Laurentius von Schnüffis Mirantisches Flötlein Auslegung des ersten Kupffers 1. Die Stadt dort in dem Brand Zeigt an den ersten Stand Der Buß/ wo man/ berennt Von Trübsal/ wird gebrennt. 2. Die Magd/ so nach dem Port Mit Christo säglet fort/ Und nach dem Land begehrt/ Den Hoffnungs-Stand erklärt. 3. Die Stadt/ so an dem Meer Von allem Unglück ferr/ Zeigt an das Freuden-Land Der Buß im dritten Stand. 4. Der Hirt/ so auff der Erd Auffpfeifft der Wullen-Herd/ Und nennt sich Mirant/ Den Schreiber macht bekandt. Zuschrift Dem Hochwürdigsten des Heil. Röm. Reichs Fürsten/Herrn/ Herrn Emmerich/ Bischoffenzu Wienn/ u. der Röm. Käyserl. Majestät Würcklich-Geheimen Raht/etc. Meinem Gnädigsten Fürsten und Herrn. Hochwürdigster Fürst/ Gnädigster Herr! Es schreibt der H. Gregor. Nazianzen. Or. 2. in Jul. & ibid. Nizet. Setr. in scholiis aus dem Ovidio 6 fast. daß Minerva, die Göttin der Weißheit/ und Erfinderin deren Flöten wegen unvergleichlich-schöner Leibs-Gestalt manche Augen in Verwunderung setzend'/ unter ihren fürnehmsten Gemühts-Erquickungen ein Flötlein gehabt, mit welchem/ weilen sie dasselbige sehr lieblich und künstlich zu spielen wußte/ viel Zeit zugebracht. Als sie aber einst bey einem klaren Brunnen niedergesessen/ von dem Geschwätz des so anmühtig-fliessenden Crystalls gereitzt/ das Flötlein hervorgezogen/ und in den Brunnen fürwitzig hinein schauend zu spielen angefangen/mithin aber wider alles Verhoffen mit höchster Bestürtz- und Verwunderung sehen müssen/ wie daß ihre zuvor so holdselige Gestalt in eine verdrießliche Heßlichkeit verendert/ habe sie/ sehr übel zufrieden/das Flötlein/ welchem sie wegen vielfältigen Spielens die Haupt-Ursach zugemessen/ auff die Erdenge worffen/ und mit Füssen trettend/ auff ewig beurlaubet. Das Widerspiel/ Hochwürdigster Fürst/ Gnädigster Herr/ hat sich mit meiner Clorinda zugetragen/ massen sie zuvor sehr heßlich/ und ungestaltet/ durch embsiges Spielen aber eines Flötleins dermassen schön/ wohlgestaltet/ und holdselig worden/ daß sie auch so gar die Himmlische Augen in Verwunderung gezogen/ und zwar also/ daß wegen ihres lieblichen Spielens/ und daraus folgender schönen Gestalt der Himmlische Bräutigamm selbst in sie verliebt/ gesprochen: Deine Stimm ist süß/ und deine Gestalt ist schön/ Cant. 2 v. 14. Dahero sie dann das Flötlein/durch welches sie so hoch beglücket worden/ billich biß an ihr Lebens-Ende in höchstem Werth gehalten. Durch meine Clorinda/ Hochwürdigster Fürst/ verstehe ich die von dem Sünden-Unraht/ vermittelst der wahren Christlichen Buß/ zu GOTT sich bekehrende Seel: durch das Flötlein aber die Buß selbst; massen dieselbige einen so lieblichen Thon von sich gibt/ daß auch der gantze Himmel sich darab erfreuet/ wie solches Christus der Himmlische Hirt selber/ Luc. am 15. vers. 7. weitläuffig/ und unter andern also bezeuget: Ich sage euch/ also wird auch Freud im Himmel seyn über einen Sünder/ der Buß thut/ vor neun und neuntzig Gerechten/ welche der Buß nicht bedörffen. Daß aber Ihro Hoch-Fürstl. Gn. ich dieses Buß- Flötlein underthänigst zuzueignen mich vefreche/ hat mich nicht allein meine demühtigste Zuversicht/ sondern/ und bevoraus die erheischende Billichkeit darzu genöhtiget; in Bedenckung/ daß einem so höchst-eyferigen Seelen-Hirten/ welcher nicht nur durch den Hertz-durchdringenden Klang seiner kräfftigsten Worten/ sondern/ und hauptsächlich durch die in dem Seraphischen Buß-Stand erbauliche Werck/ sich dieses Buß-Flötlein stäts/ und eyferigst gebraucht/eigenthummlich zustehe. Gelebe derohalben der underthänigsten Zuversicht/ ich werde auff dem geraden Fuß-Weg meines auffrichtigen Beginnens gar nicht irr gegangen seyn/ indem ich meinem von sich selbst Thon-losen Flötlein einen so geistreichen Anstimmer/und meiner nach der Vollkommenheit trachtenden Clorinda einen so fürtrefflichen Lehr-Meister werde auserkiesen haben; welcher Zweiffels- ohne dieses auff der Erden der Demuht ligende Flötlein nicht mit Minerva zertretten/ sondern viel mehr sammt der in der Sünden-Wildnüß irr-gegangenen Schäfferin/ oder (besser zu sagen) Schäfflein/ nach dem Beyspiel des Guten Hirtens/ von der Erden ihrer Nichtigkeit auff die liebreiche Schultern dero Hoch-Fürstlichen Gnaden gnädigst auff- und annemmen wird; Welches dann meiner angewendten Mühe/ und Arbeit/ nächst Göttlicher Ehr/ und Seelen-Heyl/ eine zwar unverdiente/ jedoch höchstbegnügende Belohnung und Krönung meiner Zuversicht seyn wird. Ihro Hoch-Fürstl. Gn. Demühtigst-Underthänigster in Christo Diener F. Laurentius, Capuc. indign. Approbatio 1. Ex mandato Superiorum sacram Poësin, à M.V.P. Laurentio ex Schnüffis decantatam, pervolvi, & probè perspexi, quòd in ea cum magno Isaia currens non habeat offendiculum, sed gregem Christianum per vias asperas vitæ Purgativæ, cum Salomone ad vias Pulchras illuminativæ, & semitas pacificas unitivæ deducat melo tam dulcisono, ut meritò in omnium animis intonetur, & publico prælo demandetur, ita censeo. Constantiæ 8 Augusti 1681. F. Aloysius, Veldkirch. Guardianus, Difinitor & Custos. Approbatio 2. Ex mandato Superiorum sacrum Pastorale A.V.P. Laurentii ex Schnüffis Concionatoris perlustravi, vidique cuncta in eo prospera, atque proficua omni statui, ac hominum conditioni dum, quod infirmum est, consolidat; quod ægrotum, sanat; quod confractum, alligat; quod abjectum, reducit; quodque perierat, quærit. Nec dubium, quin & propriæ, & alienæ oves vocem ejus audituræ sint, cùm non solùm caulas, sed & principum aulas liberè ingrediens pastorali muneri suo solicitè satagat, cumque nihil contra fidem Orthodoxam contineat, sed potiùs ejusdem sanitatem integerrimam spiret, dignum censeo, ut pro DEI gloria, & animarum salute prælo publicetur. Lauffenbergæ 7 Augusti 1682. F. Pancratius, Engensis Guardianus, & Custos ibidem indignus. Approbatio 3. De mente Superiorum legi attentè isthæc vernacula Poemata M.V.P. Laurentii ex Schnüffis Concionatoris, Capucini, quem benè & utiliter tempus flendi per orationem, & tempus canendi per sacram hanc Poësin distinxisse comperi; cùm ex hoc ejus florifero Parnasso non nisi odorem vitæ in vitam emanare senserim. Alii verbo clamant coæqualibus suis, & peccatores ad pœnitentiam invitant; iste secundùm Evangelistæ dictum etiam tibiis cantat, ut aberrantes in lege Domini saltare doceat. Quandoquidem ergò, quod Elisæo quondam Psalte coram canente, hoc etiam lectoribus, vel auditoribus hujus sacræ Psalmodiæ proventurum esse non ambigam, ut nempe Spiritum Domini inde supra se venientem persensuri sint. Ideò, ut sonus hujus libri in omnem terram per publicum prælum exeat, dignissimum censeo. Dabam Wangæ 2. Augusti 1681. F. Lucianus, Guardianus ibid. Approbatio 4. Nos Fr. Bernardus à Portu-Mauritio Ordinis Fratrum Min. Capucinorum Minister Generalis L.I. Salutem. Opus, cui titulus Tibia Mirantis sacra de Christo, & anima pœnitente à F. Laurentio de Schnüffis compositum, à tribus Theologis, quibus id commisimus, relectum, & approbatum, ut typis mandari possit, servatis servandis, tenore præsentium facultatem concedimus. In quorum fidem has literas manu nostra signatas, ac sigillo Officii nostri munitas dedimus in loco nostro Valentiæ in Hispania die 28. Novembr. 1682. F. Bernardus, Minister Generalis. Privilegium Cæsareum, Cum Facultate R.P. Provincialis Anterioris Austriæ Ego infra scriptus Fratrum Min. Capucinorum Provinciæ Anterioris Austriæ nuncupatæ Minister Provincialis, juxta privilegium Officio meo concessum (quo nempe Typographis & Bibliopolis omnibus prohibetur, ac libros à nostris Patribus compositos absque ejusdem Ordinis Superiorum permissione imprimant ac distrahant) concedo ac permitto Dnno Joanni Jacobo Mantelin, civi ac mercatori Lauffenburgi, ut P.F. Laurentii ex Schnüffis ejusdem Brovinciæ nostræ Concionatoris Opusculum Mirantisches Flötlein intitulatum, & authoritate M.R.P. Generalis nostri Bernardi à Portu-Mauritio legitimè censuratum, & approbatum typo mandet, ac jus usurpandi Cæsarei Privilegii. An. 1674. die 7. Maji Laxenburg. Ordini nostro concessi habeat, ac illo gaudeat, catenus quidem, ut præfato Dnno Mantelin invito nemo Opusculum hoc sive ex toto sive ex parte recudere, & intra fines S.R. Imperii, aut in hæreditarias Cæsareæ Majestatis Provincias importare, aut venum exponere præsumat, prout hæc omnia latiùs in ipso Originali exponuntur. In cujus fidem has literas manu mea subscriptas, & consueto Officii mei sigillo munitas dedi Wangæ in Algoia 27. Februarii 1682. F. Marcus Jacobus, Cellensis, Ord. FF. Min. Capucinorum Provinciæ Ant. Austriæ p.t. Minister Provinc. licèt indignus. Privilegium hoc & jus usurpandi Privilegii Cæsarei contractu emtionis à laudato Dnno Joh. Jac. Mantelin cum Eman. & J.G. König Bibliopolis Munat 1. Febr. 1691. inito, ad nos hæreditario jure pervenir. Vorrede an den Gönstigen Leser Wann David/ ein Mann nach dem Hertzen Gottes/und arosser Eyferer der Göttlichen Ehr/ sich nicht nur nicht gescheuht die Geheimnussen der himmlischen Offenbahrungen Gesangs-weise zu verfassen/ sondern ungezweiffelt darfür gehalten/ daß solche Art GOTT die angenehmste/ und ihme selbst die rühmlichste seyn werde/ wie er dann/ Psal. 56. v. 9. mit grosser Frolockung auffgeschryen/ Exurge gloria mea, exurge psalterium, & cithara; Auff/ auff meine Ehr/ auff/auff/ mein Psalter/ und Harff: Wann der. H. Paulus an die Epheser cap. 5. v. 19. auff solche Art GOTT zu loben den ersten Christen anbefohlen: Wann der H. Pabst Damasus, der H. Gregorius Naz. der H. Bischoff Paulinus von Nola: Aurelius, Prudentius, Alcuinus, Avitus Viennensis, Juvencus Presbyter, Cœlius Sedulius, Scotus, Arator Cardinalis, Drepanus Florus, der H. Fortunatus Pictaviensis, und viel andere mehr/ etc. schöne Sachen in Versen/ und Music verfertiget/ welche von der H. Catholischen Kirchen zum Lob Gottes theils noch heutiges Tags gebraucht/und theils sonsten hoch gehalten worden: Wann Christus/ unsers Lebens Richtschnur/ selber zu dem Leyden gehend/ Matth. 26. v. 30. sich des Lobgesangs gebrauchet/ und der himmlische Bräutigamm GOTT der heilige Geist seine Braut/ die Menschliche Seel/durch die hohe Lieder zur Buß/ und Gegen-Lieb locken wollen/ als ziehe ich ungescheuht mein klingendes Flötlein aus meinem Aermel heraus/ (nach dem Beyspiel meines H. Seraphischen Vatters Francisci/welcher durch das Sonnen-Lied/ so er selbst gemacht/die Feindschafft zwischen dem Bischoff und Statthaltern zu Assis auffgehoben und ewige Freundschafft verursachet/ Chron. FF. Min. p. 1. l. 1. c. 93. ) und gelebe der sichersten Zuversicht/ diese meine Schreibens-Art werde auch mir nicht zu Argem ausgedeutet werden. Es möchte mich aber einer fragen/ warumb ich dann die Lauten in meinem Miranten beurlaubet/ziehe hergegen mit einem Flötlein auff? dem gebe ich demühtig zur Antwort/ daß ich die Lauten der Eitelkeit zwar/ wie billich/ verworffen/ nicht aber auch darmit das Gott- preisende Buß-Flötlein/ welches ein jeder Seelen-Hirt unverlierlich bey sich haben solte/auf daß er nicht nur seine Herd in der Nähe vermittelst seiner Zungen/ und aufferbaulichen Wandels/wäide/ sondern auch durch den Klang seines Feder-Flötleins die in die Weite herumb irrende Schäfflein vor dem Anfall deren höllischen Wölffen befreyen möchte/ auff welches dann auch mein meistes Absehen gehet/ nach dem Vorspiel des himmlischen Hirtens Christi/ welcher neun und neuntzig wäidende/umb ein irrgehendes auffzusuchen/ verlassen/ Matth. 18. v. 12. und 13. In Bedenckung/ daß solche/ wann sie lange Zeit von der Herd flüchtig/ gantz erwildet die Stimm der Predigern entweders gar nicht anhören/oder nur auslachen/ von der fetten Wäid der Geistlichen Büchern einen Eckel tragen/ viel minder die heimliche Ermahnungen annemmen/ also/ daß ihres Bekehrens wenig Hoffnung zu schöpffen. Dahero ich mir fürgenommen/ vermittelst eines heiligen Betrugs/durch dieses zwar fürwitzig-klingendes/ doch durchaus geistliche Flötlein gegen solche einen Versuch zu thun/ in Hoffnung/ es möchte etwan das Gedicht von Orpheus/ welcher durch sein Spiel die wilde Thier zahm gemacht/ an etwelchen wild-verstockten Sündern in Mitstimmung der Gnaden Gottes ein Geschicht werden/ wie ich dann solches ihnen von Gott hertzlich anwünsche/ und verlange. Dieses Flötlein bestehet in 30. Elegien, eine jede Elegia in 20. Gesätzlein/ nicht zwar eigentlich zu singen/ weilen sie zu lang seynd/ den Liebhabern der Music aber zu Gefallen habe ich einer jeden Elegia ihr eigene Melodey/ und auff die Sach dienendes Sinnbild in Kupffer beysetzen wollen/ beyneben den Geliebten Leser erinnerende/ daß durch meine CLORINDA keine gewisse/ und absönderliche Person/sondern eine jede sich zu Gott rechtbekehrende Seel/durch den DAPHNIS aber Christus verstanden werde. Daß ich aber ihne Daphnis nenne/ ist die Ursach/theils auff daß sein heiligster Namme nicht etwan von den Unandächtigen in Aussprechung desselbigen entehret werde/ theils weilen der fürnehmste/ wider die wilde Thier sieghafftigste Hirt von den Poeten Daphnis genennt worden/ welcher Namm dann keinem besser als CHRISTO gebührt/ indem Er/ sich selbsten einen guten Hirten nennend/ sein Leben für seine Schäfflein dargegeben/ den Teuffel/ die Sünd/ und die Welt herentgegen überwunden. Ich habe underweilen zu End der Blätteren etwelche Verzeichnussen gesetzt/ auff daß die jenige/ welche der Poeterey unerfahren/ den Sinn desto eigentlicher verstehen mögen/ und wo ich das Wörtlein Poët. setzen lassen/ ist zu wissen/ daß/ was darvon verzeichnet/ und in den Versen fürgebracht worden/ nur ein Gedicht/ und Fabel seye. Und weilen es unmöglich ist/ ein gantzes Buch in Versen zu schreiben/ und sich keiner Poetischen Freyhetten zu gebrauchen/ als hab ich mich underweilen selbiger auch/ aber so bescheiden/ bedienet/ daß sie keine Unlieblichkeit verursachen werden. Der Verlegere Zusatz Biß hieher der AUTHOR: Aus welchem der Sönstige Leser die Intentio und eigentlichen Zweck dieses sehr nutzlichen Werckleins (welches nach dem Urtheil vieler Verständigen wenig seines gleichen hat/) zur Genüge ersehen kan. Wir haben aber/ auff Einrahten einiger Music-Liebhabern/ für nutzlich und wohlgethan zu seyn erachtet/ die Melodien/ so zu einer Stimm gesetzt/ und hiemit nur von einer Person bisiher haben können musicirt oder gesungen werden/ durch einen Berühmten Musicum zu drey Stimmen neben ihren dienlichen Rittornello und Basso Continuo componiren zu lassen/ damit/ dey Zusammenkunfft underschiedlicher Musicorum, ein jeder sich zu exerciren Gelegenheit hätte: Wo aber die Anzahl gering/ können die Rittornello ausgelassen/ und die Lieder auch nur zu zwey Stimmen oder gar solo gesungen werden: Uber diß ist diesem Wercklein ein Anhang Neuer Geistlicher Liedern von einer Stimm sammt dem Basso Continuo für eine Person allein zu singen und zu spielen nebst einem dienlichen Register angehänget worden. Wir wünschen indessen/ daß diese unsere wohlgemeynte Arbeit von allen rechtschaffenen Musicis und Liebhabern der Sing- und Spiel-Kunst wohl auffgenommen/ und dieses Geistlichen Büchleins Zweck bey einem jeden Christen möge erreichet werden; Darzu der Himmlische Daphnis seinen Seegen verleihen wolle. Des Miranten an sein in die Fremmde Räiß-fertiges Flötlein Ermahnungs-Lehre 1. Seh' hin nach fremmdem Land/ Hell-klingendes Buß-Flötlein/ Sey mir ein treues Böttlein/ An jeden Sünder-Stand; Geh' hin mit meinem Gunst Zur Welt/ die Sünden voll/ Und lehre sie die Kunst/ Wie man Buß würcken soll. 2. Dein hallendes Gethön Laß aller Orten hören/ Und dich gar nicht verstören Das Momische 1 Gehön: Nach grossen Höfen lauff Zu der beglückten Schaar/ Spiel' ihnen kläglich auff Ihr grosse Heyls-Gefahr. 3. Trag' ihnen lieblich vor Das Beyspiel der Clorinden/ Wie sie aus schwären Sünden Geschwungen sich empor: Sag ihnen/ daß die Freud Der Welt sey Rosen-Art/ An wessen Dorn-Gestäud Man sich verletze hart. 4. Biß in die Seel hinein Durchdringe ihre Ohren/ Auff daß sie nicht verlohren Hingehn zur Höllen Pein; Sag' ihnen/ daß die Buß Ihr einigs Mittel sey/ Sich von dem Sünden-Ruß Und Kaht zu machen frey. 5. Zum Dantz/ und Freuden-Spiel Laß dich bey Leib nicht dingen/ Weil in dem eitlen Springen Offt wird gesündigt viel: Wie manches reines Hertz Hat gähling bey dem Dantz (Wol sicher anderwerts) Verlohren seinen Glantz. 6. Das sey absönderlich/ Und erstlich dir gebotten/ Wann deiner man wird spotten/ Daß du nicht rächest dich: Geselle dich auch nicht Zu der Poeten-Schaar/ Auff daß dir kein Gedicht Von ihnen wiederfahr'. 7. Du weißst wohl/ daß du nur Ein schlechtes Hirten-Flötlein/ (Und gar nicht ein Poetlein) Einfältig von Natur/ Von einem Hirten her/ Wessen Poeterey Nichts/ als ein Schaafs-Geplär/ Und wilde Wald-Schallmey. 8. Laß' dich mit keinem ein Mit in die Wett zu spielen/ Wilst du kein Unglück fühlen/ Und ohne Kummer seyn: Gedenck' an Marsyas, Was er durch solche That Für Ungunst/ Spott und Haß Haut-loß erlitten hat. 9. Und solt' es glücken schon/ Must du doch nicht vergessen/ Als eigen dir zumessen Den nur entlehnten Thon: Du bist von schlechtem Holtz/ Und einem dürren Ast/ Darumb zu werden stoltz Du keine Ursach hast. 10. Du bist ja ein Gemächt/ Eines vast immer Krancken/ Als wessen Geists-Gedancken Gar Sinn-loß/ schwach und schlecht; Bist nur ein Mißgeburt/ Und armes Findel-Kind/ Drumb/ wann man dich anmurrt/ So geh' in dich geschwind. 11. Geh' hin/ doch nicht allein/ GOTT wöll' mit seinem Segen Auff allen Weg- und Stegen Dein treuer Gläitsmann seyn: Geh' hin mit gutem Glück/ Und halte dich sein wohl/ Kehr' aber nicht zurück/ Wie du geschieden/ hohl. 12. Wann du wirst treffen an Noch jemand von Bekandten/ Die gegen dem Miranten Mit Neigung zugethan/ So melde meinen Gruß/ Und bitte sie für mich Zu bätten/ auff daß ich Mög würcken wahre Buß. Fußnoten 1 Tadlerische. Anflehung Himmlischer Hülffe Soll ich nun von der Buß zu schreiben mich befrechen/ Der ich doch solcher Kunst selbst unerfahren bin/ So muß das mir dein Geist/ O weiser GOTT/ einsprechen/ Und die Unwissenheit von mir gantz nemmen hin; Sey mein Apollo dann/ du wahrer Musen- Meister/ Dein Blut/ O Jesu/ sey mein süsser Hippocren, Da will ich meine Sinn/ und halb-erstorbne Geister/ Wie auch mein dürre Zung frisch anzuseuchten gehn. Maria sey von mir zur Pallas auserkiesen/ Die Mutter klugster Sinn/ und höchster Wissenschafft/ Die vor den Englen wird/ erleucht zu seyn gepriesen/ Die wird von Helicon mir bringen guten Safft. Sion, so dort so schon auff blauer Höh' erbauet/ Sey meine Lorbeer-Hütt/ und Christlicher Parnass, Von dort hoff ich zu seyn/ wie Danaë, bethauet/ Von dorten ich den Thau dern göldnen Gnaden faß'. Zu Gottes Lob/ und Ehr fang' ich dann an zu dichten/ (Ach/ daß es auch zum Heyl dern grossen Sündern sey!) Will nach des Himmels Port hertzhafft die Sägel richten/ So stoß ich dann von Land/ Glücks-Winde steht mir bey. Der Clorinden erster Theil In welchem vorgestellt wird der Streit-Stand einer von der Welt zu Gott kehrenden Seelen/ nach dem Spruch/ Eccles. 2. v. 1. Mein Kind/ wilt du in Gottes Dienst tretten/ so stehe in Gerechtigkeit/ und schicke dich zu der Anfechtung. 1. Die in Sünden Sorg-loß schlaffende Seel Clorinda wird von dem Himmlischen Daphnis zu der Buß aufferweckt Nunquid, qui dormit, non adjiciet, ut resurgat? Psalm. 40. v. 9. Soll dann/ der da schlafft/ nicht wiederum auffstehen? 1. Auff träge Seel/ auff auff/ Dem Untergang entlauff/ Dein Schlaffen ist sterben/ Dein Ruhen verderben/ Dein Leben ist träumen/ Dein Warten versäumen/ Du hast sehr hohe Zeit/ Auff auff von hinnen weit. 2. Die Schlaff-Sucht ist fürwahr Ein Ubel voll Gefahr/ Verstopffet der Sinnen Vernünfftigs Beginnen/ Entkräfftet die Glieder/ Schlägt Helden darnieder/ Sie macht die Weise tumb/ Und stoßt die Riesen umb. 3. Der Schlaff/ und Tode seind Die allernächste Freund: Viel haben ihr Leben Im Schlaffen auffgeben/ Seind todtes verfahren In blühenden Jahren: Schandlich wurd Isboseth In süssem Schlaff getödt. 1 4. Was hatte Holofern Im Schlaff nicht für Unstern? 2 Er wurde geschoren So/ daß er verlohren Den Sieg/ und darneben Den Kopff/ und das Leben: Der Schlaff hat ihn verkürtzt/ Und in die Höllgestürtzt. 5. Als dorten müd/ und schwach 3 Elias schlieffe: sprach' Der Engel des Herren: Wie lang soll es währen? Was soll das besinnen? Auff/ eilends von hinnen/ Auff auff/ da ist kein Ort Zu schlaffen du must fort. 6. Ein Räißmann/ der nur schlafft/ Sehr wenig Nutzen schafft/ Versaumet sein Glücke/ Bleibt immer zurücke/ Wird gähling benachtet/ Von Mördern geschlachtet: Das Schlaffen endlich war' Der Troja Todtenbar. 7. Das Schiff/ als ich dort schlieff'/ 4 Schon sinckte nach der Tieff'/ Es fiengen die Wällen/ An grausam zu bellen/ Der Oeolus saußte/ 5 Neptunus sehr braußte: 6 So bald ich nur erwacht/ Wurd gleich der Fried gemacht. 8. Morpheûs, 7 der falsche Dieb/ Ein Kuppler geiler Lieb/ Bezaubert mit Schertzen/ Die schlaffende Hertzen/ Macht stattliche Beuten Bey müßigen Leuten: Schickt sie nach langer Ruh' Der Höllen endlich zu. 9. Als Gott dem Adam dort 8 Eingab' den schönen Ort/ Da heißt' Er ihn schaffen/ Nicht ruhen/ und schlaffen. Vor allen Gefahren Den Garten verwahren/ Des Müßigganges Schlaff Bracht' ihn in grosse Straff. 10. Wie lang/ O Seel/ wie lang Wilst in dem Müßiggang/ Im Bette der Sünden Dich schlaffend befinden? Das Leben hinschleichet/ Die Gnaden-Zeit weichet/ Du bist schon allbereit Am Thor der Ewigkeit. 11. Du weißst/ daß dorten ist Kein Ort der Gnaden-Frist: Wer diese verschertzet/ Vergebens behertzet Nachmalen den Schaden/ Kommt nimmer zu Gnaden: Aus diesem vesten Hauß Kan niemand reissen auß. 12. Die Reu/ und guter Raht Seind läider dann zu spaht: Noch Bitten/ noch Weynen/ Noch Klagen/ noch Greynen/ Noch Fluchen/ noch Schwören/ Noch Augen-verkehren Wird aus der Höllen-Schoß Dich können würcken loß. 13. Wie wird nicht in dem Feur Das Schlaffen werden theur/ Wann Wollust in Plagen/ Wann Jauchtzen in Klagen/ Das Schimpffen/ und Schertzen In Trauren/ und Schmertzen Dort wird verkehren sich/ Und währen ewiglich. 14. Dir wird Machiavell, 9 Die aller Boßheits-Quell/ Die Qualen der Höllen Nicht können abstellen/ Sein Freyheit-erdichten/ Und Tugend-vernichten Man in der andern Welt Für gar ungültig hält. 15. Die Höll (nach seiner Lehr Ein' Fabel) brennt nun sehr/ Hat läider erfahren Nach Länge der Jahren/ Wie grausam die Flammen Dort schlagen zusammen: Aus diesem nur Gedicht Ist worden ein Geschicht. 16. Glaub' nicht/ daß dein Unglaub Die Höll der Hitz beraub'. Die Sonne nicht minder/ Ob gleichwol ein Blinder Dieselbe verneinet/ Ohn' Underlaß scheinet: Des Blinden Boßheit macht Das Liecht zu keiner Nacht. 17. Ach bau'/ Clorinda/ nicht Auff blosse Zuversicht! Das Hoffen betrieget/ Die Zuversicht lieget/ Ihr theures Versprechen Pflegt Clotho 10 zu brechen/ Der Tod betrieget offt/ Kommt still und unverhofft. 18. Als König Balthasar In besten Freuden war'/ 11 Und ihne das Glücke Durch göldene Blicke Der Gnaden verbürget/ Da wurd' er erwürget/ Und warm fein an der Stell Geschickt hinab zur Höll. 19. Aman nichts minder/ als Sorgsam für seinen Hals/ Sich frölich erzeigte/ Vor keinem sich neigte/ War' herrlich/ und prächtig/ Glückseelig/ und mächtig: In einem Augenblick 12 Müßt' er fort an den Strick. 20. So mache dich dann auff/ Clorinda renn' und lauff'/ Wirst länger da schlaffen/ So warte der Straffen/ Ich werde dich hassen/ Und ewig verlassen: Schau'/ daß alsdann von mir Nicht schmertzlich traume dir. Fußnoten 1 2. Reg. 4. 2 Iudith. 13. 3 3. Reg. 19. 4 Mar. 4. 5 Gott der Winden. 6 Gott des Meers. 7 Gott des Schlaffs Poët. 8 Gen. 2. ut operaretur & custodiret illum. v. 5. 9 Ein Atheist. 10 Die Todt-Göttin. 11 Dan. 5. 12 Esth. 7. 2. Clorinda erwachet aus dem schädlichen Sünden-Schlaff/ und befindet sich sehr übel getröst Ego dormivi, & soporatus sum, & exsurrexi. Psal. 3. v. 6. Ich bin entschlaffen/ und hab einen sehr tieffen Schlaff gethan/ und bin aufgestanden. 1. O Gott! wo bin ich doch? Auff was für einer Erden? O weh mir! leb ich noch? Ach! ach! wie will mir werden! Ich bin gantz müd/ und schwach/ Erfüllt mit Ungemach/ Und schmertzlichen Beschwerden. 2. Ey laß! was thue ich hier/ Wie lang hab ich geschlaffen? Was gibt nicht Morpheûs 1 mir Ohn' Underlaß zu schaffen? Es hätte können mich Das böse Jäger-Vieh/ 2 Wie den Actæon straffen. 