Desz andren Tausend vierdtes Hundert 1. Alamodisten Almodad kam vom Sem herab, vom Japhet Ascenas; Daß dann dem Alamode-Stamm der Deutsche so trägt Haß? 2. Soldaten-Brauch Starck an Köpffen ins quartier, Aber starck zu Feld an namen, Kamen immer vor herfür Unsre Krieger, wann sie kamen. 3. Der Tod Christi Da das Leben gieng und starb, fing das sterben an zu leben; Dann der Tod hat durch den Tod in den Tod sich müssen geben. 4. Lebens-Regel Bis, wer du bist; laß ieden auch für dir seyn, wer er ist; Nicht, was du nicht kanst, was du kanst, sey dir zu seyn erkiest. 5. Das Leiden Christi Uns zu Liebe wolte Christus Marter, Schmach und Tod erleiden; Ihm zu dancken wollen Christen Marter, Schmach und Tod vermeiden. Wann nun aber Christus wird kummen in der Herrligkeit, Wird, wer weit vom Leiden blieb, auch von Freuden bleiben weit. 6. Die Liebe deß Vaterlandes Man liebt das Vaterland deß Vaterlandes wegen? Nein, weil an dessen Heil uns selbsten viel gelegen. Wann wo das Vaterland nicht manchen ehrt und liebt, Ein schlechtes nimmt er drum, daß er es gantz begibt. 7. Erbarmung und Barmhertzigkeit Eines andren Pein entfinden, heisset nicht barmhertzig seyn; Recht barmhertzig seyn, wil heissen: wenden eines andren Pein. 8. Auff Porniam Keine Schand-, ein Ehren-Hure soll man, Pornia, dich nennen; Weil dich nicht verachte Leute, sondern die geehrten kennen. 9. Auff Pætum Pætus, du und auch dein Weib lebet stets in einem Willen; Iedes wil das andre sehn ehstes in das Grab vervöllen. 10. Die Creutzigung und Aufferstehung Christi Was, Ev und Adam ihr, vom Holtze näschig nisset, Das ists, was Christus drauff am Holtze bitter büsset; Was vor im Garten fiel, steht ietzund auff im Garten: Die Flucht vom Paradeis wird so zu Himmelfahrten. 11. Auff Phorbantem Phorbas gieng zu seinem Lieb; als er kam für derer Thür, Zittert er als wie ein Laub, wuste gleichwol nicht, wo für, Hilt sich sonst für einen Mann, biß er, als er dachte nach, Ey, mein Hertze gab ich ihr, und sie gab mir ihres, sprach. 12. Dreyerley Aufferweckung von Todten Zu Hause, für dem Thor und auß des Grabes Klufft Wird von deß Todes Schlaf ins Leben auffgerufft Jairus Kind, der Sohn zu Nain, Lazarus; Hertz, Mund und Werck in uns soll aufferstehn zur Buß. 13. Von einer Witfrau Eine Witfrau gieng zur Trau, nam ietzund den vierdten Mann. Als die Zeit zum schlafen gehn auch nun endlich kam heran, Ach! sprach sie, ach! ach! hätt ich vor an dieses Ding gedacht, Niemand, niemand hätt es mir nimmermehr mehr eingebracht! Doch sie gieng, war gar getrost, und das Kind, das sie gebar Kaum in zwantzig Wochen drauff, wieß, wie sie vergeßlich war. 14. Die Liebe Nenne mir den weiten Mantel, drunter alles sich verstecket: Liebe thuts, die alle Mängel gerne hüllt und fleissig decket. 15. Drey schädliche Dinge Spiel, Unzucht und der Wein Lässt Reich, Starck, Alt nicht seyn. 16. Ein fruchtbares Weib Wann sie gebiert, wie sichs gebührt, Dadurch wird eine Frau geziert. 17. Liebe und Geitz Lieb und Geitz sind solche Brüllen, welche dem, der auff-sie stellt, Machen, daß das dickste Schwartze für das zärtste Weiß erhellt. 18. Neigungen Wer an Gaucklern und an Narren seine Lust und Labsal hat, Kan sie an sich selbsten haben, wann er braucht der Lüste Rath. 19. Ein kostbares Haus Wer ein schönes Haus ihm baut, Hat ihm selbst nicht recht getraut, Daß er sey gar groß geschaut. 