Emma 1. Er steht so starr wie ein Baumstamm, In Hitz' und Frost und Wind, Im Boden wurzelt die Fußzeh', Die Arme erhoben sind. So quält sich Bagiratha lange, Und Brahma will enden sein Weh, Er läßt den Ganges fließen Herab von der Himmelshöh'. Ich aber, Geliebte, vergebens Martre und quäl ich mich ab, Aus deinen Himmelsaugen Fließt mir kein Tropfen herab. 2. Vierundzwanzig Stunden soll ich Warten auf das höchste Glück, Das mir blinzelnd süß verkündet, Blinzelnd süß der Seitenblick. Oh! die Sprache ist so dürftig, Und das Wort ein plumpes Ding; Wird es ausgesprochen, flattert Fort der schöne Schmetterling. Doch der Blick, der ist unendlich, Und er macht unendlich weit Deine Brust, wie einen Himmel Voll gestirnter Seligkeit. 3. Nicht mal einen einz'gen Kuß, Nach so monatlangem Lieben! Und so bin ich Allerärmster Trocknen Mundes stehngeblieben. Einmal kam das Glück mir nah – Schon konnt ich den Atem spüren – Doch es flog vorüber – ohne Mir die Lippen zu berühren. 4. Emma, sage mir die Wahrheit: Ward ich närrisch durch die Liebe? Oder ist die Liebe selber Nur die Folge meiner Narrheit? Ach! mich quälet, teure Emma, Außer meiner tollen Liebe, Außer meiner Liebestollheit, Obendrein noch dies Dilemma. 5. Bin ich bei dir, Zank und Not! Und ich will mich fortbegeben! Doch das Leben ist kein Leben Fern von dir, es ist der Tod. Grübelnd lieg ich in der Nacht, Zwischen Tod und Hölle wählend – Ach! ich glaube, dieses Elend Hat mich schon verrückt gemacht. 6. Schon mit ihren schlimmsten Schatten Schleicht die böse Nacht heran; Unsre Seelen, sie ermatten, Gähnend schauen wir uns an. Du wirst alt und ich noch älter, Unser Frühling ist verblüht. Du wirst kalt und ich noch kälter, Wie der Winter näher zieht. Ach, das Ende ist so trübe! Nach der holden Liebesnot Kommen Nöten ohne Liebe, Nach dem Leben kommt der Tod.