Jugendlieder Vorklang Rührt mich heut so seltsam wieder Wie mit langverschollnem Klang Dieser leichten Jugendlieder Süßverworrner Herzensdrang? Rauscht noch einmal auf die Welle Des versunknen Jugendborns Und dazwischen silberhelle Widerhall des Wunderhorns? Und ich lausche halb verwundert, Halb belustigt und erfreut. War ich doch ein halb Jahrhundert Jünger dazumal als heut. Manches hör' ich euch erzählen, Was ich damals lieblich fand, Was mit euch, ihr Liederseelen, Traumhaft wieder auferstand. Spukt ihr nun am hellen Tage Mit verwundertem Gesicht, Merkt zu spät: die Mitwelt frage Nach Gespensterlyrik nicht? Andre Zeiten, andre Lieder; Unausfüllbar ist die Kluft. Kehrt getrost zum Schlafen wieder Heim in die Familiengruft. Aber wie? Ich hör' euch bitten: Laß uns, Alter, hier im Licht! Zwar nicht allzu wohlgelitten, Aber tot sind wir noch nicht. Wirst uns nicht zur Ruhe bringen, Denn nicht alle sind wir stumm. Gehn doch auf Gesangesschwingen Unser viele noch herum. – Nicht verhallen soll vergebens Kindesflehn am Vaterohr; So erfreut euch denn des Lebens, Das in euch noch quillt empor. Ach, ich bin aus guten Gründen Gegen euch, ihr Kleinen, schwach! Rufen uns nicht Jugendsünden Unsre Jugend wieder wach? Über ein Stündlein Dulde, gedulde dich fein! Über ein Stündlein Ist deine Kammer voll Sonne. Über den First, wo die Glocken hangen, Ist schon lange der Schein gegangen, Ging in Türmers Fenster ein. Wer am nächsten dem Sturm der Glocken, Einsam wohnt er, oft erschrocken, Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein. Wer in tiefen Gassen gebaut, Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschüttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert, Aber spät sein Morgen graut. Höh' und Tiefe hat Lust und Leid. Sag ihm ab, dem törigen Neid: Andrer Gram birgt andre Wonne. Dulde, gedulde dich fein! Über ein Stündlein Ist deine Kammer voll Sonne. Treueste Liebe Ein Bruder und eine Schwester, Nichts Treueres kennt die Welt, Kein Goldkettlein hält fester, Als eins am andern hält. Zwei Liebsten so oft sich scheiden, Denn Minne verglüht geschwind. Geschwister in Lust und Leiden Die bleiben sich hold gesinnt, So treulich als wie zusammen Der Mond und die Erde gehn, Der ewigen Sterne Flammen Alle Nacht beieinander stehn. Die Engel im himmlischen Reigen Frohlocken dem trauten Bund, Wenn Bruder und Schwester sich neigen Und küssen sich auf den Mund. Im Lenz Im Lenz, im Lenz, Wenn Veilchen blühn zuhauf, Gib acht, gib acht, Da wachen die Tränen auf. Im Herbst, im Herbst Fiel alles Laub vom Baum. Ach, Lieb' und Glück Vergangen wie ein Traum! Gib acht, gib acht, So ist der Dinge Lauf: Blumen und Wunden Brechen im Frühling auf. Abschied Als wir beiden mußten scheiden, Eine Nelke gab sie mir; Die geliebten, stillbetrübten Augen ruhten lang auf ihr. Da vom zarten Strauch im Garten Sie die dunkle Blume brach, Lang mit Neigen in den Zweigen Bebt' er seinem Liebling nach. Doch den Wunden läßt gesunden Heimat, die ihn treu umgibt, Wenn die welke dunkle Nelke Blatt auf Blatt im Wind zerstiebt. Stimme der Nacht Nur eine Wachtel schlug im Feld, Da ich vorüberging, Nur eine leise Glocke rief, Die hoch im Turme hing. Verhallt die wirre Menschenlust, Der wunde Menschenschrei. So still der Wald! Es rauscht der Fluß Mit Murmelklang vorbei. Ein lautlos feuchter Uferwind Entfacht dein Blut mit Macht, Und die verlorne Liebe ruft Beweglich durch die Nacht. Schlaf nur ein Ach, was bin ich aufgewacht? Ob am Haus die Liebste klopft? Leise tönt es durch die Nacht. – »Schlaf nur ein, Schlaf nur ein! Regen an die Scheiben tropft.