Desz ersten Tausend drittes Hundert 1. Mannes-Bildnüß Ein iedes Ding der Welt hebt an, geht fort, nimmt zu; Es war schon eine Zeit, da ich nicht war, noch du. Glaub aber mir gewiß, wann dieses du wirst lesen, Ein Mann ist mir bekannt, der nie kein Kind gewesen. 2. Von Gott beschert, bleibt unverwehrt Der ungestüm April läst dennoch Veilken blühen. Mir kan, was Gott mir günnt, kein rauhes Glück entziehen. 3. April und May April, der zörnt zuvor, eh Mai wil wieder lachen. Zu jener Lust den Weg muß diese Not uns machen. 4. An mein väterlich Gut, so ich drey Jahr nicht gesehen Glück zu, du ödes Feld! Glück zu, ihr wüsten Auen! Die ich, wann ich euch seh, mit Threnen muß betauen, Weil ihr nicht mehr seyd ihr; so gar hat euren Stand Der freche Mord-Gott Mars grund auß herum gewand. Seyd aber doch gegrüst, seyd dennoch fürgesetzet Dem allem, was die Stat für schön und köstlich schätzet. Ihr wart mir lieb; ihr seyd, ihr bleibt mir lieb und werth; Ich bin, ob ihr verkehrt, noch dennoch nicht verkehrt. Ich bin, der ich war vor. Ob ihr seyd sehr vernichtet, So bleib ich dennoch euch zu voller Gunst verpflichtet, So lang ich ich kan seyn. Wann dann mein seyn vergeht, Kans sein, daß Musa wo an meiner Stelle steht. Gehab dich wol, o Stadt! die du in deinen Zinnen Hast meinen Leib gehabt, nicht aber meine Sinnen. Gehab dich wol! mein Leib ist nun vom Kerker los; Ich darff nun nicht mehr seyn, wo mich zu seyn verdroß. Ich habe dich, du mich, du süsse Vater-Erde! Mein Feuer gläntzt nunmehr auff meinem eignen Herde. Ich geh, ich steh, ich sitz, ich schlaf, ich wach umbsonst; Was theuer mir dort war, das hab ich hier aus Gunst Des Herren der Natur um Habe-Dank zu nissen Und um gesunden Schweiss; darff nichts hingegen wissen Von Vortel und Betrug, von Hinterlist und Neid, Und wo man sonst sich durch schickt etwan in die Zeit. Ich ess' ein selig Brot, mit Schweiß zwar eingeteiget, Doch daß durch Beckers Kunst und Hefen hoch nicht steiget, Das zwar Gesichte nicht, den Magen aber füllt Und dient mehr, daß es nährt, als daß es Heller gilt. Mein Trinken ist nicht falsch; ich darf mir nicht gedenken, Es sei gebrauen zwier, vom Bräuer und vom Schenken. Mir schmeckt der klare Safft; mir schmeckt das reine Naß, Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Vaß, Drum nicht die Nymphen erst mit Ceres dürffen kämpffen, Wer Meister drüber sei, das nichts bedarff zum dämpffen, Weils keinen Schweffelrauch noch sonsten Einschlag hat, Das ohne Geld steht feil, das keine frevle That Hat den iemals gelehrt, der dran ihm ließ genügen. Der Krämer fruchtbar Schwur und ihr genißlich Lügen Hat nimmer Ernt' um mich; der viel-geplagte Lein Der muß, der kan mir auch anstat der Seiden seyn. Bewegung ist mein Artzt. Die kräuterreichen Wälde Sind Apotheks genug. Geld, Gold wächst auch im Felde; Was mangelt alsdann mehr? Wer Gott zum Freunde hat Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stat, Der vortelhafften Stat, da Nahrung zu gewinnen, Fast ieder muß auff List, auff Tück', auff Ränke sinnen. Drum hab dich wol, o Stat! Wenn ich dich habe, Feld, So hab ich Haus und Kost, Kleid, Ruh, Gesundheit, Geld. 5. Erneuertes Schlesien Der Krieger Art und Werk bißher war rauben, stehlen; Der Stäter Art und Werk erkauffen und verhölen. Es ist was starck gesagt. Es ist ja gut gemeinet, Wiewols von aussen nicht, als wie es solte, scheinet. Was neu ist, das ist gut; drum ist ihr Sinn gewesen, Daß man bei allem soll das Renovatum lesen. 