Ǧalāl o’d-din Rumi Gedichte des Sams aus Täbris (Auswahl) (Kolliy 5t-e Šams-e Tabrizi) Für Ungeweihte legt' ich ein Schloss mir an den Mund; Auf! Singe nun, o Sänger: die ew'ge Lust ward kund! Molla Dschelaleddin Rumi. De tous les livres à faire, le plus difficile, à mon avis, c'est une traduction. Lamartine, Souvenirs, impressions, pensées et paysages pendant un voyage en Orient. Paris, 1835. Tome 1. p. 123. [Lebst du auch von jedem Wunsch geschieden] Lebst du auch von jedem Wunsch geschieden, Uns doch wirst du suchen und uns fröhnen; Hast du stets auch Sängerruhm gemieden, Uns doch wird ein Lied von dir ertönen. Bist du reich auch, wie Cărūn gewesen, Bei der Liebe wirst du betteln gehen; Warst du auch zur Herrschaft auserlesen, Dienend wird man uns dich huld'gen sehen. Eine Fackel dieses Saal's voll Schimmer Wird wohl hundert Fackeln noch entzünden. Leblos oder lebend, wirst du immer Nur durch uns das Leben dir begründen. Deiner Füsse Fessel wird sich lösen, Reine Klarheit wird dich rings umstrahlen, Und es wird auf deinem ganzen Wesen Sich, durch uns , ein Rosenlächeln malen. Tritt herein mit dem zerfetzten Kleide, Dass du Herzen schau'st, die lebend leuchten; Hüllst du auch in Atlas dich und Seide, Wirst bei uns du doch zerfetzt dir däuchten. Wenn zur Erde niederfällt der Samen, Steigt empor als mächt'ger Baum er wieder: Fandst du sinnig dieses Räthsels Namen, Fällst mit uns auch du in Demuth nieder. Tebris' hehres Sonnenlicht der Wahrheit Spricht zur Knospe auf den Herzens-Auen: »Wenn dein Auge sich erschliesst in Klarheit, Wirst, durch uns , du hell und deutlich schauen.« [Die Erde ward erleuchtet] Die Erde ward erleuchtet Von uns'rer Gluthen Strahle; Der Vollmond ward zum Schenken, Die Plejas zum Pocale. Die Reinheit ist mein Glaube, Mein Garten stilles Bangen, Das Weltgericht mein Zechfreund, Und Rosen sind mir Wangen. Wer liebt, weilt mit Entzücken In des Gelages Hallen; Wer klug ist, nützt sich selber, Und nützt zugleich uns Allen. Wen seine Wohnung engte, Wer Feuerdurst gefühlet, Wir führen ihn zur Quelle, Wo unser Herr ihn kühlet. Wem nicht ein Aug' geworden, Unsichtbares zu schauen, Kann man auf dessen Eifer Im Dienst des Meisters bauen? Wohl dir, du trauter Jünger! Du schmolzest bei der Mühe, Und blicktest ab vom Bilde , Dass dir der Sinn erglühe. Wen Sorge quält, den lohnet Sie einst mit reichem Danke; Er trinkt und wird berauschet Von unsers Meisters Tranke. Blickt deines Auges Apfel, O Welt! mit gröss'rer Wonne Auf einen andern Menschen Als Tebris' Wahrheitssonne? [Der du einzig, lebend bist und weise] Der du einzig, lebend bist und weise, Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Uns begünstigst auf des Lebens Reise, Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Ein'ger! Huldvoll öffnest du die Hände, Herrlich bist du, heilig ohne Ende, Und Erbarmen nur ist deine Spende; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Lüste sind's, die uns in Fesseln zwingen, Wünsche sind's, die Sclaverei uns bringen, Und wir forschen nach verborg'nen Dingen; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Schwach und dürftig sind wir und voll Schande, Irren sinnlos durch entfernte Lande, Sind gefesselt durch des Körpers Bande; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Die ihr Haupt deine Schwelle legen, Hört man, dir zum Lob', die Zungen regen, Laut und still dich preisend allerwegen; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Vor dir müssen alle Uebel schwinden, Du beseitigst huldvoll alle Sünden, Und gestattest Gnade uns zu finden; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Bald von Lüsten dieser Welt umstricket, Bald vom Lohne jener Welt entzücket, Bleibt der Meister unserm Blick entrücket; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Gleich dem Morgensang der Nachtigallen, Sollen immer deine Klagen schallen, Und in Schmerz und Sehnsucht sollst du lallen: Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Fürst, der weise Alles löst und bindet! Sieh die Schaar der Diener die, erblindet, Trost allein in deiner Gnade findet; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Du verhüllest deiner Diener Fehle, Schmückest reich und herrlich Geist und Seele; Unumschränkt sind deine Machtbefehle; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Lass uns nicht in Sünden untergehen, Die wir reuig um Vergebung flehen, Aber ach! im schwarzen Buche stehen; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! Horch, allnächtig ruft Dschelal im Drange Heisser Liebe dich, o Herr! und bange Stimmt er zu des Cherub's heil'gem Sange: Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt! [Gottes Mann ist stets berauscht, auch ohne Wein] Gottes Mann ist stets berauscht, auch ohne Wein, Gottes Mann wird ohne Braten satt auch seyn. Gottes Mann ist stets verwundert und verzückt, Gottes Mann wird ohne Schlaf und Kost erquickt. Gottes Mann ist nicht geformt aus Staub und Fluth, Gottes Mann ist nicht geformt aus Luft und Gluth. Gottes Mann wird auch im Mönchskleid König seyn, Gottes Mann gleicht einem Schatz in Wüstenei'n. Gottes Mann ist eine Kibla weit im Land, Gottes Mann ist stets des Rechtes Unterpfand. Gottes Mann, ihm liegt sein Glaube beim Idol, Gottes Mann, was nennt er Recht, was Unrecht wohl? Gottes Mann erkennt der Wahrheit hohen Werth, Gottes Mann ist nicht in Schrift und Buch gelehrt. Gottes Mann gleicht eines Meeres weitem Schoos, Gottes Mann träuft helle Perlen, wolkenlos. Gottes Mann lebt stets verborgen. O mein Sohn! Gottes Mann, ihn such' und finde, dir zum Lohn! [Bald hasst man mich, bald bin ich der Verehrte] Bald hasst man mich, bald bin ich der Verehrte, Bald der Begehrende, bald der Begehrte; Bald glückt es mir die Sinne zu besiegen, Bald siegen sie , und ich muss unterliegen; Bald bin ich Joseph , der in Schönheit pranget, Bald bin ich Jacob , der in Trauer banget; Bald reisst mir Liebe die Geduld in Stücke, Bald füg' ich mich, wie Job , dem bösen Glücke; Bald bin ich hohl, wie Flöten, bald erfüllet, Bald sinnlos, und in Weindunst bald gehüllet; Bald macht ein Goldstück mich in's Feuer rennen, Bald eine Silberbrust wie Gold mich brennen; Bald reite ich auf eines Dives Rücken, Bald neidet Job die Reize die mich schmücken; Bald richtet sich auf Andacht all' mein Streben, Bald hab' ich sünd'gem Frevel mich ergeben; Bald bin ich Wolf, bald Löwe und bald Schlange, Bald bin ich Mensch, und liebe und verlange; Bald bin ich strenge, hässlich, rauh von Sitten, Bald bin ich reizend, sanft und wohlgelitten; Bald ist von Schande frei des Weisen Leben, Bald ist er ganz der Schande preisgegeben. [Heute kehrt der Tage schönster] Heute kehrt der Tage schönster, Denn den Theuren seh' ich wieder; Heute hebt im reichsten Prunke Sich der Sonne Glanzgefieder. Gestern war der Freund voll Rache, War voll heissen Durst's nach Blut; Heute ist er laut're Milde, Und belebt des Armen Muth. Sprich vom Mond' und Sonnenlichte, Von Pĕrīs und Geistern nimmer: Denn was gliech' ihm , der da strahlet In des höchsten Glanzes Schimmer? Wer sein Antlitz hat geschauet, Und nicht fühlt des Todes Pein, Ist fürwahr kein fühlend Wesen, Ist wohl Marmor nur und Stein. Alle gläubig-frommen Seelen, Die da seine Gluth nicht kennen, Muss der Pilger wahrer Liebe Falsche und Ungläub'ge nennen. Der du nimmer siehst, es könne Wein nur seine Lippe seyn! Sieh doch in mein trunk'nes Auge: Gleich dem Glas' ist's voll von Wein. Gabriel schlug an die Pforte, Und mein Mond sprach: »Wer pocht wieder?« Und er rief: »Ein nied'rer Sclave Sank vor deinem Thore nieder.« Sprach: »Wer ist's, der bei dir weilet?« Sprach: »Wer sonst, als Liebesschmerz?« Sprach: »Wo weilt der Schmerz der Liebe?« Sprach: »Ihn birgt diess treue Herz.« Nur Ein Blick als Schönheitszehend, Silberbrust! ist mein Verlangen, Denn mein Auge strotzt von Perlen, Und wie Gold sind meine Wangen. Sprach: »Nur durch der Pforte Ritzen Sei dir jetzt ein Blick erlaubt.« Und ich flog an deine Pforte, Und berührte froh mein Haupt. Sprach: »Die kleinsten Weltatome Müssen Liebe für mich fühlen; Flieh, o flieh, mit solchen Waaren Kann ich nur verächtlich spielen!« Steig' empor, o helle Sonne Von Tĕbrīs, der Liebe Hort! Diese glutherfüllte Sage Ueberstrahlt ja jedes Wort. [Das Bild, das du im Schönheitsglanz gesehen] Das Bild, das du im Schönheitsglanz gesehen, Hat seinen Ursprung nur im Unbestand; Doch schwand das Bild, das Urbild wird bestehen : D'rum löse muthig deines Grames Band! Das Abbild das dich Wonne liess empfinden, Die holde Rede die dein Ohr entzückt, O traure nicht, wenn sie so schnell entschwinden: Sind sie durch Dauer nimmer doch beglückt! Kann jener heil'ge Urquell nicht versiegen, Wird auch der kleine Quell nicht wasserleer; Wenn Beide keinem Wechsel unterliegen, Wo stammt denn deine stete Klage her? Du sollst den Quell in deiner Seele schauen, In ird'schen Dingen aber Bäche sehen. Der Dauer sollst du dieses Quells vertrauen, Aus dem die Bäche willenlos entstehen. Seit dem verhängnissvollen Augenblicke Als du betreten dieses Daseyns Welt, Ward dir, durch das allwaltende Geschicke, Zum Klimmen eine Leiter hingestellt. Du warst vom Anbeginne ohne Leben , Dann hauchtest du ein Pflanzenleben ein; Ein thierisch Leben ward dir dann gegeben; Kann diese Wahrheit dir verborgen seyn? Bald hatte sich der Mensch aus dir entfaltet, Der zu dem Glauben Wissenschaft gesellt. Zu welchem Thon sich doch der Leib gestaltet, Der nichts als Staub und eitlen Tand enthält! Und bist du lang genug ein Mensch gewesen, Wirst du ein Engel in der Engel Reih'n, Und fern von hier, zu höh'rer Lust erlesen, Wird nun der Himmel deine Wohnstatt seyn. Selbst Engelslust darf dich zurück nicht halten, Und tauchen sollst du kühn in jene Fluth, Wo sich dein Tropfen wird zum Meer gestalten, Das hundert Oceane fasst voll Gluth. Darum, o Sohn, steh' ab von deinem Treiben, Und sprich aus treuer Seele hochbeglückt: »Stets jung und kräftig kann die Seele bleiben, Wenn auch das Alter schon den Körper drückt.« [Eitlen Lüsten fröhnt die Erde] Eitlen Lüsten fröhnt die Erde, Und mir fröhnet eitle Lust, Und des Glückes gold'ne Harfe Schmiegt sich sanft an meine Brust. Meines Strebens rascher Huma Stürzet auf des Anca Nest; Meine Netze halten tausend Psittiche und Sprosser fest. In dem Kreise der Verliebten, In des Weisen Richtersaal, Nennt man, im Gebet der Treue, Meinen Namen ohne Wahl. Alle lichten Himmels-Auen, Sammt dem Sitz der Redlichkeit, Komm, o komm, sie sind ja fürder Mir zur Ruhestatt geweiht! Schon am Wohlgeruch erkenn' ich, Ob des Kaufmann's Waare log, Weil ich des Propheten Düfte Wonnetrunken in mich sog. Bei des Geistes König schwör' ich's, Der der Liebe Schatz entdeckt, Dessen Loblied meine Zunge Früh und Abends neu erweckt: Wer sein Haupt nicht willig neiget Meines Vaters Machtgebot, Wird dem Rechtsschwert unterliegen, Das in meiner Scheide droht; Und ich schwör' bei Gottes Hilfe, Dass, im Raum und in der Zeit, Alles was auf Erden lebet Mir sich fügt und mir sich weiht. Der Verständ'ge singt aus treuer, Singt aus liebevoller Brust: Eitlen Lüsten fröhnt die Erde, Und mir fröhnet eitle Lust. Wärst Wahrheit du von Ränken Zu sondern je im Stande, Du würdest dich verbergen Vor deiner eig'nen Schande. Wär' deiner Seele Schwärze Mit Augen zu beschauen, Man säh' dein Mohrendunkel Die ganze Welt umgrauen. Du gleichest jener Schlange Die fern vom Steine lieget; Mit deinem eig'nen Steine Nur wird dein Haupt besieget. Wenn du in's Meer auch fielest, O Falscher, sei nicht bange! Aus Ekel, traun! verschonten Dich Krokodill und Schlange. Du sagst mir ohne Ende Ich soll den Sinn erfassen, Die bunten Bilder meiden, Die Tiegerfarbe lassen. Was soll ich dir erwidern? O Trugbild voll der Fehle! Und welcher Ausdruck dringt wohl In deine enge Seele? Die Lust von Tebris' Sonne Ist's, wenn sie Heil'ges schauet: Du aber gleichst dem Schweine, Vor dem selbst Franken grauet. [Als ich einst die Sure: »Nacht« beschauet] Als ich einst die Sure: » Nacht « beschauet, War es mir, als schaute ich dein Haar; Als die Sure: » Morgen « mich erbauet, Zeigte hold sich mir dein Wangenpaar; Vers auf Vers, erreicht' ich nun die Stelle, Die von zweier Bogen Nähe spricht, Und die Brauen schaut' ich klar und helle, Die sich wölben um dein Augenlicht; Schärfer blickt' ich; – und der Stelle Wahrheit: » Was dem Auge Glanz und Schimmer bringt« Fand erläutert ich im Blick voll Klarheit, Der das Herz mit Zauberlust durchdringt. Nun durchdachte ich den Sinn der Worte: » Lob sei dem, der durch die Himmel wallt !