An den Frühling 1838 Lieber Frühling, sage mir, Denn du bist Prophet, Ob man auf dem Wege hier Einst zum Heile geht? Mitten durch den grünen Hain, Ungestümer Hast, Frißt die Eisenbahn herein, Dir ein schlimmer Gast. Bäume fallen links und rechts, Wo sie vorwärts bricht, Deines blühenden Geschlechts Schont die rauhe nicht. Auch die Eiche wird gefällt, Die den frommen Schild Ihrem Feind entgegenhält, Das Marienbild. Küsse deinen letzten Kuß, Frühling, süß und warm! Eiche und Maria muß Fort aus deinem Arm! Pfeilgeschwind und schnurgerad, Nimmt der Wagen bald Blüt und Andacht unters Rad, Sausend durch den Wald. Lieber Lenz, ich frage dich, Holt, wie er vertraut, Hier der Mensch die Freiheit sich, Die ersehnte Braut? Lohnt ein schöner Freudenkranz Deine Opfer einst, Wenn du mit dem Sonnenglanz Über Freie scheinst? Oder ist dies Wort ein Wahn, Und erjagen wir Nur auf unsrer Sturmesbahn Gold und Sinnengier? Zieht der alte Fesselschmied Jetzt von Land zu Land, Hämmernd, schweißend Glied an Glied Unser Eisenband? Braust dem Zug dein Segen zu, Wenns vorüberschnaubt? Oder, Frühling, schüttelst du Traurig einst dein Haupt? Doch du lächelst freudenvoll Auf das Werk des Beils, Daß ich lieber glauben soll An die Bahn des Heils. Amselruf und Finkenschlag Jubeln drein so laut, Daß ich lieber hoffen mag Die ersehnte Braut.