[1.] Palmström Palmström steht an einem Teiche und entfaltet groß ein rotes Taschentuch: Auf dem Tuch ist eine Eiche dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch. Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen – er gehört zu jenen Käuzen, die oft unvermittelt-nackt Ehrfurcht vor dem Schönen packt. Zärtlich faltet er zusammen, was er eben erst entbreitet. Und kein Fühlender wird ihn verdammen, weil er ungeschneuzt entschreitet. Das böhmische Dorf Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf, in ein sogenanntes Böhmisches Dorf. Unverständlich bleibt ihm alles dort, von dem ersten bis zum letzten Wort. Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen ihn begleitet) ist um Rat verlegen. Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück. Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück. Und er schreibt in seine Wochenchronik: Wieder ein Erlebnis, voll von Honig! Nach Norden Palmström ist nervös geworden; darum schläft er jetzt nach Norden. Denn nach Osten, Westen, Süden schlafen, heißt das Herz ermüden. (Wenn man nämlich in Europen lebt, nicht südlich in den Tropen.) Solches steht bei zwei Gelehrten, die auch Dickens schon bekehrten – und erklärt sich aus dem steten Magnetismus des Planeten. Palmström also heilt sich örtlich, nimmt sein Bett und stellt es nördlich. Und im Traum, in einigen Fällen, hört er den Polarfuchs bellen. Westöstlich Als er dies v. Korf erzählt, fühlt sich dieser leicht gequält; denn für ihn ist Selbstverstehung, daß man mit der Erdumdrehung schlafen müsse, mit den Pfosten seines Körpers strikt nach Osten. Und so scherzt er kaustisch-köstlich: Nein, mein Diwan bleibt – westöstlich! Bildhauerisches Palmström haut aus seinen Federbetten, sozusagen, Marmorimpressionen: Götter, Menschen, Bestien und Dämonen. Aus dem Stegreif faßt er in die Daunen des Plumeaus und springt zurück, zu prüfen, leuchterschwingend, seine Schöpferlaunen. Und im Spiel der Lichter und der Schatten schaut er Zeuse, Ritter und Mulatten, Tigerköpfe, Putten und Madonnen ... träumt: wenn Bildner all dies wirklich schüfen, würden sie den Ruhm des Alters retten, würden Rom und Hellas übersonnen! Die Kugeln Palmström nimmt Papier aus seinem Schube. Und verteilt es kunstvoll in der Stube. Und nachdem er Kugeln draus gemacht. Und verteilt es kunstvoll, und zur Nacht. Und verteilt die Kugeln so (zur Nacht), daß er, wenn er plötzlich nachts erwacht, daß er, wenn er nachts erwacht, die Kugeln knistern hört und ihn ein heimlich Grugeln packt (daß ihn dann nachts ein heimlich Grugeln packt) beim Spuk der packpapiernen Kugeln ... Lärmschutz Palmström liebt sich in Geräusch zu wickeln, teils zur Abwehr wider fremde Lärme, teils um sich vor drittem Ohr zu schirmen. Und so läßt er sich um seine Zimmer Wasserröhren legen, welche brausen. Und ergeht sich, so behütet, oft in stundenlangen Monologen, stunden– langen Monologen, gleich dem Redner von Athen, der in die Brandung brüllte, gleich Demosthenes am Strand des Meeres. Der vorgeschlafene Heilschlaf Palmström schläft vor zwölf Experten den berühmten Schlaf vor Mitternacht, seine Heilkraft zu erhärten. Als er, da es zwölf, erwacht, sind die zwölf Experten sämtlich müde. Er allein ist frisch wie eine junge Rüde! Zukunftssorgen Korf, den Ahnung leicht erschreckt, sieht den Himmel schon bedeckt von Ballonen jeder Größe und verfertigt ganze Stöße von Entwürfen zu Statuten eines Klubs zur resoluten Wahrung der gedachten Zone vor der Willkür der Ballone. Doch er ahnt schon, ach, beim Schreiben seinen Klub im Rückstand bleiben: dämmrig, dünkt ihn, wird die Luft und die Landschaft Grab und Gruft. Er begibt sich drum der Feder, steckt das Licht an (wie dann jeder), tritt damit bei Palmström ein, und so sitzen sie zu zwein. Endlich, nach vier langen Stunden, ist der Albdruck überwunden. Palmström bricht zuerst den Bann: Korf, so spricht er, sei ein Mann! Du vergreifst dich im Jahrzehnt: Noch wird all das erst ersehnt, was, vom Geist dir vorgegaukelt, heut dein Haupt schon