Lieder aus dem Meerbusen von Salerno Meeresstille Wirf Rosenblätter in die Fluth: Sie ist so spiegelglatt. Ich fische sie mit meinem Hut Und küsse jedes Blatt. Und streust du Blätter auf das Meer, So schaust du selbst hinein – Dann schwimmen zwischen ihnen her Vier volle Röselein. Die Wangen und die Lippen dein, Sie mein' ich alle vier. Ach, schwämmen diese Röselein Doch auch heran zu mir! Die Meere Alle Winde schlafen Auf dem Spiegel der Fluth; Kühle Schatten des Abends Decken die müden zu. Luna hängt sich Schleier Über ihr Gesicht, Schwebt in dämmernden Träumen Über die Wasser hin. Alles, Alles stille Auf dem weiten Meer! Nur mein Herz will nimmer Mit zur Ruhe gehn. In der Liebe Fluthen Treibt es her und hin, Wo die Stürme nicht ruhen, Bis der Nachen sinkt. Das flotte Herz Wann's im Schilfe säuselt, Wann die Fluth sich kräuselt, Wird mir flott das Herz, Möcht' aus der Brust mir fliegen, Möcht' auf den Wogen sich wiegen, Unter sich tauchen in Lust und in Schmerz. Fischerin, du kleine, Schiffe nicht alleine In das große Meer! Hinter dir hergezogen Kommt schon mein Herz durch die Wogen – Fischerin, sind deine Netze noch leer? Nimm's in deinen Nachen, 'S wird nicht schwer ihn machen, 'S ist ja nichts darin, Als nur du selber alleine, Leichte, luftige Kleine, Du mit dem windigen, flatternden Sinn! Das Bad Sie ist in's Meer gegangen – Wie wird so roth das Meer! Wird's roth von ihren Wangen? Wird's roth vom Himmel her? Wie glühen meine Wangen! Ist's Gluth vom Himmel her? Ist's Gluth, die mein Verlangen Entsog dem tiefen Meer? Im Schilfe hör' ich's rauschen. Ist es der Abendwind? Ich möchte gehn und lauschen, Und bebe wie ein Kind. Ich möcht' vom höchsten Baume Mich stürzen in die Fluth! Ich möchte zu weichem Schaume Verspülen meine Gluth! Und du, o Meer, kannst liegen So ruhig und so kalt, Und darfst dich schlingen und schmiegen Um sie mit Allgewalt! Die Schiffer Von allen stolzen Flaggen, Die auf dem Meere wehn, Will ich nicht mehr als eine, Die kleine weiße sehn. Die Flagge sei der Schleier Von meiner Liebsten Haupt, Den schlingt sie um das Steuer, Wann sie mich nahe glaubt. Dann stech' ich durch die Wogen Dem kleinen Boote nach; Die Fluthen spritzen und schäumen Von meinem Ruderschlag. Und sieh, es flieht der Nachen Vor dem Korsaren nicht: Sie rudert ihm entgegen Mit lachendem Gesicht. Ich hebe meine Beute In meinen Kahn geschwind: Nun schaukl' uns fort die Woge, Nun wieg' uns ein der Wind! An meinen Kahn gebunden Zieht ihrer hinterdrein; Und finden wir noch zwei Lieben, Die nehmen wir hinein; Und schiffen nach der Insel – Sie ist der Reise werth – Wo man von Luft und Liebe Sein Lebenlang sich nährt. Schifferreigen Es kömmt ein Fink geflogen Des Morgens über Meer, Der bringt mir Grüß' und Lieder Von meinem Liebchen her. Wenn ich ein Vogel wäre, Stellt' ich das Schiffen ein, Und wenn ich wär' kein Schiffer, Ein Schwimmer müßt' ich sein. Ich lass' mein Schifflein treiben Hinauf, hinab die Fluth; Ob Wind und Woge schlafen, Das Schiff sich nimmer ruht. Gieb mir mein Ruder wieder, Und laß das Spielen sein, O Diebin, oder nimm mich In deinen Nachen ein! Es kömmt ein Schwan gezogen Des Abends auf der Fluth; Ich will am Strande liegen, Es träumt sich da so gut. Es schwimmen auf den Wogen Viel Schiffe groß und klein: Ich kann nicht mit euch fahren, Mein Nachen sank mir ein. Ich bin zur Welt gekommen In Wogen und in Wind, Und Wind und Wogen wiegten Mich als ein kleines Kind. Dann bin ich Jungfrau worden, Bekam ein Herz geschwind, Und Herz und Jungfrau waren Wie lauter Wog' und Wind. Bald klar und still zu schauen, Bald wieder wild und kraus; So lock' ich manchen Nachen Auf Klipp' und Sand hinaus. Ihr Schiffer, laßt das Singen! Es geht in Wog' und Wind. Ihr solltet doch wohl wissen, Was das für Dinge sind. Doppelte Gefahr Ich armer Fischerbube, Wo soll ich schiffen hin? Es ist so klein mein Nachen, So schüchtern auch mein Sinn. Im hohen Meere draußen Da sind die Wogen groß, Da läßt aus Ost und Westen Der Himmel die Stürme los. Da jagen die Korsaren Nach jungen Christenblut, Da singen die Sirenen Und