Ernst Schulze Vermischte Gedichte (Geschrieben vor dem Jahre 1813.) Neu desint epulis rosae, Neu vivax apium, neu breve lilium. Horat. Die Verwandlung Wenn der Winter sonst entschwand, Und der Lenz im goldnen Glanze Mit dem bunten Blumenkranze Berg und Thal und Wies' umwand, Ach, dann eilt' ich in das Land, Wo ich meine süße Freude, Die Geliebte, wiederfand, Und mir hüllte sich die Haide In ein festliches Gewand, Und mir lächelte der Sand In dem schönsten Blüthenkleide; Rings erblickt ich nichts als Freude, Weil ich Freude nur empfand. Aber die Geliebte schwand, Und mit ihr auch meine Freude. Wenn ich jetzt von hinnen scheide In das sonst so holde Land, Seh' ich nichts als öde Haide, Seh' ich nichts als dürren Sand. Wiedersehn Ach, ich soll dich wiedersehen, Die so lange mir entschwand, Soll an deiner zarten Hand Noch einmal durchs Leben gehen; Ach, ich soll dich wiedersehen, Und doch darf ich noch gestehen, Daß ich je den Schmerz gekannt? Glühend will ich dich umfangen, Will mit leisem Liebesbangen Fest an deiner weichen Brust Und an deinen Lippen hangen, Will mit lechzendem Verlangen Schlürfen den Pokal der Lust. Alle meine künft'gen Thränen Sollen Freudenthränen seyn; Sehn' ich mich, so sey mein Sehnen Der Gewährung Dämmerschein. Nur in dich will ich versinken, Will mir zarte Träume trinken Aus der Liebe Wunderborn; Dich nur will ich ganz umschlingen, Will nach deinem Lächeln ringen Und erbleichen deinem Zorn. Dich nur soll mein Wille fragen, Mit dir theilen Lust und Scherz, Mit dir weinen und verzagen; Und es soll mein treues Herz Länger nicht als deines schlagen! – Ach, kaum trug ich jüngst den Schmerz, Werd' ich jetzt die Wonne tragen? Lied der Vöglein Von Zweig zu Zweig zu hüpfen, Durch Wies' und Busch zu schlüpfen, Zu ruhn in weichen Grases Schooß, Das ist das Loos Der kleinen bunten Sänger; Je länger Je lieber süßes Loos! Schwebt nieder, laue Lüfte, O kommt ihr Wiesendüfte, Ihr Schmetterlinge tummelt euch, Von Zweig zu Zweig Mit unsrer Schaar zu spielen Im kühlen, Im säuselnden Gesträuch. Im grünen Dämmerscheine, Im Labyrinth der Haine Erbaun wir uns ein blühend Dach; Der klare Bach, Uns zuzuhorchen, zaudert Und plaudert Dann unsre Lieder nach. Und wenn der Tag geschieden, Dann eilen wir zufrieden Zurück zu unsrer Mutter Schooß. Das ist das Loos Der kleinen bunten Sänger; Je länger Je lieber süßes Loos! Romanze Dort wo die klaren Quellen rinnen, Seht ihr das Hüttchen dort wohl stehn? Dort wohnt von allen Schäferinnen Die Schönste, die ich je gesehn. Und böte man mir Gold und Kronen, So dächt' ich doch in meinem Sinn: Im Hüttchen möcht' ich lieber wohnen Und bei der schönen Schäferin. Dort durch die dichten Blüthenbäume Kannst du ihr Fensterlein erspähn, Und wenn ich wache, wenn ich träume, Das Fenster muß ich immer sehn; Denn durch die grünumrankten Scheiben Schaut sie mich gar zu freundlich an, So freundlich, daß ich's nicht beschreiben Und daß ich's kaum ertragen kann. Treibt sie im frühen Morgenschimmer Die zarten Lämmchen in den Hain, Dann sagt mein armes Herz mir immer: Ach, möchtest du ihr Schäfer seyn! Und heimlich nehm' ich meine Flöte Und schleich' um ihre Triften her, Und wenn man mir den Himmel böte, Zu Hause kehrt' ich nimmermehr. Und wenn die goldnen Sterne blinken, Und jeder Laut im Haine ruht, Dann läßt sie ihren Schleier sinken, Und taucht sich in die klare Fluth. Wie gern würd' ich sie dann belauschen: Doch wag' ich's nicht hinzuzugehn, Denn ach, es könnt ein Blättchen rauschen, Und nie dürft' ich sie wiedersehn. Auch wenn des Nachts die Elfen weben, Schlich' ich mich gern zum Fensterlein, Und flüsterte: Mach auf, mein Leben, Und laß in's Hüttchen mich hinein. Doch möchte sie mich kommen hören; Mein leises Klopfen an der Thür Es könnte sie im Schlummer stören, Drum bleib' ich lieber einsam hier. Oft wollt' es mir im Traume scheinen, Als wandelten wir Hand in Hand, Und immer mußt' ich herzlich weinen, Wenn ich beim Wachen sie nicht fand. Dürft' ich mein Leiden ihr nur klagen, Gewiß, sie sagte mir alsdann, Warum mein Herz für sie nur schlagen, Mein Geist an sie nur denken kann. Die Liebe Weißt du, was die Liebe ist? Ach, ein Kind mit leisen Schwingen; Schwärmend bald und bald voll Scherz Müht es sich in jedes Herz Los' und luftig einzudringen. Zagend jetzt und jetzt voll Muth, Laulich jetzt und jetzt nur Gluth, Kennst du es? das ist die Liebe. Sag mir, wo die Liebe wohnt? In des Lenzes Duftgefilden Baut sie sich ein grünes Haus, Schmückt es bunt mit Blüthen aus Und mit zarten Traumgebilden. Ach, du brauchst es nur zu sehn Und schon haucht der Weste Wehn Dir ins Ohr: Hier wohnt die Liebe! Kennst du ihren Zeitvertreib? Tändelnd kos't sie mit dem Weste, Wiegt sich auf der Blüthen Duft, Baut sich träumend in der Luft Zauberische Goldpaläste, Mischt zu Schmetterlingen sich: Doch nicht lange täuscht sie dich, Denn ihr Spiel verräth die Liebe. Doch wie lebt das zarte Kind? Wie ein Bienchen schwelgt sie immer In der Blüthen weichem Schooß, Füttert sich mit Düften groß Und mit warmem Sonnenschimmer; Thränen die Aurora thaut Und der Weste Klagelaut Sind die stete Kost der Liebe. Weiß sie auch was Thränen sind? Wenn des Lenzes Rosenwangen Bleichend nach und nach verglühn, Wenn die Kränze nicht mehr blühn, Die um seine Stirne prangen, Wenn er scheidet von der Flur, Ach, dann weinet die Natur, Und es weint mit ihr die Liebe. Aber kennt sie auch den Tod? Wenn im Hain die Stürme brausen, Wenn, vom rauhen Hauch berührt, Jeder zarte Halm erfriert Und des Winters Mächte hausen, Dann muß alles Schöne fliehn, Und, um schöner aufzublühn, Senkt in's Grab sich auch die Liebe. Die Macht des Blicks An L. von ***. Du wähnst des Dichters Phantasie Begnüg', um lodernd zu entbrennen, Mit einem bloßen Blick sich nie? Ach, du mußt deinen Blick nicht kennen! Sind Lieb' und Lieder nicht verwandt? Apollo, den wir Vater nennen, Geht mit der Anmuth Hand in Hand, Wie sollt' er deinen Blick nicht kennen? Das Band das sich um Beide schlingt Ein kaltes Herz nur kann es trennen; Wer liebt und nicht von Liebe singt, Ach, der muß deinen Blick nicht kennen! Die Liebe naht so süß und still, Wer wollt' ihr nicht ein Plätzchen gönnen? Doch wer sie nie behausen will, Ach, der muß deinen Blick nicht kennen! Minnedienst An L. von ***. Zwar jedes Herz ist vom Geschick Zu zarter Sklaverei erkohren: Doch segn' ich stets den Augenblick, Der meine Herrscherinn geboren. Der eine dient um feiles Gold, Der Andre, daß er Ruhm gewinne: Doch nimmer ist ein Dienst so hold Als der verschwiegne Dienst der Minne. Sonst war mein Herz so leicht und frei, Und Rosen kränzten meine Stunden: Doch Scherz und Lachen sind vorbei, Seit deine Fesseln mich umwunden! Und ach, doch ist mein Schmerz so süß, Viel süßer als die schönsten Freuden, Und wahrlich, für kein Paradies Möcht' ich aus diesen Fesseln scheiden. Nimmst du, o gütiges Geschick, Was Jeder von uns wünscht, zu Herzen, So kränze sie mit ew'gem Glück, Und mir laß' ewig meine Schmerzen. Lebewohl Lebe wohl, du stolze Schöne! Ich entfliehe weil ich will; Drückend sind mir deine Fesseln, Und auf einem Bett von Nesseln Liegt nur Manchas Ritter still. Lebe wohl, du stolze Schöne! Zwar dein Mund ist küssenswerth, Feuer glüht in deinen Blicken: Aber Thoren nur und Mücken Traun dem Schein, der sie verzehrt. Lebe wohl, du stolze Schöne! Doch du hast nicht ganz verspielt, Denn du hieltest eine Woche Länger mich in deinem Joche Als mich je ein Mädchen hielt. Lebe wohl, du stolze Schöne! Künstlerisch bist du gewiß, Denn das Netz, dem ich entronnen, War so schlau, so zart gesponnen, War so fein daß es – zerriß. Lebe wohl, du stolze Schöne! Dichter haben leichten Sinn; Laß die Veilchen heute schwinden, Morgen wirst du Rosen finden, Jetzt ergötzt und hin ist hin! Lebe wohl, du stolze Schöne! Nimmer störst du meine Ruh! Färbt die Scham nicht deine Wangen? Schmetterling, du bist gefangen, Ich bin flüchtiger als du! Lied Amor ist ein zarter Vogel, Wiegt sich fröhlich auf den Bäumen. Ach, wie lieblich läßt sich's träumen, In dem Schatten, Wo der holde Vogel singt. Sieh, er flattert um die Blumen, Tändelt mit den süßen Düften, Wohnt in lauen Frühlingslüften, Und die Freiheit Ist allein sein Vaterland. Fruchtlos suchst du ihn zu fangen In der Treue starken Schlingen; Ach, er wird dir nimmer singen, Wenn ein Kerker Ihn von Lust und Leben trennt. Düster hängt er dann sein Köpfchen, Trauert lang und stirbt allmählig, Und die Träume, die so selig Dich umtanzten, Fliehn mit seinem Tode fort. Triolette 1. Wie sie dort auf dem Altane steht, Leis' umwebt vom zarten Mondenschimmer! Ach, so schön erblickt' ich sie noch nimmer, Wie sie dort auf dem Altane steht. Weh mir, sie bemerkt mich, ach, sie geht, Und doch sieht mein Auge sie noch immer Wie sie dort auf dem Altane steht, Leis' umwebt vom zarten Mondenschimmer. 