6. Bewegliche Güter Der Landmann thut nicht recht, daß er so kläglich thut Um sein entwante Wahr: es war beweglich Gut. 7. Wanderschafft der Leute und der Güter Man sagt, man lieset viel, wie daß für langen Jahren Zu Zeiten ein gantz Volk aus seinem Sitz gefahren Und neues Land gesucht. Hinfüro wird man sagen Was andres: Wie man sah bei uns in vielen Tagen Vom Land Holtz, Stein, Ziehn, Blei, Gold, Silber, Kupffer, Eisen, Fleisch, Brot, Tranck und was nicht? hin in die Stäte reisen. 8. Soldat, durch Versetzung: als tod Soldaten sind ein Volk, die durch behertzte Thaten Der Welt und ihrem Thun viel dienen und viel rathen. Wann aber ein Soldat der Welt dient wider Gott, Der bleibt, indem er bleibt, ist, eh er bleibt, als tod. 9. Stat, durch Versetzung: Satt Die Unruh ist im Land, und Ruh ist in der Stat; Denn jenes leidet Noth, und sie ist meistens satt. 10. Steuer, durch Versetzung: es reut Es reut wol trefflich sehr, was Steuer wird gegeben, Weil fortmehr nichts mehr ist, als nur das liebe Leben. Allein es darff geschehn; es reut noch, doch zu spat, Nicht den so sehr, der gab, als der genummen hat. 11. Überall Krieg Weil nunmehr die gantze Welt Wider sich zeucht selbst ins Feld, Kan der Glaub in solcher Zeit Auch nicht bleiben ohne Streit. Dennoch führt er so den Krieg, Daß Geduld behält den Sieg, Daß die Hoffnung kriegt die Kron Und Bestand den rechten Lohn. 12. Bloße Warheit Die Warheit ist ein Weib, das zwar kein Laster kennt; Doch weil sie nackt und bloß, so wird sie sehr geschändt. 13. Die schamhafftige Zeit Sie sey sonst, wie sie sey, die Zeit, So liebt sie doch Verschämlichkeit. Sie kan die Warheit nackt nicht leiden; Drum ist sie emsig sie zu kleiden. 14. Schale ist nicht Kern Was aussen heisset Schutz, Das heist von innen Nutz. Diß lehrten uns drey Jahr, Es sey gar eigen wahr. Drum lerne, Landsmann, lern, Ob Schale sey der Kern. 15. Lob-Sucht Der um Lobes willen thut Das, was löblich ist und gut, Thut ihm selbsten, was er thut, Thut es nicht, dieweil es gut. 16. Ein ehrliches Leben und seliger Tod Wer ehrlich hat gelebt und selig ist gestorben, Hat einen Himmel hier und einen dort erworben. 17. Friede ist das beste Für großer Herren Mund gehört das Allerbeste, Mag leichte, wo sich von ein grober Bauer mäste. Der Fried ist eine Kost, die köstlich nährt und speist; Drum wird gemeiner Mann davon ietzt abgeweist. 18. Ordnung hilfft Haushalten Es gehet diesem wol, der so sein Haus kan fassen, Daß iedes drinnen weiß, was thulich, was zu lassen. Drum gehts ietzt auch so fein. Wenn Krieg der Herr aufrührt, So weiß der Bauer schon, daß ihn sein Beutel führt. 19. Vermessenheit Zum Werke von dem Wort Ist offt ein weiter Ort. 20. Auf einen Fresser Edo lobt und hält für gut, Wann ein Mensch stets etwas thut. Nichts thut er; doch thut er das, Daß er isst, wenn er kaum aß. 21. Sparsame Zeit Der Mangel dieser Zeit hat Sparsamkeit erdacht. Man tauffet ietzt auch bald, so bald man Hochzeit macht. 22. Die Natur duldet nichts Leeres Der da saget: daß kein Leer Irgend wo zu finden wär, Der hat nicht gesehn so weit In die Beutel unsrer Zeit. 23. Kosten-Ordnung Die Satzung, nach Gebühr zu zehren, Kan keinen ietzund mehr beschweren. Man hört, daß der nicht viel verthat, Dem man benimmt, was er nur hat. 24. Gesetz und Evangelion Wenn mich Sinai wil tödten, Hilfft mir Sion aus den Nöthen. 