvin! gesegnet! ach! ade! 81 Gott wird / Princeß! Ihr bald die ewge Crone zeigen. Ja! ja! ich werde bald den Himmels-Thron besteigen. Ihr Herren! kan es seyn / daß in der letzten Noth 82 Mich einger Diener Hauff begleite biß in Tod. Man kan ihr diesen Dienst 83 / soll anders Aberglauben Nicht bey dem Tode seyn / wo nicht / doch schwer erlauben. Es darff bey meiner Bitt' der falschen Sorge nicht / 84 Man wünschet nur ümb mich zuseyn mit letzter Pflicht. Ich weiß / die Königin selbst würd' mir zu Stand und Ehren Deß Fräulichen Geschlechts nicht einge Wiener wehren. Ich bin der Köngin ja mit Freundschafft nah' verwandt Von Heinrichs Blute her / und vormahl ihr an Stand Und Würd' und Hoheit gleich. Es sey ihr zugelassen. Maria mit den Ihrigen / die Richter mit den Dienern / Flether der Thum-Dechant von Petersburg und die Hencker. JUNGFRAU. Soll unsre Königin auff diesem Block erblassen? JUNGFRAU. Hat Sie Elisabeth gleichwohl so hoch erhöht? JUNGFRAU. Ein trefflich schöner Thron für eine Majestät! JUNGFRAU. Ach hätte / werthe Frau! dich der Levin 85 verschlungen / Eh' du zu deinem Tod' in dieses Reich gedrungen / In dieses Reich / das dir die Freyheit erst versprach / So wäre doch dein Tod frey von so herber Schmach. JUNGFRAU. Der Tod hat keine Schmach; die Schmach liegt auff dem Richter / Von dem das Urtheil kömmt. Ihr' Unschult scheint hier lichter / Als auff dem Throne selbst / ihr' Unschuld / die der Geist / Der Geist / der frohe Geist / auch jetzund sterbend weist. Seid still' / damit ich kan das letzte Urtheil sprechen: Nach dem das Parlament Marien ihr Verbrechen Bedachtsam überlegt / die Zeugen abgehört / Und alles wohl durchsucht / was ihre Schrifft uns lehrt: So hat das Oberhaus und Unterhaus gesprochen: Weil Sie das Recht / auff das sie sich berufft / gebrochen / Der Britten Ruh' gestöhrt / die Majestät verletzt / Der Köngin Tod gesucht / den Feind auff Sie verhetzt / Verrätherey gestifft; daß Sie den Tod erleide / Und zwar daß man durch Beyl den Kopff vom Leibe scheide; Doch giebt die Königin zulindern diese Schmach / Daß auff dem Schloß die Straff erfolge gnädig nach. Durchläuchtige Princeß! 86 nach demdurch Gottes Willen Sie soll den Urtheil-Spruch / den Sie gehört / erfüllen / So geh' Sie nur behertzt in den beschlossnen Tod / Und denck' daß Sie dadurch entgeht noch grössre Noth. Es bracht' der erste Mensch im Paradis den Morgen In lauter Wollust zu / das übrige in Sorgen / Als Adam aufferlegt sein Tagelöhners Brodt / Und Even der Gebuhrt / so Schmertzenreiche Noth / Die auff die Welt gebracht den ersten Gotts Verrächter. Wir folgen fleissig nach als Adams Söhn und Töchter. Der kurtze Lebens-Tag entstehet aus der Nacht / In der uns die Natur gantz im Verborgnen macht. Erblicken wir die Welt das kummerreiche Leben / So können wir noch kaum die schwachen Augen heben / Man windt uns in Scharlach und rothen Purpur ein / Die von der Mutter doch noch pflegen roth zuseyn / Wann dann das Lallen aus / der Kinder Schuh' vertreten / Da sind wir erst bemüht den Götzen anzubeten / Der Reichthumb / Ehr' und Pracht und andre Güter streut / Biß daß uns unversehns der blasse Todt abmeyt. Und zwar / es kan auch der / so vielen zugebieten / Sich dieser schweren Last am wenigsten entschütten. Der / den der Purpur ziehrt / der Cron und Scepter trägt / Weiß weniger als der / den man in Fessel schlägt / Ob er auff dieser Welt kan steter Ruh' geniessen / Sein Leben durch Gewalt / wie oder sanffte schliessen? Was ists dann Wunder / daß sich ein Durchläucht'ger Geist Offt nach dem Tode / wie er soll / von Hertzen reißt / Weil er die Cron auffsetzt Der / die allhier gelitten Und unter Jesus Fahn recht ritterlich gestritten / Weil er den Gnaden-Preis / und den Gewinn verspricht Der / die auff dieser Welt den schweren Lauff verricht / Weil er nach langer Last und unerhörten Mühen / Läst lauter Fried' und Ruh' und ewge Wollust blühen. Ihr Leben war / Princeß! nicht anders als ein Tag / In dem man durch und durch nicht einmahl ruhen mag. Sie kam in diese Welt mit Thränen-Thau benetzet / Und ob sie die Natur zwar auff den Thron gesetzet / Und von der Wiegen an zog andern Menschen für; So wuchs sie dennoch auff gleich wie der Rosen Zier Bald unter Dörnern muß / bald von der Sonnen hitzen / Bald von deß Wetters Sturm und Wind und Regen schwitzen. Sie sproste kaum / ja kaum / auff diese Welt hervor / Als Sie die Wurtzel schon / aus der Sie kam / verlohr. Und ob man Sie gleich in den Ehegarten setzte / Und sich mit ihrer Zier der Gröste Printz ergetzte / So brach ihr doch der Todt 87 die Knospe zeitig ab / Und legt ihr gantzes Glück und Hoffen in das Grab / So daß Sie selbst das Ihr vertraute Reich verliesse / Und sich ins Vaterland zu ihrem Unglück risse / Ins Vaterland / in dem sie Creutz auff Creutz geplagt / Ihr eigen Volck verhöhnt / und endlich gar verjagt. Ich rühre nicht den Fall / der Sie vom Thron gestürtzet / Und ins Gefängnüß bracht; nicht den / der jetzt verkürtzet Die Jahre ihrer Zeit, Der Höchste / der Gedult Mit allen Sünden trägt / verzeih' Ihr ihre Schuld / Mit der Sie sich an uns und unserm Häupt vergangen. Und zwar der Höchste hat schon ihr und mein Verlangen Mehr als zuviel erfüllt. Denn Sie stirbt wohl bereit / Und geht durch diesen Todt in jene Ewigkeit. Ich sehe schon mit Lust der waren Reue Früchte / Denn wer an Christum glaubt / kömmt nicht in das Gerichte / Dringt durch Gericht und Tod ins ewge Leben ein. So sey sie dann getrost / bricht gleich der Abend ein / In dem sich wird die Last deß müden Lebens legen; Es freut sich ja der Mann / der Hitze / Frost und Regen In seiner schweren Müh' den gantzen Tag aussteht / Wann nun das güldne Rad der Sonnen niedergeht: Es freut sich ja der Mann / der seines Feindes Wüten In Staub in Rauch und Blut gewaffnet hat bestritten / Wann sich Latona thut an ihrer Burg herfür / Und zeigt dem müden Arm sein längst gewünscht Qvartier: Es freut sich ja der Mann / der durch den Tag gegangen / Bey eingebrochner Nacht den Orth bald zuerlangen / Auff den er hat bißher mit grosser Müh' geeilt. Was nöthig / daß man dann noch lange viel verweilt Im Kercker dieser Welt / in dieser Glieder Ketten / Als ob wir gantz und gar hier stets zubleiben hätten. Es ist ja / wie man sieht / auch nicht der höchste Stand Vom Ungelück befreyt. Wer wünscht sich wohl