überschaukelt. Korf entrafft sich dem Gesicht. Niemand fliegt im goldnen Licht! Er verlöscht die Kerze schweigend. Doch dann, auf die Sonne zeigend, spricht er: Wenn nicht jetzt, so einst – kommt es, daß du nicht mehr scheinst, wenigstens nicht uns, den – grausend sag ich's –: Unteren Zehntausend! ... Wieder sitzt v. Korf danach stumm in seinem Schreibgemach und entwirft Statuten eines Klubs zum Schutz des Sonnenscheines. Das Warenhaus Palmström kann nicht ohne Post leben: Sie ist seiner Tage Kost. Täglich dreimal ist er ganz Spannung. Täglich ist's der gleiche Tanz: Selten hört er einen Brief plumpen in den Kasten breit und tief. Düster schilt er auf den Mann, welcher, wie man weiß, nichts dafür kann. Endlich kommt er drauf zurück: auf das: »Warenhaus für Kleines Glück«. Und bestellt dort, frisch vom Rost, (quasi): ein Quartal – »Gemischte Post«! Und nun kommt von früh bis spät Post von aller Art und Qualität. Jedermann teilt sich ihm mit, brieflich, denkt an ihn auf Schritt und Tritt. Palmström sieht sich in die Welt plötzlich überall hineingestellt ... Und ihm wird schon wirr und weh ... Doch es ist ja nur das – »W.K.G.« Bona Fide Palmström geht durch eine fremde Stadt ... Lieber Gott, so denkt er, welch ein Regen! Und er spannt den Schirm auf, den er hat. Doch am Himmel tut sich nichts bewegen, und kein Windhauch rührt ein Blatt. Gleichwohl darf man jenen Argwohn hegen. Denn das Pflaster, über das er wandelt, ist vom Magistrat voll List – gesprenkelt. Bona fide hat der Gast gehandelt. Sprachstudien Korf und Palmström nehmen Lektionen, um das Wetter-Wendische zu lernen. Täglich pilgern sie zu den modernen Ollendorffschen Sprachlehrgrammophonen. Dort nun lassen sie mit vielen andern, welche gleichfalls steile Charaktere, (gleich als ob's ein Ziel für Edle wäre), sich im Wetter-Wendischen bewandern. Dies Idiom behebt den Geist der Schwere, macht sie unstet, launisch und cholerisch ... Doch die Sache bleibt nur peripherisch. Und sie werden wieder – Charaktere. Theater Palmström denkt sich Dieses aus: Ein quadratisch Bühnenhaus, mit (v. Korf begreift es kaum) drehbarem Zuschauerraum. Viermal wechselt Dichters Welt, viermal wirst du umgestellt. Auf vier Bühnen tief und breit schaust du basse Wirklichkeit. Denn in dieser Quadratur, wo pro Jahr ein Drama nur, wird natürlich jeder Akt höchst veristisch angepackt. Mauern siehst du da von Stein, Bäche murmeln quick und rein, Erdreich riechst du schlecht und recht, Gras und Baum blühn wurzelecht. Alles steht hier für ein Jahr und ist deshalb wirklich wahr. Palmström macht sich ein Modell: formt aus Rauschgold einen Quell und aus Schächtelchen ein Dorf ... und verehrt das Ganze Korf. Im Tierkostüm Palmström liebt es, Tiere nachzuahmen, und erzieht zwei junge Schneider lediglich auf Tierkostüme. So z.B. hockt er gern als Rabe auf dem oberen Aste einer Eiche und beobachtet den Himmel. Häufig auch als Bernhardiner legt er zottigen Kopf auf tapfere Pfoten, bellt im Schlaf und träumt gerettete Wanderer. Oder spinnt ein Netz in seinem Garten aus Spagat und sitzt als eine Spinne tagelang in dessen Mitte. Oder schwimmt, ein glotzgeäugter Karpfen, rund um die Fontäne seines Teiches und erlaubt den Kindern ihn zu füttern. Oder hängt sich im Kostüm des Storches unter eines Luftschiffs Gondel und verreist so nach Ägypten. Die Tagnachtlampe Korf erfindet eine Tagnachtlampe, die, sobald sie angedreht, selbst den hellsten Tag in Nacht verwandelt. Als er sie vor des Kongresses Rampe demonstriert, vermag niemand, der sein Fach versteht, zu verkennen, daß es sich hier handelt – (Finster wird's am hellerlichten Tag, und ein Beifallssturm das Haus durchweht) (Und man ruft dem Diener Mampe: »Licht anzünden!