25. Hier, durch Versetzung: heri Aus hier kommt heri rauß. Was köstlich heissen mag In dir hier, schnöde Welt, ist wie ein gestrig Tag. 26. Krieg zwischen hier und dort Hier und dort sind Brüder zwar, Doch ein gantz verkehrtes Paar. Hier führt wider dort viel Krieg; Doch behauptet dort den Sieg. Ieder muß in diesen Zug. Wer dem dort dient, der ist klug; Dort belohnt mit lauter Gott; Hier bezahlt mit lauter Tod. 27. Der Hencker und die Gicht Der Hencker und die Gicht verschaffen gleiche Pein; Nur er macht kleine lang, sie lange Leute klein. 28. Soldaten, Mahler und Poeten Tichtern und Mahlern war weiland leichte gegünnet Ans Licht zu bringen, was nur ihr Gehirne gekünnet. Soldaten steht ietzt durch sich selbst frey, Bald Teuffel, bald Gott, bald Mensch zu seyn. 29. Poetische und Historische Verwandelung Daß von Verwandlung mehr kein Tichter nichts bringt an? Ach sind doch derer mehr als iemand tichten kan. 30. Brief-Edle Wo ein gemahlter Brieff und außgekauffte Bullen, Wer Edel noch nicht ist, erst Edel machen sollen, So kan wol eine Maus deß Adels sich vermessen, Die einen solchen Brieff hat unversehns gefressen. 31. Redlichkeit Weil die Ehr und Redligkeit Weicht und fleucht auß unsrer Zeit, Weiß ich nicht, was drinnen sehr Fromer Mann wär nütze mehr. 32. Auff Technicum Technikus kan alle Sachen: Andre lehren, selbsten machen, Reiten kan er, fechten, tantzen, Bauen kan er Stät' und Schantzen, Singen kan er, messen, rechen, Schön und zierlich kan er sprechen, Stat und Land kan er regiren, Recht und Sachen kan er führen, Alle Krankheit kan er dämpffen, Für die Wahrheit kan er kämpffen, Alle Sterne kan er nennen, Bös' und Gutes kan er kennen, Gold und Silber kan er suchen, Bräuen kan er, backen, kochen, Pflantzen kan er, säen, pflügen, Und zuletzt: erschrecklich lügen. 33. Geraubt ist erlaubt Die Welt ist voller Raub. Sie raubet Gott die Ehre Und gibt sie ihr nur selbst. Sie raubt sein Wort und Lehre, Sein Ordnung und Befehl und setzt an dessen stat, Was ihr gevöllter Wanst zur Zeit getraumet hat. Drauff raubt der Teuffel nun das Glück und allen Segen Und pflegt hingegen nichts, denn Unmut, zu erregen. Er raubet Fried und Ruh, er raubt die gute Zeit, Er raubet Scham und Zucht, er raubt die Seligkeit. Der Mensch beraubt den Mensch an dem, das ihm gegeben Von Leumut, Ehre, Gut, Gesundheit, Wolfahrt, Leben. Der Oberstand raubt hin den letzten Bissen Brot Und läst gemeiner Schaar nichts, als die leere Noth. Der Unterthan raubt weg Gehorsam, Pflicht und Treue, Die Furchte vor der Straff und vor den Lastern Scheue. Die Liebe, die ein Christ zum Christen billich trägt, Die ist durchauß entraubt, die ist seitab gelegt. Was macht denn der Soldat? (Das Volk von fremden Sinnen, Daß Menschen man hinfort nicht mehr wird achten künnen.) Er hätte gar fürlängst, wenns ihm nur wär erlaubt, Den Himmel und Gott selbst geplündert und beraubt. Was Rauber hat die Welt! Doch mag ein ieder glauben, Daß den, der so geraubt, man wieder wird berauben, Ich wett, ob er ihm schon geraubt hätt alle Welt, Daß er davon doch nichts, als Höll und Tod, behält. 34. Der unartige Sommer 1637 Kalte Nächte, heisse Tage Gibt Gott dieses Jahr zur Plage. Kalter Glaube, heisse Sünden Künnen bessren Lohn nicht finden. 35. Täglicher Wuntsch Von aussen guter Fried, und gute Ruh von innen, In wolgesundem Leib auch wolgesunde Sinnen, Deß Himmels Freude dort, der Erde Segen hier: Ein mehres weiter nichts ist täglich mein Begier. 36. Die Steuer und Gottes Wort Die Steuer und Gotts Wort behalten ewig Stelle; Das Himmelreich ist dieß, und jenes ist die Hölle. 