Entgegnung 1. »Die falsche Welt, sie soll mich nicht bethören Wenn sie, von Hohn und Hassesgifte trunken, In meiner Brust des Glaubens heil'gen Funken Und deinen Altar will in mir zerstören. Mag sie's mit tausend Eiden mir beschwören, Daß du zu finst'rer Schuld herabgesunken, Verleumdung ist's! Dieß freche Lied der Unken Nicht überzeugen kann mich's, nur empören! Und fühlt' ich je zum Zweifel mich getrieben, In deines Auges dunkelhellem Scheine Fänd' Lösung ich, von Gottes Hand geschrieben. Klar steht dein Bild in würd'gem Tempelschreine, Und wie die Opferflamme loht mein Lieben Zu dir empor, du Makellose, Reine!« – 2. Sei stark, mein Freund! und laß' kein weichlich Zagen Vor düst'rer Wahrheit dich die Blicke wenden, Was sie begannen, will ich selbst vollenden: Die Stimmen lügen nicht, die mich verklagen. Nach falschen Gütern ging mein wildes Jagen, Der Schuld erlaubt' ich, mit verruchten Händen Des Innern stilles Heiligthum zu schänden, Unwürd'ge Fesseln hat mein Herz getragen. Und lähmen ließ ich meines Geistes Schwingen, Ergab der Welt mich, von dem Wahn betrogen, Durch den Genuß zum Glücke hinzudringen. Bis ich, da jene Täuschung mir entflogen, Dastand, umgürtet von den Schlangenringen Der Ungeheuer, die ich großgezogen. 3. Jetzt ist's gesagt, der Schleier ist zerrissen! Im Dunkel nicht soll deine, Seele schwanken. Statt eitlem Wahne deiner Huld zu danken Will ich sie lieber stolzen Muth's vermissen. Doch magst du auch die ganze Wahrheit wissen, Magst wissen, daß ein Geist in den Gedanken Der Gottheit wie ein Thau vom Himmel sanken, Zu trüben nicht von ird'schen Finsternissen. Laß Marmorbilder unter Schutt versinken, Sie werden noch nach Tausenden von Jahren Dem Auge schimmernd hell entgegenblinken. Im Staub' wird der Demant den Glanz bewahren Und, darf er wieder Sonnenstrahlen trinken, Sein Lichtgeheimniß flammend offenbaren.