Rheinisches Liederspiel Ferdinand Hiller dem Komponisten dieser Lieder zugeeignet. Motto Wer zu hören recht versteht, Wird die Stimmen unterscheiden, Wie sich im Gesang ergeht Junges Glück und Herzensleiden. Einzeln, bald zu zwei und drei, Zwiefach auch gepaart, verbunden, Geben sie den Tönen frei, Was erlebt ward und empfunden. Nicht zu sagen, was geschehn, Nur, was Andre wohl erzählen, Halb in Liedern zu gestehn, Halb in Liedern zu verhehlen. 1. Gesang vom Berge Hier oben unter dem Waldesbaum Zu Thale schaut man nieder, Und hochhin, wo im Himmelsraum Der Adler wiegt das Gefieder. Du Sonne, gieb noch hellen Schein, Die Welt will noch nicht schlafen! Dem Schifflein drunten auf dem Rhein, Dem leuchte noch zum Hafen! Hier oben zwischen Laub und Gras, Mit Kränzen, frisch gewunden, Wie leicht und schnell das Herz genas Von schwülen Tagesstunden! Du Sonne, schau, dort schreitet im Thal Ein müder Wandergeselle, O leucht' ihm noch mit einem Strahl Zu seiner Ruhestelle! Wir aber Zwei, wir haben's gut, Wir mögen fröhlich singen, Dieweil die Welt bedeckt schon ruht Von grauer Dämmrung Schwingen. O Sonn', hast du dich still und sacht Verhüllt in blauen Fernen, So singen wir noch der Frühlingsnacht Mit ihren tausend Sternen! 2. Heimkehr Sei willkommen, Heimatherde, Die ich fast verloren gab! Führe zu dem alten Herde Mich, mein treuer Wanderstab! Die vor Jahren ich verlassen Für die Welt, mit leichtem Fuß, Hohe Thürme, krumme Gassen, Nehmt des Heimgekehrten Gruß! Du, mein Strom, geliebt vor allen, Stolzer, königlicher Rhein, Deine Fluthen seh' ich wallen Glänzend unterm Sonnenschein! Sei gegrüßt auf Berg und Hügeln, Rebe, die den Segen bringt, Dem auf tausend Liederflügeln Preisgesang die Welt durchklingt! Und ich nehm' es als Willkommen, Das mich freudig überkam, Daß ich Lieder dort vernommen, Wo ich einsam Abschied nahm. Liederklänge holder Mädchen, Ihr begleitet mich zu Thal! Heimathboden, altes Städtchen, Sei gegrüßt mir tausendmal! 3. Im Stübchen Es waren drei Könige im Morgenland, Das Wort war ihnen ergangen, Und wo der Stern am Himmel stand, Da sollten sie Heil empfangen. Es waren Hirten auf freier Wacht, Die hatten den Stern gesehen, Er leuchtete hell durch die ganze Nacht, Die andern mußten vergehen. Die Hirten, die Könige, zogen ihm nach, So weit das Land sich breitet, Bis daß sie standen am niedren Dach, Dahin der Stern sie geleitet. – In die Welt hinaus Ist Mancher gegangen, Kehrte spät nach Haus Mit gebräunten Wangen. Steht ihm Leben und Muth Im Antlitz geschrieben, Ach, wär er auch gut Im Herzen geblieben! – Reite, reite, Rößlein! Zu Basel steht ein Schlößlein, Zu Köln da steht ein Glockenhaus, Daneben schau'n drei Jungfern aus. Die eine die spinnt Seide, Die andre spinnt das klare Gold, Die dritte, ja, die dritte, Ist unsrem Büblein hold! – Wer die Fremde gesehn, Hat viel wohl erfahren! Wird er die noch verstehn, Die so weit nicht waren? Daheim ist's nur still, Und eng sind die Kreise. Ach, hielt' ihn sein Will' In der heimischen Weise! – Die heilgen drei Könige zogen nach Haus, Die Hirten zu ihren Heerden, Das Heil ging von dem Kindlein aus, Wohl über den Kreis der Erden. Und als die heilgen drei Könige todt, Da wurden sie begraben, Bis daß der Kaiser viel Schätze bot, Am Rhein wollt' er sie haben. Die heilgen drei Könige kamen zum Rhein, In Köln der Stadt zu liegen, Da schlafen sie still in ihrem Schrein, Wie's Kindlein in der Wiegen. 