37. Reichthum Ich wäre gerne reich; denn daß ich reich nicht bin, Drum wil man mich dazu noch zu der Strafe ziehn. Ich wäre gerne reich; wer arm mich nicht kan leiden, Der mag mir tausend Pfund und noch so viel bescheiden. Ich hab ein Ungrisch Gold nicht Ungern im Beschluß; Nicht haben, haben nicht, das bringet mir Verdruß. Wer Gold nicht geben wil, der mag mir Silber geben; Das Silber nehm ich auch. Ich wil gar friedlich leben Mit dem, der dieses bringt; ein Schelme, der ihn schlägt, Ob mir wer Jahr und Tag solch Ding zu Hause trägt. Drum mangelt mir nun nicht die Hand, die Reichthum nimmet; Mir mangelt nur die Hand, von der mir Reichthum kümmet. Und kümmts, so ist es gut; wo nicht, was liegt mir dran? Reich ist, wer ehrlich hier, dort selig leben kan. 38. Der beste Soldat Ich halte nicht dafür, daß der Soldat sei gut, Der nicht ein Sänger ist und kan das re-sol-ut. 39. Hochzeit-Wuntsch Das Glücke, theures Paar, sey zinsbar eurem Willen Und müß euch Haus und Hof mit Heil und Segen füllen; Mit Segen, der da bleibt, wenn alle Zeit verlaufft, Mit Segen, den man da erst nennt, wenn man ihn taufft. 40. Steuer Wenn so offt an Gott man dächte, Als man an die Steuer denckt, Wär uns, glaub ich, längst zu rechte Fried und Ruh von Gott geschenckt. 41. Rückkunfft vom Freunde, Ankunfft zur Freundin Da, wo ich ietzund war, da war mir hertzlich wol; Wol wird mir wieder seyn, wohin ich kommen sol. Gunst ohne Falsch war hier, dort ist Lieb ohne List; Hier ward ich sehr geehrt, dort werd ich schön geküst. Beym Freunde war ich ietzt, zur Freundin kumm ich nun; Hier that der Tag mir guts, dort wird die Nacht es thun. 42. An einen Freund, über gestrige Bewirthung Der Morgen, treuer Freund, entdecket unsre Schulden, Dadurch wir deine sind, für so viel reiche Holden, Die uns dein Abend gab. Es bleib uns danckens Krafft, Biß daß der letzte Tag ins letzte Bett uns schafft! 43. Vom Jahr 1638 Da Von nIchts, Ia fVr DIe Todten SteVern WVrDen aVßgeboten. 44. Hochzeit-Wuntsch Der Fried ist nun gemacht, die Einigkeit verpflichtet; Die Treu ist nun verknüpfft, die Freundschafft angerichtet. Der diesen Bund gestifft, erhalte diesen Bund, Daß er besteh zuletzt, wie er von Anfang stund! Die Welt mag, wie sie wil, sich kochen oder braten, Müß euch doch alles arg zu lautrem wol gerathen, Biß daß ihr kummt ins wol, das wol bleibt für und für, Und last denn hinter euch, was heissen kan wie ihr. 45. Abschied eines Verstorbenen Nun gehabt euch alle wol Derer Augen Threnen voll Hin mir in mein Grab nachsehen! Weil ihr weint, so muß ich flehen: Lieber fasset wieder Mut; Was euch kränckt, das ist mir gut! Lobt den Tod, der mich für Leiden Hat zum Frieden abgescheiden! Lobt den Tod, der mir bringt Lust, Die kein schmertzlich Ende kost! Lobt den Tod, der mich für Jammer Schleust hinfort in sichre Kammer! Lobt den Tod, der mir für Zeit Schenckt die Unvergänglichkeit! Lobt den Tod, durch den gelungen, Daß voll rühmens meine Zungen! Lobt den Tod, ders so gemacht, Daß mein Mund nichts thut, als lacht! Ihr, die ich,–ihr, mich die lieben, Lasset weinen, stillt betrüben! Mir ist wol, das günnet mir. Gebe Gott, daß nun auch ihr, Biß ihr kummt zu meinen Freuden, Sicher seyd für Angst und Leiden! 46. Wunder-Werck der Welt Man sagt und hat gesagt von grossen Wunder-Wercken, Die wol zu mercken sind und waren wol zu mercken; Noch ist ein größres kaum, als daß ein fromer Mann Bey dieser bösen Zeit from seyn und bleiben kan. 47. Glaube Ein Bau von Stahl, von Stein und Eichen Darff langer Zeit nicht leichtlich weichen; Ein Bau, der auff dem Glauben steht, Vergeht, wenn Ewigkeit vergeht. 