2. Liebst du mich, so eil' es mir zu sagen, Denn den Zweifel trag' ich länger nicht; Brich dein Schweigen, fördre mein Gericht, Liebst du mich, so eil es mir zu sagen, Ach, wie wird mein Herz die Wonne tragen, Wenn du schweigst, und nur dein Auge spricht: Liebst du mich so eil' es mir zu sagen, Denn den Zweifel trag' ich länger nicht. 3. Willst du den losen Amor fangen, So werde keck und wild wie er; Kein Wagestück sey dir zu schwer, Willst du den losen Amor fangen, Denn stille Treu und leises Bangen Die reitzen jetzt den Schalk nicht mehr. Willst du den losen Amor fangen, So werde keck und wild wie er. 4. O wie süß ist ein geraubter Kuß, Wenn das Mädchen keusche Lieb' empfindet, Und ihr Auge leise nur verkündet: O wie süß ist ein geraubter Kuß! Glaube nicht, sie thu' es aus Verdruß, Wenn sie dann sich deinem Arm entwindet; Nein, zu süß ist ein geraubter Kuß, Wenn das Mädchen keusche Lieb' empfindet. 5. Geh nur, ich kann dich nimmer lieben, So riefst du, und ich bebte nicht. Das Wort scheint manchem von Gewicht: Geh nur, ich kann dich nimmer lieben! Doch wird es mich nicht leicht betrüben; Der Haß ist stumm, die Liebe spricht: Geh nur, ich kann dich nimmer lieben! So riefst du, und ich bebte nicht. Sonette An S. 1. Ich dacht' an dich, und sieh, ätherisch schwang Petrarch mit seiner Laute sich hernieder, Und sagte: Nimm und singe meine Lieder, Und feire die, die ich im Leben sang. Ach, rief ich aus, das dunkle Grab verschlang Schon längst die Form, den Reiz der zarten Glieder; Zum Himmel hob der sel'ge Geist sich wieder, Und läßt den Ruhm des Staubes ohne Dank. Thor! rief der Geist; was starb ist nicht verloren, Ein Daseyn ist des zweiten Daseyns Same, Ein Leben schließt des Lebens Ziel nicht ein. Einst war sie mir, jetzt ist sie dir geboren; Nichts ward an ihr verwandelt als der Name; Du sollst mein Lied und meine Lieb' erneun. 2. Die Schönheit, die dein ganzes Wesen füllt, Der Reiz, der sanft um deinen Mund sich webet, Der reine Sinn, der deinen Busen hebet, Die Scham, die deine Wang' in Purpur hüllt, Das Mitleid, das in Thränen dir entquillt, Der heitre Scherz, der jeden Zug belebet, Die Grazie, die leise dich umschwebet, Die keusche Huld, die alles Sehnen stillt; Sie lieb' ich nur; nicht Auge, Mund und Wangen, Nicht deines zarten Busens linde Wellen, Nicht der Gestalt harmonischen Verein. Nicht möcht' ich frevelnd deinen Leib umfangen, Durch keinen Kuß den reinen Mund entstellen, Und durch Genuß das Götterbild entweihn. 3. Wie in dem Quell, den reines Silber füllt, Das geist'ge Bild des Mondes sich entfaltet, Und, von der Welle zartem Hauch umwaltet, Mit hellerm Glanz aus seinem Bade quillt; So wohnt in meinem Inneren dein Bild, Durch Sehnsucht nicht zum Körper umgestaltet, Nicht durch Genuß, nicht durch die Zeit veraltet, Und in der Reinheit Silberflor gehüllt. Die Liebe taucht's in ew'ge Morgenröthe, Schmückt seine Stirn mit einem Strahlenkranze, Und göttlich wird, was sonst nur irdisch war. Der Sehnsucht leises Flehn wird zum Gebete, Das Auge strahlt von keuscher Andacht Glanze, Und reiner glüht der Busen, dein Altar. 4. Die Liebe sey wie reiner Träume Spiel, Die um die Brust uns geist'ge Bilder weben, Unkörperlich die Seele nur beleben, Nicht der Begierden frevelndes Gewühl. Nur Hoffnung sey ihr Glück und Wunsch ihr Ziel, Im Blicke nur darf ihre Sehnsucht schweben, Sie rede nur durch leiser Seufzer Beben Und handle nur im Wahn und im Gefühl. Vergangnes soll sie magisch uns entfalten, Geheimnißvoll der Zukunft Flor enthüllen Und um das öde Jetzt den Schleier ziehn. Der holde Tanz der luftigen Gestalten Soll nie des Herzens süße Sehnsucht stillen; Stets soll die Blume keimen, nie verblühn. 5. Du Blüthenhain, der duftend sie umfangen, Du weiches Grün, wo sie geschlummert hat, Ihr Blumen, die der zarte Fuß zertrat, Wie zieht zu euch mich schmeichelndes Verlangen; Doch zögernd hemmt den Schritt geweihtes Bangen, Denn heilig ist der Ort, dem sie genaht, Und wandeln darf kein Sterblicher den Pfad, Den leis' und leicht die Göttliche gegangen. Dort, wo der West mit süßen Düften spielt, Wo plaudernd sich die reine Welle kräuselt, Dort will ich ruhn in sehnsuchtsvoller Lust. Du linder Hauch, der meinen Busen kühlt, Und ach, so weich um meine Wangen säuselt, Hobst du vielleicht auch ihre zarte Brust? 6. Wer je die Macht der keuschen Lieb' erfuhr, Dem wird ihr Hauch im Busen ewig wohnen; Ein Bild nur kann in einem Herzen thronen, Die zarte Brust hegt eine Liebe nur. Durchs ganze Leben folgt sie unsrer Spur, Mit Dornen bald und bald mit Blüthenkronen; Doch mag sie zürnen, mag sie lächelnd lohnen, Ihr huldigt stets die edlere Natur. Nie schweigt der Schmerz, den sie uns einst gegeben, Die Freude nie, die sie uns einst gewährte, Kurz ist die Lust, doch ewig das Gefühl. Von Welt zu Welt mit uns emporzuschweben Folgt uns ihr Strahl als leuchtender Gefährte; Ihr Seyn ist Werden, Ewigkeit ihr Ziel. 7. Die Sehnsucht klagt, von düsterm Flor umwunden; Nie darf mein Mund dem deinen wieder nahn, Nie deinen zarten Leib mein Arm umfahn; Was ich geliebt ist ewig mir entschwunden. Doch von der Last des Irdischen entbunden Schwingt im Triumph hoch über'n Erdenwahn Der Phönix sich zur goldnen Sonnenbahn, Und schöner hat der Geist den Geist gefunden. Jetzt wird Besitz, was sonst Verlangen war, Die Hoffnung schwimmt auf der Verzweiflung Zähre, Und kein Genuß darf jetzt die Sehnsucht krönen; Vor meinem Blicke schwebst du rein und klar, Gehüllt ins Licht der wandellosen Sphäre, Ein zartes Bild im Quell des ew'gen Schönen. 8. Ihr Augen, die ihr Schmerz und Lust mir kündet, Die ihr den Geist von seinen Fesseln trennet, Jetzt frei umherzugaukeln ihm vergönnet Und jetzt durch ein Gefühl ihn an euch bindet, Wer hat in euch dies Feuer angezündet, Das wandellos mit gleichen Strahlen brennet, Das jeder Trieb mit anderm Namen nennet, Und dessen Kraft kein Name noch ergründet? In euch sieht ihren Stern die Hoffnung prangen, Die Sehnsucht sieht in euch ihr stilles Feuer, Und Blitze drohn aus eurem Glanz dem Bangen; Die Andacht wähnt des Himmels Strahlenauen, Der reine Sinn den Aether ohne Schleier, Und Schönheit nur sich selbst in euch zu schauen. 9. Still löste sie, die Göttin meiner Lieder, Die Fessel, die das weiche Haar umschlang, Und sieh, der Locken seid'ne Fülle sank In leichtem Tanz auf Hals und Busen nieder. Und lodernd hob die Sehnsucht ihr Gefieder Und regte sich im Innern heiß und bang; Schon folgt' ich kühn des Herzens süßem Drang: Da faßte schnell mich leises Zagen wieder. Ein Heiligthum ward Mund und Busen mir, Und um sie her schien den geweihten Schleier Geheimnißvoll der Locken Fluth zu weben, Und zagend schwieg im Herzen die Begier; Mein Geist versank in stiller Andacht Feier Und sah Madonna lächelnd vor sich schweben. 10. Schon in der Kindheit frühen Morgenstunden Ging nur auf dich mein Dichten und mein Streben; Durch dich hat erst mein Geist dem niedern Leben, Die Phantasie den Fesseln sich entwunden. Als ich dich sah hab' ich zuerst empfunden, Dein Bild hat mir den ersten Traum gegeben, Dein Zauber hat des Herzens irres Schweben Mit ew'gem Zwang an einen Punkt gebunden. Den Schmerz hab' ich gelernt bei deinem Schmerze, Die heitre Lust bei deinem zarten Scherze, Du bist mein Gram, mein Glück, mein ew'ges Sehnen; Als Grazie lehrst du mich zart empfinden, Als Muse mich dem Erdenraum entschwinden, Und nahst als Urbild mich dem höchsten Schönen. 