20. Lügen Ob Lügen sind der Warheit gleich, sind drum sie bald ihr Kind? Die Kinder sind offt einem gleich, von dem sie doch nicht sind. 21. Warheit und Lügen Die Warheit ist ein Oel, die Lügen Wasser; schwimmt Doch endlich oben auff, wie viel man Wasser nimmt. 22. Auff Morum Morus klagt, daß seine Frau an der Frauen-Kranckheit liege, Daß dafür noch Teuffels-Koth, Biebergeil, noch Feigbohn tüge; Ob man Mauß-Ohr-, weisser Lilg-, auch Melissen-Wasser name, Hilffe nichts, auch Anis-, Lein- und auch nicht der Fenchel-Saame; Von dem Schwertel gelb und blau, von Rahpontick und dergleichen, Costus nicht, auch Moly nicht künne diese Noth erweichen; Keine Wurtzel! mich bedünckt, daß ich etwa wo gelesen, Zapffen-Kraut, so viel genug, macht von dieser Sucht genesen. 23. Auff Lingum Lingus solte für den Hust brauchen Loch de Farfara; Diß verstand er so und so, brauchte Loch de Barbara. 24. Auff Pimplam Pimpla hat das Jungfern-Feber; Rage-Kraut und Stendel-Wurtz Kan es dämpffen, ist zu brauchen nicht zu sparsam, nicht zu kurtz. 25. Fürsten und Festungen Eine Festung und ein Fürst sehn mich an für eine Sache, Die da stets darff Vorrath, Geld, Mannschafft und bestellte Wache. 26. Zahlungs-Fristen Noch Hauptgut, noch die Zinsen darff ietzt ein Schuldner gelten; Es stehn zwar so die Schulden, der Glauben aber selten. 27. Die Tugend Tugend ist so trefflich schön; daß sie dann die Welt nicht liebet? Weil sie alt, so schämt sie sich, so sie sich auff lieben gibet. 28. Redligkeit Wer die Redligkeit wil freyen, mag sich kühnlich lassen ein; Leichtlich, dann sie ist verächtlich, wird er wol kein Hahnrey seyn. 29. Braut für Weib Die Braut wird für das Weib bey Rechten offt geacht; Sie dencken auff den Tag, nicht aber auff die Nacht. 30. Das Wasser Ob das Wasser, wird gefragt, die, die Wasser trincken, nähret? Nährt es nicht, so ists doch gut, daß es auch wie Wein nicht zehret. 31. Auff Jungfer Dubiosam Dubiosa ist sehr schön, reich, geschickt und sonst von Gaben; Nur der Juden Hohe-Priester künte sie nicht ehlich haben. 32. Rath ohne That Anschlag, der nicht Fortgang hat, Ist ein Wagen ohne Rad. 33. Der Namens-Tag Einen schlechten Namen hat, dessen Namen durch das Jahr Einen Tag und sonsten nie kündig und geehret war. 34. Der Mäy Dieser Monat ist ein Kuß, den der Himmel gibt der Erde, Daß sie ietzund seine Braut, künfftig eine Mutter werde. 35. Auff Umbriam Umbria ist zwar nicht schön; doch sie ist der Schönheit Schimmer, Wann sie etwa gehet her hinter schönem Frauen-Zimmer. 36. Hand-Prophecey Wer unsrer Welt sah in die Hand, Was ist es, das er drinnen fand? Raub, Mord, Trug, Schinderey und Brand; Ihr ist das letzte Recht erkant. 37. Tausend göldene Jahre Ehstes wird die böse Zeit kummen auff die Bahre; Ehstes werden werden jung tausend göldne Jahre; Wie es scheint, kans auch wol seyn; dann solch Gold zu kochen, Hat zu Kohlen, Stadt und Dorff Krieg schon abgebrochen. 38. An die Schweden Alles Inselt von dem Vieh, das ihr raubtet durch das Land, Asche von gesammtem Ort, den ihr setztet in den Brand, Gebe Seiffe nicht genug, auch die Oder reichte nicht Abzuwaschen innren Fleck, drüber das Gewissen richt; Fühlt es selbsten, was es ist, ich verschweig es ietzt mit Fleiß, Weil Gott, was ihr ihm und uns mitgespielet, selbsten weiß. 39. Beredsamkeit Ein beredter Mund Hat offt viel gekunt, Manchmal zum verrichten, Manchmal zum vernichten. 