Der Pilger Ich hing mit heißer Liebe An einem ird'schen Bild, Das, ach! mit eitlem Triebe Das schwache Herz erfüllt; Es schwand des Lebens Frieden, Und matt blieb ich hienieden. Da blickt' ich, ach! mit Tränen Hinaus wohl in die Welt, Es stillte nicht mein Sehnen, Was frommem Sinn gefällt, Wohl standen Mond und Sterne Kalt in der schwarzen Ferne. Mich und die Welt zu fliehen, Faßt' ich den Wanderstab, Viel Blumen sah ich blühen, Doch keine brach ich ab, Mich trieb ein banges Ahnen Nach ungewohnten Bahnen. Da blickt' von Bergeshöhen Mir, ach! so neu, so mild, Als hätt' ich's nie gesehen, Vom Kreuz des Mittlers Bild, Nicht konnt' ich widerstreben, Auf zog es mich mit Beben. Und was ich jüngst begehrte, Das Ird'sche, floh mein Herz, Hinab sank Staub und Erde, Sonne flog himmelwärts. Hin kniet' ich im Entzücken, Es an die Brust zu drücken. Da strömten Ruh' und Wonne Aus ihm in meine Brust, Als wär' es eine Sonne, Durchzückt' es mich mit Lust; Es flogen Engel nieder Und grüßten mich als Brüder. Doch sieh! zum süßen Lohne Neigt mild das Bildnis sich, Es sinkt die Dornenkrone Von seinem Haupt auf mich. Fest drückt' ich sie zum Herzen, Fühlend so süße Schmerzen. Und bis zur Todesstunde, In Weh und Lebenslust, Fühl' ich die teure Wunde Nun tief in meiner Brust; Fühl', wie ein neues Leben Mir ganz in ihr gegeben.