Sicilianen Du hast wohl einen Wunsch, noch so bescheiden, Das Leben will ihn nimmer dir gewähren. Ein anderer hat's, doch wird er dich beneiden Um das, was dein, im Fieber sich verzehren. Was willst du dir dein schmales Glück beschneiden Und Birnen brechen aus Getreideähren. Ich wette, trügest du das Wams von Seiden, Du wünschtest Dir den Zottelpelz des Bären. Einer schönen Freundin in's Stammbuch Den ganzen Tag nur auf der Ottomane, Ylang-Ylang und lange Fingernägel. Die Anzugfrage, Wochenblattromane, Schlaf, Nichtsthun, Flachgespräch ist Tagesregel. Ich glaube gar, für eine Seidenfahne Verkaufst du deinen Mann und Kind und Kegel. So schaukeltst du, verfault, im Lebenskahne, Herzlosigkeit und Hochmut sind die Segel. Schwalbensiciliane Zwei Mutterarme, die das Kindchen wiegen, Es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Maitage, trautes Aneinanderschmiegen, Es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Des Mannes Kampf: Sieg oder Unterliegen, Es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Ein Sarg, auf den drei Handvoll Erde fliegen, Es jagt die Schwalbe weglang auf und nieder. Im Bivouak Das Feuer knistert und die Becher klirren, Laß in die Arme sank der Nacht die Welt. Gedanken, ohne Steg und Steuer, irren, Bis in der Palmenbucht der Anker fällt. Manch Wort und Witz, die hin und gegen schwirren, Verweht der Wind, begräbt das stille Feld. Ein letzter Trunk, und schon in Traumeswirren Verliert sich ferner Postenruf in's Zelt. »Die Anbetung der heiligen drei Könige« Im Saale vor mir Veroneses Bild, Als Nachbarin die schönste aller Frauen, In Sicht ein gut zerstücktes Hummerschild, Um mich Gelächter, Glasgeklirr und Kauen. Die alte Gräfin, sonst so engelmild, Wie will sie jenen Trüffelberg verdauen. Indessen hallt Musik, verschallt und schwillt, Und aus dem Garten schrillt der Schrei des Pfauen. Marschall Niel Die große gelbe Rose ruhte schwer Auf schwarzem Marmorsarg in Marmorhallen. Wess' Hand sie brach und wer sie trug anher, Auch wer die Leiche war, ist mir entfallen. Es schlief der Sarg, von Blatt und Blumen leer, Im Dämmer, eine Sphinx, auf Löwenkrallen. Der Abendwölkchen lichtgeflocktes Heer Entstieg dem Meere, rot wie Blutkorallen. Verrauscht die heiße Zeit der Jugendtage, Verklungen Becherklang und wilde Geigen. Dich lehrte zeitig Hiobs tiefe Klage: Die Thoren schwatzen und die Klugen schweigen. Du legst das Wort vorsichtig auf die Wage, Und mußt der Welt die Heuchelmaske zeigen. Dein Frühling doch – ach, eine Wundersage, Dir singt kein Vogel mehr in grünen Zweigen. Sphinx in Rosen Aus weißem Stein geformt, im Junigarten, Liegt eine Sphinx, die greulichste der Katzen. Es küssen ihr die zierlichsten Standarten, Die Rosen, windgeschaukelt, leicht die Tatzen. Das Untier schweigt, die Lippen offenbarten Wie schon zu Ramses Zeiten – leere Fratzen. Und schweigt, und schweigt, und läßt auf Antwort warten – Im stillen Garten schwatzen nur die Spatzen. Flüchtiger Gruß 1. Frühling Hoch oben fliegt ein Kranichheer nach Norden, Von ihren Flügeln tropft die Morgensonne. Tief unten liegt der Ursulinenorden, Im Klostergarten träumt die alte Nonne. Von oben braust es mächtig in Accorden Nach unten tief in hoher Frühlingswonne. Verflogen ... Oben ist es still geworden – Die greise Nonne betet zur Madonne. 2. Herbst Hoch oben fliegt ein Kranichheer von Norden, Von ihren Flügeln tropft die Abendsonne. Tief unten liegt der Ursulinenorden, Im Klostergarten träumt die alte Nonne. Aus Kirchthürweiten braust es in Accorden Nach oben hoch in tiefer Friedenswonne. Verklungen ... Unten ist es still geworden – Die greise Nonne betet zur Madonne. Gnadenort Den Eichbaum traf der Blitz aus schwarzen Lüften, Und schlug in tausend Splitter ihn, der wilde. Fünfhundert Jahr zurück: In Waldesgrüften Umschloß Marien er im grünen Schilde. Die Dirne, lebensrot, mit derben Hüften, Kniet schluchzend vor dem Muttergottesbilde, Indess' der Junker lachend in den Klüften Jagt Seit' der blassen Herrin, Frau Wulffhilde. Großmutter wird nun täglich immer schlimmer, Doch zögert noch der Allesüberwinder. Dicht vor dem