Die Spinnerin 1 Rinne sanft, du weiche Welle, Schöner Flachs, durch meine Hände, Daß ich dich mit stiller Schnelle Fein zum goldnen Faden wende! Du Begleiter meiner Tage, Wirst nun bald zum Tuch erhoben, Dem ich all mein Lust und Klage Singend, betend eingewoben! Wie so schwer bist du von Tränen, Schwer von Sagen und von Träumen, Schwer von jungfräulichem Sehnen Und durchblüht von Myrtenbäumen! Ahnt er wohl, du traute Linne, Welch geheimnisvolle Dinge, Einen Schatz urtiefster Minne Ich mit dir ins Haus ihm bringe? Kühler Schnee auf seine Wunden Sollst du werden, mein Gewebe! Wohl ihm, daß er mich gefunden Unter dieses Gartens Rebe! Wie durchdringt mich das Bewußtsein, Daß so ganz sein Glück ich werde Und das Kleinod seiner Brust sein Und sein Himmel auf der Erde!