4. Gegenüber Sie war ein Kind noch, als ich ging, Auf das ich wenig Acht gegeben; Die jetzt mich fremd und kalt empfing Ist hold erblüht zum Mädchenleben. Doch ob auch jungfräulich erwacht Ihr blaues Aug' und ihre Wange, Ein Kinderherz noch spricht und lacht Aus ihrem Wesen und Gesange. Sie singt und summt den ganzen Tag, Wie Bienentön' um Blumen ziehen, Und was sie thun und schaffen mag Begleitet ist's von Melodieen. Und will sie mir am Fensterlein Nur spröde meinen Gruß erwiedern, Sie singt sich mir in's Herz hinein Mit ihren Kinderliedern. 5. Fröhlicher Abend Sterne schon winken und steigen Nieder zur spiegelnden Fluth. Komm, in des Abends Schweigen Wandelt's am Strome sich gut! Kühlung weht von den Wellen, Düfte, den Blüthen entfacht, Hoffen und Wünsche gesellen Gern sich der dämmernden Nacht. »Gruß euch, Jungfraun, ihr feinen! Nehmet zu Diensten uns an! Lasset den Weg uns vereinen, Der uns so lieblich begann! Kräftig die Ruder zu rühren Harrten wir dort in dem Kahn, Laßt auf die Wellen euch führen, Ueber die funkelnde Bahn!« – Weit schon klingt auf den Wogen Ruder und fröhlicher Sang, Ufer und Himmelsbogen Lauschen verhallendem Klang. Und von den Tönen getragen, Und von den Liedern verhüllt, Wagen die Herzen zu sagen Was sie beseligt erfüllt. So auf den wiegenden Gleisen Ueber die rauschende Fluth Weit durch die Lande zu reisen Wären wir wohlgemuth! Liederklang auf den Wellen, Droben der Sterne Pracht! Hoffen und Wünsche gesellen Gern sich der dämmernden Nacht. 6. Weinprobe Uns ward aus alten Tagen Ein Sprüchlein zugetragen: Wer will nach Reben fragen, Der halte sich zu Drei'n. »Zu Hochheim an dem Maine, Zu Würzburg auf dem Steine, Zu Bacharach am Rheine, Da wächst der beste Wein.« Die Zeiten sind vergangen, Und andre Lieder klangen, Die Welt hat mehr empfangen, Das Sprüchlein gilt nicht mehr. Von allen Bergen sprangen Am Rhein mit frischen Wangen Die Streiter voll Verlangen, Ein goldgerüstet Heer. Sie stehn auf allen Warten, In jedem Rebengarten, Bei flatternden Standarten, In stolzer Herrlichkeit. Und hast im Spiel der Thoren Zum Hader sie beschworen, Gieb deinen Kopf verloren, Verloren in dem Streit! Doch wenn dir im Gemüthe Gerechte Tugend blühte, Du findest sie voll Güte, Du bist ein lieber Gast! Poch an in jedem Orte, Bei jeder Rebenpforte, Du bist auch ohne Worte Von Liebesarm umfaßt! Mit Himmelsblick der Eine, Der Zweit' im Purpurscheine, Und noch der Hundertst-Eine Gleichwie der Erst' ein Held! Ihr Helden all vom Rheine, Ihr königlichen Weine, Ihr nehmt es auf alleine Wohl mit der ganzen Welt! 7. Morgengruß Auf des Rebengartens Stufen, Wo sich hoch die Ferne baut, In die Thäler möcht' ich rufen, Muß ich singen meine Freud'! Denn auf freier Lüfte Schwingen Dröhnt von fern ein Büchsenknall, Mir den Morgengruß zu bringen, Jauchzend mit dem Wiederhall. Durch den Hochwald früh am Tage Streift ein keckes Jägerblut; Weiß wohl, was ich mit ihm wage, Hab für mich auch kecken Muth. Mag vom Berg zum Rebenhange Keine Brück' in Lüften sein, Jeden Morgen doch empfange Seinen Gruß ich über'n Rhein. Frohes Herz, du bist gefangen, Doch gefangen ist auch Er! Geht zum Walde mein Verlangen, Geht zum Hügel sein Begehr. Will es Berg und Berg nicht frommen, Sich zu finden in dem Thal, Jägerherz, wir beide kommen Noch zusammen tausendmal! 