Hermann Löns Mein goldenes Buch So dunkel ist die Ferne ... So dunkel ist die Ferne, Die Heide ist so leer, Die schwarzen Krähen kommen Hastig über sie her. Auf weiter dunkler Heide Ich ganz alleine bin, Die schwarzen Krähen fliegen Immer über mich hin. Die Sonne ist untergegangen ... Die Sonne ist untergegangen, Die Nacht bricht langsam hervor, Mit sausendem Flügelschlage Streicht der Birkhahn ins Moor. In dem düsteren Moore, Da ist es schon lange Nacht, In meiner verflossenen Seele Kein frischer Flügelschlag wacht. In das Moor ohne Wege und Stege Zieht es mich mächtig hinein, In dem pfadlosen Moore Wird für mich Frieden sein. Der Vollmond scheint ... Der Vollmond scheint in mein Fenster, Der Himmel sternenklar blinkt, Im blühenden Nachbargarten Laut eine Nachtigall singt. Der weiße Holunder duftet Schwer in mein Zimmer hinein, Auf meines Bettes Kissen Fällt der Mondenschein. Die Nachtigall singt im Garten, Hell ist der Mondenschein, Schwer duftet der Holunder Und ich bin so allein. Die Wiesen silbern liegen ... Die Wiesen silbern liegen In dämmrigen Mondenschein, Wie arme, verlassene Seelen Jammernd die Kiebitze schrein. Finster ist meine Stirne, Die Nacht ist stumm und weit, Es jammert in meiner Seele Die Hoffnungslosigkeit. Das ist am See ... Das ist am See der Weidenbaum, Der wiegt und biegt sich hin und her, In seinem Stamm hat die Eule Raum, Seine Zweige sind so leer. Einst war er jung, einst war er grün, Und trug viel goldner Schäfchen Pracht, Die Bienen summten in sein Blühn Und holten süße Tracht. Mein armer, alter Weidenbaum, Ich weiß, ich weiß, woran du krankst, In mir auch hat die Eule Raum, Ich habe solche Angst. Weihnachtsabend Schwarz stehen die nackten Bäume, Ich gehe am Holze her, Der Weihnachtsabend ist dunkel, Mein Herz ist müde und schwer. Dünn klingt vom Försterhause Der Kinder heller Gesang, Die Christbaumlichter flimmern, Vom Dorfe kommt Glockenklang. Ich habe ihn lange vergessen, Den alten Kindertraum, Mir klingen nicht die Glocken, Mir strahlt kein Tannenbaum. Nordostwind Nordostwind pfeift im Moore, Scharf treibt der feine Schnee, Hungrig zieht den Moordamm Entlang ein kümmerndes Reh. Der Treibschnee zischelt und ruschelt, Verloren die Wege sind, Ich friere in meiner Seele Und eisig pfeift der Wind. Murmelwind Die Fuhrenkusseln streichelt Ein leiser Murmelwind, Gleichmäßiges, ruhiges Hellgrau Das weite Moor überspinnt. So schläfrig zirpen die Grillen, So stille ist's weit und breit, In meine zitternde Seele Stiehlt sich die Gleichmütigkeit. Bergwaldwildnis Was frag ich nach den Menschen Und nach der lauten Stadt, Wenn mich die Bergwaldwildnis, Die weiße Stille hat. Die Buchenstämme stehen So schwarz im weißen Schnee, Seinen Schlafbaum sucht der Bussard, Zu Felde zieht das Reh. Der Fuchs bellt unten im Grunde, Die Eule gibt keine Ruh, Der Abendwind rührt an den Zweigen, Der Schnee fällt immerzu. Im Tale funkeln die Lichter, Was kümmert mich ihr Schein, Ich stehe oben am Hange Und bleibe für mich allein. Aus weißen Nebeln ... Aus weißen Nebeln tauchen schwarze Bäume, An kahlen Büschen perlt der Silbertau, Aus blauen Wäldern fließen rote Gluten, Die Sonne kommt, die Luft weht scharf und rauh. Das wird ein schöner Tag, schön wie die Liebe, Die Liebe einer strengen, stolzen Frau. So reich an Helligkeit und Glut und Wonne, Und gab sie sich auch erst so kalt und