ein Land / Das voller Feinde steckt? Wer wünscht sich stetes sehnen? Wer wünscht ein Folter-Haus? wer wünschet Müh' und Thränen? Wer wünscht sich Eitelkeit? Wer wünscht sich stete Pein? Da man doch alles deß kan überhoben seyn. Der Himmel selbst entzieht uns öffters seinen Seegen / Macht / daß die Erde nicht kan ihre Schuld ablegen Durch ihre Fruchtbarkeit: Es sindt grimme Pest / Die wen'ger offt als Schwerdt von Menschen übrig läst. Es schüttert sich der Grund / auff dem wir feste stehen / Macht Städte / Berg' und Meer und Menschen untergehen: Der dürre Hunger lehrt offt Länder / Städt' und Haus / Und reist den Menschen gar deß Hertzens Neigung aus. Ach! arme Sterbliche! drumb selig sind die Stunden / In der Sie hat / Princeß! die Thür nunmehr gefunden / Durch die Sie sich entreist / (zwar durch gezwungnen Todt / Und durch das Falle-Beyl) der jetzt erzehlten Noth. Sie wird bald dieses sehn / Sie wird bald das erkennen / Was wir noch nicht verstehn / und was wir sta ilend nennen. Ihr Jesus lad't Sie schon zu seiner Tafel ein / Wischt ihre Thränen ab / entnimmt Sie aller Pein / Die Sie auff dieser Welt als Märterin gelitten / Bekrönt den Helden-Muth / der hier so wohl gestritten. Sie sehe dieses Beyl durch das Sie welckt und blüht / Durch das – – – Es ist unnoth / daß Er sich mehr bemüh't. 88 Ich werde dennoch wohl im Römschen Glauben bleiben / Und mich durch meinen Tod nicht lassen rückwärts treiben. Ich bin zuwohl gegründt. Mein Leben ist mir feyl Vor Römschen Gottes-Dienst und derer Kirchen Heil. So wil Sie sich dann nicht durch ware Reu bekehren? Wil Sie dann nicht von dem / und ihrer Busse / hören? Sie stell doch ihr Vertraun auff Christi sein Verdienst / Und hoffe bloß von Ihm den Himmlischen Gewinst / So fern Sie anders nicht wil rechter Bahn verfehlen. Ich weiß schon selbst / was ich soll lassen oder wehlen / Ich habe jederzeit von meiner Jugend auff / Was Römisch ist / geglaubt / und wil nun meinen Lauff In eben dieser Lehr und solchem Glauben schliessen / Und vor dieselbe jetzt mein reines Blut vergiessen. Princeß! es ist mir leyd / daß ich in ihrer Hand / Und Halse sehen muß den abergläubschen Tand. Ich trage Christi Bild ümb seiner zugedencken. Viel besser ist es Ihn in euer Hertz zusencken. Den Christen soll dies Bild / wann sie nur nicht zum Schein / Und bloß dem Namen nach / in Hertz und Händen seyn. Princeß! wir wollen selbst für ihre Seele beten. Ich darff vor Gott nicht mit vermischter Andacht treten / Es würde mir mit euch zubeten Sünde seyn / Die ihr mit meiner Lehr und Glauben nicht stimmt ein. Genug! Ich werde nur die enge Zeit verlieren. Es wil Princesse! mir / Ihr beyzustehn gebühren / Und Ihr mit dem Gebet und Troste vorzugehn. Ich werde ohne ihn und seinen Beystand stehn. Betet. Herr Christe! steh mir bey in diesen letzten Nöthen. Du siehst / wie sie mir auch die Seele wollen tödten. Ach! nimm mich bald zu dir in deine Wohnung ein / Und laß den müden Leib indessen ruhig seyn. Ich hoff durch deinen Tod / den du vor mich gelitten / Und durch der Heilgen vor mich eingelegtes Bitten / Die vor mir diesen Weeg gegangen / Den Himmel jetzund zuerlangen. Nun Reiche! Kirch! und Sohn! und Köngin! gute Nacht! Ich steh' den Höchsten an / daß er stets vor euch wacht / Und daß er seinen Zorn von dieser Insul wende / Und ihr statt Straffe nichts als lauter Segen sende. Durchläuchtige Princeß! wir bitten / Sie verzeih Uns den verhaßten Dienst / und dencke / daß es sey Ein höher Schluß / so uns auffbringet dies bemühen. Ich habe schon vorlängst dem / was uns feind / verziehen / Weil unser Heyland uns auch unser Schuld verzeiht / Und von der schweren Last / die uns gedrückt / befreyt. Nehmt Schmuck und Kleider weg! Ich mag nicht mehr verweilen Im Kercker dieser Welt; ich muß von hinnen eilen. Mein Heyland beut mir schon die zuckersüsse Hand / Und führt mich zu sich ein in sein gewünschtes Land. Man soll Sie bald / Princeß! durch uns entkleidet schauen / So fern es eilens gilt. Ich brauche solcher Frauen Zu meinem Dienste nicht. JUNGFRAU. Princessin! ach! JUNGFRAU. Ach Gott! JUNGFRAU. Ach Himmel! Himmel ach! kan Sie dann diesem Tod / Kan Sie dann dieser Schmach durch nichts / durch nichts / entfliehn? Ist alle Rettung aus? JUNGFRAU. Ach Herr! zeug das Vollziehn Von diesem Urtheil auff! JUNGFRAU. Ach! wie wird mir geschehn / Wenn ich / Princessin! Sie soll sterbend vor mir sehn? JUNGFRAU. Ich wil / ach wertheste Princessin! für Sie leiden. JUNGFRAU. Ich wil / ach wertheste Princessin! mit Ihr scheiden. JUNGFRAU. Ach! hat der Höchste dann so gar sein Ohr verstopfft Vor uns / die wir bißher doch täglich angeklopfft? Weint nicht umb meinen Tod / Nicht umb der Güter Koth / Nicht umb Creutz / Verlust und Leiden; Sondern umb das Himmel meiden. Last das edle Tränen fliessen. Nicht umb zeitliches Vergiessen; Entschütt' Sie mehr vor Gott / der zehlt der Sünder Thränen / Und wird ihr mit der Zeit mit Lob und Lohn erwehnen. Ihr wisst / wie ich für euch und eurem lauten schreyen Den Richtern verbürgt. Ihr sollt euch mehr erfreuen / Indem ihr meiner Angst gewünschtes Ende seht. Setzt uns nicht weiter zu / und weicht von hier / geht! geht! Ihr andern / die ich euch seh' / Hertz und Knie beugen Vor mich und meine Seel / seyd dermahleines Zeugen / Daß ich Catholisch sterb'. Bet't vor mich / wie ihr thut / Daß Gott mir kämpffen helff' / und Stärck' und Trost und Muth Und Todes Freudigkeit in dieser Angst verleihe / Daß Er begangne Schuld / die uns befleckt / verzeihe. Und uns im Tod' erqvick' / und rett' aus diesem Leid. Ade! mit diesem Creutz biß in die Ewigkeit! Ade! Zu guter Nacht! Ade seyd Gott befohlen! Mein Jesus wird mich bald / ja bald / ach balde! holen. Langt uns die letzte Cron / was so die Augen deckt. Du! wann nach dem Gebeth wir uns recht ausgestreckt / Verrichte deinen Streich – – – – – – – – – – Nun Erde gute Nacht! Du unerschöpffte Macht! Auff die ich jederzeit / Wann Unglück mich betroffen / Gestellt mein gantzes Hoffen / Damit in Ewigkeit / Man mich nicht kan beschämen / Du wolst nun meinen Geist / Der aus dem Cörper reist / In deine Wohnung nehmen / Den Geist / den ich biß an mein Ende Befehl in deine Hände. – – – – – – – – – – – – nun ruffe die Gemeinde Von England mit mir aus: So stürtz' Gott alle Feinde Von unser Königin: So müsse / der uns hasst / Und wieder unser Haupt / verdeckten Rathschlag fasst / Wie die / zu Grunde gehn. Es ruffe die Gemeinde Von England mit mir aus: So stürtz' Gott alle Feinde Von Englands Königin – – – – – – – – – – – – Elisabeth, Davidson, die Königlichen Engl. Räthe /die Trabanten der Königin. Was hör ich! was bedeut das ungewohnte singen? Was giebt der Pöfel an? was soll das Glockenklingen? 