8. Ballade (Gemeinsam zu singen.) Das war von der Löwenburg die hohe Frau, Die hatt' einen einzigen Sohn; Nur nach waidlichem Werk, mit dem Morgenthau, Stand sein Sinn, bei des Jagdhorns Ton. Die Gräfin dachte, wie mach' ich dich zahm, Mein junger Falke du? Bis daß ihr der Schalk zu Hülfe kam, Der sprach, und sie lachte dazu. Sie lachte, doch faßt sie sich ernsten Muth: So sollst du mein Bote sein! Dies Brieflein geb' ich in deine Hut, An des Pfalzgrafen Töchterlein. Dann auf, in den Wald, und zu wagendem Spiel Mit Herrn Godilo, meinem Sohn! Und kommen wir noch zu fröhlichem Ziel, So habe der Schalk seinen Lohn! Herr Godilo jagte durch Wald und Geheg, Ward zornig vor Müdigkeit: Du Schalk, hast verwirrt mir Weg und Steg! Wär' ein Brünnlein dem Durst nur bereit! – Das Brünnlein, da fließt gar kühl und gemach, Und winkt uns hinunter zum Rhein, Zum Willkomm grüßt unter'm Schattendach Des Winzers Töchterlein. Herr Godilo kannte kein Jagen mehr, War am Brünnlein in jeder Früh': Um dein nur, o Jungfrau, komm' ich daher, Doch dankst du mir nicht die Müh'! »Bin nichts, als des Winzers Töchterlein, Weiß nichts, was euch lohnte den Gang!« So sollst du im Schloß mir die Herrin sein, Die ganz mir die Seele bezwang! – Die Gräfin wohl auf den Söller schritt, Der Pfalzgraf an ihrer Seit'. Zu der Löwenburg ein Gefolge ritt, Und sie winkten und lachten Beid'. »Herr Godilo, daß sie des Grafen Kind, Das schaffe dir keinen Gram! Willkommen, mein Töchterlein hochgesinnt, Halt' mir meinen Falken zahm!« 9. Gestörter Friede Was mich still und traurig macht, Darf ich Keinem sagen, Einsam denk' ich's Tag und Nacht, Einsam muß ich's tragen. Was mir sonst am Herzen lag Ist dahin genommen, Seit von drüben Tag für Tag Schreck und Groll mir kommen. Ach, wie schlimm die Welt gewußt Seinen Sinn zu thören! Ihn zu treiben, mir mit Lust Glück und Ruh zu stören! Soll sich Alles, was einst gut, Uns so schnell verleiden? Freie Red' und Uebermuth Will nicht jeden kleiden. Was mir ganz und gar mißfällt, Dient ihm nur zum Spiele. Dürft' ich sagen unverstellt Was mir mehr gefiele! Einsam denk' ich's Tag und Nacht, Darf es Keinem sagen. Was mich still und traurig macht, Einsam muß ich's tragen! 10. Getrennte Wege In schwankenden Blüthenzweigen Spielt der Hollunderduft, Von drunten tönt der Reigen Herauf durch die Abendluft. Ach, Eine führt' ich zum Tanze gern! Doch die bleibt fern. »Zum fröhlichen Festesreigen Zogen sie Alle hinaus. Ich mag nicht das Lärmen und Geigen, Drum blieb ich still zu Haus, Gar einsam blick' ich zum Abendstern, So fern, so fern!« Die Tage kamen und gingen, Jedweder ein Verlust, Seit sie meines Herzens Dringen So hart zu strafen gewußt. Mir ist, als wäre die Jugendzeit Verklungen weit! »Die Kinder spielen und springen Vor jeder Thür mit Lust, Ach, könnt' ich mit ihnen singen Recht aus befreiter Brust! Möcht wissen, ob an dem Tanze heut Auch Er sich freut?