Nachtgesicht An Johann Christian Günther Ich bin mit dir gegangen Durch Nebel, Nacht und Wind. Die Tannenwälder sangen, Die Wolken krochen wie Schlangen Über den Himmel hin. Plötzlich aus goldenem Rohre – Eine Wolke wurde leck – In mondgewebtem Flore Entschwebte Leonore Zu uns hernieder auf den Weg. Wir gaben uns die Hände Und tanzten und tanzten zu drein. In unsrer Seelen Brände, Dass er die Lust uns schände, Zischte der Tod hinein. Wir schwankten zu viert in die Schänke Und soffen uns voll, dass es kracht. Wir lagen über die Bänke, Der Tod erzählte Schwänke, Wir haben uns krumm gelacht. Er klapperte frech mit den Knochen, Wir schmissen den Saufsack hinaus. Er hat sich die Rippen zerbrochen ... Leonore kam in die Wochen, Wir beide ins Irrenhaus. Da sitzen wir nun und staunen Durch die Stäbe uns blind. Wir haben Herrscherlaunen. Wir fressen unsre Kaldaunen, Weil wir hungrig sind.