Phaëthon Phaëthon, Der Mundschenk der Götter, Mischte den Göttern Schlaf in den Wein. Sie tranken, Sie sanken In Traum und in Schlaf. An seinen Sonnenwagen gelehnt Schlief Helios. Die Zügel schleiften Auf Wolken. Da trat der Knabe Phaëthon herzu, Sprang auf das Brett, Ergriff die Geissel Und liess sie über die Rosse sausen, Die goldenen. Sie wieherten jauchzend Unter der jungen Hand Und jagten durch den Äther, Verliessen die alteingefahrne Bahn. Die goldenen Locken des Knaben, Die goldenen Mähnen der Rosse Stoben im Sternensturm. Als er am Abend lenkte Das goldne Gefährt In den himmlischen Stall, Da waren die Götter erwacht. Helios jammerte, Zeus grollte. Schneeweiss war des Göttervaters Haar geworden, Schnee lag auf dem Götterberg. Denn allzuweit hatte der Knabe sich von ihm entfernt Mit dem Sonnenwagen. Zu nah war er der Erde gekommen, Denn tausend Steppen standen in Flammen Und Wälder bluteten rot. Das grosse Feuer kam Wie einst das grosse Wasser war gekommen. Die Lava rollte schwarz. Die heilige Zeder Brannte. Aus den verkohlten Wurzeln stiegen Gewürm und Engerling ans Licht. Und Kypris, die die Nacht wie stets Auf Erden zugebracht, Riss ihren Knaben Eros Hinter sich auf das geflügelte Pferd. Das galoppierte über den wandernden Insekten Auf den Leibern der Dämonen Und hob sich wie ein Adler dann Und galoppierte auf den Wolken – Und kam zum Götterberg. Eiszapfen hingen von dem Ritt durch die Äonen Dem Pferde in den Mähnen. Kypris mondblondes Haar war weiss beschneit, Und Eros Schlug die erstarrten Finger aneinander Wie Glockenklöppel. Ich friere, sagte Helios. Was tatest du, Vorwitziger Knabe, Phaëthon? Die Götter frieren, Und der Menschen viele sind verbrannt Wie Kälber am Spiess. Zeus weint zum erstenmal seit Ewigkeiten, Und Kypris floh die Erde. Der Knabe aber Schnalzte mit der Zunge Und zog die Stirne kraus – Und lächelte Und schwieg.