«) – daß es sich hier handelt um das Faktum: daß gedachte Lampe, in der Tat, wenn angedreht, selbst den hellsten Tag in Nacht verwandelt. Die Korfsche Uhr Korf erfindet eine Uhr, die mit zwei Paar Zeigern kreist und damit nach vorn nicht nur, sondern auch nach rückwärts weist. Zeigt sie zwei, somit auch zehn; zeigt sie drei, somit auch neun; und man braucht nur hinzusehn, um die Zeit nicht mehr zu scheun. Denn auf dieser Uhr von Korfen, mit dem janushaften Lauf, (dazu ward sie so entworfen): hebt die Zeit sich selber auf. Palmströms Uhr Palmströms Uhr ist andrer Art, reagiert mimosisch zart. Wer sie bittet, wird empfangen. Oft schon ist sie so gegangen, wie man herzlich sie gebeten, ist zurück – und vorgetreten, eine Stunde, zwei, drei Stunden, je nachdem sie mitempfunden. Selbst als Uhr, mit ihren Zeiten, will sie nicht Prinzipien reiten: Zwar ein Werk, wie allerwärts, doch zugleich ein Werk – mit Herz. Die Geruchs-Orgel Palmström baut sich eine Geruchs-Orgel und spielt drauf v. Korfs Nießwurz-Sonate. Diese beginnt mit Alpenkräuter-Triolen und erfreut durch eine Akazien-Arie. Doch im Scherzo, plötzlich und unerwartet, zwischen Tuberosen und Eukalyptus, folgen die drei berühmten Nießwurz-Stellen, welche der Sonate den Namen geben. Palmström fällt bei diesen Ha-Cis-Synkopen jedesmal beinahe vom Sessel, während Korf daheim, am sichern Schreibtisch sitzend, Opus hinter Opus aufs Papier wirft ... Der Aromat Angeregt durch Korfs Geruchs-Sonaten, gründen Freunde einen »Aromaten«. Einen Raum, in welchem, kurz gesprochen, nicht geschluckt wird, sondern nur gerochen. Gegen Einwurf kleiner Münzen treten aus der Wand balsamische Trompeten, die den Gästen in geblähte Nasen, was sie wünschen, leicht und lustig blasen. Und zugleich erscheint auf einem Schild des Gerichtes wohlgetroffnes Bild Viele Hunderte, um nicht zu lügen, speisen nun erst wirklich mit Vergnügen. Die unmögliche Tatsache Palmström, etwas schon an Jahren, wird an einer Straßenbeuge und von einem Kraftfahrzeuge überfahren. Wie war (spricht er, sich erhebend und entschlossen weiterlebend) möglich, wie dies Unglück, ja –: daß es überhaupt geschah? Ist die Staatskunst anzuklagen in Bezug auf Kraftfahrwagen? Gab die Polizeivorschrift hier dem Fahrer freie Trift? Oder war vielmehr verboten hier Lebendige zu Toten umzuwandeln – kurz und schlicht: Durfte hier der Kutscher nicht –? Eingehüllt in feuchte Tücher, prüft er die Gesetzesbücher und ist alsobald im klaren: Wagen durften dort nicht fahren! Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Behörde Korf erhält vom Polizeibüro ein geharnischt Formular, wer er sei und wie und wo, welchen Orts er bis anheute war, welchen Stands und überhaupt, wo geboren, Tag und Jahr. Ob ihm überhaupt erlaubt, hier zu leben und zu welchem Zweck, wieviel Geld er hat und was er glaubt. Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck in Arrest verführen würde, und drunter steht: Borowsky, Heck. Korf erwidert darauf kurz und rund: »Einer hohen Direktion stellt sich, laut persönlichem Befund, untig angefertigte Person als nichtexistent im Eigen-Sinn bürgerlicher Konvention vor und aus und zeichnet, wennschonhin mitbedauernd nebigen Betreff, Korf . (An die Bezirksbehörde in – ).« Staunend liest's der anbetroffne Chef. Die Mausefalle 1. Palmström hat nicht Speck im Haus dahingegen eine Maus. Korf, bewegt von seinem Jammer, baut ihm eine Gitterkammer. Und mit einer Geige fein setzt er seinen Freund hinein. Nacht ist's und die Sterne funkeln. Palmström musiziert im Dunkeln. Und derweil er konzertiert, kommt die Maus hereinspaziert. Hinter ihr, geheimer Weise, fällt die Pforte leicht und leise. Vor ihr sinkt in Schlaf alsbald Palmströms schweigende Gestalt. 2. Morgens kommt v. Korf und lädt das so nützliche Gerät in den nächsten, sozusagen, mittelgroßen Möbelwagen, den ein starkes Roß beschwingt nach der fernen Waldung bringt, wo in tiefer Einsamkeit er das seltne Paar befreit. Erst spaziert die Maus heraus, und dann Palmström, nach der Maus. Froh genießt das Tier der neuen Heimat, ohne sich zu scheuen. Während Palmström, glückverklärt, mit v. Korf nach Hause fährt. Die weggeworfene Flinte Palmström findet eines Abends, als er zwischen hohem Korn singend schweift, eine Flinte. Trauernd bricht er seinen Hymnus ab und setzt sich in den Mohn, seinen Fund zu