3. O was ein wilder Ort/ Den ich nicht kan erkennen! Man solt' ihn wohl den Port Der bösen Hoffnung nennen. 3 Ach hätt' ich Hirschen-Läuff/ Und Flügel/ wie ein Greiff/ Von hinnen schnell zu rennen. 4. Wo ist das schöne Feld/ Da ich zuvor gelegen? Und wo das Lust-Gewäld/ Bethaut mit göldnem Regen? Wo ist der Freuden-Gart Erfüllt mit mancher Art Der Lustbarkeit zu pflegen? 5. Wie hat nicht alles sich So unverhofft verkehret? Noch kurtz zuvor hab ich Die Zeit in Freud verzehret/ Nun lig' ich von dem Leyd Auff einer wilden Heyd An gantzem Leib versehret! 6. Ach könnt' ich nun mit Ruhm Auch/ wie Adonis, 4 sterben/ Verkehrt in eine Blum Ein ehrlichs End erwerben! So dörfft ich jetzund nicht Mein rothes Angesicht So wunderlich entfärben. 7. Weh' mir daß ich gehorcht Dem Morpheûs so vermessen/ Und also ohne Forcht Der edlen Zeit vergessen! Nun will der Reuer mir Das Hertz abnagen schier/ Der Kummer will mich fressen! 8. Dann/ wie ich läider seh'/ So geht die Sonn zu Gnaden/ Stürtzt ihre Pferd schon gäh/ Im Hesper -Meer zu baden: 5 Es will nun werden kühl/ Und ich Bethörte fühl' Erst meines Schlaffens Schaden. 9. Zu dem/ so find ich/ daß Mich jedermann verlassen/ Bin forchtsam/ wie ein Haß/ Auff den die Hunde passen: Kan auch/ weil in die Fehr Kein Trost zu spühren mehr/ Kein Hertz zur Hoffnung fassen! 10. Daphnis zwar könnte mich Noch aus dem Würbel schwingen/ Wie wird Er aber sich Zu solchem können zwingen? Weil ich ihn nur verlacht/ Sein' edle Lieb veracht/ Wie kan Er mir beyspringen? 11. Als Syrinx 6 dort verschmächt Des Pans verliebtes Wincken/ Und in dem Lauff vergächt Gefangen an zu sincken/ Ließ Pan 7 die stoltze Nymph/ Zu rächen seinen Schimpff/ Ohn' alle Hülff ertrincken. 12. Ich (Edler Daphnis ) auch Hab deine Lieb verachtet/ Und nach verkehrtem Brauch Nach fremmder Lieb getrachtet/ Da unterdessen du In feuriger Unruh' Nach mir schier gar verschmachtet. 13. Ich stoltze Vasthi hab' 8 Den Assuër entehret/ Mich frech geworffen ab/ Und gegen ihm gespehret. Nun kocht sein Liebes-Hitz. Nemesische 9 Feur-Plitz'/ Lieb wird in Rach verkehret. 14. Wo soll ich dann nun hin Mich arme Tröpffin wenden/ Die ich verlassen bin An allen Ort- und Enden? Wer ist wohl/ der mir mag/ Auff daß ich nicht verzag'/ Genuge Hoffnung senden. 15. So gar/ Andromede, 10 Mehr Hoffnung hat gefunden/ Als sie dort in der See Am Felsen hieng' gebunden/ Perseûs hat sie getröst!/ Von ihrem Läid erlöst/ Das Meer-Thier überwunden. 16. Ich aber werde nu Durch alle Wüsteneyen Widhopffisch pu pu pu Mit Tereûs 11 müssen schreyen/ Wer wird nachmalen mich ( Daphnis entfehret sich) Des Untergangs befreyen? 17. Das Urtheil ist gefällt/ Daphnis hat es gesprochen/ Weil ich das Böß erwöhlt/ Und meine Treu gebrochen/ Wird er mir diese Schmach So bald nicht sehen nach/ Und lassen ungerochen. 18. Wo ist nun jetzt die Welt/ Der ich so sehr bewogen/ Die mich umb Gut/ und Gelt/ Umb Leib/und Seel betrogen? Sie hat eydbrüchig mich Gelassen in dem Stich/ Treu-loß darvon gezogen. 19. Weil sie mich dann verlaßt/ Soll ich sie nicht verfluchen? Weil mich der Himmel haßt/ Wo soll ich Rettung suchen? Habt doch Mitleyden/ ihr Vernunfft-beraubte Thier/ Und Schatten-reiche Buchen. 20. Echo 12 in einen Stein Die du vor Läid verkehret/ Hör' an doch meine Pein/ Die schier mein Hertz verzehret/ Ich will durch Berg/ und Thal Ausruffen meine Quaal/ Biß alle Welt mich höret. Fußnoten 1 Der Schlaff-Gott. Poët. 2 Wilde Thier. 3 Promontorium malæ spei. 4 Adonis ein schöner Jüngling von einem wilden Schwein verletzt/ ist in eine schöne rothe Blum verwandelt worden. Poët. 5 Das Meer gegen dem Untergang der Sonnen. 6 Eine Nymph. Poët. 7 Ein Wald-Gott. Poët. 8 Esth. I. 9 Rachgierige. 10 Eine Nymph. 11 Ein Fürst in einen Widhopff verwandelt. Poët. 12 Des Narcissen Liebhaberin. 3. Clorinda erkennet ihre Boßheit/ und wird mit grosser Forcht überfallen Timor, & tremor venerunt super me, Psal. 54. v. 6. Forcht/ und Zittern ist über mich kommen. 1. Will dann der Jüngste Tag Noch vor der Zeit einbrechen/ Sich Daphnis an mir rächen Ohn' einigen Vertrag? Will dann das Sternen-Hauß Mit aller Macht einfallen/ Das Meer mit seinem Wallen Zornmühtig brechen auß? 2. Der Himmel ist gantz schwartz Mit Hagel-Sturm bewittert/ Würfft/ über mich erbittert/ Aus Schwebl'/ Feur/ und Hartz: Kocht in ergrimmter Hitz/ Stracks meinen Kopff/ und Rucken Tyrannisch zu zerstucken/ Gantz neue Pfeil/ und Blitz. 3. Ich höre schon das Horn Der höllischen Megæren, 1 Sie will an mir auslähren Rachgierig ihren Zorn: Dort kommt ein gantzes Heer Der höllischen Geschwadern/ Das Blut aus meinen Adern Tringt mir zu Hertzen sehr! 4. Schau'/ wie mit tieffem Schlund/ Und auffgesperrtem Rachen/ Den Garaus mir zu machen/ Dort steht der Höllen-Hund: Licaon 2 das Unthier Sammt Löwen/ Lür/ und Bären/ Mit grossem Wuht begehren Sattsame Rach von mir. 5. Wo ich mich nur hinkehr'/ Steht mir der Tod vor Augen/ Will mir die Seel aussaugen/ Da hilfft kein Bitten mehr/ Wär' nur ein Feind allein/ Dörfft' ich noch Gnad begehren/ Weil aber tausend deren/ Kan nichts zu hoffen seyn! 6. Kein solches Elend war' Alldort zu Noë Zeiten/ Wo von so vielen Leuten Verblieben kaum vier Paar/ Dort stritt' allein/ und bloß Der bleich-erzörnte Himmel/ Hier geht ein gantz Gewimmel Der Feinden auff mich loß. 7. Gott selbst ist wider mich Erzörnt zu Feld gezogen/ Die Sähn an seinem Bogen Zieht er schon hindersich/ Den Zorn-geflammten Pfeil Beginnt er auffzutragen/ Mir durch das Hertz zu jagen/ Laßt mir zur Flucht nicht Weil. 8. Und könnt' ich fliehen schon/ So wurd mich dannoch spissen Mein eigen böß Gewissen Zum wohl-verdienten Lohn/ Mein ärgster Feind bin ich/ Solt' mich auch niemand straffen/ Wolt' ich doch selbst die Waffen Ergreiffen wider mich! 9. O ich betrübte Magd! Kan auch auff gantzer Erden Ein Mensch gefunden werden/ Der also sey geplagt? Ich möcht' in Läid vergehn/ Und doch kan ich zu sterben/ Die Gnad auch nicht erwerben/ Muß da zum Unglück stehn! 10. Ach daß mein armer Leib (Vom Sodoms-Feur bethöret) Auch wurd in Saltz verkehret/ Wie dorten Loths Eheweib! 3 So wurd ich auch mit ihr Kein Elend mehr empfinden/ Der Sturm der Unglücks-Winden/ Auch nicht mehr schaden mir. 11. Ey laß! daß Perseûs 4 doch So unvertreulich handlet/ Mich nicht in Stein verwandlet/ Die ich es wünsch' so hoch! Könnt' ich Aglauros seyn/ 5 So wolt' ich ihr mein Leben Mit höchster Freud hingeben/ Ich aber werden Stein. 12. Man sagt/ das Sonnen-Bild/ Ein Wunder der Metallen/ Zu Rhodis sey gefallen/ Und lig' jetzt wüst und wild: Könnt ich/ O Bild/ für dich In deine Stell zu tretten Es von dem Glück erbetten/ So wär glückselig ich! 13. Was wünsch ich aber lang! Wunsch ist ein armer Jäger/ Ein unglückhaffter Häger/ Hägt stäts/ doch ohne Fang: Des Fortunatus Hut/ 6 Und Glücks- Horn ist verlohren/ Midas 7 mit langen Ohren Verflucht den Wunsches Wuht. 14. Niemand/ auch in die Weit Ist/ der mein Klagen höre/ Vergebens ich verzehre Die heil-versaumte Zeit: Daphnis hat/ wie Ulyss, Die Ohren dick verstopffet/ Sein Hertz von Myrrhen 8 tropffet/ Der Tod ist mir gewiß. 15. Kein Reh ist so verzagt/ Wann es von vielen Hunden Schon schier gar überwunden Sich in die Weite wagt/ Wann es unfehr zuruck Die Büren höret knallen/ Und siht vor ihme fallen Bald da/ bald dort ein Stuck. 16. Die Tochter Jephte war'/ 9 Als man sie wolte schlachten/ Glückselig noch zu achten In ihrer Tods-Gefahr: Ihr wurde noch vergönnt/ Daß sie in Berg- und Heinen Ihr Jungfrauschafft beweinen/ Drauff rühmlich sterben könnt'. 17. Ich aber/ läider! kan Dergleichen nichts erwerben/ Muß ohn' Erbärmnuß sterben/ Es ist mit mir gethan/ Die Unschuld kan auch ich Zum Auffschub nicht einwenden/ Dann sie aus meinen Lenden Schon längst verlohren sich. 18. Zu dem ist Jephtias 10 Für Gottes Ehr gestorben/ Hat grosses Lob erworben/ Viel Augen wurden naß: Mich/ Laster aber/ ach! Kein Weiser wird beklagen/ Mit Spöttlen wird man sagen/ Es brennt das rechte Dach. 19. Ich mein selbst Abentheur/ Ein Spiegel aller Thoren/ Hab Daphnis Gnad verlohren/ Verdient das Höllen-Feur! Ach komm' Amelecith' Von Gelboës Gebürgen/ Wie Saul mich zu erwürgen/ Ich will gern sterben mit. 20. Die Waffen förcht ich nicht/ Eh' lieber/ als so leben/ Wolt ich den Geist auffgeben/ Wär' es darmit geschlicht: Die grosse Sünden-Zahl Und Daphnis Unmuht machen/ Daß mir die Seel zu krachen Beginnt vor grosser Qual. Fußnoten 1 Höllen-Gespenst. Poët. 2 Wurd in einen Wolff verwandelt. 3 Gen. 19. v. 27. steht noch unversehrt/ doch unempfindlich. 4 Ein tapfferer Held/ welcher mit Medusa Haupt die Menschen in Stein verwandlete. Poët. 5 Aglauros wurd in einen Stein verwandlet. Ovid. 2. Met. Poët. 6 Des Fortunatus Wünschhütlein. 7 Ein König/ welcher alles/ was er angerührt/ zu Gold gemacht. Poët. 8 Ist erbittert. 9 Iud. II. V. 38. 10 Die Tochter Iephte. 4. Clorinda trachtet in ihrer Aengstigkeit dem Zorn Gottes zu entfliehen/ befindet aber/ daß Gott allenthalben gegenwärtig Quò ibo à Spiritu tuo? & quò à facie tua fugiam. Psal. 138. v. 7. Wo soll ich hingehen vor deinem Geist/ und wohin soll ich vor deinem Angesicht fliehen? 1. O ihr verborgne Ritzen In hoher Felsen Spitzen/ Ihr auffgespaltne Stein/ Seyt mir in meinem Jammer Doch eine Zufluchts-Kammer/ Ach laßt mich bey euch ein! 2. Ach aber bey den Steinen Darff ich gar nicht erscheinen Ohn grossen Zanck/ und Streit/ Weil ich den Lebens-Felsen/ 1 Den niemand kan umbwälsen/ Von mir gestossen weit. 3. Ihr aber hole Krufften/ Ihr unbewohnte Klufften In zugeschloßner Erd'/ Laßt mich in euer Tieffen Verborgenheit verschlieffen/ Daß ich unsichtbar werd'. 4. Ach aber keine Gräber Seind frey von dem Urheber/ Der alles hat gemacht. 2 Nichts kan in tieffer Erden Vor ihm unsichtbar werden/ Er weißt von keiner Nacht. 3 5. Möcht ich dann mit den Knaben Von Hamel mich vergraben/ Und ewig sperren ein: So wolt' ich eingeschlossen Gar gern/ und unverdrossen Des Tods Gefangner seyn. 6. Doch nein/ dann auch was Dunckel 4 Scheint ihm/ gleich wie Carfunckel/ Die Nacht gläntzt/ wie der Tag/ Die Schatten ihme scheinen/ 5 Wie Gold/ in finstern heinen Sich niemand bergen mag. 7. Wann auch schon die Berg-Knappen Die Aertz-vernarrte Lappen Meil-tieff verstoßten mich/ So wurd' ich doch alldorten/ Gleich wie an allen Orten/ O Gott/ antreffen dich. 8. Als Adam in den Hecken 6 Sich forchtsam wolt verstecken/ Wurd' er gefangen bald: Gott siht scharff ohne Brüllen/ Niemand kan sich verhüllen/ Auch nicht im dicksten Wald. 9. Cain nicht könnte fliehen/ 7 Obschon sich wolt' entziehen Der blutige Bößwicht: Gott wurd' es eilends innen/ Er konnte nicht entrinnen Vor seinem Angesicht. 10. Jonas nach Tharsis flüchtig 8 Hielt' alles schon für richtig Holländisch durchzugehn. Könnt' aber nicht entweichen/ Den Segel müßt er streichen/ Und Gott gehorsam stehn. 11. Kein Ort ist also finster/ Und zu der Flucht gewünschter/ Als das Cimmerjer -Land/ Allwo die Sonn entfehret/ Die Nacht sechs Monat wehret In unverwendtem Stand. 12. Du aber Ursprungs-Bronnen 9 Der Morgen-Röht/ und Sonnen/ Du beyde hast gemacht: Vor dir ist nichts verborgen/ Dein ist der Tag/ und Morgen/ Der Abend und die Nacht. 13. Man sagt viel von dem weiten/ Grund-losen aller Seiten/ Mæoti schen Morast/ Daß niemand dorten wohne/ Als etwann (Zweiffels ohne) Ein Welt-verwies'ner Gast. 14. Dort mitten in den Rohren Wolt' Ich/ ich wär' verlohren/ Und nicht zu finden mehr/ Dort' wolt' ich mich betragen/ Mein Elend heimlich klagen Dem wanckenden Geröhr. 15. Ach! aber aller Enden Bin ich in Gottes Händen/ Wo niemand ist/ ist Er: Sein Liecht unumbekräntzet 10 Den Himmel übergräntzet/ Kein Ort ist seiner lähr. 16. Vielleicht ist in dem nassen Neptunus Reich gelassen Zur Ausflucht noch ein Ort? Wird dann/ wo Thetys 11 wohnet/ Den Flüchtigen verschonet/ Daß sie unsträfflich dort? 17. Ach nein! vergebens bellen 12 Vor Gott die wilden Wellen/ Er herrschet über sie: So klein ist kein Geschöpfflein/ (Auch nicht ein Wassertröpfflein) So ihm verborgen je. 18. Werd' ich mich schon aufschwingen/ Biß in den Himmel dringen/ 13 O Gott/ so bist du dort: Erzeigest also mächtig/ So sichtbar/ und so prächtig Dich auch an keinem Ort. 19. Und werd' ich nach der Höllen Mich auch begeben wöllen/ 14 O Gott/ so bist du da! Du wirst da von den bösen Ohn' einiges erlösen Genug gefühlet ja. 20. Nemm' ich früh meine Flügel/ 15 Und flieg' mit vollem Zügel Biß an das End des Meers/ So wirst du mich berühren/ Mit deiner Rechten führen/ 16 Ich wöll' es/ oder wehrs. Fußnoten 1 Christum den Heiland. 2 Ad Hebr. 4. v. 13. 3 Tenebræ non obscurabuntur à te. Psal. 138. v. 12. 4 Nox sicut dies illuminabitur. ibid. 5 Tenebræ ejus, ita & lumen ejus. Psal. 138. v. 12. 6 Gen. 3. v. 8. 7 Gen. 4. v. 14. 8 Ion. 1. 9 Psal. 73. v. 16. Tu fabricatus es auroram, & solem. 10 Iob. 37. v. 3. 11 Die Meer-Göttin/ das Meer. 12 Psal. 88. v. 10. Tu dominaris potestati maris. 13 Psal. 138. v. 8. Si ascendero in cælum, tu illic es. 14 Si descendero in infernum, ades. 15 Si sumpsero pennas meas disuculò, & habitavero in extremis maris. 16 Tenebit me dextra tua. 5. Clorinda betrachtet in ihrer Kleinmühtigkeit die so vielen grossen Sündern erzeigte Barmhertzigkeit Gottes/ und schöpfft darauff neue Hoffnung Cùm iratus fueris, misericordiæ recordaberis. Habac. 3. v. 2. Wann du zörnest/ so wirst du der Barmhertzigkeit gedencken. 1. Ach Daphnis zörne nicht so sehr/ Laß deinen Grollen sincken/ Laß' mich nicht in dem tieffen Meer Der Traurigkeit ertrincken! Dein bleicher Zorn dringt/ wie ein Dorn/ Mir scharff/ und tieff zu Hertzen/ Brennt ungeheur/ gleich wie ein Feur/ Macht unerhörte Schmertzen. 2. Gedencke deiner Gütigkeit/ Nicht meiner schwären Sünden/ Sey länger nicht mit mir entzweyt/ Laß' mich Gnad bey dir finden/ Was hilfft es dich/ wann du schon mich Zur Höll hinunter plitzest? Schlagst du schon zu/ im Himmel du Nicht desto höher sitzest. 3. Du zörnest zwar unbillich nicht/ Dein Straffen ist zu loben/ Dem deine Hand den Halß zerbricht/ Hat Ursach nicht zu toben/ Mehr aber wirst/ ô Himmels-Fürst/ Der zarten Lieb gepriesen/ Und dir viel mehr Danck/ Lob/ und Ehr Der Güte halb erwiesen. 4. Es reute dich ja selbst der Rach Dort Genesis am achten/ Als du/ wie daß der Mensch so schwach/ Beginntest zu betrachten/ Du sagtest dort/ ich will hinfort Die Sündfluth nicht mehr schicken/ Warumb dann soll ich/ Thränen-voll/ In meinem Läid ersticken? 5. Der den Urias wider Recht/ Und Billichkeit entweibet/ 1 Ja ohne Schuld in dem Gefecht Mit fremmder Hand entleibet/ Der könnte stracks ( ô Plitz von wachs) Die Huld von dir erpressen/ Mit einem Kind wurd' seine Sünd Vergraben/ und vergessen. 6. Als Roboam dein ärgster Feind 2 Drey Wörtlein nur gesprochen/ Da wurd' er schon dein bester Freund/ Als hätt er nichts verbrochen/ Kaum sagt' Er schlecht: Gott ist gerecht: Und seufftzte was beyneben/ Da war' ihm schon der Spott/ und Hon/ So er dir thät'/ vergeben. 7. Manasses noch ein junger Knab 3 Schon deines Namens Spötter Hat sich von dir gezogen ab/ Verehrt die falsche Götter/ Zu solcher That so gar auch hat Dein gantzes Volck gemüsset/ Doch hat er mit geringer Bitt Dein bitters Hertz ersüsset. 8. Was hast du wegen Ninive 4 Nicht für ein Lob bekommen/ Als du es nach entwehntem Weh' Zu Gnaden auffgenommen? Man preiset hoch ja heute noch Deßwegen deinen Nammen/ So nicht gescheh'/ wann du es gäh Gestrafft mit Schwerdt/ und Flammen. 9. Wie schlecht hast dich alldorten nicht 5 An jenem Weib gerochen/ Die man gebracht für dein Gericht/ Als sie die Ehe gebrochen? Du sagtest nur ( ô Sünden-Cur) Geh'/ bessere dein Leben/ Die Sünd ist dir/ weil niemand hier/ Der dich verdamm'/ vergeben. 10. Viel wird zwar von Gottlosigkeit Der Sünderen gelesen/ Ist niemand doch so gar verschreyt/ 6 Wie Magdalen gewesen/ Doch wurde sie ohn' alle Mühe Mit deinem Zorn versöhnet/ Indem sie suß nur deine Füß Umbfangen/ und bethränet. 11. Der Schächer/ der im Menschen- Blut Offt seine Händ gewaschen/ 7 Der viel im Wald gefischtes Gut Gesteckt in seine Taschen/ Der böß gethan von Jugend an/ Biß daß er müßte hangen/ Sagt' nur allein: Gedencke mein: Drauff hast du ihn umbfangen. 12. Der Jünger/ dem du sonderbar Geneigt/ und wohl bewogen/ 8 Den du den andern immerdar Hast mercklich vorgezogen/ Der hat hernach zu deiner Schmach Dich dreymahl frech verneinet/ Doch war' die Schuld verkehrt in Huld/ So bald er heiß geweinet. 13. Maria, ein' berühmte Dam, 9 Gebürtig aus Aegypten/ Ein freche Lais 10 ohne Scham/ Ein schaum der Geyl-verliebten/ Hat bey dir Gnad im höchsten Grad Durch nasse Reu erworben/ Drauff heilig sehr zu deiner Ehr/ Und meinem Trost gestorben. 14. Theophylus, als er dort war' 11 Entsetzet seiner Ehren/ Hat dörffen dich/ ô Gott/ so gar Verfluchen/ und verschwören/ Indem sich er dem Lucifer Mit Leib und Seel verschrieben/ Doch hat er mit Maria Bitt Dich zu der Huld getrieben. 15. Du sagst bey Isaia rund/ 12 Wer sich nur wöll' bekehren/ Dem wöllest du zu keiner Stund Die Gnaden-Thür versperren/ Wann seine Sünd/ und arge Fünd' Schon roth/ wie Scharlach/ wären/ So wilst du/ wie Baumwollen/ sie/ Und neuen Schnee erklären. 16. David hat deine Gütigkeit Sehr hoch herfür gestrichen/ 13 Als konnt' in deiner Wesenheit Ihr werden nichts verglichen/ Kein Eigenschafft 14 hab solche Krafft In äusserlichen Wercken: Soll dieses nicht die Zuversicht In mir/ ô Daphnis, stärcken? 17. Wann schon ein Kind den Vatter hat Zum öffteren betrübet/ Aus Boßheit manche Missethat Zu seiner Schmach verübet/ So bald es sich demühtiglich Einstellt mit Reues-Zeichen/ Laßt er sein Hertz/ wann es von Aertz Schon wäre/ doch erweichen. 18. Das zeuget der verlohrne Sohn/ 15 Der alle Gnad erworben/ Ob er in Sünd- und Lastern schon Schier allerdings erstorben/ Er sagt allein/ ach Vatter mein/ Ich hab gesündigt läider! Da wurden an Ihm stracks gethan Die Gnad- und Ehren-Kleider. 19. O Gott/ du bist mein Vatter ja (Will Bräutigam nicht sagen) Seh' an/ wie ich bereuet da Schier will in Läid verzagen/ Ich muß vergehn mit Magdalen In heiß- geweinten Thränen/ Wilst du/ als Stein/ dann härter seyn/ Und mich dir nicht versöhnen? 20. Ach bleibe mir nicht länger gram/ Halt' ein den Zornes-Besen/ Gedencke/ daß mein Bräutigam Du bist zuvor gewesen: Wann du mich recht/ und nicht nur schlecht Geliebt vor meinen Sünden/ Wird meine Reu dich auff das neu Ja leicht mit Lieb entzünden. Fußnoten 1 David. 2. Reg. 12. 2 2. Paralip. 12. 3 2. Paralip. 33. 4 Ionæ 3. 5 Ioan. 8. 6 Luc. 7. 7 Luc. 23. 8 Matth. 26. 9 Laurent. Surius 9. Ap. ex Paulo diacono. 10 Ein unehrbares Weib. 11 Chron. Sigeberti ad ann. 537. 12 Isai. 1. 13 Psal. 44. v. 9. 14 Attributum. 15 Miserationes super omnia opera invenies. Ps. 144. v. 9. 6. Clorinda betrachtet die Falschheit der Welt sammt ihren schnöden Wollüsten/ und verändert ihre Welt-Lieb in dero heiligen Haß Meliùs est ire ad domum luctus, quàm ad domum convivii. Eccles. 7. v. 3. Es ist besser in das Klag-Hauß/ dann in das Trinck-Hauß gehen. 1. O falsche Welt/ wer kan Wohl deine Tück ergründen/ Dem Volck genug verkünden/ Und ernstlich zeigen an! Hierzu zu wenig wäre Der Pytho 1 Zungen-Kunst/ Was ich darvon erkläre/ Nur Schatten ist/ und Dunst. 2. Doch muß ich deine Tück'/ So gut ich kan/ beschreiben/ Zu diesem Werck mich treiben Mein Elend und Unglück/ In welche mich gestürtzet Dein falsche Boßheit hat/ So/ daß ich Heyl-verkürtzet Muß leben ohne Raht. 3. Du bist dem Straussen gleich/ Wild/ grausam/ und zornmühtig: Ob du schon scheinest gütig/ Holdselig/ und liebreich/ 2 Du legst die Wollust-Wäider Zwar süß an deine Brust/ Erwürgst sie aber/ läider! In mitten ihrer Lust. 4. Was Dalila einmahl An Samson hat begangen/ 3 Das hast du/ Bruth der Schlangen/ Verübet ohne Zahl/ Niemand ist dir entwichen/ (Der deine Gunst gesucht) So nicht/ mit vielen Stichen Verwundet/ dich verflucht. 5. Du pflegest auch so gar Der Seelen zu beranben/ Die deiner Falschheit glauben/ Sehnd Kinder der Gefahr: Du scheinest zwar zu lieben Den/ welcher dir anhangt/ Ach aber gleich dem Dieben/ Der nach dem Beutel langt. 6. Du bist den Apfflen gleich/ Die dort auff Sodoms-Heyden/ Zu sehen an mit Freuden/ Als wären sie Gold-reich/ Innwendig seynd sie aber Voll Aschen; wie man meldt/ So ist/ ô Welt-Liebhaber/ Auch deine Braut/ die Welt. 7. Auswendig/ wie der May/ Inwendig viel unstäter/ Als das Aprillen- Wetter/ Falsch/ wie ein altes Ay: Auswendig schertzst/ und lachest/ Innwendig ungeheur/ Gleich einer Bomben/ krachest/ Die heiß schon von dem Feur. 8. Du Seelen- Rauberin Bist ärger/ und viel schlimmer/ Als dort gewesen nimmer Circe die Zauberin/ So die Ulyss- Gesellen Aus Spaß in Schwein verkehrt: Die dir anhangen wöllen/ Desgleichen wiederfahrt. 9. Circe 4 hat wiederumb In Menschen sie verwandlet/ Mit ihnen mild gehandlet/ Als eine/ die noch frumb/ Du läider auch verkehrest Die deinige in Schwein/ Ach aber ihnen sperrest Den Menschen gleich zu seyn! 10. Was Meroë 5 gestifft Für Unheil bey den Leuten/ Viel deren auszureuten Mit ihrem Zauber-Gifft/ Ist gegen deinen Thaten Nichts/ als ein Kinder-Spiel/ Viel tausend müssen braten/ Die dir getraut zu viel. 11. Es ist/ ô böse Welt/ Dein arge Lieb beschaffen/ Gleich wie die Lieb der Affen/ Die nur den Liebsten quält/ Gehst um mit deinen Jungen Im Schein der Lieb so hart/ Daß dero Seel gezwungen Aus nach der Höllen fahrt. 12. Gleich wie der Wind geneigt/ (Den Schiffmann unerschrocken Nach hohem Meer zu locken) Sich an dem Port erzeigt/ Wann er das Schiff erhoben/ Und weit hinein geweht/ Fangt er an wild zu toben/ Biß es zu scheitern geht. 13. Auch du/ Wind-gleiche Welt/ Erzeigest dich auswendig In deiner Lieb beständig/ Biß man dir Glauben hält/ Wann du das Hertz gewonnen/ Erfahrt man deine Treu/ Was du falsch angesponnen/ Verübst du ohne Scheu. 14. Wer ist in deiner Gnad Beständig je geblieben/ Dem du nicht umbgetrieben Das leichte Glückes-Rad? Wer diesen sich darff nennen/ Aus gantzer deiner Rott/ Der komm'/ ich will erkennen 6 Ihn für den Lorbeer-Gott. 15. Gleich wie der Artzt aus List Die Pillulen vergüldet/ Dem Krancken süß fürbildet/ Was Gallen-bitter ist/ So gibst du auch mit Zucker Das Gifft dem Menschen ein/ Da meint der arme Schlucker/ Es sey gewürtzter Wein. 16. Wann bey dem Sünder dann Die Wollust was verjesen/ So findt er/ daß gewesen Der Zucker Entzian/ Drauff kommt die Forcht der Sünden/ Und machet solche Qual/ Die schärffer zu empfinden/ Als ein geschliffner Stahl. 17. Der nie-vergnügte Schwamm Der weltlichen Gelüsten Ist gleich den Dracken-Brüsten/ Wo Milch und Gifft beysamm/ Vergifftet/ und ergötzet/ O wohl ein schöne Freud! Wodurch die Seel verletzet/ Fallt in das gröste Läid. 18. Man sagt viel von dem Zwang Der reitzenden Sirenen, Wie sie die Schiff-Leut hönen Mit lieblichem Gesang: Wann ihnen man zuhöret/ Wird das verzuckte Schiff Von ihnen umbgekehret Durch gantz verborgne Griff'. 19. Du auch pflegst lieblich sehr Den Menschen vorzusingen Dein Untreu anzubringen Auff diesem wilden Meer: Mit deiner süssen Kählen Bethörest du die Leut/ Daß die fürnehmste Seelen Auch werden deine Beut. 20. Weil niemand in der Höll/ Der nicht durch deine Thaten/ O Welt/ dahin gerahten/ So lieb' dich/ wer da wöll'/ Ich aber will verfluchen Nun deine Grausamkeit/ Und meiner Seelen suchen Die wahre Sicherheit. Fußnoten 1 Die Beredungs-Göttin. Poët. 2 Filia populi mei crudelis, quasi ftruthio in deserto. Thren. 4. v. 3. 3 Iudic. 16. 4 Zauberin. 5 Zauberin. 6 Eris mihi magnus Apollo. Gott der Weißheit. Poët. 7. Clorinda bejammert die abscheuliche Finsternuß ihres Hertzens/ in welcher sie/ deren Gnaden Gottes beraubt/ so lange Zeit gesteckt Deus meus illumina tenebras meas. Psalm. 17. v. 19. O Gott/ erleuchte meine Finsternuß. 1. Feindliche/ trutzige/ Rußige/ schmutzige/ Häßliche Nacht/ Welche den Räisenden/ Weit herum-kräisenden/ Herren und Knechten/ Edlen/ und Schlechten/ Grosse Forcht macht/ Ja unversehens gar Stürtzt in des Tods Gefahr. 2. Falsche/ verdächtliche/ Schwartze verächtliche/ Schelmische Nacht/ Welche die fallende/ Kaht-herumb wallende Gäntzlich entweegte/ Gfährlich versteegte Menschen auslacht: Die an Mitleydens-Statt Nur Freud an Unglück hat. 3. Grausame/ greuliche/ Förchtlich-abscheuliche/ Diebische Nacht/ Welche den Muhtigen/ Menschen-mord-blutige Mörder- und Raubern/ Hexen/ und Zaubern Sicherheit macht/ Und gibt zu böser That Selbst ihnen Hülff und Raht. 4. Reinigkeit-hassende/ Unschuld-verlassende/ Schandliche Nacht/ Welche den stinckenden/ Tugend-versinckenden Venus -Geseilen/ Wo sie nur wöllen/ Unterschlauffs macht: Verhüllt die geile Böck' Mit ihrer schwartzen Deck. 5. Neidige/ häßige/ Henckers-Hand-mäßige/ Bubische Nacht/ Welche der Wälderen/ Wiesen/ und Felderen/ Gärten/ und Auen Schönes Anschauen Freuden-loß macht: So gar das schönste Gold Entfärbt die Liechts-Unhold. 