« Auf Bergeshöhen da droben Da weilt die Sonne noch lang, Da will ich ruhen, enthoben Dem lärmenden Freudenklang. Bis Alles, was hier preßt und quält, Die Nacht verhehlt. 11. Legende Es sangen drei Engel einen süßen Gesang, Sie sangen, daß es weit durch den Himmel erklang. Und als sie kamen zu der himmlischen Thür, Da stand eine arme Seele gar traurig dafür. Arme Seele, arme Seele, was drückt dich für Noth? Hast du dich vergangen wider Gottes Gebot? »Ich hab nichts begangen, bin doch gar beschwert, Dieweil sich meine Freud hat in Unmuth verkehrt.« Arme Seele, arme Seele, du bist noch zu jung, Du hast auf der Welt noch des Trostes genung! »Was nützt mir mein Jungsein zum Trost auf der Welt, Wenn ich immer muß denken, wie bös sie bestellt?« Schließ auf deine Augen, schließ auf dein Gemüth! Geh heim, arme Seele, daß Gott dich behüt'! Geh heim, und erwache mit dem hellen Sonnenschein, Dann wird's dir auf Erden wie im Himmelreich sein! 12. Schwüle Wandrung Ist verstummt denn jeder Quell, Und versiegt in Sonnengluthen? Bringt die Nacht auch, sternenhell, Nichts von den ersehnten Fluthen? Garten dürstet, Blüth' und Baum, Und um Ruhe zu gewinnen Schreit' ich, halb mit wachen Sinnen Halb in angsterfülltem Traum? Von der Linde senkt der Duft, Kaum bewegt, zu Thal sich nieder, Doch die Stelle, die mich ruft, Treibt mich schnell von hinnen wieder. Ach, mit Neid und Ungemuth Hör' ich leises loses Lachen, Und die Glücklichen sie wachen, Unbekümmert um die Gluth! Mir auch schwände wohl die Last Und das Bangen im Gemüthe, Fänd' ich nur bei dir die Rast, Die mich scheuchet sonder Güte! Ach, du wußtest mit Bedacht Mich zu höhnen, mich zu strafen! Aber du kannst ruhn und schlafen, Da mir endlos ist die Nacht! 13. Sagen und Lieder (Gemeinsam zu singen.) Von dieser Höh', aus Burg und Thor, Mit Sang und Kreuzesfahnen, Zog einst die reisige Schaar hervor, Geweiht zu fernen Bahnen. Sie zogen zu des Kaisers Heer. Gott schenk' euch Glück und Wiederkehr! So klang's mit bangem Ahnen. Zu dieser Höh' die Kunde drang Von Siegen, hart erworben, Von Mannen, die im Kampfesdrang Für's heilge Land gestorben. Die edle Fraue ging herfür: Thut auf, thut auf die Klosterthür, Mein Glück ist all verdorben! Auf dieser Höh' das Dach zerfiel, Die Trümmer ruhn im Sande, Und Vögel halten freies Spiel Und Blumen am Mauerrande. Was hier verging in Glück und Qual, In Liedern weht's hinab zu Thal, Und klingt durch alle Lande. 14. Rosendorn O holde Zeit, da noch die Hand Um Wunden bangt vom Rosendorn! Da, mit sich selber unbekannt, Das Herz entbrennt in kleinem Zorn! Und dennoch mag vom Rosenstrauch Mit banger Lust die Hand nicht lassen. So war seit alter Zeit der Brauch Bei Buben und bei Mädchen auch. O harte Noth um einen Blick! O Haß um eines Kusses Raub! Es braucht das Herz sein Mißgeschick, Und hofft sich der Versöhnung taub. Wo Feuer brennt, da giebt es Rauch, Und Jugend spielt mit Feuer gerne. So war seit alter Zeit der Brauch Bei Buben und bei Mädchen auch. Und hat der Groll recht wild gezehrt, Und hat man bitter sich geplagt, Dann kommt ein Seufzer, tief beschwert, Ein