Desz dritten Tausend sechstes Hundert 1. Auff Trullum Frauenzimmer soll man ehren, anders sind es grobe Sitten; Wie daß nechst dann einer Jungfer Trullus so in Schild geritten? 2. Von meinen Reimen Ich weiß wol, daß man glaubt, daß einer gerne thu Das, was er gerne sagt; allein es trifft nicht zu; Die Welt ist umgewand. Ich kenne manchen Mann: An Worten ist er Mönch; an Thaten ist er Hahn. Mein Reim ist manchmal frech, die Sinnen sind es nicht; Der eine Zeug ist Gott, der ander das Gerücht. Ich höhne Laster auß, ich schimpffe böse Zeit; Dann die macht grosses Werck von grosser Üppigkeit. 3. Der Friede Wann wir immer wider uns, nimmer striten wider Gott, Wäre Friede stets bey uns, wäre keines Streites noth. 4. Wann bey Friede nicht ist Busse, Steht der Fried auff keinem Fusse. 5. Balbierer Ihr Schärer, ihr seyd Ehren-Schänder, ihr schäret ietzt rein ab die Bärte, Dafür ein Mann doch vormals immer, als wie für Ehr und Namen werthe. 6. Die unbehutsame Jugend Die Jugend ist wol gut, Ist voller Geist und Mut, Ist voller Glantz und Zier; Nur dieses mangelt ihr: Sie liebt nur ihr Gemach, Denckt künfftigem nicht nach. 7. Das Leben Man klagt, daß unser Leben pflegt gar kurtz zu seyn. Die Ewigkeit, schweig stille! bringt alles wieder ein. 8. Auff Carponem Von Neid dein Hertz, von Schmach ist, Carpo, voll dein Mund; Du bist ein hündisch Mensch; du bist ein menschlich Hund. 9. Von der Chlorinda Chlorinda lebt und lacht; doch weist man sie zu Grabe: Das Brautbett ist das Grab, der Gräber Venus Knabe. 10. Ursprung der Bienen Jungfern, habt ihr nicht vernummen, Wo die Bienen her sind kummen? Habt ihr doch vielleicht verstanden, Was der Venus gieng zu handen, Da sie den Adonis liebte, Der sie labt und auch betrübte? Wann im Schaten kühler Myrten Sie sich kamen zu bewirthen, Folgte nichts als lieblich liebeln, Folgte nichts als tückisch bübeln, Wolten ohne süsses küssen Nimmer keine Zeit vermissen, Küsten eine lange Länge, Küsten eine grosse Menge, Küsten immer in die Wette; Eines war deß andren Klette, Biß es Venus so verfügte, Die diß Thun so wol vergnügte, Daß die Geister, die sie hauchten, Immer blieben, nie verrauchten; Daß die Küsse Flügel namen Hin und her mit Heeren kamen, Völlten alles Leer der Lüffte, Wiese, Thal, Berg, Wald, Feld, Klüffte, Parten sich zum küssen immer, Hilten ohne sich sich nimmer, Sassen auff die Menschen-Töchter, Machten manches Mund-Gelächter, Wann sie sie mit Küssen grüßen, Wann sie sie mit Grüssen küßen. Aber Neid hat scheel gesehen, Und Verhängnüß ließ geschehen, Daß ein schaumend wilder Eber Ward Adonis Todtengräber. Venus, voller Zorn und wüten, Hat gar schwerlich diß erlidten. Als sie mehr nicht kunte schaffen, Gieng sie, ließ zusammen raffen, Aller dieser Küsse Summen, Wo sie waren zu bekummen, Machte drauß die Honig-Leute, Daß sie geben süsse Beute, Daß sie aber auch daneben Einen scharffen Stachel geben, So wie sie das Küssen büssen Und mit Leid verbittern müssen. Sag ich dieses einem Tauben, Und ihr Jungfern wolts nicht glauben, Wünsch ich euch für solches Stücke, Daß euch Küssen nie erquicke; Glaubt ihrs aber, o, so schauet, Daß ihr nicht dem Stachel trauet! 