betrachten. Innig stellt er den Verzagten, der ins Korn sie warf, sich vor und beklagt ihn von Herzen. Mohn und Ähren und Cyanen windet seine Hand derweil still um Lauf, Hahn und Kolben ... Und er lehnt den so bekränzten Stutzen an den Kreuzwegstein, hoffend zart, daß der Zage, noch einmal des Weges kommend, ihn erblicken möge – und – (.. Seht den Mond groß im Osten..) Korfs Verzauberung Korf erfährt von einer fernen Base, einer Zauberin, die aus Kräuterschaum Planeten blase, und er eilt dahin, eilt dahin gen Odelidelase, zu der Zauberin ... findet wandelnd sie auf ihrer Wiese, fragt sie, ob sie sei, die aus Kräuterschaum Planeten bliese, ob sie sei die Fei, sei die Fei von Odeladelise? Ja, sie sei die Fei! Und sie reicht ihm willig Krug und Ähre, und er bläst den Schaum, und sie da, die wunderschönste Sphäre wölbt sich in den Raum, wölbt sich auf, als ob's ein Weltball wäre, nicht nur Schaum und Traum. Und die Kugel löst sich los vom Halme, schwebt gelind empor, dreht sich um und mischt dem Sphärenpsalme, mischt dem Sphärenchor Töne, wie aus ferner Hirtenschalme dringen sanft hervor. In dem Spiegel aber ihrer Runde schaut v. Korf beglückt, was ihm je in jeder guten Stunde durch den Sinn gerückt: Seine Welt erblickt mit offnem Munde Korf entzückt. Und er nennt die Base seine Muse, und sieh da! sieh dort! Es erfaßt ihn was an seiner Bluse und entführt ihn fort, führt ihn fort aus Odeladeluse nach dem neuen Ort ... Professor Palmström Irgendwo im Lande gibt es meist einen Staat, von dem, was sich an Geist irgendwo befindet und erweist, doch noch nirgendwo Professor heißt, eben zum Professor wird gemacht, wie von wem, der unaufhörlich wacht, ob er auch jeder Seele wird gedacht, die der Menschheit Glück und Heil gebracht. Solch ein Staat und solch ein Fürst, o denkt, hat auch Palmströms Los zum Licht gelenkt, hat ihm den Professorrang geschenkt und das Kreuz für Kunst ihm umgehenkt. Palmström gibt das Kreuz für Kunst zurück; denn er trägt kein solches Kleidungsstück. Den Professor nicht; denn man versteht: Als Professor gilt erst ein Prophet. Muhme Kunkel Palma Kunkel ist mit Palm verwandt, doch im übrigen sonst nicht bekannt. Und sie wünscht auch nicht bekannt zu sein, lebt am liebsten ganz für sich allein. Über Muhme Palma Kunkel drum bleibt auch der Chronist vollkommen stumm. Nur wo selbst sie aus dem Dunkel tritt, teilt er dies ihr Treten treulich mit. Doch sie trat bis jetzt noch nicht ans Licht, und sie will es auch in Zukunft nicht. Schon daß hier ihr Name lautbar ward, widerspricht vollkommen ihrer Art. Der Papagei Palma Kunkels Papagei spekuliert nicht auf Applaus: niemals, was auch immer sei, spricht er seine Wörter aus. Deren Zahl ist ohne Zahl: denn er ist das klügste Tier, das man je zum Kauf empfahl, und der Zucht vollkommne Zier. Doch indem er streng dich mißt, scheint sein Zungenglied verdorrt: gleichviel, wer du immer bist, er verrät dir nicht ein Wort. »Lore« Wie heißt der Papagei? wird mancher fragen. Doch nie wird jemand jemandem dies sagen. Er ward einmal mit »Lore« angesprochen – und fiel darauf in Wehmut viele Wochen. Er ward erst wieder voll und ganz gesund durch einen Freund: Fritz Kunkels jungen Hund. Lorus Fritz Kunkels Pudel ward, noch ungetauft, von einem Stiefmilchbruder Korfs gekauft. Es trieb ihn, als er, hilfreich von Natur, der sogenannten »Lore« Leid erfuhr, sogleich zu ihr: worauf er, der nicht hieß, sich ihr zum Troste »Lor us « taufen ließ: den Namen also gleichsam auf sich nehmend – und alle Welt durch diese Tat beschämend! Korf selbst vollzog den Taufakt unverweilt. Der Vogel aber war fortan geheilt. Wort-Kunst Palma Kunkel spricht auch. O gewiß. Freilich nicht wie Volk der Finsternis. Nicht von Worten kollernd wie ein Bronnen, niemals nachwärts-, immer vorbesonnen. Völlig fremd den hilflos vielen Schällen, fragt sie nur in wirklich großen Fällen. Fragt den Zwergen niemals, nur den Riesen, und auch nicht, wie es ihm gehe, diesen. Nicht vom Wetter spricht sie, nicht vom Schneider, höchstens von den