« Warum klingt mir doch das Ohr? Spricht von mir das falsche Kind, Das mich aus dem Sinn verlor? – »Schlaf nur ein, Schlaf nur ein! Herdenglocken rührt der Wind.« Und sie sah im Traum mich an, Und sie sprach: Du glaubst es kaum, Was ich leide, süßer Mann! – »Schlaf nur ein, Schlaf nur ein! Schlaf ihn aus, den falschen Traum!« Mondlied Ich wandle still den Waldespfad, Es dunkelt die Nacht herein. Im Grunde rauscht ein Mühlenrad, Der Grillen Lied fällt ein. Wie liegt so tief, wie liegt so weit Die Welt im Mondesduft! Die Stimme der Waldeinsamkeit Im Windessäuseln ruft: Wirf ab dein bang erträumtes Weh, Wirf ab die falsche Lust! Sie schmelzen hin wie Märzenschnee, Und öde bleibt die Brust. Blick auf, wo Stern an Stern entbrennt, Und sprich dein Herz zur Ruh; Denn ew'ger als das Firmament, Du kleines Licht, bist du! Geheimnis Laß uns leise bekennen, Daß wir uns kennen, In so heimlich halben Lauten, Wie kluge Vögel, Die ihr Nest in die Wipfel bauten. Ferne Zeiten Haben verschleiert milde Götter, Wie vor Strom und Tal sich breiten Zweige, Blüten, dichte Blätter, Daß sie gern dem kurzen Sommer trauten, Die klugen Vögel, Die ihr Nest in die Wipfel bauten. Singen Vöglein heller, Locken sie die Knaben, Nesteplündrer, Vogelsteller. Wenn die Zweige sich entlaubet haben, Vor dem ersten Schnee hinaus ins Weite Schwingt sich freudig Lieb an Liebchens Seite. Wohl den Vögeln, Die den freien Lüften sich vertrauten, Den klugen Vögeln, Die ihr Nest in die Wipfel bauten! Vorfrühling Stürme brausten über Nacht, Und die kahlen Wipfel troffen. Frühe war mein Herz erwacht, Schüchtern zwischen Furcht und Hoffen. Horch, ein trautgeschwätz'ger Ton Dringt zu mir vom Wald hernieder. Nisten in den Zweigen schon Die geliebten Amseln wieder? Dort am Weg der weiße Streif – Zweifelnd frag' ich mein Gemüte: Ist's ein später Winterreif, Oder erste Schlehenblüte? Mutterliebe So weich und warm Hegt dich kein Arm, Wie dich der Mutter Arm umfängt. Nie findest du So süße Ruh, Als wenn dein Aug an ihrem hängt. Und kehrt ergreist Dem müden Geist Noch manch ein Jugendbild zurück, Es grüßt dich keins So milden Scheins, Wie deiner Mutter Segensblick. O führt dich nicht Dies liebe Licht Ins dunkle Leben treulich ein, Ob auch die Welt Sich dir gesellt, Bist dennoch mutterseelenallein! Der Tag wird kühl Der Tag wird kühl, der Tag wird blaß, Die Vögel streifen übers Gras. Schau, wie die Halme schwanken Von ihrer Flügel Wanken Und leise wehn ohn' Unterlaß. Und abends spät die Liebe weht Ob meines Herzens Rosenbeet. Die Zweige flüstern und beben, Und holde Gedanken weben Sich in mein heimlich Nachtgebet. Du fernes Herz, komm zu mir bald, Sonst werden wir beide grau und alt, Sonst wächst in meinem Herzen Viel Unkraut, Dorn und Schmerzen – Die Nacht ist lang, die Nacht wird kalt! Vorüber Es sauset und es brauset, Es geht ein kühler Wind. Da drunten auf der Heide, Da steht ein schönes Kind. Mit ihren weißen Armen Sie winkt mir Gottwillkomm, Mit ihren schwarzen Augen Sie lacht mich an so fromm. Dein Winken und dein Grüßen, Ach Schätzlein, hilft dir nicht: Ich muß zur Welt 'nein fahren, Ein vogelfreier Wicht. Und willst einen