Becher und Wein Gebt Ohren meinem Spruche, Vernehmt und trinket nur, Ein Bruchstück aus dem Buche Der Weisheit der Natur. Es fiel ein Strahl der Sonne Zugleich mit Adams Fall, Verlustig seiner Wonne, Und ward, erstarrt, Metall. Es hing das Gold in Klüften, Wohin das Licht nicht drang, Und sehnte sich, den Lüften Zu künden Glanz und Klang. Da kam, um zu erlösen Den Bruder aus der Nacht, Gefahren mit Getösen Der Bergmann in den Schacht. Da ward die Starrheit milde, Als in des Künstlers Hand Ein glänzendes Gebilde, Ein tönendes, entstand. Es war ein leer' Gefäße Und gab nur hohlen Klang; Da fehlte der gemäße Gehalt der Form nicht lang. Denn als im Sonnenstrahle Das Mark der Rebe schmolz, Da ward die goldne Schale Auf goldnen Inhalt stolz. Der Becher gab ein Tönen, Der Wein begeistert schwoll, Empfindend, daß versöhnen Des Lebens Streit er soll. Es spiegelte der Himmel Sich in der klaren Flut, Und irdisches Gewimmel Trank heitern Lebensmut. Erhebt den Blick, ihr Zecher, Und trinkt, dem Lichte hold, Aus goldnem Sonnenbecher Geschmolznes Sonnengold.