11. Wenn mir der Scherz aus deinen holden Blicken, Die Anmuth mir aus deinem Lächeln winkt, Wenn deiner Stimme Zauberton erklingt Und Sinn und Wort mich beide gleich entzücken; Wenn jetzt, die Blüthe des Gefühls zu pflücken, Dein Geist ins Reich der zarten Träume sinkt, Jetzt fröhlich sich durch heitre Welten schwingt, Mit Rosenglanz die Erdenbahn zu schmücken; Dann zag' ich stumm, von deiner Macht besiegt, Und wähne still, ich dürfe mein dich nennen, Mein heißes Herz an deinem Herzen kühlen. Laß mir den Wahn, der meinen Schmerz betrügt; Mag das Geschick uns von der Wahrheit trennen, Süß bleibt es stets mit ihrem Schein zu spielen. Abschied An S. 1. Ich liebte dich, und ach, ich muß entsagen; Nicht zürn' ich dir, ich zürne dem Geschick; Wirst du mich je um meine Thränen fragen, So gieb nur selbst die Antwort dir zurück. Ich liebte dich, ich will es nicht verhehlen, War auch nur Schmerz der langen Sehnsucht Ziel; Ist Liebe nicht ein Antheil schön'rer Seelen, Und lohnet sich Gefühl nicht durch Gefühl? Ich liebte dich mit jenem zarten Triebe, Dem nicht Genuß, dem Liebe nur genügt; Ach, du begannst und schlossest meine Liebe! Wer mich besiegt hat ewig mich besiegt. Ich liebe dich und kann dich nie vergessen; Doch schweigen will ich mit verhaltnem Schmerz, Will allen Gram in eine Thräne pressen, In einen Seufzer mein zerdrücktes Herz. Jetzt mag das Schicksal jedes Glück mir rauben; Der giebt sein Alles, wer sein Bestes giebt; O laß mir nur den letzten süßen Glauben, Daß du mich nicht gehaßt, weil ich geliebt. Laß mir die Lust dich geistig zu verehren, Im süßen Traum dein Bildniß zu umfahn, Laß mir den Trost der stillen Wehmuthszähren, Der Geisternähe wundersüßen Wahn. Ach, jede Lust wird doppelt mich entzücken, Denn deine Lust zu fühlen wähnt mein Herz; Und jeder Schmerz, er wird mich minder drücken, Denn tröstend ruft's: Sie fühlet deinen Schmerz! Als Ideal sollst du jetzt vor mir schweben, Was ich gedacht, gefühlt, dir will ich's weihn, Du sollst die Gluth der Phantasie beleben, Du sollst mein Lied und meine Muse seyn. Empor aus dieses Lebens Dämmerungen Soll mich dein Bild zum reinern Licht erhöhn, Und ist mir je ein schönes Werk gelungen, Es soll nur dir als ew'ges Denkmahl stehn. In der Madonna seelenvollen Zügen, Im zarten Bild der jüngsten Huldgöttin, In jedem Reiz, dem sich die Herzen schmiegen, Erblick' ich dich und sinke vor dir hin. Als Heilige wird dich mein Herz verehren, Der sich zu nahn der Pilger nicht erkühnt, Der er von fern nur mit der Inbrunst Zähren, Nur mit dem Opfer frommer Seufzer dient. Gieb mir den Kuß der schwesterlichen Treue; Nur Freundschaft sey der Herzen neues Band. Gieb mir den Kuß; keusch ist der Freundschaft Weihe, Entsagung ist der Reinheit Unterpfand. O lebe wohl! Nie wird dein Bild mich fliehen, Wenn auch dein Herz das meine bald vergißt; Ich habe dir und dem Geschick verziehen Und bin beglückt, wenn du nur glücklich bist. 2. Wohlan, du hast den großen Schwur vollbracht! Hoch schwingt der Geist der Freundschaft sein Gefieder, Und weinend senkt ins öde Reich der Nacht Der Genius der Liebe sich hernieder. Ach, alle seine Blumen sind verblüht; Der Hoffnung Bild entflieht in dunkle Fernen; Todt ist der Strahl, der sonst in ihm geglüht, Und sehnend schaut er auf zu bessern Sternen. Dort wird die Gluth der heißen Brust gedämpft, Kein Blick wird dort mehr Sehnsuchtsthränen weinen, Verbunden ruht, was feindlich hier gekämpft, Und Liebe wird mit Freundschaft sich vereinen. Zu einem Punkt steigt jeder Wunsch empor, In einem Punkt verwebt sich alles Sehnen; Zerrissen ist der Sinne trüber Flor, Und frei gesellt das Schöne sich dem Schönen. Ach, durch der Erde dunkles Schattenthal Ist Freundschaft wohl ein traulicher Begleiter: Doch kaum erwacht der schönern Sonne Strahl Schwebt sie verklärt als Liebe mit uns weiter. Triumph! die Erdennebel sind verbannt, Mit Rosen kränzt sich schon die goldne Schwelle Die Kette reißt, die trennend uns umwand, Und jedes Leid entflieht auf Lethes Welle! Tod ist des Lebens schönster Augenblick, Und aus der Nacht wird heit'res Licht geboren; Raubt dir auch oft dein Liebstes das Geschick, Nicht ewig bleibt, was ewig ist, verloren. Die Erscheinung in den Ruinen Zur Erinnerung an ein ländliches Fest. Durch der öden Burg bemooste Trümmer Wandelte der Geist mit bleichem Schimmer, In der Vorzeit eisernem Gewand; Nur der Dichter sah den Schatten schweben, Er nur war's, der seiner Lippen Beben, Seiner Worte leisen Hauch verstand. Modre nur, so rief er, kühne Feste, Sinkt, der alten Hoheit stolze Reste, Süße Heimath, werde jetzt zu Staub; Gründen wollt' ich dich für Ewigkeiten, Doch kein Gott kann mit dem Schicksal streiten; Endlos heischt Vernichtung ihren Raub. Blumen sterben, andre Blumen keimen; Ewig wechseln auf der Erde Räumen Freud' und Schmerz und Tod und Leben ab. Morgen wird das Schlachtfeld wieder grünen, Blüthen winden bald sich um Ruinen, Und zum Thron der Freude wird ein Grab. Dort, wo jetzt der West euch Kühlung fächelt, Haben Todesseufzer oft geröchelt, Manches Herz verzagte, wo ihr lacht; Eure Spur wird auch kein Sturm verschonen, Schlangen werden, wo ihr scherztet, wohnen, Und dem Tage folgt die düstre Nacht. Schwebend zwischen diamantnen Säulen Rollt das Rad des Schicksals ohne Weilen Dieser steigt empor, der Andre sinkt. Jene, die es hebt, die es vernichtet, Hat ein ewiges Gesetz gerichtet, Dessen Flor kein Geisterblick durchdringt. Willst du dem Geschick in's Auge blicken? Wagst du kühn die Decke fortzurücken, Die der Zukunft schwarzen Schlund umwebt? Ha, du traust betrügerischen Göttern! Nimm, dein eigner Wunsch soll dich zerschmettern, Nimm es hin, wonach dein Wahn gestrebt. Nun, was siehst du? Grausenvoll verbreiten Dunkle Wüsten sich durch öde Weiten, Bleich entflieht der Hoffnung Sternenschein; Dornen lauschen unter duft'gen Rosen, Pest verhaucht der Weste zartes Kosen, Und in Gift verwandelt sich der Wein. Winken dir auch manche holde Stunden, Sie veralten, eh du sie gefunden, Und Gewißheit läßt sie schnell verblühn; Leise muß die Freude dich beschleichen, Flüchtig dir den Mund zum Kusse reichen, Gleich dem Blitz erscheinen, nahn und fliehn. Willst du kühn des Schicksals Trotz besiegen, Mußt' du an die Gegenwart dich schmiegen, Wie an seiner Mutter Brust das Kind, Mußt die Freud' an ihren Schwingen haschen, Bienen gleich, von jeder Blume naschen, Jede fliehn, noch eh' ihr Duft verrinnt. Nie mußt du zum Jetzt die Zukunft schaffen; Sorgen sind der Schwermuth gift'ge Waffen, Die des Frohsinns holden Festen drohn; Sprich, was frommt es zitternd zu verzagen? Zürnt das Schicksal einst, du mußt es tragen, Fürchtest du, so trägst du jetzt es schon. Furcht und Hoffnung heißen die Dämonen, Welche stolz in deinem Busen thronen, Ohne Ruh und ohne Thätigkeit, Die zum wilden Sturm das Herz empören, Großes schaffen, Größeres zerstören, Gleiches wirkend, aber stets entzweit. Stark mußt du die Mächtigen bekämpfen, Mußt der Furcht verborgne Hyder dämpfen Und die Hoffnung wandeln zum Genuß. Friedlich soll sie deinen Pfad umschweben, Blüthen nur in deine Tage weben, Deines Lebens holder Genius. Freiheit muß mit Zartsinn sich vereinen, Tugend dir als Grazie erscheinen, Als ein tröstend Wesen das Gefühl; Liebe sey, gleich milden Frühlingsdüften, Süß erfrischend ohne zu vergiften, Und Genuß des Lebens schönstes Ziel. Hymnus an die heilige Cäcilia Für Cäcilie. Reizendste der Phantasieen, Die mein trunknes Auge sah, Mutter süßer Harmonieen, Du, die Sinn dem Klang verliehen, Heilige Cäcilia! Zartgefühl und reines Streben Hat dein Athem mir gegeben, Nimm, was ich dir weihen kann, Harmonie in Wort und Leben, Himmlische, zum Opfer an! Ach, die Dämmrung milder Thränen Und der Sonnenstrahl der Lust, Ahnung, Glaub' und leises Sehnen, Alles wiegt auf holden Tönen Sich ins Heiligthum der Brust. Was, vom Irdischen entbunden, In des Anschauns sel'gen Stunden Nie die reine Seele sah, Hat sie oft bei dir empfunden, Heilige Cäcilia! Sey mit freundlichem Gesange, Trösterin, sey mir gegrüßt, Die im schmeichlerischem Klange Bei des Lebens heißem Drange Lindrung in die Brust uns gießt; Die mit milden Freudenzähren, Ird'sche Wonne zu verklären, Den geweihten Blick belebt, Und den Glanz der ew'gen Sphären Um der Erde Nebel webt. Als du an des Lebens Saume Noch im Arm der Mutter lagst Und, geküßt vom leisen Traume, Von des Schlummers goldnem Baume Dir die ersten Blüthen brachst, Ach, da schwebten