Liebsten haben, Such dir einen andern aus. Ich hab' ja nur zwei Flügel, Ich hab' nicht Hof noch Haus. Hütet euch! Ein Stündlein sind sie beisammen gewest, Ein Stündlein läuft so geschwind, Und saßen schon Herz sich im Herzen fest, Denn die Liebe die kommt wie der Wind. Du junger Gesell, nun hüte dich fein, Nun hüte dich, schönes Kind, Und verriegelt gut eures Herzens Schrein – Denn die Liebe die geht wie der Wind. Trutzliedchen Und bild dir nur im Traum nichts ein, Du bist mir viel zu jung. Ums Kinn noch kaum dir sproßt der Flaum, Das ist mir nicht genung. Und wenn ich einen heiraten tu', Muß sein ein Reiter zu Roß, Noch eins so lang und breit wie du, Sein Bart zweier Ellen groß. Sein Rappe saust im Windeslauf, Sein Bart der deckt mich zu, Ich sitz' vor ihm am Sattelknauf, Und hinterm Ofen du! Lieder des fahrenden Schülers 1. Spazier' ich so die Gass' entlang, Wenn kaum der Tag verrauschet, Da heb' ich an einen hellen Sang, Der Mond geht auf und lauschet. Wo zwei und zwei beisammen sind, Da stiehlt das Lied sich ein geschwind, Wo einsam weint ein Mutterkind, Dem scheucht's die Nachtgespenster. So weit der Sonn- und Mondenschein Mag auf die Erde blicken, Will sich zusammen nichts so fein Wie Lieb' und Lieder schicken. Das wußt' auch König David wohl Und sang zur Harf' in Dur und Moll Gar meisterlich und wundervoll Die schönsten Serenaden. Und das geschah vor alters schon, Ist heut noch Brauch geblieben. Ich mein', ich säß auf Davids Thron, Sing' ich ein Lied vom Lieben. Der Thronen Glanz in Staub verweht, Das Reich der Liebe nie vergeht, Und wer das Singen recht versteht, Ist aller Herzen König. 2. Je weiter aus den Augen, Je tiefer nur im Sinn – Das soll zum Trost mir taugen, Wenn ich voll Heimweh bin. Ich scheide nicht weit, Gott weiß die Zeit; Wiederkommen bringt Freude. Ihr sollt mich nicht verachten Um mein unstät Gemüt. Muß mir die Welt betrachten, Soweit sie grünt und blüht. Ich scheide nicht weit ... Die Bäch' und Ströme rinnen So freudenvoll ins Meer. Die festen Türm' und Zinnen Sind steinern, kalt und schwer. Ich scheide nicht weit ... Wohl dem, den durch die Halde Sein Glück noch schweifen läßt! Zugvögel, ach wie balde Baust du dir auch ein Nest. Ich scheide nicht weit, Gott weiß die Zeit; Wiederkommen bringt Freude. Morgenwind Wenn noch kaum die Hähne krähen, Macht sich auf der Morgenwind, Feget aus mit starkem Wehen Stadt und Flur und Wald geschwind. Allen Bäumen in der Runde Schüttelt er die Locken aus, Weckt die Blümlein in dem Grunde, Lockt die Lerch' ins Tal hinaus. Nebel, die an Bergen hangen, Jagt er ohne Gnade fort; Kommt Frau Sonne dann gegangen, Find't sie sauber jeden Ort. Will sie bei dem treuen Winde Sich bedanken in Person, Ist er, daß ihn keiner finde, Über alle Berge schon. Verwandlung Mühlen träg die Flügel drehn, Über die Stoppeln schleicht der Wind. Dunkle Hütten im Grunde stehn, Kleine Fenster, trüb und blind. Sieh, da kommt ein Sonnenschein, Stiehlt sich durchs Gewölk heran: Mühlen, Feld und Fensterlein Fangen flugs zu lachen an. Liebes Herz, so bist du ganz Blöd und blind viel Tag und Nacht, Bis ein leiser Liebesglanz Dir die Welt zum Himmel macht. In der Mondnacht In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht Gehen Engel um auf leisen Sohlen; Blonde Engel, innig und verstohlen Küssen sie die schönsten Menschenblumen. Tausendschönchen, allerliebste Blume, Weiß es wohl, woher der Schimmer stammet, Der dir heut das Antlitz überflammet: Bist noch in den Traum der Nacht verloren. Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster Sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen, Leise dir zu küssen Mund und Wangen In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht. Windsbraut Wie bin ich nun in kühler Nacht Im Wald herumgestrichen! Die Bäume noch von Regen schwer Die wogten tropfend hin und her; Hätt' nicht mein Herz gebrannt so sehr, Nach Haus wär' ich gewichen. Die lohe Glut kein Regen mag, Kein Tau zu kühlen taugen. Der rote Blitz entflammt sie nicht, Der jäh die schwarzen Eichen bricht; Das tat der Liebsten Angesicht Mit den zwei lichten Augen. Es geht ein Wehen durch den Wald, Die Windsbraut hör' ich singen. Sie singt von einem Buhlen gut, Und bis sie dem in Armen ruht, Muß sie noch weit in bangem Mut Sich durch die Lande schwingen. Der Sang der klingt so schauerlich, Der klingt so wild, so trübe. Das heiße Sehnen ist erwacht; Nun, Schatz, zu tausend gute Nacht! Es kommt der Tag, eh du's gedacht, Der eint getreue Liebe. Waldesnacht Waldesnacht, du wunderkühle, Die ich tausend Male grüß', Nach dem lauten Weltgewühle O wie ist dein Rauschen süß! Träumerisch die müden Glieder Berg' ich weich ins Moos, Und mir ist, als würd' ich wieder All der irren Qualen los. Fernes Flötenlied, vertöne, Das ein weites Sehnen rührt, Die Gedanken in die schöne, Ach, mißgönnte Ferne führt! Laß die Waldesnacht mich wiegen, Stillen jede Pein, Und ein seliges Genügen Saug' ich mit den Düften ein. In den heimlich engen Kreisen Wird dir wohl, du wildes Herz, Und ein Friede schwebt mit leisen Flügelschlägen niederwärts. Singet, holde Vögellieder, Mich in Schlummer sacht! Irre Qualen, löst euch wieder; Wildes Herz, nun gute Nacht! Mädchenlieder 1. Auf die Nacht in den Spinnstuben Da singen die Mädchen, Da lachen die Dorfbuben, Wie flink gehn die Rädchen! Spinnt jedes am Brautschatz, Daß der Liebste sich freut. Nicht lange, so gibt es Ein Hochzeitsgeläut. Kein Mensch, der mir gut ist, Will nach mir fragen. Wie bang mir zumut ist, Wem soll ich's klagen? Die Tränen rinnen Mir übers Gesicht – Wofür ich soll spinnen, Ich weiß es nicht! 2. Und wie sie kam zur Hexe, Dornröschen hold, Dornröschen gut, Die stach sie in ihr Fingerlein, Da floß das rote Blut. Sie schloß die lichten Augen, Vom Spindelstich das Mägdlein schlief, Bis um das graue Königsschloß Eine Rosenhecke lief. Und nach dreihundert Jahren Da kam ein schöner Rittersmann, Mit blankem Schwert er hieb sich durch, Bis er die Maid gewann. – Ich wollt', ich läge schlafen Dreihundert Jahr' im Rosenhag, Bis daß der Eine gegangen käm', Der mich gewinnen mag! 3. Drunten auf der Gassen Stand ich, sein zu passen; Schlugen Nachtigallen An den Fenstern allen, Und ich blieb alleine Bei der Blitze Scheine, Bis die Nacht gewichen, Und da bin ich frierend heimgeschlichen. Über meine Wangen Ist der Tau gegangen, Und nun lös' ich stille Meiner Locken Fülle. Daß ein Sturm erginge, Sich darin verfinge, Mich zum Himmel trüge – Weit hinweg aus dieser Welt der Lüge! 4. Es ist ein Mond verblichen Am hohen Himmelszelt, Seit er von mir gewichen In die tiefe, tiefe Welt. Viel schöne Augen ihm winken, Da wird das Herz mir bang. Die meinen von Tränen blinken, Die lachten, wenn er sang. Ich möcht' ihm nach