89 RATH. Es weist der Unterthan / wie lieb ihm sey sein Haupt. Was ists / das Ihn jetzund zu solchem Dancke treibt? Uns ist kein Sieg bewust / mit dem man könne prangen? RATH. Die grosse Noth / der Sie und wir zugleich entgangen. Ich halt ihr traumt; was meint ihr dann vor eine Noth? RATH. Die / derer wir befreyt durch der Marien Tod. Wie ist Maria nicht / was hör ich! mehr bey Leben? RATH. So ists: Sie hat durchs Beyl den Geist schon auffgegeben. Treulose! habt ihr so vor meinen Thron gewacht / Und unsern guten Ruff und Namen nicht bedacht? Ist das der treue Dienst / den ich von euch zuhoffen? Ach Schwester! hat dich denn ein solcher Todt betroffen / Den deine Treffligkeit bey weiten nicht verdient. Vertrauter! was hat dich zu diesem Werck erkühnt? Dich / den wir den Verzug so offtmahls anbefohlen? Ach daß ich dir das Hertz solt' aus dem Busen holen! Dein unbedachtsam Hertz / das gantz nicht überlegt Das / was die Eyfersucht offt zubefehlen pflegt / Nicht jeden Augenblick so blind sey auszurichten. Durchläuchtige Princeß! Ich kam ja meinen Pflichten In diesen stücke nach / so fern mans recht erwegt. Sie hat mirs nimahls nicht ausdrücklich aufferlegt / Sonst würde ich soweit mich nimmermehr vergessen. Und daß ich letzt gewagt / ist nicht so beyzumessen. Mir / als den Räthen selbst. Denn als ich ihn' entdeckt / Was ihre Majestät bißhero abgeschreckt / Schloß der gesammte Rath / (den laß ichs nun verwalten /) Man sollte ja den Schluß nicht länger hinterhalten / So ferne Englands Haupt umd Reich noch solten ruhn Von allem Unfall frey / was kunt' ich anders thun. Schweig / Ehrvergeßner Mensch! Die Worte sind verlohren; Du hast ja Mir den Eyd und nicht dem Rath geschwohren. Durchläuchtige Princeß! wir bitten. nicht ein Wort; Trotz! daß ihr wieder Uns – – – – von hier! stracks packt euch fort / 90 Und kommt Uns ohn Urlaub nicht wieder zu Gesichte / Und du erscheine stracks noch heute vor Gerichte! Nach diesem macht ihn fest. Elisabeth tritt ab; die andern bleiben. Ist das nun der Gewinn Vor meine Dienst'? ist das / worauff ihr Doppel-Sinn Und Wanckelmuth bißher so tückisch abgeziehlet. Jetzt seh ich erst zuspät / worauff man es gespielet / Warumb (ach daß mich doch der falsche Hof verführt! Man mich mit diesem Schmuck und Würde außgeziert / In der ich leider! ach! gar kurtze Zeit geschienen. RATH. Gedult! Den Fürsten kan man auch in Ketten dienen. Es kan wohl dieser Fall noch dein groß Glücke seyn: Du weist was Franckreich sucht. Sie thut es nur zum Schein. Ende. Fußnoten 1 Den Titul dieser Tragœdia betreffend / so apparens quædam contradictio in adjecto, 'wird selbiger in dem præambulo, so unser Francisci im Anfang der Erzehlung dieser Historia aus dem Niederländischen Autore hinzusetzet / mit mehrern gerechtfertiget / weil nehmlich bey dieser Königin Maria das lateinische Sprichwort: Laudatur ab his, culpatur ab illis, absonderlich war zuseyn befunden worden / und es mit ihrer gantzen Sache geheissen: Nondum liquet. Was sonsten dieses Traur-Spiel insonderheit anlangt soll der Leser wissen die zwölfte Geschicht in dem andern Theile deß hohen Trauer-Saals Erasmi Francisci, der Zeuge gewesen / aus welchem dieser annoch ungehobelte Mercurius geschnitzt worden. Ich hätte zwar wünschen wollen einige von denen Autoren / so von unserer Maria geschrieben / als: den Engländer Cambdenum, den Schottischen Historicum Buchananum, den berühmten Frantzosen Thuanum, deß Holländers Barnstapels Mariam innocentem, Romoaldum Scotum, und andere mehr / als die rechten Brunn-Quellen an der Hand zuhaben / damit man diese Geschichte ümbständlicher ausdrücken / und mit mehr und bessern Erfindungen zieren können: Weilen aber ich dieses gantze Werck vor etlichen Jah ren / auff Reisen / und zwar an einem Orthe / da ich aller Beyhülffe dieser Stummen Rathgeber entblöst /leben muste / auffgesetzt / habe ich mich deß eintzigen Dolmetschenden Francisci, so ich alleine noch bey handelt hatte / statt aller bedienen müssen. Unterdessen wird gleichwohl der Leser befinden / daß obbemeldter Franciscus diese Geschichte von der Maria Stuard dermassen außführlich und sattsam aus allen denen erzehlten Autoren zusammen getragen; also / daß / wann auch gleich selbige vorhanden gewesen wären / man doch wenig aus denselben würde haben hinzusetzen können / nur daß derer Mangel verursachet / daß ich mich an deß Ubersetzers deß Francisci Worte allzusehr habe binden müssen. 2 Besiehe / was die Historici von dieser Königin Lobe hin und wieder auffgezeichnet / absonderlich Cambdenum in Vita Elisabethæ. Non enim con cedendum esse videtur, Fæminas Regni prorsus incapaces esse quod Bodinus Andegavensis & Legis Salicæ affeclæ judicant. Sit exemplo Elisabetha hæc, quæ satis probatum dedit minimè mulieri Spiritus deeffe ad obeunda Regni munia. Hæc novos Exercitus scribere, veteres continere in officio, subjectos clementer moderari, hostibus minaciter infremere, prorsus omnia facere intelligebat, ut nihil præter sexum discerneres, etc. 3 Venenà mihi nuda & aperta porrige: Vitabo: Si Cibo aut Vino callidè mixta, qui possum? fragt nicht unrecht der Sinn-reiche Holländer Justus Lipsius in Orat. de Calumnia. 4 Besiehe das 317. Blat und die nachfolgenden unsers Historici. 