zarte Lieder Schon zu deinem Ohr hernieder, Und die keusche Phantasie Hob mit säuselndem Gefieder Dich in's Reich der Harmonie. Lächelnd gab dem zarten Kinde Ihren Kuß die Huldgöttin, Daß es, frei von ird'scher Sünde, Mit dem Schönen sich verbünde Zu des Herrlichsten Gewinn. Nur der Hauch der reinen Güte Nährt des Wohllauts zarte Blüthe, Wie den Blumenkelch der Tag, Und ein Mißton im Gemüthe Klingt auch auf den Saiten nach. Und als jetzt in heil'ger Schöne Ihres Lebens Lenz begann, Ach, da sprachen alle Töne Auf des Daseyns bunter Scene Den verwandten Busen an. Und der West, der sie umschwebte, Und die Fluth, die abwärts bebte, Und des Hains Elysium, Was im Raum der Erde lebte, Schuf in Ton und Klang sich um. Und sie irrte durch's Gefilde, Irrte träumend durch den Hain, Und das Hohe wie das Milde Prägten zaubrische Gebilde In den reinen Busen ein. Ach, in ihrem weichen Herzen Spiegelten sich Lust und Schmerzen, Und ihr inn'res Wesen schien Mit dem Schmetterling zu scherzen, Mit dem Adler aufzufliehn. Sprich, wie kannst du ihn ertragen, Diesen Kampf getheilter Lust? Nein, du mußt im Glück verzagen Oder auszusprechen wagen, Was du fühlst in tiefer Brust! Und sie spannt die goldnen Saiten, Und die zarten Finger gleiten, Horch, die Fluth der Klänge schwillt, Und es dämmert den Geweihten Der Empfindung erstes Bild. Zarter Liebe leises Sehnen, Sinnend irrst du und allein; Ruhig willst du gern dich wähnen: Doch es zeugen deine Thränen Von der unbekannten Pein. Ach, wenn mild die Saiten beben, Und der Brust geheimstes Leben Leis' im Reich der Kläng' entblüht, Wird dein Herz den Schleier heben, Der das Räthsel dir entzieht. Sieh, es tobt des Kampfs Erinne, Und der Jüngling zieht den Stahl, Und er blickt mit trübem Sinne In die Augen seiner Minne Und zum heil'gen Sonnenstrahl: Aber horch! Trompeten schallen, Und des Krieges Donner hallen, Und er stürzt sich in die Schlacht. Mag er siegen, mag er fallen, Ihn bezwingt die stärk're Macht. Geist, der durch die Saiten waltet Und, vom leisesten Entstehn Schwellend zum Akkord entfaltet, Uns die tiefste Welt gestaltet, Geist, wer schuf dein heil'ges Wehn? Was zum Gott mich oft erhoben, Oft der Leidenschaften Toben In der wilden Brust gestillt, Wär', aus eitlem Hauch gewoben, Nur des Nichtseyns Dämmerbild? Nein, dich hat die ew'ge Liebe Zu den Sterblichen gesandt, Daß im rauhen Weltgetriebe Uns die süße Ahnung bliebe Von dem schönern Vaterland. Jeder Ton, der uns durchdrungen, Ist aus heil'gem Quell entsprungen Und aus ew'gen Harmonien, Und erhellt die Dämmerungen, Die die Heimath uns entziehn. Harmonie, du Band der Sphären, Schöpferin des ew'gen Lichts, Göttin, deren Wink zu ehren, Tausend Sonnen sich verklären Aus dem Schooß des dunklen Nichts, Heilige, die jedem Fehle, Daß nur Gleiches sich vermähle, Die geweihte Kette schließt, Glorie der reinen Seele, Harmonie sey mir gegrüßt! Dir gehorcht die schwarze Welle, Wenn der Sturm die Flügel schwingt, Dir der Tanz der Wiesenquelle, Ruh und Kampf und Nacht und Helle Folgen, wenn dein Scepter winkt. Wo der Schöpfung Pulse beben, Darf kein Mißklang sich erheben; Auf geheimnißvoller Spur Schmilzt der Kräfte Widerstreben In den Einklang der Natur. Was dem Geiste Kraft gewährte Und dem Herzen Größe lieh, Was den Keim des Schönen nährte Und das Werk des Meisters ehrte, Wecktest du, o Harmonie! Freiheit muß auf Scham sich gründen, Kraft und Milde sich verbinden Und Genuß durch Müh' erfreun; Kühnheit soll die That erfinden, Richterin die Charis seyn. Hehre, die am Himmelsbogen Und im Erdenkreise weilt, Sey der Reizenden gewogen, Die, von deinem Hauch erzogen, Geist und Namen mit dir theilt. Als von dir ihr Auge glühte Weckte sie des Liedes Blüthe Und der Worte Kraft in mir, Und gefiel ich dir, so biete Ihr allein den Lohn dafür. Musikalische Phantasie Für Cäcilie. Die Saite bebt, und horch, mit leisen Wellen Wiegt friedlich sich der Töne Fluth daher; Die Woge steigt, und die Akkorde schwellen, Der Sturm erwacht, und edlos wallt das Meer. Wie Fluthen sich auf Fluthen wachsend drängen, So haschen Ton und Ton sich im Entfliehn, Und rauschend schwillt in fessellosen Klängen Der volle Strom verwandter Harmonien. Wohin, wohin auf dunklen Pfaden Entführst du mich verborgne Macht? Des Abgrunds Geister sind erwacht, Der Wind heult an den Felsgestaden, Laut tobt der Wogen wilde Schlacht, Und langsam naht, mit Donnersturm beladen, Verhängnißvoll die wolkentrübe Nacht. Dumpf zürnet der Orkane Toben, Wo Ruhe friedlich sonst geschwebt, Das Leben schweigt, vom Trauerflor umwoben, Vernichtung herrscht und das Geschöpf erbebt! – O wilder Sturm, was hat die zarte Blüthe, Was hat der Schmuck des Lenzes dir gethan? Sie, die so hold im Strahl des Lebens glühte, Sie welkt und sinkt im rauhen Herbstorkan. Ach, Alles, was des Lebens Kranz mir schmückte, Was mich erhob, mich stärkte, mich beglückte, Was ich geliebt, es war ein eitler Wahn! Du süßes Bild, das gleich der Harfe Tönen Mein weiches Herz harmonisch einst berührt, Das meinen Geist zum Göttlichen und Schönen, Das meine Kraft in's Reich der That geführt, Wie hielt ich dich mit ewigem Verlangen, Du süßes Bild, mit ew'ger Scheu umfangen! Mit heil'ger Gluth umarmte dich mein Herz, In dir nur war mein Sehnen und mein Hoffen, In dir mein Glück, mein Lächeln und mein Schmerz, In deinem Blick sah ich den Himmel offen, Und was den Geist und was das Herz verklärt, Ward mir von dir, Holdselige, gewährt! Jetzt liegst du da im heil'gen Schooß der Stille, Noch glänzt die Stirn, die Wange noch so mild, Noch schwebt der Geist um seine theure Hülle, Und schmückt mit ernstem Reiz das zarte Bild. Doch ich muß trüb' und weinend fort mich wenden, Denn ach, der Ruf der kalten Wahrheit spricht: Es war ein Traum, und jeder Traum muß enden; Was sterblich ist, das hoff' und zage nicht! Wohlan, so laß die Segel schwellen, Vergiß dein hingewelktes Glück, Auf's hohe Meer entflieh zurück, Ein Spiel der wandelbaren Wellen; Der Blitz nur soll die Fahrt erhellen, Und herrschen soll der Augenblick. Wenn wild im Sturm die Wimpel wehen Und in gewitterschwangrer Nacht Die Sterne zagend untergehen, Dann sollst du kühn im Aufruhr stehen Und trotzen der empörten Macht. Die Woge rauscht, der Kampf erwacht, Der Blitz flammt von den schwarzen Höhen, Des Schicksals Wurf er ist geschehen, Und die Verzweiflung lacht! – Ach, ohne Heimath, fern von Allen, Die freundlich sonst dein Arm umwand, Von treuer Liebe Brust verbannt, Ein Spiel, den Wogen heimgefallen, Irrst du umher von Strand zu Strand. Kein Gastfreund wird die Hand dir drücken, Kein Schlaf im friedlichen Gemach Wird sanft dein müdes Haupt erquicken; Was dir des Zufalls Götter schicken Bringt und verzehrt ein kurzer Tag. Zerrissen von des Sturms Gefieder Schlingt zürnend dich die Fluth hinab, Und keine Thräne rinnt hernieder Auf dein verwehtes Grab! – O bleib zurück im friedlich heitern Leben, Wo Alles mild und tröstend zu dir spricht; Erinnrung wird dir stille Thränen geben, Wer Thränen hat den faßt Verzweiflung nicht. Zum Himmel soll dein Auge sich erheben, Du sollst empor auf Hoffnungsflügeln schweben, Gewährung wohnt im niegetrübten Licht: Ach, es ist schön mit ewigem Verlangen, Mit ew'ger Treu an einem Traum zu hangen, Süß ist der Gram der zarte Herzen bricht! – Umsonst, umsonst, ich muß von hinnen, Die Woge rauscht, der Sturm erwacht, Mich faßt des Wahnsinns dunkle Macht. Dem Schicksal kannst du nicht entrinnen! Verderblich flammt der Brand der Schlacht Hoch von des Himmels schwarzen Zinnen! Sieg oder Tod, Licht oder Nacht, Stets muß des Unglücks Sklav gewinnen! Unstäte Qual verfolgt das feige Sinnen, Doch trotz'ge Ruh die Stunde, die's vollbracht! – Doch wunderbar und fremd dem Ohr entgleiten Die Töne jetzt, doch dem Gemüth bekannt; Dem Klange scheint der Klang zu widerstreiten: Doch fesselt sie ein räthselhaftes Band. Ein dunkler Geist empört zum Kampf die Saiten: Doch leitet ihn des Meisters sichre Hand; Der Mißklang schmilzt in süße Harmonieen, Die Sonne steigt und Sturm und Schatten fliehen. O Schicksal, schwarzes Kind der Nacht, Still schreitest du auf dunklen Wegen; Vergebens tritt mit ird'scher Macht Der Sterbliche dir kühn entgegen, Du winkst und das Verderben lacht. Hochlodernd glühn