« Und ich fand, er deute auf die Pforte, Die uns führt zu deiner Rehgestalt; Und der Ruf der durch die Erde schallte: » Fromme, kommt in's ew'ge Freudenland! « Schien dem trunk'nen Seelenohr, als hallte Er von deines theuren Gaues Rand. Wort für Wort las ich bei nächt'ger Weile Auch die Sure die von Joseph spricht, Und ein Stäubchen dünkte jede Zeile Mir in deiner Schönheit Sonnenlicht. Gott erschuf die Himmel durch sein Werde Nur für dich ; diess wurde bald mir klar: Denn es ist der Mensch auf dieser Erde Nur ein Spielzeug für dein schönes Haar. Was man uns belehrend hat verkündet Von der grossen Eigenschaften Glanz , War, als ich es forschend erst ergründet, Deine eig'ne reine Sitte ganz. Keine Ausflucht frommt und keine Lüge An dem Tag, der Tag der Rechnung heisst: Doch ich lobe Gott , dass es genüge, Wenn dich schweigend mein Gemüthe preist. [Steh' auf, o Herz! der Andacht voll] Steh' auf, o Herz! der Andacht voll, Denn Andacht ist die beste That: Das Glück wird Jenem nur zu Theil, Der früh den Schlaf gemieden hat. Wenn du, o Theurer! Glauben nährst, So wache in der Morgenzeit; Wachst du, so weiss ich du verdienst Des Paradieses Seligkeit. Des Morgens tönt der Hähne Ruf: »Auf, Träger, auf! der Morgen graut.« Doch, du Berauschter, ahnest nicht, Was man dem Nüchternen vertraut. Es spricht dein Herz: »Schon steh' ich auf.« »Ein Weilchen noch,« spricht Leidenschaft. Bezwing' die Leidenschaft, denn sieh, Es herrscht die Zeit mit Drängers Kraft. Du armer, mittelloser Mann, Du Sclave herrischer Begier! Bedenken magst du endlich doch, Es nah' der Tod einst sicher dir. D'rum frommt's, du hebst dich rasch empor, Indess dein Auge Perlen weint, Und fliehest vor dem Unverstand, Dem listigsten und rohsten Feind. Bist du auch Sultan von Tĕbrīs, Der Sonne frühes Strahlenlicht, Im Staub' doch liegst du einst gewiss: D'rum ziemt dir Stolz und Dünkel nicht. [Verstand, der ird'sche Lenker meines Strebens] Verstand, der ird'sche Lenker meines Strebens, Zeigt mir der Welten Bahnen und ihr Walten. Die Kunde vom Geheimniss meines Lebens Ist in des Menschen Eigenschaft enthalten. Der Worte Perlen, die mein Mund vergiesset, O lass' an deines Geistes Ohr sie prangen: Denn jetzt, im Augenblick der schnell verfliesset, Hält der Begeist'rung Odem mich umfangen. Die Männer, wandelnd auf der Wahrheit Wegen, Befragt' ich einst mit gläubig-frommem Sinne: »Es ist wohl Gott an jedem Ort zugegen: Doch welchen hält er vorzugsweise inne?« Da hört' im Augenblicke von sechs Seiten Mein Geistesohr die Worte zu ihm dringen: »Das Herz nur kann der Gottheit Schatz bedeuten: Du hörst in ihm der Gottheit Stimme klingen.« Im Lichte, das ihr Wesen stets versendet, Konnt' ihre Schönheit ich gar leicht erspähen: Denn in dem Schimmer den die Sonne spendet, Kann, wo die Sonne weilt, man deutlich sehen. O eile, Freund! denn meine Augen schauen Jetzt einzig nur der Gottheit heil'gen Schimmer: Erschien die Sonne strahlend auf den Auen, Dann sieht man ja das Heer der Sterne nimmer. Trink' aus dem Becher der geweihten Liebe Den Wein der Ewigkeit mit reinem Munde, Denn sein Berauschen sind verliebte Triebe, Und Höhe liegt in seinem tiefsten Grunde. »Woll' uns des Herzens Räthsel doch erklären, – So bath ich – Tebris' Sonne, Hoher, Reiner!« Er sprach: »Ich will dich mein Geheimniss lehren: Es sind die Worte: ›Ausser Gott ist Keiner.‹« [Ja, ich schwör's bei deiner Seele] Ja, ich schwör's bei deiner Seele – Und es ist ein grosser Schwur – Ohne dich liegt meine Seele Stets in grossen Banden nur. Wenn auch Chiser, hochbeglücket, Einst den Quell des Lebens fand, Zieht doch immer grosse Sehnsucht Ihn an deiner Lippen Rand. Vieles hab' ich noch zu sprechen Ueber dich und nur mit dir; Doch ich schweige: es ist Schweigen Eine grosse Lehre mir. Wen die Furcht dir zu missfallen Tiefes Schweigen hat gelehrt, Wird von mir als grosser Weiser Hochgeachtet und verehrt. Wer um dich der Tugend Pfade Frevelnd zu verlassen scheint, Bleibt in meinen Augen immer Nur ein grosser Tugendfreund. Vor dein Antlitz fall' ich nieder, Einem leeren Schatten gleich; Doch kein Fall, ein grosser Flug ist's In der Seligkeit Bereich. Als ein mächtiges Geschenke Ward dir Bagdad zuerkannt, Und als grosser Zuckerballen Prangt für dich ganz Samarkand . Diess Geschenk und dieser Zucker Reizen meine Lüsternheit, Und doch kennt man allenthalben Meine grosse Mässigkeit. Von Verwandten und von Freunden Trennt mich grausam deine Hand: Denn das Band, das dir mich einet, Ist fürwahr ein grosses Band! Schweige, wie die Liebe schweiget, Du der Liebe holdes Kind! Wenn gleich alle deine Worte Söhne grossen Stammes sind. Hin zum Bügel von Tebrisens Sonne flücht' ich immerdar: Denn der gold'nen Sonne Sattel Ist ein grosser Gau fürwahr! [Wenn dich das Glück als treuer Freund umschwebet] Wenn dich das Glück als treuer Freund umschwebet, Dann tritt mit dir die Liebe in Verein: Du lebtest nicht, wenn lieblos du gelebet: Ein solches Leben kann kein Leben seyn. Die Zeit die ohne Liebe hingeschwunden, Tritt schamroth vor des Schöpfers heil'gen Schrein; Was du im Vaterlande leicht gefunden, Wird dir im Tode eine Bürde seyn. Der Augenblick, verbracht in Liebesnöthen, Wird als ein güt'ger Vater vor dir steh'n; Du darfst vor deiner Armuth nicht erröthen, Sie wird dir Ruhm in jener Welt erfleh'n. Schmeckt die Geduld dir jetzt auch noch so bitter, Sie mundet dir zuletzt doch mild und süss; Zerbricht des Geistes Löwe kühn sein Gitter, Tritt stolz er ein in jenes Paradies. Es schwingt, vom Esels-Aas das er geritten, Der Herzensfürst sich auf ein fürstlich' Pferd. Spreit' aus den Saum des Strebens und der Bitten, Weil ihn der König dir mit Gold beschwert. Verborgen warst du, und du kamst zu Tage: Verborg'nes kömmt zu Tage immerdar; Wer sich nicht selbst verachtet heut, dem sage: Verachtet werd' er, wie einst Pharao war. Wer, gleich der Gluth, sich vor dem Wasser scheute, Wird von der Gluth verzehrt, gleich dürrem Laub; Weil Nemrod nimmer wurde Gott zur Beute, Ward einer schnöden Mücke er zum Raub. Wer vor der baaren Zeit sein Aug' geschlossen, Den züchtigt des vergeb'nen Harrens Qual; Wen Liebe sich erwählte zum Genossen, Dem bleibt im süssen Rausche keine Wahl. Wen Liebe nicht berauschet und berücket, Wird immerdar von Schmerz und Leid gequält; Wem Liebe nicht ihr Siegel aufgedrücket, Gleicht einem Maulthier, dem die Halfter fehlt. Wer nicht begabt ist mit des Beispiels Augen, Lebt in Verachtung und in Schande fort; Wenn Worte gleich den Staub zu dämpfen taugen, So wird zuletzt zu Staub doch jedes Wort. Wenn Tebris' Sonne Rast und Ruh gefunden, Ist alle Rast und Ruh durch sie geschwunden. [Der du aus des Nichtseyns Lande] Der du aus des Nichtseyns Lande In das Reich des Daseyns kamst! Weisst du wohl aus welchem Grunde Du die Reise unternahmst? Eines Fürsten Diener bist du, Und ein Fürst hat dich gesandt, Dass du selber dich erkennest, Und den Herrscher in dem Land. Einem reichen Handelsmanne Bist du ähnlich, in der That, Der zum Handel aus dem Hause In die Stadt des Lebens trat. Deines Lebens reiche Summe Gab als Capital man dir; Lass es denn, durch edle Thaten, Zinsen tragen für und für. Handle redlich auf dem Marktplatz, Bist du ein verständ'ger Mann: Weil nur redliches Beginnen Deinen Wohlstand fördern kann. Dein Gepäck wird am Gerichtstag Sammt und sonders aufgemacht, Und, was du gethan, wird treulich Dann in Rechnung dir gebracht. Hüte dich! Als Räuber werden Teufel auf den Weg gesandt, Die da Jenen überfallen, Der die Wahrheit nicht erkannt. Dieser Rath, den du vernommen, Ist des Meisters weises Wort; Denn er sagt: » Tebrisens Sonne Sprach ihn aus, der Wahrheit Hort.« [Wer dein Antlitz schaut, der gehet] Wer dein Antlitz schaut, der gehet Nie in einen Rosenhain; Wer um dich sich härmt und grämet, Heischt kein Mittel für die Pein; Wer ein Weilchen nur im Hause Bei dir sass hold im Vertrau'n, Wird auf Rosen und auf Tulpen Und Basilikon nicht schau'n; Und wenn Chiser die Rubine Deiner Zuckerlippen fand, Eilt er nicht zum zweiten Male Nach des Lebensquelles Rand. Dass der Gram um dich mich tödte, Lebt als höchster Wunsch in mir: Doch zu schwach ist dieser Diener, Taugt wohl nicht zum Opfer dir. Einem Manne ziemt's, vom Schwerte Nicht zu wenden das Gesicht: Besser thät' er sonst, er träte Auf des Kampfes Schauplatz nicht. Nur die Hoffnung dich zu finden In der Seligen Verein, Treibt die Schaaren der Verliebten Hin nach Riswan's Blumenhain. Deiner Liebe Maal bezeichnet Mir das Herz seit ew'ger Zeit, Und auf Herz und Seele haftet Dieses Bild in Ewigkeit. Horch dem Wort' das Tebris' Sonne Ganz in deinem Sinne spricht: »Wer sein Herz an dich verloren, Geht zu ander'n Liebchen nicht.« [Ich war am Tag' als noch kein Name war] Ich war am Tag' als noch kein Name war, Und man vom Daseyn noch kein Zeichen fand; Zum Zeichen formte sich des Freundes Haar, Und Gott nur war der einz'ge Gegenstand; Es kamen alle Namen nur von mir, Zur Zeit als noch kein Ich war und kein Wir . Ich betete den Schöpfer an, zur Zeit Als noch Maria nicht den Heiland trug; Ich mass das Kreuz, ich mass die Christenheit, Doch nicht am Kreuz hing der, nach dem ich frug; Ich ging zum Götzenhaus, zum Tempel hin, Doch fruchtlos sucht' ich eine Farbe d'rin. Ich wollte nun ihn in der Caba schau'n, Des Greises wie des Jünglings höchstem Ziel, Und ging nach Candahar , nach Herat 's Gau'n, Und suchte unten, suchte oben viel; Umsonst! – Da trieb's mich auf den Caf zu geh'n: Doch war vom Anca keine Spur zu seh'n. Durch sieben Erden drang ich fruchtlos vor: Ich fand sie, gleich den sieben Himmeln, leer; Ich frug des Schicksals Tafel und sein Rohr, Doch von ihm sprachen Beide nimmermehr; Es sah mein Aug', der Gottheit zugewandt, Nur das, was ich als göttlich nicht erkannt. Nun blickt' ich in mein eig'nes Herz hinein, Da fand ich ihn, den ich sonst nirgends fand; Da fühlte ich des Rausches süsse Pein, Und jedes Stäubchen meines Seyns verschwand; Und so wie Tebris' Sonne, klar und hehr, Erschien kein Trunk'ner und Entzückter mehr. [Abermal steigt an des Himmels Rande] Abermal steigt an des Himmels Rande Strahlenreich des Glückes Sonn' empor; Abermal tritt aus dem Seelenpfade Aller Seelen theurer Wunsch hervor; Abermal erschliesst durch Riswan's Güte Sich das Thor vom ew'gen Himmelshain, Und die Geister tauchen bis zum Nacken In des Kewsers Himmelsteich sich ein; Abermal kömmt jener Fürst gegangen, Den man Kibla aller Fürsten nennt; Abermal kömmt jener Mond, den willig Selbst der Himmelsmond als Herrn erkennt. Stolz auf Pferde schwingen sich die Männer, Die gefühlt der Liebe herben Schmerz, Denn der Fürst, der trefflichste der Reiter, Kam nun selber in des Heeres Herz. Jeder Theil der finstern Erde staunte, Wie geblendet durch ein grelles Licht, Als der mächt'ge Geisterruf ertönte: »Stehet auf, schon naht das Weltgericht!« Und der Ruf des Unerforschten tönte Nicht von innen, nicht von aussen her; Auch von rechts, von links, von gegenüber, Und von rückwärts scholl es nimmermehr. Und du sprichst: »Was ist's für eine Seite, Die ein Jeder suchet und verlangt?« Und du sprichst: »Wie schau' ich jene Seite, Wo der hohe Auserwählte prangt? Jene Seite, wo der Früchte Fülle Reif und saftvoll auf dem Baume lacht; Jene Seite, wo gemeiner Kiesel Zum Juwel wird in der Erde Nacht; Jene Seite, wo der Fisch im Trock'nen Neue Lebenskraft durch Chiser fand; Jene Seite wo, dem Monde ähnlich, Schimmernd leuchtet Mussa's heil'ge Hand?« Diese Seite leuchtet uns'ren Herzen, Glanz verbreitend wie ein Fackellicht; Dieser Auspruch glänzt auf uns'rem Haupte Wie der Schimmer einer Krone nicht. Nimmer ist's der Seele wohl gestattet, Dass sie sage, was sie hier empfand, Denn von Ketzerei sich zu befreien Wäre jeder Ketzer sonst im Stand. In der Noth blickt der ungläub'ge Frevler Voll Vertrau'n nach jener Seite hin; Wenn er hier Schmerz und Verzweiflung schauet, Winkt ihm dort der Glaube als Gewinn. Fühle Schmerz, denn Schmerz allein nur ist es, Der dich hin auf jene Seite führt, Jene Seite, die nur der erblicket, Den des Schmerzes harter Schlag berührt. Jener grösste aller Fürsten hatte Festgeschlossen immerdar sein Thor; Doch, gehüllt in das Gewand des Menschen, Tritt er heute bis an's Thor hervor. [Im Gram verharren zeugt von nied'rem Sinne] Im Gram verharren zeugt von nied'rem Sinne; Kein nied'res Herz kann dein Geheimniss nähren. Du bebst mit Recht, kannst du nicht Muth bewähren; Ein Herz das liebt, ragt an des Himmels Zinne. Was du für Heilung hältst, macht dich erkranken; Was du für Treue nimmst, ist List und Tücke; Die Seele schwindet bei der Liebe Glücke; Wo weilt Vernunft? Nur in des Wahnsinns Schranken. Ein liebend' Herz, Simurgen zu vergleichen, Fällt in kein Netz, erfliegt des Himmels Höhen. Um Nied'res sieht man oft ein Herz sich drehen; Doch solch' ein Herz sieht Rast und Ruhe weichen. Trink', Tebris' Sonne du, aus Moses' Schale, Dann wird dir Nilblut hell zum Wasserstrahle. [Ihr Alle, die ihr nach der Gottheit Wesen] Ihr Alle, die ihr nach der Gottheit Wesen Mit sehnsuchtsvollem Eifer habt gestrebt! Ganz fruchtlos ist diess Streben euch gewesen, Da ja die Gottheit in euch selber lebt. Ihr seid der Buchstab', seid das Wort der Klarheit, Ihr seid das Buch, das stets Gesetzbuch war, Der Bote seid ihr gottgesandter Wahrheit, Der Borak seid ihr, die Prophetenschaar; Ihr seid die Wesenheit, ihr seid das Zeichen, Ihr seid bald Himmelsthron, bald Erdenstreu; Ihr wohnt im Lebensquell, nicht zu erreichen, Und seid von Sterblichkeit für immer frei. Darum, ein Ding das nimmer ihr verloren, Was sucht ihr es mit frevelhaftem Sinn? Kommt zu euch selber erst, ihr eitlen Thoren! Wo führte wohl euch eure Thorheit hin? Wollt ihr im Antlitz