An Sophia Müller, Schauspielerin des k.k. Hoftheaters in Wien, während ihrer Anwesenheit in Berlin im Sommer 1827. 1. Als Julia Dem Genius des großen Britten War ich begeistert nachgeschritten, Da lockt' ich auf die deutsche Flur Ein Echo seiner Worte nur. Du hast den Worten Seel' und Leben, Der Seel' ein sichtbar Bild gegeben: Des Dichters zarte Julia Steht hingezaubert vor uns da. Sittsame Würd' und edle Sitte Begleiten dich bei jedem Tritte, Und fordern stille Huldigung Bei feuriger Begeisterung. Was ist dir lieber? – Beifallswellen, Die rauschend an die Bühne schwellen? Wie? oder was die Brust nur hegt, Und unvergeßlich in sich trägt? 2. Als Gabriele, in dem Schauspiele Valérie von Scribe Seelenvolle Gabriele! Dir erlosch der Augen Licht, Doch der Spiegel deiner Seele In den holden Zügen nicht. Willst du heiter gleich erscheinen, Lächelt milde gleich dein Mund: Andre müßen um dich weinen, Andern wird die Wehmuth kund; Wenn die irren Sterne schweben In der Wimpern Schattenkranz, Und empor sich schmachtend heben – Ach umsonst! – zum Himmelsglanz. Euch dem Zauber zu entwinden, Schlößt ihr auch die Augen zu: Vor dem Bilde dieser Blinden Fände doch das Herz nicht Ruh. Denn der Stimme Silberlaute Drängen durch den nächt'gen Flor, Und von ihren Lippen thaute Wonn' und Schmerz in euer Ohr. Nur den Blinden und den Tauben Ward der Sicherheit Gewinn. Wollt ihr meiner Warnung glauben: Blicket nicht, noch horchet hin!