Blick, der wieder fröhlich wagt. In Blüthen steht der Rosenstrauch, Es spotten Herz und Hand der Dornen. So war seit alter Zeit der Brauch Bei Buben und bei Mädchen auch. 15. Letztes Hoffen Sind es Herbstesfarben schon, Die im Laub erglühten? Ach, wie ist die Zeit entflohn, Seit die Reben blühten! Sommerzeit wie schienst du lang, Da das Herz voll Hoffen! Nun du scheidest, fragt es bang, Was ihm eingetroffen? Wilder Vögel Wanderzug Prüfet schon in Schaaren Seiner Schwingen jungen Flug, Ueber's Meer zu fahren. Wer da bleibt im engen Thal, Mit der Welt im Streite, Möchte schwingen auch einmal Flügel in die Weite! Doch bevor der Traube Last Folgt den Blätterhüllen, Kann sich, was ein Wunsch erfaßt Noch vielleicht erfüllen! Herz, es sei genug verzagt! Eh der Herbst vergangen Wirst du, wie dein Hoffen sagt, Noch ein Glück empfangen. 16. Der Flüchtling Wohin so früh am Morgen Mit Ränzel und mit Stab? Was treibt mit neuen Sorgen Dich fort, bethörter Knab? Es steht in deinen Zügen Ein lang' verhehlter Gram. Sag, welch ein Ungenügen Daheim dich überkam? »O laßt getrost mich scheiden! Es will mein eigner Sinn Die Heimath mir verleiden, Der ich entfremdet bin! Wenn noch einmal die Ferne Mir Herz und Muth bewehrt, Dann kehr' ich doppelt gerne Zurück zum alten Herd.« Mit Fliehen und mit Meiden Erhoffe nicht Gewinn! Die Welt wird dich nicht scheiden Von deinem eignen Sinn. Und traust du deinem Sterne, Wirf ab, was dich beschwert! Es liegt in kleinster Ferne, Was all dein Herz begehrt! »Es ist kein weiches Bangen, Es ist ein bittrer Groll, Der länger nicht befangen Das Herz mir halten soll. Laßt ab, laßt ab, zu fragen! Mir selber bin ich feind, Daß ich so lang ertragen, Was dauernd ich vermeint!« Zu schnell, zu hastig wandte Der Groll sich zum Verzicht! Was nur der Stolz verkannte, Das Herz verkennt es nicht. Willst länger du bethören Der Seele freien Blick, Du könntest mehr zerstören Als nur dein eignes Glück! »Zum alten Zauberkreise, Den schon das Herz verschwor, Verlockt ihr holder Weise Mein allzuwillig Ohr! Wär's Freude, wär' es Buße, Gewagt sei Glück und Noth! Und wär's zum Abschiedsgruße Das schmerzlichste Verbot!« Das Ziel der langen Reise Lugt an der Straße vor. Kehr' um zum alten Kreise, Und poch' an's rechte Thor! Nimmst du mit raschem Fuße, Was dir der Groll verbot, So lachst du einst mit Muße Der überstandnen Noth! 17. Morgens am Brunnen Er kam in der Frühe Wie der Morgenwind, Nußbraun seine Locken, Sein Fuß geschwind. In's Auge die ganze Seele gedrängt – Ach, der eine Blick Hat das Herz mir versengt! Und ich stand, als ob ewig Ich schauen gemüßt, – Er hielt mich umschlungen, Er hat mich geküßt! Als brächt' er von draußen Die ganze Welt, Von zuckenden Strahlen Blendend erhellt; Als ging mir das Leben Auf in der Brust, So hing ich am Hals ihm In bebender Lust. Und was er gesprochen, Ich weiß es nicht mehr, Es sang und es klang ja Die Welt um mich her! Wie ist mir geschehen? Ja, daß ich es wüßt! Mein Drohen, mein Zürnen Ich hab's nun gebüßt. Im Brünnlein das Wasser Das murmelt und rinnt: Hast gar nichts zu schaffen, Vergeßliches Kind? All über mein Denken Hat Eins nur Gewalt: Ach Liebster, mein Liebster, Komm