5 Wird so wohl deß Buchanani Historia. Scotica, als das Buch / so er Detectio nennt! / darunter verstanden. Ob nun zwar von dem Cambdeno, Barnstapelio und andern dieser Georgius Buchananus vor einen unwarhafften Scriben ten gehalten wird / in dem Sie ihme Schuld geben / da er durch Partheiligkeit und durch deß Grafen von Murrey Geschencke verleitet /etc. Daß seine Schrifften / absonderlich das Büchlein Detectio genannt / von den Schottischen Reichständen / den man mehr Glauben zustellen müste / der Unwarheit und Falschheit beschuldiget worden / und dergleichen / wie solches und anders mehr unser Autor weitläufftig pag. 287. aus dem Cambdeno anführet / welcher Cambdenus ihn auch anderswo ausdrücklich hominem partiarum & fide promercali nennet / wie abermahls unser Autor erzehlet / pag. 292 Item pag. 318 seq. Ich auch durch die Autorit ät diefes sonst so berühmten Mannes deß Cambdeni, wie auch durch Zustimmung anderer vornehmen Scriben ten / bewogen / habe jederzeit dessen judicium von dem Buchanano gleichsam vor ein Oraculum Delphicum gehalten / und mit vielen andern ihm in dieser Meinung beygepflichtet. Nachdem ich aber vor etlicher Zeit in meinen Reisen unter andern Oertern auch die berühmte Academia Straßburg touchi ret /habe ich daselbsten das Glück gehabt / mit dem weit-berühmten Boëclero P.P. über ein und anderm dubio historico zu conferiren. Da er mir dann unter andern (ad qvæstionern nempe: Quis sit opcimus rerum Scoticorum Scriptor?) Diesen Buchananum tanquam optimum Scriptorum Scoticorum & veritatis studiosisimum rühmte / illum sc. munus Historici adcuratè implevisse, quod est Studere Veritati. Reliquos autem, quorum tamen maxima adhuc esset Turba, Fabularum esse Goncinnatores magis, quam Historicos. Dahero dann auch der berühmte Frantzösische Historicus Thuanus alles / was er jemahls von Schottischen Händeln geschrieben / aus dem Buchanano entlehnet hätte / da doch wohl sonsten dieser Hochgelehrte Frantzose sich anderer Schottischen Auto ren würde haben bedienen können / wann er irgend einem andern so viel hätte zugetraut als dem Buchanano. Ajebat etiam porrò Bœclerus. Thuanum miratum esse hominem hunc nempe Buchananum in pulvere scholastico tantùm versatum, tàm acuto ingenio omnia arcana politica felicissimè potuisse assequi. Fuisse autem buchananum adeò Veritati deditum confirmabat, ut etiam non prætermisisset Vitia Matris Jacobi Regis Scotiæ, (Mariæ sc: nostræ) quam fuisse mulierem admodum impudicam, ut dubitaverint quoque de veris natalibus hujus Regis, & eum hoc non subticuisset Buchananus nullam laudem invenisse apud Jacobum Regem, sed illi maximè fuisse invisum, & constare etiam ex Casaubono, hunc jussu Regis ad Thuanum scripsisse, ut fidem in conscribendo opere suo historico celeberrimo non adhiberet rebus scoticis à Buchanano scriptis, nihilominus tamen Thuanum magno semper in pretio habuisse Buchananum. Ipsum etiam Regem Jacobum visitasse Buchananum in agone jam constitutum ab eoque postulasse, ut revocaret omnia quæ scripserat in lib. de Reb. Scoticis; Verùm noluisse & respondisse, se nihil posse statuere contra dictamen Veritatis, suasisse tamen Regi, ut librum suum confiscaret, quod & factum. Hæc de Buchanano judicia singularia à Bœclero Viro & Polyhistore illo summo accepta, ut vel maximè hoc loco, heic inserere volui. 6 Dieses wird dem Patritio Gray absonderlich zugelegt / daß er der Königin Elisabeth offt ins Ohr gestossen habe das bekandte Sprichwort: Mortua non mordet, vid. pag. 383. 7 Aut fer, aut feri. sive: Ne feriare, feri. Solche Worte soll Elisabeth geführet haben. Conf. pag. 385. nostri Autoris. 8 Also lauten die Worte der entbaupteten Königin Mariæ ersten Epitaphij. (So gleichwohl hernach wieder weggenommen worden:) Eodemqve nefario judicio, & Maria Scotorum Regina morte naturali & omnes superstites Reges, plebeji facti, morte civili mulctantur. Novum & inauditum Tumuli genus, in quo cum vivis mortui includuntur, hic extat: Cum facris enim Divæ Mariæ cineribus, omnium Regum atqve Principum violatam atqve prostratam Majestatem hîc jacere scito. 9 Illi, sagt Grammond in seiner Frantzösischen Historia, oder Continuation deß Thuani lib. 13. pag. 620. von Ihrem Sohn dem Jacobo redend Mater Maria Stuarda Regina Scotiæ, Fæmina ingenti virtute, publico judicio cæsa tyrannicè. Cum esset ex eorum ordine quos supra Leges Natur posuit par. a. in parem non habet, imperium l. 3, in f. & l. 4, ff. de recept. arbitr. l. 58. ff. de judic. Aber wie dieses Limneus impugn ieret / vide sis in Addit. J.G. ad l. 4. c. 8. n. 102. p. 617. 10 Diesen Ort zuerläutern / wil ich mich dessen / was der unvergleichliche Gryphius in seinen Anmerckungen über seinen Carolum von unserer Maria, als welche er in selbigen Trauer-Spiele als einen Geist einführet / urtheilt / bedienen: Es haben sich etliche /spricht er / verwundert / Daß ich allhier (nehmlich in dem Carolo ) den Geist Mariæ eingeführt. Etliche /schreib ich / welchen Maria nirgends anders her als aus den Geschichts-Büchern deß Hochgelehrten aber damahls ihren Feinden und Verfolgern zugethanen Buchanans denen auch Thuanus nachgegangen / bekannt: Andere / welche etwas fleissiger sich der Beschaffenheit ihres Lebens erkundiget / wissen besser von ihrem Gefängnüß und Tode zuurtheilen. Was ihre Engländische Gefängnüß anlanget / ist es gewiß: daß / als sie aus dem wieder Sie verschwornen Erb-König-Reich Schottland gewichen / und sich auff der Flucht in Cumberland' / auff vorhergehende freundliche Antwort-Schreiben und Versprechen der Königin Elisabeth / (wiewohl ehe sie dieselben erhalten /) begeben / daselbst festgehalten; dieser Staats-Regul halber: Wann ein Fürst ohne deß andern öffentlichen Erlaubnüß und Geleite dessen Grund betritt / verleuret er seine Freyheit. Cambden. in dem ersten Buch vorn Leben Elisabeth in dem cIɔ Iɔc LXVIII. Jahre / setzet dazu: Detinendam hinc pleriqve omnes, jure belli captam. censuerunt. Da doch damahls Elisabeth keinen öffentlichen Krieg wieder Sie geführet / noch Sie in der Schlacht gefangen genommen. Biß hieher obbesagter Gryphius l.c. Welcher also gleichfals von dem Cambdeno verführt zuseyn scheinet / indem er deß Buchanani und deß daraus entlehnten Thuani Bericht vor partheyisch / hingegen deß Cambdeni vor warhafftig judiciret / welches oben bereit / juxta rnentem Clarissimi Bœcleri wiederlegt. Von der Staats-Regul aber / welche Gryphius zur Brunnquell der Gefängnüß der Königin Mariæ machet / besiehe Abregè de la Vie de Charles premier Roys d' Angle Terre pag. 39. seqq. Ubi Autor hujus. lib. Exemplis qvamplurimis ex Historia Anglicana petitis Axioma illud illustrat. Principem sc. in alterius Regionem sine qvidem ejus permissu pedem inferentem ipsius fieri captivum. 11 Diese Erfindung sind wir guten theils dem sel. Herrn Harstörffer schuldig / dessen Lehr-Gedichte andrer Theil / 141. Blat solche vorstellt. 12 Seneca in Octav. – – – natura cui (dedit) pronum malo Animum ad nocendum pectus instruxit dolis, Sed vim negavit – – – – – – – 13 Euripides in Medea: Mulieres fumus ad omnia bona consilia ineptissimæ, Malorum autem omnium artifices sapientissimæ. Dahero sagt der Imp. in l. St. Inter, in. sin. C. de Spons. Consilium earum plerumqve adversus propria commoda laborat. 