48. Auff Blandulam Blandula schwert gar nicht gerne; Doch verschwert sie Haut und Haar, Wißenschafft sey von ihr ferne, Wenn sie eine Jungfer war. 49. Auff Anniam Diese muß man mir mit nichten Als ein alte Magd berüchten, Weil sie kaum noch dencket dran, Da ein Floh war schon ihr Mann. 50. Ein Kuß Der Mund ist ein Altar, das Opfer ist das küssen; Das Priesterthum allhier wil iederman genissen. 51. Schlesien, durch Versetzung: is Schleen Is Schleen, Schlesien! sie ziehn zusammen sehr; Was vormals du vermochst, vermagstu nun nicht mehr. 52. Teutschland, versetzt: Scheuland Ein Scheuland bist du ietzt, O liebes Teutschland, worden Durch Zorn, Neid, Krieg, Gewalt, durch rauben und durch morden; Ein ieder scheut sich nun in dich zu bauen ein, Weil mehr kein Mensch in dir, nur lauter Teuffel seyn. 53. Auff Petulcam Der Keuschheit Schloß wol zu verwahren, War an Petulca ein begehren. Sie sagte: Fleiß wil ich nicht sparen, Wann nur nicht so viel Schlüssel wären. 54. Jungfrau, versetzt: rif genau Der ietzund Jungfrau rufft, der rif gar sehr genau; Er hätte bald gerufft, viel fehlt nicht, Junge-frau. 55. Feindlicher Freund Ich kan nicht mehr wol Deutsch und muß es frey bekennen, Dieweil ich spreche Feind, wenn ich den Freund soll nennen; Der Freund ist selbsten Schuld, weils seine That beweist, Und ihn ein hündisch R. als Feind zu achten heist. 56. Feind Wer ist Feind? Der mir nicht günnet, Was mir Gott und Glücke schenckt, Der bey Tag und Nachte sinnet, Wie er Hertz und Sinn mir kränckt, Der nach meinem Leben trachtet, Der nach meiner Wolfahrt strebt. O, wird der für Feind geachtet, So ist Feind, wer immer lebt. 57. Deutsche Sprache Das Deutsche Land ist arm; die Sprache kan es sagen, Die ietzt so mager ist, daß ihr man zu muß tragen Auß Franckreich, was sie darff, und her vom Tiber-Strom, Wo vor Latein starb auch mit dir, Unrömisch Rom! Zum Theil schickts der Iber. Das andre wird genummen, So gut es wird gezeugt und auff die Welt ist kummen Durch einen Gerne-Klug, der, wenn der Geist ihn rürt, Ietzt dieses Prale-Wort, ietzt jenes rauß gebiert. Die Musen würckten zwar durch kluge Tichter-Sinnen, Das Deutschland solte Deutsch und artlich reden künnen; Mars aber schafft es ab und hat es so geschickt, Daß Deutschland ist Blut-arm; drum geht es so geflickt. 58. Parole, versetzt: O Prale O prale, Landsmann, pral, in fremder Sprache Schmucke! Du pralst in fremder Sprach und fremd in deinem Rocke. 59. Grabschrifft eines Schneiders Hier ligt ein Schneider in der Ruh, Der manche Löcher flickte zu. Ietzt kan er ihm die Haut nicht flicken, Die ihm die Würmer gantz zerstücken. 60. Gereisete Die Deutschen zohen starck in Franckreich, acht zu geben Auff dieser Sprache Laut und auff der Leute Leben. Frantzosen ziehn ietzt starck in unser Deutschland auß, Zu rauben unser Gut, zu nemen unser Haus. 61. Haus-Wesen Viel erdulden, nichts nicht fechten; Schaden leiden, doch nicht rechten; Andre völlen, sich entleeren; Lohnen, doch den Dienst entberen; Immer geben, nimmer nemen; Nimmer lachen, immer grämen; Herrschen, gleichwol dienen müssen; Viel verwenden, nichts genissen; Wenig haben, offte geben; Selbsten fallen, andre heben; Wann dann Gut, Blut, Marck und Kräfften Liegen für so viel Geschäfften, Wie der alte Hund den Knüttel, Dulden den Rebellen-Tittel: Dieses bringt die Wirthschafft mite. Lobt sie, lieben Leut, ich bite! 62. Gott und Krieg Was nicht ist, dem rufft Gott zum seyn und zum bestehn. Was ist, dem rufft der Krieg zum nicht seyn, zum vergehn. 