eures Wunsches weilen, Den ihr als letztes Ziel euch vorgesteckt, So müht euch jenen Rost erst abzufeilen, Der eures Herzens glatten Spiegel deckt: Damit, gleich Mĕwlānā aus griech'schem Lande, Stets mit der Wahrheit reinem Geist vertrau't, Ihr fürder, in der Jugend Festgewande, Durch euch, euch selber in dem Spiegel schau't. [Wär' auch die ganze Welt mit Dornen rings umstellt] Wär' auch die ganze Welt mit Dornen rings umstellt, Ein Herz das Liebe fühlt, bleibt stets ein Rosenfeld. Dreht ohne Endzweck auch das Himmelsrad sich um, Nicht ohne Endzweck doch ist der Verliebten Welt. Es grämen Alle sich; doch des Verliebten Herz, Sieh wie es heiter, froh und munter sich erhält. Wenn allenthalben auch der Kerze Licht erstarb, Wer dich, o Holder! liebt, bleibt tausendfach erhellt. Nie ist, wer liebt, allein; und wär' er auch allein, Dem Liebling hat der Freund sich heimlich zugesellt. Der Wein der Liebenden wogt aus der Brust hervor, Und der Verliebte ist's, der Heimliches erzählt. Verspreche hundertmal, die Liebe glaubt dir nicht, Weil's an so mancher List den Schönen nie gefehlt. Siehst du Verliebte krank, so hast du sicherlich Neun Liebchen an dem Haupt des kranken Freund's gezählt. Besteig' der Liebe Pferd, ganz sorglos um den Weg: Das Pferd der Liebe trabt ja immer gleichen Zelt; Es bringt in Einem Ritt dich zu der Poststation, Wär' auch die Strasse rauh und noch so schlecht bestellt. Ein liebend' Herz verschmäht der ird'schen Speise Kost, Ein liebend' Herz ist stets ja nur ein Becherheld. Durch Tebris' Sonnenlicht des Glaubens findest du Ein Herz das sich in Rausch und Nüchternheit gefällt. [Seit man vernommen der Verliebten Klagen] Seit man vernommen der Verliebten Klagen, Sucht eine Welt sie auf mit ems'ger Mühe. Dass Gottes Trank die Liebenden durchglühe, Nicht, dass sie weinberauscht sind, sollst du sagen. Wer Liebe spielt, muss eine Seele wagen: Du weisst, dass Lieb' aus jeder Brust nicht sprühe. Sieh die Verliebten seines Gau's bis frühe Empor in Einheit, gleich der Kerze, ragen! Schickt auch der Himmel dir des Unglücks Plagen, Du weisst, dass Glück doch dem Verliebten blühe. Sind Liebende recht eng vereint, so siehe Sie über beide Welten frei getragen. Du, Tebris' Sonne, kennst der Liebe Leben, Da Freunde oft das Herz für dich gegeben. [Ein Leben ohne Liebe hingeschwunden] Ein Leben ohne Liebe hingeschwunden, Beacht' es nicht, denn es gewährt nur Schmerz: Wer liebt, der hat den Lebensborn gefunden: So öffne denn der Liebe Seel' und Herz! Wer nimmer strebet nach der Liebe Ruhme, Gleicht einem Fische, dem das Wasser fehlt: Erstorben ist er, eine welke Blume, Und würd' er auch Wesiren beigezählt. Wenn sich die Liebe naht in süssem Streben, Wird jeder Baum von grünem Glanz umstrahlt, Und junge Blätter treibt er voll von Leben, Wenn seine Aeste dürr auch sind und alt. Wen Liebe sich zur Beute hat erlesen, Kann nimmermehr des Todes Beute seyn; Dem, dessen Schild der lichte Mond gewesen, Kann nimmermehr des Pfeiles Wunde dräu'n. Du hast das Haupt von deinem Gott gewendet, D'rum hast du dich verirrt auf deinem Lauf; Kehr' um zum Pfade wo er Gnaden spendet; Sei fürder nicht ein Thor, und wache auf! O kaufe Zucker, um ihn auszustreuen – Kaufst du ihn nicht, so sei dem Essig gleich – Und wolle liebend jenem Herrn dich weihen; Wo nicht, so fühle denn den Todesstreich! Die Seele, die der Reinheit sich erfreuet, Muss die Gefangene des Staubes seyn! Die Liebe nur hat reichlich Gold gestreuet, Um die Gefang'ne wieder zu befrei'n. Sei flink, um immerdar als Mann zu handeln, Dann schenkt dir Gott des Segens theures Gut; Der schwarze Staub wird sich in Gold verwandeln, Es wandelt sich in Milch das schwarze Blut. Komm, du der Tebris' Volke Ruhm verleihet, Den man des Glaubens wahre Sonne nennt! Dann wird des Herzens Fuss vom Thon befreiet, Dem Harze gleich, das sich vom Berge trennt. [Froh naht der Frühling und die Zeiten lachen] Froh naht der Frühling und die Zeiten lachen; Komm auf die Flur, ein wicht'ger Tag ist heut; Die Zeit, wo Freuden und Genüsse wachen, Und Lust des Lieblings Rosenwange beut. Die Erde grünt, geschmückt sind alle Bäume; Erschliess' dein Seelenaug' der Schöpfungspracht; Geweckt ist, wen noch gestern wiegten Träume, Zum Leben ist, wer jüngst verschied, erwacht. Die Erde hat im Winter Wein genossen, Der nun, im Frühling, sie in Blumen fasst, Und Blatt und Gras hold taumelnd lässt entsprossen, Und Bäume segnet mit der Früchte Last. Mit Huris ist diess Paradies geschmücket, Voll Tulpen prangt die Flur, durch Gottes Huld; Des Gartens Bräute sind berauscht, entzücket, Und wiegen sich in schöner Ungeduld; Nie hat man Strafgeld ihnen auferleget, Doch sieht man Gold und Silber sie verstreu'n. Sieh, wie der Wind den trunk'nen Zweig beweget, Und wie sich Ahorn und Cipresse freu'n. Die Lilje zieht das Schwert, der rauhen Miene Des Frostes wehrend, den Bĕhmēn beschützt; Die Gräser sind das Fussvolk; die Jasmine Die Peïks der Rose, die zu Pferde sitzt. Das Veilchen trauert ob der Flucht der Rose, Um deren Spur es den Jasmin befrägt; Der spricht: »Wie zeichn' ich dir das Zeichenlose, Das mir die Brust mit Wunden zeichnend schlägt?« Dann senkt er hold das Haupt und wird bestürzet, Weil dem Verschämten eine Antwort fehlt. – Basilikon ist's, das den Dorn durchwürzet, Seit Rosennass die Schönen hat entseelt. Warum wohl sieht den Lotos man erblassen? Er eifert, weil am Dorn die Rose blüht: So soll auch dich die Eifersucht erfassen, Der du für gleiche Schönheit bist entglüht. Die Hiacinthe blickt auf die Narcisse, Als spräche sie: »Gib Kunde mir vom Hain!« Die spricht: »Was willst du, dass ich von ihm wisse? Ach, mich berauscht ja seiner Reize Wein! Selbst Trauben sollst du um Bescheid nicht fragen, Und klagen, gleich Berauschten, Tag und Nacht.« – Die Blumen sind, sammt neuen Festestagen, Am Saum des Feldes und des Stroms erwacht. Der Storch bringt von den Vögeln frohe Kunde, Und preist den Herrn des Lichtes und der Gluth, Und spricht: »Im Himmel und im Erdenrunde Ist Alles dein; d'rum nütze es auch gut.« Wem mag der Ruf der Turteltaube gelten? Dem Freund, denn noch verbirgt sein Gau ihr sich. Der Wiedhopf bringt Bescheid aus and'ren Welten: »Auf! Auf! dich ruft dein König, spute dich!« Den Sprosser hört man tausendstimmig weinen, Er stöhnt, in dichte Zweige eingehüllt, Von weingefärbten, rothen Edelsteinen, Vom jungen Liebchen, das den Wunsch erfüllt: Der Rose gilt die Klage seiner Lieder, Der Zarten, die ihn hart in Fesseln schlug. Die Taube fliegt auf Wällen auf und nieder, Und hofft den Mond zu finden auf dem Flug. Der Falke holt, dem König zu gefallen, Das Repphuhn und die Wachtel jagend ein; Den Kandel liebt der Papagei vor Allen, Und zuckersüss soll seine Lippe seyn. Lass dir zu Sinne das Geheimniss dringen, Das tausendfach aus allen Kehlen bricht, Denn Hunderttausende von Vögeln singen: »Beständigkeit wohnt auf der Erde nicht.« Wenn Dieser heut, muss Jener morgen scheiden; D'rum nütz' den Augenblick zur Lust bestellt; Du kannst den Gang zum Tode nicht vermeiden; D'rum säe Tugend auf der Reinheit Feld. Ergeh' im Wald, im Rosenhain dich heute, Wie? oder thust du auf den Lenz Verzicht? Geniess' der Gegenwart als einer Beute, Und denk' beim Weintrunk seiner Folgen nicht. Die Zeit entschwindet; trachte sie zu nützen Im Hain, auf Bergen, auf der Rosenflur; Wie lang noch bleibst du in der Ecke sitzen, Da nun zum reichen Schatz ward die Natur? Der Frühling gleicht der Auferstehungsfeier, Wo klar sich zeigt, was im Verborg'nen lag; Das Gute und das Böse sprosst da freier: D'rum schliess' von ihm nun auf den jüngsten Tag. Dem Scharfsinn g'nügt Ein Wort aus weisem Munde, Aus tausend Zeichen braucht er zweier kaum; Der äuss're Lenz gibt dir vom inn'ren Kunde, Der Apfelkern vom fruchtbelad'nen Baum. Geniess' der Datteln und der süssen Feigen, Des Pfirsichsaft's, der dir Erfrischung beut; Bald wird der Frühling sich zum Herbste neigen: Unwiderbringlich flieht die Lebenszeit! Entsag' der Welt, wenn du Bestand willst finden, Sie kann vergänglich nur und treulos seyn; Und soll sich Lust und Freude dir verbinden, So halte dich an Küsse und an Wein. O möchtest Folge meinem Rath du leisten, Denn liebevoll ertheilt dir ihn mein Mund: »Schweig', weiser Mann! Wer schweigt, sagt oft am Meisten: So gibt der Lenz auch das Geheimste kund.« [Der du schufst der Himmel Sieben!] Der du schufst der Himmel Sieben! Kraftlos bin ich, sende Hilfe! Du den Jung' und Alte lieben! Kraftlos bin ich, sende Hilfe! Der du Geist und Seele zügelst, Zeit und Raum mit Kraft beherrschest, Kennst, was uns geheim geblieben! Kraftlos bin ich, sende Hilfe! Gnädig gegen Gut' und Böse, Kennst in Huld du keine Gränzen: Ein'ger! – ruf ich schmerzgetrieben – Kraftlos bin ich, sende Hilfe! Du Bereich'rer des Verarmten, Du Gefährte des Verlass'nen, Hast dich Treuen treu verschrieben; Kraftlos bin ich, sende Hilfe! Mund und Gaum preist deinen Namen; Tag und Nacht ruft meine Stimme: »Lenker du von allen Trieben! Kraftlos bin ich, sende Hilfe!« Du des Glaubens lichte Sonne! Mir, dem Vogel in dem Käfig, Wolle Hilfe nicht verschieben! Kraftlos bin ich, sende Hilfe! [Bald bin ich falsch, bald bin ich wahr] Bald bin ich falsch, bald bin ich wahr, Doch diess und das ist gut fürwahr! Bald bin ich braun, bald schwärzlich gar, Doch diess und das ist gut fürwahr! Die Sonne bin ich, strahlenreich, Bin Simurgh in der Geister Reich, Bin Salomonens Siegel gleich, Doch diess und das ist gut fürwahr! Die Erde bin ich, bin die Fluth, Und bin der Wind, und bin die Gluth; Bin böse bald, bald wieder gut, Doch diess und das ist gut fürwahr! Bald will ich Türk', bald Perser seyn, Bald Finsterniss, bald heller Schein, Bald, wie ein Härchen, dünn und fein, Doch diess und das ist gut fürwahr! Der Tag bin ich, der Mond, das Jahr, Das Frühlingsfest, der Bairam gar; Ich strahl' als Seelenfackel klar, Doch diess und das ist gut fürwahr! Ich wechsle Farbe wöchentlich, Stets anderswo erblickt man mich, Mein Vorsatz ändert stündlich sich, Doch diess und das ist gut fürwahr! Mein Mond ragt über's Himmelsfeld, Mir ist die Fahne beigesellt; Zum Throne Gottes reicht mein Zelt, Doch diess und das ist gut fürwahr! Was wäre mir der Mensch wohl hier? Es starb durch meinen Pfeil das Thier; Verwandt ist Div und Engel mir, Doch diess und das ist gut fürwahr! Der Huris und der Peris Schaar Ruht mir am Fuss wie am Altar; Ich höhne den der ruhmvoll war, Doch diess und das ist gut fürwahr! [Das theure Bild, das ich so gern gefunden] Das theure Bild, das ich so gern gefunden, Ich seh' es nicht in dem Versammlungs-Saal; Wo kam es hin? Es ist dem Blick entschwunden: Mir glänzt im Kreise nimmermehr sein Strahl. Mein Blick, der sich nach allen Seiten kehrte, Sah nirgends seinen Rosengarten blüh'n; Wo ist, o Musulmanen! der Verehrte, Den ich geseh'n hier, gleich der Kerze, glüh'n? O nenne ihn: denn die ihn nennen, büssen, Vermodernd, nimmer in dem finstern Grab. Glückselig Jene, die die Hand ihm küssen! Ihr Mund träuft Milch, ruft einst der Tod sie ab Ich spreche zuckersüss von seinen Wangen; Ihm Gleiches wird die Welt wohl nimmer seh'n; Es muss die Erde fruchtlos nach ihm bangen, Denn liebend sieht man sich den Himmel dreh'n. O nenn' die Namen von Tebrisens Licht, Birg länger sie dem Ohr der Sehnsucht nicht! [Die Zeit des Morgenweines kehrte wieder] Die Zeit des Morgenweines kehrte wieder; O singe, Nachtigall, ihm Lob und Preis, Und stimme in der Sohre süsse Lieder, In seiner trunk'nen Gäste frohem Kreis! Der Antheil hat an dem geweihten Orden, Den wecke unverweilt mit sanftem Schlag; Doch Jenen, dem die Weihe nicht geworden, Den lasse schlafen bis zum jüngsten Tag. Sag' ihm ein Wörtchen nur, er wird's verstehen, Und es sich hängen an des Herzens Ohr; Die Ketzerei legt dann – bald wirst du's sehen – Ihm hundert helle Glaubensperlen vor. Der König winket einem Liebesblitze, Und plötzlich fährt er in des Himmels Hain; Das Feuer steigt bis zu des Mondes Sitze, Und krachend stürzen seine Säulen ein. Wen seines Schöpfers wundervolle Gnade Zum hehren Ruhm der Heiligkeit erkohr, Bedarf der Mühe nicht auf seinem Pfade, Und sprengt im Nu des Kerkers festes Thor. Vor seines Blickes gnadenreicher Spende Wird jede That zu einem gold'nen Schatz; Es treibt der Schlägel, ohne Schlag der Hände, Den Spielball weit von seinem Tummelplatz. Stets bringt Tebrisens helle Wahrheitssonne Des Frommen Herz, wie eine Perle klar, Beseligt von der allerreinsten Wonne, Dem Throne ihres mächt'gen Sultans dar. [Komm, o komm, du bist der Seele] Komm, o komm, du bist der Seele Seele in des Reigens Tänzen; Bist ein Bund von tausend Lichtern, Machst das Haus des Reigens glänzen! Du nur kannst das Herz erleuchten, Aehnlich hunderttausend Sternen; Komm denn, o erhab'ner Vollmond An des Reigens Himmelsfernen! Komm, denn Welt und Seele zollt dir Staunend den Tribut des Schweigens; Komm denn, du o Schönheitswunder In der hehren Welt des Reigens! Komm denn, du o einz'ge Münze Auf dem Markte dieses Lebens; Komm, denn Gold, dir ähnlich, sucht man In des Reigens Schacht vergebens! Komm, denn hart an deiner Pforte Halten