14 Propertius: – – – nulla diu fœmina pondus habet. Virgilius. Varium & mutabile semper fœmina. Besiehe Scenam 4. in Act. 3. hujus Trag. 15 Juvenal. Sat. 6. in sin. – – – qvoties facit Ira nocentem Hunc sexum, & rabie jecur incendente feruntur Præcipites, ut faxa jugis abrupta qvibus mons Subtrahitur, clivoqve latus pendente recedit. Propert. lib. 3. ad Cynthiam. Nescit vestra ruens ira referre pedem. 16 Conf. Tacit. l. 2. c. 40. etc. l. 3. c. 33. Flor. l. 2. c. 5. 17 Wird auff das Gesetz Papyrij Rom. daß die Weiber Zeit ihres Lebens unter der Vormundschaft seyn und bleiben sollen / abgesehen / wie jetzt erwehnter Autor citato opere & libro pag. 146. sub Tit. Weiber Wissenschafft / gedenckt. Sublata enim est hodie Tutela muliebris arg. l. 3. C. de legit. Tut. estqve munus sofficium Virile & masculorum hinc excluduntur fæeminæ l. 15 ff. de Testam. Tut. l. 1. C. qvando mulier. l. 1. §. 1. ff. de legitim. Tutorib. 18 Ist der Königin in Spanien Philippus II. von welchem die Königin Elisabeth die herrliche Victoria zur See erhalten / davon Meceranus lib. 15. Historiæ Belg. und Caspar Ens in seinem Thesauro politico Tom. 2. weitläuffig schreiben. Hunc enim Regem omnibus modis oppugnabat Elisabetha. Rationes lege apud Autorem Trutinae Statuum Europæ. p. 69. Man hat mir / als ich in England gewesen / zu Londen auff dem Tour (Castellum qvoddam primarium ita vocatur) ein absonderlich Zeug-Hauß / so von den andern unterschieden war / gewiesen / welches (uti mihi qvidam retulerunt Angli) von lauter Gewehren /so denen Spaniern in selbiger Schiff-Schlacht von den Engländern soll abgenommen worden seyn / bestunde. 19 Ist Philippus I.R. Hisp. Dessen grosse und fast unbeschreibliche See-Macht die Königin Elisabeth überwunden / und geschlagen / wie bekannt. Hujus namque Philippi Imperium tam longè lateque supra omnes retrò Imperatores diffusum, ut verè dicere posset: Sol mihi semper lucet. 20 Dieses wird erheitert / was in der Historia der Königin Maria von dem Jesuiten Craicton erzehlt wird. Vid. Scenam prim. Actus tertij hujus Tragœdiæ. 21 In diesen und nachfolgenden Worten wird gesehen auff die ausbündigen Worte Senecæ: de Tranqvillitate cap. 2. Qvod Reg numest, cui non parata sit ruina & proculcatio, & Dominus & Carnifex, nec magnis ista intervaliis, divisa, sed horæ momentum interest inter folium & aliena genua. Qvem notatu dignissimum locum Gryphius noster (Cet Poete si heroiqve qve la mort nous a trop tost enleve: Cette admirable personne, qve l' on pent appeller la merveille de son fexe, & qvi scait exprimer d' lune facon si noble si donce & si inginieuse les tendres & grandes sentimens) in Catharina sua concisius ita expressit: Offt hat / der mit bekröhnten Haupt beherrschter Länder Macht erschüttert / In einem Nu vor frembdem Stuhl in angeschlossnem Stahl erzüttert. 22 Dieses und folgendes soll Sie durch ein Schreiben an die Königin Elisabeth haben gelangen lassen. Vid. pag. 379. unsers Historienschreibers. Wir haben aber solches füglicher der Königin Maria zu den Abgeordneten redende in den Mund legen wollen. 23 Dieses sind Mariæ eigne Worte / beym Camdeno in dem cIɔ Iɔ LXXXVI. Jahre. Welche auch Gryphius in den Anmerckungen über seinen Carolum referi ret: Anglos in suos Reges subinde cædibus sævisse, ut neutiqvam novum nunc sit, si etiam in me ex eorum sangvine natam ibidem sævierint. 24 Wie es mit diesem Anschlag abgelauffen / lehret das 382. Blat unsers Ubersetzers. 25 Solches betheruret Sie weitläufftig in dem Examine. vid. p. 367. & 372. unsers Brunn, quells. 26 Nehmlich deß Glücks: weiln Reichthumb / Ehre etc. Güter und Waaren deß Glücks genennet werden. 27 Von Ihrer Schönheit zeuget unser offtbemeldter Autor, oder vielmehr Cambdenus, daß Sie von Gestallt die Allerschönste gewesen / die man solchen Fürstlichen Personen beyzehlen müste / derer Glück mit Unglück sich verwechselt am 409. Blat. Am 397. Blat sagt er / daß Sie die schönste Fürstin ihrer Zeit gewesen / braun von Augen und Haaren / lang und schmal von Gliedermassen / jedoch nunmehr etwas völliger und breit von Antlitz mit einem doppelten Kinn. Ihre Geschicklichkeit loben die kostbaren Tapeten / mit welchen der Königliche Thron im Oberhause deß Parlaments zu Londen bekleidet ist / als an welchen Sie das Englische Wapen und andre Zierathen mit ihrer eignen Hand soll gestickt und verfertiget haben. 28 Denn also singt fast auff gleichen schlag ein berühmter Französischer Poet.: Q'un beau Visage A d' Avantage Tous luy rie Tous luy fait la Cour. 29 Massen König Heinrich der VIII. von England /König Heinrich von Franckreich vor den Dauphin Franciscum seinen Sohn (welcher Letztere Sie auch erhalten) in ihrer Jugend / (besiehe das 409. Blat.) Der Römische Käyser vor seinen Herrn Bruder / der König in Spanien Philippus vor seinen Sohn / (besiehe das 268 Blat.) Und der Hertzog von Norfolk vor sich in ihrem mittler Alter und Wittwenthumb umb Sie geworben. 30 Wird die Königin Elisabeth verstanden / welcher mit dem höchsten Rechte dies Encomium beyzulegen. Denn also beschleust Cambd. seine Englischen Annales: Vivit, vivetqve in animis hominum apud omnium seculorum posteritatem memoriâ felicissima Elisabetha: qvippe qvæ, ut non aliis qvam successoris (Jacob! puta in Procem. Dori Basilici) verbis utar, prudentia & felicitate imperandi omnes inde ustqve ab Augusto Principes (absit verbo invidia / superavit. 31 Dieser gantze Satz ist genommen ex Grammondi Histor. ab Excessu Henrici IV. lib. 13. p. 621. Dessen Worte eben dieses Inhalts folgende: Sanè eo facto multum Elisabethæ decesit de virtutis Fama, qva in eam diem valuerat, neqve enim ipsi in æqvalem jus erat. Taut qve les ficcles dureront l' on blasmera la memorie d'Isabel, Reine d. Angel terre, d. avoir faict mourir ignominieusement Marie Reine d' Escosse & veufe d' un Roy de France. Bret. de la souveraineté du Roy de Fr. Civ. 2. chap. 15. p. 316. h.e. Qvo. usq; secula numerabimus, atro carbone notabitur memoria Elisabethæ Reg. Angl. qvod ignominiosa morte sustulerit Mariam Reginam Scotiæ Viduam Regis Galliæ. 