Desz ersten Tausend siebendes Hundert 1. Wunderwerck Zuvor ists auch geschehn und darff auch mehr geschehen, Ich hab es selbst gesehen, begehrs nicht mehr zu sehen, Daß auff gepflügtem Feld, in dem es Gerst empfangen, Sind Pferde nachmals da in kurtzem auffgegangen. 2. Deß Krieges Alter Ie toller wird der Krieg, iemehr er krieget Jahr. Ey, Leute, die sehr alt, die werden wunderbar. 3. Mässigkeit Mein Tisch der darff mich nicht um Übersatz verklagen; Der Gurgel ess' ich nicht; ich esse nur dem Magen. 4. Auff Gellulam Was Gellula verspürt an Thaten und an Wercken, Das geht ihr lieblich ein, den Glauben dran zu stärcken. Von Zeichen hält sie nichts; vom Wesen hält sie hoch; Ist vielfach eine Frau und geht im Krantze doch. Ob Pabst, ob Luther ihr, ob ihr Calvin gefalle, Ist unklar; ist mir recht, gefallen sie ihr alle. 5. Kunst-Tichter Viel Helden hat es ietzt, so hats auch viel Poeten; Daß jene nun die Zeit nicht wie der Tod mag tödten, Darzu sind diese gut. Wiewol es auch gemein, Wo viel Poeten sind, daß auch viel Tichter seyn. 6. Auff Rosulam Rosula ist eine Rose, Aber doch nicht Dornen-lose; Hat sie sonsten keine Dörner, Braucht sie ihres Mannes Hörner. 7. Steuer-Calender Im Steuer-Almanach ist keine rothe Schrifft; Sie feyert, weil die Welt steht, keine Stunde nicht. 8. Das andere Leben Wäre gleich in jener Zeit Keine größre Herrligkeit, Als daß steuren uns und stehlen Nicht wie hier mehr dürffe quälen, Wolt ich dessentwegen noch Hin mich sehnen eben hoch. 9. Todten-Schmuck Der nackt kam in die Welt, der nackend ist getaufft, Der nackt ans Creutzes Holtz um Christus Blut erkaufft, Der nackt in Himmel soll, wie daß man den den schmücket, Und das, was ihm nicht bleibt, mit ihm von hinnen schicket? 10. Der Geitz Wer vom Hertzen Gott entschleust, Wer hingegen Gold drein geust, Wil gewiß zu Himmel-neben Einen Alchimisten geben. 11. Soldaten-Zucht Pescennius, ein Römisch Käyser, Der Kriegs-Zucht ernster Unterweiser, Bey dem, als etwa neun Soldaten Dem Bauren einen Hahn verthaten, Da ließ er sie bey vielen Wochen Als Brot und Wasser nichts versuchen. Ietzt schadets nichts, ob ein Soldate Neun Bauren gleich sied oder brate; Eh als er trucknes Brot solt essen, Möcht er ein gantzes Dorff voll fressen. 12. Reiche Verwüstung Da dieses Land war reich für Jahren, Da glaubten wir, daß Bettler waren; Nun dieses Land durch langes kriegen Bleibt Menschen-leer und wüste liegen, Ist Steuer gar nicht zu bereden, Man sey nun arm von so viel Schäden. 13. Rebe, durch Versetzung: Bere, Eber, Erbe Ob gleich die Rebe trägt dem Eber Haß, Macht dannoch gleichwol ihrer Bere naß, Daß mancher Mensch deß Ebers Namen erbe, Toll und voll lebe, Säuisch endlich sterbe. 14. Rechts-Lernung Wann einer wil das Recht studiren, So muß fünff Jahr er dran verlieren. Das Recht, das Krieg ietzt eingeführet, Wird bey fünff Tagen außstudiret. 15. Auffrichtigkeit Ja soll ja, und nein soll nein, Nein nicht ja, ja nein nicht seyn; Der, der anders reden kan, Ist noch Christ, noch Biederman. 16. Das trunckene Deutschland Um Deutschland stund es noch so wol, Da Deutschland nur war gerne voll, Als da es triegen, buhlen, beuten Gelernet hat von fremden Leuten. 17. Erbschafft Vor, wann nahe Freunde storben, Erbten wir, was sie erworben. Wer da wolle, sterbe heuer, Erbt man nichts als seine Steuer. 18. Mit Worten spielen Ist es gut mit Worten spielen? Schad und Nutz kan nicht vervielen; Wer gewinnt, der wird betrogen; Wer verleuret, hat gelogen. 