Spiegel stehn im Nebenzimmer Mamachen und drei hübsche blonde Kinder, Und proben emsig, wie der schwarze Flimmer So reizend putzt als Kleid, als Hut nicht minder. Großmutter stirbt – es konnte nimmer grimmer Der Damen Trauer sein, das sieht ein Blinder. Jagdstück Der Edelhirsch hebt stolz die sechszehn Enden, Und sichert, thaubedeckt, in Morgenfunken. Diana schürzt sich, um den Pfeil zu senden, Die Rüdenhunde läuten, todgiertrunken. Durch Busch und Bruch, es neigt die Kraft der Lenden, Am stillen Waldteich ist er hingesunken. Halali, Zinkentusch und Jubelspenden, Die Trauermesse halten Nix und Unken. Wohin die Zeit, als meine Brust umbrandet Von Wettern und von schweren Schicksalschlägen. Im Sicherhafen bin ich längst gelandet, Und wandle stumpf in ausgetretnen Wegen. Fast wär's mein Wunsch, daß ich im Sturm gestrandet, Ein Ufernichterreichender, erlegen. Als daß ich hier, verrostet und versandet, Ein altes Wrack, um das die Winde fegen. Meiner Mutter Wie oft sah ich die blassen Hände nähen, Ein Stück für mich – wie liebevoll du sorgtest. Ich sah zum Himmel deine Augen flehen, Ein Wunsch für mich – wie liebevoll du sorgtest. Und an mein Bett kamst du mit leisen Zehen, Ein Schutz für mich – wie sorgenvoll du horchtest. Schon längst dein Grab die Winde überwehen, Ein Gruß für mich – wie liebevoll du sorgtest. Little remembrance Im Schneegestöber mag die Stadt ertrinken, Was kümmert's mich, ich sitze warm und trocken. Bemerklich kaum hör' ich die Thüre klinken, Und hinter mir schleicht irgendwer auf Socken, Um raschen Sprungs an meine Brust zu sinken! Ich thue wild und grenzenlos erschrocken. Sie lacht wie toll, die weißen Zähne blinken, Auf ihren Backen schmelzen noch die Flocken. Die Zähne aufeinander, weit die Augen, Willst du das Ungeheuer »Leben« binden. Es gilt! Nimm Waffen, die zum Kampfe taugen, Ein schlaffes Volk, das gleich sich giebt den Winden. Voran denn! Bade dich in scharfen Laugen, Und nage, muß es sein, an harten Rinden. Geduld! Am Ende wirst du Honig saugen, Und wohnen unter selbstgepflanzten Linden. Reinigung Es singt ein Lied von Felix Mendelmaier Der lange Lieutenant mit dem Ordensbändel. Das alte Fräulein brütet Rätseleier, Besorgt den Thee und duftet nach Lavendel. »O Isis« baßt der Rath, der liebe Schreier. Weh mir, wie langsam schwingt der Abendpendel. Zu Ende. Gott sei Dank. Ich atme freier, Und bade mich daheim in Bach und Händel. Gestorben Der Sterbende – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Der Blasse wird noch blässer – – – – Doch die Genossen sprechen, ihn beneidend: Wohl ihm – nun wird er still – nun ist ihm besser. Conrad von Frittwitz-Gaffron. Nun ist ihm wohl. Er schaut das neue Land, Und bleibt, »Das hätt' ich nicht erwartet«, stehn. Der Eine stirbt verlassen und verbannt, Bei Andern Pomp und Trauerfahnenwehn. Die Nachbarweiber, menschlich, halten Stand Der Stunden viel, die »schöne Leich'« zu sehn. Und hinterdrein die Freunde, wehentbrannt, Vermitteln einen Skat im Weitergehn. Der alte General a.D. Nun muß ich oft in's Thal hinunterlauschen Vom kahlen Berge der Verlassenheit. Es dringt zu mir herauf ein Singen, Rauschen, Musik und Trommeln bringen nun mir Leid. Die Rosse wiehern und die Fahnen bauschen, Kanonendonner, matt und nebelweit. O, jene Zeiten, könnte ich sie tauschen, Das alte Herz, die alte Fröhlichkeit. Wenn Unglück dich und Schuld, zwei schwarze Rosse, An ihren Mähnen durch das Leben schleifen, Durch Berg und Thal, im Schmutz der Gassengosse, Du löst dich nimmermehr aus ihren Schweifen. Sie reißen dich, o ausgelass'ne Posse, Voraus nur deines Blutes Purpurstreifen, Und hinterdrein noch schwirren die Geschosse Der lieben Menschen: Lachen, Spott und Keifen. An eine alte Excellenz Dir schenkte Hebe einst in tiefe Schalen, Du trankst und hast die Reste nicht vergossen, Du sahst die Schlacht, den Feind auf Fluchtsandalen, Des Mannes Hochkraft strotzt auf Siegesrossen. Der Tagespflicht die Seele, dem Realen, Hat frisch des Lebens Welle dich umflossen. Nun, Alter, stehst du weiß auf Bergeskahlen, Und schaust in's Thal, verdrießlich und verdrossen.