Grundproblemen beider. Und so bleibt sie jung und unverbraucht, weil ihr Odem nicht wie Dunst verraucht. Zäzilie Zäzilie soll die Fenster putzen, sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen. Durch meine Fenster muß man, spricht die Frau, so durchsehn können, daß man nicht genau erkennen kann, ob dieser Fenster Glas Glas oder bloße Luft ist. Merk dir das. Zäzilie ringt mit allen Menschen-Waffen ... Doch Ähnlichkeit mit Luft ist nicht zu schaffen. Zuletzt ermannt sie sich mit einem Schrei – und schlägt die Fenster allesamt entzwei! Dann säubert sie die Rahmen von den Resten, und ohne Zweifel ist es so am besten. Sogar die Dame spricht, zunächst verdutzt: So hat Zäzilie ja noch nie geputzt. Doch alsobald ersieht man, was geschehn, und spricht einstimmig: Diese Magd muß gehn. Korf und Palmström wetteifern in Notturnos Die Priesterin Nachdenklich nickt im Dämmer die Pagode ... Daneben tritt aus ihres Hauses Pforte T'ang-ku-ei-i, die Hüterin der Orte vom krausen Leben und vom grausen Tode. Aus ihrem Munde hängt die Mondschein-Ode Tang-Wangs, des Kaisers, mit geblümter Borte, in ihren Händen trägt sie eine Torte, gekrönt von einer winzigen Kommode. So wandelt sie die sieben ängstlich schmalen aus Flötenholz geschwungnen Tempelbrücken zum Grabe des vom Mond erschlagnen Hundes – und brockt den Kuchen in die Opferschalen – und lockt den Mond, sich auf den Schrein zu bücken, und reicht ihm ihr Gedicht gespitzten Mundes ... v.K. Der Rock Der Rock, am Tage angehabt, er ruht zur Nacht sich schweigend aus; durch seine hohlen Ärmel trabt die Maus. Durch seine hohlen Ärmel trabt gespenstisch auf und ab die Maus ... Der Rock, am Tage angehabt, er ruht zur Nacht sich aus. Er ruht, am Tage angehabt, im Schoß der Nacht sich schweigend aus, er ruht, von seiner Maus durchtrabt, sich aus. P. [2.] Der Wasseresel und anderes Der Wasseresel Der Wasseresel taucht empor und legt sich rücklings auf das Moor. Und ordnet künstlich sein Gebein, im Hinblick auf den Mondenschein: So daß der Mond ein Ornament auf seines Bauches Wölbung brennt ... Mit diesem Ornamente naht er sich der Fingur Wasserstaat. Und wird von dieser, rings beneidet, mit einem Doktorhut bekleidet. Als Lehrer list er nun am Pult, wie man durch Geist, Licht und Geduld, verschönern könne, was sonst nicht in allem dem Geschmack entspricht. Er stellt zuletzt mit viel Humor sich selbst als lehrreich Beispiel vor. »Einst war ich meiner Dummheit Beute«, so spricht er – »und was bin ich heute? Ein Kunstwerk der Kulturbegierde, des Waldes Stolz, des Weihers Zierde! Seht her, ich bing euch in Person das Kunsthandwerk als Religion.« Das Perlhuhn Das Perlhuhn zählt: eins, zwei, drei, vier ... Was zählt es wohl, das gute Tier, dort unter den dunklen Erlen? Es zählt, von Wissensdrang gejückt, (die es sowohl wie uns entzückt): die Anzahl seiner Perlen. Das Einhorn Das Einhorn lebt von Ort zu Ort nur noch als Wirtshaus fort. Man geht hinein zur Abendstund und sitzt den Stammtisch rund. Wer weiß! Nach Jahr und Tag sind wir auch ganz wie jenes Tier Hotels nur noch, darin man speist – (so völlig wurden wir zu Geist). Im »Goldnen Menschen« sitzt man dann und sagt sein Solo an ... Die Nähe Die Nähe ging verträumt umher ... Sie kam nie zu den Dingen selber. Ihr Antlitz wurde gelb und gelber, und ihren Leib ergriff die Zehr. Doch eines Nachts, derweil sie schlief, da trat wer an ihr Bette hin und sprach: »Steh auf, mein Kind, ich bin der kategorische Komparativ! Ich werde dich zum Näher steigern, ja, wenn du willst, zur Näherin!