6. Grimmige/ läidige/ Freche/ meineydige/ Gifftige Nacht/ Welche die ruchtbare/ Sonsten gar fruchtbare/ Aecker/ und Matten Unter dem Schatten Früchten-loß macht: Dahero ihr dann seind Viel Länder Spinnen-Feind. 7. Tägliche/ schmertzliche/ Mündliche/ hertzliche Klagen man hört/ Wie sie die prächtige Weite/ großmächtige Nili sche 1 Haiden/ Saaten/ und Waiden/ Grausam verstört/ Das Land so schwartz bedeckt/ Daß Leut und Vieh verreckt. 8. Sehet die nächtige/ Immer schattächtige Finnen doch an/ Wie sie mit dünsteren/ Dicken/ und finsteren Nebel/ und Düfften/ Schatten/ und Lüfften Seynd eingethan: Die Sonne sehen sie Auch etlich Monat nie. 9. Treu-loß-unärtige Böse leichtfertige Schröckliche Nacht/ Welche die brennende Feld-herum-rennende Schwürmische Geister/ Völlige Meister Ihres Reichs macht/ Und reitzt so viel sie kan/ Sie zu der Boßheit an. 10. Unter der feindlichen/ Dürmisch-unfreundlichen Nächtlichen Schaar/ Aerger/ gefährlicher/ Böser/ beschwärlicher/ Schädlicher/ schlimmer/ Schwärtzer und tümmer Keine doch war'/ Als die/ so ich stock-blind An meiner Seel empfind'. 11. Alle Mæoti sche/ Wendisch- und Gothische 2 Nächte seind nur Eine noch gläntzende/ Morgen-angräntzende/ Lieblich-bemahlte/ Sonnen-bestrahlte Schatten-Figur/ 3 Gegen der schwartzen Nacht/ So mir die Sünd gebracht. 12. Diese verhinderet/ Schwächet und minderet Allen den Schein/ Welcher/ zum anderen Leben zu wanderen Wider die Fälle Solte ein' helle Fackel mir seyn: Macht/ daß in Finsternuß Ich immer leben muß. 13. Alle Gott-zeigende/ Tugend-zuneigende Strahlen seynd hin/ Weil ich in allerhand/ (Leider nicht ohne schand!) Bubische Thaten/ Willig gerahten Jederzeit bin/ So/ daß der Tugend-Glantz In mir verfinstert gantz. 14. Diese Heil-flüchtige Eitelkeit-süchtige/ Schädliche Nacht/ Haben die sinnliche/ Eilens-zerrinnliche Eitele/ schnöde/ Himmels-Trost öde Freuden gemacht: Der schnöde Freud-Genuß Bringt nichts/ als Finsternuß. 15. Diese betriegende Freuden-vorliegende Schmeichlende Nacht/ Eh' ich ihr Thun erkennt/ Hatte mich so verblendt/ Daß ich nachmahlen Alle Liecht-Strahlen Völlig veracht/ Und mit dem Welt-Gesind Zu Gutem worden blind. 16. Diese Nacht schwächet mich/ Diese Nacht macht daß ich Vollends verderb'/ Massen der gnadenschein Nimmer kan tringen ein. So/ daß ich endlich Flammen-erkenntlich Tugend-loß sterb': Wo keine Sonn auffgeht/ Der Baum unfruchtbar steht. 17. Diese verteufflete/ Gnaden-verzweifflete/ Höllische Nacht/ Dannoch den Sünderen Bösen Welt-Kinderen Wegen des sterbens/ Seelen-verderbens Wenig Forcht macht: Sie förchten nur das Licht/ Die Finsternuß gar nicht. 18. Läider diß eulenblind Schwürmische Nachtsgesind Bildet sich ein/ Unter den lebenden Welt-herum-schwebenden Erden-Geschöpffen/ Sehenden Köpffen Klugste zu seyn: Vermeinen allezeit Zu seyn von Blindheit weit. 19. Dieses seind aber die Schlimste nächt/ welche nie Werden erkennt/ Können vom gnadenlicht Werden vertriebe nicht/ Sonder nur immer Aerger/ und schlimmer Läider verblendt! Sie fliehen allen Schein/ Drumb geht das Liecht nicht ein. 20. Eya dann gläntzendes/ Glori -bekräntzendes/ Göttliches Licht/ Laß' mich in nächtlichen Also verächtlichen/ Schatten der Sünden/ Ohne Gnad-finden Sterben doch nicht: Vertreibe mir die Nacht/ Die mich stock- blind gemacht. Fußnoten 1 Aegyptische. 2 Mittnächtige Länder. 3 Obschon der Schatten nicht kan bestrahlt seyn/ so ist doch zwischen Tag und Nacht kein so tunckler Schatten/ als zu Mitternacht. 8. Clorinda erwegt die Zergengligkeit dieser betrieglichen Dingen/ und bewäinet ihr verübte Eitelkeit Væ, qui trahitis iniquitatem in funiculis vanitatis! Isa. 5. v. 18. Wehe Euch/ die ihr die Boßheit an denen Stricken der Eitelkeit ziehet! 1. Weh' meiner Eitelkeit/ Der ich so manches Jahr Zu Diensten angewendet/ Von welcher ich verblendet/ Des Himmels gantz und gar Vergessen allbereit! Weh' meiner Eitelkeit/ Die mich mit Gott entzweyt! 2. Sagt mir/ ô werthste Freund'/ Was ist auff gantzer Welt So starck/ und auserlesen In seinem Thun/ und Wesen/ So lang bleib ungequält/ Und frey vor seinem Feind? Wer ist/ an dem das Glück Nicht übe seine Tück? 3. Was ist die schöne Stadt Und Himmels-hohe Maur Des starcken Thurns zu Babl Nunmehr/ als eine Fabl/ An welchem man so saur/ Und lang geschwitzet hat? Wer sie nun finden will Braucht eine scharffe Brill. 4. Wo ist/ ô Assuër, 1 Nunmehr dein schöner Saal Mit Edelgstein gepflastert/ So schön veralabastert Mit Bildern überal/ Als wann er Göttlich wär? In deinem stoltzen Hauß Wohnt jetzt der wilde Strauß. 5. Ach wo ist Salomon Mit allem seinem Pracht/ Und Herrlichkeit hinkommen? 2 Der Tod hat ihn genommen/ Und/ wie er auch verwacht/ Gestürtzt von seinem Thron: Das Helffenbein war' ein 3 Ihm gar kein-Helffenbein. 6. Sein prächtiger Pallast/ Und schönes Gottes-Hauß Sich schon vor längsten haben Mit eignem Last begraben/ Und sehen/ läider! auß/ Daß es ungläublich fast/ Seynd so gerissen ein/ 4 Daß nicht mehr Stein auff Stein! 7. Sein unerhörter Pracht/ (Vor dem die Königin Von Saba sich entsetzte/ 5 Daran so sehr ergetzte/ Daß sie gefallen hin Vor Wunder in Ohnmacht) Ach nur zu gar behend Genommen hat ein End. 8. Obschon er tausendfach Nach Kräfften seiner Witz Der Lustbarkeit genossen/ In dem hervor geflossen Von seinem Glückes-Sitz Ein grosser 6 Nectar -Bach: Was hatte er darvon/ Als Reu/ den Freuden-Lohn? 9. Er selbst hat alle Freud/ Wie hoch ergetzlich sie/ Ein' Eitelkeit genennet/ 7 Indem er klar erkennet/ Daß man sie niessen nie Könn' ohne Seelen-Läid: Dann was den Leib ergetzt/ Die arme Seel verletzt. 10. Wo ist die Majestät/ Und hoher Glückes-Stand Der stoltzen Pharaonen/ Die sich auff göldnen Thronen Dort in Aegyptenland Groß machten in die Wett? Die Zeit hat ihren Pracht Und sie zu Staub gemacht. 11. Wo ist der tolle Götz Nabuchodonosor, Der als ein Gott der Erden Wolt' angebetten werden/ (O Königlicher Thor Wohl würdig des Gespötts!) Er müßt' in Wald hinaus/ Spöttlich/ wie Acheloûs. 8 12. Obschon an jedem Ohr Ein gantzes Königreich Cleopatra getragen/ 9 Und sich auff göldnem Wagen Der stoltzen Juno gleich 10 Geschwungen hoch empor So/ daß ihr keine Lust Verblieben unbewust. 13. Ob sie schon geiler/ als Volupia gelebt/ 11 Und an den weichen Brüsten Der weltlichen Gelüsten Gantz Kletten-zäh geklebt Voll Lusts biß an den Halß/ Obschon diß Venus- Thier In Lust ertruncken schier. 14. Wie lang hat es gedeyt/ Wie lang hat es gewehrt? In ihren besten Jahren Hat sie mit Läid erfahren/ Daß niemand vor dem Schwerdt Des Unglücks sey befreyt: Zwo Schlangen an der Brust Vertrieben ihr die Lust. 15. Wo ist Sardanapal, Der dapffre Kunckel-Held/ Der sich befunden immer Nur bey dem Frauen-Zimmer/ Hingegen in das Feld/ Gewagt sich nicht einmal? Der eitler/ als ein Weib/ Gepflogen seinem Leib? 16. Wie wurd' ihm nicht so theur/ Und scharff die Freud verwürtzt/ Indeme dieser Königs (Gar unglückhaffte) Phœnix Verzweifflend sich gestürtzt Vor Unmuht in das Feur/ Und so auff heisser Gluht Geendet seinen Muht. 17. Sagt/ wo ist Julius, Der Käysern Ruhm/ und Zier/ Der niemahl unterlegen Mit seinem Glückes-Degen: Den die Fortuna schier Ertränckt mit Uberfluß/ Und ihn so hoch geführt/ Daß ihn kein Läid berührt? 18. Ey laß! in bestem Lust Da war' es mit ihm auß/ Dann er von seinen Feinden/ (Vermeinten besten Freunden) In dem befreyten Hauß 12 Erbärmlich sterben mußt: Brutus sein eigner Sohn Riß' ihn von seinem Thron. 19. Der Zucker Gallen macht: Der Wollust folgt das Läid/ Gleich wie dem Leib der Schatten: Der Ochs wird von der Matten/ Wann er fett von der Wäid/ Geführet auff die Schlacht: Das Glück speißt seine Knecht Nur umb das Jäger-Recht. 20. Ade dann Eitelkeit/ Du böse Seelen-Pest/ An wessen göldnen Stricken Nicht wenig Leut ersticken/ Die schier auch mir den Rest Gegeben allbereit/ Wo mich nicht Daphnis Hand Erlößt von deinem Band. Fußnoten 1 Esther. 1. 2 Sexaginta fortes ambiunt ex fortissimis Israël. Cant. 3. v. 7. 3 Salomons Thron ware von Gold und Helffenbein. 3. Reg. 10. v. 18. 4 Matth. 24. v. 2. 5 2. Paralip. 9. v. 4. 6 Götter-Tranck/ alle Wollust. 7 Eccles. 1. v. 2. 8 Acheloûs wurde in einen Ochsen verwandlet. Poët. 9 Königin in Aegypten hat Perl an den Ohren getragen/ die ein Königreich werth. 10 Himmels-Göttin/ Poët. 11 Die Göttin der Wollüst. Poët. 12 Capitolio. 9. Clorinda betrachtet den theuren Verlurst der edlen zum Heyl von Gott gegebenen/ und von ihro boßhafft-zugebrachten Zeit Recogitabo tibi omnes annos meos in amaritudine animæ meæ. Isa. 38. v. 15. Ich will dir alle meine Jahr in Bitterkeit meiner Seelen gedencken. 1. Beginn' ich meine Jahr Ein wenig zu betrachten/ So muß ich nur nicht gar In Kümmernuß verschmachten/ Dann ich Betrübte find'/ Daß wie der Rauch im Wind/ Mein Leben ohne Frucht Genommen hat die Flucht! 2. Ich hab von Kindheit an Geführt ein eitles Leben/ Mich auff die Tugend-Bahn Mit keinem Fuß begeben/ Mein gantze Arbeit war' Die Schmückung meiner Haar: Kein ander Ding mein Ziel/ Als Lust/ und Freudenspiel. 3. Die Andacht wolte mir Durchaus nicht gehn zu Hertzen/ Ich suchte für und für Nur mit der Welt zu schertzen: In eitlem Müßiggang Hab' ich mein Leben-lang Die Zeiten zugebracht/ Des Heyls niemahl gedacht. 4. Und ob ich schon ( ô Spott!) Zu seyn andächtig scheinte/ Ich dannoch es mit Gott Niemahlen redlich meynte/ Fromm stellt' ich mich allein Zum äusserlichen Schein: Mein Welt-verwirrtes Hertz War' immer anderwerts. 5. Nun fühl' ich (aber ach Zu spaht!) den grossen Schaden/ Weil Clotho allgemach 1 Vollendet meinen Faden: Wie hätt' nicht können ich Mit Gott bereichen mich? Nun muß ich arm/ und bloß Mit Charon auff den Floß. 2 6. Und diese Armut wär' Noch endlich zu erdulden/ Wann ich nur nicht so schwär Beladen auch mit Schulden: Nichts haben/ und doch ein Noch grosser Schuldner seyn/ Ist ein sehr armer Stand/ Der selten ohne Schand. 7. Wer arm/ doch Schulden-frey/ Kan noch getröstet sterben/ Dann niemand wird darbey Gebracht in das Verderben: Ich aber schuldig bin/ Daß meine Seel mithin (Beraubet meiner Buß) Elend verderben muß! 8. Ich hab auff sie gemacht Nur Schulden über Schulden/ Und sie dardurch gebracht Aus ihres Gläubers Hulden/ Nun geht zum End dahin Der strenge Pfands-Termin/ Und weil nichts in der Hand/ Gilt es das Unterpfand. 9. So bald mir die Vernunfft Gefangen an zu scheinen/ Beginnt' ich nach der Zunfft Der Uppigkeit zu geinen. Der rauche Tugend-Weeg Auff schmahlen Himmels-Steeg/ Den ich antretten solt'/ Mir nicht behagen 3 wolt. 10. Den Augen hab' ich gleich Den freyen Flug gelassen/ Und sie ohn' alle Scheuh Geschickt nach allen Gassen/ Wordurch ich dann gantz frech/ Im Sehen/ und Gespräch/ Fürwitzig angeschaut/ Was niemand sich getraut. 11. Das Gegen-Theil-Geschlecht Gefiehle mir vor allen/ Drumb sucht ich/ wo ich möcht'/ Demselben zu gefallen/ Ich schmuckte zum Verkauff Mich auff das prächtigst auff/ Gold/ Perlen/ Edelgstein Flocht in den Haaren ein. 12. Ein Meer-Schneck müßte mir Die bleiche Wangen färben/ Die schöne Seelen-Zier Ließ' ich im Kaht verderben/ Mir könnt kein teutsche Hand Recht machen mein Gewand/ Um Kleyder schickt ich biß Nach Lyon/ und Pariß. 13. Ich gienge geil daher/ Zur Reitzung der Gelüsten/ Als wann ich Venus wär'/ Mit halb-entblößten Brüsten: Viel keusche Augen hab' Ich lockende Rahab, 4 Durch mein' schamlose Tracht Gantz geil und frech gemacht. 14. Ich führte heimlich kein Penelope isch 5 Leben/ Und dannoch wolt' ich seyn Lucretia 6 darneben: Kein Mensch in gantzem Reich War mir an Hoffart gleich/ Casiope 7 so gar Mir unvergleichlich war'. 15. Bey allen Spielen führt' Ich Uppigste den Reyen/ Ich gieng' herein geziert/ Wie Flora 8 in dem Meyen/ Es wallte mir das Blut Im Leib vor Ubermuht: Dem Spielen/ und dem Tantz War' ich ergeben gantz. 16. Nur an den Zucker-Huht Wolt' ich den Schnabl wetzen/ Mein Hertz nach vollem Wuht Der Sinnlichkeit ergützen: Wann auff dem Marckt nur was Rebhünlein/ oder Haas) Seltzames kommen ein/ War' es unfehlbar mein. 17. Gar offt bin ich zur Beicht/ Doch ohne Reu/ gegangen/ Hab' mich gar nicht gescheuht Unwürdig zu empfangen Zu meiner Seelen Todt Das süsse Himmels-Brodt/ Hab' es zu seyn erkennt Ein Brodt/ kein Sacrament. 18. Das ist der blosse Schaum Von meinem bösen Leben/ Weil ich vor Schmertzen kaum Den Schatten kan angeben/ Aus Forcht der Aergernuß Ich viel verschweigen muß/ So meiner Seelen heiß Offt macht biß auff den Schweiß. 19. Wann erst wird zu Gericht Der bleiche Richter sitzen/ Wie werd' ich arme nicht Alsdann erbärmlich schwitzen! Wann ich auch kleine Ding/ Die ich geschätzet ring/ Werd' in dem strengen Feur Dort müssen zahlen theur. 20. O Freunde dieses macht/ Daß ich in dunckler Hölen Die böse Jahr betracht' In Bitterkeit der Seelen: Dann ich kein' Ursach hab'/ Die Traur zu legen ab/ Biß Daphnis zu mir sagt: Steh auff bereute Magd. Fußnoten 1 Der Tod. 2 Ein Höllischer Schiffmann. Poët. 3 Gefallen. 4 Eine offene Sünderin/ Iosue 2. v. 1. 5 Penelope eine Frau wunderlicher Keuschheit. 6 Lucretia eine keusche Römerin. 7 Ein sehr hoffärtiges Weib. 8 Die Göttin der Blumen/ Poët. 10. Clorinda bewäinet ihr unmenschliche Grausamkeit/ so sie sowol gegen ihr eigne/ als viel andere durch ihr verführerische Lieb verkehrte Seelen verübt Nunc reminiscor malorum, quæ feci in Jerusalem. 1. Maccab. 6. v. 11. Nun gedencke ich des Ubels/ so Ich an Jerusalem verübt. 1. Was Ubels an Jerusalem Antiochus vollbracht/ Indem er es zu einer Schwemm Der Thränen hat gemacht: Den Tempel rein geplündert auß/ Die Stadt biß auff das letste Hauß Verwüstet/ und verstört/ Nur nicht gar umbgekehrt. 2. Das hab' an meiner Seelen ich Auch allerdings verübt/ Indem ich sie stieffmütterlich Biß in den Tod betrübt: Ich hab' Sie/ als das Oberhaupt/ Der Herrschung meines Leibs beraubt/ Und immer nur veracht/ Zur Sclavin mir gemacht. 3. In meiner zarten Jugend noch Hab ich sie unterdruckt Unbändig ihrem Tugend-Joch Mich meisterlich entzuckt: Den Schatz der Unschuld hab' ich ihr Entfremmt/ eh' sie vernünfftig schier/ Ja mörderisch verletzt' In armen Stand gesetzt. 4. Man sagt was einer bösen Art 1 Die Manticora sey/ Ein Thier von Zähnen scharff/ und hart/ Sehr grausam auch darbey/ 2 Groß wie ein Löw/ Haarlocken-reich/ Von Angesicht den Menschen gleich/ So seinen wilden Wuht Erkühlt mit Menschen-Blut. 5. Die Manticor' so wild/ wie ich/ Niemahlen sich verhält/ Dann sie aus Hunger nur dem Vieh- Und Menschen-Fleisch nachstellt: Ich aber habe (läider ach!) Den Seelen auch gesetzet nach/ Sie mörderisch versehrt/ Zerrissen/ und verzehrt. 6. Was für ein grosse Missethat Hat Cain nicht vollbracht/ Als er dort seinen Bruder hat Zu einer Leich gemacht: Wann Menschen-Blut gen Himmel schreyt/ Wie wird nicht seyn vermaledeyt/ Der eine Seel bezwingt? Und umb das Leben bringt? 7. Ein Basilisc mit schauen an So gar zu töden pflegt/ Der Seelen doch nicht schaden kan/ Wann er den Leib erlegt/ Ich aber voller argen Tück Durch geil-vergiffte Liebes-Blick Den Seelen/ wie ein Pest/ Gegeben hab' den Rest. 8. Unmenschlich Diomedes war'/ Und tausend Höllen werth/ Weil er mit Menschen-Fleisch so gar Gespeiset seine Pferdt: Ich aber böse Jezabel 3 Hab' manche fromm und edle Seel Dem Höllen- Beel-phegor 4 Zur Speiß geworffen vor. 9. Dem Jasons- Weib 5 war' auff der Welt Zu grausam keine That/ Als die zerrissen/ wie man meldt/ Ihr' eigne Kinder hat: Den Bruder in viel Stuck verzehrt/ Den Mann verfolget unerhört: Sein Hauß mit Feur berennt/ Sammt neuen Weib verbrennt. 10. Daß aber ein so grosse Rach Medea hat verübt/ Gab Jason dessen ihr Ursach/ Weil er sie höchst betrübt/ Indem er sie von seinem Hauß/ Ehbeth/ und Lieb gestossen auß/ Ein anders Weib getraut/ 6 Die nicht mehr angeschaut. 11. Ich aber mit den Seelen bin Grausam gegangen umb/ Hab' Türckisch sie gerichtet hin/ Und wußte nicht warumb? Die Lieb allein die Ursach war'/ Daß ich an der bethörten Schar/ Vorauß die mich geliebt/ Dergleichen Mord verübt. 12. Procrustes ein verruchter Mann 7 Begierig auff die Beut/ Geschlachtet hat/ wie ein Tyrann/ Die Weeg-verirrte Leut/ Hat doch/ ob er fürsichtig schon/ Empfangen endlich seinen Lohn: Theseûs hat ihn erhägt/ Und mit dem Schwerdt erlegt. 13. Ich aber hab die Seelen-Mord Begangen so verdiebt/ Daß man mich dannoch immerfort An Hassens-statt geliebt: Wie Moloch dort das Götzen-Bild/ 8 So mit den Kindern haußte wild/ Die man ihm schlachten müßt/ Doch göttlich wurd gegrüßt. 14. Busiris, der den Göttern auch 9 Geschlachtet seine Gäst'/ Ist nicht/ wie ich/ so wild/ und rauch Gewesen/ glaub' ich vest/ Dann er vermeinte/ dieses wär' Gefällig dem Gott Jupiter, Ich auch der Seelen nach Thät es zu Gottes Schmach. 15. Ein so Blut-durstigs Löwen-Hertz Gehabt hat Phalaris, 10 Daß einen Ochsen er von Aertz Zur Marter giessen ließ/ In welchen er gesperret eyn (Der Meister 11 müßt der erste seyn) Die Menschen/ und im Feur Verbrennet ungeheur. 16. Ich hab' gar die Plutoni sche 12 Schwitz-Oefen eingeheitzt/ Indem ich das Adoni sche 13 Volck zu der Lieb gereitzt: Wer sich aus ihnen nicht bekehrt/ Unfehlbar wird darein gesperrt/ Und immer immer fort/ Gemartert werden dort. 17. Was könnte doch so grausam seyn/ Als der Medusa Haupt/ 14 So stracks verkehrt in einen Stein Den/ der es angeschaut: Ich auch von keiner bessern Art Die Leut mit meiner Gegenwart Zur Christlichen Andacht Hab' Diemant-hart gemacht. 18. Wie groß/ ô höchst-erzörnter Gott/ Ist meine Boßheit nicht/ Indem ich fast ein gantze Rott Der Seelen hingericht! O wär' ich Æsculapius, 15 So wolt' ich (durch das Kraut der Buß) Erwecken aus dem Grab/ Die ich entseelet hab'! 19. Orpheûs mit seiner Lauten hat 16 Sein Weib der Höll entführt/ Als er auff wohlbeglücktem Raht Die Seyten süß gerührt: O wär ich jetzt an Orpheûs Stell/ So wolt' ich aus der Sünden-Höll Erlösen wiederumb/ Die ich gemacht unfrumb. 20. Doch seynd noch übrig alle beyd'/ Des Æsculapen Kraut/ Und/ für das lange Höllen-Leyd/ Des Orpheûs süsse Laut: Das Kraut der Buß das Leben bringt: Des Creutzes-Spiel die Höll bezwingt: Gebraucht euch dieser Kunst/ So brennt die Höll umsunst. Fußnoten 1 Elian. lib. 7. c. 21. 2 Plin. lib. 8. c. 21. 3 Ein gottlose Königin. 4 Ein unersättliches Götzenbild/ die Geilheit bedeutend. Num. 25. 5 Der Medea. 6 Genommen. 7 Ein grausamer Mörder. 8 4. Reg. 23. v. 10. Ein Götzenbild/ welchem man die Kinder geschlachtet. 9 Ein grausamer Wüterich in Aegypten. 10 Ein grausamer König in Sicilien. 11 Perillus. 12 Höllische. 13 Bulerische. 14 Medusa Haupt hatte die Krafft/ alle Menschen/ die es angeschaut/ in Stein zu verwandlen. Poët. 15 Æsculapius ein berühmter Artzt/ der einen Todten zum Leben erweckt. Poët. 16 Orpheûs ein fürtrefflicher Lautenschlager hat durch sein Spiel sein Weib Euridice aus der Höll erlöset. Poët. Der Clorinden anderer Theil In welchem vorgestellt wird der süßwerdende Busses-Stand einer nunmehro zu Gott bekehrten/und hoffenden Seelen/ nach dem Spruch Davids/ Psal. 93. vers. 19. Nach der Vielheit deren Schmertzen meines Hertzens haben mich deine Tröstungen ergetzt. 1. Der Himmlische Daphnis Christus nimmt die büssende Seel Clorinda wiederum zu Gnaden an/ und bezeugt/ wie hoch Er die bereute/ obschon gröste/Sünder liebe Nolo mortem impii, sed ut convertatur, & vivat. Ezech. 33. v. 11. Ich will nicht den Tod des Sünders/ sondern daß er sich bekehre/ und lebe. 1. Wie können jemal rechtgläubige Sünder Zur Hoffnung sincken lassen ihren Muht/ Da ich des ewigen Lebens Erfinder Sie doch erlöset hab' mit meinem Blut? Hab' ich sie dann jemahl auff dieser Welt Mit rauhen Worten hundisch angebellt? 2. Ich hab' ja ihnen vor allen erwiesen Ein' mehr/ als vätterliche Freundlichkeit/ Sie gar zu Kinder/ und Erben erkisen/ Als die mir angenehm insonderheit; Warumb verzagest du/ ô Sünder/ dann/ Als wär' ich grausamer/ als ein Tyrann? 3. Bin ich die Göttliche Güte nicht selber? Ist meine Wesenheit dann nicht die Lieb? Bin ich vor Grimmen dann bleicher und gelber Als Schinis der verruchte Lebens-Dieb? Ach nein/ ach nein/ ich bin derselbig nicht/ Der seinen Feinden gleich den Halß zerbricht. 4. Ist auch ein eintziger Sünder zu finden/ Dem zu verzeihen ich mich je beschwert? Hab ich jemalen gelassen dahinden Ein Schäflein/ welches meiner Hülff begehrt? Was für ein Schäffer ist/ der zornig werd'/ Wann sein verlohrnes Schäflein kehrt zur Herd? 5. Hab' ich so hefftig/ und blutig gestritten Nur zu erlösen die gerechte Schaar? Und nicht vielmehro den Tode gelitten/ Die Sünder zu erretten der Gefahr? 1 Die grosse Lieb zu dir/ ô Sünder/ hat Allein getrieben mich zu solcher That. 6. Weist du nicht/ daß mich die Juden gescholten/ Daß ich der Sünder mich genommen an? 2 Hab' ich nicht immer mit Gutem vergolten Das Böse/ so man mir hat angethan? War' auch ein Mutter je/ wie ich/ so mild? Wer kan mich halten dann für rauch und wild? 7. Als ich von Judas dort würcklich verrahten Gelieffert ware schon an meine Feind'/ 3 Hab (ungeachtet der grausamen Thaten) Ich dannoch ihn genennet einen Freund/ Und hätt' der arme Tropff verzweifflet nicht/ Ihm geben hätt kein saures Angesicht. 8. Gleichwie der Schatten urplitzlich muß weichen/ So bald die helle Morgenröht erwacht/ Und wie die liebliche Zephyr -Wind streichen So bald der Winter sich von hinnen macht/ Auch also eilends wird mein Zorn zerstreut/ So bald der Sünder nur die Sünd bereut. 9. Wer aus Letæi schem 4 Wasserfluß trincket/ Vergangner Sachen alsobald vergißt/ Dann die Gedächtnuß ihm gäntzlich versincket/ Und also alles/ was er je gewüßt: So macht/ ô Sünder/ auch dein Thränen-Bach Vergessen mich gleich aller Sünd/ und Rach. 10. Ein Feur/ wie sehr es auch tobet/ und brennet/ Von vielem Wasser endlich wird gedemmt/ Wer meine Flammen mit Thränen berennet/ In kurtzer Zeit dieselbe stillt/ und hemmt: Ein einigs Tröpfflein durch gepreßter Reu Stillt mir den Zorn und macht die Liebe neu. 11. So gar die Löwen in völligem Wühten Sind einer noch so wohl gesinnten Art/ Daß sie mit Thränen sich lassen begüten/ Verfahren nie mit nassen Augen hart: 5 Und solt ich/ als ein Löw/ dann wilder seyn/ Von Thränen abgemahnet/ schlagen drein? 12. Ein' treue Mutter ihr Kindlein nicht hasset/ Ob es ihr schon gebracht sehr grosse Qual/ An statt des Zörnens es lieblich umbfasset/ Gedenckt vor Lieb der schmertzen nicht einmal/ Hat mehr Mitleyden mit dem armen Kind/ Als daß sie solches unbarmhertzig schind'. 13. Laß den so schmertzlich gewonnenen Erben Der zugefügten Qual entgelten nicht/ Will ihr die Freude nicht selber verderben/ 6 So ihr von einem lieben Kind geschicht: Siht/ wie ein Hertz-verwundter Pelican Die Kinder-Lieb/ und nicht die Schmertzen an. 14. Hat auch ein' Mutter jemahlen gebohren Die Kinder schmertzlicher/ als eben Ich? Indem ich nemlich darüber verlohren Mein theures Blut/ und Leben williglich? Und sollt ich jetzund aller wild/ und thumm So theur-erworbne Kinder bringen umm? 15. Der seiner Erbschafft heillose Verschwender Mit keinem rauhen wörtlein wurd versehrt 7 Als er bereuet verlassen die Länder/ Und zu dem Vatter wiederumb gekehrt/ Mit einem süssen Kuß wurd' er gebüßt/ Vor lauter Freud der Vatter wäinen müßt. 16. Ich bin ja dieser mitleydende Vatter/ Der den Bereuten solche Lieb erzeigt/ Laß' ihnen offen den Zuversichts-Gatter/ Zur Sünd-Vergebung überaus geneigt/ Wer seufzend nur: Ich hab gesündigt spricht/ Hat sich vor meinem Zorn zu förchten nicht. 17. Wann schwartz der zornige Himmel bewettert Mit grossem Krachen seine Plitze wetzt/ Er nur die harte Vorwürffe zerschmettert/ Was weich/ und lind ist/ bleibet unverletzt. Der Degen in der Scheiden wird verzehrt/ Die Scheid hingegen bleibet unversehrt. 18. Auch also werden die Sünder nicht fühlen Meines geflammten Zornes Wetterstreich/ Die meine Plitze mit Thränen abkühlen/ Und haben eine Seel von Reu gantz weich: Was soll das Schwerdt in des erzörnten Hand/ Wo weder Feinde mehr/ noch Widerstand? 