19. Menschlich Angesichte Ieder Mensch hat sein Gesicht, Keiner wie der andre nicht; Dannoch findet Neid an allen, Das ihm nicht wil wol gefallen. 20. Die Warheit Andre Weiber hätten Spot, Wann sie solten nackend gehn; Wahrheit aber färbt sich roth, Wann sie soll in Kleidern stehn. 21. Eisen Das Eisen dörfft ich mehr, das Gold viel minder preisen. Ohn Eisen kümmt nicht Gold; Gold bleibt auch nicht ohn Eisen. 22. Reuterey Die schwartze Reuterey war alter Zeit die beste; Die beste Reuterey ist dieser Zeit die feste. Zwar ware sie dort schwartz von Farben, nicht von Sinnen; Zwar ist sie hier nicht schwartz von aussen, doch von innen. 23. Poeten-Götter Poeten, die sollen die Götter nicht nennen, Die Christen verlachen, die Heyden bekennen; Wird ihnen man Venus und Bacchus nur schencken, Sie werden der andren nicht leichte gedencken. 24. Ärtzte und Räthe Ein Artzt hilfft kranckem Leib, ein Weiser krancker Zeit; Der erst ist noch zur hand, der ander ist gar weit. 25. Deutschland Ungerochen hat für Zeiten Niemand Deutschland kunt bestreiten; Unbereichert wird mit nichten Iemand ietzt den Zug verrichten. 26. Ietzige Freygäbigkeit Wir haben ein freyes und grosses Gemüte, Ein edle, rechtschaffene, löbliche Güte. Ein Krieger, hat dieser was, das er verrichte, Der geht wol nicht traurig von unsrem Gesichte. 27. Die Welt Pralen, schnarchen, schnauben, fluchen, Dringen, zwingen, dräuen, pochen Ist der Welt ihr Amadis, Drauß sie heuer buhlen ließ. 28. Die einfaltige Redligkeit Andre mögen schlau und witzig, Ich wil lieber redlich heissen; Kan ich, wil ich mich befleissen, Mehr auff glimpfflich als auff spitzig. 29. Das untreue Vermögen Wie schelmisch ist das Geld! Ein ieder sinnt auff Geld, Daß dem doch, der es hat, nach Leib und Seele stellt. 30. Auff Vitum. Kein König ist zwar Veit von Gerar, hat auch nicht, Daß Abraham für ihn Gebet und Segen spricht; Ie dennoch ist sein Haus an Müttern auffgeschlossen, Daß seiner guten Art hat Frau und Magd genossen. 31. Gottes Wort Der Hammer, Gottes Wort, schlägt auff der Hertzen Stein; Ietzt aber wil der Stein des Hammers Hammer seyn. 32. Die verbrennliche Welt Wie so wil Gott die letzte Welt wegzünden? Drum daß sie steckt voll Sodomiter-Sünden. 33. Die Stein-Kranckheit Daß ein Mensch zu seinem Grabe Eigne Stein im Leibe habe, Dieses Vortel kan ich leiden, Wil auch keinen drüber neiden. 34. Geld-Lehnen Wer viel Geld hat weg zu leihen, Muß der Freundschafft sich verzeihen; Dann der Tag zum wieder-geben Pflegt die Freundschafft auffzuheben. 35. Rechts-Bildungen Das alte Recht, das schläft; was neues etwa tichtet, Nach dem wird, weil es schläft, das alte Recht gerichtet. 36. Der Capernaitische Hauptmann. Es war ein Mensch, es war kein heutig Cavallier, Der zu Capernaum den Knechten stunde für. Der Obrigkeit war er, Knecht' ihm, gar unterthan; Drum gilt er ietzt bei uns kaum als ein Gauckelmann; Dann Glaube, Liebe, Zucht geht unsren Krieg nicht an. 37. Auff Harpacem Harpax stahle, was ihm kame, Lieff in Krieg für Kett und Strange; Wär auch da wol nicht gar lange, Thäte nicht sein ehrlich Nahme. 38. Dürfftigkeit Ist man arm, was hilfft die Jugend? Ist man arm, was hilfft die Tugend? Ist man arm, was hilffet schön? Ist man arm, was hilfft verstehn? Dieser sey, dem Welt soll weichen, Reich im Armen, arm im Reichen. 