11. Beyderley Adel Kunst und Tugend machet Adel; Adel machet auch das Blut; Wann sie beyde sich vermählet, ist der Adel noch so gut. Adel, den die Kunst gebieret, hat gemeinlich diesen Mut: Daß er mehr für Geld als Ehre immerzu das seine thut. 12. Englische Schärffe Daß ihr Angler Blut mit Blute gäntzlich zu verwaschen denckt? Durch Geblüte wird die Rache nur ernähret, nicht ertränckt. 13. Über die deutschen Getichte Herren Wentzel Schärffers Kein Kraut dient für das tödten; Nein, sagen die Poeten: Ein Blat von unsrem Krantze Der frischen Lorber-Pflantze, Erwärmt von unsrer Stirne, Begeistert vom Gehirne, Gibt Balsam zum genesen Und trotzet das verwesen. Nicht anders, ihr Poeten! Der Tod kan keinen nöthen, Den ihr und eure Sinnen Nicht lassen wolt von hinnen. Die alten, kühnen Degen Gehn noch auff unsren Wegen, Die ihrer Druden Lieder Nicht liessen kummen nieder. Was wüsten wir von Helden Und ihrer Thurst zu melden, Wann nicht Poeten-Geister, Deß schwartzen Grabes Meister, Die Sterbligkeit verbürget, Daß sie sie nicht gewürget? Was wär von tapffren Thaten, Was wär von klugem rathen Der Nachwelt kündig blieben, Wann diese nicht geschrieben? Es macht poetisch Tichten, Daß alles bleibt im Liechten; Sonst fiel in lauter Nächte, Was Hertz und Witz verbrächte. Es sind zwar mehr der Kielen, Die auff daß ferne spielen, Die hin nach Ewigkeiten Gleichwol die Fahrt bereiten; Doch dünckt mich, daß Poeten Noch mehr als andre röthen, Was Todten-Asche blasset. Ihr Thun ist so gefasset, Daß ihre süsse Sachen Viel Buler ihnen machen; Daß ihre Zierligkeiten Die Sinnen mächtig leiten. Sie zuckern alle Worte; Es blüht an allem Orte; Sie schreiben nicht, sie mahlen. Die ungezälten Zahlen Der andren Künstligkeiten, Die künnen so bereiten Gemüther zum verlieben, Daß sie stets ihrer blieben, Und die, die ihre bleiben, Die künnen sich denn schreiben Für Freunde derer Leute, Dran Zeit hat keine Beuthe. Wie dein Poete singet Und mit dem Alter dinget, Dich, Brieg, und die darinnen Vom sterben zu gewinnen, Das zeugen seine Lieder. Was sonsten hin und wieder Er künstlich, artlich spielet, Daß Lust und Nutz man fühlet: Diß kan genüglich zeigen, Wie hoch Poeten steigen. Brieg, ehre diß Beginnen, Wilstu nach dir seyn künnen! Zwar künnen ihr Gerüchte Durch eigenes Gewichte Verewigen die Tichter, Doch durch bewogne Richter, Die ihnen hold und günstig, So wird ihr Trieb mehr brünstig, Daß sich sie und die Ihren Biß gar an Himmel führen. 14. Auff Florindam, unter eines andren Namen Sind, Florinda, deine Wangen ein beblümtes Lust-gehäge, Gibt mein Mund sich an zum Gärtner, daß er dieser Blumen pflege. 15. Recht und Gewalt Lunten-Recht helt rechtes Recht nur für Lumpen-Recht; Wo Gewalt zum Herren wird, ist Gerecht ein Knecht. 16. Frantzösische Eitelkeiten Deutsche müssen ja gar from und ohn alles Eitel seyn, Weil sie nach der Eitelkeit ziehn in Franckreich erst hinein. 17. Auff Mœchum Mœchus ward mit Ernst vermahnt in ein andre Haut zu krichen; Als er dieses nun gethan, ward er dennoch außgestrichen. 18. Von Fürst Ludwigen von Anhalt, Stifftern der fruchtbringenden Gesellschafft, nunmehr lobsel. Gedächtnüß. † 1649 Deutschland hat für längst geherrscht als ein Haupt der Christenheit; Aber deutscher Sprache wehrt lag in tieffer Dienstbarkeit. Daß nun auch die Sprache herrscht, höchlich gilt und lieblich schillt, Dieses macht der theure Held, welchen altes Anhalt hilt, Ludewig, der weise Fürst. Deutschland, Deutschland, wie mich dünckt, Ist dein Mund gar viel zu schwach, daß sein Ruhm durch dich erklingt! Singe, was du weist und kanst; sage, was du kanst und weist: Du wirst nimmer recht geschickt; Er wird nie genug gepreist. 