19. Bespiegelt euch nur an meiner Clorinden/ Die mich beläidigt mehr als jemand hat Doch nach begangnen unzahlbaren Sünden Bereuet endlich ihre Missethat: Darumb sie lieber mir/ als alle die/ So mich auff solche Weiß beläidigt nie. 20. Dann ob sie schon mich zum höchsten betrübet/ Mit ihrer lasterhafften Uppigkeit/ Anjetzo dannoch so inniglich liebet/ Daß sie zu sterben auch für mich bereit; Hätt' sie beläidigt mich niemal so schwär/ Zu solcher Lieb sie niemal kommen wär'. Fußnoten 1 Nm veni vocare justos, sed peccatores, Matth. v. 13. 2 Matth. 11. v. 19. Deren Publicanen und Sündern Freund. 3 Matth. 26. v. 50. 4 Ein Fluß/ wer daraus trinckt/ vergisset alles. 5 Plin. lib. 8. c. 16. Prostratis parcit Leo. ibid. 6 Ioan. 16. v. 21. 7 Verlohrne Sohn. Luc. 15. 2. Clorinda ersiht unverhofft ihren himmlischen Daphnis, empfangt grossen Trost darab/ und neue Hoffnung/ etc Audivit Dominus, & misertus est mei. Psal. 29. v. 11. Der Herr hat es gehört/ und sich meiner erbarmet. 1. Die Nacht der Traurigkeit/ Sammt den Verzweifflungs-Schatten/ Die mich besessen hatten/ Verschwinden allbereit/ Und geht die Heils- Auror' 1 Erwünscht zu tausend malen/ Mit vollen Hoffnungs-Strahlen/ Die gantz verwelckt zuvor/ Trostreich in mir empor. 2. Dann als ich gestern matt Am Schatten der Cypressen Gantz Hoffnungs-loß gesessen/ Und mir gewäinet satt So/ daß ich Thränen-lähr Nun nicht mehr könnte wäinen/ Da laufft ich in den Heinen 2 Weh-klagend hin und her/ Als wann ich närrisch wär'. 3. Die Seufftzer schossen mir So ungestümm von Hertzen/ Daß ich vor Angstes-Schmertzen Lufft-loß gestorben schier/ Und wäre mir nicht gleich Die Müder-Brust zerspalten/ Wodurch ich Lufft erhalten/ So wär' ich im Gesträuch Dort worden eine Leich. 4. Ich schaute hin und her Nach jedem Ort der Winden/ Ob nicht ein Mensch zu finden/ Der mir verhülfflich wär/ Ach aber auch so gar Auff Feldern/ Berg- und Auen/ So weit ich könnte schauen/ In meiner Tods-Gefahr Kein Mensch zu spühren war'. 5. Ich stellte mich alldort/ Und fienge an zu schreyen/ Daß in den Wüsteneyen Erschallten meine Wort/ Und weilen ich sie schlimm Mit seufftzen underbrochen/ Als hat der Wald entsprochen/ Wie ich geruffen ihm/ Auch nur mit halber Stimm. 6. Ich bildete mir ein/ Es müßte die verliebte/ Um den Narciß betrübte Thal-Göttin Echo 3 seyn: Als welche in dem Thal/ Und duncklen Satyr -Hainen 4 Pflegt kläglich zu bewäinen In ewiger Trangsal Ihr strenge Liebes-Qual. 7. Und weil ich mich befand' In gleichem Läid begriffen/ Mit gleichen Unglücks-Schiffen Gestrandet auff dem Sand/ So hab' ich auch mit Ihr Den Jammer meiner Plagen Gefangen an zu klagen So/ daß die wilde Thier Mit mir gewäinet schier. 8. Ich stuhnde was erhöcht' Von Bäumen abgesündert/ Auff daß ich ungehindert/ Dem Thal zuschreyen möcht'? Sprechend: Ich frage dich/ O Echo, kan auff Erden Ein Mensch an Läids-Beschwerden Auch übertreffen mich? Echo antwortet: Ich. 9. Ach nein! das kan nicht seyn/ Sagt' ich/ dann niemand leidet/ So lang mich Daphnis meidet/ Wie ich/ so grosse Pein! Sag' mir/ ist es' nicht schwär In Gottes Zorn zu leben/ Wer kan vom Geist-auffgeben Mich retten dann? Ach wer! Echo antwortet: Er. 10. Ach Echo, deine Wort Sehr pflegen zu betriegen/ Indem sie halb nur fliegen Aus deiner Kählen fort/ Du wilst darmit allein Mich also unerschrocken Zu dem Verderben locken Tieff in den Wald hinein/ Echo antwortet: Nein. 11. Wohlan dann wann ich dir/ Sagt' ich/ recht darff vertrauen/ Auff deine Wörter bauen/ So sag'/ ô Echo, mir/ Werd' ich dann (ungescheucht So vieler meiner Sünden) Verzeihung können finden Bey Daphnis noch vielleicht? Echo antwortet: Leicht. 12. Vor Freuden muß mein Hertz/ Sagt' ich/ noch heut zerbrechen/ Wann dieses dein Versprechen Herrührt aus keinem Schertz: Soll Daphnis auff das neu Sich lassen wohl versöhnen/ Ach was kan doch beschönen Mein Eyd-gebrochne Treu? Echo antwortet: Reu. 13. Die Reu in mir ist groß/ Sagt' ich/ schneidt wie ein Messer/ Ist gleich groß dem Gewässer 5 In tieffer Thetys- Schoß: 6 Sie quälet mich so hart/ Daß ich gantz muß zerfliessen? Wann werd' ich dann geniessen Des Daphnis Gegenwart? Echo antwortet: Wart'. 14. Ach ja von Hertzen gern Win ich anhier verbleiben/ Mich soll da nicht vertreiben Der spahte Abend-Stern: So soll sich dann allda Mein Daphnis lassen sehen? Ach wird es bald geschehen O liebste Sylvia? 7 Echo antwortet: Ja. 15. O grünes Trost-Gestäud/ O lang erwünschte Zeitung/ Du meines Läids Ausreitung/ Und Pflantzung meiner Freud! O ein erwünschte Sach! Sag'/ Echo, hab' ich aber/ Den himmlischen Liebhaber Zu lieben/ nicht Ursach? Echo antwortet: Ach. 16. Die Stimm mir kame vor/ Als wäre sie sehr nahe/ Darumb ich mich umbsahe/ Eh sie sich gar verlohr'/ Und sehe: nächst bey mir Ein Schäffer sich befande Mit scheinendem Vorwande/ Als sucht' Er etwann hier Ein irrends Wullen-Thier. 17. Ich fragte stracks/ was Er Auff diesem Abweg machte/ Ob Er der Herden wachte/ Und was sein werben wär'? Er sagte mir/ Er hätt' Mein Traur-Geschrey vernommen/ Darumb wär' Er gekommen Zu meiner Hülff/ und Rett' Auff diese Jammer-Stätt. 18. Er wär' gegangen auß Ein Schäfflein auffzusuchen Im Forst der grünen Buchen/ Und braunem Tannen-Hauß: Sein Schäfflein sey Clorind'/ Die Er nunmehr gefunden: Darauff ist Er verschwunden/ Und mehr als Plitz-geschwind Verstiegen in den Wind. 19. Als ich das sahe/ bin (Weil Daphnis es gewesen) Ich/ wie geschnittner Fesen/ Krafftloß gesuncken hin: Als aber bald hernach In mir die Lebens-Geister Der Ohnmacht worden meister/ Da fühlt' ich/ gleichwohl schwach/ Erquickung allgemach. 20. Es scheinte mir der Psön Leiß in ein Ohr zu sagen/ Clorind' hör' auff zu klagen/ Daphnis ist nicht mehr hön: Worauff ich wohl getröst Von hinnen mich begeben/ Gefangen an zu leben/ Der grossen Forcht entblößt/ Von allem Läid erlößt. Fußnoten 1 Des Heils Morgenröthe. 2 Dicken Wald-Gesträuche. 3 Wiederhall. 4 Dickes Gestaud. 5 Velut mare contritio. Thren. 2. v. 13. 6 Thetys die Göttin des Meers. Poët. 7 Wald-Göttin. 3. Clorinda die rauhe Tugendstraß/ und dornigen Himmels-Weeg betrachtende/ fühlet wegen widerstrebenden bösen Gewonheiten noch grosse Beschwerden/ und begehrt von Daphnis Hülff Ego custodivi vias duras, perfice gressus meos in semitis tuis. Psal. 16. v. 4. & 5. Ich hab' harte Weg bewahret/ erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen. 1. Weil diese falsche Welt Mich so tyrannisch hält/ Daß es nicht zu erzehlen/ Als will ich mir die Reyß Nach jenem Erden-Kreyß/ Der besser ist/ erwehlen/ Nach dem gelobten Land Der höchst-beglückten Erden/ Die frey von allerhand Betrübnuß/ und Beschwerden. 2. Ach aber so viel Weeg/ So viel der bösen Steeg/ Schier einer an dem andern/ Der eine hier/ der her Mir wöllen fallen schwär/ Weißloß dahin zu wandern: Zu dem so find' ich auch/ Daß über alle massen Gefährlich hart und rauch Die Ubung dieser Strassen. 3. Der Weg/ so von Trœcen Sich zieht biß auff Athen, Wo Schinis sich enthalten/ Der blutige Tyrann/ So manchem Wandersmann Den müden Kopff zerspalten/ Ist nicht so kümmerlich/ Wie meine Straß zu räisen/ Dann jene liesse sich/ Die aber nicht umbkräisen. 4. Der Weg nach Hiericho. Bey weitem ist nicht so Voll mörderischer Buben/ Allwo getroffen an Der fromm Samaritan Den Krancken in der Gruben: Alldorten wurde zwar Des Menschen Leib verletzet/ Hier aber wird so gar Den Seelen nachgesetzet. 5. Nicht ist zu finden bald Auff gantzer Welt ein Wald/ Der mehr Leut hingenommen/ Als der im Böhmer-Land/ Allwo des Mörders Hand Man schwärlich möcht entkommen/ Wo aber dorten war' Ein kleine Zahl der Mördern/ Ist da ein gantze Schar Zur Höll mich zu befördern. 6. Von Wegs-Unsicherheit Ist ruchtbar/ und verschreyt Arabia, 1 vor allen/ Dieweil alldorten offt Die Menschen unverhofft/ Gleich wie die Stöck'/ hinfallen/ Indem der gähe Wind Mit bergigem Sand-Hauffen Anstürmet so geschwind/ Daß niemand kan entlauffen. 7. Gantz Lybien ist zwar Ein stähte Todten-Bar' Von wegen vieler Löwen/ 2 Die offt nach sattem Fraß Die Blut-besprengte Straß Mit Menschen-Fleisch bestrewen: Hier aber ist ein Heer Der Cerberi schen Hunden/ 3 Welche begierig sehr/ Mich tödtlich zu verwunden. 8. Ein sehr unsichers Land Ist das am Nilus -Strand 4 Ursach der Crocodilen/ Die dorten am Gestatt/ Des Menschen-Fleisches satt/ Noch mit den Knochen spihlen/ Hier ist das Crocodil Die Welt/ so offt betrogen Der armen Seelen vil/ Und nach der Höll gezogen. 9. Von Schlangen wurd' bethört/ Ja endlich gar verstört Die schöne Stadt Amicle, 5 Mit welchen Thieren Ich Euridice nun mich 6 Gar ungern mich verwickle; Hier ist die alte Schlang/ Den armen Adams-Kindern Den glücklichen Zugang Des Himmels zu verhindern. 10. Auff dem Sicilier-Meer Ist es gefährlich sehr Zwar wegen der Sirenen, 7 So manches Schiff zu grund Mit Lachen/ Schertzen/ und Mit süssem Singen hönen: Hier singt die Welt- Siren Mit Zucker-süsser Kählen/ Wodurch zu scheittern gehn Viel tausend arme Seelen. 11. Bey Scilla, und Charibd 8 Es viel zu schaffen gibt Schad-loß hindurch zu schiffen/ Dann weil die Klippen eng/ Der Wind hingegen streng/ Wird man dort hart ergriffen: Die Welt/ das böse Meer/ Pflegt an den Glücks-Gebürgen/ Und Felsen eitler Ehr Die Seelen zu erwürgen. 12. Ich glaub'/ es sey kein Reich Auff Erden jemahl gleich Dem Colchi schen gewesen/ Allwo an Phasis Rand 9 Das Gold/ wie kleines Sand/ Wurd' häuffig auffgelesen; Zudem war' es beglückt Mit Uberfluß der Früchten/ So reich war angespickt Das Præster- Feld mit nichten. 10 13. In dieser Landschafft war' Ein Fehl von göldnem Haar/ 11 Ein Schatz von grossem Wunder/ Von dessen Bildnuß hoch Zu unsern Zeiten noch Sich rühmen die Burgunder; Aus welchem allem dann Ein jeder Mensch kan schliessen/ Daß es/ wie Canaan, 12 Von Honig müsse fliessen. 14. Weil aber diese Erd Mit einer gantzen Herd 13 Der Abentheur umbgeben/ Als sind viel Ritters-Leut/ Erhitzt auff diese Beut/ Dort kommen umb ihr Leben; Ein wildes Oxen-Heer 14 Den Paß zum Land verhütet; Ein Segel-loses Meer 15 Auff sein Gestad zuwütet. 15. Und wann schon allbereit Durch Stärck/ und Dapfferkeit Diß alles überwunden/ Hat alsdann endlich vor Des Mavors Tempels-Thor 16 Ein Drack sich noch befunden/ So diesen reichen Schatz Mit Feur/ und Gifft beschützet/ Vor wessen Widersatz Sich viel zu tod geschwitzet. 16. Dem schönen Reich/ wohin Ich Segel-fertig bin/ Das Colchi sche muß weichen/ Dem auch die gantze Welt? Sammt was sie in sich hält/ Durchaus nicht zu vergleichen/ Dann dieses alles ist In Schätzung jener Freuden Nichts/ als nur Koht und Mist Nichts/ als nur Schmertz/ und Leyden. 17. Der Weg/ ach aber ach! 17 Dahin ist Ungemach/ Und überaus beschwärlich/ Ja wegen Abentheur/ So sich da ungeheur Erzeigen sehr gefährlich! Indem das Höll-Geschmeiß 18 Mir trutzig steht entgegen/ In meiner Himmels-Räiß Den Durchzug zu verlegen. 18. O schröcklicher Gewalt! O starcker Hinderhalt Der böß-gewohnten Sitten/ 19 Von welchen ich so sehr/ Wie starck ich mich auch wehr'/ Werd' immerdar bestritten! Gewohnheit ist ein Ding/ Voraus bey jungen Leuten/ So einzupflantzen ring/ Und schwärlich auszureuten. 19. Weil aber diese Straß Dem wilden Seelen-Fraß/ Der Höllen/ mich zuführet/ Als kaufft mein enges Hertz 20 So theur nicht solchen Schertz/ Wodurch man Gott verliehret: Will lieber durch das Läid Die Himmels-Räiß anstellen/ Als durch so kurtze Freud Hinfahren nach der Höllen. 20. Durch Hagel/ Feur/ und Plitz/ 21 Durch Schwerdter/ und Geschütz/ Will muhtig ich durchbrechen/ Und sollt' auch Atropos 22 Mit ihren Mord-Geschoß Mein schwaches Hertz durchstechen: Daphnis mit seiner Gnad Wird mich sorgfältig läiten/ Und auff des Creutzes-Pfad Nach seinem Reich begläiten. Fußnoten 1 Verstehe in dem wilden unfruchtbaren Arabia, wo zu Zeiten der Wind gantze Sand-Berg zusammen wehet/ und die räisende Leut darmit ersteckt/ dahero dann die Mismia kömmt. 2 In keinem Land gibt es mehr Löwen/ und Bären/ als in Lybia. 3 Cerberus ein Hund vor der Höllen Thür/ mit drey Köpffen. Poët. 4 In dem Fluß Nilus in Aegypten gibt es viel Crocodil. 5 Eine beruhmte Stadt/ welche wegen vielen Schlangen zu Grund gangen. 6 Euridice von einer Schlangen gebissen/ hat sterben müssen. 7 Meerfräulein/ welche mit süssem singen die Schiff zugrund richten/ Poët. 8 Ein gefährlicher Ort im Meer. 9 Phasis ein goldreicher Fluß in dem Reich Colchis. 10 Zu Præsto wurden die Früchten zweymal im Jahr zeitig. 11 Das göldne Fluß. 12 Canaan das gelobte Land. 13 Wilde Oxen/ ein Feur-spenender Drack/ und sehr gefahrliches Meer. 14 Oxen/ die Füß von Aertz gehabt. Poët. 15 Unschiffbares. 16 Mavors oder Mars ein Gott des Kriegs. 17 Contendite intrare per augustam Portam. Luc. 13. v. 24. Durch die Müste in das gelobte Land. Mille per anfractus, per mille pericula mundi. 18 Iter nostrum, quasi quidam latrunculi, obsident. S. Greg. Papa. hom. II. in Evang. 19 Consuetudo altera natura. 20 Tanti pœnitere non emo. Demosth. 21 Aut vincendum, aut moriendum Muß gestritten oder gestorben seyn. 22 Eine von den dreyen Lebens-Göttinen/ welche den Lebens-Faden abschneidet. Poët. 4. Clorinda kommt in Erkanntnuß/ daß die zeitliche Straff Gottes/ Creutz/ und Leyden ein Zeichen seiner Liebe seye Disciplina tua, Domine, correxit me in finem, Disciplina tua ipsa me docebit. Psal. 17. v. 36. Deine Straff hat mich zu dem End gezüchtiget/ und deine Züchtigung wird mich underweisen. 1. Weil ich auff dem Wollusts-Weg Meine Täg' Ohne Sorg verzehret/ Hab' ich Heyl-vergessen mir Selbst die Thür Zu dem Heyl versperret/ Massen ich so Laster-geyl Nach der Höll geloffen/ Daß von meinem Seelen-Heyl Wenig mehr zu hoffen. 2. Als nun Daphnis also mich Liederlich Sah' in Sünden leben/ Und nur nach der Eitelkeit (Allbereit Gott-vergessen) sterben/ Bracht ihm meine Heyls-Cefahr Kümmerliche Sorgen; Dann mein böses Leben war' Ihm gar nicht verborgen. 3. Klopffe derohalben offt 1 Unverhofft/ An bey meinem Hertzen/ Sagte mir/ ich solte nicht Wider Pflicht Seine Lieb verschertzen; Aber sein Ermahnungs-Lehr War' an mir verlohren/ Dann ich gab' ihm nur Gehör Mit Ulysses -Ohren. 2 4. Als er mich zu seiner Schmach Also sah' Allen Raht verachten/ Müßt' auff andre Mittel Er/ Weil ich schwer Zu bekehren/ trachten; Kame mit der Höllen-Straff Ernstlich mich zu schröcken/ Von dem tieffen Sünden-Schlaff Endlich auffzuwecken. 5. Schickte mir in bester Ruh Gähling zu Schwäres Creutz/ und Leyden, Mir den Weg zum Undergang Mit Bezwang Also abzuschneiden; Dann weil ich im Glückes-Stand Stäts verbeint geblieben/ Hat Er mich mit scharffer Hand Zu dem Joch getrieben. 3 6. O wohl ein gantz allerseits Güldnes Creutz/ So die Sünder bessert Welches des Gottlosen Aug Mit der Laug Wahrer Reu bewässert! Unglück ist das beste Glück/ 4 Glück bringt nur verderben/ Wessen Gnaden-reiche Dück' Heilig machen sterben. 7. Reben/ die man Frühlings-Zeit Fleißig schneidt/ Zwar anfänglich wäinen/ Aber/ wann der Herbst einbricht/ Sie gar nicht Mehr betrübt erscheinen/ Dann sie zierlich auffgemutzt Voll der Trauben hangen/ Hätte man sie nicht gestutzt/ 5 Wurden sie schlecht prangen. 8. Wann dem Baum die geile Proß/ Zweig/ und Schoß Man nicht wird benemmen/ Wird vor andern Bäumen er/ Früchten lähr/ Sich bald müssen schämen/ Muß demnach aus seiner Stätt Auff den Scheiter-Wagen: Wann man ihn gestümmlet hätt'/ Hätt' er Frucht getragen. 9. Machen auch die Krieges-Leut Gute Beut/ Die nicht scharff gefochten? Keinem wird der Sieges-Krantz Bey dem Dantz Ohne Streit geflochten: Durch die Wunden werden sehr Ruchtbar die Soldaten/ Keiner kan zu grosser Ehr/ Sonder 6 Mühe gerahten. 10. Will die Erde fruchtbar seyn/ Korn und Wein Nach Erfordrung haben/ Muß sie ihr verwachsnes Hertz Durch das Aertz Lassen tieff durchgraben/ Durch des kalten Winters Wuht Reiffen/ Schnee/ und Regen/ 7 Wird sie wiedrum frisch und gut: Räuche bringt den Segen. 11. Ob die Drucker dem Papier Schon offt schier Gar die Seel auspressen/ Kan es doch sein Ungemach Keiner Rach/ Oder Zorn zumessen/ Massen es dardurch empfangt Weißheit der Buchstaben/ Welches jederman verlangt Stäts bey sich zu haben. 12. Zierlich prangt die göldne Cron Auff dem Thron Mittelst vieler Streichen/ Alle Klopffer/ Schläg'/ und Schnitt'/ So sie litt'/ Ihr zur Zierde reichen/ Auff den Königs Häuptern macht Sie das Leyden prangen/ Ohne welches solchen Pracht Sie nicht wurd' erlangen. 13. Niemal werden Flachs/ und Hampff Ohne Kampff Zarte Leinwat geben/ Müssen durch der Hächel Zähn Mühlich gehn Ohne widerstreben/ Endlich wird ein Hemmd daraus/ Oder zarter Kragen/ So aus einem schlechten Hauß Wird nach Hof getragen. 14. Rauche Stöck'/ und grobe Stein' Werden fein Nach erlittnen Wunden/ 8 Und nach gantz entwetztem Stahl Manches mahl Schöne Werck' befunden: Was zuvor abscheulich wild An Gestalt gewesen/ Durch das Hauen wird ein Bild Schön/ und auserlesen. 15. Also macht das Affter-Glück 9 Schöne Stück' Aus den Menschen-Kindern/ Pflegt den Hoch- und Ubermuht Durch die Ruht Seiner Tück zu mindern: Leyden schreckt die Sünder ab Von gottlosem Leben: Leyden macht die Welt schabab/ Und nach Tugend streben. 16. Als Manaß' im Glückes-Stand Sich befand'/ Hat er Gott verachtet/ Balaim den falschen Gott/ Gott zum Spott/ Fettes Vieh geschlachtet/ Als ihn aber hingeführt Seine Feind' gefangen/ Ist er von der Reu berührt In sich selbst gegangen. 17. Auch Nabuchodonosor 10 Kurtz zuvor Gott nicht wollt' erkennen/ Als darauff er aber bald In dem Wald Herumb müßte rennen/ Hat ihn endlich sein Unglück Zu der Buß getrieben/ Sonsten wär' er weit zurück Von dem Heyl geblieben. 18. Wann der Artzt aus reiffem Raht Zucker hat Frucht-loß vorgeschrieben/ Muß durch bitters Aloë 11 Dann das Wehe Werden abgetrieben; Daphnis pflegt das Myrrhen-Oel Häuffig zu ertheilen/ Wann die Sund-erkranckte Seel Schwärlich mehr zu heilen. 19. Wann die scharffe Straffes-Ruht Dann so gut Für die krancke Seelen/ Ey so komm' Samaritan Bald heran Mit den schärffsten Oelen/ Dopple deine Streich'/ und Schläg/ Oeffne/ schneid und brenne/ 12 Daß gesund ich werden mög'/ Und zur Höll nicht renne. 20. Gern will mit dem Phœnix ich 13 Legen mich Auff den Myrrhen-Hauffen/ Mit Abtödung meiner Sinn Mit Gewinn Neues Leben kauffen/ Daß alsdann/ wie er/ auch ich Ewig möge leben/ Weil ich allem Creutz nun mich Willig undergeben. Fußnoten 1 Sehe/ ich stehe bey der Thür/ und klopffe an. Apoc. 3. v. 20. 2 Vlysses hat seine Ohren mit Wax verstopfft. 3 Compelle intrare. Luc. 14. v. 24. 4 Plus, reor, hominibus adversam, quàm prosperam prodesse fortunam. Poët. de consol. Philo. c. 2. pros. 8. 5 Post gemitum botri. Nach Wäinen/ Wein. 6 ohne 7 Necessaria est pluria, glacies, ut vernans exurgat spica, S. Chrysost. hom. 3. ad Pop. 8 A vulnere forma. Nach den Wunden/ schön befunden. 9 Unglück. 10 Dan. 4. 11 Ein sehr bitteres/ doch heylsames Kraut/ und Wurtzel. 12 S. August. Hìc ure, hìc seca, dummodo in æternum parcas. 13 Ein Vogel/ welcher/ wann er als ist/ sich auff bitteres Gewürtz legt/ diß es von der Sonnen-Hitz angezündet/ und er darmit verbrennt wird/ aus wessen Aschen ein Würmlein/ aus dem Würmlein wiederum der zuvor geweßte Phœnix neu gebohren wird. Lact. Firmin. in Carm. De Phœnice. 5. Clorinda bewäinet ihre Sünde/ und fühlet allgemach die Süßigkeit des himmlischen Trosts Caput meum plenum est rore, & cincinni mei guttis noctium. Cant. 5. v. 3. Nein Haupt ist voll des Taus/ und meine Haarlocken der Tropffen. 1. Meine Augen/ Die voll weicher Perlen stehn/ Mir nun taugen Nach des Daphnis Gnad zu gehn: O ihr Thränen Fliesset häuffig früh/ und spaht/ Zu versöhnen Meiner Sünden Missethat. 2. Agar wäinte Umb den lieben Ismaël, 1 Daß sie scheinte Auffzugeben ihre Seel/ Sie verzagte Schier um ihr tod-schwaches Kind/ Aber klagte Ihre Plag dem lähren Wind. 3. Von dem Brunnen Vieler heisser Zähern war' 2 Uberrunnen Jacobs Leib fast immerdar/ Ihn bekränckte Sein verlohrner Joseph hart/ Schier vertränckte In den Thränen seinen Bart. 4. Das verbeinte Gottloß Israëliter -Volck 3 Dorten wäinte/ Wie ein ausgebrochne Wolck/ Ihre Thränen Flossen nach Aegypten-Land Nach dem schönen Knoblauch-reichen Ubelstand. 5. Als durch Flammen/ 4 Wie ein dürres Holtz-Gehäg/ Dort zusammen Eingefallen Siceleg, Wäinte kläglich David sammt dem gantzen Heer 5 So unsäglich/ Daß kein Zäher übrig mehr. 6. Heisse Zäher Hat mit grossem Läid beschwärt/ Der Vorseher 6 Hieremias ausgelährt/ 7 Als vor Zeiten Er der Stadt Jerusalem Müßt andeuten Ihre Blut- und Thränen-Schwemm. 7. Gantze Bäche Wäinte David auch so gar 8 Als der freche Absolon erstochen war'/ Weil er wüßte/ Daß sein Gott-vergeßner Sohn Büssen müßte In dem tieffen Acheron 9 8. Ohn' auffhören Wäinte Petrus immerfort/ 10 Zu verstöhren War' er auch an keinem Ort/ Endlich haben Ihm die Thränen eine Furch Auffgegraben Durch die Wangen durch und durch. 9. Der gezierte Wunden-Träger von Assis 11 Offt verliehrte Sein Gesicht durch Thränen-Güß! Er bewäinte Daphnis Tod so schmertzlich sehr/ Daß er scheinte Zu zerrinnen in ein Meer. 10. Diese Thränen Möcht ich ihnen allzumal Abentlehnen Zu versencken meine Qual: Gantz zerfliessen Müßte auch so gar mein Hirn/ Wasser giessen Wie des Wassermanns Gestirn. 12 11. Ich will wäinen/ Wie ein Mutter-loses Kind; Mit der reinen Fara werden endlich blind/ 13 Die erblinden Lieber wolt' aus grosser Scham/ Als verbinden Sich mit einem Bräutigam. 12. Meine Glieder Sollen trieffen immerdar/ Dem Geschlüder Gleich von angefangnem Jahr; Meine Wangen Sollen von der Sünd beschämmt Wegen langen Wäinens werden überschwemmt. 13. Ich will machen Mir ein eignes Thränen-Teich/ Und verlachen Den Neptun in seinem Reich/ 14 Will im tieffen Augen-Wasser watten her/ Also trieffen/ Als wann ich die Thetys wär. 15 14. Satte Thränen Wird mir geben meine Reu/ Zu versöhnen Mich mit Daphnis auff das Neu: Wann ich meine Sünd'/ und Daphnis Lieb bedenck/ 16 Ich umb keine Thränen-Armuth mich bekränck'. 15. O ihr Sünde/ Billich muß ich hassen euch/ Dann ich finde/ Daß ihr seyt ein' böse Seuch: Ach wie schmertzet Ihr das Hertz/ so euer frey/ Recht behertzet/ Was da Gott erzörnen sey. 16. Auff die Freuden/ Bald verschlucktes Linsen-Muß/ Folgt das Leyden Einer lang- und harten Buß: 17 Esau büßte Seine kurtze Wollust lang; Der versüßte 18 Apffel macht uns allen bang. 17. Doch ihr Büsser Allen Schrecken von euch leint/ Dann viel süsser Ist die Buß/ als man vermeint: In der herben 19 Schelffen ist ein süsser Kern: Trost erwerben/ Die mit Daphnis leyden gern. 18. Was man liebet/ Ob es schon sehr hart/ und schwär/ Nicht betrübet Wann es selbst der Tod auch wär': Edle Ritter Haben in dem Streit nur Lust/ Alles bitter Ist Liebhabern unbewußt. 19. Ey so fliesset Stäts ihr meine Augen beyd'/ Dann versüsset Wird dardurch mein Hertzen-Läid: Herbe Thränen Werden durch die Hoffnung süß/ Helffen denen/ Die gefallen/ auff die Füß. 20. Von dem Wäinen Will ich nimmer lassen ab/ Biß ich meinen Daphnis gantz versöhnet hab: Will erträncken In den Thränen meine Sünd'/ So versencken/ Daß auch Gott sie nicht mehr find'. Fußnoten 1 en. 21. 2 Gen. 37. 3 Num. 11. 4 1. Reg. 30. 5 Planxerunt, donec deficerent in eis Lachryma. 1. Reg. 30. v. 4. 6 Hierem. 9. 7 Thren. 1. 2. & 3. 8 2. Reg. 19. Mein Sohn Absolon, Absolon mein Sohn. v. 4. 9 Ein Fluß in der Höllen. Poët. 10 S. Clemens lib. 1. Recog. 11 Der H. Vatter Franciscus. 12 Der Wassermann gießt zwar kein Wasser/ ist doch ein Ursach grosser Wassergussen. 13 S. Fara Hagarii Tochter wäinte sich blind/ als sie sich verheyrathen solte. Ravisius, & Valent. Leucthius in vita SS. 7. Ian. 14 Neptunus der Meer-Gott. 15 Meer-Göttin. Poët. 16 Die Seel/ die da sündiget/ wird sterben. Ezech. 18. v. 4. Die Engel wurden lieber in die Verdammnuß gehn/ als Gott mit der geringsten Sünd beläidigen. in vit. Cathar. Genuen. 17 Gen, 25. in fine. 18 Gen. 3. 19 Nach der Viele meiner Schmertzen haben mich deiner Tröstungen erfreuet. Psal. 93. v. 19. 6. Clorinda bedenckt das grosse Ubel der Hoffart/ und die Hochschatzung der Demuht: schätzet sich glückselig in ihrer Demühtigung Custodiens parvulos Dominus: humiliatus sum, & liberavit me. Psal. 114. v. 6. Der Herr bewahret die Kleinen: Ich bin gedemühtiget worden/ und Er hat mir geholffen. 1. Lucifer gläntzend' über alle Engel/ Welchen erschaffen Gott hat ohne Mängel/ 1 Weilen er aber schön/ und auserlesen Trutzig aus Hoffart gegen Gott gewesen/ Wurde vom Himmel neben einer grossen Menge verstossen/ 2 Mußte mit seinen bösen Mit-Gesellen Fahren zur Höllen. 