die Verliebten Wache; Reiche denn des Reigens Leiter Hold herab von deinem Dache! Komm, weil Glanz dem Markt der Liebe Deine Lippe nur ertheilet, Die in dieses Reigens Bude Als verborg'nes Liebchen weilet! Lass uns auf des Sinnes Zucker Von Tebrisens Sonne hoffen, Denn die Lust nach ihrer Lippe Hält den Mund des Reigens offen. [Man sagt, der Liebe Fürst sei] Man sagt, der Liebe Fürst sei An Treue leer; doch Trug ist's. Man sagt, dass ohne Morgen Dein Abend wär'; doch Trug ist's. Man sagt, du woll'st aus Liebe Dir selbst das Leben rauben, Und nach dem Tode gäb' es Kein Leben mehr; doch Trug ist's. Man sagt, vergebens fliesse Der Liebe heisse Zähre, Und ist das Aug gebrochen, Sei Dauer schwer; doch Trug ist's. Man sagt, wenn wir getreten Aus dieser Zeiten Kreise, Kehr' unser Geist vom Jenseits Wohl nimmermehr; doch Trug ist's. Es sagen jene Leute, Die nie ein Wahnbild schreckte, Prophetenworte haben Wohl nie Gewähr; doch Trug ist's. Es sagen jene Leute, Die krumme Pfade wandeln, Nie führ' ein Pfad den Diener Zu Gottes Meer; doch Trug ist's. Man sagt, der Herzenskenner Gäb' vom verborg'nen Jenseits Nie ohne Mittler Kunde Dem Dienerheer; doch Trug ist's. Man sagt, dem Diener berg' er Geheimnisse des Herzens, Ihm, dem er nie des Himmels Genuss bescheer'; doch Trug ist's. Man sagt, der Sohn des Menschen, Geformt aus Erdenstaube, Nie mach' mit Himmelsbürgern Bekanntschaft er; doch Trug ist's. Man sagt, nicht um ein Stäubchen Wird Böse oder Gute Die Wahrheitssonne lohnen Mit Schmach und Ehr'; doch Trug ist's. Man sagt, nie schwing' die Seele, Hoch auf der Liebe Flügel, Vom Staub sich in die Lüfte Zum Lustverkehr; doch Trug ist's. O schweig' mit deinem Liede, Damit nicht Jemand sage: »Dein Wort gleicht leerem Schalle Nur allzusehr;« doch Trug ist's. [Eines Augenblickes Dauer] Eines Augenblickes Dauer Taucht' ich in der Liebe Meer, Und im Meer der Liebe schaut' ich Hunderttausend Perlen hehr. Plötzlich sandt' ich einen Blick hin Aus dem Augen reger Kraft, Und die Welt sah ich verwirret Durch der Liebe Leidenschaft. Chiser ward ich, fand des Lebens Süssen Quell um Mitternacht, So dass ew'ge Lebensdauer Mir im Liebesweine lacht. Moses gleich, sprach ich: »O Schöpfer, Zeige dich mir klar und hehr!« Und vom Herrn der Liebe schallten Hunderttausend: »Nimmermehr!« Issa gleich, beleb' ich Todte, Durch des Hauches sanfte Spur; Dieses sinn'ge Räthsel löset Dir der Name »Liebe« nur. Salomonen ähnlich strebe Nicht nach eitlem Prunk der Welt, Denn sonst bleibst du schwach und irre Auf der Liebe weitem Feld. Mohammeden ähnlich wandle Immer auf des Rechtes Bahn, Und zur hohen Liebes-Kanzel Hebt sich dann der Fuss hinan. Bleib', wie Joseph, eine Weile Sitzen in dem finstern Brunn, Denn dann lässt der Fürst der Liebe Auf Egyptens Thron dich ruh'n. Sprich von menschlichem Geheimniss Nimmer, wie der Molla thut: Wenn des Meeres Woge brauset, Wird der Liebe Meer zu Blut. Sieh des Herzens Wunderwelle, Die dem Liebesmeer entsprungen; Sie erhebt sich, um zu zeigen Wie sich Lieb' empor geschwungen. Die Gestalt der Freudenwelle Prangt in unermess'nen Räumen; Lass von Breite und von Länge Nichts im Liebesfeld dir träumen! O Verstand! Erschliess' das Auge Um zu blicken mit Vertrauen, Denn du kannst auf meiner Wange Die Gestalt der Liebe schauen. Hin zum Lichte drängt das Licht sich; Doch der Blinde kann's nicht wissen: Zweifelsohne wird auch Liebe Stets nur Liebe suchen müssen. Ungeboren, stirbt die Liebe, Die von Hefen rein ist, nimmer; Liebe altert nicht; nein, ewig Glänzt sie in der Jugend Schimmer. Wissenschaft, vom Schöpfer stammend, Ward von früher Huld geleitet. Wird dem weisen Mann der Liebe Je des Alters Schmach bereitet? Huris, Paradiese steigen Ihm aus Stein und Felsenspalten: Vor dem Herzensblick der Liebe Kann sich nichts verborgen halten. Was da ausströmt inn're Wärme, Zuckersüsse Früchte spendet, Leben schenket deinem Leben, Ist der Strahl, den Liebe sendet. Ja, Vĕlēd war vor der Schöpfung Mit dem alten Gott verbunden: Liebeswein aus Gottes Becher Musst' ihm ohne Lippe munden. [Du o Werther, Freund, Gefährter des Verliebten!] Du o Werther, Freund, Gefährter des Verliebten! Aug' voll Helle, rings der Wälle des Verliebten! Wirksam' Mittel, dass da Kraft und Stärke bleibe Jenem zartgeformten Leibe des Verliebten! Deine Hoheit, deine Güte, dein Erbarmen Reisst die Ruhe aus den Armen des Verliebten. Zum Propheten formtest du ein Wahngebilde, Zur Erinn'rung für die Gilde des Verliebten. Dem du nimmer wirst als Freund zur Seite stehen, Wird er je das Walten sehen des Verliebten? Eine Frucht von deinem liebenden Verlangen Ist die Thräne, ist das Bangen des Verliebten; Eine Frucht von deiner leitenden Geberde Ist der sich're Gang der Pferde des Verliebten. Deine Kette löst die Herzen die sie drücket, Wie dein Rath die Ohren schmücket des Verliebten. Lang schon ist es, dass zum nächt'gen Schlaf nicht taugen Jene schamerfüllten Augen des Verliebten; Lang schon ist es, dass der Esslust muss entsagen Jener nimmersatte Magen des Verliebten; Lang schon ist es, dass der Safran aufgegangen Auf dem Tulpenbeet der Wangen des Verliebten; Lang schon ist es, dass des Auges helle Zähre Ward zum gränzenlosen Meere des Verliebten. Was kann jemals, hat er dich nur, ihn betrüben, Der zum Troste du geblieben des Verliebten? Hundert Schätze willst du Einem Grane weihen, Und den Gran zu Füssen streuen des Verliebten. O das Wort: »Beglückt dass ich beim Schöpfer wohne!« Ist die Ehre, ist die Krone des Verliebten! »Nur für dich erschuf mein Wort die Himmels-Säle;« Alle neun steh'n zum Befehle des Verliebten. Seiner Huld gefiel es so; d'rum sprich nicht länger, Und befreie nun den Sänger des Verliebten. [Welten, hört! Das Herz macht klar das Glück der Liebe] Welten, hört! Das Herz macht klar das Glück der Liebe; Was Gott will, das wird fürwahr das Glück der Liebe. Reinheit, Treue birgt der Liebe grausam' Walten: Schön, ach schön stellt stets sich dar das Glück der Liebe! Höher steht ein Blick der Liebe als ein Leben; Hehr ist, wie nichts Hehres war, das Glück der Liebe. Wahrheit und Verstellung sind von mir gewichen; Voll von Trug ist, doch auch wahr, das Glück der Liebe. Nicht aus Schwäche kreist die Sonn': von Stell' zu Stelle Schafft und trägt sie immerdar das Glück der Liebe. »Selig sei das Ende !« ruft des Volkes Stimme; Da kam endlich wunderbar das Glück der Liebe. Meine Lippe schliess' ich, denn es löst die Flügel In der Frommen Brust der Aar: das Glück der Liebe. Lässt sich auch ein Glück, wie das Chălīl's erbitten: Keine Bitte je gebar das Glück der Liebe. Liebeseinheit wohnt bei dir, doch Zweiheit nimmer: Du, die Liebe, oder gar das Glück der Liebe! [Du o Gotterfüllter Redner] Du o Gotterfüllter Redner, Du o Augenlicht der Wahrheit, Du o Retter der Geschöpfe Aus den glutherfüllten Wogen, Bist ein Greis, ein mächt'ger König, Unvergleichlich, voll von Klarheit, Hilfe leistend jeder Seele, Die der Erde Lust betrogen. Welches Wesen darf sich prahlen, Deine Liebe zu erringen? Deiner Schönheit Macht erfüllet Selbst des Schöpfers Licht mit Liebe. Welches Mittel werd' ich wählen? Jene Liebe legt mir Schlingen! Liebekrank bin ich geworden, Du o Arzt der süssen Triebe! Deine Gnade heisst mich kommen, Deine Rache heisst mich gehen; Welche – sag' mir's – spricht die Wahrheit? Spare mir des Zweifels Qualen! Seelensonne, die in Tebris Uns der Gottheit Licht lässt sehen, Ein beredter, holder Geist ist Jedes Stäubchen deiner Strahlen. [Heute ist der Tag der Freude] Heute ist der Tag der Freude, Heuer ist das Jahr der Rose; Wohl ergeht's uns; d'rum ergeh' es Wohl auch immerdar der Rose! Sieh, des Freundes Rosenwange Lieh der Rose ihre Hilfe: Unser Auge wird nun nimmer Schauen die Gefahr der Rose. Trunken sind Narcissenaugen, Und es lacht der Mund des Gartens, Denn es zeigt die Pracht und Anmuth Sich nun offenbar der Rose. Liljen öffnen ihre Zungen, Und vertrau'n Cipressen-Ohren Jener Nachtigall Geheimniss, Die die Freundin war der Rose. Uns zu Liebe hat die Rose Ihre Kleider nun zerrissen: Gleiches thun wir bei der Hoffnung Die die Lust gebar der Rose. Jener Welt entspross die Rose; Diese Welt erfasst sie nimmer; In der Welt der Traumgebilde Stellt kein Traum sich dar der Rose. Eine Bothin ist die Rose, Von der Seelenflur gesendet, Und man wird den Brief der Schönheit In dem Bild gewahr der Rose. Lasst der Rose Saum uns haschen, Lasst uns mit der Rose ziehen, Tanzend mit dem Stamm und Zweige, Jenem Stützenpaar der Rose: Stamm und Zweig der Rose tränket Mŭstāfā's erhab'ne Gnade, Der zum Vollmond schafft den Neumond In dem Bilde klar der Rose. Leben gebt ihr ihm, und schenket Immerdar ihm neue Schwingen, Mögt ihr noch so oft die Schwingen Rauben jenem Aar der Rose. Gleich dem Doppelpaar der Vögel, Die einst Gottes Freund belebte, Keimet, auf den Ruf des Lenzes, Neu empor das Haar der Rose. Theurer Lehrer! Schweig' und schliesse Knospenähnlich deine Lippe: Magst im Schatten heimlich lächeln, Ruhend am Altar der Rose. [Welch' eine Werkstatt ist's] Welch' eine Werkstatt ist's, Die du gehegt im Herzen? Und welche Götzen sind's, Die du gepflegt im Herzen? Es kam der freud'ge Lenz, Es kam die Zeit der Saaten; Wer weiss es, welches Feld Du hast geegt im Herzen? Den Flor der Heiligkeit, Der Aeusseres verhüllet, Gelüftet hast du ihn, Und weggelegt im Herzen. Der Fuss des Suchers steckt Tief in des Schlammes Gründen; Das Haupt füllt Weindunst ihm, Der sich geregt im Herzen. Weit höher steht das Herz Als selbst des Himmels Zinne; Sonst würde nimmer dir Der Mond bewegt im Herzen. Es mag des Menschen Herz Wohl eine Hauptstadt heissen: Du bist's, der immerdar Die Krone trägt im Herzen. Das Herz, o Seele, ist Ein Wunderforst zu nennen: Du bist's, der Könige Als Wild erschlägt im Herzen. Das Meer des Herzens treibt Wohl tausend hohe Wogen Voll Perlen, wie man sie Nur stets erfrägt im Herzen. Es schweiget jetzt mein Mund; Zu eng ist der Gedanke Für jenes Herzensbild Das du geprägt im Herzen. Bis die Sonne nicht ihr hehres Lichtgezelt hat aufgeschlagen, Wird der Ring der Tagesvögel Seinen Flug wohl nimmer wagen. Tulpen sprossen aus der Erde Durch der Sonne Feuerblicke; Und wer jetzt im Hause weilet, Fördert selbst sein Missgeschicke. Sieh, das Blut der Morgenröthe Ward vom Sonnenschwert vergossen: Recht ist's, wenn das Blut von tausend Morgenröth'gen ihm geflossen. Liebender, erschliess' dein Auge, Blick' empor zum Seelenreiche! Ach, er gleicht dem vollen Monde, Während ich dem Neumond gleiche. Immer beut er mir den Becher, Dem der Dauer Glück entquillet, Und durch seines Bechers Gnade Ward ich, Flaschen gleich, gefüllet. Schlaferfüllten Auges sprach ich: »König, sieh die Nacht erscheinen!« »Nacht vor deinem Antlitz – sprach er – Doch unmöglich vor dem meinen .« Graut der Morgen, weiss noch Niemand Was vom Tage sei zu halten; Doch im hellen Mittagsglanze Kann der Zweifel nimmer walten. Blicke auf die Seelensonne, Scharfen Auges, voll Vertrauen; Wenn du von mir dich gewendet, Wirst die Schönheit du erschauen. In dem Glanze seiner Scheibe Prangt der Glaubenssonne König; Er, die Zier von Tebris' Fluren, Dem das Glück ward unterthänig. Deine glanzerfüllte Schönheit Raubt mir den Verstand, o Herz! Und ich nenne dich ein Kunstwerk Aus des Schöpfers Hand, o Herz! Tausend Sonnen, tausend Augen, Tausend Fackeln dienen dir: Dunkel ist vor deinem Strahle Selbst der Seelen Land, o Herz! Gränzen gibt es, die die Schönheit Nicht zu überschreiten wagt; Doch die deine hat wohl nimmer Granzen anerkannt, o Herz! Sanfte Peris, wilde Dive Harren knechtisch deines Wink's; Engel, Sterne, Himmel biethen Dir der Treue Pfand, o Herz! Welchem Herzen hast du nimmer Aufgedrückt der Liebe Maal? Welchem Maal versagst du jemals Heilenden Verband? o Herz! Alle ew'gen Schätze stehen Unter deinem Machtgeboth, Und du wahrst auch ird'sche Schätze, Reich an Unbestand, o Herz! Nicht entziehe den Verbrannten Deinen Blick; denn sieh, dein Blick Kühlt und labt gleich Kevser's Quelle, Heilet jeden Brand, o Herz! »Jener Mond – so sprach ich – gleichet Tebris' hellem Sonnenlicht.« Doch das Herz sprach: »Nein; denn Beide Trennt ein weiter Rand, o Herz!« [Der du herrschest auf dem ew'gen Throne] Der du herrschest auf dem ew'gen Throne, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Du des Lebens, der Erbarmung Krone, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Der du schaffest und voll Huld ernährest, Nächte dunkel machst und Tage klärest, Und Vergebung jeder Schuld gewährest, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Der du das Verhüllende verdeckest, Das Geheimste aus den Tiefen weckest, Alle Thaten kennest und vollstreckest, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Mächtig bist du, und ich bin der Schwache, Schlafend leb' ich, und du bist der Wache, Sündig bin ich, Huld ist deine Rache, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Wenn ein Thor hat Falsch und Trug gesponnen, Wenn ein Weiser Kluges hat begonnen, Wenn ein Diener fehlte unbesonnen, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Wer den Hals von deinem Reich gewendet, Hat stets spur- und namenlos geendet. Der du Dürft'gen Hilfe stets gespendet, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Thaten will ich, Kenntniss nicht erflehen; Schlau und falsch hat man mich stets gesehen. Der du nie und nimmer wirst vergehen, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Lass mich ach, nicht meine Fehler lieben, Fürst, der nur Gerechtigkeit kann üben! Weil ich Frevel sonder Zahl getrieben, Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Der du Balsam in die Herzen giessest, Freundlich jeden Körpersschmerz versüssest, Und, als Schlüssel, jedes Thor erschliessest! Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Auf der Flur hat man des Ostes Wehen Frech der Rose Hemd zerreissen sehen, Und es schien ihr holdes Aug' zu flehen: »Grosser Gott! Verzeihe und verschone!« O Gefährte du der dunkeln Nächte! Du erschufst und nährest deine Knechte. Leite meine Seele hin zum Rechte: Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Sprich: »Ein Gott herrscht in der Welten Reichen, Einig, ewig, nimmer zu erreichen; Und ich konnte And're ihm vergleichen?« Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Der du schufst die lichten Himmels-Säle! Blicke nicht auf meine häuf'gen Fehle, Denn gleich sündig stets blieb meine Seele; Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Nur die Gottheit kann dein Wesen lehren; Ewig werden deine Zeichen währen; Deine Spiegel sind des Sieges Ehren; Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Netze sind auf Berg und Thal zu sehen: Mocht' ich fromm seyn, mocht' ich mich vergehen, Horch nicht minder auf des Sängers Flehen; Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Ich erlitt zu wiederholten Malen Von den Menschen jede Art von Qualen; Rein vom Roste soll mein Herz doch strahlen; Grosser Gott! Verzeihe und verschone! Leicht durchschreiten wir der Welt Gefährde, Wenn uns Gott erleichtert die Beschwerde. Rufe stets: »O Unbestand der Erde! Grosser Gott! Verzeihe und verschone!« Glaubenssonne! Im Tĕbrīs der Seele Drückst das Siegel du auf die Befehle; Sprich vom Herzen denn, mit lauter Kehle: »Grosser Gott! Verzeihe und verschone!« [Gestern liess am heil'gen Hofe] Gestern liess am heil'gen Hofe Ich der Herrschaft Pauke tönen, Stellt' ein Zelt hoch auf die Zinnen, Die des Schöpfers Hauptstadt krönen; Auf des Himmelsthrones Gipfel Trank ich, mir vom Freund kredenzet, Wein der Einheit, der im Glase Des allmächt'gen Schöpfers glänzet. Und ich kam so sehr von Sinnen Dass, aus Trennungsgluth, zur Stelle Ich ein lohes Feuer sandte In der Geistigreinen Zelle. Becher, Wein und Schenke strahlten Als ein Einz'ges hold mir wieder, Gauern- und Moslimen- Häupter Trat mein Einheits -Fuss da nieder. Und noch einmal ward ich trunken, Mein Verstand trat aus dem Gleise, Und ich jubelte im Herzen, Folgend Salomonens Weise; Und ich sattelte den Ostwind, Um den Morgen zu durchfliegen, Und der Macht, der ich mich rühmte, Musste dann sein Reich erliegen. Dieses Glück, ich fand es einzig Durch Tebrisens Glaubenssonne; Mit der Stirn rieb ich den Boden, In des Selbstvergessens Wonne. [Du o Freund der eig'nen Wahl, wie find' ich dich?] Du o Freund der eig'nen Wahl, wie find' ich dich? Herz, das mir das meine stahl, wie find' ich dich? Immer suchst du meinen Werken zu entflieh'n: In den Werken sonder Zahl, wie find' ich dich? Du versprachst mir Manches ach, und Nichts geschah; O mein Götze, dieses Mal wie find' ich dich? Wird sie lange währen noch der Fremden Pein? Ohne Fremde in dem Saal wie find' ich dich? Der du der Verliebten Hülle hast zerstückt! Du verhüllst dich mir zur Qual: wie find' ich dich? Du, vor dessen Wange sich die Rose schämt! In dem duft'gen Rosenthal, wie find' ich dich? Bosheitsaugen gibt's, o Herz, wohl wen'ge nicht; Sprich so viel nicht, Ideal! wie find' ich dich? Der dein Antlitz nicht geschaut im süssen Schlaf, Wachet seltsam allzumal; wie find' ich dich? Tebris' Sonne fand fürwahr dein Strahlenlicht: Doch in jenes Lichtes Strahl wie find' ich dich? Mein Herz, ich warf es hin auf meines Freundes Bahn, Und füllte diese Welt mit meinen Klagen an. Das Ordenskleid, den Teppich und den Rosenkranz, Ich weihte sie nunmehr der Schenke gar und ganz. In's thränenvolle Herz warf ich den Feuerbrand, Und schleuderte den Streit in der Verliebten Land. Vom Armuthsbogen riss den Kenntnisspfeil ich los, Und warf ihn schwirrend dann in seines Zieles Schoos. Ich wählte mir das Mark des Koran's zum Gewinn, Und warf die leere Haut dem nieder'n Pöbel hin. Die Güter dieser Welt sind nichts als ekles Aas: Diess ekle Aas, ich warf's den Hunden vor zum Frass. Kleid, Turban, Wissenschaft, der Meinung streitend' Wort, In's Wasser warf ich sie, die Welle spült sie fort. Tebrisens Sonne sprach diess Wort mit klugem Sinn: Dem Seelen- Molla warf ich schlau ein Räthsel hin. [Ich bin des Schöpfers Königsfalke] Ich bin des Schöpfers Königsfalke, Und prangte auf des Sultan's Hand; Vom Handgriff seiner Macht beweget, Durchflog ich raschen Flug's das Land. Aufflog ich von des König's Händen, Neun Himmel mass mein rascher Lauf; Und sieben Sterne sah ich glänzen, Und stieg auf Keïvan's Schloss hinauf. In dem geweihten Heiligthume Lag stumm ich an der Huris Brust, Und war, als Adam noch nicht lebte, Der Pförtner in dem Hain der Lust. Hoch auf der Herrschaft mächt'gem Throne, Den Siegelring an meiner Hand, War ich der Div' und Peris Meister, Eh' Salomon geherrscht im Land. Oft schritt ich durch des Feuers Gluthen; Die Gluthen schienen Rosen nur: Man suchte mich im Rosenhaine, Und mich verbarg die Rosenflur. Ich kam, gleich einer reinen Perle, In's Gemmenkästchen dieser Welt; Ich kam aus Sehnsucht nach dem Himmel, Wo hundertfach mich Ruhm umstellt. Es singt, mit Tebris' hehrer Sonne, Die Ewigkeit diess süsse Lied; Zum Thron des ew'gen Gottes war es, Wo man mich Sänger hin beschied. [Immer neue Lasten trag' ich] Immer neue Lasten trag' ich Mühsam fort von Tag zu Tage; Doch nicht ohne Absicht ist es Dass ich solches Unglück trage: Denn der Winterzeit Beschwerde, Des Decembers Schnee und Kälte Trag' ich in der süssen Hoffnung, Dass der Frühling mir vergelte. Vor dem Wesen, das dem Schwachen Kraft und Stärke hat gegeben, Trag' ich diesen zarten Körper Mit Ergebung durch das Leben. Wenn man aus zweihundert Städten Schmachbeladen mich vertriebe, Trüg' ich's mit gelass'nem Sinne, Einem Könige zu Liebe. Säh' ich dass Gewölb' und Wohnung In Ruinen sich verkehre, Trüg' ich's jener Treue wegen, Die für's Tulpenbeet ich nähre. Gottes Liebe ist die Veste, Die da schirmt in jeder Lage; Darum frommt's, dass in die Veste Ich der Seele Vorrath trage. Jenen Trotz der fremden Schönen – Steinern ist das Herz bei Allen – Trag' ich willig und ergeben, Bloss der Bürde zu Gefallen. Seinen Onyx aufzufinden Will ich Berg und Schacht durchgraben; Dornenlasten will ich schleppen, An der Rose mich zu laben. Seiner zwei Narcissen willen, Die vom Glanz des Weines strahlen, Trag' ich, gleich erprobten Zechern, Heitern Sinn's, des Rausches Qualen. Jener holden Beute willen, Die dem Garn droht zu entfliehen, Will das Garn ich und die Netze Auf der Jagd zusammenziehen. Und er sprach: »Wirst du den Kummer Tragen bis zum jüngsten Tage?« Und ich sprach: »Ja, holder Liebling! Frommt's mir doch, dass ich ihn trage.« Eine Höhle ist der Busen, Und der Freund die Glaubenssonne: Für den theuern Freund der Höhle Trag' ich selbst den Spott mit Wonne. [Sieh, es nahet uns der Schenke] Sieh, es nahet uns der Schenke Mit des ew'gen Wein's Pocale: Trinket aus dem ew'gen Becher, Und verschmäht die ird'sche Schale! Sättigt euch, doch ohne Speise; Horchet auf, doch ohne Ohren; Sprecht, doch ohne Schall und Worte; Schweigt, als wärt ihr stumm geboren! Seid stets fröhlich, o Verliebte, Trinkt und zecht nach Wohlgefallen! Schwingt euch auf der Hoheit Rücken, Tretet in die Marmorhallen! Weckt des Herold's laute Stimme; Männern nur gilt sein Verlangen: Des Gerichtes Herold nahte, Und ihr seid in Lust befangen! Trinkt, um ganz den Durst zu löschen, Schwelgt, um Wonne zu erjagen: Dieser Tag gehört der Feier: Feiert nach der Faste Tagen! O willfahret, o willfahrt uns Auf der Einheit reinen Wegen! Einem Flusse sind wir ähnlich: Taucht darein, so wird euch Segen! O Vertrauter Selsebilens! Wir sind Selsebilens Quelle: Auf denn, holder Knabe, leit' uns Zu des Paradieses Schwelle! [Das Geheimniss frommer Waller] Das Geheimniss frommer Waller Ward mir klar und offenbar, Und stets gleiche Pfade schritt ich Mit der heil'gen Bürger Schaar. Fern von ird'schen Räumen sah ich Das erhab'ne Himmelsdach, Wurde Staub und legt' als Teppich Mich in's himmlische Gemach. In den Adern treuer Liebe Ward ich Blut und brauste wild, Und im Auge der Verliebten Ward ich Thau und glänzte mild. Und bald ward ich, so wie Issa, Eine Zunge ganz und gar, Bald ein Herz, stumm und verschwiegen, Wie das Weib, das ihn gebar. Was von Issa und Maria Lebet in der Sage fort, Dieses Alles ward ich selber, Schenkst du Glauben meinem Wort. Von der Gottgeweihten Liebe Schmerzendem Lanzettenstich Ward ich hundertfach verwundet; Doch das Pflaster auch bin ich. Mit dem Todesengel wallt' ich Gleiche Bahnen immerdar, Und zur Stelle will ich sterben, Wenn er je mir furchtbar war. Und ich kämpfte mit dem Tode Angesicht an Angesicht, Bis des grausen Todes Auge Wonne mir gebracht und Licht Und den Sattelgurt des Lebens Gürtete ich vollends los, Und dem Sattel ew'ger Dauer Schwang ich rasch mich in den Schoos. Hör' von mir den Laut der Flöte Tönend aus des Ew'gen Reich, Der ich krumm bin und gebogen, Einer Harfe Rücken gleich. Gott, das weiseste der Wesen, Zeigte mir sein Angesicht, Und ich gab mich Gott zum Opfer, Und mehr Weisheit taugt mir nicht. Als der Feste grösstes pranget Stets Tebrisens Sonnenstrahl, Und zum grössten Opfer ward ich Bei des Festes heil'gem Mahl. [Ha Gaselle, schönste Zier auf Jemen's Flur] Ha Gaselle, schönste Zier auf Jemen's Flur, Du mein Auge, meine Seel' im Körpersraum! Jung noch bist du, frisch ist deiner Lippe Flaum, Und der Milch bist du entwöhnt seit Kurzem nur. Dass ich liebe, ward zwar allen Menschen klar; Doch weiss Niemand, wer mir weckt der Liebe Lust: In ihm leb' ich und er lebt in meiner Brust; Wer sah je in Einem Leib ein Seelenpaar? Trenne oder knüpfe enger noch das Band: Was du thust, es kann ja nur erwünscht mir seyn, Antlitz Joseph's, türk'scher Nacken glatt und fein, Wange Dilem's, zartes Kinn aus Griechenland! [Weise seyn, heisst immerdar] Weise seyn , heisst immerdar Sich im Gram bewähren; Lieben , heisst sein eig'nes Ich Immerdar entbehren. Sich zu senken in das Meer Werden Weise scheuen; Die Verliebten kann allein Das Versenken freuen. Weisen beut es Ruh' und Trost, Ruhe zu bereiten; Für Verliebte ist die Ruh' Schmach zu allen Zeiten. Unter Menschen lebt, wer liebt, Einsam, abgeschieden, Wie das Wasser und das Oel Jederzeit sich mieden. Rath zu geben Liebenden, Wem das je gefiele, Würde wilder Leidenschaft Bitt'rem Spott zum Ziele. Liebe gleicht dem Moschusduft, Kann sich nicht verstecken; Muss nicht Moschus immerdar Sich von selbst entdecken? Liebe ist ein Baum; wer liebt, Wird dem Schatten gleichen, Der da ferne weilt und nie Kann den Baum erreichen. Knaben altern allzumal, Die nach Weisheit ringen; Doch durch Liebe wird sich, traun! Selbst der Greis verjüngen. Wer, o Sonne von Tĕbrīs, Liebt und Demuth zeiget, Deiner Liebe wird er gleich, Die stets höher steiget. [O Herz! Du sollst an diesem letzten Tage] O Herz! Du sollst an diesem letzten Tage Von deinen Banden muthig dich befrei'n; Doch hörst du nicht was ich dir warnend sage, Siehst du es morgen; doch zu spät wird's seyn. Zu Rüste geh'n musst du dein Leben schauen, Doch schaffe diess dir nicht vergeb'ne Pein; Und solltest meinem Worte du misstrauen, Siehst du es morgen; doch zu spät wird's seyn. »Ich stamme – prahlst du – von moslim'schem Stamme, Kein Kerker schliesst den freien Geist mir ein; In meiner Seele loht des Glaubens Flamme.« Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Es sehnt dein Herz sich stets nach Honigraube, Allein versüsst er dir die Lippe? Nein. Stets auf der Zunge nur wohnt dir der Glaube; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Fünf bis sechs Worte nur hast du gelesen, Und schon entsagst du milder Hoffnung Schein; Ungläubig bleibst du, wie du's stets gewesen; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Zum Schein nur sprichst du die Bekenntnissworte, Und fädelst nie der Thaten Perle ein, Und schläfst beständig an der Trägheit Pforte; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn, Von Wahrheit fern, umkreisest Ungeweihtes Bald näher und bald ferner du; allein Diess heisst Gebet wohl nur in deinem Wahne; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Wenn nun der Fastenmond herangerücket, Lockt das Verborg'ne dich im heil'gen Schrein; Die rohe Gierde ist's, die dich berücket; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Du hast den Weg der Kaba eingeschlagen, Geld sammelnd nur, und funkelndes Gestein; Nur desshalb mag die Wallfahrt dir behagen; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Von Gott verirrt, hast du nur Schmach erworben; Dich hüllen hunderttausend Schleier ein; Du nährst den Leib, doch ist dein Herz erstorben; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Du liessest, falscher Richter, dich bestechen; Doch frommten wohl dir freche Räuberei'n? An deinem Brote klebet das Verbrechen; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Du sollst der Waisen Habe nicht berühren – Lehrt das Gesetz – denn sie ist nimmer dein. Durch schnödes Silber liesst du dich verführen; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Als Pred'ger sprichst du von der Menschheit Schwächen, Und birgst dich hinter'm Vorhang härchenfein; Wo sind die Thaten die dem Wort entsprächen? Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Du predigst auf der alten Kanzel Zinne, Man hört dich Perlen in die Worte streu'n; Wohlan! doch handle auch in gleichem Sinne; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. O Greis, der nach dem alten Weibe schmachtet! Sprich einmahl wahr in deiner Freunde Reih'n: Hast rühmlich nach dem Rechte du getrachtet? Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Der Arme wird fürwahr in beiden Welten Der Erste seyn in jeglichem Verein; Für einen Bettler wird ein Fürst dir gelten. Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Du Gier'ger, dürstend nur nach ir'dscher Ehre, Gott gab dir Reichthum und du nennst ihn dein; Doch glaubst du, Thor, dass er wohl ewig währe? Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Mit Unrecht häufst du, was der Zehend spendet, Durch Jahre auf; doch kann es wohl gedeih'n? Wenn rings um dich sich Alles dreht und wendet Siehst du es morgen; doch zu spät wird's seyn. O armer Thor, der du dich selbst verrathen! Sprich, weisst du nicht dass wir dem Tod uns weih'n? Die Bahre ist die Arche uns'rer Thaten; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Der Lebensräuber sehnt sich nach der Seele, Der Teufel reizt; ihn kann nur Böses freu'n; Beständig ruft er, spornend dich zum Fehle: Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Der Erbe sinnt, dass er stets reicher werde; Das Weib will einen ander'n Gatten frei'n; Im Leichentuch, das Haupt voll Staub und Erde, Siehst du es morgen; doch zu spät wird's seyn. Die Knoten lösend, die dein Thun beschweren, Mög'st du auch Ander'n deine Schätze leih'n, Will's gleich der böse Satan dir verwehren; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Im Leben sollst du Freude dir erlesen, Denn, bist du todt, was nennst du dann noch dein? Du bist der Ander'n Anwalt nur gewesen; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Willst du beglückt auf dieser Erde leben, So lass' dich nie des argen Frevels zeih'n, Du wollest über'm Grab nach Reichthum streben; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. Horch des Tebriser's Wort; er biethet Frieden; Horch schweigend ihm, sein Wille ist so rein; Wo nicht, so sind auf immer wir geschieden; Du siehst es morgen; doch zu spät wird's seyn. [Zart ist jene Glaubenssonne] Zart ist jene Glaubenssonne, Wie kein Joseph je noch war, Zart, wie keiner der Monarchen, Die der Zeiten Schoos gebar. Ueber Könige und Fürsten Ragt sie hundertfach empor: Zart ist sie im Kreise Jener, Die Gott schauen hell und klar. Durch die göttlichsten der Gaben Schmückt sie der Vollendung Zier; Zart ist sie auf jedem Sitze Und auf jenem Throne gar. Sie verschönt das Glück des Friedens, Sie verherrlicht jeden Kampf: Zart ist sie beim Friedensfeste Und beim Kampfe immerdar. Seiner Schätze gold'nen Schlüssel Legt der Schöpfer vor sie hin; Zart ist sie, weil sie, beseligt, Seine Liebe ward gewahr. Unter hunderttausend Monden Glänzt sie wie der Sonne Licht; Zart stellt unter'm Fürstenlobe Sich ihr eig'nes Lob uns dar. Wer zum Fussstaub ihr geworden, Hebt das Haupt mit Stolz empor: Zart ist, wen ihr Wein berauschte, In der trunk'nen Männer Schaar. Blick' auf jene Meereswoge, Die die Frömmsten selber scheu'n: Zart schläft sie auf jener Woge, In der Mitte der Gefahr. [Kennst du des Reigens Sinn?] Kennst du des Reigens Sinn? Gehorsam nicht verneinen Und, von sich selbst getrennt, Dem Schöpfer sich vereinen. Kennst du des Reigens Sinn? Des Daseyns Lust vergessen, Und im Vergänglichen Das Ewige ermessen. Kennst du des Reigens Sinn? Bei seiner Liebe Streichen, Das Haupt zum Ball umformt, Nie von der Spielbahn weichen. Kennst du des Reigens Sinn? Stets mit sich selber kriegen, Und, wunden Vögeln gleich, Im Staub und Blute liegen. Kennst du des Reigens Sinn? Des alten Jacob's Schrecken Und Joseph's Liebesduft Bloss durch das Hemd entdecken. Kennst du des Reigens Sinn? Die Moses- Ruthe schwingen, Und Pharao's Zaubermacht Dadurch zum Weichen bringen. Kennst du des Reigens Sinn? Mit Gott vertraulich leben Und, ohne Führers Hand, Die Engel überschweben. Kennst du des Reigens Sinn? Wie Tebris' helle Sonne, Mit off'nem Herzensaug' Das Licht schau'n heil'ger Wonne. [Morgen ist's, d'rum steh', o Jüngling] Morgen ist's, d'rum steh', o Jüngling, Schnell von deinem Lager auf, Schnüre dein Gepäck, und folge Rasch der Karavane Lauf! Weiter zog die Karavane, Und du wurdest nimmer wach, Dir zur Schmach und dir zum Schaden, Dir zum Schaden, dir zur Schmach. O vergeude nicht dein Leben Auf dem Pfad der Sinnlichkeit, Dass du frisch und grünend bleibest Für und für in Ewigkeit. Hast du erst die Gier getödtet, Die dein Herz zum Bösen treibt, Bist du sicher dass des Kämpen, Dass des Helden Ruhm dir bleibt. Wenn dein Beten und dein Fasten Dem Allmächtigen gefällt, Magst du stolz die Füsse setzen Auf das höchste Himmelszelt. Sei der Reinheit stets beflissen, Sei der Staub an diesem Thor, Und vermeide Stolz und Dünkel Stets in der Verliebten Chor. Wagst du es mit frevlem Sinne Je auf diesen Chor zu schmäh'n, Wirst du schnöd am jüngsten Tage Mit den Hunden aufersteh'n. Dienst du Tebris' heil'ger Sonne Als ein treuer Sclave gern, O so ruf' in lauter Wonne: »Lob dir, hilfereichem Herrn!« [Wahnsinn fasst mich beim Gefühl der Liebe] Wahnsinn fasst mich beim Gefühl der Liebe, Die ich für Derwische stets empfunden; Hätt' ich doch, zum Lohn für meine Triebe, Der Derwische Wohnort aufgefunden! Nimmer sprech' ich vom Derwische heute Der sich anschickt zu verschmitzten Streichen; Denn es gibt viel unglücksel'ge Leute Die im Aeussern den Derwischen gleichen. Nur von dem Derwische will ich reden, Den, so oft er seufzt aus banger Seele, Eine Stimme, tönend wie aus Eden, Freundlich frägt, was dem Derwische fehle? Mohammed, hold dem Derwischen- Pfade, That gar stolz auf den Derwischen- Orden; Viele Zeichen sind, von Gottes Gnade, Zum Derwischen- Ruhm gesendet worden. Wenn Derwische ihren Tanz beginnen, Bei dem Klange ihrer frommen Lieder, Schwebt der Schöpfer von des Himmels Zinnen In das Gasthaus der Derwische nieder. Wenn der Becher im Derwischen- Kreise, Vollgefüllt mit Liebeswein, erklinget, Ist es Chiser, der Prophet, der Weise, Der als Derwisch- Schenke sich verdinget. Selbst Hăidēr, der Fürst der gläub'gen Lande, Des Propheten Schwäher, reich an Segen, Sprach, er wolle in des Knecht's Gewande Gern die Schwelle der Derwische fegen. Lasse deinen Blick, o Tebris' Sonne, Den Derwischen Huld und Gnade künden! Dann nur wirst du ew'ge Lebenswonne Durch die Herzen der Derwische finden. [Fackel du am Himmelszelt] Fackel du am Himmelszelt, Gottes Huld auf dieser Welt! Wolle hören auf mein Fleh'n, Und auf meine Lage seh'n: Denn aus hundertfacher Qual Eilt' ich flüchtend in dein Thal. Segne mich mit milder Hand, Schüttle nimmer dein Gewand! Giesse aus die Gnadenfluth, Lösche meines Grames Gluth, Oder mach' mich, Issa gleich, Frei von diesem Gluthenreich. Oeffne mir der Gnaden Thür, Dass ich möge für und für Hunderttausend Rosenau'n Und Jasminenfelder schau'n; Oder lass' in meine Brust Ströme fliessen hehrer Lust: Wasser, Honig, Milch und Wein Sollen diese Ströme seyn. Gib, was ich gewünscht von dir, Oder tilg' den Wunsch in mir; Halte ja dein Wort gewiss; Thue Jenes oder Diess. Flehe ohne Unterlass Um den Beistand Mustafa's, Der auf des Erbarmens Pfad Huldvoll diese Welt betrat! [Unser Reigen, theure Seele] Unser Reigen, theure Seele, Ist nur geistiger Natur; Meide d'rum bei diesem Tanze Stets des Hochmuth's fernste Spur. Unser Reigen kennt den Dünkel, Kennt die schnöde Selbstsucht nicht: Männlich deinem Selbst entsagen Sei darum dir strenge Pflicht. Unser Reigen ist nicht Körpern, Ist nicht Seelen unterthan; Schwinge dich im Sphärenschwunge Ueber aller Secten Wahn! Unser Reigen ist Berauschung, Liebe ohne Sinnentrug, Und er gähret, gleich dem Weine, In des Körpers ird'nem Krug. Unser Reigen bannt die Bosheit, Bannt den Hass aus jeder Brust, Macht gar leicht dich frei vom Stolze, Reinigt dich von wilder Lust. Unser Reigen lässt der Seele Wundervollen Garten schau'n; Deines Grames Dornenfelder Wandelt er in Rosenau'n. Unser Reigen ist des Lebens, Ist der Jugend ew'ger Quell: Bist du Chiser, o so trinke Von dem Lebenswasser schnell! Unser Reigen ist ein Festtisch, Wo Gott Köstliches vereint; Wohl der glückbetheilten Seele, Die dabei als Gast erscheint! Unser Reigen ist ein selt'nes, Wunderbares Unterpfand, Das des Allerbarmers Gnade Legte nur in Menschenhand. Unserm Reigen bebt die Erde, Wenn ihr Auge auf ihn fällt, Und von Furcht und Angst erschüttert Wird des Himmels Azurzelt. Unser Reigen, Alle sprechen Die da einmal ihn geseh'n: »Nimmer haben wir die Kräfte Jenen Tanz zu übersteh'n!« Unser Reigen ist der Antheil, Der in reinen Geistern wohnt, So wie unsers Körpers Antheil, Jener Geist der in ihm thront. Unser Reigen ist voll Fürsten, Herrschend in der Liebe Land: Sieh, wie Einer stets dem Ander'n Des Verdienstes Ball entwand! Unser Reigen ist ein Pfandgut Das der Schöpfer, huldbewegt, In des dankerfüllten Adam's Frohe Hände hat gelegt. Unser Reigen ist erhaben Ueber jede Himmelsflur; Unerforscht ist diess Geheimniss, Und du prüfst es fruchtlos nur. Unser Reigen ist die Wüste Immerdar mit Blut gefüllt: Horch, wie in der Wüste Mitte Eine Schaar von Löwen brüllt! Unser Reigen ist als männlich, Ist als kriegerisch bekannt, Weil er stets aus seinem Kreise Alle Weiber hat verbannt. Unser Reigen ist kein Wohnplatz Für die nied're Dienerschaar: Jeder ist darin ein König, Ja ein Weltmonarch sogar! Unser Reigen ist die Wonne Gott von Angesicht zu schau'n; Vor des Teufels schlauen Ränken Darf darin uns nimmer grau'n. Unser Reigen – wenn der Molla Fromm in dessen Ringe weilt, Wanket er und wird von Schrecken, Und von banger Furcht ereilt. Unser Reigen – setzt der Molla Sich in dessen hehren Kreis, Nahen Gottes fromme Männer Diesem Kreise schaarenweis. Unser Reigen – zwar man übt ihn Nur auf nied'rem Erdengrund, Und doch macht er Sonnen kreisen, Und der Sterne lichten Bund. Unser Reigen ist ein Festtag, Kennt nur Lust und keinen Schmerz, Und kein Seufzen und kein Stöhnen Presst er aus der Menschen Herz. Unser Reigen ist das Leben, Ist die Seele der Natur: Ohne Seele ist die Erde Wohl ein lächelnd' Feuer nur. Unser Reigen ist ein Garten, Huris weilen d'rin voll Huld; Aber ach, du bist erblindet, Und diess ist nicht meine Schuld. Unser Reigen, ihn beschränket Nicht des Himmels hehres Feld, Denn an Höhe sind ihm Schranken, Sind ihm Gränzen nicht gestellt. Unser Reigen gleicht dem Schatze Der mit Perlen ist gefüllt; Tausend Meere, tausend Schachte Hat er überall enthüllt. Unser Reigen ist unschätzbar, Ist der köstlichste Gewinn; D'rum, o Sohn, gib nicht zu wohlfeil, Gib um keinen Preis ihn hin! [Schon naht der Herbst, o Gärtner! Auf den Wangen] Schon naht der Herbst, o Gärtner! Auf den Wangen Der Blätter zeigt sich seine fahle Spur; O Gärtner, horch der Bäume lautem Bangen, Und horch der stummen Klage auf der Flur! Die Lippe schweigt, das Aug' vom Nass umfangen Beweint die Safranfarbe der Natur; Des Grames Rabe hat den Hain betreten, Und frägt nun spöttisch, wo sich Rosen betten? Wo sind Jasmin und Lilje hingekommen? Wo ist die Wiese hold in Grün gehüllt? Habt ihr von Früchten-Ammen nichts vernommen, Und vom Behälter, stets mit Milch gefüllt? Mein Sprosser, meine Taube sind entschwommen! Wo ist des Psittich's, wo des Pfauen Bild? Weil Adam von dem Unglükskorn genossen, Ist ihre Krone, ist ihr Schmuck zerflossen. Wie Adam einst, klagt jetzt der Rosengarten, Wenn Gott auch sprach: »Verzweifeln sollt ihr nicht.« In Trauer steh'n die Bäume, die geschaarten, Und stöhnen, fruchtleer, ob dem Strafgericht. Vom Storche muss ich noch auf Antwort warten, Ob ihn das Grab umfängt, ob Himmelslicht? Bald rauscht der Bach, o Rabe, durch die Wiese, Und schafft die Welt zum neuen Paradiese. O Schwätzer! lass drei Monde nur entschwinden, Dann schaut dein blindes Aug' der Erde Pracht; Und Esrafil wird uns das Licht entzünden, Und wir erwachen aus des Todes Nacht. Wie lang noch wirst du Zweifel uns verkünden, Und blut'gen Auges schau'n des Himmels Macht? Bald stirbt des Herbstes Wurm und seine Plagen, Und wonnig wird des Glückes Morgen tagen. O holder Morgen, mach' das Dunkel weichen, Und lass' der Wärme Zauber sich erneu'n! O Sonne, trete in des Widders Zeichen, Entflieh' dem Mars und wolle Ambra streu'n! Lass' Rosen lächeln und belebe Leichen, Lass' Alles sich der höchsten Klarheit freu'n! Gleich Körnern drangen wir aus uns'rer Hülle, Und Gaben bringt der Garten nun in Fülle. Vom Schönheitsglanze ist die Au umflirret; Der Zeitenkreis rühmt seine Vaterschaft; Der Storch, der auf des Köschkes Zinnen schwirret, Ruft: »Dein, o Herr, ist Macht und Reich und Kraft!