39. Nichts neues unter der Sonnen Wie ietzt die Zeiten sind, so waren vor die Zeiten; Dann Salomo sah auch auff Pferden Knechte reiten Hingegen Fürsten-Volck zu Fusse gehn wie Knechte, Nur daß die Grube noch nicht ist gemacht zu rechte. 40. Ein Honig-süsser Schlaf Ein Honig ist der Schlaf; als diesen Honig aß, Geschahs, daß was, ich gläub ein Bienlein etwa, saß Auff Libitilla Haut; sie hats nicht achten wollen, Doch, wie man nunmehr merckt, so ist sie sehr zerschwollen. 41. Lebens-Lauff Es mühet sich der Mensch, auff daß er was erwerbe, Und was er dann erwirbt, soll, daß er wo nicht sterbe, Und wann er nun nicht stirbt, so sol er drum nur leben, Auff daß er, was er wirbt, zur Steuer müsse geben. Dann bringt ihm weiter nichts das mühen und erwerben Und alles, was er gibt, als so nur eher sterben. 42. Menschen sind böse Guten Friede, gute Rechte, Gute Tage, gute Nächte, Gut Gewitter, gute Zeiten, Gut zu melcken, gut zu reiten, Lauter Güt und gute Gaben Wolln die Menschen häuffig haben, Denen doch an Leib und Mute Selbsten mangelt alles gute. 43. Mittelbare Thaten Der an Jahren schwer gleich träget, Viel an Kräfften abgeleget, Wann er nur ist frisch von Rathe, Ist noch doch ein gut Soldate. Wer nichts mehr vermag von Thaten, Ob er viel vermag im rathen, Mag nur bey den Buhlereyen Dieses Nahmens sich verzeihen. Eigner Mut und fremder Degen Künnen zwar noch Ruhm erregen; Aber mit geborgtem Leibe Fühlt man nicht das süß am Weibe. 44. Der Redligkeit Aderlässe Deß Nero Meister nam die Flitte Sein Leben hin wie sein Geblüte. All Adern schlägt bey dieser Zeit Die freche Welt der Redligkeit. Niemand wil mehr für Schand erröthen; Drum liegt die Zucht in Todes-Nöthen. 45. Auff Porcam Ist nicht Porca, wie man sagt, Eine Magd? Und trägt ein Kind? Schau, wie arg die Leute sind! Ist sie dann nicht Kinder-Magd? 46. Diebe menschlichen Vermögens Wercke stehlen uns die Zeit, Fälle die Vermögligkeit, Sorgen stehlen uns das Leben; Was dann bleibt uns auffzuheben? Was der Seele Gott gegeben. 47. Durch mühen, nicht durch schmeicheln Redlich wil ich lieber schwitzen, Als die Heuchler-Banck besitzen. Besser harte Fäuste strecken, Als von fremdem Schweisse lecken. Besser was mit Noth erwerben, Als gut leben, furchtsam sterben. 48. Die Zukunfft Christi Christus hat durch erstes kummen Uns deß Teuffels Reich benummen; Kümmt er ehstes nicht herwieder, Kriegt der Teuffel meistes wieder. 49. Eine Lock-Fincke Nicht zu weit von meinem singen Liegen Netz und falsche Schlingen; Die für mir hier hat gelogen, Hat mich, wie ich euch, betrogen. Ich, die ich gefangen sitze, Bin nur meinem Herren nütze. Die da wil, die mag verfliegen, Die nicht wil, die laß sich kriegen; Wann nur ich die Kost erwerbe, Gilt mirs gleiche, wer verterbe. 50. Der Frühling Da der göldne Sonnen-Wagen Frühlings-Zucker bringt getragen, Daß die süssen Zwillings-Küsse Tag und Nächte machen süsse, Da der Himmel gütig lachet, Da die Erde Schmüncke machet, Da sich Feld und Wiesen mahlen, Da der Bäume Häupter pralen, Da die Brunnen Silber gissen, Da mit funckeln Bäche flissen, Da die Vogel Lieder singen, Da die Fische Sprünge springen, Da für Freuden alles wiebelt, Da mit gleichem gleiches liebelt: O, so muß für trübem kräncken Bloß der Mensch die Stirne sencken! Weil zumal bey Frühlings-Lüsten Mars erfrischet sein verwüsten, Da er diß für Lust erkennet, Wann er raubet, schändet, brennet. 