« – Die Nähe, ohne sich zu weigern, sie nahm auch dies als Schicksal hin. Als Näherin jedoch vergaß sie leider völlig, was sie wollte, und nähte Putz und hieß Frau Nolte und hielt all Obiges für Spaß. Der Salm Ein Rheinsalm schwamm den Rhein bis in die Schweiz hinein. Und sprang den Oberlauf von Fall zu Fall hinauf. Er war schon weißgottwo, doch eines Tages – oh! – da kam er an ein Wehr: das maß zwölf Fuß und mehr! Zehn Fuß – die sprang er gut! Doch hier zerbrach sein Mut. Drei Wochen stand der Salm am Fuß der Wasser-Alm. Und kehrte schließlich stumm nach Deutsch- und Holland um. Die Elster Ein Bach, mit Namen Elster, rinnt durch Nacht und Nebel und besinnt inmitten dieser stillen Handlung sich seiner einstigen Verwandlung, die ihm vor mehr als tausend Jahren von einem Magier widerfahren. Und wie so Nacht und Nebel weben, erwacht in ihm das alte Leben. Er fährt in eine in der Nähe zufällig eingeschlafne Krähe und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt, wie dermaleinst als Vogel fort. Anfrage Der Ichthyologe Berthold Schrauben will Umiges dem Autor glauben. Er kennt dergleichen aus Oviden, doch eines raubt ihm seinen Frieden: Wo nämlich, fragt er, bleibt die Stelle der Fischwelt obbenannter Quelle. Verkörpert sie sich mit zum Raben – oder verbleibt sie tot im Graben? Persönlich sei er für das Erste, dem Zweiten aber sei die mehrste Wahrscheinlichkeit zu geben, da, als seinerzeit die Tat geschah, die Pica von dem mächtigen Feinde in einen ohne Fischgemeinde zunächst gedachten Wasserlauf verwandelt worden sei, worauf erst später jene, teils durch Neben– gewässer, teils durch Menschenstreben, als übliche Bewohnersphäre ihm eingegliedert worden wäre. Es sei für einen Fall wie diesen, von Nennwert, nicht unangewiesen, wenn er, empfänd man's gleich als Bürde, bis auf den Grund durchleuchtet würde. Antwort (i.A.) »Sehr geehrter Herr! Gestatten Sie der Gattin meines Gatten seine Antwort mitzuteilen. Er beglückwünscht sich zu solchen Äußerungen, die gleich Dolchen seiner Werke Brust durchwühlen. Doch er ist zurzeit verhindert. Nämlich (was den Vorwurf mindert) durch Verfolgung jenes Falles – statt nach rückwärts, wie Sie streben, vorwärts: in das neue Leben unsrer trefflichen Schalalster! (Ach, mein Herr, ich wünsch es keinem.) Folgender ›Entwurf zu einem bürgerlichen Trauerspiele‹ gibt dem Ganzen eine Wende, die uns, wie Sie (und wohl viele) nicht ganz ungleichmütig fühlen werden, lehrt, wie doch noch alles recht in Blindheit lebt. Derweilen, und mit Dank und Grüßen (falls der Anteil an der Fisch-Allmende wirklich echt in Ihren Zeilen!) Ihre X. – Ich bin zu Ende.« Entwurf zu einem Trauerspiel Ein Fluß, namens Elster, besinnt sich auf seine wahre Gestalt und fliegt eines Abends einfach weg. Ein Mann, namens Anton, erblickt ihn auf seinem Acker und schießt ihn mit seiner Flinte einfach tot. Das Tier, namens Elster, bereut zu spät seine selbstische Tat; (denn – Wassersnot tritt einfach ein). Der Mann, namens Anton, (und das ist leider kein Wunder) weiß von seiner Mitschuld einfach nichts. Der Mann, namens Anton, (und das versöhnt in einigem Maß), verdurstet gleichwohl einfach auch. Das Butterbrotpapier Ein Butterbrotpapier im Wald, da es beschneit wird, fühlt sich kalt ... In seiner Angst, wiewohl es nie an Denken vorher irgendwie gedacht, natürlich, als ein Ding aus Lumpen usw., fing, aus Angst, so sagte ich, fing an zu denken, fing, hob an, begann zu denken, denkt euch, was das heißt, bekam (aus Angst, so sagt' ich) – Geist, und zwar, versteht sich, nicht bloß so vom Himmel droben irgendwo, vielmehr infolge einer ganz exakt entstandnen Hirnsubstanz – die aus Holz, Eiweiß, Mehl und Schmer, (durch Angst), mit Überspringung der sonst üblichen Weltalter, an ihm Boden und Gefäß gewann – [(mit Überspringung) in und an ihm Boden und Gefäß gewann.] Mithilfe dieser Hilfe nun entschloß sich das Papier zum Tun, zum Leben, zum – gleichviel, es fing zu gehn an – wie ein Schmetterling ... zu kriechen erst, zu fliegen drauf, bis übers Unterholz hinauf, dann über die Chaussee und quer und kreuz und links und hin und her – wie eben solch ein Tier zur Welt (je nach dem Wind) (und sonst) sich stellt. Doch, Freunde! werdet bleich gleich mir! –: Ein Vogel, dick und ganz voll Gier, erblickt's (wir sind im Januar ...) – und schickt sich an, mit Haut und Haar – und schickt sich an, mit Haar und Haut – (wer mag da endigen!) (mir graut) – (Bedenkt, was alles nötig war!) – und schickt sich an, mit Haut und Haar – – ein Butterbrotpapier im Wald gewinnt – aus Angst – Naturgestalt ... Genug!! Der wilde Specht verschluckt das unersetzliche Produkt ... [3.] Zeitgedichte Der Ästhet Wenn ich sitze, will ich nicht sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte, sondern wie mein Sitz-Geist sich, säße er, den Stuhl sich flöchte. Der jedoch bedarf nicht viel, schätzt am Stuhl allein den Stil, überläßt den Zweck des Möbels ohne Grimm der Gier des Pöbels. Die Oste Er ersann zur Weste eines Nachts die Oste! sprach: »Was es auch koste!