276. Frauenroda. Von J.B. Goßmann. Mit still vergnügtem Sinnen Beim Abendsonnenstrahl Steh'n auf den hohen Zinnen Der Ritter und sein Gemahl. Sie schau'n ihr liebes Franken Und schau'n hinab ins Thal, Und haben fromme Gedanken, Der Ritter und sein Gemahl. Laßt uns ein Kloster bauen Und beten drin zumal. So sprach die Perl' der Frauen Zum Ritter, ihrem Gemahl. Das eben ist mein Sinnen, Doch wird mir schwer die Wahl, Wo Raum sei zu gewinnen! Der Ritter so zum Gemahl. Da kam ein Sturm geflogen Mit großer Gewalt zumal, Der hat den Schleier gezogen Vom Haupte seinem Gemahl. Ihn trug der Wind im Wehen Wohl über Berg und Thal, Das haben mitangesehen Der Ritter und sein Gemahl. Ihr Knappen, auf! ihr geschwinden, Zum Suchen auszugeh'n! Wo man den Schleier wird finden, Da soll das Kloster steh'n. Drei Tage sind verschwunden, Und nach der dritten Nacht, Da wird der Schleier gefunden Und in die Burg gebracht. Des Klosters Bau wird begonnen, Wo man den Schleier fand, Er ward bestimmt für Nonnen Und Frauenrode genannt. In selbem Kloster thäten Der Ritter und sein Gemahl Für ihre Seelen beten Gebetlein ohne Zahl. Im Kloster zu Frauenrode In Zellen eng und schmal, Da ruhen nach ihrem Tode Der Ritter und sein Gemahl. Dort hängt zur ew'gen Feier Am heiligen Altar, Der wunderbare Schleier, Der Gottes Bote war.