mich schwingen Und lauschen wohl über Feld, Bis ich ihn hörte singen In der tiefen, tiefen Welt! 5. Soll ich ihn lieben, Soll ich ihn hassen, Dem sich mein Herz schon heimlich ergab? Soll ich mich üben, Recht ihn zu hassen? Rate mir gut, doch rate nicht ab! Wild ist er freilich, Heftig von Sitten, Keiner begreift es, wie lieb ich ihn hab'. Aber so heilig Kann er auch bitten – Rate mir gut, doch rate nicht ab! Reichere könnt' ich, Weisere haben; Gut ist im Leben ein sicherer Stab. Keiner doch gönnt' ich Den wilden Knaben – Rate mir gut, doch rate nicht ab! Laß ich von schlimmer Wahl mich betören, Besser, ich legte mich gleich ins Grab. Klug ist es immer, Auf Rat zu hören – Rate mir gut, doch rate nicht ab! 6. Ach, wie so gerne Bleib' ich euch ferne, Schimmernde Säle, von Kerzen erhellt! Daß mir im Dunkeln Zwei Augen funkeln, Ist meine Wonne, ist meine Welt! Sucht' ich doch allen Einst zu gefallen, Habe verstohlen die Netze gestellt. Einem mich schmücken, Einen beglücken, Ward meine Wonne, ward meine Welt! Einsam im stillen Um seinetwillen Pocht mir das Herz, von Sehnsucht geschwellt: Ihn zu umfangen, An ihm zu hangen, Bis mir in Wonnen schwindet die Welt! 7. O könnt' ich dir gefallen, Du meiner Seele Traum! Ich wählte dich von allen, Du aber kennst mich kaum. Viel holde Fraun auf Erden gehn, Ich bin nicht schmuck, ich bin nicht schön – Wie könnt' ich dir gefallen, Du meiner Seele Traum! Zum kühlen Grund ich gehe, Da steht eine Linde grün. Am Stamm wohl in die Höhe Die wilden Rosen blühn. In Schattennacht vereint die Zwei – Ich denke dein und mein dabei! Zum kühlen Grund ich gehe, Da steht eine Linde grün. Zusammen blühn und sterben, Was kann wohl süßer sein? Dürft' ich dies Los erwerben, Ich lachte jeder Pein. Und träfe dich ein Wetterstrahl, Verloderten wir Zwei zumal – Zusammen blühn und sterben, Was kann wohl süßer sein! 8. Die Sterne blinken und gleißen, Die Nacht ist stille, der Mond steht tief. Wer war's, der meinen Namen rief Bei den Hagerosen, den weißen? Ob sich im Garten der Hans verlief? Was bleib' ich nun aber hangen Im Sternendämmer am Rosenstrauch? Wie sanft es flüstert mit süßem Hauch Und küßt mir Mund und Wangen! Das ist doch nimmer der Dornen Brauch. Mein ganz Gesicht in Gluten – Da ruft von ferne mein Mütterlein. Geschwind nur wieder ins Haus hinein, Und wenn meine Lippen bluten, Die Dornen müssen's gewesen sein! 9. Gerne sitz' ich so im Dunkeln, Wenn die goldnen Sterne funkeln, Kreisend in der stillen Rund', So mich niemand kann erschauen, Denk' ich dran mit süßem Grauen, Was ich trag' in Herzensgrund. Ward ein Liebes dir zu eigen, Mußt dich nicht den Leuten zeigen, Sehn dir's an den Wangen an. Ach, und wissen's erst die Leute, Wirst du falscher Zungen Beute, Und dann ist's darum getan. Doch wenn nachts die Sterne schießen, Magst du einsam dich verschließen, Bis dich ruft des Liebsten Mund. Dem nur zeig es ohne Bangen, Wie dir brennt auf Stirn und Wangen, Was du trägst in Herzensgrund! 10. Das sind die stillen Wasser, Das ist die laute Welt. Ich möcht' das Leben lassen, Die Lieb' ist mir vergällt. »Willst in die Wellen tauchen, Laß dich nicht reun dein Kleid. Da unten fällt vom Herzen, Was dich beschwert zur Zeit. Da werden stumm die Seufzer, Wie Fischlein auf dem Grund. Das sind die stillen Wasser, Die machen dich ganz gesund.