32 Dieses ists / was der vortreffliche Spanische Münch Campanella in opere suo Philos. saget: Nunqvam homo perdit, si in Virtute lucratur, si autem in ipsa perdit, nunqvam lucratur, etiamsi Mundi Dominus fiat. 33 Wie angelegen diesem Bischoff die Eilösung und Wiedererhöhung der Königin Mariæ gewesen / also /daß ihn sein alluhitziger Eifer selbst ins Gefängnüß bracht / erhellet weitläufftig aus der in unserm Erasm. Francisc. nachfolgenden Trauer-Geschichte Thomas Howarts Fürstens von Norfolk. 34 Ob zwar Gothofredus in Archontolog. Cosmica part. 1. pag. 37. den Schotten magnam Fidelitatis erga Principes suos laudem zuschreibet / so weiset doch die Schottländische Historia vielmehr das Wiederspiel / in welcher 40. ihrer Könige gezehlt werden / welche ihre eigene Unterthanen entweder verjagt / oder gefangen / oder gar offentlich getödtet haben. Et observant Politici, (id qvod obitèr) in Scotia (ut & in Anglia) Familijs, qvæ Rellebellionem excitarunt, nullam exinde notam infamiæ accedere, neqve hoc scelus imminuere Claritatem Familiæ, imò augeat potius habuisse nempe Majores magnarum conjurationum Duces aut Conscios, nec non liberi eorum, qvi Majestatis lælæ crimine damnati funt, ad fummas dignitates evehuntur, id qvod certè inter Vitia hujus Regni ponendum haud postrema. Originem enim trahit ex hoc fonte tanta Conspirationum erga Reges excitatarum multitudo & freqventia. In tantum namqve promovetur Crimen, in qvantum non punitur. Dieses wolten wir weitläufftig ausführen / wenn es die Gelegenheit unsers Vorhabens leiden wolte. 35 Bertius & Magirus in Geographijs suis observant, qvod oceanus ita ambiat Scotiam seq; in ejus partes insinuat, ut nulla sit urbs, nulla domus, qvæ ultra 20. milliaria hispanica distet ab oceano. 36 Wird der Italiäner David Riccius verstanden; massen ihm unser Autor pag. 257. aus dem Thuano das prædicat eines verschmitzten Italiänischen und sehr activen Kopffs und arglistigen scharffsinnigen Menschens giebet / welcher nicht sowohl mit seiner Kunst deß Lautenschlagens / wie etliche wollen / als mit seinem scharffen Verstande der Königin so hohe Gnade erworben / etc. Und zwar ist dieses einige / weilen Er ein Italiäner / genugsam Ihn vor klug zuæstimiren. Cum apud Transalpinos aliqvam prudentiae opinionem conciliat, vel de summis montibus Italiam conspexise. Wie der verlarvte Monzambano davor halt in Epist. ad Læl. fratr. 37 Merckwürdig sind selbige Emblemata: bestehe das 348. Blat der Historia von der Maria in unserm Francisc. 38 Est nomen proprium, eines so genannten Gebürges in Schotttand / wie solches gleichfals Gryphius in seinem Carolo Stuard einführet / und in den Anmerckungen erkläret. Solcher Arth zureden gebraucht sich auch S. Script. selbst vid. c. 1. vers. 21. Ubi: Tale etiam illud Ciceronis: Vos enim Albani Tumuli atque Luci. 39 Dieses ists / was unser Autor pag. 391. aus dem Virgilio angezogen: Varium & mutabile semper Fœmina. Welches aber wieder das Symbolum der Königin Elisabeth / qvod erat: Semper Eadem. Cambden. part. 1. sub Ann. 1549 p.m. 27. 40 Dieser Befehl / oder vielmehr Instruction ist aus dem / was unser Historicus am 392. Blat aus dem Romoaldo Scoto meldet / zumuthmassen. 41 Daß der allzuhitzige und unzeitige Eifer der Engländer über ihre Calvinische damahls noch nicht gnugsame erstärckte Religion / und ihrer Königin Leben / deß Todes der Königin Mariä Principal-Ursache gewesen / bezeuget nicht allein Cambdenus, sondern es wird es der Leser hin und wieder aus den Reden der Englischen Herren colligi ren können: halten dahero vor geziemet die Religion hier eingeführet zuhaben. Mariam proxime agnatam in necem dedit Elisabetha odio Catholicæ Religionis & ex causa Successionis, cui proxima instabat. Grammond Historiarum Galliæ lib. 13. pag. 620. seq. 42 Der berühmte Spielende nunmehr sel. nennet das Hofeleben in dem 2. Theil seiner Lehr-Gedichte in den Jothan pag. 54. Das Grab der Lebendigen. 43 Umb dieses zuverstehen / muß man in Actu ult. Scenam penultimam zuvor lesen / alwo diese weise gnug war gemacht wird. 44 Weilen dieser Davidson nach deß Cambdeni Zeugnüß / welches Francisci am 388. Blat referirt /zwar redlich und fromm / in der Hof-Schule aber alber und ungeübt soll gewesen seyn. 45 Forstnerus ad lib. 3. Annal. Tacit. pag. m. 441. Crudelitatis ministri ut exprobrantes à Principibus adspiciuntur, adeoqve haut rarò omnis sævitiæ infamia in hos exoneratur. Vid. antecedentia & conseq. ibid. 46 Idem Forstnerus loc. cit. paulo superius: ut rutilans fulguris ictus, qvamvis cum fragore tonitruum uno eodemqve momento nubes perrumpunt, prius tamen ocolos ferit, qvam tonitru audiatur: & ut ante sangvis qvam hiatus Vulneris cernitur, ita apud Reges delati plerumqve ante ruunt, qvam se ruere sentiant. 47 Besiehe hievon Davidsonis Narrationem Apologeticam scriptam ad Walsinghamum, seine Schutz-Schrifft bey bem Cambdeno P. 3. P. 500. seq. (Der ihn Virum ingenuè bonum, sed in aulicis artibus versatum nennet /) daraus man mit Verwunderung der Königin Elisabeth ingenium versutissimum sehen kan. Und heist es hier recht / was Tacitus sagt: Annal. l. 5. c. 8. Abditos Principis sensus, & si qvid occultius parat, exqvirere illicitum, anceps nec ideo asseqvare. 48 Fumum vendere privatis interdictum solorum Regum mercaturam esse Trajan. Boccalini Autor est Cent. 11. cap. 65. Und nicht unbilig. Worvon Plato längst vor ihn in lib. de Rep. Artem imperandi also beschrieben / qvod imperare nihil aliud sit qvàm populum legitimè fallere. 49 In scenam aulicam ex composito, ut plerique existimant, inductus scil. Davidsonus, inqvit Cambd. c.l. ut huic personæ in ista Tragœdia tantisper serviret detractá mox personâ, qvasi extremo actu defecisset, è scena extrusus, & non sine multorum commiseratione in carcere diu conclusus etc. Recte itaqve Boxhorn. Instit. Polit. lib. 1. cap. 15. ut in comœdia representantur res. qvæ nunqvam fuere, & personæ tales fing untur, qvæ nunqvam extitere: ita in Republ. qvoad Res & Personas omnia alia in specie ostenduntur, alia in re ipsâ fiunt. 