« Der Sprosser schlägt, die Turteltaube girret Vom jungen Glück, das kräftig wirkt und schafft; D'rum schweig' und horche auf der Vögel Lieder; Sie schweben ja vom Geisterlande nieder. [Weisst du warum ich in dein Dorf gekommen?] Weisst du warum ich in dein Dorf gekommen? Nicht Gott, dein Liebreiz lenkte mir den Fuss. Ich habe, dürstend, Krüge mitgenommen, Denn Lebenswasser hält dein süsser Fluss. Reich' mir, dem Armen, eine kleine Gabe, O du, ganz Huld und ganz Erbarmen mir! Im Nothjahr frommt's, dass Joseph's Reiz uns labe: D'rum komm' ich ja in meiner Noth zu dir. Der Sofi selbst hat süsses Wohlgefallen An deinem süssen, liebevollen Mund; Ein Lärm erscholl Nachts durch des Tempels Hallen, Weil du mit Moschus angefüllt sein Rund. Füllt deine Hand den Korb mir, o der Wonne! Dann preis' ich segnend deine milde Hand, Erwählte Seele du, Tebrisens Sonne, Durch deren Kost das Weltall Sätt'gung fand! Du, dessen Reize diese Welt bedräuen, Du Süsser nur machst mir das Leben werth; Mit Gemmen ist des Himmels Saum beschwert: Er will sie alle dir zu Füssen streuen. Sieh der Verliebten Seelen wogend fleussen: Sie eilen alle nur nach deinem Meer; Berauscht hast gestern du ein liebend' Heer; Hältst du wohl morgen, was du heut verheissen? Seh' ich, in eig'ner Farbe, hold dich prangen, Färbt deine Galle mich ganz gelb und fahl; Betracht' ich deines Wesens reinen Strahl, Zeigt mir dein Antlitz eines Mondes Wangen. Ich nannte Mond dich: ach, verzeih' dem Fehle: Was ist der Mond, um ähnlich dir zu seyn? Tebrisens Sonne spricht ja gleichfalls: »Nein!« O du, der Aufruhr weckt in meiner Seele! [Weh ruf' ich über deine Hand] Weh ruf' ich über deine Hand, Das trunk'ne Aug', den Lippenbrand; Du, dem kein Herz noch widerstand! Weh ruf' ich über deine Hand. Tag's gräm' ich mich, denn du willst flieh'n, Nachts muss ich stets in Feuer glüh'n, Und schwere Trennungsbürden zieh'n; Weh ruf' ich über deine Hand. Wie oft war Täuschung schon mein Loos, Wenn meines Herzens Blut dir floss! Du floh'st aus meiner Liebe Schoos: Weh ruf' ich über deine Hand. Stets grausam gegen mich und hart, Hast Huld für And're du gespart: Was zwang dich zu so schnöder Art? Weh ruf' ich über deine Hand. Du bist ein holdes Liebchen, traun! Du gehst und willst mich nimmer schau'n; Gleichgültig ist dir mein Vertrau'n; Weh ruf' ich über deine Hand. Mein Liebesfuss steht festgebannt, Zerstückt ist meines Herzens Wand, Zerrissen meiner Seele Band; Weh ruf' ich über deine Hand. Die Nacht hab' klagend ich durchwacht, Hab' mein Geheimniss kund gemacht, Und Streit auf Erden angefacht; Weh ruf' ich über deine Hand. Sieh, wie mein Herzblut sich verzehrt, Mein Schicksal jeden Trost's entbehrt, Mein grader Wuchs sich erdwärts kehrt! Weh ruf' ich über deine Hand. Ich dulde, quälst du noch so viel; Ich trinke Gift, wenn's dir gefiel; Ich steh' dir gern als Unglücksziel; Weh ruf' ich über deine Hand. Weil ich nur suche Schmerz und Pein, Schlag' ich die Bahn der Treue ein; Wohin ich gehe bin ich dein; Weh ruf' ich über deine Hand. Mein Geist ist Tebris' Sonnen-Aar, Und meine Treue rein und wahr; Du wiederhole immerdar: »Weh ruf' ich über deine Hand.« [O Sofi, reinen Sinn's und hehr!] O Sofi, reinen Sinn's und hehr! Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« O der du treu geliebt bisher! Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Willst du dich ganz zur Seele weih'n, Dich würdig an das Liebchen reih'n, – Was du nur willst, das wirst du seyn – Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Wie lang läufst du von Ort zu Ort, Und suchest hier und suchest dort? Willst haarklein kennen du den Ort? Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Du warst's, zu dem ich spähend schlich; Dir opfern alle Seelen sich, Dein Wohlduft macht zum Sclaven mich; Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Du Ordner jener heil'gen Schaar! Propheten zeugten dich fürwahr; Dein Bettler heiss' ich immerdar; Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Flieh' Ird'sches, such' des Glaubens Licht; Leist' auf die ganze Welt Verzicht; Sprich Dieses nicht, sprich Jenes nicht; Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Hebt sich dein Sinn zu Gott empor, Leih'st du nicht Irdischem dein Ohr, Kömmt selbst das Schwerste leicht dir vor; Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« Des wahren Glaubens Sonnenstrahl! Du trafst der Weisheit sich're Wahl; Du Keim der Welten ohne Zahl! Sprich aus der Seele: »Gott ist Er.« [O Seele! Mosen bist du zu vergleichen] O Seele! Mosen bist du zu vergleichen, Und ich, ich bin der Stab in deiner Hand; Bald stütze ich das Volk, gleich einer Wand, Bald häuf' ich, als dein Drache, blut'ge Leichen. Von deiner hulderfüllten Hand getragen, Bin ich ein Freund, ein treuer Stab für dich; Doch ich gestalte auch zur Schlange mich, Will deine Tugend mich zu Boden schlagen. Du Dauernder nach heiligen Gesetzen, Du, dessen Dauer keine Zeit ermisst! Ich will nur stets in deiner Treue Frist Das Ziel von meinen Lebenstagen setzen. Mag es der Tage viele noch mir leihen Das wandelbare, kreisende Geschick, Ich will sie alle deiner Liebe Glück Und deiner zauberischen Minne weihen. Es hat das Herz sich ganz zum Aug' umstaltet, Als einst mein Aug' zum Herzen sich gewandt, Und frug, wie ohne Gaum- und Zungenband Es deinen holden Zauber wohl entfaltet? Seitdem von dir, auf unerforschten Wegen, Das Aug' dem Herzen brachte Kunde klar, Erfleht das Herz für jenes Augenpaar, So wie für dich, des Himmels besten Segen. Der Himmel dreht sich jede Nacht im Kreise, Reich ausgeschmückt mit Fackeln sonder Zahl, Und sucht dein Aug', das Aller Herzen stahl, Als schönes Ziel der wunderbaren Reise. Wär' auch kein Rest mehr übrig im Pocale, Wär' auch der Beutel gänzlich schon geleert, So sind doch hundert Seelen mir bescheert In deiner Wange lebensvollem Strahle. Muss meine Hab' ich und mein Haus beweinen, Das Öde liegt durch meine Leidenschaft, Wird doch belebend stets, mit junger Kraft, Dein milder Strahl auf die Ruine scheinen. O Seele! Frommt es deinem strengen Willen Dass Herzen stets nur fühlen Gram und Schmerz, So überlass' ich froh dem Gram mein Herz, Um' deine strengen Wünsche zu erfüllen. Im Mörser bittern Gram's und herber Plage Zermalme mich zu Stücken winzig klein; Ist morsch erst und zermalmet mein Gebein, Kommt deine Augenschminke hold zu Tage. Die Seele, ach, wie soll ich sie beschreiben? Ein Blättchen ist sie deiner Schönheitsflur. Was ist das Herz wohl? Eine Blume nur Im Hain, wo üppig deine Blüthen treiben. An's Schweigen will ich künftig mich gewöhnen, Obwohl im Grunde ich auch jetzt nicht sprach: Denn ach, nur du hältst meine Stimme wach, Und deine Rede klingt aus meinen Tönen. [Du schenkst mir deine Liebe] Du schenkst mir deine Liebe; Doch ich will dich versehren – d'rum horch! Erhebe keine Bauten, Denn ich will sie verheeren – d'rum horch! Baust du zweihundert Häuser, Ameisen gleich und Bienen, Ich heisse doch Verwandte Und Freunde dich entbehren – d'rum horch! Du trachtest stets die Männer Und Weiber zu berauschen, Doch ich will dein Erstaunen Und deinen Rausch vermehren – d'rum horch! Durchschreite kühn das Feuer, Wie's Gottes Freund durchschritten: Zu hundert Rosenauen Will ich die Gluth verklären – d'rum horch! Wenn Armuth dich, gleich Mühlen, Im raschen Schwünge drehte, Will ich empor dich heben Hoch zu des Himmels Sphären – d'rum horch! Und wärst du auch an Weisheit Ein Lokman oder Plato, Will ich mit Einem Blicke Dich ganz und gar bethören – d'rum horch! Du liegst in meinen Händen, Wie ein erlegter Vogel: Ich, Jäger, will für Vögel Dich in ein Netz verkehren – d'rum horch! Du schläfst, gleich einer Schlange, Beim reichen Schatz, o Wächter! Ich krümme dich, o Schlange: Du wirst umsonst dich wehren – d'rum horch! O Muschel, traure nimmer, Da dich mein Meer umfangen: Als Muschel soll dein Busen Die hellsten Perlen nähren – d'rum horch! Es können nimmer Schwerter Dir an die Seele dringen, Wirst du dich mir als Opfer, Gleich Ismail, bewähren – d'rum horch Und ward dein Saum beflecket, So greif' nach meinem Saume: Ich will dir einen Lichtsaum, Dem Monde gleich, bescheren – d'rum horch Ich bin der Vogel Huma, Voll Huld dein Haupt beschattend: Ich will man soll als Sultan, Als Feridun dich ehren – d'rum horch! Ich warne: »Lese nimmer, Sei stumm stets und geduldig; Ich will die wahre Lesung Des heil'gen Buch's dich lehren – d'rum horch!« [Liebte ich ihn nicht so innig] Liebte ich ihn nicht so innig, Suchte ich sein Dorf wohl auf? Lechzt' ich nicht nach seinem Wasser, Folgt' ich seines Flusses Lauf? Was mich an den Thoren fesselt? Lächerlich bin ich fürwahr; Er erkennt ja keine Kette, Als sein kettengleiches Haar! Raube mir Vernunft und Sinne; Wolle sind sie mir im Ohr: Ist die Wolle aus dem Ohre, Dringt des Lieblings Stimme vor. Bei mir selbst hab' ich's beschlossen – Spricht mein Herz in Liebesgluth – Nie nach ander'm Wein zu dürsten, Als nach seiner Feinde Blut. Er erfüllt mein Herz mit Blute, Und mein Haupt mit Mohn und Wein, Und mein Herz soll seine Schale, Und mein Haupt sein Becher seyn. Mond und Venus müssen weichen, Zeigt er hold sein Angesicht, Und so süss wie sein Benehmen Ist Hălvā und Kandel nicht. Wesshalb weinst du? Ach, aus Sehnsucht Nach des Freundes Zucker nur. Wesshalb bist du gelb? Sein Antlitz Gleicht ja einer Tulpenflur. Immer treibst du mit Gewalt mich Zu Tebrisens Sonne hin: Sag', o Herz, in's Ohr mir leise, Welche Zauber hin dich zieh'n? [Komm' Seele, wenn der Tag entschwand] Komm' Seele, wenn der Tag entschwand, Nachts in der Trunkenen Pallast; Sei, bei Bekannt und Unbekannt, Von Nacht zu Tag ein theurer Gast! O Joseph, reich an Schönheitsmacht, Entschwinde Jacob's Blicken nicht! Zur Kraftnacht schaffe diese Nacht, Und sei des Trauerhauses Licht! Uns Sündern schenke Gnad' und Huld, Uns Nackten gib ein Ehrenkleid, Uns Schwachen Stärke und Geduld, Uns Kranken Trost in Schmerz und Leid! Uns Frevlern sei des Glaubens Bild, Uns Schuld'gen zeig' dich gnadenreich, Uns Blinde leite sanft und mild, Ein Himmelskind, dem Risvan gleich, Als Wächter schlage kühn und frei Auf jenes geist'ge Trommelfell; Um Dive zu vertreiben, sei Ein Satan, schleudernd Sterne hell. Der Seele Nacht weicht deiner Macht, Wenn hold bei uns der Vollmond wohnt; Komm' lichte Seele dunkler Nacht, Komm' und erglänze, heller Mond! Schweig', o beklemmtes Herz, und sprich Von Recht und Unrecht nimmermehr: Verschliess' den Mund und berge dich: Klar und verborgen ist nur Er . [Wenn des Grames Dornen pflanzte] Wenn des Grames Dornen pflanzte ein verirrtes Herz, Weil die Welt ein Freund verlassen, theilend Gram und Schmerz, Dann zertrümmert sich die Sonne, die den Thur beschien, Und aus jeder ihrer Trümmer formt sich ein Rubin; Auf das Zelt von Issa's Mutter fiel ihr strahlend' Rund, Und das Kind gab in der Wiege sich durch Worte kund. Wer es waget zu verläugnen dieser Sonne Ball, Finde nimmer Rast und Ruhe in dem Weltenall. Wenn sie sanft ein Herz berühret, mit der Liebe Stab, Stürzen hunderttausend Quellen von dem Fels herab. Möge doch ein Aug' der Bosheit – meines ist es zwar – Frevelnd nimmermehr berühren solch' ein Wangenpaar. Um den Markt der Liebe wölbt sich hundertfacher Trug; Auch auf deinem Markt, o Schlaue! ist des Trug's genug. Vor dir weilt Tebrisens Sonne stets mit kluger List, Ringen ähnlich, dort sich drehend, wo du Zaub'rin bist. [Bist du entschlossen nach dem Freund zu streben] Bist du entschlossen nach dem Freund zu streben, O Herz, so leiste auf dich selbst Verzicht: Dem Feuer Leib und Seele Preis zu geben Bleibt immerdar des Falters erste Pflicht. Willst du Bestand, musst du dich selbst vernichten, Dir selbst entschweben, um ein Gott zu seyn, Als armer Mann auf jeden Trost verzichten, Von Fremden und Verwandten dich befrei'n; Musst immerdar zu Gott empor nur blicken, Und sprechen von der Liebe Glück allein, Und mit des Wahnsinn's Halsring dich umstricken, Und, so wie wir, verrückt und trunken seyn. Allüberall sieht man die Einheit walten Auf dieser Welt; was zögerst du allein? Hast du an unsern Glauben dich gehalten, So trete muthig in der Schenke Zelt; Berausche dich mit Wein, gleich Calenderen, Aus jenes Liebling's Liebesglas allein; Was unser Glaube und sein Gegner lehren Sind Mährchen nur und eitle Träumerei'n. Der Wein, womit ihr Schöpfer selbst sie letzte, Prangt in der Reinheit ewig hellem Strahl; Gott ist der Erste und Gott ist der Letzte, Gott ist der Schenke, Gott ist der Pocal. Die Nacht beim Liebling ist so voll von Wonne, Dass ihr das Glück des ew'gen Lebens weicht; Horch auf die Rede von Tebrisens Sonne, Die einem Schatze in Ruinen gleicht. [Scheint der Mond - ich weiss es nimmer] Scheint der Mond – ich weiss es nimmer – Scheint