An Deutschland Wahrscheinlich vom J. 1636. 1 Auf, auf, wer deutsche Freiheit liebet, Wer Lust für Gott zu fechten hat! Der Schein, den Mancher von sich giebet, Verbringet keine Ritterthat. Wann Fug und Ursach ist, zu brechen, Wann Feind nicht Freund mehr bleiben kann, Da muß man nur vom Sehen sprechen, Da zeigt das Herze seinen Mann. Laß die von ihren Kräften sagen, Die schwach und bloß von Tugend sind: Mit Trotzen wird man Bienen jagen, Ein Sinn von Ehren der gewinnt. Wie groß und stark der Feind sich mache, Wie hoch er schwinge Muth und Schwert, So glaube doch, die gute Sache Ist hundert tausend Köpfe werth. Der muß nicht eben allzeit siegen, Bei dem der Köpfe Menge steht; Der pfleget mehr den Preis zu kriegen, Dem Billigkeit zu Herzen geht, Und der mit redlichem Gewissen Für Gott und für das Vaterland, Für Gott, der ihn es läßt genießen, Zu fechten geht mit strenger Hand. So vieler Städte schwache Sinnen, So vieler Herzen Wankelmuth Die List, der Abfall, das Beginnen Sind freilich wohl nicht allzugut. Doch Obst, so bald von Bäumen gehet, Das taug gemeiniglich nicht viel; Ich denke was im Liede stehet, Laß fahren was nicht bleiben will! Was kann der stolze Feind dir rauben? Dein Hab' und Gut bleibt doch allhier; Geh aber du ihm auf die Hauben Und brich ihm seinen Hals darfür! Auf, auf, ihr Brüder! in Quartieren Bekriegt man mehrmals nur den Wein: Des Feindes Blut im Siege führen, Dies wird die beste Beute sein. Martin Opitz von Boberfelde, † 1639. Fußnoten 1 Ward 1637 für die Oeffentlichkeit bestimmt, erschien aber erst nach des Dichters Tode 1644.