rauh. Der Nebel fällt als feiner Regen nieder, Die Luft wird wieder dick und grau und schwer, Die Sonne kommt nun heute nicht mehr wieder, Mein Herz bleibt wieder taub und kahl und leer. Das kleine Licht Den weißen, mondbeschienenen Weg Zwei schwarze Mauern säumen, Ein schwarzes, schweigendes Geheg Von schwarzen, schweigenden Bäumen. So weit ist der todeseinsame Pfad, So eng die Nähe dunkelt, Dort hinten, wo schwarz sich die Wolke naht, Ein glimmendes Lichtchen funkelt. Die Nacht immer schwerer herniederbricht, Müdigkeit meine Stirne befeuchtet, So ferne zittert das kleine Licht Und ich weiß nicht einmal, wo es leuchtet. Ein weißer Vogel Über das schwarze Torfmoor, Über das gelbe Ried Einsam und verloren Eine weiße Weihe zieht. Ein lichtes Liebesgedenken In meiner Seele lebt, Über die schwarze Wüste Ein weißer Vogel schwebt. Der späte Mai Die roten Blätter rauschen, Der Sommer ist lange vorbei, Es leuchten unsere Augen, Es blüht in uns der Mai. Wir können die Liebe nicht bergen, Wir sind uns viel zu gut, Es brennen unsere Lippen, In den Schläfen klopft unser Blut. Wir reden schüchterne Worte, Wir sehn aneinander vorbei, Scheu wie die erste Liebe Macht uns der späte Mai. Was zögerst du, was zagst du, Wer weiß, bald fällt der Schnee, Die ungeküßten Küsse, Das ist das bitterste Weh. So schreit meine Seele ... Das Abendrot zerlodert im Moore, Die Dämmerung spinnt die Heide ein, Aus dunkelblauem Abendhimmel Hör ich die wandernden Kraniche schrei'n. Sie schrei'n so wild, so heiß, so hungrig Nach ihrer Heimat weit von hier, So schreit meine Seele hungrig und bange, Bist du nicht bei mir, immer nach dir. Mittagsstille Silbereis liegt auf den Gräben, Auf dem Weg Goldsonnenschein, Auf dem Weg, mein süßes Leben, Den wir gehen ganz allein. Keine Blume sprengt die Hülle, Und kein Spierchen schiebt das Ried, In die große Mittagsstille Singt ein Vogel nur sein Lied. Was er singt, wir wissen's beide, Denn in unsern Herzen klingt, Was die Ammer in der Weide Immer immer wieder singt. Märzschnee Märzschnee rieselt durch die Zweige Und umspinnt den weiten Wald, Alle Vogellieder schweigen Und es wird so stumm und kalt. Eine kleine graue Meise Trillert einmal noch ihr Lied, Einmal noch ein Sonnenstreifen Dünn den stillen Wald durchzieht. Auf den kalten, nassen Wegen Gehe ich mit leichtem Fuß, Wie ein Lied war mir dein Lächeln Und wie Sonnenschein dein Gruß. Frühling Hoch oben von dem Eichenast Eine bunte Meise läutet Ein frohes Lied, ein helles Lied, Ich weiß auch, was es bedeutet. Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras, Die Blumen werden blühen, Es wird die ganze weite Welt In Frühlingsfarben glühen. Die Meise läutet den Frühling ein, Ich hab es schon lange vernommen, Er ist zu mir bei Eis und Schnee Mit Singen und Klingen gekommen. Frühlingsabend Der Abendstern blinkt durch die Zweige, Es schwimmt der Wald in blauem Duft, Die allerletzte Drossel flötet, So weich und milde ist die Luft. Die gelben Haselkätzchen zittern Im Abendwinde hin und her, Ich träume in den Frühlingsabend Und meine Brust seufzt tief und schwer. Es ist ein Seufzer voller Sehnsucht, Halb ist es Leid, halb ist es Lust, Auch du denkst meiner diese Stunde, Schwer hebt sich jetzt auch deine Brust. In knospenden Zweigen ... In knospenden Zweigen schmettern die Finken, Es trommelt der Specht sein Liebeslied, Der Tauber ruckst