2. Kaum da geschloffen Adam aus der Erden/ Wolte den Göttern er schon ähnlich werden/ 3 Wordurch in Ungnad Gottes er gefallen/ Nicht ohne grossen Schaden unser allen/ Wurde/ weil er demühtig nicht geblieben/ Ewig vertrieben; Mußte dem schönen Paradeiß absagen/ Seuffzen/ und Klagen. 3. Jenes aus Hoffart hocherhebte Babel 4 Wolte zuhoch mit seinem Ehren-Schnabel/ Suchte biß in den Himmel auffzusteigen/ Gott aber zeigt ihm früh genug die Feigen/ Massen es bald von Ubermuht bethöret/ Wurde verstöret/ Mußte zum Hon-Spiel (ohne Spitze) werden Billich auff Erden. 4. Boßheit/ und Hoffart/ beyde Schwestern haben Den mehr als stoltzen Pharaon begraben/ 5 Weilen er Gott nur hönisch hat getrutzet/ Wurde sein Hochmuht unerhört gestutzet/ Massen er mit vielen kümmerlichen Plagen/ Wurde geschlagen/ Mußte/ wie Bley/ sammt seinem Heer versincken/ 6 Spöttlich ertrincken. 5. Grausam entsetzlich haben endlich müssen Die Sodoms- Kinder ihre Hoffart büssen/ 7 Himmlisches Feur hat ihre Städt' verzehret/ Alles in lauter Wüsteney verkehret/ Niemand/ als Loth mit Seinen/ ist entrunnen/ Alle verbrunnen: Geilheit/ und Hoffart kamen in die Flammen Beyde zusammen. 8 6. Arphaxad dort ein schöne Stadt erbaute/ 9 Welcher er mehr/ als seinem Gott/ vertraute/ Hatte den Feind zu seinem höchsten Schaden Mit seinem Hochmuht reitzend' eingeladen/ Mußte von seinen schön- und hohen Mauren Fort mit Bedauren/ Wurde gestürtzt von seinem Ehren-Wagen/ Elend erschlagen/ 7. Hätte Darîus seinen Stand erkennet/ 10 Niemal sich einen Götter-Sohn genennet/ Nicht Schmach erwiesen eine auff die ander Dem/ seinen Knecht genennten/ ALEXANDER, Er noch ein Herr des Reiches unvertrieben Wäre geblieben; Seinen Hals aber haben ihm zerbrochen Trutzen/ und Pochen. 8. Hoffart ist gleich den hoch gewachsnen Eychen/ Welche der Wolcken blaues Hauß erreichen/ Weil sie bey ihnen aber Wohnung machen/ Pflegen sie hefftig wider die zu krachen/ Plitzen erzörnt mit unerhörten Toben Auff sie von oben/ Dann sie durchaus nicht bey sich haben wöllen Solche Gesellen. 9. Also kan Gott auch keine Stoltze leyden/ Müssen auff ewig seinen Hofe meyden/ Wann sie zu hoch-auff ihre Köpffe richten/ Macht er sie/ gleich dem Sonnen-Staub/ zu nichten/ 11 Stürtzet herunder mit Unglückes-Streichen Solche Berg-Eychen: Niemal ist Hoffart/ Ubermuht/ und Prangen Glücklich abgangen. 10. Gleich wie der Rauch zu nichte sich versteiget: Gleich wie der Thon nur währet/ da man geiget: Gleich wie die Liechter scheinend' Ehr erwerben/ Aber unrühmlich auch mithin abserben/ Also auch sich die schnöde gröster Ehren- Dünste verzehren: Billich ein Brand die Schöne seiner Flammen Solte verdammen. 11. Wann die Ragueten nach der Höhe ziehlen/ Sie zwar alldorten schöne Sachen spiehlen/ Gleich darauff aber/ wie die Plitze/ knallen/ Mithin auch Ruhm-loß auff die Erde fallen: Also ist auch der Ehr-verliebten Affen Glücke beschaffen/ Unverhofft/ ehe sie gar hinauff gestiegen/ Fallen/ und ligen. 12 12. Niemal ist Hoffart ohne Schand geblieben/ Hat zu dem Fall den Phaćton getrieben/ Welcher auff seinem schönen Ehren-Wagen Meisterloß wolte durch die Höhe jagen/ Hochmuht hat aber seine Räiß verkürtzet/ Ihne gestürtzet/ Mußte im Pò 13 mit unerhörtem Schaden Zu tode baden. 13. Icarus von dem Ubermuht betrogen/ 14 Ist hoch aus Hoffart übersich geflogen/ Wolte den Vatter muhtig überfliegen/ Fangte darauff an hin und her zu wiegen/ Könnte der Sonnen Hitze nicht erleyden/ Müßte sie meyden/ Biß er entflüglet ohne Krafft gesuncken. Völlig ertruncken. 14. Kleine hingegen hoch erhaben werden Nicht nur im Himmel/ sonder auch auf Erden/ 15 Gott pfleget sie zu lieben/ und zu preisen/ Selbst die Prachthansen ihnen Ehr beweisen/ Welche die Demuht zwar in andern lieben/ Keine doch üben: Hochmuht in andern (ohne selbst verlassen/) Schelten/ und hassen. 15. Unglück hat nächst sein Hause bey den Reichen/ Unverhofft pflegt es ihnen einzuschleichen; Gnad herentgegen ruhet auff den Kleinen/ Welche bey sich selbst kleine Zwerge scheinen; Daphnis setzt ab die/ so nach Ehren dürsten/ Keine Prachthansen neben ihm in Hulden Kan Er erdulden. 16. Gleich wie die Hennen ihre Jungen schützen Immerdar wider dero Feinde glutzen/ 16 Also beschützt Gott die mit eignen Händen/ Welche demühtig sich zu ihme wenden/ Laßt ihnen nichts/ so schaden auch den Haaren Möcht'/ wiederfahren: Seine Verfolgung jener auff sich hetzet/ Der sie verletzet. 17 17. Hoffart ist Ursach/ daß die Hölle brennet/ Der man unsinnig schaaren-weiß zurennet/ Hochmuht ist Ursach/ daß wir alle sterben/ Ja so viel tausend ewiglich verderben: Hochmuht ist Ursach/ daß viel edle Christen Seynd Atheisten: 18 Hochmuht hat Teutschland/ läider! umbgekehret/ Spöttlich entehret. 18. Hochmuht ist stracks die grade Straß zur Höllen/ Weh' denen/ die sich nur erheben wöllen/ Welche nur stäts nach Glück/ und Ehren trachten/ Mithin ihr eignes Seelen-Heyl verachten/ Hoch werden solche sich betrogen finden/ Bleiben dahinden: Prächtig mit Aman zwar auf Erden prangen/ Aber dort hangen. 19. Eitle Welt-Kinder/ deren Hertz gefangen Von schnödem Ehrgeitz höret auf zu prangen/ Wolt' ihr aus Gottes Lieb/ und Huld nicht fallen/ Ey so vermeydet diese Pest vor allen; Aendert in Demuht/ selig einst zu werden/ Eure Geberden; Suchet mit mir die wahre Glückes-Güter/ Edle Gemühter. 20. Alles ist eitel/ nichtig alles alles/ 19 Nicht wohl ein Nachklang eines öden Halles/ Alles hinschleichet/wie der lähre Schatten/ Alles entweichet/was wir jemal hatten/ Himmlische Güter aber ewig währen/ Niemal erlähren: Demuht ist/ so die Seligkeit erzwinget/ Höchst hinauff tringet. Fußnoten 1 Isa. 4. v. 12. 2 Apoc. 8: v. 12. 3 Ecce Adam quasi unus ex nos his factus est. Gen. 3. v. 22. ibid. v. 23. 4 Gen. 11. 5 Exod. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 6 Exod. 15. v. 10. 7 Gen. 19. 8 Ezech. 16. v. 49. 9 Ecbatanis, Iudish. 1. 10 Lib. 2. Supplem. ad Q. Curt. 11 Isa. 1. v. 30. & 31. 12 Vidi impium superexaltatum, & elevatum, sicut cedros Libani, Es transivi, & ecce non erae. Psal. 36. v. 35. & 36. Vt casu graviore ruantsolluntur in altum. 13 Der Fluß Padus in Italia. 14 Icarus wolte mit wärinen Flüglen fliegend seinen Vatter Dædalus überwinden; ist aber gefallen/ und ertruncken. 15 In Cant. Magnificat. v. 7. Deposuit. 16 Deut. 32. v. 10. & 11. 17 Ezech. 2. v. 8. 18 Halten zeitliche Glückseligkeit/ und die Ehr für ihren Gott. 19 Eccl. 1. v. 2. 7. Clorinda beklagt ihr unvernünfftige Gottlosigkeit/indeme sie ein so geraume Zeit keinen Gott erkennt Dixit insipiens in corde suo, non est Deus. Psal. 13. v. 1. Der Unweise hat gesagt in seinem Hertzen/ es ist kein Gott. 1. Das hat die Sünd/ 1 Daß sie verblendet/ Des Menschen Hertz geschwind Von seinem Gott abwendet/ Und welcher sich darinn vertiefft/ Vor Gott/ wie Jonas, sich verschliefft/ 2 Wird flüchtig/ wie die Tauben/ Gottloß/ wie Ephraim, 3 Verliehrt den Glauben/ Und Gott mit ihm. 2. Wohl wird der Nacht Die Sünd verglichen/ Indem sie alles macht Verfinstert/ und verblichen; Bey dieser Nacht der Wandersmann Des Wegs sich nicht verrichten kan/ Blind hin und wieder wattet/ Biß in dem Irrthumms-Moos Er/ gantz ermattet/ Stirbt Hoffnungs-loß. 3. Dieses hab ich Auch selbst erfahren/ Als ich befunden mich Noch in den Wollusts-Jahren/ So sehr wurd' ich des Liechts beraubt/ Daß ich an Gott nicht mehr geglaubt/ Hab'/ als ein Spiel der Affen/ Veracht das Göttlich Ammt/ Und/ als ein Pfaffen- Gedicht/ verdammt. 4. Ich glaubte nicht Zu seyn ein Himmel/ 4 Die Höll wär' ein Gedicht/ Und nur ein Schreck-Getümmel/ Sie wäre nur ein Pfaffen-Traum/ Die Leut zu halten in dem Zaum/ Und wenn ein Gott schon wäre/ So hätt' er dennoch nicht So groß- und schwäre Straff zugericht. 5. Wann ihm bewußt/ Wie wir beschaffen/ Könnt eine kleine Lust Er nicht wohl ewig straffen; 5 So blöde Schwachheit hätte nicht Verdient ein solches Blut-Gericht/ Wie könnt Er also raasen/ Wann Er das Höchste Gut? Die Höll anblasen Zu solcher Glut? 6. Für selig hab' Ich nur gehalten Des Glückes reiche Gaab/ Und Schönheit der Gestalten: Nach Wollust/ Reichthum/ Freud/ und Ehr/ Und was die Welt kan geben mehr/ Hab' embsig ich getrachtet: Die Tugend aber/ ach! Viel mehr verachtet/ Als keine Sach. 7. Das ist der Grund/ Und gantzes Wesen/ Worinn mein Glaub bestuhnd'/ Den ich mir auserlesen: Mein Fleiß/ Gewerb/ und Ubung war' Die Buhlerey nur immerdar; Mein hoch-geschätzte Bibel Geweßt ist Amadis, 6 Wovon mein Ubel So sehr einriß'. 8. Als aber ich Zu überflüßig Der Lust/ gebrauchte mich/ Wurd' endlich ich verdrüßig/ Vermerckte/ wie daß alle Freud Geäuglet wär auff Dorn-Gestäud/ Wie ihr geschärfftes Ende 7 Das Hertz zu stechen pfleg'/ In Traur verwende/ Die Wollusts-Täg. 9. Dahero wann Ich müd des Schertzens Mithin gefühlet dann Die Bitterkeit des Hertzens/ Hab' ich von dem Verdruß bewegt/ Mich an ein Fenster hingelegt/ Den Himmel angeschauet Fürwitzig hin und her/ Wie er gebauet So künstlich wär'. 8 10. Ich nahme wahr Am Hauß der Sternen Die hoch-vergüldte Schaar Der Himmlischen Laternen/ Ich sahe bey entfärbter Nacht/ Wie sie bezogen ihre Wacht/ Wie zu gewissen Stunden Sie zeigten ihren Glantz/ Darauff verschwunden/ Erbleichten gantz. 11. Wie daß der Mon Bald gantz verblichen/ Drauff bald gehörnert schon/ Mit Silber überstrichen/ Wie daß er bald in vollem Schein/ Bald wiederumb gezogen ein: Wie Hesperus 9 am Abend/ Zu Morgens Lucifer Vor ihm hoch-trabend' Stäts lauffen her. 12. Bey Tag/ wann ich Von dem Getümmel Was abgeschrauffet mich/ Und angeschaut den Himmel/ Vermerckt ich/ wie die göldne Sonn/ Die Tages-Mutter/ unser Wonn/ In vier und zwantzig Stunden/ Unmüd in ihrer Raiß/ Den groß- und runden Erd-Klotz Umbkräiß. 13. Wie daß man sie Nie hörte girren/ In ihrem Lauff auch nie Vermerckte zu verirren/ Noch daß sie jemal Schaden lidt'/ Ob sie schon thät so lange Schritt'/ Und wann sie sich verloren Von uns schon in die Ferr/ Neu doch gebohren Zu Morgens wär'. 14. Wie daß die Erd Durch warme Regen So schön befeuchtet werd'/ Nachdem sie kahl gelegen/ Wie sie aus ihrer schwangern Schos Hervor die Blumen häuffig stoß'/ Und zwar der schönsten Arten So mancherley/ daß man Von ihr erwarten Nichts edlers kan. 15. Wann dieses ich Bey mir erwogen/ Hat die Vernunfft dann mich Zu solcher Frag gezogen/ Wer dieser Dingen Ursach sey/ Ob auch ein Werck des Meisters frey? Was für ein Hauß jemalen 10 Sich selbst hab' auffgericht? Ob es auch Strahlen. Geb' ohne Liecht? 16. Wann diese Welt Steh' von sich selber/ Von niemand auffgestellt/ Sey ewig sie unfehlbar; Und ist dann ewig sie allein/ So muß sie Gott unfehlbar seyn/ Dann alle diese Sachen/ Die man auffwachsen sicht. Sich können machen Ja selbsten nicht. 17. So muß zuvor Dann aller Dingen Ein Ursach seyn/ empor/ Was werden soll/ zu bringen/ Wer aber ist die Grund-Ursach Als Gott/ der keinem Ding zu schwach; Dem so viel edle Wercke Zu schaffen viel zu schwär/ Wann seine Stärcke Nicht Göttlich wär'. 18. Kan aber die Natur seyn Göttlich/ Die da beständig nie? Das wär' nicht Göttlich/ spöttlich: Wir sehen ja von Stund zu Stund/ Wie auch die Felsen gehn zu Grund/ Wie daß die Krafft der Erden Sehr nemme täglich ab/ So daß sie werden Müß' selbst ihr Grab. 19. Was ewig ist/ Das bleibt beständig/ Wird auch zu keiner Frist Von seinem Seyn abwendig: So ist die Welt dann ewig nicht/ Weil immerzu ihr Wesen bricht/ Ist endlich sie/ so rühret Sie von dem Wesens her/ Dem da gebühret Die Göttlich' Ehr. 20. O Gott/ du hast Die Welt erhaben/ 11 Sammt ihrem gantzen Last Aus nichts hervor gegraben; 12 Du bist der grosse Sabaoth, Der Erden/ und des Himmels Gott/ Dich will ich ewig preisen/ Dann du hast mich getröst/ 13 Von dem unweisen Gestanck erlößt. Fußnoten 1 Prov. 18. v. 3. S. Thom. 1. p.q. 14. a. 1. 2 Ion. 1. 3 Osea 7 v. 11. 4 Deren Atheisten Gedancken. 5 Fehler des alten Origenis. 6 Ein Fabel- und Buhlerey-Buch/ von welchem und andern dergleichen Liebes-Büchern die junge Leut verführet werden/ daß sie nachmalen zu den Tugenden und Andacht keinen Lust mehr haben. 7 Das End der Freud ist Laid. Prov. 14. v. 13. 8 In der Welt-Freud verursachet die Begierd eine Ersättigung/ die Ersättigung Verdruß. In der Geistlichen verursachen die Begierd eine Ersättigung/ und die Ersättigung das Verlangen. S. Greg. in hom. 9 Abend- und Morgen-Stern. 10 Weil die Natur abnimmt/ so ist sie nicht ewig/ Ist sie nicht ewig/ so ist sie nicht Gott. 11 Psal. 88. v. 12. 12 2. Mach. 7. v. 28. 13 Quàm magnificata sunt opera tua Domine, omnia in sapientia fecisti. Psal. 103. v. 24. 8. Clorinda erfreut sich/ daß sie von dem unglückseligen Sünden-Stand/ und böser Gesellschafft erlößt/ in den Stand der heylsamen Buß versetzt worden Domine, deduxisti ab inferno animam meam, salvâsti me à descendentibus in lacum, Psal. 29. v. 4. Herr/ du hast meine Seel aus der Höllen geführt: du hast mich erlöst von denen/ die in die Grube fahren. 1. Satan sammt allen Gespenstern der Höllen/ Welche des Menschen gefährlichste Feind/ Einen gottsförchtigen Menschen zu fällen/ Warlich so mächtig bey weitem nicht seind/ Als die Leichtfertigkeit böser Welt-Kinder/ Weilen geschwinder Der Mensch durch eine böse That Verführt wird/ als durch blossen Raht. 2. Welcher mit spitzigen Dörnern umbgehet/ Ohne Verletzung kommt nimmer darvon; Waitzen/ der unter die Distel gesäet/ Leichtlich ersticket/ wie gut er auch schon; Malvasier unter dem Eßig nicht dauret/ Gäntzlich versauret: Wer bey den Bösen Freundschafft sucht/ Mit ihnen auch bald wird verrucht. 1 3. Unter den räudigen Schaafen niemalen Bleibet ein sauberes Lämmlein gesund; Auch so gar göldne Becher/ und Schalen Werden besudlet von kräncklichem Mund: Köche bey rußigen Häfen/ und Härden Schmutzig bald werden: Wer Vögel-Kleb/ und Hartz berührt/ Wird von demselben leicht beschmiert. 2 4. Weißlich die Vögel dem Geyer abweichen/ Billich abscheuhet den Habich die Daub/ Wann sie viel wolten mit ihnen umbstreichen/ Wurden sie ihnen bald werden zum Raub; Lämmer/ der Wölffen Gemeinschafft beflissen: Werden zerrissen: Wer sich den Träbern mischet ein/ Den fressen/ wie man sagt/ die Schwein. 5. Dieses hat Dina genugsam erfahren/ Als sie welt-süchtig gezogen von Hauß/ 3 Hätte den Kosten wohl können erspahren/ Massen es übel geschlagen ihr auß/ Dann sie ein seufftzende Trägerin wurde Kindlicher Burde: Bey Frommen in dem Vatterland Erlidten hätt kein solche Schand. 6. Lucifer unter den Englen schlimm hausend/ Wegen der Boßheit ein räudiges Schaff/ 4 Tödtlich ansteckte derselben viel tausend/ Zoge sie mit sich zur ewigen Straff; Wenig sind die nicht durch böse Gesellen Fahren zur Höllen: Ein fauler durchgehölter Zahn Steckt unvermerckt viel andre an. 7. Salomon, welcher in blühender Jugend 5 Weiser gewesen/ als niemand vor ihm/ Welchen Gott wegen vielfältiger Tugend Oeffter gewürdigt mit leiblicher Stimm/ Als er die Heydnische Weiber berühret/ Wurde verführet: Ein zahmer Baum im wilden Wald Die gute Art verliehret bald. 8. Petrus hat unter den bösen Gesellen 6 Bey dem Feur sitzend sich hefftig verbrennt/ Als er den Menschen bekennen nicht wöllen Welchen er besser/ als niemand/ gekennt/ Eine nur schwache Magd machte den alten Felsen zerspalten: Dem Stroh kommt die Gesellschafft theur/ Wann es sich nahet zu dem Feur. 9. Judas ist worden der ärgste Mißthäter/ 7 Weil er der Juden Gemeinschafft gesucht/ Wurde gar seines Erlösers Verrähter Also/ daß er sich auch selbsten verflucht/ Wäre zu solcher Mißhandlung nicht kommen Unter den Frommen: 8 Dem Mäußlein/ so mit Katzen spilt/ Unfehlbar es das Leben gilt. 10. Weilen Proserpina 9 eintzig spatzierte Frecherweiß auff dem Ennæi schen Feld/ Pluto 10 von dannen sie gähling entführte Nach dem unlustigen Höllen-Gewäld/ Wäre/ wann sie die Gesellschafft geschohen/ Leichtlich entflohen: Wer sich nicht scheucht vor böser Schaar/ Der geht zu grund in der Gefahr. 11 11. Abraham mußte die Freunde verlassen/ Vatter/ und Mutter aus Gottes Geheiß/ 12 Böse Gesellen abscheuhen/ und hassen/ Meiden das schädliche Götzen-Geschmeiß/ Also sich selber von schlimmen/ und bösen Freunden erlösen: Der Safft muß abgesöndert seyn Von Träbern/ soll er werden Wein. 12. Gleicher weiß müßte von Sodoma weichen Eylends der übel-gesellete Loth, 13 Ohne verschnauffen dem Berge zu keichen/ Gäntzlich verlassen die sündige Rott/ Hätte unschuldig sonst eben auch müssen Fremmde Sünd büssen: Wer sich den Mördern zugesellt/ Sich selbst ein böses End erwehlt. 13. Moyses bey Pharaon wolte nicht bleiben/ Ob er schon wurde gehalten sehr hoch/ Wolte viel lieber die Wullen austreiben/ Als sich ergeben dem Heydnischen Joch/ Sorgte von Gott sich gar endlich zu scheiden Unter den Heyden: Wer ein verfaultes Aaß nicht fliecht/ Auch den Gestanck bald an sich ziecht. 14. Wann dich die Sünder/ sagt Salomon, locken/ Lasse bey Leib dich mit ihnen nicht ein/ 14 Ob sie schon zeigen die köstliche Brocken/ Göldene Schalen mit Creti schem Wein/ Sonsten wirst du es in ewigen Qualen Müssen bezahlen: Dann keinem wird die Zech geschenckt: Heißt/ mit gestohlen/ mit gehenckt. 15. Unter der bösen Gesellschafft ich immer/ Läider! gewesen von Jugend auff bin/ Wurde dahero nur immerdar schlimmer/ Lauffend' nach aller Leichtfertigkeit hin So/ daß ich endlich im Cypri schen Orden 15 Meisterin worden/ Vertiefft gantz in der Sünden-Höll/ Vertretten hab'/ der Lais Stell. 16 16. Endlich als Daphnis mich also gesehen Unter der nunmehr verworffenen Schar/ Daß es umb meine Seel wäre geschehen/ Massen ich ärger/ als Rosemund war/ 17 Hat Er sich meiner Gottlosen erbarmet/ Heimlich umbarmet/ Und aus des Satans Rachen mich 18 Gezogen mit Gewalt zu sich. 17. Gleich wie Andromede wurde errettet Aus dem Verderben durch Perseus Hand/ Als sie am Felsen anhangte gekettet/ Und sich nun gäntzlich verschätzet befand'; Also hat Daphnis mich aus dem gewissen Elend gerissen: Das von Andromede Gedicht An mir ist worden ein Geschicht. 18. Orpheûs hat seine Gemahlin entzogen Mittels der Harpffen dem traurigen Reich 19 Weilen er aber dem Pluto gelogen/ Hat er verlohren sie wiederumb gleich/ Welches Verbrechen Euridice büssen Schmertzlich hat müssen: Mich Daphnis aber hat erlößt/ Daß ewig ich darmit getröst. 19. Machte die böse Gesellschafft mich fliehen/ Stellte mich völlig auff sicheren Fuß; Ach daß ich sie auch mir könnte nachziehen/ Ernstlich zu würcken erforderte Buß! Daß wir nachmalen/ gottselig bereuet/ Wurden erfreuet: Ach werdet schmertzlich doch berührt Ihr endlich/ die ich hab' verführt! 20. Eya dann Sünden-vertieffte Welt-Kinder Kommet/ und folget mir büssenden nach; Wer sich selbst straffet/ der büsset gelinder/ Rettet sich selber vor künfftiger Schmach: Allezeit pflegen beläidigte Waffen Strenger zu straffen. Wo Gott nicht muß/ da strafft Er nie/ Wer sich selbst strafft/ spart Ihm die Mühe. Fußnoten 1 Proverb. 13. v. 20. Amicus stultorum efficitur similis. 2 Eccles. I.v.t. qui tangit picem, inquinabitus ab ea. 3 Gen. 34. 4 Tertia pars stellarum. Apoc. 8. v. 12. 5 3. Reg. 3. 6 Marc. 14. 4. Matth. 16. Tu es Christus filius Dei vivi. 7 Matth. 26. v. 14. tunc abiit. 8 Cum electo electus eris, & cum perverso, pervertéris. Psal. 17. v. 27. 9 Die Höllen-Göttin. 10 Der Höll-Gottt Poët. 11 Eccles. 3. v. 27. Qui amas periculum, peribit in illo. 12 Gen. 14. 13 Gen. 19. 14 Prov. 1. v. 10. Si te lactaverint peccatores, ne acquieseas eis. 15 In der Unlauterkeit. 16 Lais ein berühmte Gelt-Gewinnerin zu Corinth. 17 Ein gottlose Königin. 18 Simulacris sacrificabant, & ego, quasi Nutritius Ephraim, portabam eos in brachiis meis: & nescierunt, quòd curarem eos: in funiculis Adam trahebam eos. Osc. II. v. 3. & 4. 19 Der Höllen. Hat die Bedingnuß gebrochen. Poët. 9. Clorinda fühlet allgemach/ wie lieblich der Herr/dahero sie lieber sterben/ als durch einige Widerwärtigkeit von Ihm abweichen will Qui nos separabit à charitate Christi, tribulatio, an angustia, an fames, an nuditas, an periculum? Rom. 8. v. 35. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi/ Trübsal/ oder Angst/ Hunger/ oder Blösse/ oder Gefahr. 1. So bald der heiß-hungrige Bär/ Den lieblichen Honig vernimmt/ Umb selben (wie tölpisch auch er) Unsteigbare Bäume beklimmt/ Und ob ihn die Immlein schon stechen/ Am Honig-Dieb dapffer sich rächen/ So laßt er von dannen doch sich Abtreiben mit keinem Gewalt/ Verachtet die schmertzliche Stich'/ Der Honig den Schmertzen bezahlt. 2. So bald der begierige Falck Vermercket die seuffzende Daub/ Verfolgt der arglistige Schalck Den Felsen-zuflüchtigen Raub/ Verachtet des Falckeniers Locken/ Erhitzet auff sinnlichen Brocken/ Nachsetzet demselben so lang/ Biß daß er ihn endlich gefaßt/ Durch keinen auch tödtlichen Zwang Von solchem abschrecken sich laßt. 3. Wer einmal verkostet/ und schmeckt/ Wie gütig/ und lieblich der Herr/ 1 Denselben kein Abentheur schreckt/ Und wann es Megæra 2 schon wär'/ Ja alle Gespenster der Höllen/ Wie ungeheur sie sich auch stellen/ Da müssen abweichen mit Spott/ Ablegen ihr stumpffes Gewehr; Dann welcher sich sehnet nach Gott/ Durchdringet die feindliche Heer. 3 4. Wie stärcker alldorten ergriff' 4 Und risse vom Boden hervor Die Flut das Noë ische Schiff/ Je mehr es gestiegen empor/ Durch grausames Brausen/ und Bellen Der rasenden Winden/ und Wellen Getrieben wurd' immer nur fort Schnell-fliegend Armenien zu/ 5 Nach seinem erfreulichen Port/ Und ewig-verordneter Ruh. 5. Es könnte des Potiphars Weib/ Eydbrüchig an weiblicher Pflicht/ Den mehr als Lucreci schen Leib Des Josephs begwältigen nicht/ Wie starck sie auch ihne bestritten Mit strengen Anhalten/ und Bitten/ 6 Dann Joseph in Schützung der Zucht Ein wahrer Freund Gottes verblieb': Auff Parthi sch mit löblicher Flucht 7 Die freundliche Feindin vertrieb'. 6. Ein treulich Gott-liebende Seel Von ihrem Vorhaben nicht weicht/ Umbstürtzet den Höllischen Bel 8 Mit Daniels Waffen gar leicht: Gott lieben macht Zwerge zu Riesen/ Wird klärlich an David erwiesen/ Der dorten ergriffen fünff Stein (Von Göttlichem Eyffer bewegt) 9 Mit welchen er/ ob er schon klein/ Den trutzigen Riesen 10 erlegt. 7. Gleich wie der Eyßvogel die Bruht Aushäcket bey grimmigster Kält'/ Auch ihme das Wasser nichts thut/ 11 Bey dem er sich immer auffhält/ Auch also den/ welcher Gott liebet/ Kein einiges Unglück betrübet/ Ist wie ein felßechtes Gestad/ An welchem das starcke Gewäll Sich gäntzlich zerstosset/ und matt Abweichet mit lährem Gepräll. 8. Nichts könnte den liebenden Job 12 Von seinem Gott trennen jemal/ Obschon ihn der Satan sehr grob Ergriffen mit allerhand Qual/ Obschon er ihm grausam gezwagen/ Die Häuser sammt Kindern erschlagen/ Kühe/ Rinder/ Schaaf/ Oren/ Camel Auff einen Tag alles entführt/ Den gantzen Leib (ohne die Seel) Mit hefftigsten Plagen berührt. 9. Die Himmel-hoch steigende Flamm Die fromme Hebræër nicht hat/ 13 Wie hoch sie auch schlagte zusamm/ Vermögen zu sündlicher That/ In Mitte der Flammen stäts haben Gesungen die muhtige Knaben/ Hingegen hat selbiges Feur Die böse Chaldeér verzehrt: Die Boßheit kommt Bösen sehr theur: 14 Gott schützet den/ welcher Ihn ehrt. 10. Gleich wie das beständige Gold Im Ofen nur köstlicher wird So/ daß ihm die Menschen gantz hold Nachstreben mit heisser Begierd/ Wird in dem Feur immer nur feiner/ Fürtrefflicher/ schöner/ und reiner; Auch also nimmt zu der Gerecht' In seinem hochschätzbaren Wehrt/ Je mehr ihm durch scharffes Gefecht Der Satan zu schaden begehrt. 11. Wie wurd' Eleazarus nicht 15 Zu sündigen nöhtlich geträngt/ Und wider die Jüdische Pflicht Zu handlen an hefftig gestrengt; Doch könnte das Wüten der Heyden Von seinem Gott ihne nicht scheiden/ Kein Marter/ wie schrecklich auch sie/ Abschrecken ihne könnt' von Gott/ Wolt' eher auch sterben/ als je Verlassen sein heiligs Gebott. 12. So bald sich das Epheu der Maur Viel-füßig gehefftet hat an/ Dasselbig noch Regen/ noch Schaur Hinfüro absönderen kan/ Laßt eher sich völlig zerreissen/ Ja Stuck-weiß zur Erden hinschmeissen/ Als daß es freywillig abweich'/ Von welcher es wurde gesteurt/ Womit es sein' Treu/ und zugleich Beständige Liebe betheurt. 13. So kan auch den Liebenden nicht Von seinem Gott sönderen ab Noch Schrecken/ noch scharffes Gericht/ Noch schmeichlen/ noch reitzende Gaab; Wird lieber sein köstliches Leben/ Als seinen Gott treuloß auffgeben; Verachtet die Freuden/ so ihm Die schnöde Glücks-Göttin fürhält/ Als eine Sach/ welche mehr schlimm/ Dann alle Trübsalen der Welt. 14. Viel tausend bezeugten ja diß Mit häuffig vergossenem Blut/ Indem sie der Hencker hinriß' Zur Marter mit grimmigem Wuht; 16 Theils liessen lebendig sich schinden/ Theils an das Creutz andere binden/ Theils haben auff glüendem Rost Die stoltze Tyrannen gespilt/ Von oben mit Göttlichen Trost In ihrer Verfolgung erfüllt. 