wieder, komm bald! 18. Stille Welches Herz in Liebe schlägt, Hat der Wünsche nur noch einen, Drin, was all die Brust bewegt, Sich muß fassen und vereinen. Alles Schweifen der Gedanken, Alle Sehnsucht, alle Pein, Lebt in eines Wunsches Schranken, Schließt ein einzig Hoffen ein. Liebend Herz will tief und rein Nur im andern sich empfinden, Ganz darin verloren sein, Um sich wieder neu zu finden. Mag sich Welt und Menschenwille Scheiden unter Sorg und Pein, Selig klingt's in unsrer Stille: Du bist mein und ich bin dein! 19. Der Jäger Du rauschest, mein Wald, und schüttelst das Laub, Das Herbstwind zu Thale streut, Doch mir ist im Herzen ein fröhlicher Glaub', Der das Leben mir schöner erneut! Mein Schatz ist getrost, will im Sturmesgebraus, Will im Schnee mit mir ziehen zu Wald. Willkommen im traulichen Jägerhaus, So ruf' ich ihr bald, ja bald! Hellauf, mein Gewehr! Einen Freudenschuß Durch den Frühduft über das Thal! Die Liebste kennt meinen Morgengruß, Und verstand ihn vielhundertmal. Und schlummert sie noch, so weck' er sie laut, Und ruf' ihr mit Freuden zu: Hellauf, du mein Schatz! bist des Jägers Braut, Der stört dir noch manche Ruh! Wenn das Thal seinen Jubel erschallen läßt, Daß die Ernte der Reben herein, Dann geht auch der Jäger zum Freudenfest, Und von dannen nicht geht er allein. Sein Glück, seinen Schatz, und sein gutes Gewehr Nimmt er mit, wenn der Jubel verhallt, Und ziehet, als ob er der Reichste wär, Mit der Liebsten zu Wald, zu Wald! 20. Herbstfeier Von den Bergen erklingt Und die Thäler durchdringt Mit Gesängen ein festliches Regen! Was da jauchzet und ruft Durch die sonnige Luft, Gilt des Herbstes beglückendem Segen. Die das Mühen vergilt, Die das Hoffen erfüllt, Der auch wir uns vertrauend befahlen, Auf der Liebenden Kranz Ruht heute dein Glanz, O Sonne, mit leuchtenden Strahlen! Auf beschwerlichem Pfad Bis zu felsigem Grat War die Arbeit ein Kämpfen und Ringen. Was, von Geistern gesandt, In die Traube gebannt, Läßt im Kampf nur dem Tag sich erringen. In die Dauben gefaßt Ist die köstliche Last, Wo die Flammen im Moste noch gähren, Bis aus wirbelnder Fluth Zu kristallener Gluth Sich die strahlenden Geister verklären. Ist die Ernte gethan, Für den festlichen Plan Sind geschäftig die rheinischen Mädchen, Und mit pochender Brust Zu des Tanzes Lust Wird gemustert in Schränken und Lädchen. Wer den Reigen begehrt, Halt' im Herzen es werth, Uns mit höflicher Art zu gefallen! Ob er uns auch gefällt, Sei dahin noch gestellt, Wir aber gefielen noch Allen! Wem der Segen gediehn, Wem der Tag auch erschien, Da ihm winken die Hochzeitskerzen, Hat am doppelten Fest Sich erkoren das Best', Und bewahr' es im innersten Herzen! Wie bekränzt ist das Haus Mit Gewinden und Strauß, Die Beglückten daheim zu empfangen! Was der Tag uns verleiht Als das schönste Geschmeid' Durchstrahlet uns Augen und Wangen! Die uns Alles gewährt, Die das Lied uns verklärt, Ihr gesegneten Ufer und Auen! Wem das Leben ihr gabt, Dem kräftigt und labt Ihr die Seele mit stolzem Vertrauen! Drum am Fest, das uns blüht, Mit erhobnem Gemüth Euch bringen wir Dank im Gesange! Daß ein ewiges Band, O du rheinisch Land, In der Liebe zu dir uns umfange!