der Zwietracht Flammen, Der Grund der Throne stürzt zusammen, Knecht wird der Herr und Herr der Knecht. Doch ohne Mitleid, ohne Zagen Und ungerührt bei Dank und Klagen Zermalmst du schweigend stets auf deinem ehrnen Wagen Das hingeschmetterte Geschlecht. Seht ihr es nahn gleich Ungewittern? Der Donner hallt, es blitzt der Stahl, Vom raschen Huf der Rosse zittern Die Wälder und das stille Thal. Mit hochgeschwungner Fackel leitet Die Zwietracht das ergrimmte Heer, Und an der Schwester Seite schreitet Der Mord und zückt den blut'gen Speer. Die Willkühr reißt sich los vom Zügel Und stampft den Führer in den Staub; Stahl ist die Brust, das Mitleid taub; Hohnlachend schwingt der Tod die Flügel Und überschattet seinen Raub. Nichts Heil'ges kennt die Tigerhorde, Der Gruß ist Tod, die Sünde Pflicht; Das Schwert raucht von des Freundes Morde, Der Bruder schont des Bruders nicht. O Menschlichkeit, du schönste Blume, Die in des Herzens Tiefen blüht, Du welkst in deinem Heiligthume Wo jetzt des Hasses Lava glüht. Ach, deinen Schmuck, den Thau der Zähren, Worin sich Lieb' und Lust verklären, Entehrt Verzweiflung jetzt und Wuth; Dein reiner Kelch, er träuft von Blut! – Ach, wohl ist der beglückt zu preisen, Der früh entrafft von Feindes Eisen Noch ohne Schuld im Staube ruht! – Doch auf des finstern Mordes blut'ge Spuren Senkt auch der Thau des Himmels sich herab; Die Sonne scheint auch auf zertretne Fluren, Und lau umschwebt der Frühling Wieg' und Grab. Ein Königsschloß steigt aus dem Schutt der Hütten, Um's Schlachtfeld weht verjüngter Blüthen Duft, Die Freude scherzt, wo wilder Haß gestritten, Und Liebe kos't auf treuer Liebe Gruft. Was starrst du hin auf den erschlagnen Lieben, Verlaßne Braut, mit thränenlosem Blick? Dir ist dein Herz, die Lieb' ist dir geblieben, Und nur der Staub sank in den Staub zurück. Nie kann der Tod das Göttliche dir rauben; Die Sonne sinkt, doch ewig ist das Licht; Auf Erden blüht das Schöne nur im Glauben, Und drüben herrscht das dunkle Schicksal nicht. Es wohnt ein Gott hoch über unserm Kreise, Ein Gott der Huld, ein starker Gott der Macht; Er ist allein der Ordnende, der Weise, Er wohnt im Licht und weiß, was er vollbracht. Mag wunderbar das dunkle Schicksal walten, Er wird es hell und freundlich einst entfalten; Denn er ist Gott, und unten wohnt die Nacht! Fühlst du ihn nahn von seinen lichten Höhen? Er steigt herab im leisen Frühlingswehen; Hörst du sein Wort? So spricht der Gott der Huld: Ich bin dein Gott und will dich nicht verlassen, Du bist mein Werk, ich kann dich nimmer hassen; Mein ist die Kraft, dein Hoffnung und Geduld! Aber horch, die Töne schallen Weich und klagend jetzt mir zu, Wie der Welle leises Wallen, Wie das Lied der Nachtigallen, Wie das Säuseln linder Ruh. Freundlich trägt ein stilles Sehnen In die Ferne mich hinaus, Und ergriffen von den Tönen Breitet lächelnd durch die Thränen Wehmuth ihre Schwingen aus. Heiter sind des Himmels Auen, Freundlich glänzt der Sonnenstrahl, Bunt und fröhlich anzuschauen Ist das duft'ge Frühlingsthal. Goldgesäumte Wölkchen gleiten Gaukelnd durch das blaue Zelt, Alle Blüthen sind geschwellt, Düfte wehn und Weste streiten, Und von künft'gen Seligkeiten Träumt den Jugendtraum die Welt. Doch der Lenz wird bald verbleichen; Von den thauigen Gesträuchen Sinkt die Blüthe schon herab. In der Erde dunklen Reichen Wechseln ewig Wieg' und Grab. Alles Schöne muß verblühen; Flüchtig ist der Augenblick: Doch der Lenz der Phantasieen Hat dem hingewelkten Glück Ein verklärtes Seyn verliehen; Schöner, wenn die Bilder fliehen, Bringt Erinnrung sie zurück. Rein wie Thau ist alles Sehnen, Trüb' und flüchtig der Genuß; An der ird'schen Freude Kuß Kann der Geist sich nicht gewöhnen; Ewig strebt zum ew'gen Schönen Der verbannte Genius. Strahl, dem heil'gen Heerd entglommen, Funke, durch dich selbst beseelt, Göttin, mit dem Staub vermählt, Holde Liebe, sey willkommen! Was den Sterblichen entehrt Hast du segnend ihm genommen Und zum Engel ihn verklärt. Ach, mit ew'ger Morgenröthe Schmückst du die geweihte Stäte, Wo sich dein Altar erhebt. Deine schönste Blüthe lebt Nur im friedlichen Verlangen; Stets vom süßen Wahn umfangen Träumt die stille Schwärmerei, Daß sich bald der Schleier hebe, Und das heil'ge Licht entschwebe, Und die Hoffnung Wahrheit sey. Ewig in die duft'ge Ferne Wendest du dein Angesicht; Glaub' und Treu sind deine Sterne, Phantasie dein Sonnenlicht. Hoffnung mit den milden Schwingen, Zarte Ros' am Dornenstrauch, Wenn die Flammen uns umringen Kühlet uns dein linder Hauch. Deine lichten Strahlen weben Gold und schwarzer Wolken Saum; Trüb' und schaurig ist das Leben: Doch der Hoffnung Flügel schweben Muthig durch den dunklen Traum. Zartsinn, Thau der ew'gen Milde In der Menschheit buntem Kranz, Auf die durstenden Gefilde Senkst du deiner Perlen Glanz. Alle Blüthen duften schöner, Die sich deiner Kühlung freun. Deine Thränen, sanft und rein, Sind der Leidenschaft Versöhner Und der Seele Heil'genschein. Phantasie, du Frühlingshimmel, Der das irdische Getümmel Klar und ruhig überschwebt, Du, zu deren Wolkenhügeln Muthig sich mit raschen Flügeln Der Geweihte nur erhebt! Tausend Sterne seh' ich glänzen An dem luftigen Gewand, Helle Morgenröthen kränzen Wallend deinen blauen Rand. Schönheit gießt dein goldner Schimmer Auf das irdische Gebild; Deine Sonnen strahlen immer: Doch dein Wesen hat noch nimmer Der befangne Geist enthüllt. Nimm mich auf, du heil'ge Quelle Meiner Thränen, meiner Lust, Daß, des Gottes sich bewußt, Feuriger die Seele schwelle, Und des Himmels lichte Helle Leucht' in der verklärten Brust! Doch stillen Ernst hör' ich herniederschweben; Mild zügelt er die luft'gen Phantasien. Nur Gleiches darf sich friedlich jetzt verweben, Kein Ton in's Reich des fremden Tons entfliehn. Allmählig kehrt der Klänge wildes Streben Zurück zum Quell der ersten Harmonien, Der Grundakkord ertönt mit tiefem Falle; Die Träume fliehn, leer ist die ird'sche Halle. – Wie süß ist deiner Düfte Wehn, Du Paradies der zarten Träume! Im Schatten deiner Blüthenbäume Dort möcht' ich ewig mich ergehn! Doch ach, es fordern streng die Rechte Der Welt den Fliehenden zurück; Die Pflicht ermahnt mit ernstem Blick: Entnervte Ruh geziemt dem Knechte, Der Freie strebt für fremdes Glück. Nicht ward zum Spiel dir Kraft gegeben Und nicht der Geist zum Schmuck dir bloß; Was sterblich ist gehört dem Leben, Der Mensch ist nur im Handeln groß. Wohlan, so muß ich von euch scheiden, Mich ruft die strenge Königin, Fahrt hin, ihr meine süßen Freuden, Ihr meine Schmerzen, fahrt dahin! Kalt will ich durch das Leben wandeln, Will ohne Mitleid prüfend handeln; Dem Leben ziemt ein harter Sinn; Hier gilt nicht, was das Herz gerathen, Nicht was Begeistrung rasch vollbringt: Kalt wägt der Richter nur die Thaten , Und nur des Rechtes Schale sinkt. Doch schön ist auch das ernste Leben, Wenn mild zur Harmonie der Pflicht Die Kräfte friedlich sich verweben; Kühn wird der Geist im irren Streben, Doch klar und ruhig wird er nicht. Der Einklang wohnet nur im Rechte; Im graden Strahl nur weilt das Licht; Allein der Blitz erhellt die Nächte Nur dann, wenn er die Wolke bricht. Siehst du die Städte fröhlich blühen? Der Reichthum gießt sein Füllhorn aus, Des Krieges Eumeniden fliehen, Fest steht des sichern Bürgers Haus. Der Eintracht heil'ger Fittig waltet, Von Reben ist der Speer umhüllt, Das Schwert zur Pflugschar umgestaltet, Den Säugling wiegt der rost'ge Schild. Dem Menschen naht der Mensch sich wieder; Versöhnt umarmen sich die Brüder; Der Reue Thränen rieseln mild Von den beschämten Wangen nieder, Und still mit kühlendem Gefieder Umschwebt die Ruh' das holde Bild. So muß das Leben dir erscheinen, Ein Band des Einzelnen zum Einen, Ein Licht das tausend Strahlen lenkt. Mag wie er will der Würfel fallen, Ein heil'ges Ziel es leuchtet Allen, Und nur ein höchster Wille denkt. Den Zufall auf den Thron erheben Kann nur des Wahnsinns blinder Spott; Wie auch die Töne sich verweben, Nur ein Akkord regiert das Leben: Gesetz und Kraft, Gefühl und Gott! – Gekränkte Liebe Still muß ich weinen: aber vergebens hofft Von seinen Thränen freundlichen Trost das Herz; Denn nicht der leise Kuß der Wehmuth Haucht in die Brust mir