186. Die weiße Frau. Von L. Zapf. Die Gräfin Orlamünde Wallt nächtlich durch das Schloß, Und große Schlüsselbünde Umklirren ihr den Schoß. Sie läßt sie rasselnd fallen Droht Unheil ihrem Haus, Daß durch die stillen Hallen Es mächtig dröhnt und graus. Sie kann nicht Ruhe finden Die Kindesmörderin, Sie muß die Hände winden Und wandeln her und hin; Die alten, öden Zimmer Durchrauschen allezeit Um Mitternacht, und nimmer Wird sie davon befreit. Sie schreitet in den Gängen Im weißen Bauschgewand, In stummer Trauer hängen Die Ahnen an der Wand. Sie blicken starr hernieder, Gespenstisch auf ihr Leid, Wenn durch das Dunkel wieder Aufschimmert hell ihr Kleid. So büßend ihre Sünde Wallt durch den weiten Bau Die Gräfin Orlamünde, Die blut'ge weiße Frau.