Herbstgefühl Jetzt, da von kalter Lüfte Schauern Die Bäume blatt- und blüthenlos, Fühl' ich in mir ein reuig Trauern, Daß ich den Frühling nicht genoß. Er war so schön mit seinen Rosen, Mit seinem Nachtigallensang, Mit seines Hauches mildem Kosen Und seinem frischen Blüthendrang. Mir aber floß ein Born der Thränen Inmitten dieser Frühlingslust, Ich fühlte bei den frohsten Scenen Den Jammer nur der eignen Brust. Und jetzt erst, da die kahlen Bäume Vom ernsten Winterfrost versehrt, Reut mich's, daß ich der heitern Träume Des lichten Frühlings mich erwehrt. So werd' vielleicht in künft'gen Tagen An eines andern Herbstes Grenz' In eitler Sehnsucht bang' ich klagen Um meines Sein's entfloh'nen Lenz! O, jetzt schon fühl' ich, wie die Frage Tief schmerzlich meine Brust durchbebt: Warum ich meine Frühlingstage Auf wüster Meeresfahrt verlebt?