« Melusine 1. Und schau' ich fremd und seltsam drein, Mußt doch mein treuer Liebster sein. Ist nicht meine Schuld, ist nur mein Schmerz, Deine Lieb allein schafft mir ein Herz. Bist du bei mir, deine Hand mich kost, Kommt's über mich wie Himmelstrost. Nur manchmal bricht's durch Glück und Ruh: Die Melusine herzest du! Doch wenn du gingst – mir friert der Leib, Bin wieder ein elend Nixenweib. Mir sagen die blutigen Tränen nur, Daß ich von Einem Liebes erfuhr! – Ich bin ja dein, ich bin ja jung, Zu jedem Wagen kühn genung. O glaub an mich! O sag mir an, Wie ich den Zauber brechen kann! – – Ist's nicht genug der Himmelslust, Ein Weib zu sein an deiner Brust? Den Zauber bricht der Tod allein. Komm! laß uns lachen und selig sein! 2. Zwischen Nacht und frühem Tag Zu mir kamen die bösen Träume, Böse Träume, süße Träume, Da ich wach und wehrlos lag. Rissen der Liebe wild und zag Allen Schleiertrug herunter. Glut ging auf – ach, Ruh' ging unter Zwischen Nacht und frühem Tag! 3. Gedenkst du noch der Zeit, Da wir uns alles waren? Die liegt so weit, so weit! Ich noch so unerfahren, Du schon durch Leid gereift, Todmüd in jungen Jahren. Lang war ich umgeschweift, Doch gleich in deinem Banne, Als mich dein Blick gestreift. O Lieb', in kurzer Spanne Schufst du das Weib zum Kind, Den jungen Fant zum Manne. Es kam ein Wirbelwind Und fuhr in unsre Flammen – O Wonnen kurz und blind! So standen wir beisammen, Von Reue nicht geschreckt, Noch von der Welt Verdammen. Was ward in uns geweckt, Das unsre Seelenbrände Mit eis'gen Schauern deckt'? Ist's möglich? So zu Ende, Was kaum noch so begann? Kein Wort? kein Druck der Hände? Und Jahr um Jahr verrann Wie unter Eiseshülle, Was auch die Parze spann. Wie hast du nur so stille Die Zeiten durchgeharrt? War's Schicksal? war's dein Wille? Kein Hauch der Gegenwart Von mir zu dir, wenn selten Genannt dein Name ward. Zwei ferne, fremde Welten All unser Freud' und Leid, Die einst so nah gesellten – Gedenkst du noch der Zeit? 4. Zu deinen Augen der Weg wie weit, Zu deinem Herzen der Pfad verschneit, Nur seltne Gedanken zu dir gehn, Ihre Spuren im stäubenden Schnee verwehn, Und die Glut ward kalt, Wie ein Hirtenfeuer im Wald, Die einst so hoch zu lodern sich erkühnt. Und wenn's dem Schnee zu Füßen grünt, Wenn neuer Frühling mich umwittert, Ein weicher Tau an meiner Wimper zittert, Es grünt nicht dir, es taut nicht dir, Weit, weit entfremdet wardst du mir. Nur nächtens manch ein traurig Mal Lawinen sendest du zu Tal Und willst verheeren, was dir entrückt, Und willst zerstören, was mich beglückt. Ich aber geb' in freudigem Mut Meinen jungen Lenz in der Liebe Hut. Peregrina 1. Nun sind die Blumen verdorrt, Die deine Hand mir brach. Was deine Lippe sprach, Blüht still im Herzen fort! ... 2. Wenn aus hohem Walde Mondenschimmer quillt, Auf die lichte Halde Wagt sich vor das Wild. Jetzt in irrer Klage Wird die Sehnsucht laut, Die dem hellen Tage Nicht ihr Leid vertraut. Ruft der Hirsch die Hinde, Ach, sie hört ihn bald, Wenn umsonst im Winde Mein Gesang verhallt! 3. Schwüle Stunden! Flüsternd kaum Bebt das Laub im Sommerwinde; Vogelstimmen wie im Traum Girren im Gezweig der Linde. Auf dem blumigen Wiesenplan Glüht und zittert Sonnenhelle; Schlummertrunken ruht der Schwan Auf des Weihers blanker Welle. Ach, und mir in tiefster Brust Brechen auf die alten Wunden. Sehnsuchtsvoll in Qual und Lust Denk' ich alter schwüler Stunden!