50 Sind ihre eigene Worte. Denn so stehet pag. 392. Sie antwortete darauff unerschrocken: Ich hätte nicht gedacht / daß meine Schwester / die Königin / meinen Tod solte beschlossen haben; Nach demmahl ich ihren Gesetzen keines Wegs unterwürffig: Weil Ihr aber solches also gefällt / soll mir der Tod sehr wilkommen seyn: Zumahl weil der Mensch nicht werth ist der ewigen und himmlischen Freuden / dessen Leib den Schlag deß Scharffrichters nicht vertragen kan. 51 Ihre weinende Diener und Hofdamen tröstete Sie mit lieblichen Worten / sprechend: Sie wären besser befugt sich zufreuen / daß ihre Frau nun einmahl auß dieser Trübsaal-vollen Welt solte scheiden. Wandte sich hernach zu ihrem Artzt Burgon, und sagte wieder ihn: Sie sagen ich müste darumb sterben / daß ich wieder die Königin gerathschlagt hätte: Und dennoch spricht der Graf von Kent / es sey keine andere Ursache meines Todes / als weil ihre Religion durch mich möchte in Gefahr kommen. So ist dann nicht meine böse Handelung wieder die Königin / sondern die Furcht / welche sie haben für mir / meines Untergangs Ursache: Indem Sie unterm Deck-Mantel der Religion und gemeiner Wohlfahrt auff eigenes Interesse und besondere Angelegenheiten ihr Absehen richten. pag. seq. 52 Sie theilte auch etlichen mit der Hand etwas an Gelde aus / teste Cambdeno, unser Autor loco citato. 53 Nehmlich das Inventarium ihrer Güter und Jubelen, bey welchem Sie die Namen derer / welchen Sie was vermacht hatte / zeichnete. 54 Welche an eben demselben Orte / wo der Sohn umb geringer Ursachen willen enthauptet worden. Besiehe hievon das 463. Blat der XIII. Geschichte deß 2. Theis deß hohen Trauer-Saals Erasmi Francisci. 55 Wer selbige gewesen / lehret angezogene Geschichte. Massen dem Hertzog etlich listig / etliche ernstlich die Schottische Königin zur zukünfftigen Gemahlin angetragen. 56 §. 41. pag. 419. klagt er über die Untreu der Seinen / daß er von ihnen verrathen oder verkaufft sey. 57 Dieses macht das 436. Blut ausfündig / da unser Autor ausdrücklich schreibet: An diesem haben die Klügsten gemerckt / daß der Hertzog jetzo am allerersten wieder die Majestät gesündiget: Indem er den Heris und denen Schotten / welche / weil sie die Englischen Gräntzen verheeret hatten / vor Feinde der Cron England erklärt waren / hülfflich an die Hand gangen. 58 Unter diesen ist das jenige / so ihm die Königin zu Farnham über der Tafel heimlich gethan / mit diesen Worten: Caveret, cui pulvino caput inclinaret / nachdencklich. pag. 411. seq. 59 Denn so schließt unser Traur-Geschicht-Schreiber die Geschichte dieses Hertzogs: Aus dieser strengen Verfahrung mit dem Hertzog von Norfolk mag man gnugsam abnehmen / daß Elisabeth etwas von Ihrem Vater Heinrich dem Achten geerbt / nehmlich die jenige mit dem Beile weg zuputzen / die ihr einiger massen könten gefährlich seyn / ob man gleich dieselben nicht recht vollkömmlich überweisen können /daß sie die Majestät verletzet. Gleichwie hie dem Hertzog wiederfahren / der zwar in ein und anderen sich hart verstosten; aber doch / so viel aus dem Cambdeni schen bißhero angezogenen Berichte erhellet / kein Majestät-Laster begangen / wie ihm die ungerechten-Richter / so der Elisabeth geheuchelt / auffgedrungen. Und eben dieses Exempel (setzt er hinzu) giebt eine Muthmassung / daß Sie von dem Blute der Königin Mariæ so rein / schön / unschuldig und weiß nicht gewesen / wie sie sich hernach artig simulir et. 60 Nehmlich den Murrey, welcher zu Lithqvo in Schottland bey hellem lichten Tage / in dem er durch die Gassen geritten / von dem Hamilton aus einem verdeckten Fenster mit einer Kugel durch den Bauch geschossen / und kurtz hernach daran gestorben ist /wie der Autor in seiner Maria am 331. Blate aus dem Cambdeno erzehlt. 61 Welches unter Henrico VIII. geschehen / so erstlich der Reformir ten Religion die Fenster geöffnet /(wie wohl er solche noch nicht völlig eingeführet / dahero Thomas Browne de Relig. Medici Sect. 5. nachdencklich von ihm schreibet / qvod Papam Romanum qvidem, sed non fidem ejecerit ) und zwar blos aus Ursachen / weil er sowohl aus eigenen Antrieb / als auch auff Einrathen deß Cardinals Wolsei sich gerne von seinem Gemahl der Catharina Käysers Caroli V. Schwester scheiden / und eine Engländerin Anna Bolena genannt / sich autrauen lassen wolte / solches aber der damahlige Pabsl Clemens VII. dessen Consens er hierüber sollicitir te / nicht dispensi ren wolte. Dahero der König von der Römischen Kirche abgetreten / und wieder deß Pabsts Willen die Ehe-Scheidung und andere Heyrath vorgenommen. 62 Ante Henricurn VIII. s chreibt Sprengerus in Christiani Orbis Perspicillo, pagina 764. Nulli Reges magis Sedi Romani obediebant, nulla majora Donativa Romam mittebant, utpote qvi Regnum suum Titulo Feudi à Pontifice recognoscere gloriosum sibi ducebant. England hat jederzeit nicht wenig den Päbstlichen Stoltz vermehret. Inas der West-Sachsen König hat England dem Pabste zinsbar gemacht / ut ex singulis domibus in Anglia denarius Romano Pontifici persolveretur annuatim: qvi nummus vocatur D. Petri. Vide sis Polid. Virgil. in Hist. Angl. lib. 5. pagina 89. & 90. sub anno 740. Qvam legem deinceps repetiit Anno 847. Ethelwolphus Rex. Solvendum hoc vectigal erat ad Diem festum Petri & Pauli, vel ad Vincula Petri Polydorus Virgjam citacus 96. & 67. pagg. Vide apud Zeilerum in Epistolis Cent. 3. Epist. 2. pag. 557. Excusationem mit welcher die Engländer diesen Tribut bemänteln. 63 Dieser Henricus VIII. von welchem wir anjetzo gedacht / hat wieder Lutherum das bekannte Buch de Septem Sacramentis geschrieben / oder vielmehr schreiben lassen. Cujus scripti, vel Autor extitit, vel Adjutor. Johannes Fischer / ut Sandero placet Lib. 1. de Schism. Angl. ad Annum 1535 & Rainaudo Tractatu de bon. & mal. lib. 2. Part. 1. Erotem. 10. Mit diesem Scripto refutatorio hat dieser Henricus bey dem damahligen Pabste Leone X. solchen Danck verdienet / daß selbiger ihn mit einem sonderlichen geweiheten Schwerdt / und dem Titul Defensoris sidei, Beschützer des Glaubens / von Rom aus beschenckt. Welches Schwerdt zu Londen auff dem Tour aufgehoben wird. ( Confer multa de illis Gladiis consecratis Pontificum ex Itinerario Italiæ Schotti part. 2. cap. 13.) Dieses Tituls gebrauchen sich noch heut zu tage die Könige von England / ringentibus licet Pontificiis; notatur enim proinde Casaubonus à Julio Cæsare Bulengero diatrib. 1. p. 1. Vellem, inquit, persvasionis fuæ Defensorem appellasset. Nec enim fides esse potest, qvæ ab Ecclesiæ Catholicæ fide, Sacrarum literarum Verbis & mente ac unanimi Veterum Consensu discedit. 