63. Gott füget, wie gnüget Ich weiß, wie ietzt mirs geht, wies aber gehen werde, Weis der, der mich gewust, eh Himmel war und Erde. Nach seinen geh mein Gang und nicht nach meinen Sinnen; Mir gnüget redlich hier, dort selig leben künnen. 64. Ich hoffe was beßres Herrscht der Teuffel heut auff Erden, Wird Gott morgen Meister werden. 65. Wolfeihlkeit Wolfeihl Brot bey dieser Zeit Machet theure Seligkeit. 66. Gottes und deß Teuffels Wort Es hat Gott durch sein Wort diß runde Haus gebauet, Und was man drinnen merckt, und was man aussen schauet. Der Teuffel hat ein Wort, dadurch er Fürsatz hat Zu tilgen, was Gott schuff, und dieses heist: Soldat. 67. Beute Frantzosen tragen Schuld, daß so sie, wie sie schreiben, Nicht reden auch; dazu so, wie sie Worte treiben, Gar selten sind gesinnt. O, Deutschland kan es auch! Sih an das Wörtlein Beut und seinen frischen Brauch. Was Feinden wird entwandt, daß heisse, meinstu, Beute? Nein, was der Bauer hat, und was die Edelleute, Auff Strassen was man stielt, auß Kirchen was man raubt; Diß hat das Wörtlein Beut an Freund und Feind erlaubt. 68. Cavallier Ein Cavallier heist ietzt, was weiland hieß ein Held. Dort macht es Hertz und Mut; hier macht es Gunst und Geld. 69. Ein Rittersmann Ein Rittersmann riet vor in Krieg, berühmt zu werden. Man reitet ietzt in Krieg, dem Namen nach, nach Pferden. 70. Redlicher Leute schelten gilt für loser Leute loben Wann mir ein böser gut, ein guter böse wil, So acht ich gutes nichts, hingegen böses viel. 71. Deß Diogenis Leuchte Diogenes ist tod; wann dieser lebte heute, Er leuchtete sich tod, eh als er fünde Leute. 72. From seyn ist schwer Das gute thun ist schwer, leicht aber böse leben. Drum weil die Welt ist alt und kan nicht schwer mehr heben, So pflegt sie sich zu dem, was leicht ist, zu begeben. 73. Ein iedes Werck fodert einen gantzen Menschen Wer etwas hat zu thun und täglich thun wil künnen, Muß gäntzlich seyn dabey mit Leib und auch mit Sinnen. Im Kriege kan man diß: Man wagt Fleiß, Schweiß, Rath, That; Man waget Seel und Leib, zu stehlen, das man hat. 74. Ehstand deß Hertzens und der Zunge Das Hertz und Zung ist wie vermählt; Die zeugen Kinder ungezählt. Wenn beyde sie nicht eines sind, Wird iedes Wort ein Huren-Kind. 75. Kriegs-Schneider Samson machte Feyer-Kleider Von den Feinden den Philistern, Aber unsre Krieges-Schneider Von den Freunden und Geschwistern. 76. Geitzhälse Wer das sinnen-lose Gold Achtet mehr als Menschen-Hold, Der ist werth, daß alle Welt Ihn für Kot und Unflat hält. 77. Unordentliche Liebe Auff dieser Welt ist nichts, das stärcker wird getrieben, Auff dieser Welt ist nichts, das billich mehr wär blieben, Als außgezeumte Brunst und ungeordnet lieben. 78. Zweyerley Leben Wer nach der Seele lebt, der lebt ein Göttlich Leben; Wer nach dem Leibe lebt, lebt wilden Thieren eben. 79. Auff den Prahlmund Die seinen pflegt Mars wol zu füttern Und endlich reichlich zu begüttern; Was lieget zwischen Schoß und Mund, Ist alles Pralimundens Grund. 