28. Mille de Fleurs und Bonbonnièren, Atlasschleifen und Bouquets, Jeden Tag drei Dutzend Briefe, Ungerechnet die Billets, Jeden Tag ein goldnes Armband, Ein gesticktes Etui – Für die »Wunden« unsrer »Herzen« Die vorzüglichste Charpie! Kind, sag selbst: wozu dies Alles, Dies Geliebel per Distance? Heut, im neunzehnten Jahrhundert, Ist das längst nicht mehr Usance! Heut, im neunzehnten Jahrhundert, Kratzt der Mensch sich, wenn's ihn juckt; Werther's Leiden sind pläsirlich, Aber nur, wenn sie gedruckt. Deine Schwüre pack in Watte Und verschliess sie in Dein Spind, Sie verwehn sonst wie die Fäden, Die der Sommerabend spinnt! Deine Thränen aber, Goldkind, Lass getrost dem Krokodil Und vor allen Dingen, bitte, Deine Mutter aus dem Spiel! Täglich fährt sie ihre Nerven Bleich spazieren durch den Park, Und der Hut an ihrem Schleier Kostet sicher sechzig Mark. Doch die Liebe schlägt sich barfuss, Wie ein Bettler, durch die Welt, Und ich fürchte, dieser Dame Ist sie noch nicht vorgestellt! Deine Mutter, Kindchen, kennt nur Ein Idol: die Prüderei, Und noch mehr als Dich verzieht sie Ihren grünen Papagei. Deine Mutter, Kindchen, hat mich Sozusagen auf dem Strich, Nochmal ihr die Hand zu küssen, Dafür, Herz, bedank ich mich! ... »Reiss« auch nicht, um's mir zu »schenken«, Dir das »Herz« aus Deiner »Brust«, Küsse will ich, nichts als Küsse, Roth wie Rosen im August! Küsse will ich, nichts als Küsse, Alles and're gilt mir gleich – Morgen Abend, Punkt halb Sieben, Treff ich Dich am Goldfischteich!«