die Rosendämmrung. Nein, schwarz und nächtlich windet der bittre Schmerz Kalt um des Busens kämpfende Gluth sich her, Und unbewegt umgraut des Trübsinns Brütende Wolke den zartern Schimmer, Worin durch Schmerz die Seele sich glücklicher, Durch bange Thränen schöner der Geist sich fühlt; Ach, weinen muß ich, räth des Unmuths Stimme mir gleich, daß ich zürnend lächle. Sprich, was verbrach ich, daß du den scharfen Pfeil Des kalten Spottes tief in die Brust mir senkst? Ungleichen Kampf beginnst du, drohst mit Waffen, die nimmer dich selbst verwunden! Nein, muth'ge Flucht nur bleibt dem gekränkten Geist; Mit kräft'gem Mannssinn tilgt er die starke Gluth Und lacht des Schmerzes, wenn gewaltsam Ringend die zürnende Flamm' emporstrebt. Nie kann Verachtung dulden der freie Sinn, Nie kann Verachtung dulden das Herz, das dich Mit seiner Flügel kühnstem Aufschwung, Dich, die dem Göttlichen naht, geliebt hat. Dürft' ich zu dir aufschauen, zu dir, die kühn Den Blick emporhebt, jeglicher Fessel zürnt Und groß im heil'gen Kranz der Freiheit Liebe dem gleichen Gemüth nur weihn kann? Ja, ich bin stolz, nicht läugn' ich den eignen Werth, Stolz auf das Recht, das stark in der Brust mir thront, Und stolzer auf den Strahl der Schönheit, Welchen ein Gott in das Herz mir senkte. Der zarten Kette, welche den Geist verschönt, Wenn sie ihn fesselt, schmieg' ich mich willig an: Doch streckt der Willkür Spott vergebens Ueber das heil'ge Gefühl den Scepter. Sprich, ist's ein Frevel, daß ich unendlich dich Und alles Schöne innig in dir geliebt, Daß ich in ird'scher Nacht des Himmels Freundlichem Strahle mich fromm vertraute? Dann schreck' erzürnt der Donner des Ewigen Die weiche Seele, welche mit Kindessinn Im Blüthenduft und in des Frühlings Zaubergewand, in dem goldnen Strahle, Der hehr emporschwebt, und in des Mondes Licht, Die leise Spur der ewigen Lieb' erkennt, Und in des Waldes heil'gem Säuseln Gläubig die nahende Gottheit ahnet. An Cäcilie Du nennst ein Räthsel, nennest verschlossen mich, Der Alles jüngst, was in der geheimsten Brust Ihm blühte, was im tiefsten Herzen Heilig sich spiegelte, dir gestanden? Du weißt es Alles, was ich dir sagen kann; In jedem Blick, in jedem gedämpften Laut, Im stummen Gram und in des Frohsinns Sonnigem Lächeln enthüllt mein Herz dir; Daß du allein ihm Leben und Liebe bist, Daß zart und innig jedes Gefühl in mir Dein Eigenthum ist, daß dein Blick nur Kraft in die Brust mir und Milde senkte. So weht belebend um das entkeimte Grün Mit duft'gem Flug des seligen Lenzes Hauch, So gaukelt freundlich in der Quelle Rieselndem Silber der Rose Bildniß. Und ach, doch kann dein heiliger, zarter Sinn Worin die fremde Thräne so leicht den Thau Des weichen Mitleids weckt, doch kannst du So mich mit bitterem Argwohn kränken? Ach, still und kindlich trug ich die sel'ge Lust Im keuschen Herzen, betete nur zu dir, Und dir nur dankt' ich, wenn die Schönheit, Wenn mich ein großes Gefühl emporhob. Mit heil'gem Schweigen ehrt' ich das Göttliche, Das mir genaht war, wähnte das süße Glück, Den Traum des Himmels zu verscheuchen, Wenn ich mit irdischem Laut ihn grüßte! Der Sitz, wo du einst ruhtest, der Wiese Pfad, Den du gewandelt, war mir ein Heiligthum; Nie wagt' ich deines Schleiers Saum nur Leise mit bebender Hand zu fassen. Wer ist's, der mächtig aus der Ermattung Schlaf Mein Herz emporrief, welcher mich selbst mir gab, Daß kühn ich in den hohen Kreis der Edleren treten und stolz gestehn darf: Nehmt, ich verdien' es, nehmet den Euern auf, Der euch zur Seite kämpfen und siegen will, Der Haß dem Unrecht, der dem Schönen Liebe, der Treue dem Recht geschworen! Ach, was beginnst du? Willst du dein eignes Werk, Das Werk zerstören, welches ein lichter Strahl In jenem goldnen Kranze seyn wird, Welcher im Himmel dich einst umleuchtet? Vertraue dem, was tief in die Seele mir Du selbst geprägt hast, glaub' an die eigne Macht! Ach, wenn du zweifelst, muß ich dann nicht Selbst an dem eigenen Herzen zweifeln? Zürnst du vielleicht, daß ewiger Frohsinn mir Die Stirn bekränze, daß ich mit kälterm Sinn Nur in des Glückes lichtem Schimmer Wandelte, nie der Empfindung Thräne, Des tiefern Herzens lindernden Thau geweint, Die zarte Thräne, welche den düstern Gram Zum Engel umschafft, der in Wehmuth Göttlicher wird und des Himmels werther? Ach, oft verkündet Lächeln den stummen Gram, In heitern Schein hüllt oft sich ein blutend Herz, Und in der goldbesäumten Wolke Lauschte verderblich ein schwarzer Sturm oft. Gleich Aeolsharfen regen, vom geist'gen Hauch Geküßt, der Rührung leisere Saiten sich; Nicht mag mit Worten ich's entweihen, Was mir die göttliche Stimme kündet. Der Spott nur fühlt sich heimisch im leeren Traum Der dunklen Erde: aber verlassen schließt Empfindung sich ins tiefre Herz und Blickt zu den Sternen und schweigt und lächelt. So birgt der Kelch der nächtlichen Blume sich Der Gluth des Tages, nur in der Dämmerung Entfaltet scheinlos sie den Kelch: doch Woget in reinerem Duft die Nacht rings. Keusch sey des Herzens heiliges Zartgefühl Und gebe nie dem Hohne der Welt sich hin; Nur blenden kann des höhern Lichtes Flamme den Thoren, doch nicht ihm leuchten. O gieb ein Blümchen, wenn du nicht reden darfst, Gieb deines Lächelns flüchtigsten Sonnenstrahl, Den stillsten Blick mir nur zum Pfande, Daß du mein Inneres ganz errathen. Dämmerungsphantasie An Cäcilie. Vergebens senkt mein Geist in der Wissenschaft Verborgnes Reich sich, forschet der alten Zeit Verhüllten Quellen nach und träumt im Thörichten Stolz von dem Kranz des Nachruhms: Dein süßes Bildniß spottet den heil'gen Ernst Von meiner Stirn fort: ach, wenn die Huldgöttin Sich lächelnd naht, so kränzt die Weisheit Fröhlich mit Myrten die Silberlocken. Nicht länger duld' ich dann das verhaßte Joch: Mit freiern Schwingen über das frost'ge Land Des Wissens schwebt mein Geist, und staunend Fühl' ich ein Herz mir im Busen schlagen. Der Ehre Blendwerk, welches in früh'rer Zeit Mich einst umspielte, jeglichen eitlen Wahn Vom Lob der Mitwelt, von des Enkels Staunendem Schweigen verscheucht mir siegreich Dein zartes Lächeln, welches der Blüthe gleich, Die halb verhüllt vom Saume der Knospe noch Sich schüchtern zeigt, der geist'gen Freude Leiseres Wehen in dir verkündet. Ich folg', ich folge, reizendes Bild, wohin Dein Wink mich leitet; über das weiche Grün Der Wies' und durch den Duft der Haine Folg' ich mit ewiger, süßer Sehnsucht! Mit leisem Flüstern säuselt in stiller Luft Der Tanz der Dämmrung; freundlich erwachen rings Im Kelch der Blüthen, wo beim Rieseln Hüpfender Wellen sie sanft geschlummert, Die Traumgebilde; sieh, zu dem Rosensaum Des fliehnden Tages schwingen sie leicht sich auf, Und in der Sonne letztes Lächeln Tauchen sie leise die linden Flügel. Bethaute Kränze dann um die heiße Stirn Der wachen Sorge winden die Freundlichen, Und Sehnsucht um den Mund der Liebe Hauchen sie, Lust auf des Kindes Wange. O, schweb' empor am Rande der dunklen Welt, Und gleich dem Dämmern ferner Erinnerung, Die sinnend uns aus Lust und Wehmuth Gaukelnde Zaubergebild' entfaltet, Gieß ihn herab vom schweigenden Pfad, o Mond, Den geist'gen Schimmer, daß die verklärte Flur Zum sel'gen Traum der schönern Zukunft Werd' und die irdische Form verhülle. Hier laß uns ruhn, am Silber des flücht'gen Quells; Gleich deiner Seele giebt er, vom luft'gen Strahl Des keuschen Lichts umwallt, mein Bild mir Reiner zurück und der Liebe würd'ger. O senk ihn nieder, Heilige, senk' auf mich Den Blick, worin der ewige, leise Schmerz Des zartern Busens friedlich lächelt; Schmerz ist die einzige Lust der Sehnsucht. – So wallt des schönern Lebens erblüh'nder Lenz Einst beim Erwachen um den verklärten Geist, Wie jetzt bei deinem Blick der Glanz der Reineren Liebe mein Herz umleuchtet. O, möcht' ich sterben! möcht' ich im Traum der Lust Von hinnen scheiden! Nimmer erträgt das Wehn Des kalten Nords die zarte Blüthe, Welche der wärmere Hauch gepflegt hat. Sebastian Bachs Apotheose Nach einem Gemälde Cäciliens. Du Macht des Klangs, empor auf Adlerschwingen Hebt mich dein Flug; entflieh, du öde Nacht! Zum Licht empor will ich begeistert dringen, Im Busen ist die Flamme mir erwacht, Und liebend soll mein Geist das Bild umschlingen, Wovon