die Sonne deiner Wangen? Ach, wie lang wird meine Seele Noch im Trennungsfeuer bangen? Trennung ist's – ein Jeder weiss es – Die stets neuen Tod mir bringet: Nimmer birgt sich Liebesfeuer, Das bis in die Seele dringet. Ich misskannte deiner Liebe Sel'gen Tag, im wilden Muthe: Nun brennt Nachts mein Eingeweide, Und es schwimmt mein Herz im Blute. Seiner Brauen Pfeile gleichen Löwen, die auf Herzen jagen, Wenn die hellen Schelmenaugen Er erwachend aufgeschlagen. Aus der Erde weitem Raume Formt ein China sich von Düften, Ward die Locke seines Haares Sanft gekämmt von Morgenlüften. Sehnsucht nach der Leïla Wange Ist's, was einzig mir geblieben, Und durch Wälder hat der Wahnsinn, Gleich Mĕdschnūn, mich fortgetrieben. Mĕwlānā muss nun für immer Deinen Onixmund entbehren, Und aus seinen Augen stürzen Perlen- und Rubinenzähren. [Sprich, wie lebst du, meine Seele] Sprich, wie lebst du, meine Seele, Du mein sehend' Augenpaar? Sprich, wie lebst du, Neid des Mondes, Neid des Himmels immerdar? Hunderte sind deinetwegen Wüste und berauscht, wie ich: Sprich, wie lebst du ohne mich wohl? Ich, ich kränkle ohne dich. Orte, wo du nicht bist, scheinen Scorpionenlöcher mir: Sprich, wie lebst du an den Orten Wo nichts lebet ausser dir? Himmelsvogel, der du stürztest In ein Netz von Thon und Fluth! Sprich, wie lebst du hier auf Erden, Umgeformt zu Fleisch und Blut? Aus dem schönen Rosengarten Fielst du auf die Asche heiss: Sprich, wie lebst du gegen ehmals In der Aschenmänner Kreis? Du, o hoher Caf der Ruhe, Hast dich zur Geduld gestählt: Sprich, wie lebst du, der, gleich Anca, Einsamkeit dir hast erwählt? Nur durch dich besteh'n die Welten; Doch in welcher Welt bist du? Sprich, wie lebst du, Allbeleber, In der abgeschied'nen Ruh'? Der du Sonnenglanz beschämest! Sprich, wo ist dein holder Ost? Sprich, wie lebst du, der du Gifte Gern verkehrst in süsse Kost? Umgestürzt hast du mein Wesen; Selber fass' ich mich nicht mehr: Sprich, wie lebst du, dem für immer Folgt der Streite wildes Heer? Wenn du fern von Herzen weilest, Wie bewohn'st du dieses Herz? Sprich, wie lebst du, wenn in Herzen Du geläutert hast den Schmerz? Tebris' Sonne, hehrer König, Dessen Gleichen man nicht kennt, Sprich, wie lebst du, vom Allmächt'gen Nur mehr bogenweit getrennt? [Des Herzens Caba pilgernd zu umkreisen] Des Herzens Caba pilgernd zu umkreisen Sei, hast du ja ein Herz, dir Pflicht und Lohn: Denn eine geist'ge Caba ist dem Weisen Das Menschenherz, das Lehm dir scheint und Thon. Gott hat, die ird'sche Caba zu umwallen, Durch heil'ge Satzung dir gebothen zwar; Doch als ein Mittel nur ihm zu gefallen, Und ihm ein Herz zu opfern, treu und wahr. Hast du zu Fuss die Caba auch umkreiset, Und tausendmal diess fromme Werk geübt, So fürchte doch dass Gott zurück dich weiset, Wenn du ein einz'ges Menschenherz betrübt. Entsage willig des Besitzthum's Rechte, Und handle liebevoll ein Herz dir ein: Denn selbst im Leichentuch der finstern Nächte Bestrahlt dich dieses Herzens klarer Schein. Bringst tausend Säcke du mit gold'ner Fülle Der Majestät des Herrn zum Opfer dar, So spricht der Herr: »Ein Herz nur ist mein Wille, Wenn ja dein Wille mir zu opfern war: Denn Gold und Silber kann mich nimmer ehren, Es hat in meinen Augen keinen Werth: Ein Herz nur ist mein sehnliches Begehren, Wenn anders je auch du nach mir begehrt.« Wohl höher als des Himmels höchste Zinne, Und als des Schicksals Tafel und sein Rohr Steht ein verödet' Herz; – doch deinem Sinne Kömmt es unscheinbar, gleich dem Halme, vor. D'rum wolle nimmermehr ein Herz verkennen, Wenn es auch klein dir und verächtlich schien: Denn heilig ist ein Menschenherz zu nennen: Es webt und lebt der Heiligste darin. Ein ödes Herz gleicht einem Prunkgefilde, Auf das mit Lust des Schöpfers Auge schaut. Beglückte Seele, die des Bauherrn Milde Zu neuem Leben herrlich aufgebaut! Ein Herz beleben das, dem Gram verfallen, Vom Schmerz in hundert Theile ward zerstiebt, Ist Gott gefäll'ger als des Pilgers Wallen, Der nur die äussern Glaubenspflichten übt. Ein Herz, das der Verödung Qual empfunden, Ist ein verborg'ner, Gott geweihter Schatz; Nur in der Oede wird der Schatz gefunden; Dort wird dem Gräber reichlicher Ersatz. Umgürte dich um Herzen treu zu dienen, Und Jenem, der den Herzen treu sich weiht; Die Bahn, die ein Geheimniss dir geschienen, Sie zeigt vor dir sich offen dann und breit. O streu' des Dienstes Korn, mit treuem Sinne, Hin auf der Herzen wunderbares Feld: Dann werden dir, zu bleibendem Gewinne, Die geist'gen Ernteschober hingestellt; Aus deiner Zunge wird zur selben Stunde Des Lebens Wasser strömen klar und rein, Und, gleich dem Worte aus Messias' Munde, Dich von der Krankheit herben Qual befrei'n. Aus Liebe bloss zu einer einz'gen Seele Erschuf der mächt'ge Gott das Weltenpaar: »Für dich allein schuf Gott die Himmels-Säle« Diess hehre Wort, vernimm es immerdar: Denn sonst bestände Zeit und Raum wohl nimmer, Und nimmer auch der Welten hoher Bau, Und nicht die Sonne, nicht des Mondes Schimmer, Die Erde nicht und nicht des Himmels Blau. Schweig'! Dich zu loben, der im Himmel waltet, Ist jede Zunge viel zu schwach und klein, Wär' in zweihundert Zungen auch umstaltet Ein jedes Härchen, noch so zart und fein. [Gleich Rosen gehst du nach dem Rosengange] Gleich Rosen gehst du nach dem Rosengange; Ich bin bei dir, gehst du gleich ohne mich. Die Lilje preist mit hundert Zungen dich: Schön gehst zu Liljen du, o Rosenwange! Dem Trunk'nen reichst Rubine du zum Trunke, Du gehst und reichst den klarsten Wein ihm dar. Gleich Sternen folget dir der Schönen Schaar: Gehst du, ein Mond, in anmuthsvollem Prunke. Willst du dass Jemand möge Feuer fangen, Gehst du und machst dein Herz zu Stein und Stahl. Ich, Stäubchen, tanz' in deinem Sonnenstrahl, Gehst du an's Fenster, um dort hold zu prangen. Dass Tebris' Sonne hell in's Auge blinke, Gehst du, o Herz, zerstäubt zu Augenschminke. [Wünschest du beständ'ge Dauer] Wünschest du beständ'ge Dauer, Ringst du nach Unsterblichkeit, Mache rasch dich von der niedern, Wandelbaren Welt befreit. Lasse Herz und Körper fahren, Wähle keinen festen Stand, Dann gestalten stets die Dinge Dir sich zur Zufriedenheit. Fliehe Ketzerei und Glauben, Fliehe Liebe stets und Hass, Flieh' die Zeit, denn streben sollst du Weiter noch als selbst die Zeit. In der Liebe zu dem Schöpfer Leiste auf dich selbst Verzicht; Suche Freiheit von dir selber, Im Gefühl der Ewigkeit. Sieh' das Körnchen in der Erde; Glücklich ist es, wenn es stirbt: Die Vernichtung hält in Fülle Reiche Gaben ihm bereit; Ward die Selbstheit erst vernichtet, Wird aus Blatt und Erde Frucht, Die da strebt empor zum Himmel Aus der ird'schen Dunkelheit. Bist du arm, doch nicht erblindet, Heb' dich, gleich Wĕlēd, empor: Denn du herrschest dann im Jenseits Ueber Länder, weit und breit. [Musulmane, hört es, hört! Ich habe] Musulmane, hört es, hört! Ich habe Einen Räuber aus dem Türkenland, Der durch seines selt'nen Muthes Gabe Eine Schaar von Löwen überwand. Wenn er kräftig seinen Bogen spannet, Bebt des Herzens stilles Paradies, Und es stürzt, von Schrecken übermannet, Mond und Sohre von des Himmels Fries. Was ich fühle, heisst den Menschen Liebe: Doch mir heisst es harte Seelenpein; Süsse Schmerzen, sind es, Wundertriebe, Die allein doch Ruh' und Trost verleih'n. Lässt er mir die schöne Wange sehen, Weicht das Dunkel und die finst're Nacht; Lässt er seine duft'gen Haare wehen, Schwindet Christenthum und Glaubensmacht. Eifersucht spricht immer: »Sei gelassen, Ist die Seele theuer dir und werth:« Doch die eig'ne Seele könnt' ich hassen, Hätt' ich solchen Gleichmuth je genährt. Wen zum Wahnsinn Liebe hat getrieben, Nagt verzweifelnd an der Kette Rand; Gleiche Freiheit ist auch dir geblieben, Und du nagst mit Recht am Kettenband. O Mĕdschnūn! Sprich vom geheimsten Glücke; Fürchtest du die Feinde des Gelags? Himmel, reisse dein Gewand in Stücke! Harrst du etwa erst des jüngsten Tags? Deine Triebe, wenn sie Raum nicht fänden Aufzufliegen in der ird'schen Burg, Mögst du auf den Caf der Nähe senden, Denn du bist ja Anca und Simurg. Willst du dass ich Wahrheit dir vertraue? Reiche mir der Mannheit Becher dar; Willst du dass den rechten Pfad ich schaue? O so komme, helles Augenpaar! Leben musst du immerdar im Feuer, Wie der Mond, ist seine Scheibe voll, Wenn der Sonnen Sonne lieb und theuer, Wenn sie hold und werth dich finden soll. Sieh' die Gierigkeit der Leidenschaften, Sieh' die Leidenschaft der Gierigkeit; Keine dürfe jemals an dir haften, Trägst du je mit uns dasselbe Kleid. Lob sei Gott! Als Sclave hält gefangen Mich ein Türke, der dem Monde gleicht, Der der Himmelsmädchen zarten Wangen Gaben seiner Schönheitsfülle reicht. Sieh' den Mund der Liebe mich verhöhnen Sage ich, er sei aus türk'scher Flur. Nur sein Odem heisst die Flöte tönen, Und ich bin die stumme Flöte nur. Kann die arme Flöte anders klagen Als des Flötenspielers Odem weht? Sieh' zerstückt die Flöten und zerschlagen, Wenn dein Fuss am finstern Grabe steht. Wenn des Flötenspielers Hauche schwinden, Muss der Flöte Sprach' und Seele flieh'n; Beide scheinen schweigend zu verkünden: »Unser Ich und unser Wir ist hin!« [Du mein Meister, du mein Jünger] Du mein Meister, du mein Jünger, Der mich Schmerz und Trost lässt finden, Ja du bist – lass' mich's verkünden – Meine Sonne und mein Gott! Hast zum Rechte mich geleitet, Gabst die Wahrheit mir zu eigen; Nun will dankbar ich mich zeigen, Meine Sonne und mein Gott! Vor dir ward ich ganz zu Nichte, Nimmer schaut man meine Tritte, Doch so heischt es fromme Sitte, Meine Sonne und mein Gott! Kann des treuen Engels Flügel Jene hohe Kraft erreichen? Doch er bringt von dir uns Zeichen, Meine Sonne und mein Gott! Dir, o König beider Welten, Will ich mit Entzücken sterben, Deinen Blick mir zu erwerben, Meine Sonne und mein Gott! Wenn der Blitz durch tausend Jahre Saaten senget in die Runde, Bringt er doch von dir nicht Kunde, Meine Sonne und mein Gott! Wolke, komm'! Lass' deinen Regen Ostwärts stets und westwärts thauen; Stosst in's Horn! Bald lässt sich schauen Meine Sonne und mein Gott. Fort mit Huris und Pallästen Aus des Paradieses Hainen! Bald wird auf dem Thron erscheinen Meine Sonne und mein Gott. Meine Caba, meine Kirche, Himmelslust und Höllenplage; Du Gefährte meiner Tage, Meine Sonne und mein Gott! Issa starb, wenn gleich sein Odem Leben einst dem Tod gegeben: Doch du bist das ew'ge Leben, Meine Sonne und mein Gott! Hatem Thai o sprich, wo weilt er? Deine Bügel soll er küssen, Ist er noch so huldbeflissen, Meine Sonne und mein Gott! Meine Stimme, Rum durchtönend, Schallt von Balch's entfernter Pforte: Sind es doch des Meisters Worte, Meine Sonne und mein Gott! [Du, der als Seele sich im Aug' mir reget] Du, der als Seele sich im Aug' mir reget, Du wohnst im Innersten der Seele mir, Bist die Cipresse die sich hold beweget, Bist meines Gartens Stolz und höchste Zier. O eile nicht! Willst ohne mich du eilen? O Seele, eile ohne Körper nicht! Lass' ferner noch mein Auge auf dir weilen, O du mein glanzerfülltes Fackellicht! Die sieben Himmel reiss' ich, traun! in Stücke, Die sieben Meere überschreit' ich kühn, Willst du mit deinem liebevollen Blicke Die wonnetrunk'ne Seele mir durchglüh'n. Seit hold dein Liebreiz mir im Arme lachte, Fröhnt mir der Glaube wie der Ketzerwahn: Denn sieh, ich bete , wenn ich dich betrachte, Und glaube , seh' ich deine Züge an. Du stürztest mich in Schmerz und bittern Jammer, Mich ficht nun Schlaf und Speise nimmer an. O komm' berauscht und freundlich in die Kammer, Mein schöner Joseph du aus Canaan! Durch deine Gnade hast du mich beseelet, Und ich, ich hüllte vor mir selbst mich ein; O Theurer, dessen Daseyn sich verhehlet In meinem eigenen verhüllten Seyn! Um dich zerreisst die Rose ihre Hülle; Narcissen-Augen lässt du trunken seyn, Und schwängerst Zweige mit des Segens Fülle, O du mein unermess'ner Gartenhain! Bald sengst und brennst du mich durch Feuermaale, Bald führst du mich nach holden Gärten hin, Bald schleppst du mich vor einer Fackel Strahle, Um mir das Licht der Augen zu entzieh'n. Vor allen Seelen du mir theure Seele, Vor allen Schachten du mein reicher Schacht! Du bist es, den vor Allen ich erwähle, Du, dessen Anmuth mir so freundlich lacht! Mein Wohnort ist nicht in des Staub's Gewimmel; Was wär's, zerriebe auch der Leib sich hier? Ich denke nimmer an die Lust der Himmel, Denn liebst du mich, bist du Saturnus mir. Dient' auch zum Schiffe mir ein Sarg; vergebens! Vergebens, stiess' in's Meer mich ein Orkan! Wo ist der Tod im Quell des ew'gen Lebens? O du mein Meer, o du mein Ocean! Du, der mir Wohlduft auf die Bahn gesendet, Du, der stets gleichen Weges schritt mit mir! Dem Duft, der Farbe, die mein König spendet, Weicht jeder Duft und jede Farbe hier. Sieh meine Seele als ein Stäubchen schweben, Mit keiner Bürde drückend mehr belegt. Kann ohne dich wohl ein Warum es geben? Du Pfeiler, der die Elemente trägt! O Glaubenshort, o mein geliebter König! Du siehst und kennst mein Ziel zu aller Zeit; Doch meine Dauer kümmert dich wohl wenig, Erhab'ner über Macht und Möglichkeit!