19. Frantzösische Bräuche Ich kan es wol gestehen, daß zierliche Geberden Und höfliches verhalten in Franckreich kündig werden; Diß aber kümt zu wichtig, daß gar nichts sonst soll tügen, Was Deutsche für sich selbsten an eigner Art vermügen. Thu diß in Deutschland, thu, was man in Franckreich thut, Ich wett, es fellt so schön, ich wett, es ist so gut. Die Übung fehlt uns nur, die Sinnen fehlen nicht; Genug, wann iedes Volck sein eignes Thun verricht. 20. Auff Pictiam Daß Liebe brennt und kältet, gibt Pictia beweiß: Den Brand macht das Gesichte; der Leib, der macht das Eiß. 21. Freundschafft und Gold Gold und Freunde gelten gleiche: iederley von dieser Wahr Sucht man mühsam, find man sparsam, hat man immer mit Gefahr. 22. Gewonheit Gewonheit ist die gröste Frau, beherrschet alle Welt; Gar wenig gilt, gar wenig taug, was sie nicht ächte helt. 23. Deutschland Deutschland ist ein Apothecke; denn darinnen wird genummen Manch Gesund-Trunck, der auch deme, der nicht trinckt, soll wol bekummen. 24. Menschliche Betriegligkeit Was Thiere gleich nicht reden, das weisen die Geberden; Die Menschen werden reden, was sie nicht meinen werden, Sind also bey den Menschen, als Thieren, mehr gefärden. 25. Ein indianisch Brauch Wann ein indianisch Mann stirbt und wird verbrennt, Dann wird seines Weibes Treu richtig dran erkennt, Wann sie springet in die Glut. O, in unsrer Welt Springt kein Weib, dieweil sie sich einem andren helt. 26. Bücher-menge Deß Bücherschreibens ist so viel; man schreibet sie mit hauffen. Niemand wird Bücher schreiben mehr, so niemand sie wird kauffen. 27. Freunde Freunde, die das Glücke macht, sind kein rechtes Meister-stücke, Wann sie nicht zuvor beschaut und bewehrt das Ungelücke. 28. Verdächtige Sachen Ein versöhnter Feind, Ein erkauffter Freund Sind zu einer Brücke Ungeschickte Stücke. 29. Wort-Geschwätze Wo so viel Zentner Worte sind, da glaub es nur gar frey, Das da nicht wol (ich sage viel!) ein Pfund vom Hertzen sey. 30. Schönheit Tausentschön, du liebes Kraut! iede Jungffer ist befliessen, Daß sie dich (es hilfft sie auch) müg in ihrem Garten wissen. Dennoch hat dich keine gar; so ein Ästlein manche hat, Ist doch derer eben viel, die da haben kaum ein Blat. 31. Schönheit Was macht ein Bildnüss gut? die Farbe nicht, die Kunst. Ist Tugend nicht dabey, hat Schönheit keine Gunst. 32. Auff Aeriam Aeria ist überirdisch, ist voll von Dunst und eitler Lufft; Der Wind von West ist ihr Geselle: man siht ihn nicht; man merckt ihn offt. 33. Türckische Herrschafft Man sagt, deß Türcken Reich werd ehstes untergehen; Was hilffts? Weil Türckisch Art bey Christen wil entstehen. 34. Glauben und Vernunfft Iemehr der Athem weicht vom Munde, ie minder wird er warm verbleiben; Iemehr Vernunfft weicht von dem Worte, ie minder wird der Glaube gläuben. 