« – sprach (mit großer Geste): »Laßt uns auch von hinten seidne Hyazinthen samt Karfunkelknöpfen unsern Rumpf umkröpfen! Nicht nur auf dem Magen laßt uns Uhren tragen, nicht nur überm Herzen unsre Sparsesterzen! Fort mit dem betreßten Privileg der Westen! Gleichheit allerstücken! Osten für den Rücken!« Und sieh da, kein Schneider sagte hierzu: Leider –! Hunderttausend Scheren sah man Stoffe queren ... Ungezählte Posten wurden schönster Osten noch vor seinem Tode »letzter Schrei« der Mode. Die Schuhe Man sieht sehr häufig unrecht tun, doch selten öfter als den Schuhn. Man weiß, daß sie nach ewgen Normen die Form der Füße treu umformen. Die Sohlen scheinen auszuschweifen, bis sie am Ballen sich begreifen. Ein jeder merkt: es ist ein Paar. Nur Mägden wird dies niemals klar. Sie setzen Stiefel (wo auch immer) einander abgekehrt vors Zimmer. Was müssen solche Schuhe leiden! Sie sind so fleißig, so bescheiden; sie wollen nichts auf dieser Welt, als daß man sie zusammen stellt, nicht auseinanderstrebend wie das unvernünftig blöde Vieh! O Ihr Marie, Sophie, Therese – der Satan wird euch einst, der böse, die Stiefel anziehn, wenn es heißt, hinweg zu gehn als seliger Geist! Dann werdet ihr voll Wehgeheule das Schicksal teilen jener Eule, die, als zwei Hasen nach sie flog, und plötzlich jeder seitwärts bog, der eine links, der andre rechts, zerriß (im Eifer des Gefechts)! Wie Puppen, mitten durchgesägte, so werdet ihr alsdann, ihr Mägde, bei Engeln halb und halb bei Teufeln von niegestillten Tränen träufeln, der Hölle ein willkommner Spott und peinlich selbst dem lieben Gott. Die Zeit Es gibt ein sehr probates Mittel, die Zeit zu halten am Schlawittel: Man nimmt die Taschenuhr zur Hand und folgt dem Zeiger unverwandt, Sie geht so langsam dann, so brav als wie ein wohlgezogen Schaf, setzt Fuß vor Fuß so voll Manier als wie ein Fräulein von Saint-Cyr. Jedoch verträumst du dich ein Weilchen, so rückt das züchtigliche Veilchen mit Beinen wie der Vogel Strauß und heimlich wie ein Puma aus. Und wieder siehst du auf sie nieder; ha, Elende! – Doch was ist das? Unschuldig lächelnd macht sie wieder die zierlichsten Sekunden-Pas. Die Lämmerwolke Es blökt eine Lämmerwolke am blauen Firmament, sie blökt nach ihrem Volke, das sich von ihr getrennt. Zu Bomst das Luftschiff »Gunther« vernimmt's und fährt empor und bringt die Gute herunter, die, ach, so viel verlor. Bei Bomst wohl auf der Weide, da schwebt sie nun voll Dank, drei Jungfraun in weißem Kleide, die bringen ihr Speis und Trank. Doch als der Morgen gekommen, der nächste Morgen bei Bomst, da war sie nach Schrimm verschwommen, wohin du von Bomst aus kommst ... Die Stationen Überall, auf allen Stationen ruft der Mensch den Namen der Station, überall, wo Bahnbeamte wohnen, schallt es Köpnick oder Iserlohn. Wohl der Stadt, die Gott tut so belohnen: Nicht im Stein nur lebt sie, auch im Ton! Täglich vielmals wird sie laut verkündet und dem Hirn des Passagiers verbündet. Selbst des Nachts, wo sonst nur Diebe munkeln, hört man: Kötzschenbroda, Schrimm, Kamenz, sieht man Augen, Knöpfe, Fenster funkeln; kein Statiönchen ist so klein – man nennt's! Prenzlau, Bunzlau kennt man selbst im Dunkeln dank des Dampfs verbindender Tendenz. Nur die Dörfer seitwärts liegen stille ... Doch getrost, auch dies ist Gottes Wille. St. Expeditus 1. Einem Kloster, voll von Nonnen, waren Menschen wohlgesonnen. Und sie schickten, gute Christen, ihm nach Rom die schönsten Kisten: Äpfel, Birnen, Kuchen, Socken, eine Spieluhr, kleine