locken hinab in die Fluth. Am Ufer sitzt ein Mädchen, Die hat ein Augenpaar, Das droht mit Feuerflammen Mir tödtliche Gefahr. Sie strickt an einem Netze, Da springt der Fisch hinein; In ihres Haares Flechten Soll ich gefangen sein. Du liebliche Sirene, Sirene von dem Strand, Laß deine Stimme tönen Hell über Meer und Land! Tief unten in den Fluthen Da ist ein goldnes Haus, Da ruhn versunkene Schiffer In weichen Armen aus. Auf diesem Liebesmeere Wo wird die Ruhstatt sein? Entweder an deinem Herzen, Ach, oder im Grabe mein? Die glückliche Fischerin Sie stand im Boot und fischte, Ich sah's vom Ufer her: Ins Netz die Fischlein sprangen, Als ob's zum Tanze wär'; Wollt' keins im Meere bleiben, Das Netz war viel zu klein, Sie ließ es sich gefallen, Und dacht', es muß so sein. Sie stieg aus ihrem Boote, Am Strande blieb sie stehn. Da schwoll das Meer und wogte, Als möcht' es mit ihr gehn; Und Muscheln und Korallen Trieb es ihr hinterdrein: Sie hob sie auf vom Boden, Und dacht', es muß so sein. Ich armer Hirtenbube, Was frommt mein Werben mir Mit Blumen und mit Bändern? Die Welt gehöret ihr. Ihr schlagen alle Herzen, Und wären sie von Stein. Sie nimmt's, wie Wogenrauschen, Und denkt, es muß so sein. Könnt' ich ihr selber bringen Der Sterne Silberlicht, Des Himmels Abendbläue, Was Neues wär' es nicht. Sie hielt' es vor die Augen, Und spräch': es ist ja mein! Vergäße mir zu danken Und dächt', es muß so sein. Was frommt dein blödes Klingen, Mein kleines Saitenspiel? Ist auch ihr Fenster offen, Sie hört dich doch nicht viel, Vor Hörnern oder Pfeifen, Vor Flöten und Schalmein; Sie tanzt dazu den Reigen, Und denkt, es muß so sein. Die Muscheln Die letzten Meereswellen Verschäumen um den Strand, Und bunte Muscheln streuen Sie auf den bleichen Sand. Ein kleines Fischermädchen, Zum Küssen groß genug, Kam flink daher gegangen, Ein Netz am Arm sie trug. Und von den weißen Füßen Band ihre Sohlen sie, Und gürtete das Röckchen Sich auf bis an das Knie. So fing sie an, zu waten Hinein in Schaum und Sand Und suchte bunte Muscheln Sich auf dem nassen Strand. Sie warf sie in ihr Netzchen, Bis daß es überquoll, Dann nahm sie auf ihr Röckchen Und las den Schooß sich voll. Gleich ward das Meer lebendig. Als hätt' es Fleisch und Blut: Je mehr sie hub das Röckchen, Je höher stieg die Fluth. Da fing sie an zu schreien Und ließ die Zipfel los, Und alle Muscheln fielen Aus ihrem vollen Schooß. Ich trug sie aus den Wellen Heraus in flinkem Lauf, Ich fischt' ihr aus dem Wasser Die Muscheln wieder auf; Und wollte dann sie werfen In ihres Röckchens Schooß, Sie aber hielt das Netzchen Mir hin, und thät sich groß. Was soll ich mit dem Netze? 'S geht keine mehr hinein. Ich bin ja keine Welle – Du sollst nicht wieder schrein. Sonnenschein Wenn auf der spiegelklaren Fluth Der goldne Strahl der Sonne ruht, Springt 's Fischlein selig in die Luft Und schnappt nach rothem Abendduft, Und es kräuseln sich plätschernd die Wogen. Wenn ich dein helles Auge seh', Wird 's Herz mir in der Brust so weh, Und möcht' mit einem Sprung heraus Aus seinem stillen, dunkeln Haus, Sich zu sonnen in deinen Strahlen. Dein liebes Antlitz merkt es nicht, Es scheint, so wie der Sonne Licht, Ob es auf Wogenspiegeln ruht, Ob unter ihm sich hebt die Fluth, Ob Herzen und Fischlein springen. Nachtstück Es fällt ein Stern vom Himmel, Ich fing' ihn auf so gern! Wohin bist du gefallen, Du wunderschöner Stern? »In's Meer bin ich gefallen, Tief in die schwarze Fluth; Das Leuchten muß ich lassen, Und in mir brennt die Gluth.« Dianen seh' ich wandeln Wohl über das tiefe Meer. Was schleichst du, keusche Göttin, So traurig hin und her? »Mein Stern ist mir gefallen Tief in die schwarze Fluth; Heraus möcht' ich ihn ziehen: Wer sagt mir, wo er ruht? Ihr Sternlein, helft mir suchen, Steigt nieder auf das Meer, Mit euren Silberlampen Schwebt leuchtend um mich her! Hör' ich die Wogen rauschen, Mir ist's, als ob es ruft – Will es empor zum Himmel? Soll ich hinab zur Gruft?« So trieben's Mond und Sterne Die liebe, lange Nacht, Und weil ich nicht kann tauchen, Hab' ich ein Lied gemacht.