35. Von der Vlasca Vlasca ist erschrecklich klug; Vlasca ist so grausam schön! Wer sie siht, der hat ein Hertz; wer sich fürcht, muß zeitlich gehn. 36. Frantzosen-Folge Narren-Kappen sam den Schellen, wenn ich ein Frantzose wer, Wolt ich tragen; denn die Deutschen giengen stracks wie ich so her. 37. Das Verhängnüß Wilstu dein Verhängnüß trotzen? ey, so wil nur, was es wil! Ungeduld, Schreyn, Heulen, Schelten endert doch nicht dessen Ziel, Macht vielmehr, was arg ist, ärger; macht auß vielem noch so viel. 38. Auff den Selb-Lieb Selblieb klagt, daß alles Volck ihn so hasset ohne Schuld; Holder wird man dir dann seyn, wann du dir wirst minder hold. 39. Auff Varium Varius thu, was er thu, kan er dennoch nie nichts enden; Eh er erstes hat gethan, hat er andres schon in Händen. 40. Menschliche Zuversicht Der Mensch, der nichts kan für sich selbst, wil immer doch auff Menschen bauen, Wil Gott, der aber alles kan, noch dennoch selten viel vertrauen; So starck zeucht unser Ursprung uns, herab auff Erde nur zu schauen. 41. Gütigkeit Die Grossen mügen gütig seyn Und Hoheit doch nicht legen ein! 42. Klugheit Daß wir Gutes recht erlangen, Daß uns Böses nicht mag fangen, Drauff soll Klugheit seyn gericht; Ausser dem so taug sie nicht. 43. Mißgunst Mißgunst sey sonst, wie sie wil; dennoch ist ihr Eigenthum, Daß sie immer mehr verklärt, als vertunckelt unsren Ruhm. 44. Die verachte Armut Armut ist wie Aussatz arg; niemand greifft sie an zu heilen; Ieder wil sich nur seit-ab, wo die Armen stehen, theilen. 45. Lügen Lügen sind gemeine trächtig; weil sie pflegen dann zu jungen, Sind zum minsten sieben junge, wo nicht mehr, herfür gesprungen. 46. Das Zeit-Rad Die Zeiten sind als wie ein Rad; sie reissen mit sich um, Wer sich an sie henckt, machen ihn verdreht, verkehrt, krum, thum. 47. Das Leben Wann wir lebten hier stets nach unsrem Willen, Würde Lebens-Lust nimmer nie sich stillen. 48. Auff Morum Morus kennet Kräuter, Steine, Ertz und Vogel, Fisch und Thiere, Kennt den Hasen doch nicht eigen, den er tränckt mit Wein und Biere. 49. Das Glücke ein Weib Man mahlt das Glücke wie ein Weib schon her von vieler Zeit, Weil sie beständig wie ein Weib in Unbeständigkeit. 50. Die Warheit Die Warheit taug nur auff das Dorff, die grobe Bäuerin; Wo man frantzösisch höflich ist, da taug sie gar nicht hin. 51. Deß Krieges Fruchtbarkeit Wann mein Feld mir so viel Garben, als der Krieg trug Unrecht, trägt, Wil ich haben grosse Schätze gar in kurtzem hinterlegt. 52. Auff Fartum Wie kümmts, daß Fartus doch ein Narr durch Weißheit ward? Die Weißheit wuchs zu hoch; drum wird sie umgekahrt. 53. Die Gelegenheit Es mangelt nie Gelegenheit, was gutes zu verrichten; Es mangelt nie Gelegenheit, was gutes zu vernichten. 54. Beginnen Fang alles an nur mit Bedacht; führ alles mit Bestand; Was drüber dir begegnen mag, da nim Geduld zur Hand. 55. Verdacht und Unverstand Ein fälschlicher Verdacht, ein blinder Unverstand, Wo die Regenten sind, da räume man das Land. 56. Schönheit Die Schönheit ist der Schönen Feind, Wo fromer Sinn sie nicht vereint. 57. Gewissen Wo du Lust zur Wollust hast, kanstu sie nicht besser büssen, Als wann du dir legest zu ein schön Mägdchen, das Gewissen. 58. Unschuld Wer nicht selbsten kan betriegen, Wird gemein betrogen; Wer nicht andre kan belügen, Wird gemein belogen. 59. Auff Pseudonem Wann die Warheit sonst nur wolte, künte Pseudo sie wol freyen; Weil sie ihm ist zugesippet gar mit keinen Stammes-Reyen. 