im Eichenwipfel, Ein Zittern und Beben den Wald durchzieht. Im Fallaub leuchten einzelne Blüten, Der Wald wird morgen voll Blumen sein, Es hat erweckt sein Singen und Blühen Aus unseren Augen der Sonnenschein. Die Nacht ist still ... Die Nacht ist still, ich stehe am Fenster, Am Monde vorüber die Wolken fliehn, Mit leisem Singen oben, hoch oben, Den Augen nicht sichtbar, die Singschwäne ziehn. Das klingt und singt durch die nächtliche Stille Das singt und klingt und klingt und singt So sehnsuchtsvoll nach jenem Lande, Dem Lande, das ihnen als Heimat winkt. Meine Gedanken, die wandern wie Schwäne Hell und schimmernd dahin durch die Nacht Und singen Lieder in deine Träume, Du schläfst, und dein roter Mund, der lacht. Scharf pfeift der Wind ... Scharf pfeift der Wind am Holzrand her, Wir gehen fest umschlungen, Leer ist der Wald, der letzte Ton Der Abendglocke verklungen. Zu schwarzen Massen ballen sich Der Eichen kahle Zweige, Der Waldkauz ruft so dumpf und hohl, Der Tag geht auf die Neige. Wir lachen in die Finsternis Und gehen auf schwarzen Wegen Mit frohen Augen leichten Schritts Dem Morgenrot entgegen. Voll Seufzen und Sehnsucht Die silbernen Espenkätzchen Zittern im Abendwind, Ein bläuliches Gedämmer Die Blöße überspinnt. Des Mondes goldene Sichel Hinter den Eichen steht, Ein heimliches Geflüster Durch die Büsche geht. Über die Tannenkronen Lautlos die Eule zieht, Hinten, ganz hinten im Walde Ruft sie ein Liebeslied. Durch das Schweigen des Waldes Zog es dich zu mir, Ein Lied voll Seufzen und Sehnsucht Das schrie und rief nach dir. Gold Gold hängt an dem Weidenbusch, Gold den Weg umzieht, Meine Geliebte gestern da ging, Auf lächelnden Lippen ein Lied. Lächelnde Lippen haben mir Gestern entgegengeblüht, Goldene Lieder mein Herz ersinnt, In goldenen Träumen es glüht. Dein Lachen Es leuchtet aus der Dämmerung Der Abendsonnenschein, Rotkehlchen singt sein Silberlied, Mir fällt dein Lachen ein. Dein Lachen, das so silbern perlt, So hell und klar und rein, Rotkehlchen singt sein Silberlied Beim Abendsonnenschein. Sonntag Palmarum Heute ist Sonntag Palmarum, Der Wald ist voll Sonnenschein, Ich bat dich, du möchtest kommen, Du sagtest, es könne nicht sein. Mit goldenen Palmen prangen Die Büsche am Waldesrand, Mit ängstlichem Herzen ich wartend, Unter der Saalweide stand. Mir blühte nicht die Weide, Kein Vogel ein Lied mir sang, Ich sah mit traurigen Augen Den sonnigen Weg entlang. Nun bist du doch gekommen, Liebste, ich wußte es ja, Goldgelb blühen die Weiden, Sonntag Palmarum ist da. Osterfeuer Die goldenen Osterfeuer glühen, Der Frühling kam in die Welt hinein, Ich sehe deine Wangen glühen In unserer Feuer rotem Schein. Zwei Feuer nebeneinander flammen, Wir haben lächelnd die Glut entfacht, Die roten Flammen schlagen zusammen Und lodern vereinigt in die Nacht. Es lodern und leuchten und zittern und sprühen Zwei Flammen heiß in die Nacht hinein, Und unsere Wangen flammen und glühen Von unserer Liebe Widerschein. Goldene Lichter Das junge Rohr im Teiche Starrt wie ein Lanzenwall, In den Weiden jubelt Klagend die Nachtigall. Hinter den Ellern erblasset Rosig die Abendglut, Goldene Lichter zittern Über die dunkle Flut. Goldene Lichter zittern Über mein Leben hin, Seit ich deiner Augen Leuchten begegnet bin. Morgenrot Die Morgendämmerung ist zerflossen, Die Sonne über die Wälder loht, Ich