80. Die auffgeweckte Chimæra Ihr Heliconisch Volck, euch ist zu viel geschehen, Dieweil man nie geglaubt, drum daß mans nie gesehen, Was ihr uns habt gesagt, wie Lycus armes Land Chimæra hat erschreckt, verwüstet und verbrant. Von vornen war sie Löw, war Zieg am Bauch und Rücken; Ihr letztes muste sich zu einem Drachen schicken; Ihr Maul war voller Glut; ihr Leib war voller Gifft, Biß daß Alcides Keul auff ihr Gehirne trifft; Trifft aber nur so weit, daß damals sie entschlaffen Und, ietzund nun erweckt durch unsre Deutsche Waffen, Tobt mitten unter uns, an Form und Namen alt, An Kräfften aber neu und ärger an Gewalt. Es ist der tolle Krieg; der seinselbst eigne Wiege Hat um und um gestürtzt, daß unten oben liege; Es ist der törchte Krieg, der sonsten nichts ersiegt, Denn daß er sagen mag: noch haben wir gekriegt! Zum ersten war er Löw, verübte kühne Thaten, Hilt höher auff die Faust, als tückisches verrathen, Und Deutschland war noch Deutsch; man schlug noch ernstlich drauff, Sah auff deß Krieges End und nicht auff fernern Lauff. Da nun der süsse Brauch, zu machen fette Beute Auß allem, was Gott selbst gehabt und alle Leute, An stat deß Soldes kam, so wuchs dem Krieg ein Bauch, Drauß wie von einer Zieg ein schädlich dürrer Rauch Für Kraut und Bäume fuhr. Die Nahrung ward vertrieben; Der Ochsen saure Müh ist unvergolten blieben; Ein andrer nam es weg; es hieß, der Wirth ins Haus Laß alles, was er hat, und geh auff ewig rauß. Drauff ward man nun bedacht, den Krieg weit hin zu spielen, Nicht auff den Feind so wol, als auff den Freund zu zielen, Der noch in gutem Land in seinem Schaten saß Und sein genüglich Brot mit süßem Frieden aß. Zu diesem drang man ein, wann Titan gleich noch stunde, Wo sonst der heisse Löw bläst Flammen auß dem Munde; Noch must es Winter seyn; noch nam man da quartier, Und alles, was man fand, war schuldige Gebür. Als wie der scharffe Zahn der Ziegen auch die Rinden, An Blättern nicht vergnügt, von Bäumen pflegt zu schinden: So war es nicht genug zu fressen unser Gut; Man gunt uns in dem Leib auch kaum das letzte Blut. Der Feind blieb, wo er war, und wolt er wo nicht bleiben, Biß daß man vom Quartier kunt überall vertreiben Das viergefüste Volck, so mocht er immer hin In sein, in unser Land nach gutem düncken ziehn. Weil er ein Cavallier, so stund es zu verführen, So ihm man liesse zu auch was zu prosperiren; Er mochte plündern dort, wir plünderten allhier, Daß gleichwol der Soldat hätt immer etwas für. Drauß kümmet nun der Drach; das Ende wird zur Schlange. Der Krieg, der aller Welt bißher macht ängstlich bange, Wird ärger noch als arg, kreucht gar ins Teuffels Art, Wird rasend, so ein Mensch noch wo gefunden ward, Der Gott, der Ehre, Zucht und Recht wüntscht nachzustreben, Wil gar nicht, daß ein Mensch auff Erden mehr sol leben, Der nicht Soldate sey und ihm sich ähnlich macht Und, was nur menschlich ist, verwirfft, verbannt, veracht. Sein Gifft schont keinen Stand, Amt, Würde, Freundschafft, Ehre; Was lebt, lebt darum noch, daß er es gantz verstöre, Biß daß nichts übrig sey, und niemand mehr nichts hat; Drauff braucht er alle Macht, drauff sucht er allen Rath. Sein Gifft ist so vergifft, daß er sich selbst vergifftet Und ihm sein eignes End auß eignem rasen stifftet, Und wie der Scorpion in sich zu letzte sticht, Wann Feuer umb ihn her wird etwan angericht, Und wie es Schlangen geht, daß ihnen ihre Jungen Zu einer schönen Rach auff so vergiffte Zungen Zerreissen ihren Bauch, auff daß deß Krieges Frucht Der Mutter Hencker sey. Was diese nicht vermocht, Wird Alexicacus Alcides auß der Höhe, Für dem der gantzen Welt durch Krieg entstandenes Wehe Erbarmen hat erlangt, mit Ehren richten auß Und binden diesen Wurm ins heisse, tieffe Haus. Da, da ists ihm vergunt zu fechten und zu schmeissen, Den Haus-Wirth abzuthun, das Haus in Grund zu reissen; Dann raube, plünder er; dann wehr er seinen Mann, Zu weisen, was sein Löw, was Zieg und Drache kan. 81. Schlachten Es bleibt in keiner Schlacht ietzt viertzig tausend Mann; Was Hannibal gekunt, ist keiner, der es kan. Es ist ja unser Mars im schiessen abgericht. O, schiessen kan er zwar, stehn aber wil er nicht. 