der Klang die Kunde mir gebracht. Kalt strahlt der Sonne Glanz auf ird'scher Welle, Und droben nur vermählt sich Gluth und Helle. Wer hat den Kranz der Harmonie gewunden, Wo Blüthe sich an Blüthe wechselnd reiht? Was sich geflohn ist friedlich hier verbunden, Das Gleiche trennt der ernste Schritt der Zeit. Durch Haß hat Lieb' und Liebe sich gefunden, Und schöner glänzt die Freude durch das Leid, Und nur gefühlt vom Geiste der Geweihten Schwebt leis' ein Gott stillordnend durch die Saiten. Kühn hat dein Geist den ew'gen Rath durchdrungen, Enträthselt ist des Lebens dunkles Spiel, Der Frevel trotzt, die Tugend liegt bezwungen, Der Mensch verzagt, fest steht das ew'ge Ziel, Und stets verwebt geheimnißvoll verschlungen Sich That und That, Gefühl sich und Gefühl. Dem Schwachen nur scheint Ruh' und Streit verschieden: Der große Geist erkennt im Kampf den Frieden. Was wunderbar im ordnungslosen Reigen Der bunten Welt dem Geist vorüberzieht, Und was, verhüllt in ahnungsvolles Schweigen, Im Feenreich der Phantasie entblüht, Das Alles mußte deinem Blick sich zeigen Und Bilder leihn dem schaffenden Gemüth, Und friedlich ließ entzweiter Mächte Streben Dein Genius harmonisch sich verweben. Ach, jede Kraft, die in des Herzens Tiefen, Vom dunklen Flor der Welt verschleiert, quillt, Des ew'gen Stamms verborgne Hieroglyphen Hat dein Gebot dem geist'gen Aug' enthüllt; Dich führt' ein Gott, und deine Töne riefen In's Leben auf des schönern Lebens Bild; Gern folgt das Herz den magischen Gesetzen Und staunt entzückt bei seinen eignen Schätzen. Wildflatternd wallt hoch an des Himmels Räumen, Vom Sturm gescheucht, die Wolke, schwarz und dicht, Und wandelbar gleich wesenlosen Träumen Schmiegt sie in's Band der sichern Form sich nicht: Doch freundlich naht, mit Gold sie zu besäumen, Der Nächtlichen das heil'ge Sonnenlicht, Und, was den Blitz im dunklen Schooß verschlossen, Schwebt jetzt daher, vom heitern Glanz umflossen. Doch näher kömmt's mit stillem Trotz gezogen; Den Kranz des Lichts verschmäht die finstre Nacht; Der Donner rollt, der Himmel bricht in Wogen, Laut heult der Sturm das Siegeslied der Nacht: Doch ruhig wölbt des Friedens heil'ger Bogen Sich hell und hehr durchs dunkle Feld der Schlacht; Mag unten auch der Aufruhr tobend stürmen, Hoch lebt ein Gott, er wird die Seinen schirmen. So weiß dein Geist lebendig zu entfalten, Was räthselhaft den Busen wechselnd hebt; Auf deinen Wink, gleich finstern Luftgestalten, Vom Machtgebot der Willkühr rasch belebt, Ziehn sie daher, die nächtlichen Gewalten, Bei deren Nahn das bange Herz erbebt; Doch dämmernd kränzt ein leiser Strahl der Milde Den Uebermuth der trotzigen Gebilde. Doch wenn auch rings die Wetter feindlich toben, Wenn, aus dem Schlaf gewaltig aufgerafft, Am Widerstand die Kräfte sich erproben, Im wilden Streit empörter Leidenschaft; Stets wird das Herz im rauhen Sturm erhoben, Und mächt'ger fühlt im Kampfe sich die Kraft. Was sterblich ist, mag wanken und verzagen: Uns schützt der Gott, den wir im Busen tragen. Der Sturm entflieht, sanft nahn des Westes Schwingen, Den Wahn beherrscht der kurze Augenblick, Der Nebel schmilzt, und heitre Strahlen bringen Den Genius der Ruhe dir zurück; Der Epheu wird das düstre Grab umschlingen, Entschwunden reizt das feindliche Geschick, Und frischer blüht, wie in des Thaues Kühle, Der duft'ge Kranz der zarteren Gefühle. Du holde Ros', im dunkeln Kelch gefangen, Dir, Liebe, löst sein Wink das ird'sche Kleid; Im lichten Glanz siehst du verschämt dich prangen, Geschlichtet ist der Sehnsucht wilder Streit; Die Wünsche ruhn, die schwellend in dir rangen, Du wohnst im Licht und schaust die Seligkeit, Und von dem Hauch des geist'gen Klangs umwoben, Strebst du, gelabt vom eignen Duft, nach oben. O Paradies der reinsten Phantasieen, Du bist enthüllt, geweihtes Feenland! Hell seh' ich dich und unverwelklich blühen, Nicht sterblich ist dein luftiges Gewand; Dein Aether schwimmt in ew'gen Harmonieen, Die Dämmrung hat dein Himmel nie gekannt; Kein ferner Strahl schmückt dich mit irrer Helle, Du bist dir selbst des Lichtes ew'ge Quelle. Rings säuselt Duft, und tausend Blüthen schmücken Mit frischem Glanz den heil'gen Schattenhain. O naht euch nicht die Lächelnden zu pflücken, Denn gaukelnd flieht der bunte Zauberschein; Die Blume soll mit Duft nur uns entzücken, Und ewig soll die sel'ge Sehnsucht seyn, Durch Zartsinn nur wird das Gefühl gefeiert; Die Schönheit flieht, wenn sie der Wahn entschleiert. Geweihte Kunst, still will ich niederfallen, Dein göttlich Bild mit frommem Sinn umfahn; Dein Priester hat der Zukunft goldne Hallen, Hat mir den Glanz des Himmels aufgethan; Der Ton verschwebt, die Harmonien entwallen, Unsterblich weilt des Herzens süßer Wahn, Und nimmer raubt der rasche Tanz der Stunden, Was heilig wir mit reinem Sinn empfunden. Ha, welch ein Strahl erhellt die ird'schen Zonen! Die Welt versinkt, ein dunkles Traumgesicht: Hoch im Gewölk seh' ich die Tugend thronen; Huld ist ihr Blick, ihr Kranz ist ew'ges Licht; Aetherisch ruhn in ihrem Schooß die Kronen, Die sie um's Haupt der kühnen Streiter flicht; Im Zauberklang der wunderbaren Saiten Hör' ich ihr Wort zu mir herniedergleiten. Der fromme Sinn, der zu den ew'gen Höhen Den scheuen Blick zu heben nicht gewagt, Bewundert still, wie bei der Töne Wehen Sein eigner Glanz belebend in ihm tagt. Werth fühlt er sich zum Himmel aufzusehen, Rein ist der Geist, wo Sünde sonst gezagt. Das Heil'ge darf er gläubig jetzt umarmen; Denn droben wohnt ein Vater voll Erbarmen. O starker Muth, der mir den Geist beflügelt, Der Glaube ruft, die Kette sinkt dahin, Zum Thatenruhm ist mir das Thor entriegelt, Die Ehre winkt, die hohe Königin, Und stürmisch eilt und frei und ungezügelt Das rasche Herz zum köstlichen Gewinn; Nicht will ich feig den schönen Tag verträumen, Selbst meine Nacht soll noch mit Gold sich säumen. Nie soll das Recht dies freie Herz verlassen, Nie ihren Thron Gewalt in mir erbaun; Was Haß verdient, das will ich muthig hassen, Mit festem Blick dem Feind in's Auge schaun, Das Herrliche will ich voll Lieb' umfassen, Und wie auf Gott auf Menschenwerth vertraun, Will kämpfen für das ew'ge Ziel und leiden, Und ohne Schmerz, doch nicht vergessen, scheiden. So läßt das Herz von deinem Wink sich leiten, Aus Kampf wird Ruh und aus dem Dunkel Tag. Die Seele schwebt auf den gerührten Saiten, Wohin du rufst folgt sie gefesselt nach, Doch bandenlos wähnt sie umherzugleiten, Emporgeschnellt durch eignen Flügelschlag, Und aus sich selbst die wechselnden Gestalten Der Phantasie lebendig zu entfalten. Die Freude siegt! Ein lichter Rosenschleier Webt gaukelnd sich um's blaue Himmelszelt; Der Busen hebt im Drang der Lust sich freier, Im Morgenlicht schwimmt die verjüngte Welt, In jedem Blick glänzt ein verklärtes Feuer, Hell ist der Geist und hoch das Herz geschwellt, Und fortgerafft von stürmischem Entzücken Will an sein Herz der Mensch den Menschen drücken. Doch so wie ernst der Dämmrung Flügel schweben, Noch kränzt das Blau ein zarter Purpurschein, Still naht die Ruh, und Halm und Blüthe beben, Und säuselnd wogt bei ihrem Kuß der Hain; Fern schwimmt am Fels der Strahlen letztes Leben, Schon kettet sich der Träume bunter Reihn, Und drüben hebt im funkelnden Gewande Die duft'ge Nacht sich aus dem Schattenlande; So windet sich in deinen Zaubertönen Geweihter Ernst um der Entzückung Glanz; Begeisternd naht die Hoheit sich dem Schönen, Die Würde lenkt der Anmuth leisen Tanz; Den zarten Arm schlingt um die Lust das Sehnen, Der Wehmuth Thau glänzt in der Freude Kranz; Still wird das Herz, und in der heil'gen Ferne Schwebt vor dem Geist der Glanz der ew'gen Sterne. Gewaltiger! bei dir fühlt der Gedanke, Und sinnend denkt dein innerstes Gefühl; Was Schwache spornt, das wählst du dir zur Schranke: Wo Feige fliehn, da winkt dein hohes Ziel; Wie auch der Sinn der flücht'gen Menge wanke, Du lohnst dir selbst mit dem, was dir gefiel, Und nicht verletzt von ungeweihtem Spotte Nahst du auf kühner Bahn dich deinem Gotte. Hört ihr im Dom das Festgeläut erschallen Zum Himmel steigt der Andacht frommes Chor, Erschütternd tönt die Orgel durch die Hallen, Und gläubig schaut des Meister Blick empor, Und Alles ist rings auf die Knie