grüße mit großen, frohen Augen Das flammende, leuchtende Morgenrot. O Morgenrot, so lange Jahre Bin ich gegangen in schwarzer Nacht, Mir blühet keine helle Blume, Mir hat kein Sonnenschein gelacht. Es fiel kein Lichtschein in mein Dunkel, Kein Stern an meinem Himmel stand, Mit kalter Seele, totem Herzen, So ging ich durch das schwarze Land. Die Blumen blühn, die Vögel singen, So wonnig warm die Sonne lacht, Du hast mit deiner hohen Liebe Aufs neue mich zur Welt gebracht. Sehnsucht Die Lungenblumen blühen Aus dunkelgrünem Moos, Mein Herz das bebt und zittert Meine Sehnsucht ist so groß. Die beiden blauen Blüten Erinnern mich so sehr An deine lieben Augen, Mein Herz das schlägt so schwer. Es geht ein Zittern und Beben Durch meiner Seele Grund, Rot ist die eine Blüte, Rot wie dein roter Mund. Schmetterling In blauen Streifen fällt das Licht In unsern stillen Wald, Des Schwarzspechts heller Glockenton Zu uns herüberschallt. Ich gehe den Weg mit leichtem Schritt, Einst ging ich ihn müde und schwer, Ein großer schwarzer Schmetterling Flog lockend vor mir her. Mit seligen Augen streif ich dein Haar, Das sich im Nacken rollt, Der Schmetterling, der vor uns schwebt, Der ist so gelb wie Gold. Mit schmetterndem Schlage ... Mit schmetterndem Schlage steigt ein Vogel Über die Birken jauchzend empor, Mit seligem Sange sinkt er nieder Zu seinem Liebchen in dem Moor. Mein Lied erhebt mich in den Himmel Und führt mich sanft zu dir zurück, Zur Höhe führt mich deine Liebe Und auf der Erde wohnt mein Glück. Alle Birken grünen ... Alle Birken grünen in Moor und Heid, Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold, Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit, Jeder Birkhahn kullert und tollt. Meine Augen, die gehen wohl hin und her Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor, Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer Und schweben zum Himmel empor. Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht, Und mein Herz, es singt sein leises Lied, Das auf zum Himmel steigt. Ein leises Lied, ein stilles Lied Ein Lied, so fein und lind, Wie ein Wölckchen, das über die Bläue zieht, Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind. Goldene Sonnen Lauter kleine goldene Sonnen Leuchten aus dem Rasengrün, Lauter große goldene Träume Stolz in meiner Seele blühn. Jeder Baum ist voller Blüten, Jeder Vogel jubelt laut, Jeder Halm und jede Rispe Ist mit Tropfen schwer betaut. Und ich gehe, dein gedenkend, Durch das taubeperlte Ried, In den Augen feuchtes Glänzen, In der Brust ein Frühlingslied. Im Stangenholz ... Im Stangenholz ruschelt es leise, Die Uhlenflucht beginnt, Zu schüchtern flüsternder Weise Erstirbt der Tagewind. Nun, Liebste, laß uns gehen Tief in den Wald hinein, Wo die Buchen wie Säulen stehen, Versilbert vom Mondenschein. Wo schwarze Schatten liegen Auf der Wege hellem Grund, Da will ich mich an dich schmiegen Mit Herz und Hand und Mund. Kein Wörtchen will ich sagen, Will sein ganz stumm und still, Meines Herzens lautes Schlagen Allein zu dir sprechen will. Lustgeschmetter Goldene Knospenhülle schütten All die jungen Buchenblätter, Und den ganzen Wald durchjubelt Liebessang und Lustgeschmetter. Um die weißen Sterngrasblumen Tanzen goldne Schmetterlinge, Und um jede kleine Blüte Geht ein summendes Geklinge. Lachend faß ich deine Hüfte, Hab so lange dursten