Ländliche Lieder Ländlicher Reigen Ich hab' ein Herz verloren Wohl in dem grünen Mai, Und Keine will mir sagen, Wo's nun geblieben sei. Ihr schmucken Dirnen alle, Nun Eine hat es doch, Und habt ihr's nicht geZKunden, So liegt's im Grase noch. Und wenn es liegt im Grase, So liegt's auf kühler Streu, Und wann ihr mäht die Wiesen, So schneidet's nicht entzwei. Ich hab' ein Herz gefunden Wohl in dem Mond April, Wo alle Narren wandern: Einen Narren ich nicht will. Drum will ich's weiter schicken, Bis daß es wird gescheit, Und kommt es klug zurücke, Zum Lieben ist's immer noch Zeit. Ich hab' ein Herz begraben Wohl im Dezemberschnee, Und wenn das Eis zerrinnet, So fällt es in den See. Und schwimmet auf und nieder, Und hüpfet her und hin, Bis es in's Netz gesprungen Der schönsten Fischerin. Ich hab' manch Herz gefangen Wohl in dem Erntetanz: All' Jahr' ein frisches Herzchen, All' Jahr' ein frischer Kranz! Und wem das nicht behaget, Der seh' dem Tanze zu; So mag er 's Herz behalten, Dazu auch ganze Schuh'. Höhen und Thäler Mein Mädchen wohnt im Niederland, Und ich wohn' auf der Höh', Und daß so steil die Berge sind, Das thut uns beiden weh. Ach Felsen, ihr hohen Felsen ihr, Wozu seid ihr doch da? Wenn's überall fein eben wär', So wär' mein Schatz mir nah. Der Vater spricht: Bleib' hier, mein Sohn, Und bring' dein Weib herauf. Das Mädchen spricht: Es kann nicht sein, Mein Haus ich nicht verkauf'. Ach Felsen, ihr hohen Felsen ihr, Wenn ihr doch sänket ein! Dann wär' der Streit ja gleich vorbei, Und 's Mädchen wäre mein. Tanzlied Aus dem tiefen stillen Grund Klingen die Schalmeien. Sie tanzen wohl auf grünem Rund Im Schatten der kühlen Maien. Alle Weisen kenn' ich ja, Kann sie pfeifen und singen; Schon ist es mir, als wär' ich da, Wo sie hüpfen und schweben und springen. Meine Sohlen heben sich, Und mein Herz wird munter. Ach, liebes Kind, und säh' ich dich, Ich spränge von oben hinunter. Wenn ein andrer Bursch dich dreht, Laß dich nicht verdrehen! Dein Köpfchen, wenn das fest nicht steht, Wie soll mein Wort denn stehen? Und wenn eine Nadel dir Abfällt aus dem Mieder, Das giebt in's Herz zehn Stiche mir, Die heilt kein Balsam wieder. Der Ohrring Mein Bursch einen Ring in's Ohr mir hing, Als nach der bösen Stadt er ging – Ach, wären's zwei gewesen! Er sprach: Du sollst ein Schlößchen sein, Laß mir kein Schmeichelwort hinein! Ach, wären's zwei gewesen! Die Schmeichler gehn zum offnen Ohr, Und reden ihm viel Süßes vor – Ach, hätt' ich nur zwei Schlösser! Und Bittres auch noch hinterher, Das macht das Herz mir zentnerschwer – Ach, hätt' ich nur zwei Schlösser! Sie sagen mir: mein Liebster sei Mir wie ein Schmetterling getreu – Ach, hätt' ich gar kein Schlößchen! Dann flög's herein zu einem Ohr, Und gleich hinaus zum andern Thor – Ach, hätt' ich gar kein Schlößchen! Des Jägers Weib Den Kopf gestützt auf meinen Arm, Steh' ich am Fensterlein – Die Stirn wird mir so schwer und warm, Es schläft der Arm mir ein. Weit, weit herunter von den Höhn Hallt