Neapel's Golf 1. Die See geht hoch, die Sterne glänzen, Neapel's Golf liegt vor uns da, In Nacht geschmückt mit allen Kränzen, Hier Cap Misen, dort Ischia! Wie Riesen trotzig, feste Türme Schau'n von dem Ufer in das Meer, Aus früher Zeit der Völkerstürme, Des Zaubergürtels Schutz und Wehr. O lockend war's, um dich zu ringen Italien, Seebraut huldgekrönt. Wie oft hat hier, dich zu bezwingen, Der Krieger Schlachtenruf getönt! Entflammt von deinem Ruhmeskranze, Bekämpften sich in Sturmeswehn Mit Feuer, Schwert und Eisenlanze Vandale, Sachse, Sarazen. Nun drunten längst in Klipp' auf Klippen Schläft bei des Pariers Marmorstein, Bei Gold Karthago's, bei Gerippen In Sidon's Purpur ihr Gebein. Sie greifen oft im Traum von Siegen Zum Schwerte, das die Feinde traf, Doch Amphitrite's Töchter wiegen Die Helden wieder ein in Schlaf; Und Rosen streuet Eos lächelnd Auf Insel, Vorgebirg und Schlucht, Und ihr entgegeneilet fächelnd Ein Zephyr über Bajä's Bucht. 2. Das Grab Virgil's schmückt ewig ein Blütenkranz Im dunklen Reblaub über dem Felsenpfad, Und drüben in Sorrento flüstern Schwellende Wogen Gesänge Tasso's. Auch dort, wo Typhon's Zorn in den Kratern rollt, Wo donnernd ausströmt Rauch und unendlich Glühn, Aus Asche blüht auch dort der Weinstock – Siege, ja siege Lyäus, Sieger! Du kühn mit Panthern scherzender Genius, O schreit' hervor aus deinem Gebirg, wo spät Der Eremit noch kniet und Mondlicht Zwischen den Säulen des Klosters schimmert! Wenn aus den Kratern bis zu der Sterne Chor, Daß selbst der Erdgrund bebt, Meteore sprühn, Dann komm zu uns und sei mit uns und Lach uns im perlenden vollen Kelchglas!