müssen, Lange lange lange Jahre, Ach so sehr, nach deinen Küssen. Rosenschein Die grünen Wälder versinken In violettem Duft, Ein schwarzer Reiher rudert Durch die tiefblaue Luft. Das letzte Sonnenglühen Am Himmelsrande loht, Die schwarzen Heidewasser Färben sich rosenrot. Ich gehe mit sicheren Augen In die Nacht hinein, Vor mir ist meiner Liebe Leuchtender Rosenschein. Aus deinen blauen Augen ... Die jungen Blätter der Buchen Die sind so frisch und grün, Der Waldmeister duftet betäubend, Die goldenen Waldnesseln blühn. Die weißen und goldenen Blumen Die bindest du mir zum Strauß, Aus deinen blauen Augen Lächelt die Liebe heraus. Alle Birkenzweige ... Alle Birkenzweige schwenken Fröhlich jetzt ihr Maiengrün, Und in vollen gelben Dolden Alle Schlüsselblumen blühn. Singt das Lied von goldenen Blumen, Singt das Lied vom jungen Grün. Singt das Lied von unserer Liebe Und von unserer Herzen Blühn. Unser Lied, das ich gefunden, Unser Lied, das in mir klang, Als die Sonne deiner Liebe Mir das kalte Herz bezwang. Es singt der Star ... Es singt der Star, die Sonne lacht, Im Blütenschmuck die Bäume stehn, Ein Tag ist hin und eine Nacht, Seitdem ich dich nicht hab' gesehn. Der Himmel ist so hoch und blau, Die Erde trägt ihr Hochzeitskleid, Ich sehe alles grau in grau, Mich friert in meiner Einsamkeit. Mich friert in meiner schwarzen Nacht, Ich habe keinen Sonnenschein, Wann geht die Sonne auf voll Pracht, Wann wirst du wieder bei mir sein? Über die Heide ... Über die Heide sind wir gegangen, Und die Heide war blütenleer, Goldene Käfer flogen schimmernd Auf dem Sande vor uns her. Alle Fuhrenzweige blühten, Und die Heidelerche sang Aus der wolkenlosen Höhe Süß zu unserm Heidegang. Einen Busch von goldenem Ginster Hieltest du in deiner Hand, Den ich an dem Hünengrabe Zur Erinnerung dir band. Zur Erinnerung an die Stunde, Die in uns noch lange glüht, Wenn an deinem Ginsterstrauße Alle Blumen sind verblüht. In schwarzen Büschen ... In schwarzen Büschen flüstert der Nachtwind, Ein Eulenruf schallt aus dem Moor, Grau ist die Nacht, zwei Sterne blinken Aus grauen Wolken schimmernd hervor. Die Sterne blitzen, die Sterne blinken, Süßes Gedenken mein Herz umspinnt, Aus deinen Augen schimmern mir Sterne, Wenn sie ganz nahe an meinen sind. Zärtlichkeit Der blaue und der weiße Flieder Umduftet unsere Laubenbucht, Goldregen pendelt auf uns nieder Der blütenschweren Zweige Wucht. Viele weiße Schmetterlinge fliegen, Der Spötter singt im Rosendorn, Ganz langsam sich die Zweige wiegen. Ein warmer Wind geht über das Korn. Die Sonne spielt auf deinen Händen, Die lässig ruhn auf deinem Kleid, Mein Blick will sich davon nicht wenden, Mein Herz denkt lauter Zärtlichkeit. Die Tannendickungen düstern ... Die Tannendickungen düstern Im Mondschein schwarz und schwer, Im Gaukelflug kommt darüber Schwebend die Nachtschwalbe her. Auf und nieder tanzend Sie ihr Weibchen umzieht, Girrend ertönt ihr goldenes Jauchzendes Liebeslied. Liebe, irdische Liebe, Auch den Vogel der Nacht, Den düsteren Vogel des Schattens, Hast du zum Sänger gemacht. Morgensonne Die Morgensonne umbrandet Den Wald mit brausender Flut, Gold ist vor meinen Augen Und rosenrote Glut. Gold ist vor meinen Augen Und rosenrote Glut, Die warme Morgensonne Auf deinem Haare ruht. Wunderblüten Zwischen hohen Ginsterbüschen Ruhst du jetzt vom weiten Weg, Gelbe Wunderblüten