40. Steigender und fallender Nutz Garten-Nutz von Frauen-Aepffeln wird in Anschlag nicht gestellt, Weil es ist ein solcher Nutzen, welcher steigt und welcher fällt. 41. Die neue Welt Weil der Krieg die alte Welt hat zerstöret und verheeret, Werden neues Land, Stadt, Recht, Brauch und Siten uns gewehret. 42. Schönheit Schönheit, die man hält so werth, Schönheit, die man so begehrt, Ist gar sparsam eingericht, Meistens unters Angesicht; Wann die Menschen giengen bloß, Wär sie vielmals nicht so groß; Schmuck und Kleider helffen ein, Machen Anmut, geben Schein. 43. Unbestand Daß im Circkel eine Vierung sey zu finden, ist wol klar; Aber daß auff runder Erde kein Bestand, bleibt dennoch wahr. 44. Ergetzligkeit Ey, wie schad ists um die Zeit, die mit Reimen ich verspiele! Übler würde reimen sichs, wann mit nichts thun sie verfiele. Eine Ruh für Leib und Sinn ist gelassen iedem zu; Ieder ruhe wie er wil; ich beruh in dieser Ruh. 45. Ruh im Mittel-Punct Die Ruh fällt in den Mittel-Punct, bei Lupa aber nicht; Wer hier kümmt her und sucht zu ruhn, wird schändlich außgericht. 46. Ein Rausch Kümmt Rausch vom rauschen her? Berauschte sind nicht stille: Im gissen rauscht der Trunck, der Magen auf die völle, Die Blase mit sam ihm, (wann übrig ein was kümmt;) Läst rauschen, was zu viel, läst rauschen, daß es schwimmt. 47. Auff Fœmininum Aller Unfall, der da kümmt, macht, daß Fœmininus weine; Macht also, daß er, man glaubt, sey nicht einer, sondern eine. 48. Die christliche Liebe Weiland war die Lieb ein Feuer, wärmen war ihr nützer Brauch; Nun sie aber ist erloschen, beist sie nur als wie der Rauch. 49. Freunde Freunde pflegt man zu erwehlen Nur nach wägen, nicht nach zehlen. 50. Auff Pseudonem Mir sagt Pseudo halb sich zu, einem andren auch so viel, Und das Hertze hält er ihm; nem ihn gar, wer immer wil! 51. Auff Levulum Levulus ließ Treu und Glauben seiner Buhlschafft auffzuheben; Nachmals hat er Treu und Glauben ihr für eine Nacht gegeben. Wer ein älter Recht drauff führet, muß Beweis und Grund erfinden, Treu und Glauben einer Hure wieder auß Besitz zu winden; Levulus mag nachmals stehen fornen dafür oder hinden. 52. Auff den unverschämten Calvum Calvus hat so grossen Schedel und noch dennoch kein Gehirne; Voller Stirn ist auch sein Schedel; dennoch hat er keine Stirne. 53. Auff Palponem Du brauchest deine Zung als wie der Fuchs den Schwantz; Ach, daß du, Palpo, so sie müssest brauchen gantz! Weil seinen Schwantz der Fuchs mit Wasser offt befeucht, Daß ihn zwar viel nicht kost, zum besten doch nicht reucht. 54. Hoffart, Hochfahrt Als Lucifer fuhr gar zu hoch, Da fuhr er ab ins Höllen-Loch. Was gar zu hoch, wird umgekahrt, Und Hochfahrt wird zur Niederfahrt. 55. Nacht-Ruh Ob sich deß Beruffes mühen Gar biß an die Nacht verziehen, Ist uns doch vergünt die Nacht, Die davon uns müssig macht. 56. Tage-Werck Weil die Nacht uns unsre Sorgen Wolte biß auff heute borgen, Soll man heute billich dran, Abzuzahlen, was man kan. 57. Bauern Die Bauern sind so listig und sind gleichwol so grob? Sie sinnen stets auff eines und halten auch darob. 58. Stadt-Gewerb Wodurch wird doch ein Bürger reich? Ihr Bauern, fällt das Urthel: Er schätzt ihm selbsten seine Wahr, braucht überall ein Vorthel. 