Adler und Lerche Könnt' ich steigen, Dem Adler gleich, Der kommenden Sonn' entgegen, Die Brust getaucht In Morgenrot, Badend in Glanz des Äthers, Weil in Tiefen Die Nacht noch träumt, Dem erwachenden Auge der Welt Den ersten Blick entsaugen! Oder fliegen, Der Lerche gleich, Nach, der scheidenden Sonne nach, Über der stillen Schöpfung, Angeglühet Vom letzten Strahl, Die Seel' im Liede verhauchend, Verschwebend, Verschwirrend In Ätherduft, Nie mehr wieder Zur Erd' hernieder! Aber ach! Der Adler, der Der Sonn' ins Angesicht geschaut, Senkt den Fittich Aus Himmelsglanz, Um in dunkeler Tiefe Nach der Beute des Tags zu spähn, Und die Lerche Aus den Wirbeln Ihres Himmelsgesanges Sinkt ermattet Zum Boden wieder, Wo sie das Nest für die Nacht gebaut. Kann kein erdegeborner, Flügelbegabter Heldensinn, Sängergeist Den Banden der niedren Mutter Ganz entfliehn, Dem edlen Vater Lichte zu? Liebe setzte die Schwingen Der Begeisterung An mein Herz, Und es flog Der Sonne zu, Bis die Fittiche Schmolzen, Seinen Höhen Entstürzend Es ins Meer der Beschämung sank. Und es klagte. Doch die Liebe Sprach, die Schwing' ihm erneuend: »Andre geb' ich Dir, die schwache, Aber himmlische Freundin, nicht. Stärkre, die nicht Wieder schmelzend Noch Erneuung bedürfend, Sicheren Flugs dich Allen Sonnen Vorüber tragen Der höchsten zu, Gibt mein stärkerer Zwillingsbruder Tod dir einst.«