15. Es hat der Satan zwar sich Bemühet mit allem Gewalt Durch seine Versuchungen mich Zu stürtzen auff manche Gestalt/ Doch würd ich von keiner so hefftig Beträngt/ und bestritten so kräfftig/ 17 Als von dem nichtswertigen Wohn Zu werden bey denen veracht/ Bey welchen ich/ läider! mich schon Durch Boßheit annehmlich gemacht. 16. Ach diese gemeine Welt-Pest Mich hatte bethöret sehr lang/ Zurucke gehalten so vest/ Daß schwärlich zu siegen der Zwang: Ich dencke mit Seufftzen/ und Klagen: Was werden die Menschen doch sagen? Wann Welt-scheuh Clorinda nunmehr Gantz Nonnisch sich halten wird ein? Das wird ja die gröste Unehr Mir bey den Welt-Kinderen seyn. 17. O wie viel/ viel tausend (sag' ich) Dem bösen Feind haben gehorcht/ Von Daphnis gesönderet sich Krafft dieser armseligen Forcht! Viel lieber Gott wolten mißfallen/ Als rühren den Sündern die Gallen/ Verlassen das ewige Gut/ Zu bleiben bey diesen in Huld/ Gehn also zur Höllischen Glut Aus eigner freywilliger Schuld. 18. Diß ware der Gordi sche 18 Knopff/ Womit ich viel Zeiten verzehrt/ Indeme mein närrischer Kopff Stäts wolte nur werden geehrt; Als aber ich meine Gedancken Gezwungen in engere Schrancken/ Betrachtend/ daß aller Welt-Gunst Als Schatten/ vergänglicher sey/ Und wie ein auffsteigender Dunst Im Augenblick schleiche vorbey. 19. Als hab' ich mit starckem Entschluß Den blöden Forcht-Teuffel veracht/ Hingegen durch Menschen-Verdruß Mir Daphnis zum Freunde gemacht/ Als der sich ein pfleget zu stellen Getreuer/ als jene Gesellen/ Die Freunde bey lachendem Glück/ Bey rasendem keine mehr seynd/ Sich diebisch dann ziehen zurück/ 19 Verlassen den seuffzenden Freund. 20. Gott aber in äusserster Noht 20 Ein treuer Freund bleibet allein/ Drumb will ich im Leben und Tod Mit ihme vereiniget seyn: Und ob es mit seinen Feld-Heeren Gradivus 21 auch wolte verwehren/ So muß er mit seinem Gewalt Doch endlich abweichen mit Spott; Dann wer mich von Daphnis abhalt/ Wird müssen seyn stärcker/ als Gott. Fußnoten 1 Quàm magna multitudo dulcedinis tuæ. Psal. 30. v. 28. 2 Höll-Gespenst. 3 Si consistant adversum me castra, non timebit cor meum Psal. 26, v. 3. 4 Gen. 7. 5 Gen. 8. 6 Gen. 39. 7 Die Parthier pflegten mit Fliehen zu siegen. 8 Ein Heydnischer Abgott. Dan. 14. 9 1. Reg. 17. 10 Goliath. 11 Non contristabit justum, quicquid acciderit ei. Prov. 12. v. 21. 12 Iob. 1. & 2. 13 Effundebatar flamma super fornacem quadraginta novem, cubitis. Dan. 3. v. 47. 14 Quicunque glorificaverit me, glorificabo eum. 2. Reg. 2. v. 30. 15 2. Math. 6. 16 So viel 1000. Blut-Zeugen Christi. 17 Menschlicher Respect / welcher die meiste Sünder von der Bekehrung abhaltet. 18 Ein sehr verwirrter Knopff/ welchen Alexander mit dem Schwerdt auffgelößt. 19 Vnusquisque se à proximo suo custodiat, & in omni fratre suo non habeat fiduciam, etc. Isa. 9. v. 4. 20 Pater meus, & mater mea dereliquerunt me, Dominus autem assumpsit me. Psal. 26. v. 10. 21 Der Kriegs-Gott. Poët. 10. Clorinda erfreut sich deren so viel ausgestandenen Beschwärnussen und Widerwärtigkeiten/ weilen ihr Gott dieselbige mit Himmlischen Trost so reichlich ersetzet Secundùm multitudinem dolorum meorum in corde meo consolationes tuæ lætificaverunt animam meam, Psal. 93. v. 19. Nach Viele deren Schmertzen meines Hertzens haben deine Tröstungen meine Seel erfreuet. 1. Es ist des Himmels Schluß Den Faulen zum Verdruß/ Daß niemand werd' belohnt/ Der treulich nicht gefrohnt; Vor ausgeraufftem Dorn Wachßt weder Wein/ noch Korn; Ein ungebautes Land Bringt wenig Frucht der weich- und zarten Hand. 2. Dem Jäger in der Ruh' Laufft das Gewild nicht zu/ Muß sich bewerben lang Umb einen guten Fang: Man schlupfft nicht ein so gleich In das Schluraffen Reich: Nach dem Land Canaan 1 Hat Josuë viel harte Tritt gethan. 3. Das hat schon Rom erkennt/ Und sinnreich eingewendt/ Indem' es auffgeführt Ein Hauß/ sehr schön geziert/ 2 Woraus es wohl bedacht Zwey Tempel hat gemacht; Der Arbeit einer zwar/ Der andere der Ehr geheiligt war'. 4. Zum Ehren-Tempel doch War' weder Thür/ noch Loch/ So/ daß man gehn hinein Nicht könnte/ dann allein Nur durch der Arbeits-Thür/ Die offen für und für: Der faulen Burst zur Lehr/ Daß ohne Mühe zu hoffen sey kein Ehr. 5. Es war auff einem Feld Ein schönes Obs-Gewäld/ 3 So voll der Früchten war' Von reinstem Gold so gar; Ein Drack' lag' aber vor Des Gartens starcken Thor/ Wer was von dieser Frucht Wolt' haben/ mußt' ihn schlagen in die Flucht. 6. Das schöne Paradeiß Vor diesem hatt den Preiß/ Dann dieses Früchte trägt/ Die man auch Gott vorlegt/ 4 Doch steht an Drackens Stell Ein Creutz am Thür-Geschwell; Wer dieses auff sich nimmt/ Dem ist zu Lohn das Paradeiß bestimmt. 7. Wer aber allerseits Nur fliehen will das Creutz/ Ohn' alle Arbeit seyn/ Den laßt man dort nicht ein; Dann wer des Creutzes Feind/ Der ist nicht Daphnis Freund/ 5 Und wer ein solcher ist/ Der wird erkennet nicht zu seyn ein Christ. 8. Das Leyden ist ein Spiel/ Dem auffgesetzt sehr viel; 6 Dem Sieger ist bereit Die Cron der Seligkeit; Wer sich darumb nicht reißt/ Und Krafft-gemäß befleißt/ Nur fliehen will die Mühe/ Der wird niemalen auch bekommen Sie. 9. Der nicht versucht das Schwerdt/ Ist keines Sieges wehrt; Die ausgestand'ne Schlacht Den Kriegsmann ruchtbar macht: Wer keiner Arbeit hold/ Wird sammlen wenig Gold/ Und wer verschmächt das Bier/ Der ist nicht werth zu trincken Malvasier. 7 10. Zu der Erquickungs-Ruh' Rufft Gott nur die hinzu/ So alles Trostes lähr/ Mit Creutz beladen schwär; 8 Wer hier will selig seyn/ Der muß dort leyden Pein/ Das zeuget in der Höll Der reiche Mann/ 9 des Bacchus Tischgesell. 10 11. Drumb ist es tröstlich mir Zu leyden viel allhier/ Dann was mich hart da brennt/ Wird mir in Trost verwendt: Das Leyden daurt nicht lang/ Ist nur ein Ubergang/ Nach kurtz-erlittnem Leyd Folgt gähling ohne End die Himmels-freud. 11 12. Nach ungeheurer Nacht Die Morgenröht erwacht/ Erfreut die gantze Welt/ Die von der Nacht gequält/ Vertreibt des Hertzens Traur; Nach Donner/ Blitz und Schaur Laßt sehen sich alsdann Der Regenbogen/ trostreich jedermann. 13. Dem Winter folgt der Lentz/ Setzt auff die Freuden-Kräntz'/ Sein bunt-geblümmtes Kleid Vertreibt das Winter-Läid; Nach Unfall kommt das Glück/ Treibt das Unheil zurück/ Und trücknet ab den Schweiß/ Dem es gemacht zuvor sehr bang und heiß. 14. Nach Wäinen folgt der Trost/ Der alle Qual hinstoßt: Nach Krieges Wütterey Macht sich der Fried herbey: Nach ungestühmen Meer Legt sich der Wellen-Heer: Nach vielem Ungemach Quällt endlich auch hervor der Nectar- Bach. 15. Ich fühl auff Erden schon Der Arbeit grossen Lohn/ Dann alles wird mir leicht/ Was ich zuvor gescheucht/ Mir wird in meiner Hand Schon ring/ was ich befand' Vorhero schwär zu seyn; Die Liebe Gottes wirfft den Zucker drein. 16. Die Creutz-Einbildung macht Den Sonnenschein zur Nacht/ Es scheinet alles hart/ Was sonsten lind/ und zart; Wer diese überwindt/ Viel anderst es befindt; Was kan dem bitter seyn/ Der nur einmal versucht den Liebes-wein? 12 17. Wann ich nichts anders hätt'/ Als nur das sanffte Bett/ Wo mein Gewissen ruht In unverstörtem Muht/ 13 So könnt ich wohl mit Fug Erfreuen mich genug; Ach was für harte Sturm' Entstehen nicht von dem Gewissens-Wurm! 18. Wie plagt/ und nagt er nicht/ Wo er viel Sünde sicht! Was macht er nicht für Pein/ Wo er genistet ein! Wann sich zu Nachts im Hauß 14 Nur regt ein arme Mauß/ Wann nur ein Läublein sich Bewegt/ so geht schon in das Hertz ein Stich. 19. O wann ihr Menschen wißt/ Wie süß das Leben ist/ Wo das Gewissen frey Der Sünden-Tyranney/ Und/ flüchtig von der Welt/ Allein an Gott sich hält/ Ihr wurdet heute noch Ablegen das schmertzhaffte Sünden-Joch. 20. Vor grosser Freud kan ich Schier selbst nicht fassen mich/ Daß Gott mich aus dem Kaht Der Sünd gerissen hat: Ihm sey Danck/ Lob und Ehr/ Der mich geliebt so sehr/ Daß er durch allerhand Beschwärnuß mich gebracht zu solchē Stand. Fußnoten 1 Gelobte Land. 2 Templum honoris & laboris. 3 Der Hesperi sche Garten, Poët. 4 Umh kleine Trübsal ewige Glory. 2. Cort. 4. v. 18. 5 Deren Feinden des Creutzes Christi Ende ist der Undergang. Philipp. 3. v. 18. 6 Non coronnabitur, nisi legitimè etc. 2. Tim. 2. v. 5. 7 Dulcia non meruit, qui etc. 8 Venite ad me omnes. Matth. II. v. 28. 9 Luc. 16. v. 19. 10 Sauff-Gott. Poët. 11 S.P. Franciscus post regulam ad Fratres. 12 Cant. 2. v. 4. 13 Secura mens quasi juge convivium, Prov. 15. v. 15. 14 Terrebit eos sonitus solii volantis. Lev. 26. v. 36. Der Clorinden dritter Theil/ In welchem vorgestellt wird der Freuden-Stand einer liebenden/ und mit Gott vereinigten Seelen/nach dem Spruch der geistlichen Braut. Cant. 3. v. 4. Da ich ein wenig für ihnen überkam'/ da fande ich den meine Seele liebet/ ich hab' ihne gefunden/ und will ihn nicht entlassen. 1. Der Himmlische Daphnis eröffnet der büssenden Seel seine grosse Lieb/ und nimmt sie zu seiner Liebhaberin an Vulnerâsti cor meum, soror mea sponsa, vulnerâsti cor meum in uno oculorum tuorum, & in uno crine colli tui. Cant. 4. v. 9. Du hast mir das Hertz verwundet/ meine Schwester/ liebe Braut/ das Hertz hast du mir verwundet mit deiner Augen einem/ und mit einem Haar deines Halses. 1. Sie Lieb ist viel stärcker/ Als Danaës Kärcker/ 1 Als alle der Erden Jemal geweßte Riesen/ Weil von diesen Man noch loß offt könnte werden; Aber wo die Lieb Heimlich/ wie ein Dieb/ 2 Die Hertzen der Menschen hat gebunden/ Wird die Kett' befunden/ Mehr als tausendfach So/ daß ihr die Rach/ Und der Tod zu schwach. 3 2. Diß müßte erfahren/ Der unter den Haaren Die Stärcke getragen/ Und tausend Philisteer Noch viel eher/ Als in einem Tag/ erschlagen; 4 Der den Löwen dort Wehr-loß hat ermordt; 5 Die Pforten zu Gaza hingetragen/ Und mit vielen Plagen Seine Feind gedemmt/ Von der Lieb gelämmt/ Endlich wurd gehemmt. 3. Sie ist so gar meister Auch über die Geister/ Die oben beysammen/ 6 Dann sie den Cherubinen, 7 Seraphinen Zugesetzt mit heissen Flammen; Thronen/ Herrschafft/ Gwalt Sie gefangen halt/ Die Fürsten/ Ertz-Engl/ Engl/ Kräfften Pflegen sie anzuhefften An das Liebes-Band: Es ist ja kein Stand Frey von ihrem Brand. 4. Die Lieb ist so mächtig/ Hochmühtig/ und prächtig/ Daß sie sich eindringet So gar auch in den Reyen Höchster Zweyen/ Und sie zu der Dreyheit zwinget/ Bindet uns zusamm Mit sehr heisser Flamm/ Indem sie vom Vatter (zart gewehet) 8 Und von mir ausgehet So/ daß auff dem Thron Unter einer Cron Sie die Dritt' Person. 5. Die Lieb ist geschäfftig/ Tyrannisch/ und hefftig/ Hat auch so gar dörffen Mich Gottes Sohn verwunden/ Und gebunden In die Liebs-Gefängnuß werffen: Dann/ als dorten Ich Allzukümmerlich Die Menschen im Elend hab erblicket/ Hat sie mich verstricket Mit dem Liebes-Seil/ Daß ich umb ihr Heil Mich gegeben feil. 6. Hab' müssen auff Erden Ein blöder Mensch werden/ Mit Fätschen/ und Windlen Mich wegen ihrer Sünden Lassen binden Gleich den armen Adams-Kindlen/ Stracks darauff müßt' ich fort Nach dem Nilus- Port 9 Als einer/ der mißgehandlet/ ziehen/ Vor Herodes fliehen/ Welcher ohn' Ursach Voller Neid/ und Rach/ Mir gesetzet nach. 7. Als ich aus Aegypten Mit meinen Geliebten Nach Nazareth kehrte/ Müßt' ich verächtlich leben/ Mich dem geben In Gehorsam/ der mich nährte: 10 Ohne Kräfften noch Müßt' ich an das Joch/ Der Himmel und Erden ich gezimmert/ Umb dein Heil bekümmert/ Müßte Herbergloß Mich ergeben bloß In der Armuht-Schoß. 8. In vielen Trangsalen/ Und ängstigen Qualen/ In stätem Arbeiten Müßt' ich die Zeit zubringen/ Mit nicht ringen Wercken dir dein Heil bereiten; Dreissig gantzer Jahr Ich beschäfftigt war' Mit allerhand kümmerlichen Wercken Deine Seel zu stärcken/ Auff daß nemlich du Möchtest kommen zu Der gewünschten Ruh'. 9. Drauff müßt' ich barfüssig (Zu keiner Stund müssig) Der Welt mich erklären Und unerhört-viel leiden/ Alles meiden/ Was ein Tröstlein könnt' gebähren. All mein Thun/ und Raht War' ein Missethat; Mit bösem wir haben es vergolten/ Meine Werck gescholten/ Ausgeruffen frey/ Daß nur Zauberey 11 Mein Beginnen sey. 10. Sie haben mich endlich Des Todes erkänntlich Verfolget/ verhasset/ Und mir mit schlauen Worten Aller Orten/ Wie die Schlangen auffgepasset; Haben ihren Wuht/ Und verkehrten Muht Vielfältig an meinem Leib verübet/ Auff das höchst betrübet/ Daß mit Blut so gar Ich/ in Tods-Gefahr/ Ubernommen war'. 11. Ich müßte gefangen Darreichen die Wangen Den Speychlen/ und Schlägen/ Und zu dem Tod erkennet/ Sturm-berennet/ Mich zu ihren Füssen legen: 12 Geißlen Dörner-Cron/ Grossen Spott/ und Hon/ Ja endlich das schwäre Creutz gar tragen/ Schwach zerfetzt/ zerschlagen An den Creutzes-Pfal/ Hilff-loß überall/ Sterben voller Qual. 12. Zu diesem mich triebe Die grausame Liebe/ Die also gehauset Mit meinem treuen Hertzen/ Daß vor Schmertzen Auch der Sonnen hat gegrauset/ Welche ihren Schein Gantz gehalten ein; Die Felsen vor Unmuht sind zerspalten/ Gantz darfür gehalten/ Daß der jüngste Tag Wegen meiner Plag Würcklich sich zutrag. 13. Nach dem ich ich verschieden/ War' noch nicht zu frieden Die grausame Liebe/ Dann sie/ da ich gestorben/ Sich beworben/ Wie sie an mir noch übe: Durch Longinus Hand/ Der sich da befand/ Durchstache mein Hertz mit solchem Trucken Daß auch durch den Rucken Gangen das Gewehr/ Wann es nicht so sehr Selbst erschrocken wär'. 14. Das Elend der Seelen Mich machte erwehlen Viel lieber zu sterben/ Als sie vor Augen sehen In den gähen Sünden-Fahl hilff-loß verderben: Hab mit meinem Blut Sie der Höllen-Glut/ Und aller Gefährlichkeit befreyet/ Mit der Gnad beschneyet/ Und so schön gemacht/ Daß mein Hertze lacht/ Wann ich sie betracht? 15. Die frey sich befinden Von tödtlichen Sünden/ Nach bestem Vermögen Auch hüten vor den kleinen/ Mich als einen Bräutigam zur Lieb bewegen: Wer die Sünde flieht Mein Hertz an sich zieht/ Gleich wie der Magnet anzieht das Eisen; Diese Art der Weisen Pfleg ich innerlich/ Wie ein Liebster sich/ Zu erzeigen mich. 16. Wer hertzlich mich liebet/ In Tugend sich übet/ Und embsig befleisset Den Hauffen meiner Ehren Zu vermehren/ Mit Gewalt mich zu sich reisset: Da muß ich dann seyn/ Und geschlossen ein Mit hertzlicher Lieb vereinigt wohnen/ Seine Lieb belohnen Auff ein solche Art/ Die nur der erfahrt/ Der mich liebet zart. 17. Dergleichen Leut scheinen Von Edelgesteinen Der Tugend so prächtig/ Gleich wie die Tages-Böttin/ Farben-Göttin/ 13 Wann sie nun der Wolcken mächtig: Diese weit vor Ihr Wohlgefallen mir/ Weil nemlich ihr Schönheit nie verschwindet/ Standhafft sich befindet Auch bey dunckler Nacht: Dann der Tugend Pracht Alles heiter macht. 18. Wer seine Sünd' hasset/ Reumühtig verlasset/ Hat Gnade gefunden: Dann wer mit Reu benetzet/ 14 Stracks verletzet Mich mit tieffen Liebes-Wunden: Seine Lieb ist gar Ein verführend Haar/ 15 So meine Seel tausendfach gefangen/ Listig hindergangen/ Daß ich seiner Schoß/ Wär' ich noch so groß/ Nicht kan werden loß. 19. Darumben so komme/ Mein schöne/ und fromme/ Clorinda/ nun deines/ Verlangens zu geniessen/ Einzuschliessen Dein verliebtes Hertz in meines; Ich bin nunmehr dein/ Du hingegen mein/ Auff ewig will ich mich dir vermählen/ Es soll dir nicht fehlen/ 16 Beyde wöllen wir Seyn getreu/ ich dir/ Du hingegen mir. 20. Vergesse ich deiner So wil ich selbst meiner Auch nicht mehr gedencken/ Viel minder meiner Knechten/ 17 Dir verschmächten/ All mein Gut und Reichthumm schencken Meine Zung am Gaum 18 Kleben soll wie Schaum/ Wann jemal ich deiner soll vergessen/ Dann du hast besessen Mein Gemüht so sehr/ Daß ich nimmermehr Es von dir abkehr'. Fußnoten 1 War von Eisen. Poët. 2 Amor vincit omnia. 3 Fortis, ut mors, dilectio. Cant. 8. v. 6. 4 Iudic. 15. v. 15. 5 Iudic. 15. v. 15. Iudic. 16. v. 3. 6 Alle Chör der Englen. 7 Cherubin. Seraphin. Thronen, Herrschafften/ Gewalt/ Fürstenthum/ Kräfften/ Ertz-Engel/ Engel. 8 Spiratus. 9 Aegypten. 10 St. Joseph. 11 Quoniam Beelzebub habet. Marc. 3. v. 33. 12 Conculcaverunt me inimici mei tota die: quoniam multi bellantes adversum me. Psal. 55. v. 3. 13 Vielfärbige Morgenröth. 14 In einem deiner Augen. 15 Mit dem Haar deines Halses. Cant. 4. 16 Osea 2. v. 19. 17 Psal. 136. v. 5. 18 Adhæreat lingua mea faucibus meis. Psal. 136. v. 6. 2. Clorinda/ nunmehr in dem Stand der Liebe Gottes/erzehlet unter einem verblümten Verstand/ wie sie von dem Wein der Liebe Gottes wunderlicher Weise truncken worden Introduxit me in Cellam vinariam, ordinavit in me charitatem. Cant. 2. v. 4. Er hat mich in den Wein-Keller geführt/ und die Liebe hat Er in mir geordnet. 1. Ist niemand allhier Verlassenen mir Hilffreiche Hand zu reichen? Ach lasset euch doch/ Ihr Wanders-Leut/ noch Durch mein Geschrey erweichen! Seht: wie ich so blöd/ Ohnmächtig/ und öd/ Mich selbst nicht mehr mag tragen: Ich watte daher So langsam/ und schwär/ Wie des Bootes Wagen. 1 2. Vergessen der Zeit/ Von Hause so weit/ Muß ich mich hier benachten: Darff heute nicht mehr/ Verspahtet so sehr/ Nach meiner Herberg trachten; Zu diesem hab ich Zu förchten auch mich Vor streiffenden Gewilden So/ daß ich mir muß/ Gantz übel zu Fuß/ Ein strenge Nacht einbilden. 3. Besonders weil auch Ich wider den Brauch Darzu noch bin gantz truncken/ Zur Erden offt hin/ Wie leicht ich auch bin/ Vor Blödigkeit gesuncken: Des süssen Weins voll Bin worden so toll/ So sinnloß/ und verwirret/ Daß ohne Hilff ich/ Muß lägern da mich/ Nachdem ich weit verirret. 4. Ich gienge heut früh'/ Voll sorglicher Müh'/ In Wald hinaus spatzieren/ An heimlichen Ort Vertraulich alldort Die Seuffzer auszuführen; Bin kommen in Streit Mit Echo so weit/ Daß ich mich gantz verlohren/ Indem ich bethört Ihr Klagen gehört Mit unverwendten Ohren. 5. Und als sich der Tag/ Auff sinckender Wag Nun allbereit befunden/ Da wurde ich/ satt Des Klagens/ gantz matt/ Verletzt mit neuen Wunden; Wolt' also mich aus Der Dryaden Hauß/ 2 Zu mir selbst kommend/ würcken; Hab' aber mich sehr/ Je länger je mehr/ Vertieffet in die Bürcken. 6. Ich sahe mich umb/ Vor Unmuht sehr thumb/ Gleich den entwegten Botten; Und kame gar bald/ Noch mitten im Wald/ Zu einer Wasser-Grotten; Zu welcher ich schnell/ Von silberner Quell Gereitzet/ hingegangen/ Mein durstiges Hertz/ So glüend/ wie Aertz/ Zu kühlen nach Verlangen. 7. Und als ich nun mir Mit Adams Geschirr Zu trincken wolte schöpffen/ Da zoge zum Glück Mich sachte 3 zurück Ein Hirt bey meinen Zöpffen/ Und sagte; Ach nein: Clorinda/ halt' ein/ Diß ist ein schädlichs Wasser/ 4 So eben jetzt hat Mit seinem Unraht Vergifft der Menschen-Hasser. 8. Bey solchem Zustand Mich hefftig befand' Entrüstet/ und bestürtzet; In meinem Entschluß Wie Procrys im Schuß Des Cephalus, verkürtzet; 5 Ich ware gar nach/ Als dieses ich sah'/ In grosser Angst ersticket/ Wann Daphnis mich nicht Mit seinem Gesicht/ So ich erkennt'/ erquicket. 9. Ich seuffzte/ und sprach'/ Ach Daphnis ach! Ach! Mein Hoffnung/ und mein Leben! Vor Schrecken/ und Freud In diesem Gestäud Muß ich den Geist auffgeben: Er sprache/ Clorind'/ Dich rühig befind'/ Bey mir wirst du nicht sterben! Das Leben vielmehr/ Und sondere Ehr Von Daphnis heut erwerben. 10. Da führte mich Er Von dannen nicht fehr In einen schönen Keller/ Und reichte dort mir Ein göldnes Geschirr Mit rohten Muscateller/ Mit sprechen: nehm' hin/ Lieb-durstige Binn/ Ein wenig dich zu laben/ Von diesem Getranck/ Wie sehr du auch kranck/ Wirst du Erquickung haben. 11. Ich nahme es zart/ Nach höfflicher Art/ An meinen Mund zu setzen/ Die Lippen nur kaum An jäsendem Schaum Des rohten Saffts zu netzen: Er sagte: der Wein/ Clorinda/ ist dein/ Du must ihn nicht verschmähen/ Du kanst dich gar nicht/ Wie etwann geschicht/ Der Hitze halb vergähen. 12. Ich setze ihn an/ Hab eben gethan Wie er es mir befohlen/ Und trinckte nach Lust Der hitzigen Brust (Bekenn es unverholen) Es schleichte der Wein So lieblich mir ein/ Daß ich nicht könnt' ablassen/ Biß nichtes schier gar Darinnen mehr war' Von dem sattlosen Nassen. 13. Es hatte der Safft So treffliche Krafft/ Daß ich gantz wurd erfrischet: So lieblich war' er/ Als wann er gantz wär' Mit Hyblen -Safft vermischet: 6 Vor diesem Getranck Muß unter den Banck Der edle Bacharacher/ Den jedermann nennt/ Der ihne nur kennt/ Den Lust- und Freuden-Macher. 14. Desgleichen am Rhein/ Etsch/ 7 Mosel/ und Meyn/ Niemalen ist zu finden: Des Neckers Geschmack/ Verkrochen in Sack/ Muß bleiben weit dahinden: Es weicht ihm auch weit/ Der sonsten die Leut Bald singen macht/ und pfeiffen/ Den man erst einführt/ Wann alles gefrührt/ Und gut wird von dem Reiffen. 8 15. Vernatscher/ Veldtlin- Leutacher/Tromin- Veldkirch- und Luethenberger/ Die sonsten nicht schlimm/ Seynd Wasser vor ihm/ Zu schätzen/ ja noch ärger: Der Frantz-Wein so gar Und Spannische Wahr Ihm nicht seynd zu vergleichen: Was gutes Engadd, Und Candia hat/ Vor diesem müssen weichen. 16. Der Malvasier auch Ist saiger/ und rauch/ Safftloß der von Lagotten/ 9 So sinnlichen Wein Hat Bacchus nicht ein- Geführt aus seinen Trotten: 10 Auch Ganimed, satt Des Götter-Weins/ hat Desgleichen nicht verkostet/ Aus Perlen auch nie So köstliche Brühe Cleopatra gemostet. 17. Er ware so gut Zu machen den Muht/ Daß ich stracks räuschig wurde So/ daß mir nunmehr Ist worden zu schwer Mein träge Leibes-Burde: Worauff ich dann bin Gesuncken dahin Krafft-los vor Liebs-Ohnmachten: Auffschreyend offt laut Mit Himmlischer Braut: Ich muß vor Lieb verschmachten. 18. Als gegender Nacht Ich endlich erwacht/ Und mich allein befunden/ Da ware mein Hertz/ (O liebreicher Schmertz!) Verletzt mit Liebes-Wunden: Ich machte mich auff Mit Hirschischem Lauff/ Dem Daphnis nachzujagen: Ach aber kein Haar Zu sehen mehr war'/ Die Lufft hat ihn vertragen. 19. Was solt'/ ich danun Verlassene thun? Wohin mich arme wenden? All Hoffnung/ und Raht Verlassen mich hat An so hülfflosen Enden; Ich nahme die Räiß Durch manchen Umbkräiß/ Biß ich hieher gehuncken: Nun lig' ich allhier Ohn' alle Sinn schier Von Liebe Gottes truncken. 20. Ist niemand zu Land Mir armen die Hand Und treue Hülff zu reichen? Ach lasset euch doch/ Ihr Wanders-Leut/ noch Erbetten/ und erweichen! Ach lasset mich nicht/ Wie öffter geschicht/ Auff offner Straß verderben! Ich werde euch schon Von Daphnis den Lohn Der treuen Hülff erwerben. Fußnoten 1 Ein langsames Gestirn am Himmel. 2 Aus dem Wald/ dann die Dryades seynd Wald-Göttinen. 3 Gelind. 4 Brunn der Wollust. 5 Cephalus hat sein Weib Procrys unwissend erschossen. 6 Honig. Hybla ist ein Berg/ auff welchem der beste Honig gesammlet wird. 7 Ein Wasser/ fleußt im Etschland. 8 Neiffwein. 9 Lagotter-Wein. 10 Torcklen. 3. Clorinda wegen Abwesenheit ihres Himmlischen Daphnis gantz unruhig/ sucht denselben an allen Orten Indica mihi, quem diligit anima mea, ubi pascas, ubi cubes in meridie, ne vagari incipiam post greges sodalium tuorum. Cant. 1. v. 6. Sage mir an/ du/ den meine Seele liebet/ wo du weydest/ wo du ruhest im Mittag/ daß ich nicht hin und her gehn müsse nach den Herden deiner Gesellen. 1. Wer kan mir sagen/ Wo Daphnis sich Hab' hingeschlagen Mit seinem Wollen-Vieh? Ich bin vor Liebe kranck/ und schwach/ Ach aber ach! An keinem Ort der Winden Weiß ich Ihn mehr zu finden! 2. Sag' mir/ mein Leben/ Dem meine Seel Gantz ist ergeben/ Was für ein' dunckle Höhl Halt neidig dich geschlossen ein? Wilst du dann seyn Zu Mehrung meiner Sorgen Vor mir so lang verborgen? 3. Als Saul alldorten 1 Erlegen schier An allen Orten Auffsuchte seine Thier/ Hast du durch den Propheten ihn Geleitet hin/ Wo er in wenig Stunden Die Maulthier hat gefunden. 4. Der Magdalenen Hast dich gezeigt: 2 Wilst meinen Thränen Dann bleiben ungeneigt? Die mich frühe suchen finden mich: 3 (Seynd deine Sprüch') Wie wilt du der Clorinden Dann weigern/ dich zu finden? 5. Sag'/ was für Heyden Beziehest du? Wo wirst du weyden Zu der Mittages-Ruh? 4 Damit ich nicht geh hin und her Weit in die Fehr Nach deiner Hirten Herden Mit ängstigen Beschwerden. 6. Als des Narcissen Liebhaberin 5 Sich lang beflissen Irgends zu finden ihn/ Ist endlich nach vergebner Mühe Gesuncken sie/ Und/ weil er sie verachtet/ Vor Traurigkeit verschmachtet. 