60. Auff Pigrum Immer ist der Tag zu lang, immer dir zu kurtz die Nacht, Piger, weil mit nichts-thun Tag, Nacht mit Schlaf wird zugebracht. 61. Von einem Spiegel Heimligkeiten grosser Leute soll man, wie sichs ziemt, verschweigen. Deiner Schönheit schön Geheimniß wil der Spiegel auch nicht zeigen; Daß bey Hof er sey gewesen, Formiruta, dünckt mich eigen. 62. Gold auß der neuen Welt Daß so viel deß göldnen Staubes hat die neue Welt gestreuet, Drüber ist noch nichts erschienen, daß die alte Welt sich freuet; Dann das Gold der neuen Welt macht, daß alte Welt sehr narrt; Jene macht wol gar, daß die gantz in ihrem Blute starrt; Dann auff prachten, dann auff kriegen pflegt man allen Schatz zu wagen; Arme Christen zu versorgen, wil die gantze Welt nichts tragen. 63. Himmel und Hölle Der Himmel liegt gar weit, ist leichte nicht zu finden; Die Höll ist aber nah; es treffen sie die blinden. 64. Die Pasiphae Freundin deß Ochsens, Pasiphae, höre, Wie man dir böslich stahl weiland dein Ehre! Üblich ists heute noch; artliche Kinder Wehlen zu Männern wie Esel so Rinder. 65. Auff Longum Longus ist der andre Bias; was er bey und an sich träget, Dieses ists, das ihn ernähret und in weiche Bette leget. 66. Regier-Kunst Der Grund, worauff ein Thron sein festes stehen fand, Ist (was man auch sonst sagt) ein richtiger Verstand; Um den bat Salomo; da den er kunte haben, Da fehlt ihm sonsten nichts an königlichen Gaben. 67. Neuerungen Was neu, ist angenem, wird widrig in der Eile, Wann ihm nicht Gut und Nutz gibt Krafft und länger weile. 68. Ein Buler und ein Säuffer Der Säuffer auff den Beinen, der Buler an den Sinnen, Siht Wunder, wer drauff sihet, wie beyde torckeln künnen. 69. Von meinen Sinn-Getichten Ob meine Sinngetichte mit Tausenden gleich gehen, So dencke, wie viel Tausend der Augen gegen stehen! Ich lasse mir genügen, ob ihrer viel gleich fallen, Wo nur noch Platz behalten die tüchtigsten von allen. 70. Weiber-Arten Weiber, die man wacker nennt, sind gemeinlich schnöde; Weiber, die man from beniemt, sind gemeinlich blöde; Weiber, die man wirthlich heist, sind gemeinlich böse. Schwer ists, wie mans treffen soll, daß mans recht auflöse. Welche böse bösem ist, die ist zu erwehlen, Und es mag am hurtig seyn und am from seyn fehlen. 71. Völlerey und Plauderey Wer viel redet, muß viel trincken; welcher aber trincket viel, Kan hingegen selten reden, was er wil, und wann er wil. 72. Tag und Nacht Der Tag, der ist der Mann; sein Weib, das ist die Nacht; Von denen wird die Zeit stets zur Geburt gebracht. 73. Schlaf und Kost Es fragt sich: ob das essen besser, ob schlafen besser zu ermessen? Ungessen wirstu wenig schlafen und ungeschlafen wenig essen. 74. Würde Der Centner-schweren Bürde Von Hoheit und von Würde Wird emsig nach getrachtet; Die Last wird nicht geachtet. O, drunter nicht zu schwitzen, Nur weich darauff zu sitzen, Zu sorgen nicht, zu prangen Ist alles angefangen. 75. Auff Bonnam Daß Bonna eine Jung-Frau sey, das glaub ich gar genau; Sie war noch gar unglaublich Jung, da war sie schone Frau. 76. Zeiten und Gebräuche Man hat gehört bey aller Zeit von bösen Zeiten sagen; Die Sitten mag, die Zeiten nicht, wer witzig ist, beklagen. 77. Feile Ehre Weiland muste man um Ehre wachen, bluten, schwitzen, schnauffen; Nunmehr ist sie zahmer worden, lesset sich um Müntze kauffen. 