Wonna 1776. Ich hab' das Mädchen funden, Das sich mein Herz erkor, Und jede dieser Stunden Kommt mir geflügelt vor. Mein Aug' hat sie gesehen, Mein Herz ist ihr erglüht, Kaum mag ich ihr's gestehen, Obgleich ihr Aug' es sieht. Ich kann ihr nicht enteilen, Ich muß ihr nahe seyn, Muß auf der Stätte weilen, Die ihre Füße weihn. Ich muß das Lüftchen trinken, Das die Geliebte trank, Muß jeden Raum durchdringen, Durch den die Heil'ge drang. Seh' ich sie nicht, wie sehnet, Wie schrei't mein Herz nach ihr, Mein dunkles Auge thränet, Mein Herz zerschmilzt Begier; Seh' ich sie, schnell verjaget Den Harm die reinste Lust, Und Engelwonne taget, In meiner trunknen Brust. Von ihres Lächelns Schallen Bebt jede Nerve mir; Von ihres Fußtritts Hallen Schwillt Brust und Seele mir. Sie ist von meinen Kräften Die Richtung, sie allein Ist's bei des Tag's Geschäften Und spät bei Lampenschein. Ich seh' ihr Bild am Tage, Ich seh's in dunkler Nacht; Bei jedem Seigerschlage Verfolgt mich seine Pracht. Im tiefsten, festen Schlummer Seh' ich's so klar vor mir, Und rufe ihr im Schlummer, Und streck' den Arm nach ihr. Ist's Sünd', in Lieb' entbrennen – Weh' dir, mein sündig Blut! Mir zückt in Mark und Sehnen Der Liebe wilde Gluth. Sie ist mir Lust und Wehe, Ist Tod und Eden mir. Ich fühl, ich hör', und sehe, Und leb' und web' in ihr. So ist die Ruh' verloren, Die vormals mich erfreu't; Doch, daß ich sie verloren, Hat mich noch nie gereu't; Mir kommt von meinen Wunden Die tiefste heilsam vor – Hat sie in mir ihn funden, Den sich mein Herz erkor!