bauen Um dich her ein Goldgeheg. Gelbe Wunderblüten senken Huldigend sich auf dein Haar, Und das schimmert in der Sonne Märchenhaft und wunderbar. Und ich lieg zu deinen Füßen, Seh bewundernd auf dich hin, Auf mein Lieb im goldnen Ginster, Meine goldene Königin. Träume Die Nacht kriecht aus dem Garten, Die Katze schleicht in das Haus, Zwischen den blühenden Bäumen Flattert die Fledermaus. Die rosigen Apfelblüten Unstet sie umschwirrt, Wie ein grauer Gedanke, Der mir durch die Träume irrt. Rosig sind meine Träume, Sie blühen im Sonnenschein, Die Fledermaus, die graue, Wird bald verschwunden sein. Wiesengras Das Wiesengras ist lang und weich, Die Sonne flammt und glüht, Um rote Disteln zittert die Luft, Die ganze Wiese blüht. Wie Wachen, stark und scharf bewehrt, Die Disteln uns umblühn, Weich ist und lang das Wiesengras Und deine Lippen glühn. Deine glühenden Lippen zittern leicht, Wie Blumenblätter im Wind, Deine Lippen, die viel roter noch Wie die roten Blumen sind. Ich sehe die roten Blumen nicht, Ich sehe dich nur an Und küsse deinen roten Mund, Solange ich küssen kann. Du ruhst in meinem Schoße ... Die grünen Buchenblätter Schatten so schwer und dicht, Auf rotem Vorjahrslaube Spielt blau das Sonnenlicht. Du ruhst in meinem Schoße, Dein Atem geht so leis, Es fiel aus deinen Händen Der Strauß von Ehrenpreis. Der Duft aus deinem Blondhaar Berauschend mich umweht, Um meine seligen Lippen Ein stilles Lächeln geht. Ein welkes Blatt Warm sind die leisen Lüfte, Die Zweige sind blütenschwer, Unstet treibt auf dem Rasen Ein welkes Blatt einher. Aus den blühenden Veilchen Stößt es der Wind in den Sand, So war einst meine Seele Eh sie die deinige fand. Königin Alle Königskerzen werden blühen An den Rainen deinen Weg entlang, Alle Purpurdisteln werden glühen An der Straße, die dich führt dein Gang. Alle Quellen werden fröhlich springen, Wenn dein Kommen benedeit den Wald, Alle Vögel werden lustig singen, Wenn sich nahet deine Holdgestalt. Feld und Flur, sie werden herrlich prangen Und die Sonne lacht darüber hin, Wenn sie lächelnd kommt den Weg gegangen, Meine wunderschöne Königin. Der Kuckuck Der Wald ist still, der Wald ist stumm, Es bebt kein Blatt, es nickt kein Zweig, Ein Vogelruf von ferne schallt, So voll und rund, so warm und weich. Das ist der Kuckuck, der da ruft, So laut, so laut im tiefen Wald, An meine Schulter drängst du dich, Und deine Hand sucht bei mir Halt. Du bist so still, du bist so stumm, Ich höre deines Herzens Schlag, Du hältst den Atem an und zählst, Wie oft der Kuckuck rufen mag. Ich lächle deiner Kinderangst, Du meine süße Wonne du, Es blüht uns noch so mancher Mai, Der Kuckuck ruft ja immerzu. Die Rosenbüsche ... Die Rosenbüsche sind behangen Mit wunderbarer Blütenpracht, Das ist ein märchenhaftes Prangen, Mein Herz, das singt und klingt und lacht. Im weißen Kleid kommst du gegangen In einer Flut von Sonnenschein, Die Rosenbüsche schmachtend prangen, Ich sehe nur noch dich allein. Märchen Am Heidehügel geht ein Singen, Ein leises Singen her und hin, Da wiegt in einer goldenen Wiege Ihr Kind die Zwergenkönigin. Ich denke an das alte Märchen, Es liegt mein Kopf in deinem Schoß, Dein Mund singt mir ein Wiegenliedchen, Und meine Augen werden groß. Mein Herz, das ist so still und selig, Ein goldener Traum darüber fliegt, Es liegt in einer goldnen Wiege, Die langsam hin