78. Auff Planum Planus ist so hoch gewachsen, daß er biß zur Sonne geht; Für die Erd ists gar verterblich, weil er ihr am Lichte steht. 79. Auff Cottam Die Seel ist Herr; der Leib ist Knecht; bekenn es, Cotta, frey, Daß bey dir gar (wie ist der Herr?) der Knecht ein Schelme sey. 80. Der Hof Man heuchelt sehr bey Hofe; man tadelt auch gemein; Im Lobe muß das Böse, das Gut im Tadel seyn. 81. Die Aufferstehung Christi Was hilffts, das unser Haupt erstund, wann wir doch, seine Glieder, Uns in der Sünden finstres Grab vergraben immer wieder? 82. Auff Puram Pura helt an ihrem Gott immer treu und feste; Ist hingegen, wo sie kan, ihres Nechsten Peste. 83. Die Schöpffer deß Schöpffers Der den Schöpffer weiß zu schaffen, thäte wol so gut daran, Wann er eine Welt auch schaffte, die ein solches glauben kan. 84. Auff Gniscum Gniscus thut niemanden nichts; dennoch ist ihm niemand gut Eben darum, weil er nie keinem etwas gutes thut. 85. Ackerbau Mit dem Pfluge Bergwerck bauen, Gibt zum Reichthum recht vertrauen. 86. Auff Blumonam Blumona ward entjungfert; da solches wär geschehen, Verschwur sie Haut und Haare, sie hett es nicht gesehen. 87. Verleumdung Daß ein Fromer dich geschmähet, trau nicht leichtlich auff Bericht; Daß ein Böser dich geschmähet, wundre dich darüber nicht. 88. Auff Vitum Veit, gibt sich an zu dienen um schlecht-, ja keinen Sold; Seht drauff nach wenig Jahren, was er hiedurch gewollt! 89. Aie Gestalt Wer, Flora, dein Gesichte nennt, der hat ein schönes Gut genant, Das aber, wann ein Feber kümt, in einem Nu ist weggebrant. 90. Ein heußlich Weib Ein Weib, deß Abends wirthlich, deß Tages aber faul, Die bleibet nur beym Esel; sie kauffet keinen Gaul. 91. Die Zeit Wer nichts thut, der hat viel gethan, Daß er die Zeit so schlecht legt an. 92. Ein babylonischer Gebrauch Zu Babel worden schöne Töchter auff freyem Marckte feil gestellt; Die ungestalten aber namen zur Mitgifft so gelöstes Geld. Wann dieses heute noch bey Tage solt ebenmässig auch geschehn, So wer es gut für solche Freyer, die nur auff schnöde Müntze sehn. Ich aber, wann ich diesem Brauche nach Willen solte pflichten bey, So meint ich, daß allhier das geben viel seliger als nehmen sey. 93. Die Verwüstung Troja Eine Stut und Hengst haben Troja umgekehrt: Nemlich Helena und der Griechen höltznes Pferd. 94. Auff Falsum Ist Falsus ein Apostel? die Zung ist ihm zertheilt. O nein! es ist nur sonsten ein Übel, das nicht heilt. 95. Eine gleiche Heurath Cacus hat ein Weib genommen, die ist ihm an allem gleich: Häßlich, böse, faul und diebisch, geil, versoffen und nicht reich. 96. Auff Vanam Dein Mann, der ist der Finger, Frau Vana, du der Ring; Schau, das nicht mit dem Ringe wer fälschlich siegeln gieng! 97. Von meinen Reimen Sind meine Reime richtig? Sind meine Worte wichtig? Nur daß nicht beydes nichtig! Sonst sind sie gar nicht tüchtig. 98. Der freye und knechtische Wille Männer sollen luthrisch glauben; Weiber wollen bäptisch seyn: Männer solln den Willen binden; Weiber wollen ihn befreyn. 99. Hofe-Tugend Bey Hof ist alles sonst umsonst; Die beste Tugend ist die Gunst. 100. Lachen und Weinen Das Auge lacht die Wollust an; den Schmertz beweint es drauff: Durch lachen ietzt, durch Weinen ietzt geht unser gantzer Lauff.