51. Der Mensch, ein Gras Unsres Lebens beste Kost Ist von erstem zartes Gras. Unser Leben selbst ist das Samm der Ehr und aller Lust. Brächte jenes nichts von Früchten, Bliebs im Felde leichtlich liegen. Menschen würden wenig tügen, Wann sie nicht in Himmel tüchten. 52. Vergebene Arbeit Einen Mohren weiß erwaschen, Trincken auß geleerten Flaschen, Einen Esel nackt beschehren, Eine Sackpfeiff abehären, Einen Peltz im heissen baden, Mit dem Siebe Wasser laden, Einem Tauben Lieder singen, Sand in ein Register bringen, In den Wind und Wasser schreiben, Flugwerck ohne Flügel treiben, Auff den Sand Paläste bauen, Weibern auff die Tücken schauen, Wind, Lufft, Lieb und Rauch verhalten, Jünger machen einen Alten, Einen dürren Wetzstein mästen, Osten setzen zu dem Westen, Allen Leuten wol behagen, Allen was gefällig sagen: Wer sich deß wil unterstehen, Muß mit Schimpff zurücke gehen. 53. Das lieblichste Thier Solt ich Wahl und Wandel führen Unter aller Orte Thieren, Sollte mir kein liebers seyn, Als deß Natans Schäfelein. Dieses leg an meiner Brust, Nem auß meinen Händen Kost; Wolle, die es sonsten trüge, Gebe Tuch in eine Wiege. 54. Deß Krieges letzter Wille Mars befihlet seinen Erben, Wann er endlich werde sterben, Solt man, wann man ihn begrübe, Machen, daß nichts übrig bliebe, Weil sich doch von seiner Habe Schwerlich erster Erbe labe. 55. Straff-Buchstaben 1P1K1H 2e2r2u 3s3i3n 4t4e4g 5g5e 6r Wen Gott nicht mit Vier, Fünff, Sechs Zeichen Kan auß dem A.B.C. erweichen, Der wird nicht weich (ist gläublich) eh, Biß ihn bezwingt der Höllen W! 56. Auff Lychnobium Lychnobius lebet viel Jahre, viel Wochen, Noch lebt er die Woche nicht eintzigen Tag. Deß Nachtes, da schlemmt er, so viel er vermag, Deß Tages, da steckt er im Bette verkrochen. 57. A.E.I.O.U A. ist derer, die nicht wollen. E. ist derer, die nicht sollen. I. ist derer, die da zagen. O. ist derer, die da klagen. U. ist derer, die da plagen. 58. Johannes der Täuffer Nicht recht! nicht recht! würd immer schreyn Johannes, solt er wieder seyn; Doch käm er, rieth ich, daß er dächte, Wie viel er Köpff in Vorrath brächte. 59. Auff- und niedersteigende Liebe Wann die Liebe steiget auff, Hält die Chloris etwas drauff; Wann die Liebe steiget nieder, Ist sie Chloris gantz zu wider. 60. Der Welt Erbe Freu dich, Welt-Kind, auff das erben! Deine Mutter wird bald sterben; Was das Feuer nicht verzehret, Ist mit Hauffen dir gewehret. 61. Auferweckung von Todten Kan Frösche, Fliegen, Schwalben, Würme, Schnecken, Die kaltes sterbte, warmes wieder wecken, O, so kan der, der alles diß kunt machen, Noch wol so viel, daß Todte wieder wachen. 62. Der lachende Gott. Mir nicht! daß ich solte machen, Daß Gott meiner müsse lachen; Dann sein lachen wil erwecken Zornig reden, grimmig schrecken. 63. Auff Smeccelium Smeckel künte wol sein lauffen Fürsten-Kammern hoch verkauffen, Wann sein Fuß sich künte regen, Wie sich kan sein Zahn bewegen. 64. Ein Schauspiel Von Marcus Curtius und seiner tieffen Klufft Kan Gulo schönes Spiel, das spielt er viel und offt. Ein Ochs ist Curtius; die Klufft ist Gulo Bauch; Wann jener springt in die, so stillt sich Flamm und Rauch. 