Der Affe und der Leopard Der Affe und der Leopard Verdienten auf der Messe Geld, Indem sie sich zur Schau gestellt, Einer des andern Widerpart. Der eine rief: »Ihr lieben Leute, Mein Ruf und Ruhm ist nicht von heute, Ich bin bekannt an höchster Stell; Der König kam, um mich zu sehen, Und sterb ich einst, dann soll mein Fell Als Muff sich um die Hände drehen Der allergnädigsten Königin. Betrachtet mich, wie bunt ich bin: Gestreift, gesprenkelt und gescheckt, Getupft, beringelt und gefleckt.« Das bunte Spiel der Haut gefiel Für einen Blick als Augenziel, Ein jeder sah es flüchtig an Und wendete sich weiter dann. Der Affe rief: »Herbei, herbei, Ihr edlen Herrn und schönen Damen! Ich kenne Künste mancherlei Und nicht nur nach dem Namen. Die Buntheit, die ihr hier Bei meinem Nachbarn schaut, Die trag ich auch bei mir, Doch nicht auf meiner Haut, Vielmehr in meinem Geist. Weit bin ich hergereist, Drei Schiffe haben mich getragen. Muß ich noch meinen Namen sagen? Hier steht Hans Wurst! Zwiefach verwandt Mit Bertrand, der des Papstes Affe. Gesegelt ist er und gerannt, Damit er hier euch Kurzweil schaffe. Er tut's! Man höre, schau und staune: Er ist ein Tänzer, ist ein Hexer, Springt Seil und Reifen, bläst Posaune – Und alles dies für einen Sechser. Was sag ich? Schon für einen Sou! Und wenn euch seine Kunst mißfällt, So geht und schaut nicht länger zu, Ihr kriegt zurück das Eintrittsgeld.« Der Affe redete gescheit. Es gilt die Mannigfaltigkeit Des Geistes mehr als die am Kleid: Ein buntes Fell Ermüdet schnell, Ein bunter Geist dagegen Weiß immer anzuregen. Es gibt, dem Leoparden gleich, So manchen Herrn, der, stolz und reich, Als einziges Talent Sein Kleid nur hat und kennt.