46. Die Schlacht auf dem Lechfeld. Von Georg Rapp. – Um das geschichtliche Ereigniß hat sich die Sage eingefunden. Es wimmelt schwarz vom Hügel, Durch Rauch und Brand einher, Die Flamme weht als Flügel Falb um das Ungarheer. Der Lech, er kommt gezogen Voll Leichen, grimm und bleich, Die soll er niederwogen Dem Ungar in sein Reich. O Augsburg, Augsburg, mitten In ihrem Schlachtenruf! Sie kommen angeritten, Sie traben Huf an Huf; Sie jagen Mähn' an Mähne, Nach deiner Pracht gewandt, Die Pfeile an der Sehne, Die Pfeile in der Hand. Der Kaiser Otto kümmert Sich heut' zum erstenmal, Daß er im Stahle flimmert Hinaus zur Todeswahl. Verlierer und Bezwinger Hat er ein Leid zum Lohn: Der Räuberhorden Bringer Ist sein empörter Sohn. Drum klagest du so bange, O alte Stadt, empor, Im tiefen Orgelklange Aus deinem Münsterchor. Nur Einer unverzaget Stellt sich noch ein für dich: Als Licht im Dunkel taget Dein Bischof Udalrich. Er betet am Altare, Er ringt, der Gottesmann, Bis er von Gott erfahre, Was dich erretten kann. Dann hat er sich bewehret, Das Kruzifix gefaßt: »Jetzt hat er uns erhöret, Der einst am Kreuz erblaßt!« Auf seinem weißen Zelter, In seiner Priestertracht, So trägt er den Vergelter Im Fluge nach der Schlacht. Und seine Diakone, Sie fliegen durch die Luft, Mit dem Posaunentone, Mit Fahn' und Weihrauchduft. Da kommt der Herr geflossen In jede Brust mit Macht, Da hat er sich ergossen Als Richter in der Schlacht; Die Arme seiner Streiter Mit seinem Arm berührt, Und weiter, immer weiter Sie in den Feind geführt. Den haben sie gelichtet Und abgehauen gar, Er liegt umher geschichtet, Zum Fraß der Rabenschaar. Vor seines Sohnes Leiche Der Kaiser Otto steht, Da hoch aus seinem Reiche Der Siegesjubel weht.