65. Ein Krieges-Hund redet von sich selbst Hunde, die das Vieh behüten, Hunde, die am Bande wüten, Hunde, die nach Wilde jagen, Hunde, welche stehn und tragen, Hunde, die zu Tische schmeicheln, Hunde, die die Frauen streicheln: Diese Hunde gar zusammen Kummen nur auß faulem Stammen. Aber ich bin von den Hunden, Die sich in den Krieg gefunden, Bleibe nur, wo Helden bleiben, Wann sie Küh und Pferde treiben, Habe Bündnüß mit den Dieben, Trag am rauben ein Belieben, Pflege, bin ich in Quartiren, Gäns und Hüner zuzuführen, Kan die schlauen Bauern suchen, Wann sie sich ins Holtz verkruchen; Wann sie nach den Pferden kummen, Die mein Herr hat wo genummen, Kan ich sie von dannen hetzen, Daß sie Hut und Schuh versetzen, Kan durch Schaden, kan durch Zehren Helffen Haus und Hof verheeren. Cavalliers, die kan ich leiden; Bauren müssen mich vermeiden; Bin nun drum in meinem Orden Hunde-Cavallier geworden. 66. Der Daumen Wann der Daume wird zu nichten, Kan die Hand nicht viel verrichten. Wann man schwächt den Wirthschaffts-stand, Da besteht nicht lang ein Land. 67. 1. Activum. 2. Passivum. 3. Deponens. 4. Neutrum. 5. Defectivum Was ists, was wir nicht thun? Was ists, was wir nicht leiden? Durch 1. Steuern und durch 2. Raub wird Mars nicht eines 3. meiden, Wird kürtzlich 4. noch zu thun, noch was zu leiden bleiben, Und Mars wird auß der Welt 5. Die Welt und sich vertreiben. 68. Ein thierischer Mensch Lupula wil keinen lieben, Der Vernunfft zu sehr wil üben, Weil ihr besser der gefällt, Der sich etwas thierisch stellt. Der da kan wie Tauben hertzen, Der da kan wie Spatzen schertzen, Der wie Hanne buhlen kan, Ist für sie der rechte Man. 69. Niemand ist zu verachten. Ein Rabe wil Noha zum Bothen nicht tügen; Doch bringt dem Elias ein Rabe vergnügen. Der Himmel kan morgen vil Gunsten verleyen Dem schlechsten, den heute die Grossen verspeyen. 70. Iedes Glücke hat sein Glücke Glücke hat sein Ungelücke, Daß bey seinem Freuden-Blicke Menschen dannoch beßres wehlen. Ungelücke hat sein Glücke, Daß bey seiner Wandel-Tücke Christen nimmer Trost darff fehlen. 71. Seelen-Wandelung Daß eine fremde Seel in fremden Cörper kriche, Das glaube, wer es wil; es sind nicht Biebel-Sprüche. Diß aber ist gewiß, daß ietzt ein fremder Leib Fährt offters auff und in ein fremdes Pferd, Kleid, Weib. 72. Helden-Tod Es rieten ihrer zwey nach Rossen; Darüber ward der ein erschossen. Der andre sagte mit betrüben: O, welch ein ehrlich Cärl ist blieben! 73. Schädliche Liebe Lieben läst nicht lange leben; Lange leben läst nicht lieben. Wer dem Leben ist ergeben, Muß das lieben sparsam üben; Wem das lieben wil behagen, Muß dem Leben abesagen. 74. Göttliche Barmhertzigkeit Nach dem grossen Sünden-Flusse Setzte Gott den Gnaden-Bogen. Wann auff Straffe folget Busse, Ist er uns wie vor bewogen. 75. Wiederbrachte Jungfrauschafft Der die Jungferschafft benummen, Kan sie wieder da bekummen, Wann es ihr vielleicht gelingt, Daß sie eine Tochter bringt. 76. Dörffer Vom dürffen, kümmt mir für, sind Dörffer her genant; Dann Dörffern ist ietzt nichts als Dürfftigkeit bekant. 77. Schlesier Eselsfresser Daß Schlesier haben den Esel gefressen, Ist entweder nichts oder bleibet vergessen; Sonst würden die fremden sich eigen gewehnen, Nach Schlesischem Futter sich nimmer zu sehnen. 78. Finsternüß Wann zwischen Beutel und das Geld Die Contribution sich stellt, Tritt Finsternüß gemeinlich ein An Goldes-Glantz und Silber-Schein. 79. Von der Nachtigal Von fernem bistu viel, von nahem meisten nichts, Ein Wunder deß Gehörs, ein spotten deß Gesichts. Du bist die Welt, die Welt ist du, o Nachtigal! Zum ersten lauter Pracht, zu letzt ein blosser Schall. 