59. Auff Bibulum Bibulus sorgt für sein Thun und bestellet so sein Haus, Daß der Magen nimmet ein, und die Blase gibet auß. 60. Land-Leute Bauers-Leute sind der Magen, der das gantze Land ernähret; Dennoch ist am allerschlechsten das, wo von er selbsten zehret. 61. Schmarotzer Der Bäume Blätter wenden sich, wann Sonne wieder wendet; Der Heuchler Sinnen folgen nach, wohin ihr Günner lendet. 62. Auff Dulciculam Dulcicula liebt ihren Mann, denckt nicht nach ihm zu leben; Zu sterben endlich unter ihm, nicht vor ihm, wär ihr eben. 63. Auff Önophilum Der Hering ist Önophilus; das Meer, das ist der Wein; Dann jener kan nicht einen Tag von diesem trucken seyn. 64. Hofe-Gunst gegen einem Wann der Fürst nur einen liebet Und die andren übergibet, Wird in vielen viel vergeben, Was nur einer nicht kan heben. 65. Heuchler In Kranckheit pflegt ihm Rath zu schaffen Ein Löw durch Fleisch von einem Affen: Viel würden ihnen Heil verhafften, Wann Fürsten Heuchler abeschafften. 66. Gesang auß B moll Daß sein Gesang auß lindem B Und nimmer nicht auß hartem geh, Muß machen, wer bey Hofe singt Und wil, daß alles lieblich klingt. 67. Auff Crudum Crudus thut nie nichts umsonst, weil er lebt, wil dennoch haben Daß man ihn, wann er nun tod, (billich!) soll umsonst begraben. 68. Der singende Schwan Gläubstu, daß für ihrem Tode, wie man schreibt, die Schwanen singen? Ja, wo du mir einen möchtest, der es selbst gehöret, bringen. 69. Auff Nasatum Nasatus, wie ein grosser Herr, schickt, eh er kümmt, vor ins Quartier – Laquey und Trompter ist es nicht: die Nase kümmt weit für ihm für. 70. Auff Chrysophilum Sehr reich bistu und auch sehr karg, Chrysophilus; mich dünckt, Das Gold, wann es gefangen liegt, nicht mehr als Eisen bringt. 71. Geitz Wer Gold Gott nicht zu Dienst und ihm zum Brauche nützet, Hat das, was hat, wer Gold im Stollen noch besitzet. 72. Auff Vulpianam Vulpiana ist selbander (was doch ietzt für Fälle sind!) Bey zehn Jahren; meide sorgen! dann ihr Mann, der ist ein Kind. 73. Falsch im niedren, fälscher im höheren Wer in geringen Sachen bübelt, die nicht viel sondres tragen ein, Wird mehr in denen Sachen vortheln, die mehr genißlich wollen seyn. 74. Auff Mollium Mollius kan noch im trauren, noch in Freuden Threnen meiden; Freut er sich dann in dem trauren, trauret er dann in den Freuden. 75. Weiber-Glauben Beten werden leichtlich meiden, singen und auch Kirchen-gehn Weiber, wil man reformiren, aber nicht beym Spiegel-stehn. 76. Die Hofe-Cassandra Was Cassandra propheceyte, Ward gehört und nicht geglaubt. Falschheit ist bey Hof erlaubt; Warheit treibt man auff die Seite. 77. Seyn und nicht scheinen Wo viel Zunge, Da viel Lunge; Wo viel Schein, Da kein seyn; Wo wol meinen, Da kein scheinen; Wo viel Hertz, Da kein Schertz. 78. Acht-monatliche Geburt Im achten Monden bracht ein Kind Sirona, und die Leute zehlen; Weil Buch sie selbst gehalten hat, so frag auch sie! ihr wird nichts fehlen. 79. Schmähliche Feigheit Den, der sich nicht wehren wil, heist man, wie man heist das Theil, Das deß Hundes Weib so frey pflegt zu brauchen und so geil. Wie so diß? Weil ieder Hund dran sich macht, dran reibt, dran reucht, Und also den feigen Mann ieder braucht, wie ihn nur deucht, Oder weil die deutsche Welt weiland einen Hund band auff Dem, der auß der Schlacht entgieng, nicht durch Gegenwehr, durch Lauff. 