Glocken, Gartenwerkzeug, Schuhe, Schürzen ... Außen aber stand: Nicht stürzen! Oder: Vorsicht! oder welche wiesen schwarzgemalte Kelche. Und auf jeder Kiste stand »Espedito«, kurzerhand. Unsre Nonnen, die nicht wußten, wem sie dafür danken mußten, denn das Gut kam anonym, dankten vorderhand nur IHM, rieten aber doch ohn Ende nach dem Sender solcher Spende. Plötzlich rief die Schwester Pia eines Morgens: Santa mia! Nicht von Juden, nicht von Christen stammen diese Wunderkisten – Expeditus, o Geschwister, heißt er, und ein Heiliger ist er! Und sie fielen auf die Kniee. Und der Heilige sprach: Siehe! Endlich habt ihr mich erkannt. Und nun malt mich an die Wand! Und sie ließen einen kommen, einen Maler, einen frommen. Und es malte der Artiste Expeditum mit der Kiste. Und der Kult gewann an Breite. Jeder, der beschenkt ward, weihte kleine Tafeln ihm und Kerzen. Kurz, er war in aller Herzen. 2. Da auf einmal, neunzehnhundert- fünf, vernimmt die Welt verwundert, daß die Kirche diesen Mann fürder nicht mehr dulden kann. Grausam schallt von Rom es her: Expeditus ist nicht mehr! Und da seine lieben Nonnen längst dem Erdental entronnen, steht er da und sieht sich um – und die ganze Welt bleibt stumm. Ich allein hier hoch im Norden fühle mich von seinem Orden, und mein Ketzergriffel schreibt: Sanctus Expeditus – bleibt. Und weil jenes nichts mehr gilt, male ich hier neu sein Bild: – Expeditum, den Gesandten, grüß ich hier, des Unbekannten. Expeditum, ihn, den Heiligen, mit den Füßen, den viel eiligen, mit den milden, weißen Haaren und dem fröhlichen Gebaren, mit den Augen braun, voll Güte, und mit einer großen Düte, die den überraschten Kindern strebt ihr spärlich Los zu lindern. Einen güldnen Heiligenschein geb ich ihm noch obendrein, den sein Lächeln um ihn breitet, wenn er durch die Lande schreitet. Und um ihn in Engelswonnen stell ich seine treuen Nonnen: Mägdlein aus Italiens Auen, himmlisch lieblich anzuschauen. Eine aber macht, fürwahr, eine lange Nase gar. Just ins »Bronzne Tor« hinein spannt sie ihr klein Fingerlein. Oben aber aus dem Himmel quillt der Heiligen Gewimmel, und holdselig singt Maria: Santo Espedito – sia! Ein modernes Märchen 1. Früchte der Bildung Schränke öffnen sich allein, Schränke klaffen auf und spein Fräcke, Hosen aus und Kleider, nebst den Attributen beider. Und sie wandeln in den Raum, wie ein sonderbarer Traum, wehen hin und her und schreiten ganz wie zu benutzten Zeiten. Auf den Sofas, auf den Truhn sieht man sitzen sie und ruhn, auf den Sesseln, an den Tischen am Kamin und in den Nischen. Seltsam sind sie anzuschaun, kopflos, handlos, Männer, Fraun; doch mit Recht verwundert jeden, daß sie nicht ein Wörtlein reden. Dieser Frack und jener Rock, beide schweigen wie ein Stock, lehnen ab, wie einst im Märchen, sich zu rufen Franz und Klärchen. Ohne Mund entsteht kein Ton, lernten sie als Kinder schon: Und so reden Wams und Weste lediglich in stummer Geste. Ein Uhr schlägt's, die Schränke schrein: Kommt, und mög euch Gott verzeihn! Krachend fliegen zu die Flügel, und – nur eins hängt nicht am Bügel! 2. Not lehrt beten Eine Spitzenbluse nämlich, oh, entsetzlich und beschämlich, hat sich bei der wilden Jagd, wilden Heimjagd der Gespenster – eine Spitzenbluse nämlich hat sich bei der Jagd am Fenster– haken heillos festgehakt. Kalt bescheint der Mond die krause Dulderin im dunklen Hause, die vom Fenster fortstrebt, wie wer da fliehen will im Traume, doch kein Schrittchen rückt im Raume, grell bescheint der Mond die grause krasse, krause Szenerie ... Da erscheint vom Nebenzimmer, angelockt durch ihr Gewimmer: denn sie schrie! die Bluse schrie ! da erscheint vom Nebenzimmer, hergelockt durch ihr Gewimmer, schwebt herein vom Nebenzimmer, schlafgeschloßnen Auges – SIE. Und sie hakt das arme Wesen – hakt es ohne Federlesen los und hängt es ans Regal; schwebt dann wieder heim ins Neben- zimmer, schwebt, wie eben Wesen, die im Schlafe wandeln, schweben, schwebt so wieder dann ins Neben- zimmer heim und heim zum Herrn Gemahl.