7. Ihr Leib verkehret In einen Stein Ligt jetzt bethöret/ Die schwache Stimm/ allein Noch übrig/ klagt durch Berg/ und Thal Ihr Liebes-Qual/ Kan aber auff der Erden Nicht mehr getröstet worden. 8. Als dort Oenone Den Paris hatt' 6 Gesucht/ und ohne Denselben worden matt/ Hat endlich sie in Uberfluß Der Kümmernuß Zu Clotho sich gewendet/ 7 Den Faden selbst vollendet. 9. Wer ohne Finden Muß suchen lang/ Dem wird geschwinden Vor grossem Liebes-Zwang: Hat Dido nicht den Tod erwehlt/ Sich selbst gefällt? Die Lieb ist gar unärtig/ Will stäts seyn gegenwärtig. 10. Will nicht verwiesen/ Nicht seyn veracht/ Zeigt gegen diesen Ein Herculi sche 8 Macht/ Wo sie einmal geschlichen ein/ Da will sie seyn/ Und solte sich entgegen Enceladus 9 auch legen. 11. Evadne rennte Mit vollem Rann/ Als man verbrennte 10 Ihr den verstorbnen Mann/ 11 Und stürtzte sich vor Liebes-Hitz/ Gantz ohne Witz Mit in des Ehemanns Flammen Zu bleiben stäts beysammen. 12. Ich auch desgleichen/ O Daphnis, nicht Von dir will weichen/ Weil grösser meine Pflicht: Will sterben hertzlich gern mit dir/ Wann du nur mir Vergönnest dich zu finden Vergessend meiner Sünden. 13. Was aber frage Ich immerzu/ Wo zu Mittage Du habest deine Ruh'? Das Creutz ist deine Ligerstatt/ Wohin gantz matt 12 Mit hertzlichem Verlangen Zu ruhen bist gegangen. 14. Ich kan nicht irren/ Dort auff dem Berg 13 Der bittern Myrrhen Am Holtz/ so überzwerg/ Werd ich dich finden ohne Krafft/ Wo du schmertzhafft In mitten scharffer Waffen Vor Lieb in Gott entschlaffen. 15. Da find' ich Schatten Bey grosser Hitz/ Wann mich abmatten Die Forcht- und Kummer-Blitz'/ Da wird mich/ wann mein Hertz gantz trüb/ Dein' grosse Lieb Mit deinen allergrösten Angsthafftigkeiten trösten. 16. Wann ich betrachte/ Wie dich/ ô Gott/ Mein Hochmuht machte Vor aller Welt zu Spott/ So weiß ich nicht/ wie daß ich soll/ Der Sünden voll/ Hergehn in Gold/ und Seyden/ Kein Unehr wöllen leyden. 17. Wann ich erwäge/ Wie schmertzlich dich Die Streich/ und Schläge Ankommen seynd für mich Wie du verwundet allerseits/ So muß mein Creutz Vor deinem Creutz sich schämen/ Mich zur Gedult bequämen. 18. Was kan mich schmertzen/ Wann deine Qual Ich führ' zu Hertzen/ Die ohne Maß/ und Zahl? Solst du dann leyden nur allein/ Ich frölich seyn? Wie kan sich das wohl schicken/ Ich lachen/ du ersticken? 19. Wann ich dich liebte/ Ich billich auch Mit dir gern übte/ Was mühelich/ hart/ und rauch; Bin oder besser ich/ als du? Wer glaubt es nu? Wer ohne Creutz dich liebet/ Sehr weit dich von sich schiebet. 20. So will ich ziehen Dem Berge zu/ Das Creutz nicht fliehen Dem Leib zu schaffen Ruh'; Dein Joch ist süß/ die Burd ist leicht: 14 Wer es nicht scheucht/ Und selbst sich überwindet/ Dich/ und die Ruh bald findet. Fußnoten 1 1. Reg. 9. 2 Ioan. 20. v. 16. 3 Prov. 8. v. 17. 4 Cant. 1. v. 6. 5 Echo. 6 Parthanius in Eroticis. c. 4. 7 Zum Tod/ hat sich selbst entleibt. 8 Risen-Macht. 9 Ein grosser Niß. 10 Ovid. lib. 3. de arte. 11 Den Capaneus. 12 Cornel. à Lapide hic Cant. 1. v. 6. 13 Calvari-Berg. 14 Matth. II. v. 30. 4. Clorinda/ ihren Himmlischen Daphnis, welcher in den Garten hinunter gestiegen/ suchende/ kommt in Erkanntnuß/ daß es kein irrdischer Wollusts-Garten/wo er die Gilgen sammle/ sondern die Seel eines keuschen Menschen sey Dilectus meus descandit in hortum suum ad areolas aromatum, ut pascatur in hortis, & lilia colligat. Cant. 6. v. 1. Mein Geliebter ist hinab gegangen in seinen Garten zu den Wurtz-Gärtlein/ daß Er sich wäide in den Gärten/ und breche Rosen. 1. Mein Liebster ist Ohn mein Erwarten Hinab in seinen Garten/ Eh' ich was von gewißt; Nun kan ich höchst-beflissen Ja nicht wissen/ In welchem ungefehr Zu finden Er/ Dann weil der Gärten viel/ Ist ungewiß das Ziel. 2. Wo soll ich hin Den Weg dann nemmen? Zu was Schluß mich bequemen? Weil ich gantz weisloß bin; Er ist auch nicht nach Hyblen, 1 Wegen üblen Zugangs/ als welcher streng/ Mühsam und eng: Das Immenkraut ist je Nicht werth so grosser Mühe. 3. Hymettus 2 auch/ Der manchen wäinen Gemacht mit seinen Steinen/ Ist viel zu hart/ und rauch; Er kan den Honig haben Ohne Waben Aus der Melissen Hand 3 Auff flachem Land: Er selbst der Honig ist 4 Wer seinen Namen lißt. 4. Cantaon 5 zwar Ist worden ruchtbar/ Daß es beglückt/ und fruchtbar Dreymal in einem Jahr/ Ziecht doch mit solchen Früchten Auff mit nichten/ Wie Daphnis, welcher selb 6 (Zum Schnitt gantz gelb) Ein solches Brot/ und Wein/ So nicht könnt' edler seyn. 5. Er hat auch nicht Nach des so zarten Adonis 7 Blumen-Garten Sein Hertz/ und Gang gericht/ Dann Er von Davids Stammen 8 Bestem Samen Entsprossen eine Blum/ Als die den Ruhm Von wegen edler Saat Vor allen Blumen hat. 6. Er geht nicht mehr Allwo die Diebe warten Auff der Susannen Ehr; 9 Wo man die keusche Gilgen Will vertilgen; Wo man die Rosen bricht/ Da bleibt er nicht; Er pflegt nicht hinzugehn/ Wo welcke Blumen stehn. 7. Ist Zweiffels ohn' Auch nicht gegangen Nach Garten/ die dort hangen 10 Erhöcht zu Babylon; Er förcht/ sie möchten knallen/ Gar einfallen; Wo man in Lüfften hangt/ Stoltziert/ und prangt Mag seine Demuht nicht Hinwenden ihr Gesicht. 8. Er wird nicht gehn/ Glaub' ich/ desgleichen Nach dem durchaus Gold-reichen Feld der Hesperiden; 11 Wo sich der Geitz befindet/ Da verschwindet Er stracks im Augenblick/ (Geitzhals erschrick') Gott/ und Mammona 12 seynd Zwey abgesagte Feind'. 9. Die Flora kan Kein Oertlein zeigen/ Ob alles schon ihr eigen/ Wo er zu treffen an: Dann weil die Blumen welcken/ Und versälcken Offt/ eh' die erste Nacht Herzu sich macht/ So hält er solche Ding Für sich viel zu gering. 10. Obschon der Pfön Sammt den Etesen 13 Den Garten der Farnesen 14 Zu Rom beblümet schön: Und sich die Wunder-Affen Dort vergaffen An mancher Seltsamkeit Insonderheit/ Weil dorten der Fürwitz Bekommen seinen Sitz. 11. So kan die Kunst Verstorbner Händen/ Die gähling pflegt zu schänden Ein' unverhoffte Brunst/ Den Daphnis nicht bewegen Nach zu hegen: Einfalt/ und Demuht kan Ihn ziehen an: Die Lieb Ihn stärcker hält/ Als alle Kunst der Welt. 12. Ist Er vielleicht Dahin gegangen/ Wo süsse Trauben hangen/ Die man dem Mett vergleicht? Wo bey den Safft-Rubinen/ Gleich den Binnen/ Man sich in Wollust setzt/ Und stäts ergetzt? Wo man ist immer naß/ Hat Daphnis keinen Spaß. 13. Die Nüchterkeit Ist bey den Keuschen/ Die Geilheit bey den Räuschen Sammt der Vermessenheit; 15 Viel Wein/ und geile Weiber Seynd die Räuber Der Weißheit/ und Andacht: 16 Enthalten macht Gottsförchtig/ klug/ und weiß/ Führt zu dem Paradeiß. 14. Ist er dann hin Vielleicht gegangen/ Wo man mit Spieß- und Stangen 17 Zum Tod geführet ihn? Ach nein/ dann wo den Frommen Wird genommen Mit Unrecht Ehr/ und Gut Sammt Schweiß/ und Blut/ Wo es geht Jüdisch her/ Da will nicht bleiben Er. 15. Wo wird Er doch Dann seyn zu finden? Ach sagt es der Clorinden/ Die es verlangt so hoch! Sagt mir mit wenig Worten/ An was Orten Er anzutreffen sey? Auff daß ich frey Der Sorg- und Kummers-Qual Ihn finden mög einmal. 16. Nun merck' ich schier/ Wo Er seyn werde/ Nemlich bey seiner Herde/ Die gar nicht weit von hier: 18 Er pflegt auff wilden Heyden Nicht zu weyden/ Will nur auff fettem Land/ Wo allerhand Gewürtz/ und Blumen stehn/ Sich stäts zu weyden gehn. 19 17. Wie man erfahrt/ Ihm doch vor allen Die Lilien wohl gefallen/ Wann sie von guter Art/ Der wilden ist er aber Kein Liebhaber/ So Gilgen nur allein Seynd nach dem Schein/ Auswendig weiß wie Blust/ Inwendig voller Wust. 18. Des Menschen Hertz Ist sein Lustgarten/ 20 Wann es geblümt (von Arten Der Tugend) wie der Mertz: Da will Er seyn/ und bleiben/ Kurtzweil treiben/ 21 In solchen Garten will Er in der Still In hoch-erwünschter Ruh' Die Täge bringen zu. 19. Absonderlich Wo die Gold-reine/ Nicht allenthalb gemeine/ Keuschheit befindet sich/ Da pflegt er sich zu weyden Ohne scheiden; Da sammlet er gantz rein Die Gilgen ein: Da ist sein Bett geblümt: 22 Wie er sich dessen rühmt. 20. So will ich dann Nun seyn beflissen/ Mit Lilien/ und Narcissen Mein Hertz zu füllen an: Ich will an Tugend grünen/ Zu verdienen/ Daß ich der Garten sey/ Allwo er frey Ohn' alle Scheuh einkehr' Zu scheiden nimmermehr'. Fußnoten 1 Hybla ein Blumen-Berg in Sicilia 2 Ein Blumen-Berg in Africa. 3 Metissa hat den Honig erfunden/ in ein Immlein verwandlet. Poët. 4 In ore mel mirificum. S. Bern. in suo lub. 5 Ein Stadt in Indien, Melchior Nuguez Soc. Iesu 1555. 6 Ich bin das lebendige Brot. Ioan. 6. v. 51. Mein Blut ist wahrhafstig ein Tranck. v. 56. 7 Adonis ein Wollust-liebender König in Cypren. 8 Isa. 11. v. 1. aus der Wurtzel Iesse. 9 Dan. 13. 10 Horti pensiles. 11 Ein Garten/ worinnen göldene Früchten waren, Poët. 12 Gott der Reichthumm. Matth. 6. v. 24. 13 Sanffte Blumen-Wind'. 14 Ein Welt-berühmter Garten/ deren Farne sischen Fürsten zu Rom. 15 Prov. 20. v. 1. 16 Eccles. 19. v. 2. 17 Gethsemani. 18 Vt pascatur in hortis. 19 Ad areolas aromatum, ut colligat lilut. 20 Præbe, fili mi, Cor tuum mihi. Prov. 23. v. 26. 21 Prov. 8. v. 31. 22 Lectulus noster floridus. Cant. 3. v. 15. 5. Clorinda die Schönheit ihres himmlischen Bräutigams betrachtende/ befindet/ daß alle Schönheiten dieser Welt nur Kaht gegen Ihme seyen Dilectus meus candidus, & rubicundus, electus ex millibus. Cant. 5. v. 10. Mein Geliebter ist weiß/ und roht/ auserkohren unter viel Tausenden. 1. Hinweg mit allem Pracht Der menschlichen Schönheiten/ Weil all ihr Glantz Nichts ist/ als eine Nacht Von den Gebrechlichkeiten Verfinstert gantz; Wo Daphnis zeigt sein Angesicht/ Besteht so gar auch Phœbus 1 nicht. 2. Vor seiner Schönheit muß Der tolle Turnus 2 weichen/ Alexis 3 ist Nur gegen ihm ein Ruß/ Der Tamyras 4 desgleichen Nur Kaht/ und Mist: Der schöne Käiser Friderich 5 Vor ihm muß weit verkriechen sich. 3. Des Josephs Leibs-Gestalt/ Ein Wunder in Aegypten/ 6 So lieblich war'/ Daß ihne manigfalt Die Heyden selbst auch liebten/ Und also zwar/ Daß er zur Unehr offt begrüßt Gar mit der Flucht sich schützen müßt. 4. Es ware Jonathas Mit edlen Schönheit-Gaaben Beglückt so zart/ 7 Daß ihn' ohn' Underlaß Die Menschen wolten haben In Gegenwart: Als welcher in dem Schönheit-Streit Die Weiber übertroffen weit. 8 5. Es ist ja Absolon 9 Schier gar ein Gott gewesen An Leibs-Gestalt/ Wann ihn Timanthes 10 schon/ Ein Künstler auserlesen/ Hatt' abgemahlt: So hätt' er seine Schönheit doch Nicht/ wie sie war'/ gebracht so hoch. 6. Adam, das Meisterstück Selbst eigner Händen Gottes/ War' also schön/ Daß Hyas 11 weit zuruck/ Als nur ein bleich- und todtes Bild/ müßte stehn: Wie solte Gott selbst haben nicht Gemacht das schönste Angesicht? 7. Doch waren diese all' Nichts/ als farblose Schatten Ohn allen Schein/ Die gegen dem Crystall Ein solche Gleichheit hatten/ Wie Kisel-Stein; Wie scheinend Holtz bey dunckler Nacht Zu dem gantz vollen Sonnen-Pracht. 8. Daphnis, des Höchsten Sohn/ Ist weit der Schönste under Der Menschen Zahl/ 12 Ab welchem Sonn/ und Mond Erstaunen gantz vor Wunder Am Sternen-Saal; Er ist das wahre Liecht allein/ So allen andern gibt den Schein. 9. Er ist das Freuden-Licht/ Dem stäts die Flügel-Knaben 13 Seynd zugethan/ Als wessen Angesicht Sie groß Verlangen haben Zu schauen an: 14 In welchem auch insonderheit Gegründet ihre Seligkeit. 10. Mein Liebster roht/ und weiß Hat mir mein Hertz verletzet So/ daß auff ihn' Ich nun mit höchstem Fleiß 15 All meine Lieb gesetzet So lang ich bin/ 16 Er ist allein/ dem ich vermähl' Auff ewig mein' verliebte Seel. 11. Er ist viel weisser/ als Der Schnee/ so erst gefallen Zu Winters Zeit; Es muß der Esther Hals/ 17 Gezieret mit Corallen/ Ihm weichen weit/ Dann er ist seines Vatters Glantz/ 18 Und Bildnuß/ so ihm ähnlich gantz. 12. Weiß ist Er von Unschuld/ Weiß von der allerhöchsten Leibs-Reinigkeit/ Bey welchem sich der Huld Ein jeder kan getrösten/ Der allbereit Schon ihm die Reinigkeit auffweißt/ Derselben oder sich befleißt. 13. Roht ist Er von der Lieb/ So Er/ den Dritten wehend/ 19 Zum Vatter trägt/ Roht: wann er Kummer-trüb Offt einer Seel nachgehend Sie nichts erhägt. Roht: weil er mit erhitztem Muht Für uns vergossen all sein Blut. 14. Er ist der schön geziert In rohten Kleidern pranget 20 Von Bosra her/ Der sich im Läid verliert/ Wann man der Welt anhanget Gantz Tugend-lähr; Er ist der sich (vor Lieb gantz roht) Für uns gegeben in den Tod. 15. Drumb ist er auserwehlt 21 Vor allen Menschen-Kindern/ So je gelebt/: Den man hoch billich hält/ Weil er weit von den Sündern Von Gott erhebt; Dann er/ von schöner Lieb erhitzt/ Nun zu des Vatters Rechten sitzt. 16. Wer wolte ihn dann nicht Vor aller Welt erwehlen/ Der also schön/ Daß auch die Sonn ihr Liecht Vor ihme muß verhölen/ Und dunckel stehn? Wer einen solchen Bräutigam 22 Nicht liebt/ verflucht er ist/ als Cham. 23 17. Ich will der Chloris gern Den Neleûs überlassen/ Mit ihm nur fort: Die Phyllis heur/ und fern Mag auff den Liebsten passen 24 Betrübt alldort. Ich lasse gern Caßiope 25 Mit Cepheûs tretten in die Eh'. 18. Nun fort mit euren schon Verfaulten Staub/ und Aschen. Liebt immer sie/ Umb einen Coridon, 26 Der sterblich/ werd' ich waschen Die Wangen nie: Daphnis mein eintzige Begierd 27 Auff ewig mich erfreuen wird. 19. Wie muß man förchten nicht Bey wahrer Lieb das Scheiden Ohn' Underlaß So/ daß offt schier zerbricht Das Hertz/ indem stäts beyden Die Augen naß: Coresus, und Calirrhoë 28 Bezeigen uns des Scheidens-Weh'. 20. So will dann lieben ich Nichts/ was da ist zerstörlich Auch übernacht/ Nichts: was nur schmertzlich mich Betrübt/ und unauffhörlich Erseufftzen macht: Will lieben/ der mich ewig liebt/ Und durch kein Scheiden mehr betrüb'. Fußnoten 1 Die Sonn. 2 Ein schöner Mann Virg. l. 6. Æneid. 3 Ein schöner Knab. Virg. Bucc. Ecl. 2. 4 Ein schöner Poët Völat lat. lib. 10. Antrop. 5 Hertzog von Oesterreich/ nachmalen Käyser. Cuspinianus. A.D. 6 Genes. 39. v. 6. 7 v. 12. ib. 8 2. Reg. 1. v. 26. 9 2. Reg. 54. v. 25. 10 Ein fürtrefflicher Mahler. Plin. 1. 35. c. 9. 11 Ein Sohn des Königs Atlantis, sehr schön von Gestalt. 12 Psal. 44. v. 3. 13 1. Pet. 1. v. 12. 14 D. Thom. 12. q. 3. a. 4. 15 Das ist in Ewigkeit. 16 Psal. 103. v. 33. 17 Esth. 2. v. 15. 18 Sap. 7. v. 26. Hebr. 1. v. 3. Hieron. Greg. Cassiod. Beda. 19 Den H. Geist. 20 Hieron. in Isa. 53. Greg. hic, & in Psal. 4. Pœnit. Isa. 63. v. 1. 21 Vor viel tausenden auserwehlt. Cant. 5. v. 10. 22 1. Cor. 16. v. 22. 23 Gen. 9. v. 2. 3. 24 Demophoon. 25 Alle verliebte Persohnen. 26 Liebhaber. 27 Oseæ 2. v. 19. 28 Haben sich beyde umbgebracht. Paus. in Achaicis. 6. Clorinda beklagt sich/ daß ihr Himmlischer Daphnis bey ihr nicht eingekehrt/ vermerckt aber/ daß die Welt-Sorgen/ welchen sie noch nicht völlig abgesagt/ wie auch/ daß Er seine Liebhaber bißweilen mit der Verlassenheit zu prüfen pflege/ dessen Ursach sey Pessulum ostii mei aperui Dilecto meo, at ille declinaverat, atque transierat, Cant. 5. v. 6. Da ich meinem Geliebten den Riegel meiner Thür auffgethan hatte/ war' Er hinweg/ und hingegangen. 1. Wie pflegt verdiebt Nicht immer mit vielen Die Liebe zu spielen/ Insonderheit wann In hefftigem Brann Die Menschen seynd verliebt? Sie schärfft nur immerzu/ Und räizet das Verlangen Laßt aber schmertzlich hangen Die Hertzen in Unruh'. 2. Diß Jacob hat' 1 Erfahren auch müssen Nicht ohne Verdriessen/ Als ihme zur Burd' Getrungen auff wurd' 2 Lea an Rachels -statt/ 3 Mit vielem Streit/ und Zanck Die Rachel müßt erwerben So/ daß er von dem herben Verlangen/ offt schier kranck. 3. Ich hab die Thür Gelassen was offen Mit gantzem Verhoffen Mein Daphnis werd' auch/ Nach seinem Gebrauch/ Heut kehren ein bey mir/ Er aber/ läider! ist Vorüber sacht' geschlichen/ 4 Gantz heimlich abgewichen Als einer/ der entrüst! 4. Es macht die Sach Nicht ohne Bekräncken Mir schwäres Nachdencken/ Indem Er sonst nie Wie spat es auch je/ Verschmächt mein armes Tach: Was muß die Ursach seyn/ Daß Er heut ausgeblieben? Hab' ich Ihn dann vertrieben? O Schmertz/ O Qual/ O Pein! 5. Als in dem Meer Leander gesuncken/ Armselig ertruncken/ Und nimmer verrucht Die 5 Liebste besucht/ Hat es sie kränckt so sehr/ Daß in den Hellestont 6 Sie eylends sich gestürtzet/ Das Leben ihr verkürtzet Des Schmertzens ungewohnt. 6. Wie kan dann ich Von Atropos -Ketten 7 Nunmehro mich retten/ Wann Daphnis nicht meh Mit seinem Einkehr Forthin wird trösten mich? Ich will ja tausendmahl Eh-zeitig lieber sterben/ Als Hoffnung-los abserben In stäter Liebes-Oual! 7. Man sagt/ ein Löw/ 8 Der Wunden genesen/ Sey nachmals gewesen Aus Viehischem Raht Nach schlechter Gutthat Dem Artzten also treu/ 9 Daß er auff dessen Grab/ Der ihn zuvor geheilet/ Die Nahrung mitgetheilet/ Sich todt geheulet hab'. 8. O treues Thier! Soll meine Lieb deiner Dann weichen/ und kleiner Zurücke weit stehn/ Nicht trauren umb Den/ Der gar vermählt mit mir! Soll minder ich betrübt Dann seyn umb Den/ der sterbend'/ Am Creutz mein Heyl erwerbend' Mich mehr/ als sich/ geliebt? 9. Ach nein/ O Gott! Ich lasse den Löwen Mit seiner so trewen Vergeltung mir nicht Zu einem Gedicht Erweisen solchen Spott: Niemand soll diese Schmach/ (Ich hab so schlecht geliebet/ Daß ich mich nicht betrübet Umb Daphnis ) sagen nach. 10. Wann Er mich solt' Hinfüro verschmähen/ Nicht lassen mehr sehen In meinem Hauß sich/ Vor Traurigkeit ich Zu tod mich wainen wolt'; Mit Myrrha 10 wolt' ich seyn Bald in den Baum verkehret Der vast niemahl auffhöret Zu zähern seine Pein. 11. Wo Daphnis nicht Sich würcklich befindet/ Gleich alles verschwindet/ Was tröstlich je war'/ Unlustig so gar Wird auch des Tages-Licht/ Und wo er sich auffhält/ Da ist der Trost vollkommen/ Wird alles hingenommen/ Was sonsten schmertzt und quält. 11 12. Wie kanst du doch/ O Daphnis mich hassen/ So gähling verlassen/ In dem du doch mir Unlängsten allhier Verpflichtet dich so hoch! Ist das die Liebes-Art/ Daß man so bald abbauet/ Versagt die Gegenwart! 12 13. Ich halt' darfür/ Ich hab mich verschossen (So Daphnis verdrossen) Weil nemlich ich heut Eröffnet zu weit Den Rigel meiner Thür: Des Menschen Hertz soll seyn Ein gantz verschloßner Garten/ 13 Wo niemand zu erwarten/ Als eintzig Er allein. 14. Merckt diese Lehr/ Ihr keusche Jungfrauen/ Nicht leichtlich zu trauen; Ach stosset der Thür Die Rigel doch für/ Wann lieb euch eure Ehr: Ein Hauß/ so immerdar Auch bey der Nacht steht offen/ Nichts anders hat zu hoffen/ Als eine Diebs-Gefahr. 15. Weil/ läider! ich Mit etwas Verlangen Noch schwanger gegangen/ Und dessen nicht gar Entäusseret war'/ Hat Er gemeydet mich: Er/ wie die Arch/ kan nicht Bey sich den Abgott 14 leyden/ Er pflegt das Hertz zu meyden/ Wo Er Mitfreyer 15 sicht. 16. Zu dem pflegt Er Die Liebe der Hertzen Durch Kummer/ und Schmertzen Zu prüfen/ ob man Beständig auch dann/ Wann man des Trostes lär? Es aßt sich durch kein Weh' Die wahre Lieb zertrennen/ Das gabe zu erkennen Gar schön Penelope. 16 17. Und wann offt schon Sich Daphnis erzeiget Sehr übel geneiget/ Als wann Er nunmehr Erzörnet/ sich fehr Gemachet hätt' darvon; Bleibt Er doch an der Thür/ 17 Und schaut/ wann dein Hertz bitter/ Heimlich durch das Gegitter Mitleidenlich herfür. 18. Als Daphnis dort Der frommen Cathrinen Von Senis erschienen/ Als welche sehr lang Durch Beriths 18 Bezwang Geängstigt fort und fort: Sagt sie; wo waret Ihr/ 19 Mein Herr/ in meinem Schmertzen? Er sprach: in deinem Hertzen/ Und halffe streiten dir. 19. So will ich ihn Dann nimmer verdencken/ Noch hefftig mich kräncken/ Ob schon Er mir nicht Stäts tröstlich zuspricht/ Wann ich betrübet bin: Genug ist es/ wann Er Mich nur nicht gar verlasset/ Als eine Feindin hasset/ Wie ich es würdig wär'. 20. Ich will fünfffach 20 Die Thüren verriglen/ Ja gar sie versiglen/ Auff daß mir kein Dieb Durch weltliche Lieb Mein Hauß verdächtig mach'; Damit Er die Clorind' Allein in ihrem Zimmer Den Dagon 21 aber nimmer In ihrem Hertzen find'. Fußnoten 1 Gen. 29. 2 vers. 25. 3 vers. 25, 26. 4 Cant. 5. v. 6. 5 Die Ero. 6 Das enge Meer zwischen Sest und Abidus, nicht weit von Constantinopel. 7 Von dem Tod. 8 Sophronius in Prato Spir. c. 107. 9 Dem H. Abbt Gerasimus, der ihme einen Dorn aus den Klawen gezogen. Sophron. in Prato spir. c. 107. 10 Myrrha ist vor Läid in einen Myrrhen-Baum verwandlet worden. Ovid. 10. Met. Poët. 11 Thom. de Kemp. lib. 2. c. 8. v. 11. 12 Thom. de Kemp. lib. 2. c. 8. v. 1. 13 Hortus conclusus Cant. 4. vers. 12. 14 1. Reg. 5. v. 3. & 4. Dagon. 15 Mitbuhler. 16 Die Frau Vlißis, welche 20. Jahr dem abwesenden Mann getreu verblieben. 17 Prospiciens per cancellos. Cant. 2. v. 9. 18 Geist der Unremigkeit. 19 Valent, Leuchtius in vitu SS. 29. April. 20 Die. 5. Sinn. 21 Welt-Sorgen/ dann Dagon heißt Geträid/ und Fisch. 7. Clorinda erfreuet sich/ und frolocket sehr/ daß der Himmlische Bräutigamm ihr so trostreich zu Hertzen redet En Dilectus meus loquitur mihi: Surge, Propera, amica mea, columba mea, formosa mea, & veni. Cant. 2. v. 10. Sehe/ mein Geliebter spricht zu mir: Steh' auff/ meine Freundin/ und mache dich auff herzu/ meine Daub/ meine Schöne/ und komme her. 1. Was kan doch auff Erden Geliebet mehr werden/ Als süsses Gesang? Was treibet von Hertzen Behender die Schmertzen/ Als lieblicher Klang? Die Music allein Die Thränen abwischet/ Die Hertzen erfrischet/ Wann sonst nichts hülfflich will seyn. 2. Die Music vertreibet/ Vertilget/ verschreibet Nach Thule 1 das Läid/ Macht Hinckende springen/ Verzagende singen Vor hertzlicher Freud: Sie treibet die Feind' Den Frieden zu schliessen So/ daß sie offt müssen Gezwungen/ werden gut Freund. 2 3. Mit klingender Harffen Hat David den scharffen Sauls- Grimmen gestillt 3 So/ daß er/ offt wütig/ Gleich worden gantz gütig/ Wann David gespilt: Woferren nicht dort Die fromme Propheten Gesungen schön hätten/ Hätt' er sie alle ermordt. 4 4. Die Music den Krancken Macht ringe Gedancken/ Vertreibet das Gifft: 5 Offt haben die Säiten In schwären Kranckheiten Viel gutes gestifft: Der liebliche Thon Die Immlein bethöret/ Daß/ wann sie empöret/ 6 Nicht können fliegen darvon. 5. Die Löwen/ und Bären Sich Freunde erklären Bey klingendem Spiel/ Ja wer sie will fangen/ Kan leichtlich erlangen Durch Music sein Ziel: Die grimmige Thier Hat Orpheûs 7 gedemmet Gezogen/ gehemmet So/ daß zahm worden sie schier. 6. Es hatte dort einer/ Dem gleich vielleicht keiner/ Des Heinrichs Gemüht/ (Als welcher bey Frommen Den Namen bekommen Von freundlicher Güt') 8 Durch künstlichen Klang Zu tödtlichen Schlägen Gar können bewegen/ Den sonst kein Eyfer bezwang'. 7. Als krancken Leibs wegen Franciscus gelegen In schmertzlicher Qual/ Der Music begehrte/ Ihn niemand gewehrte Der Bitte damal; 9 Durch eintzigen Strich Der himmlischen Säiten/ Loß aller Schwachheiten Gleich in Verzuckung hinwich'. 8. Was pranget/ ach! aber Der Music-Liebhaber Mit eitelem Thon? So bald er auffhöret/ Ist alles verkehret In Traurigkeit schon: Ein eintziges Wort Aus Daphnischer Kehlen Von ängstigen Seelen Treibt alle Kümmernuß fort. 9. Wann Daphnis sagt: komme Mein' schöne/ und fromme 10 Hertz-Freundin zu mir/ Der Winter geschlichen/ Der Regen gewichen Ist völlig von hier: 11 Was könnte doch seyn Erwünschter zu hören: Von Englischen Chören/ Als solche Wörter allein. 10. O Music/ vor allen Anmühtigen Hallen Sehr lieblich/ und schön! All Harffen/ und Geigen Still müssen ja schweigen Vor diesem Gethön; Arion 12 selbst muß Die Zitter ablegen/ Darff keine Hand regen/ Sein Spiel ist lauter Verdruß. 11. Als Assuër dorten Mit freundlichen Worten Die Esther gegrüßt/ 13 Da hat er ihr liebes/ Von Kümmernuß trübes/ Hertz völlig ersüßt: Amphion 14 nicht hätt' Mit lieblichem Zicken Sie können erquicken/ Wie Assuër, da er geredt. 12. Hat Assuërs Zungen Der Esther durchdrungen So lieblich das Hertz/ Und ihre Trangsalen Sammt allen den Qualen Verkehret in Schertz? Wie meynst du/ wird nicht Mich Daphnis erquicken/ Mit lieblichen Blicken/ Wann er mir freundlich zuspricht? 