82. Haus-Regiment Ein ieder ist Monarch in seines Hauses Pfälen, Es sey denn daß sein Weib sich neben ihn wil zehlen. 83. Mars ungefärlich from War etwa Mars wo from, so kehrt es ihm zu gute; Es ist gewiß geschehn auß unverdachtem Mute. 84. Auff Vitum Gleich da seinem fromen Weibe Lag ein andrer auff dem Leibe, Sah es Veit und sprach zu ihr: Ey nun harr! steckt das in dir? 85. Völlerey Wer täglich in dem Weine schwimt, Schwimt, biß er endlich Schieffbruch nimt. 86. Der Weiber-Calender Wann die Flöh die Weiber necken, Wil die Lufft bald Näß erwecken; Wann sie sticht der böse Wurm, Folgt gewiß ein Hagel-Sturm. 87. Mars, ein Ketzer Mars läst sich als ein Ketzer mercken: Er hält nicht viel von guten Wercken. 88. Des Teuffels Ernte Alles ist ietzt wol gerathen, Auch deß Teuffels seine Saaten, Weil ihm nun bey Schocken kümt, Was er sonst zu Garben nimt. 89. Auff Carponem In der Muttersprache tichten Pfleget Carpo zu vernichten. Ey, daß da er doch nicht lebte, Da der Römer Maro schwebte! O, er hätt ihn künnen zwingen Deutsch, und Römisch nicht, zu singen. 90. Die Kretze dieser Zeit Die Kretze ward wie Gott geehrt bey manchen Heyden, Damit sie ihre Pein nicht etwa dürfften leiden. Ein Rauber und ein Dieb wird darum ietzt geschätzt, Nicht daß er uns gefällt, nur daß er nicht verletzt. 91. Jungfern-Threnen Ein Wasser ist mir kund, das den, der drein nur blickt, Mehr als der stärckste Wein in Unvernunfft verzückt: Der Liebsten Threnen sind, die offt den klügsten Mann Bethören, daß er schwartz von weiß nicht sondern kan. 92. Wein-Freundschafft Die Freundschafft, die der Wein gemacht, Würckt, wie der Wein, nur eine Nacht. 93. Trauen Einem trauen ist genug; Keinem trauen ist nicht klug; Doch ists besser keinem trauen, Als auff gar zu viele bauen. 94. Martis Treu Niemand wag es, der verneine, Daß es Mars nicht treulich meine, Weil er niemals Winters halben Weichet wie die falschen Schwalben, Sondern bleibt auff unsrer Erde, Weil da wehrt Geld, Brot, Küh, Pferde. 90. Martis Drechsler-Kunst Daß auß einem Bauren ietzt Mars bald einen Herren schnitzt, Warum nicht? Es wird gebrochen Manche Pfeiff auß Esels-Knochen. 96. Der Christen Rätzel Heil erfolgte durch die Wunde; Kranckheit diente zum Gesunde; Freude wuchs auß Traurigkeit, Stärcke von Gebrechligkeit; Sterben brachte zu dem Leben, Und das fallen zum erheben. 97. Hoffertige Gerechtigkeit Da man hieng die Dieb ans Holtz, War das Recht niemanden stoltz. Nun man Räuber henckt in Gold, Ist dem armen Recht nicht hold. 98. Sicher Armut Ein Armer hat es gut; er fürchtet selten sehr, Dieweil er mehr nichts hat, daß er verliere mehr. 99. Frölicher Tod Es ist ein frölich Ding um eines Menschen sterben; Es freuen sich darauff die gerne-reichen Erben. Die Priester freuen sich, das Opffer zu genissen; Die Würme freuen sich an einem guten Bissen; Die Engel freuen sich, die Seele nauff zu führen; Der Teuffel freuet sich, wenn sie wil ihm gebühren. 100. Wolthat Die Wolthat, übel angewand, Wird Uebelthat gar wol genant.