80. Huren Im Friede Hure seyn ist ehrlich, nicht im Kriegen; Dann jene kan im Bett, auff Stroh muß diese liegen. 81. Der Schamhafftigkeit Farbe Carmesin-roth hält man werth; Reines Weiß wird offt begehrt; Purpur hat nicht schlechten Ruhm; Gold begehrt das Eigenthum; Billich aber wird geacht Farbe, die die Tugend macht. 82. Ein höltzernes Pferd In der Achiver langem Weiber-Kriege Halff letzlich noch ein höltznes Pferd zum Siege. Was gilts, ob Krieg ietzt auch nicht wehren werde, Biß sonst kein Pferd mehr bleib, als Kinder-Pferde? 83. Ein Rath, wie der Feind zu schlagen Man hat den Feind auffs Haupt geschlagen; Noch hat Fuß Haupt hinweg getragen. Man schlag ihn, rath ich, auff den Fuß, Auff daß er liegen bleiben muß. 84. Ein Kuß Jungfern, wann deß Liebsten Mund Sich zu eurem Munde schicket, Haltet still! es ist der Grund, Drauff die Lieb ihr Siegel drücket. 85. Ein Schmetzrichen Der zum ersten sagte: Küssen, Wolte, glaub ich, sagen: Süssen; Dann den süssen Honig-Thau Gibt deß Mündleins Rosen-Au. 86. Außtrit der Zunge Die Zunge wohnt mit Fleiß im weißen Bein-Gehäge; Dann diß ist ihre Gräntz, in der sie sich bewege; Wächst aber wo die Zung und steiget über Zaun, Derselbten traue du! ich wil ihr nimmer traun. 87. Vergnügung Wie das Kind im sanfften wiegen, So beruh ich im begnügen; Pursche sonst mit Redligkeit Hin zu bringen meine Zeit, Wann ich werde seyn begraben, Werd ich beßres Glücke haben. 88. Von einem Geschencke an die Liebste Beßres was solt euren Ehren, Edles Bild, zu dienen kummen, Aber wo wird das genummen, Daß sie möcht um etwas mehren? Das, was kummt, ist kaum zu nennen; Der es schickt, ist drum zu schelten, Muß auch billich solches gelten, Darff sich auch nicht lassen kennen. 89. Paten-Zettel Es ist sehr gut, Durch Christus Blut Das Ewig-seyn im Himmel erben; Dann, was die Welt Zum höchsten hält, Ist täglich Tod und endlich sterben. 90. Gerade Stücke Im Opplischen Fürstenthum (ist es nicht schade?) Hat Jungfer noch Fraue nie keine Gerade. 91. Hofe-Künste Künste, die zu Hoff im Brauch, Wolt ich, dünckt mich, künnen auch; Wann nur eine mir wolt ein, Nämlich: unverschämt zu seyn. 92. Das Hofe-Leben Durch Laudes und Placentz, stracks für Veron fürbey Muß, wer nach Hofe wil und wil willkumen seyn. 93. Thorheit Ein Reiß vom Narren-Baum trägt ieder an sich bey; Der eine deckt es zu, der ander trägt es frey. 94. Thorheit Wann Thorheit thäte weh, o, welch erbärmlich schreyn Würd in der gantzen Welt in allen Häusern seyn! 95. Sitten der Jugend Die Fincken, die im Lentz nicht singen, Die bringens auff den Herbst dann ein; Der muß dann alt erst rasend seyn, Der jung es kunte nicht verbringen. 96. Begräbnüß-Kosten Ists Christlich, Christen-Volck, dem Gott den Himmel schenckt, Daß dich nicht ohn entgelt man in die Erde senckt? 97. Die Zeit vertreiben Daß der Tod uns übereile, Lasse man die Klage bleiben; Ieder sucht ja kurtze weile; Ieder wil die Zeit vertreiben. 98. Verleumder. Wer schmäht und Schmähung hört, dem sey zur Straff erkoren, Daß jener an der Zung und dieser henck an Ohren. 99. Adel Die Tugend alleine gibt tüchtigen Adel; Das Waffen-Gemäld An Helm und an Feld Bedecket vergebens den inneren Tadel. Die Wiege deß Cyrus wie Irus ist Thon; Ein leeres Geklänge, Ein gläsern Gepränge Sind Ahnen, wo Tugend ist ferne davon. 100. Anfang und Ende Der Anfang Seh auff den Außgang; Der Außgang Macht gut den Anfang.