Gemählde 1. Cleopatra von Guido Reni Wie schlank ihr Leib im Schlummer hingegoßen Auf Flaum sich wiegt, von keiner Hüll' umfangen! So goldnes Haar ist auf so schöne Wangen, So zarten Hals, noch nie herabgefloßen. Doch Todesnacht hat schon ihr Aug' umschloßen, Den Lippen ist der kühne Geist entgangen; Sie selber gab den Stichen wilder Schlangen Die Lilienblüthen, die am Busen sproßen. Oft hat ja Liebe Götter umgestaltet: O Heldin, hätt' auch dich ein Gott berücket, Beneidend deinen Reiz dem Land der Todten! Hielt jener nicht, der mit dem Donner waltet, Als Schlang' Olympien brünstiglich umstricket? Du hättest ihm der Freuden mehr geboten. 2. Leda von Michel Angelo Der Vogel Zeus, der Träger mächt'ger Blitze, Als ihn sein Fürst zum Raub auf Ida sandte, Hielt er den Knaben, der sich zagend wandte, Behutsam, daß ihn nicht die Klaue ritze. Doch über Reiz und Anmuth rollt' in Hitze Sein Auge hin; auch keinen Kuß entwandte Der Schnabel, der nur blut'ge Thaten kannte: So trug er rasch ihn zum olymp'schen Sitze. Du aber, holder Schwan, du weißt die Gaben Der Lieb' in hoher Schönheit Schooß zu pflücken, Du willst nicht im Gesang, im Kuße sterben. Nicht sterben, nein, nur lebend dich begraben Im Wollusttaumel, und durch dieß Entzücken Unsterblichkeit, wenn sie nicht dein, erwerben. 3. Jo von Correggio Verhüllend will sich Nebel um sie legen, Doch bleibt vom Nacken nieder zu den Sohlen Der zarte Bau der Glieder unverhohlen, Und Schön'res noch erräth der Blick verwegen. Entzücken scheint sich durch sie hin zu regen, Und, vor Entzücken, tief'res Athemholen. Und, seh' ich recht? es kommt ein Mund verstohlen Dem Rosenantlitz aus dem Duft entgegen. Dein Looß, Ixion, hat sich hier verkehret: Du wolltest kühn der Göttin Leib umfangen, Und eine Wolke blieb in deinen Armen. Doch Jo's Reiz hat andern Trug gelehret, Daß eine Wolk' in liebendem Verlangen, Und in der Wolk' ein Gott sie muß umarmen.