einer Büchse Knall, Und wenn die Lüft' in's Ohr mir wehn, Klingt mir 's wie Hörnerschall. Ach, solltest du so fern noch sein In dieser kalten Nacht? Und weißt doch, bin ich hier allein, Wie bang' mich Alles macht. Ich wage kaum den Kopf zu drehn, Die Kammer ängstet mich, Und sollt' ich nach der Thüre sehn, Ich glaub', ich sähe dich. Die Büchsen hängen hinter mir Und schlagen an die Wand. Ist es der Zug des Fensters hier? Ist's eine Geisterhand? So starr' ich in den Wind hinaus Und friere, was ich kann, Und überläuft mich dann ein Graus, Stimm' ich ein Liedchen an. Das treibt die Grillen in die Luft Und macht die Brust mir leicht, Wenn's wiederhallt von Kluft zu Kluft, Von Berg zu Berge steigt. Doch, Liebster, dringt zu Ohren dir Einmal der helle Klang, Glaub' nicht, es sei das Herze mir So froh, wie mein Gesang. Das Hirtenfeuer in der römischen Ebene Ade, Ade, Geliebte, Und reich' mir deine Hand! Ich treibe meine Heerde Hinab in's Niederland. Die Saaten sind gemähet, Das Stoppelfeld ist frei: Laß uns mit blauem Bande Verknüpfen Lieb' und Treu'. Ich trag' es auf dem Hute, Du trägst es auf der Brust, Und pocht dein Herz dagegen, Ich fühl's in banger Lust. Schaust du herab vom Berge Wohl in der dunkeln Nacht, Tief unten brennt ein Feuer, Wo dein Geliebter wacht. Und höher schlägt die Lohe, Und heller glüht der Schein: Dann denk', es ist sein Herze, Das will hier oben sein. Ade, Ade, Geliebter! Wie zeig' ich dir mein Herz? In enger, stiller Kammer Verschließt es Lust und Schmerz. Und schau' ich aus dem Fenster Hinab in's weite Feld, Du findest keine Thräne, Die dort hinunterfällt. Ich seh' ein Feuer brennen Wohl in der dunkeln Nacht: Gesegnet sei die Stätte, Wo mein Geliebter wacht! Und höher schlägt die Lohe, Und heller glüht der Schein, Ich wieg' auf seinen Flammen All' meine Sorgen ein. Laß nicht den Brand erlöschen, Geliebter, eh' es tagt: Kann ich den Schlaf nicht finden, Kürzt mir dein Licht die Nacht. Dasselbe noch einmal Die Abendnebel sinken Hernieder kalt und schwer, Und Todesengel schweben In ihrem Dampf umher. Gehüllt in meinen Mantel, Den Spieß an's Herz gedrückt, Schau' ich empor zum Berge Und träume mich beglückt. Er steigt so grün und helle Hervor aus grauem Duft, Wie eine Zauberinsel In wogenblauer Luft. Der letzte Strahl der Sonne Ruht sich auf ihm so gern, Mit seinem ersten Schimmer Grüßt ihn der Abendstern. Er trägt ein kleines Hüttchen, Ich seh's von unten kaum, Und vor der Hüttenthüre Blüht ein Zitronenbaum. Darunter sitzt mein Mädchen, Die Spindel in der Hand, Und spinnt und sinnt und schauet Herab in's ebne Land. Es lodert helles Feuer Hier unten in der Nacht, Das ihr die Stätte weise, Wo ihr Geliebter wacht. Mein gellend Hifthorn richt' ich Hoch in die Luft empor, Die Wiederhalle tragen Den Klang zu ihrem Ohr. Und ist das Horn verklungen Und glimmt das Feuer aus, Geliebte, geh' und pflücke Mir einen Blumenstrauß. Und wirf ihn von der Höhe Mit einem Gruß herab, Dann tragen schnelle Winde Ihn auf mein frisches Grab.