13. Als Phœbus 15 auffspilte/ Mit Wunder erfüllte Der Driaden Reich/ 16 Ist Athis 17 vermessen Dort nidergesessen Zu singen ihm gleich; Sie aber hat bald/ Die Frechheit zu büssen/ Vor Lieblichkeit müssen Den Geist auffgeben im Wald. 14. O Daphnis, dein Reden Mir Schwachen/ und Blöden Durchdringet das Marck/ So häuffige Freuden Mir länger zu leyden/ Will werden zu starck! Unfehlbar werd ich Vor Süßigkeit müssen Mein Leben beschliessen/ Wirst du nicht stärcken bald mich. 15. Vor diesem sein' Feindin: Sein' Daube/ sein' Freundin 18 Mich Daphnis jetzt nennt/ Ja auch so gar seiner/ Nicht schlecht -und gemeiner Liebwürdig erkennt; Er ladet mich eyn Ohn alles Verweilen Zu ihme zu eylen/ Was mag die Ursach doch seyn? 19 16. Man könnte der Sachen Die Rechnung bald machen Was Er darmit meint: Die/ welche den Willen Des Daphnis erfüllen Seynd ihme befreundt: 20 Er wollte/ daß ich Die Sünde sollt' hassen/ Die Wollust verlassen/ Und ihm' ergeben gantz mich. 17. Die Dauben in Ritzen Der Felsen gern sitzen/ Zu ruhen alldort/ Ich hab' mich auch eben Mit ihnen begeben Zum sichersten Ort/ Indem ich/ verspehrt In Daphnis halb-runden Blut-trieffenden Wunden Die Zeit mit Seufftzen verzehrt. 18. Der/ welcher vertreulich Von dem/ was bereulich/ Zu Daphnis sich kehrt/ Von seinem Trost-reichen Mund eben dergleichen Wort alsobald hört: Komm/ Freundin/ mein Daub' Zu deiner Belohnung Die stäte Beywohnung Bey mir dir ewig erlaub'. 19. Ihr Harffen erstummet/ Ihr Zincken erkrummet Vor diesem Gethön; Dein Singen ist heulen/ Geh' singe den Eulen/ Kunstreiche Camœn? 21 Auch Orpheûs mich nicht/ Wie künstlich er krätzet/ Wie Daphnis ergetzet/ Wann Er mir lieblich zuspricht. 20. So will ich dann fliehen/ Der Welt mich entziehen/ Und bleiben allein; Von allem Getümmel Und Menschen-Gewimmel Entferret zu seyn/ Auff daß ich die Stimm Des Herren mög' hören/ Und ohne Verstören Mich könn' ergetzen mit ihm. Fußnoten 1 Eine nächtliche unlustige Landschafft an der Welt End. 2 Der Bischoff/ und Hauptmann zu Assis haben Krafft eines Gesangs/ den Frieden geschlossen. Chron. FF. Min. part. 1 lib. 1. c. 93. 3 1. Reg. 16. v. 23. 4 1. Reg. 19 v. 22, 23, 24. 5 Die von dem Tarantula gestochen werden/ können nicht/ als durch Music geheylet werden. Alex, Genial, dierum l. 2. c. 17. 6 Wann sie schwärmen. 7 Ein Lautenschläger. 8 Henrici cognomento Boni. Mendoza Viridar. l. 6. orat. 9. n. 127. 9 Von Assis. 10 Chron. FF. Min. p. 1. l. 2. c. 62. Amica mea, formosa mea. Cant. 2. v. 10. 11 Iam hyems transiit, imber abiit. v. 11. 12 Ein Zitterschläger. Poët. 13 Ego sum frater tuus, noli metuere. Esther 15. v. 12. 14 Ein fürtrefflicher Harffenist. 15 Erfinder der Music. 16 Den Wald. 17 Philomela, oder Nachtigall. Poët. 18 Amica mea, columba mea. 19 Veni propera. 20 Vas amici mei estis, si feceritis, etc. Ioan. 15. v. 14. 21 Musa, oder Kunst-Göttin. Poët. 8. Clorinda erkennt/ daß/ wer auch alle Schätze/Reichthumm/ und Wollüste dieser Welt/ doch ohne die Liebe Gottes/ besitzte/ arm/ elend/ und nichtig wäre; da herentgegen in der Liebe Gottes alles Gutes zu finden Si dederit homo omnem sustantiam domus suæ pro dilectione, quasi nihil despiciet eam. Cant. 8. v. 7. Wann einer alles Gut in seinem Hauß umb die Liebe geben wolt/ so verachtet sie alles/ als nichts. 1. Es ist mein freyes Hertz Dem schwären Aertz/ Und bleichen Gold Nun nicht mehr hold; Ich laß der armen Welt Ihr eitles Gelt/ Und Edelgstein Gar gern allein; Ich geb' umb alle Perel Nicht ein Härel/ Auff Diemant/ und Rubin Steht mein Gemüht nicht hin. 2. Weit einen andern Schatz Hab' ich im Hatz/ Dem keiner gleich In keinem Reich? Des Nereus 1 Reichthumm ist Nur Gänse-Mist/ Was Midas hatt'/ 2 Ein eytler Schatt: Die Tharsi sche Gold-Grufften Seynd nur Klufften Voll Bettlerey/ wovon Gerühmt wird Salomon. 3 3. Wo ist jemahl geweßt Ein Schatz so vest/ Der niemahl hab' Genommen ab? Wer zeiget mir den Platz/ Wo Crœsus Schatz/ Geschätzt so hoch/ Zu finden noch? Von so viel tausend Pfunden Wird gefunden Nicht mehr ein Stäublein schwär/ So auffzuweisen war. 4. Ich will mir sammlen ein Den Schatz allein/ Der sich vermehrt/ Und nicht verzehrt; Und dieser ist die Lieb' Den mir kein Dieb Noch greiffen an/ Noch stehlen kan; Der mir ohn' alle Sorgen Bleibt verborgen/ Ab welchem ewiglich Ich werd erfreuen mich. 4 5. Der/ so die Liebe hat/ Der ist schon satt/ 5 Hat keine Freud' Am Gold-Geschmeid; Gibt alles gern herauß Aus seinem Hauß/ Die theurste Ding Schätzt er gering; Die Lieb/ was man besessen/ Macht vergessen: 6 Allda/ wo sie einschleicht/ Wird alles Gold zu leicht. 6. Den Apffel wirfft das Kind Von sich geschwind/ So bald geneigt Die Amm sich zeigt; Wirfft hin das Tauff-Geschenck/ Sein Halß-Gehenck Hält nicht ein Haar Auff solche Waar; Die zarte Liebes-Flammen/ Zu der Ammen Seynd ihm viel lieber/ als Das Gold an seinem Hals. 7. Ein' zart-verliebte Braut/ Die erst vertraut/ Laßt gern zuruck Den Braut-Geschmuck. Vergnügt sich wundersam Am Bräutigam; Muß sie auch schon Mit ihm darvon; Verlasset all ihr Glücke Gern zurücke; Die reiche Liebe macht/ Daß alles sie veracht. 7 8. Das Zünglein/ vom Magnet Bestrichen/ geht Zu seiner Ruh' Dem Polus 8 zu/ Kein Gold noch Silber kan Es ziehen an; Es laßt gar nicht/ Wie sonst geschicht/ Zum Gold sich von dem Eisen Leicht abweisen; Wo es die Lieb' hinträgt/ Da bleibt es unbewegt. 9. Barlaâm, und Josaphat, 9 Als sie nun satt Der schnöden Welt Sammt ihrem Gelt/ An Liebe Gottes doch Beflammet hoch/ Gott worden seynd Sehr liebe Freund: Mühselig an den Höfen Nach den Schröfen Seynd (arm bey ihrer Kron) Gezogen reich darvon. 10. Viel haben all ihr Gut Mit frischem Muht Verlassen/ und Verachtet rund/ 10 Auff daß sie mit der Lieb (O Himmels-Dieb') Unmäßiglich Bereichten sich: Ihr Gold/ und Silber haben Sie vergraben Durch reiche Wucher-Spend Tieff in der Armen Händ'. 11 11. Recht Paulus alles hat 12 Geschätzt/ wie Kaht/ Die Lieb hat ihn Gereitzt dahin/ Dann wer an Liebe lähr/ Wie reich auch er An Edelgstein/ Und Gold mag seyn/ Der ist vor allen Armen Zu erbarmen/ 13 Weil all sein Haab/ und Gut Nicht einen Häller thut. 12. Ich bin reich 14 (sagst du zwar) Mir fehlt kein Haar/ Und geht nichts ab/ Satt alles hab': Weißt aber nicht darbey Dein' Armuthey/ Wie elend du/ Und blind darzu: Drumb raht ich dir/ zu lauffen/ Einzukauffen/ Ein feurigs Gold von mir: 15 Spricht Gottes Mund zu dir. 13. Wann schon dein Reichthumm groß, Und du gottloß/ Was hilfft es dich Dort ewiglich? Dein Leben heut vielleicht Noch von dir weicht: Dein Gut/ und Gelt Bleibt in der Welt/ Wer wird dir dann dort geben/ Wohl zu leben/ Wann du mit lährer Hand Must in ein fremmdes Land! 16 14. Die Lieb' ist dort der Werth/ Den man begehrt Nohtwendig umb Dein Eigenthumb/ Allweilen gangbar dort Kein andre Sort/ Wer die nicht hat/ Bleibt in dem Kaht/ Wird nicht ein Tröpfflein Wasser/ Gleich dem Prasser/ 17 Dort können kauffen ein/ Zu lindern seine Pein. 15. Wer auch schon in die Wett Fürtrefflich hätt' Der Englen Krafft/ Und Wissenschafft/ 18 Und wär' ihm auch vergönnt So/ daß er könnt' Die gröste Berg Thun überzwerg/ 19 Hätt aber in der übe Keine Liebe/ So hätt'/ und wär' er nichts Am Tage des Gerichts. 20 16. Wann von dem Himmel ferr Die Liebe wär'/ So wär' alldort Kein Freuden-Ort/ Und hätt' sie ihre Stell Auch in der Höll/ So könnte seyn Dort keine Peyn; Aus ihrem Zanck-Getümmel Wurd' ein Himmel: Die Lieb' vertreibt das Läid/ Ohn' sie ist keine Freud. 17. Wer recht zu lieben pflegt/ Gott bey sich trägt/ Er selbst/O Christ/ Die Liebe ist; 21 Und hast du Gott/ was kan Dich stossen an? Kan es bey Ihm Ergehn dir schlimm? Seynd oder deine Kinder/ Schaaff/ und Rinder/ Dein Gelt/ und Gut (O Spott!) Dir besser/ als dein Gott? 18. Das Gelt ist nur ein Last; Je mehr du hast/ Je minder du Wirst haben Ruh'; Viel Reichthumm Tag/ und Nacht Nur Sorgen macht; Wird ohne Müh Besessen nie; Macht den/ der sie besessen/ 22 Gott vergessen: Sein gantzes Thun nur ist Zu füllen seine Kist. 19. Die Lieb macht Sorgen-frey/ Trostreich darbey/ Wer sie besitzt/ Vor Angst nicht schwitzt: 23 Weißt nichts von Kümmernuß/ Noch von Verdruß/ Dann sie versüßt/ Das/ was verdrießt; Macht daß die Tods-Beschwerden Lieblich werden: Wer liebt/ hat allbereit Hier schon die Seligkeit. 20. So will hinfüro ich Befleissen mich/ Daß in der Lieb' Ich stäts mich üb'/ Auff daß ich also reich/ Den Englen gleich/ Wohl immerfort Leb' hier/ und dort/ Will umb die Lieb auch geben Gar mein Leben; Auff daß ich leb' in ihr/ So lebt auch Gott in mir. 24 Fußnoten 1 Was in dem Meer. 2 Ein König der alles/ was er angerührt/ zu Gold gemach Poët. 3 2. Paralip. 9. 4 Vbi neque tinea corrumpis. Matth. 6. v. 20. 5 Si dederit homo, etc. Cant. 8. v. 7. 6 Quasi nihil despiciet cam. 7 Obliviscere populum mum, & domum patris tui, etc. Psal. 44. v. 11. 8 Himmels-Angl/ Sonnen-wend/ Polus Stern. 9 S. Ioan. Damasc. in vita SS. Barlaam & Iosaphat. 10 Ecce nos reliquimus omnia, Matth. 19. v. 27. 11 In calestes thesauros manus pauperum deportaverunt S. Laurent. 12 Sic est, qui siti thesaurizat, & non est in Deo dives. Luc. 12. v. 21. 13 Ad Philipp. 3. v. 8. 14 Dicis, quod dives sum, & locupletatus, & nullius egeo, & nescis, quia tu miser, etc. Apoc. 2. v. 17. & 18. 15 Stulte, hac nocte animam tuam repetent à te. Luc. 12. v. 20. 16 Quæ parásti, cujus erunt? Ibid. 17 Fili, recordare, quia recepisti bona in vita tua. Luc. 16. v. 24, 25. 18 Si linguis hominum loquar, & Angelorum. 1. Corinth. c. 13. v. 1, 2, 3. 19 Vt montes transferam. 20 Charitatem autem non habuero, nihil sum. 21 Deus charitas, 1. Ioan. 4. v. 16. 22 Aus ihrem Gold/ und Silber haben sie abgöttische Götzen gemacht/ daß sie ja umbkämen. Ose. 8. v. 4. Der Geitz ist ein Dienst der Abgötterey, ad. Ephes. 5. v. 5. 23 Timor non est in charitate 1. Ioan. 4. v. 18. 24 Qui manet in charitate, in Deo manet, & Deus in eo. 1. Ioan. 4. v. 16. 9. Clorinda erfreuet sich des Ends ihrer Pilgerfahrt/und der hoch-erwünschten Zunahung ihrer Seligkeit: Nimmt Urlaub von denen Welt-Kinderen; gibt ihnen eine gute Lehr/ und stirbt selig/ mehr aus Gewalt der Lieb'/ als Kranckheit Concupiscit, & deficit anima mea in atria Domini. Psal. 83. v. 2. Meine Seele verlanget/ und wird Krafft-loß nach den Vorhöfen des Herren. 1. Gott sey gepriesen/ Der mir erwiesen So grosse Lieb/ und Gnad/ Daß Er gezogen/ Mir höchst bewogen/ Mich auff die Himmels-Pfad: Der mich beruffen zu der Buß/ Und biß zum End Durch seine Händ' Darbey gesteurt auff steiffem Fuß. 2. Nun will auff Erden Es Abend werden Mit meiner Lebens-Zeit/ Bin von der Lände/ Wohin ich wende Mein Schifflein/ gar nicht weit/ Sehr wenig Zeit ist übrig noch/ Dann geh ich fort Nach jenem Ort/ Wohin ich stäts verlangt so hoch. 3. Die Liebes-Schmertzen In meinem Hertzen Seynd allzu ungeheur; Kan nicht mehr wehren/ Mich will verzehren Das strenge Liebes-Feur; Die Qual durchdringet Marck/ und Bein Mir tausendfach/ Ach/ Daphnis, ach! Vor Lieb werd' ich geäschert ein! 4. Wie der Theresen, 1 Dort sey gewesen/ Ich nunmehr glauben kan/ Als sie zu schwitzen Vor Liebes-Hitzen So starck gefangen an/ Daß sie ohn' alle andre Seuch/ (O süsser Tod/ Gleich meiner Noht!) Ist endlich worden eine Leich. 5. So heisse Flammen/ Verspehrt beysammen/ Bald werden brechen auß/ Und mich vertreiben; Wer wolte bleiben/ In einem solchen Hauß/ So ärger auch/ als Ætna brennt/ Und mir zumal Mit süsser Qual Den Leib biß in die Seel durchrennt. 6. Ich will mit Freuden Diß Häußlein meyden/ Und ziehen stracks darvon; Hab' dieses Elend/ Den Tod erwehlend'/ Genug verkostet schon; Will nach dem Hauß des Herren gehn/ 2 Wie gestern spat Mir Daphnis hat Trostreich gegeben zu verstehn. 7. Zu Cusco waren Vor wenig Jahren Noch Häuser/ und Palläst/ 3 Als welcher Tächer/ Zimm- und Gemächer Mit Gold bedeckt geweßt; Ja/ wie die Sag' der Schreibern geht/ Von Gold so gar Alldorten war' Das Felder-Hauß- und Tisch-Geräht. 4 8. O Bettler-Häußlein/ Nur für die Mäußlein Ein armer Underschlauff! Ich hab' in Händen/ Bald zu vollenden Wohl einen andern Kauff; Desgleichen war' auff Erden nicht Zu keiner Zeit So groß/ und weit/ Noch also köstlich auffgericht. 5 9. Wann auff den Gassen Sich sehen lassen Von Gold die Pflaster-Stein; 6 Von Edlen-Steinen 7 Die Mauren scheinen/ Wie wird die Wohnung seyn? 8 O Wohnung/ so kein Menschen-Zung Entwerffen kan! Wie solte man Nicht stutzen vor Verwunderung? 10. Wann in den Wäldern/ Geblümten Feldern/ Und grünendem Gestäud/ Zu Frühlings-Zeiten Den jungen Leuten Begegnet solche Freud/ Daß man sich selber ohngefehr So weit verschliefft/ In Lust vertiefft/ Als wann man gantz verzucket wär. 11. Was wird nicht dorten An jenen Orten Für Freud und Wollust seyn? Allwo zu schauen So gar die Auen Mit Gold gehaget ein? Allwo die Landschafft also schön/ Daß einer möcht'/ Von Lust geschwächt/ In lauter Lieblichkeit vergehn. 12. Der stäte Jäger/ Gewild-Erleger Genannt/ Hippolitus, 9 Sich so ergetzte/ Der Jagd nachsetzte Ohn' eintzigen Verdruß/ Daß ihn in sieben Jahren auch Kein Dach bedeckt/ Noch Müh erschreckt/ Ob schon das Wetter wild/ und rauch. 13. O arme Freuden/ Nicht zu beneyden/ Bey so viel Ungemach; Was ist das Jagen Bey nassen Tagen Für ein' trostreiche Sach/ Allwo der Leib gemattet ab/ Und immer zu/ Beraubt der Ruh'/ Samt seiner Lust geht nach dem Grab. 14. Die Freud dort oben/ Die ist zu loben/ Und zu verlangen sehr/ Weil mit Beschwerden Alldort nicht werden Vermischt die Freuden mehr: Die Nuß hat dort kein' bittre Schelff; Die Herden seynd Dort ohne Feind/ Weil zu beförchten keine Wölff'. 15. Diß ist die Wohnung/ Der Buß-Belohnung/ In meines Daphnis Reich/ Was kan mir Schrecken/ Und Forcht erwecken/ Wann ich von hinnen weich'? Wann ich aus diesem Jammerthal/ Und Thränen-Bach/ Wo nicht als ach/ Wird' eingehn in den Freuden-Saal. 16. Mein hier-verbleiben/ 10 Und Zeit vertreiben/ Ach währet allzu lang! Das groß Verlangen Gott umbzufangen 11 Macht mir unsäglich bang! Ey laß! warum dann sterb' ich nicht/ Der langen Zeit Forthin befreyt/ 12 In Schauung Gottes Angesicht! 17. Dich aber gebe Zu Ruh'/ und lebe Clorinda/ wohl getröst: Es wird bald brechen/ Kanst kaum mehr sprechen/ Wirst werden bald erlößt; Das Blut in meinen Adern schon/ So stäts gewallt/ Wird aller kalt/ Der Tod eylt starck mit mir darvon. 18. Nun/ du verwandte/ Liebreich-bekandte/ Sehr werthe Hirten-Schar Und ihr Freundinne: Mit-Schäfferinne/ Euch alle Gott bewahr': Nemmt wohl in acht die Ewigkeit/ Sie kommt behend/ Und hat kein End/ Feur/ oder Freud ist dort bereit. 19. Wär' ich an Brüsten Der Welt-Gelüsten Gehangen biß hieher/ Und müßt' jetzt sterben/ Zum Heyl-erwerben Gantz Trost- und Hoffnung-lär/ Was wurd' es nunmehr helffen mich/ Wann ich nun müßt/ Gantz ungebüßt/ Gehn zum Verderben ewiglich? 20. Ach/ ach! bedencket/ In euch versencket Tieff meine letste Wort: Niemand kan leben 13 Der Freud ergeben/ Glückselig hier/ und dort! Ade: Clorind' nach Gott verräißt/ Es geht zum End' In deine Händ'/ O Gott/ befehl' ich meinen Geist! Fußnoten 1 Breviar. Rom. 15. Octobr. 2 Psal. 121. v. 1. 3 Regis Atabalibæ Palatium cum 20. Domibus. 4 Die Pflüge/ und alles Haußgeschirr. 5 O Israël, quàm magna est domus Dei. Baruch. 3. v. 24. 6 Apoc. 21. Plateæ civitatis aurum mundum. v. 21. 7 Apoc. 21. Plateæ civitatis aurum mundum. v. 20. 8 Structura muri ejus ex Lapide Iaspide. v. 18. 9 Ein Sohn Thesei, ein fürtrefflicher Jäger. Poët. 10 Heu mihi, quia incolatus meus prolongatur. est. Ps. 11. v. 5. 11 Coarctor, etc. desiderium habens dissolvi, & esse cum Christo. Philipp. 1. v. 23. 12 Quando veniam, & apparebo antefaciem Dei. Ps. 41. v. 3. 13 Impossibile est, ut præsentibus quis, & futuris fruatur bonis. S. Hieron. Epist. 34. ad. Juliau. vers. fin. 10. Der Himmlische Daphnis vermählet sich in dem Himmel auff ewig mit Clorinda; krönet sie mit dem köstlichen Krantz der Seligkeit/ und ladet alle Sünder zu der Buß ein Veni de Libano, Sponsa mea, veni de Libano, veni, coronaberis. Cant. 4. v. 8. Komme von Libano/ meine Braut/ komme von Libano/ gehe herein/ du solt gekrönet werden. 1. Komme/ liebste Braut Clorind'/ Komm' von Libano geschwind/ Du bist frey Von des Unglücks Wüterey; Hitz/ und Kälte seynd nun ferr/ Keine Nordwind' rasen mehr; 1 Pein/ und Qual Seynd vergangen überal; Da ist nunmehr kein Bemühen/ Lieblich blühen Nun die Blumen allerhand/ 2 Wollust ist in diesem Land. 2. Durch den stäten Busses-Fleiß Bist du worden Lilien-weiß/ Schön/ und rein/ 3 Wie der göldne Sonnen-Schein; Von so vielen Tugend-Glantz Bist du nun holdselig gantz/ Göttlich schier/ Weil kein Flecklein mehr an dir/ Steigest gleich der Tags- Auroren, 4 Neu-geboren Unverwendt in deinem Lauff/ Von dem Weissen-Berg herauff. 5 3. Komme/ Freundin/ komm' zu mir/ Ich will mich vermählen dir 6 Ewiglich/ Und Glorwürdig krönen dich; Es wird nun kein Affter-Glück Können stossen dich zurück/ Du wirst kein' Eh-verschmächte Vahsti seyn; 7 Dich kein Mißgunst wird entehren/ Noch verstöhren; Dieses Land entfernet ist Weit von Untreu/ Neyd/ und List. 4. Du kanst da nicht werden alt/ Noch viel minder ungestalt/ Immer neu Werk en seyn die Lieb und Treu: Da ist weder Raach/ noch Zorn/ Weder Distel/ weder Dorn: Zanck/ und Streit Seynd von hinnen ferr/ und weit: Hier wird dich kein Unmuht äffen/ Minder treffen; Die Betrübnuß ist vorbey/ Du bist aller Sorgen frey. 5. Ohne Eckel/ und Verdruß Ist allda der Freud-Genuß; Niemahl kan Werden dir was Läids gethan: Weder Hunger/ Krieg/ noch Pest/ Keines sich hier blicken läßt; Dieses Reich Ist befreyt von aller Seuch; Da ist man/ gleich wie die Engel/ Ohne Mängel; Hier ist die Vollkommenheit Weit von der Gebrechlichkeit. 6. Da ist nichts/ als Freud/ und Wonn; Jeder gläntzet/ wie die Sonn: 8 Nichts als Lust Diesen Burgern ist bewußt/ Welche in Zeit-loser Eyl/ Schneller/ als des Parthers Pfeil/ An den Ort/ Wo sie wöllen/ fliegen fort; Nichts kan ihnen widerstehen/ Sie durchgehen/ Wie der Plitz/ die harte Stein/ Wie durch Glaß der Sonnenschein. 7. Alle Wiesen seynd geblümt/ Weit vor dem Hymett' 9 berühmt: Aller Spaß Findt sich da ohn' Underlaß; Feld- und Wälder seynd geziert/ Daß man sich darein verliert; Göldne Frücht' Man an allen Bäumen sicht: Alle Bäche von dem süssen Nećtar 10 fliessen; Alle Brünne schencken ein Unbeschreiblich guten Wein. 8. Ein so hoch beglücktes Reich/ Dem die gantze Welt nicht gleich/ Will ich hier Heute noch einraumen dir/ Tausend Engel/ O Clorind/ Werden seyn dein Hoff-Gesind; Ohne mich Will ich niemahl lassen dich/ Sondern mit Wollust ergetzen/ Und dich setzen Für den ausgestandnen Hohn Auff den hohen Ehren-Thron. 9. Dieses ist der Lohn der Buß/ Welchen man verdienen muß/ Ohne Müh Wird man ja gekrönet nie: 11 Müßte nicht auch Ich so gar/ Der Ich Gottes Sohn doch war'/ Gleicher Weiß Kauffen mir das Paradeiß? 12 Durch viel Leiden/ und Trübsalen/ Angst/ und Qualen Muß man in das Reich eingehn; 13 Zärtling müssen draussen stehn. 10. Die der Welt ergeben/ seynd Wahrlich ihre eigne Feind'/ Weil ihr Ziel Nur gericht auf Kinder-Spiel: Lassen sich offt saur/ und heiß Werden/ auch biß auf den Schweiß/ Nur allein Auff der Welt beglückt zu seyn; Lauff- und rennen auff/ und nieder/ Hin/ und wider/ Wagen Leben/ Leib und Blut Um ein wenig schnödes Gut. 11. Achten meine Schätz gering/ Nur vertiefft auff solche Ding'/ Welche strachs Sich vertieffen/ wie das Wachs: 14 All ihr Trachten/ Hertz/ und Sinn Steht auff Wucher/ und Gewinn; Auff die Ehr Seynd erhitzet sie noch mehr: Ihrer Seelen underdessen Gantz vergessen: Um das zeitlich Glück/ und Heyl Bieten sie den Himmel feil. 12. Diese Freud/ die ewig währt/ Man hingegen nicht begehrt/ Halten sie Nicht für eine Linsen-Brüh; Schätzen meine Werck/ und Lehr Nun für eine Fabel mehr/ Voll des Neyds Gegen mich/ und meinem Creutz; Wöllen es nur von sich jagen/ Nicht nachtragen/ Ob ich schon es bey dem Stab Des Gebotts befohlen hab. 15 13. O ihr Menschen/ mercket diß/ (So unfehlbar/ und gewiß) Daß niemand Creutz-loß kommt in dieses Land: Durch das Creutz seyt ihr erlößt/ Durch die Lust des Heyls entblößt/ Unberührt Jenes nicht zum Himmel führt: Seyt ihr nicht/ O Adams-Kinder/ Worden Sünder Durch die Lust/ im Paradeiß Wegen der verbottnen Speiß? 14. Es seynd ja die gute Täg' 16 Zu dem Leben nicht der Weg: Wer ist/ der Ohne Arbeit Lohn begehr'? Kostet offt ein Stücklein Gut/ Zu besitzen/ so viel Blut/ Was soll man Nicht thun umb den Himmel dann? Oder aber ist er schlechter? (O Gelächter!) Als ein Land/ so nichts als Kath/ Nichts/ als müh/ und Arbeit hat? 15. Ey so würcket/ würcket dann/ Grosse/ Kleine/ Weib und Mann/ Weil noch ist Vor der Thür die Gnaden-Frist; 17 Würcket/ und befleißt euch doch Euer Heyl zu würcken noch/ Weil es gilt/ Dann darnach ist es verspielt; Schätzt den Himmel nicht geringer/ Als die Finger/ Es ist werth/ daß man nicht träg 18 Umb denselben sie beweg. 16. Seyt doch nicht wie Pharaon, Hart in dem verkehrten Wohn/ Denckt/ wie er Endlich wurd' gestrafft so schwer; Nemmt ein Beyspiel doch an ihm; Höret euers Daphnis Stimm; 19 Wartet nicht/ Biß ich sitze zu Gericht; Jetzt könnt ihr das Heyl erwerben/ Vom Verderben Euch gar leichtlich machen frey/ 20 Und mir ewig sitzen bey. 17. Schlagt doch dieses nicht in Wind/ Folgt mir weißlich/ wie Clorind'/ Seht/ wie sie Worden groß mit schlechter Müh: Niemand ist zur Buß zu schwach; Büssen ist kein solche Sach/ Daß man müß' Haben starcke Händ'/ und Füß'; Braucht nur einen starcken Willen/ Mich zu stillen Durch ein hertzlich-wahre Reu/ Und zu lieben auff das neu. 18. Einer solchen Hertzens-Buß Ich die Sünd verzeihen muß/ Kan diß dann Nicht verrichten jedermann? Diß ist ein' so ringe Sach/ Daß kein Krancker ihr zu schwach/ Was für Peyn Kan doch wohl Gott lieben seyn? Oder ist das Sünde-fliehen Karren-ziehen? Sünde seyn ein schwäres Joch/ 21 Welches abzuscheuhen hoch. 19. Wann man grosser Sünden loß/ Ligt man in der Freuden-Schoß; Sünden-frey Ist ein stäte Gasterey: 22 Wie ist nicht hingegen der Sünden-Last so grausam schwer! Herculs- Burd' Leichter ihm zu tragen wurd': Ey so kommt/ zu meinen Gnaden Eingeladen/ Kommt/ ich will erquicken euch 23 Nach so schwärer Sünden-Seuch. 20. Ach bedencket offtermal Diese Freud/ und jene Qual/ 24 Freud/ und Läid 25 Seynd in euren Händen beyd: Ach! erwehlet doch das Best'! Werdet dieser Freuden Gäst'/ Dann euch ist Meine Mahlzeit zugerüst: 26 Laßt euch von verkaufften Rindern 27 Doch nicht hindern/ Dann diß ist ein solch Geschäfft/ Woran euer Heyl gehäfft. 28 Fußnoten 1 Iam hyems transiit. Cant. 2. v. 11. 2 Flores apparuerunt in terra nostra. Cant. 2. v. 11. 3 Electa ut Sol. Cant. 6. v. 9. 4 Quasi Aurora consurgens. Cant. 6. v. 9. 5 Libanus candidus Glossa. 6 Sponsabo te mihi in sempiternum. Oseæ 2. v. 19. 7 Esther. 1. 8 Iusti fulgebunt, licur Sol. Matth. 13. v. 43. 9 Ein Blumreicher Berg. 10 Götter-Tranck. Poët. 11 Non coronatur, nisi legitimè certaverit. 2. Tim. 2. v. 5. 12 Nonne hæc oportuit pati Christum, & ita intrare in gloriam suam. Luc. 24. v. 26. 13 Per mulsas tribulationes oportes nos insrare in Regnum Dei. Act. 14. vers. 21. 14 Omnes, quæ sua sunt, quærunt, non quæ Iesu Christi. ad. Philip. 2. vers. 21. 15 Qui non accipit crucem suam, & sequitur me, non est me aignus. Matth. 10. v. 38. 16 Quis est homo, Qui vuls visam, diligis dies viaero bonos? Psal. 33. v. 13. 17 Dum tempus habemus, operemur bonum. ad Galat. 6. vers. 10. 18 Faul/ nachlaßig. 19 Hodie si vocem ejus audieritis, nolite abdurare corda vestra. Ps. 94. v. 8. 20 Ecce nunc tempus acceptabile est, Ecce nunc dies salutis. 2. Cor. 6. v. 2. 21 Drucken den Menschen in die Höll hinunder. 22 Secura mens juge convivium. Prov. 15. v. 15. 23 Venite ad me omnes, qui laboratis, & onerati estis, & ego reficiam vos. Matth. 11. v. 28. 24 Memorare novissima, & in æternum non peccabis. Eccl. 7. v. 40. 25 Apposuit sibi ignem, & aquam, ad quod volueris porrige manum tuam. Eccl. 15. v. 17. 26 Ecce, prandium meum paravi. Matth. 22. v. 4. 27 Juga boum emi quinque, & eo probare illa. Luc. 14. v. 19. 28 Porrò unum necessarium est Luc. 10. v. 42. Abschied des Miranten von dem Geliebten Leser Es hat die Göldne Sonn- Zu Gnaden sich geneiget/ Und ihr bestrahltes Haupt- Versencket in das Meer/ Der müde Tag nunmehr- Den braunen Abend zeiget/ Der Himmel wird entfärbt/- Die Welt verduncklet sehr/ Dahero will ich mich- Nach Hause nun verfügen/ Biß Phæbus wiederumb- Mit frischem Tag erscheint/ Geliebte Leser/ laßt- Mit diesem euch begnügen/ Was ich nicht wohl gereimt- Hab' ich doch wohl gemeint. Allein will freundlich ich- Noch was gebätten haben/ Wann dieses Wercklein nicht- Nach jedes Willen krauß/ Daß man nicht etwan wöll'- Nach hinckenden Buchstaben/ Sondern mehr nach dem Sinn- Es treulich legen auß/ Und nicht nach böser Art- Der Neideren verrencken Auff einen/ der sehr weit- Entfernt von meinem Sinn: Sie wöllen öfftermal- Clorinden Thun bedencken/ So wird dann hoffentlich- Seyn häuffig mein Gewinn.