64 Daß man damahls zu der Mariæ Zeiten so zureden mit gefärbter Dinten geschrieben / ich wil sagen / daß damahls viel Blut umb die Religion in England vergossen worden / zeugen die grausamen Verfolgungen / durch welche damahls England und Schottland unmenschlich gedruckt waren. Besiehe hievon Johann Foxum Anglum in lib. de Rebus in Ecclesia gestis passim. Daß wir Sie aber alhier die Wölffin genennt / kömmt daher: Gallus qvidam tunc temporis de hac Regina eleganter dixisse fertur: Anglia lupum non habet, sed hodiè Lupam. Notum autem est, Angliam lupis carere, qva de re Camerarius in Horis subcisiv. Centur. 1. cap. 28. p. 140. seqq. Ubi & qvia ratione extirpati sunt fusius explicat, ad qvod absq; dubio allusit Gallus hic. 65 In dem andern Buche Samuelis Cap. 6. v. 6. 66 Non enim sunt facienda mala, ut eveniant bona. 67 Diese Meinung gründet sich auff das bekannte Distichon: Sangvine fundata est Ecclesia, sangvine cœpit, Sangvine succrevit, sangvine finis erit. Dahero die Christen der ersten Kirchen niemahls zu den Waffen geqrieffen / und durch das Blut ihrer Märtyrer mit den 10. Verfolgungen gewachsen / weilen die Waffen der Kirchen / das Gebet und die Thränen /nicht aber Stahl und Eisen / seyn sollen. 68 Wie zu Zeiten deß Cromwel in England die Religion der Boßheit Deckel seyn müssen / ist weltkündig. Besiehe das Chor der Religion / und der Ketzer /in der vierdten Abhandlung Andreæ Gryphij seiner ermordeten Majestät / oder Carol Stuards Königs von groß Brittanien. 69 Creduli nimium vel fabulis Milesiis aurem credulam adhibent Angli; & novarum rerum studiosissimi multa nova inventa hæresesque protrudunt: hinc tanta Sectarum illuvies universam semper inundavit Angliam. 70 Seditiosis motibus tanqvam febre anniversariâ, qvotannis corripi solet Anglia. Baco Verulamius in Historia regni Henrici VII. 71 Diese beschreibet unser Autor am 258. seq. Blat sehr hitzig und eisrich / also / daß Sie sich auch nicht der Königin Elisabeth wohlbedächtiges, warnen hat die geringste Frist auffhalten lassen / etc. 72 Ja seine sc. Deß Königs (schreibt unser Autor) Reputation verwelckte bey Ihr dermassen / daß Sie unter dem Vorwandt / der König bemühe sich mit der Jagt /und sey selten bey Hofe gegenwärtig / unter alle Schrifften und Befehle ihren Namen setzte / an statt daß sonst ihrer beyder Namen mit völliger Macht und Gültigkeit dastehen solten; und über das war unter den Ihrigen deß Secretarii Riccii seiner Gestalt. Von der Müntze ward deß Königs Name gantz ausgelassen / und Er selbst endlich gar von Hofe weggeschickt / und also von allen Reichshändeln und Regiments-Sachen entblösset. pagina 161. 73 Besiehe / was der Autor hievon aus deß Cambdeni Bericht absonderlich gedenckt am 291. Blate. 74 Der Graff Botwel, so sein Leben zu Drockholm /nach erlebtem grossen Kummer und Elend / sinnenlos geendiget. Pagina 310. 75 Unter welchen der von Morton / bey Regierung Königs Jacobi erstlich gefangen / und hernach / als einer / den man überführt / daß er umb diesen mörderischen Anschlag gewust / getödtet. pag. 293. 76 Thuanus ad Annum 1604. prolixe hanc unionem exponit. Conf. & Schildius de Coalitione Regnorum. Item Boxhornius in Hist. Univers. ubi pag. 734. unionem horum Regg. etiam fusius tractat. 77 Solche Kleidung / und das Nachfolgende / wird nach der Länge beschrieben am 396. Blate / & seqq. unserer Trauer-Geschichte. 78 Solches Buch soll / wie unser Autor aus dem Cambdeno erwehnt / das Officium B. Mariæ gewesen seyn. Vid. pag. 397. 79 Am 372. Blate stehet: Nach diesem expostulirte Sie / daß man ausgesprengt / Sie frage nichts nach der Religion. Ich erinnere mich / sagte Sie / der Zeit / da ich begehrte / man solle mich in der reformir ten Religion unterrichten: Aber Sie haben mich nicht unterrichten wollen; gleich / als wäre ihnen an meiner Seelen nichts gelegen. 80 Diese gantze Rede der Königin zu ihrem Hofemeister / wie auch dessen Antwort / ist von Wort zu Wort aus dem Cambdeno übersetzt / wie der Autor bekennet / p. 398. Andere setzen an derer statt eine andere. id ibid. 81 Hiemit behütete Sie ( scil. die Königin) ihn etliche mah! / (sagt unser Autor pag. 399) nach einander mit thränenden Augen / etc. 82 Folgends / (fährt unser Autor in seiner Relation fort / pag. seq. ) wandte Sie sich zu den Englischen Herren / und ersuchte dieselbe / daß ihre Dienerinnen möchten bey Ihr seyn / biß in ihren Tod. 83 Welches der Graf von Kent / (sind gleichfals unsers Autoris verdolmetschte Worte / loc. cit. ) ungern verstattete / besorgend / es möchten darüber einige abergläubische Händel vorgehen. 84 Sie aber sprach zu ihnen: Sorget nicht / diese arme Hertzen wolten mir gerne die leitzte Begleitung und Abschied geben. Ich weiß / meine Schwester die Königin würde mir eine so geringe Sache nicht versagen / daß zu Ehren deß Fräulichen Geschlechts mir einige Diener mögen zu Dienste stehen. Ich bin von Ihrem nähsten Blute von Heinrich dem VII. herspriessend / eine mit Königlichem Frantzösischen Leibgedinge versehene Wittib (Dotaria) und gesalbte Königin von Schottland. Id. ibid. 85 Ist das Meer oder die See / so das Castel / in welchem Sie die Stände von Schottland gefänglich gehalten / umbflossen. 86 Unser Ubersetzer nennet dieses Priesters Trost-Rede ein langes Gespräch etc. pag. 401. Ob wir nun dieses nicht allzulang gemacht haben / steht zubefürchten. 87 Als nehmlich Franciscus der zweyte Douphin oder Königliche Erb-Printz in Franckreich Ihr Gemahl mit Tode abgieng. 88 Deme (nehmlich dem Priester) sagt unser Dolmetsch / fiel sie etliche mahl in die Rede / sagte: Er dörffte sich Ihrent wegen so sehr nicht bemühen; sintemahl Sie in dem alten Römischen Gottesdienste gegründet / auch das Leben darinnen auffzugeben bereit wäre. etc. Ut & reliqva qvæ omnia ad sinem usqve ex eadem desumpta sunt Autore. 89 Zu Londen frolockte man nach ihrem Tode: Man ließ vor Freuden die Glocken lauten / und wurden von 21. Bürgern in den Gassen hin und wieder stattliche Feurwercke geworffen / daß Gott durch dieser Gefangenin Tod Engeland der Gefahr befreyet hätte. Unser Francisci pag. 407. 90 Am 385. Blate steht / Sie habe den Räthen einen harten Verweiß gegeben / sie Ihr heissen aus den Augen gehen / und den Secret. Davidson in den Stern kommen zuerscheinen. De hac Camera, qvam Stellatam vocant, qvæ eas Causas tractat, qvæ vel exemplo vel conseqventiâ Regni statum publicum oppugnare vel convellere possunt. Vid. Verulamium in Histor. Regn. Henrici VII.