und her sich wiegt. Schwefelgelbe Blitze ... Schwefelgelbe Blitze fahren Durch die blaue Sommernacht, Knirschend sich die Buchen biegen Und es stöhnt und pfeift und kracht. Und es kracht und knirscht und donnert Und die stärkste Buche liegt Mit den Wurzeln ausgerissen Vor mir wettersturmbesiegt. Wie ein Wetter war die Stunde, Die mich brausend überwand, Als ich ohne Kraft und Willen Mich zu deinen Füßen fand. Sei still ... Es irrt ein letzter Sonnenstrahl Im grünen Eichenlaube, Sei still, sei still, der Täuber ruft, Er ruft nach seiner Taube. Es ruft ein heißes Lied in mir Und meine Augen flehen, Sei still, sei still und sieh mich an, Dann wirst du es verstehen. Schneeweiße Wetterköpfe ... Schneeweiße Wetterköpfe Lagern am Himmelsrand, Auf den gemähten Wiesen Brütet der Sonnenbrand. Aus den welkenden Gräsern Steigt ein schwerer Duft, Voll von süßen Gerüchen Ist die zitternde Luft. Langsam gehen wir beide Über das duftende Heu, Aus der blauen Höhe Ertönt eines Falken Schrei Unsere Liebe Die Weidenröschen bedecken Die Blöße mit Purpurpracht, Durch rote Tannenstämme Die goldene Sonne lacht. Der Wind treibt goldene Wellen Über den blauen See, Ein großer goldener Vogel Schwebt langsam auf zur Höh'. Wir folgen ihm mit den Augen Und sehen uns lächelnd an, So hoch wie unsere Liebe Er niemals fliegen kann. Schatten Krauser Birkenzweige Schatten Tanzen auf dem weißen Sand. Meine Augen sind voll Sehnsucht Auf die Schatten hingebannt. Deiner Locken Schatten denk ich, Die auf deiner Stirne sind, Die bei meinen Seufzern tanzen, Wie die Zweige in dem Wind. Mittagsluft Die Bienen summen im Heidekraut, Es bebt die Mittagsluft, Aus all den roten Blütchen steigt Ein voller Honigduft. Ein kleiner blauer Schmetterling Der flog auf deine Hand, Die Sonne durch den Ginsterbusch Auch deine Finger fand. Fort flog der blaue Schmetterling Der Sonnenstrahl verschwand, Und meine Lippen ruhen jetzt Auf deiner weißen Hand. Hell ist die Sonne ... Über den grünen rotblumigen Klee Tanzen die Falter, weiß wie der Schnee, Über den Feldern ist Lerchengesang, In der Ferne ist Dorfglockenklang. Rot und blau alle Feldränder blühn, Weißgestickt ist das Wiesengrün, Hell ist die Sonne und weit ist die Welt Und mein Arm dich umschlungen hält. Golden Die goldene Mittagssonne Durch zitternde Wipfel dringt, Seine goldene Wunderweise Der goldene Pfingstvogel singt. Das goldene Lied von der Liebe, Von goldenem Glücke den Sang, Von alten, goldenen Zeiten Den alten, goldenen Klang. Ich sehe die Zukunft leuchten Golden und wunderbar Und küsse mit bebenden Lippen Dein goldenes Nackenhaar. Rote Gluten Die Sonne taucht in rote Gluten Und goldenes Leuchten Wald und Feld, Dein Haupt ruht eng an meiner Schulter, Mein Arm dich fest umschlungen hält. Es brechen lauter goldene Lichter Und rote Flammen aus dem Wald, Du schaust hinein mit großen Augen Und suchst an meinem Herzen Halt. Die letzten Gluten sind verglommen, Vorüber ist die Abendpracht, Es kündete das Flammen und Glühen Uns eine goldene Sonnennacht. Mohnblumen Mit roten Feldmohnblüten Hatt' ich dein Haar geschmückt, Die roten Blumenblätter Die sind nun alle zerdrückt. Du bist zu mir gekommen Beim Abendsonnenschein, Und als die Nacht hereinbrach, Da ließest du mich allein. Ich höre die Stille rauschen Und sehe die Dunkelheit sprühn, Vor meinen träumenden Augen Purpurne Mohnblumen blühn.