80. Schnecken Bruder, kumm und iß mit mir; Haus und Wirth soll für dir stehn; Doch iß nur den Wirth; das Haus möchte nicht zu Halse gehn. 81. Weintrauben Bruder, kumm auff einen Trunck; doch das süsse Bacchus-Naß Mustu mir bescheiden thun, sag ich dir, mit sam dem Faß. 82. Der Krebs Der Krebs, der schwartze Curassirer, Geb einen guten Kriegs-Fourirer; Zu machen immer gut Quartier, Gieng er ietzt hinter sich, ietzt für. 83. Die Verleumdung Wann uns die Verleumdung schlägt, heilen letzlich gleich die Wunden, Wird, wie viel man Pflaster legt, immer doch die Narbe funden. 84. Flüchtige Zeit Wer die Zeit verklagen wil, daß so zeitlich sie verraucht, Der verklage sich nur selbst, daß er sie nicht zeitlich braucht. 85. Das Glücke Ist unser Glücke schwer, drückt, beugt und macht uns müde? Geduld! wir schlugens selbst in unsrer eignen Schmiede. 86. Die Liebe Wer in der Liebe lebt, ist bey Vernunfft doch toll; Wer in der Liebe lebt, ist nüchtern dennoch voll. 87. Auff Lupam Lupa bleibet immer lustig, geht in steter Mummerey; Ieder meint, daß ihr Gesichte eine rechte Larve sey. 88. Auff Cascam Casca ist so teufflisch bös, und ihr Mann spricht doch: Mein Schatz? Dencke, daß der Teuffel gern hat bey alten Schätzen Platz. 89. Ewige Jugend Ist die Welt der grosse Mensch? Ist der Mensch die kleine Welt? Wie daß dieser dann kein Lentz sich auff ihren Winter stellt? Welt-Verliebte klagen so; Himmel-Buhlen kümmet ein, Jene Zeit, da immer Lentz, nimmer nie wird Winter seyn. 90. Menschliches Elende Alsbald ein neues Kind Die erste Lufft entfindt, So hebt es an zu weinen; Die Sonne muß ihm scheinen Den viermahl zehnden Tag, Eh als es lachen mag. O Welt, bey deinen Sachen Ist weinen mehr als lachen! 91. Auff Pætum Pätus ließ ihm neulich tauffen einen lieben jungen Erben; Diesen wolt er bald von Jugend lernen handeln, lernen werben; Auffzubringen erste Schantze, (heilig Geld muß wol gerathen!) Bat er funffzig ihm Gevattern, seinem Kinde treue Paten. 92. Ein Geitziger Ein Geitziger, der reich, der ist ein Betler doch; Wie viel er immer hat, begehrt er mehres doch. 93. Mässigkeit Wer stat deß Bacchus ihm läst lieben eine Bach, Bleibt immer bey sich selbst und lescht viel Ungemach. 94. Hofe-Gedächtnüß Was bey Hofe wird gefehlet, Das wird lange da gezehlet; Morgen denckt man kaum daran, Was man heute wol gethan. 95. Hofe-Leute Esel sinds, es sind auch Affen, Diener, denen Fürsten schaffen; Jene braucht man Last zu tragen; Diese braucht man zum behagen; Diese pflegt man zart zu halten; Jenen wird das Mahl gespalten; Jene solln den Danck nicht wissen; Diese haben ihn zu nissen. 96. Bilder Bey Bildern nieder knien, das gelte, wo es gilt, So gilt es da und dort doch für ein Frauen-Bild. 97. Nürrenbergische Handelung Was zu Nürnberg wird gehandelt, Wird gewiß was gutes seyn; Dann gut Ding darff gute Weile. Wo es sich zum ärgsten wandelt Und mit Hoffnung nicht trifft ein, Gebe niemand Schuld der Eile. 98. Theure Ruh Deutschland gab fünff Millionen, Schweden reichlich zu belohnen, Daß sie uns zu Bettlern machten, Weil sie hoch diß mühen achten. Nun sie sich zur Ruh gegeben Und von unsrem dennoch leben, Muß man doch bey vielen malen Höher noch die Ruh bezahlen. 99. Auff Curvum Curvus, du gekrümmter Mann, wüntschest wieder jung zu werden Bistu doch zuvor ein Kind so an Sinnen als Geberden. 100. Mißtrauen Man darff niemanden trauen; drum trau auch mir nicht ich, Der ich manchmal zum trauen laß überreden mich.