gefallen, Und offen steht des Himmels goldnes Thor; Entsündigt schwingt vom heil'gen Klang der Saiten Sich Alles auf zu ew'gen Seligkeiten. Doch seinem Blick entstrahlt allmächt'ges Leben, Bewundernd fühlt sein Geist die eigne Macht; Gewaltiger rauscht der Begeistrung Schweben, Verklärter glänzt die Flamme durch die Nacht, Und rastlos ringt er fort mit kühnem Streben, Bis siegend er das Göttliche vollbracht, Und höher stets beginnt die Fluth zu schlagen, Im Sturm der Lust will fast sein Herz verzagen. Heil ihm, schon liegt das Irdische bezwungen; Hell strahlt die Kunst des trüben Flors beraubt; Wonach er rang, das hat er jetzt errungen, Weil er an Gott, weil er an sich geglaubt; Das Ideal hält bräutlich ihn umschlungen, Der Glaube flicht den Lorbeer ihm um's Haupt; Kühn strebt sein Geist das Dunkel zu verlassen; Wer Gott geschaut, den kann die Welt nicht fassen. Und sieh, da winkt, von goldnem Duft umwoben, Cäcilia mit leisem Harfenton; Was er geliebt das leitet ihn nach oben, Wofür er kämpfte beut ihm jetzt den Lohn; Schon ist sein Geist verklärt emporgehoben, Schon kniet er hin vor des Allmächt'gen Thron; Ein Strahl entsinkt sich um sein Haupt zu weben, Ein Engel kniet, und alle Himmel beben! Nachtgruß An Cäcilie. An dem duftigen Hügel da wandl' ich so gern, Von süßem Verlangen getrieben; Dort blinkt mir fern Durch die nächtlichen Schatten ein freundlicher Stern Aus dem stillen Gemache der Lieben. Die schimmernden Blüthen du zählest sie nicht, Mit welchen die Nacht sich bekränzet: Doch nimmer bricht Durch die fliehenden Wolken ein holderes Licht, Als dort aus der Tiefe mir glänzet. O schlummre du süß bis des Himmels Saum Sich schmückt mit dem Rosengewebe, Und weich wie Flaum Umgaukle die Wangen ein freundlicher Traum, Daß den Engel ein Engel umschwebe. Mich treibt es hinaus durch die dämmernde Nacht Auf dem Pfade der Geister zu ziehen; Wo Liebesmacht Mit der ewigen Flamm' in dem Busen wacht, Kann Blümlein Ruhe nicht blühen. An den Schlaf Für Cäcilie. O Schlummer, der in heil'gem Schweigen Am Rand der Quellen hingelehnt, Sich träumerisch mit Blüthenzweigen Die ewig heitre Stirn umkrönt, Du holder, goldgelockter Knabe, Schutzengel über Wieg' und Grab, Komm zu der Leidenden herab Mit deinem linden Zauberstabe. Siehst du, wie er herniederschwebt, Umglänzt von zarter Mondeshelle? Des Waldes dunkler Gipfel bebt, Und leiser rauscht die flücht'ge Quelle. Still wie der Thau von nächt'gen Höhn, Wie Harfenton aus finstrer Weite, Umschlingt er sie mit Liebeswehn Und flieht mit seiner holden Beute. O bette sie auf weiches Wiesengrün, Daß zart um sie ein duft'ger Flor sich schmiege; Erwachet rings des Waldes Harmonien, Daß sich ihr Herz auf leisen Klängen wiege; Ihr Träume naht, den Zauberkreis zu ziehn, Worin die Lust den wachen Schmerz betrüge; Ein Engel mög' an ihrer Seite knien Und auf die Stirn ihr kühle Lindrung hauchen; Fern soll die Nacht der Wirklichkeit entfliehn, Und gläubig sich auf süßen Phantasien Ihr Geist in's Licht der ew'gen Klarheit tauchen. Ach, viel des Grams hat diese dunkle Welt, Vergebens sucht der Geist sie zu verklären; Die Sonne steigt; vom goldnen Glanz erhellt Prangt zauberisch Gebirg' und Thal und Feld: Doch senkt auch rings der Thau die leisen Zähren. Im Kelch der reinsten Freude wohnt der Schmerz, Die Wehmuth sinkt vom heitern Himmel nieder; Vergebens hofft und träumt das weiche Herz, Was einmal schwand giebt ihm die Welt nicht wieder. Ach, uns umfängt ein unbekanntes Land, Wir sind allein hier in dem weiten Raume; Was uns beglückt, das blühte nur im Traume, Kein ird'sches Glück ist unsrer Brust verwandt; Das Ziel, wozu des Geistes Wünsche schweifen, Das kann und will der Busen nicht begreifen. Was frommt der Ruhm errungner Wissenschaft, Der Siegeskranz mit ewig welken Blättern? Gebunden wird des Herzens junge Kraft Und beugt sich kalt vor unbeseelten Göttern; Kein lebend Bild schmiegt sich uns innig an; Wohl prangt der Kelch, doch duftlos ist die Blüthe; Das Heil'genbild, wofür der Jüngling glühte, Das prüft und mißt mit kaltem Blick der Mann. Du armes Herz, nicht für das rauhe Streben Der öden Welt ward deine Gluth bestimmt: Gern möchtest du mit freiem Fittig schweben, Wie durch die Luft das Silberwölkchen schwimmt, In linder Ruh mit süßen Bildern spielen, Wo dir's gefällt dir eine Hütte baun, Auf dich allein im süßen Wahn vertraun Und ohne Pflicht und ohne Prüfung fühlen! – Voll Liebe weilt dein Blick auf jedem Traum, Und ahnet nicht, daß die Gebild' entwallen; Mit gläub'gem Sinn pflegst du den Blüthenbaum: Kurz ist der Lenz, und ach, die Blüthen fallen. Dein kühnster Wunsch, dein heißersehntes Glück Wird wie der Ton, sobald er klang, verhallen; Genaht entflieht der sel'ge Augenblick: Doch ewig bleibt die Thräne dir zurück. Der bunte Glanz, den rings der Lenz entfaltet, Das Roth, womit der Dämmrung Traum sich schmückt, Der duft'ge Hauch, der um das Leben waltet, Der Kuß der Nacht, der sanft die Welt erquickt, Und aller Reiz des Heiligen und Schönen, Womit im Duft, in Farben und in Tönen Der große Geist zu deiner Seele spricht, Wohl weckt er dich zum ewig regen Sehnen, Doch ach, er stillt des Herzens Wünsche nicht! Mit Allem willst du innig dich vermählen, Lebend'ger noch das Lebende beseelen, Glanz soll der Duft, der Ton soll Rede seyn, Dein Herz soll rings in allem Leben schlagen, Verständlich soll das Stumme mit dir klagen, Verständlich sich mit deiner Freude freun. Schön steigt der Tag und schön entsinkt er wieder, Holddämmernd schaut der helle Mond hernieder, Und golden ziehn die Stern' auf blauer Bahn: Doch rastlos strebt hoch über Sonn' und Sterne Des Menschen Sinn in's dunkle Reich der Ferne, Dem Schönern, das ihn ewig flieht, zu nahn. Zur Trauer ist der bess're Mensch geboren; Der reinste Traum, der liebend uns umschlingt, Hat sich zum Flor die Wehmuth auserkoren! Wann kömmt der Tag, der das, was wir verloren, Im goldnen Licht uns freundlich wiederbringt? Drum säusle still um ihre Wangen, Wo noch die hellen Perlen hangen, Die stumm der düstre Schmerz geweint; Kein rein'res Herz kannst du umfangen, O Schlaf, des Kummers milder Freund! Froh laß sie deinem Arm entgleiten, Du freundlicher, du ernster Geist, Der nur dem Sinn der Ungeweihten Des Todes düstrer Bruder heißt. Bei der Feier eines vierfachen Geburtstages Es regt in wechselnden Gestalten Sich rasch des Lebens buntes Bild, Und andre Farben sehn wir walten, Je mehr der Faden sich enthüllt. Die Jungfrau hofft auf schön're Lenze, Aufstrebend lenkt der Mann sein Glück, Und auf die einst errungnen Kränze Blickt ruhig ernst der Greis zurück. Doch Hoffnung, Kraft und Ruhe weben Des Ganzen traulichen Verein, Und nimmer kann das volle Leben Im Schooß des Einzelnen gedeihn. Darum soll liebend sich begrüßen, Was fern der Flug der Zeiten schied, Und Lust gewähren, Lust genießen Mit friedlich freundlichem Gemüth. So hieß des Menschen erste Weihe, Als er die fremde Bahn betrat: Sey weis' und glücklich und verzeihe Und duld' und liebe was dir naht. Drum weiche fern aus unserm Kreise, Wer trotzig nur sein eignes Bild Vergöttert und mit ew'gem Eise Dem Mitgefühl die Brust verhüllt. Denn menschlich soll der Mensch empfinden, Nicht einsam gehn auf eigner Bahn, Soll suchen, was er lieb', und finden, Und bittend sich und helfend nahn. Wohl ist mit mannigfalt'gem Glanze Des Lenzes bunter Pfad verklärt: Doch in der Liebe großem Kranze Hat jede Blume gleichen Werth. Und wenn auch einst die hellen Stunden Des Schmerzes düstre Wolke trübt, Wenn unsre Hoffnung hingeschwunden Und still verwelkt, was wir geliebt, Dann soll den letzten Trost der Thränen Nicht stolz und kalt das Herz verschmähn, Und schöner im Erinnrungssehnen Das holde Bild uns auferstehn. Ja, heiter ist schon hier das Leben, Und eine heitre Zukunft naht; Wir blühn in froher Kraft und streben, Des schönern Lenzes heil'ge Saat; Ob früher eine Blüthe falle, Darf nicht des Menschen Sorge seyn; Einst schließt ein schönes Land uns Alle In seine reinen Wonnen ein. An Adelheid Bei der Uebersendung einer Myrte. Myrte, bescheidener Strauch, geh, grüß' an dem Feste die Freundin Freundlich von mir und sprich, wie ich es lehre, das Wort: Schüchternes Laub hüllt züchtig mich ein, und ich blühe verborgen: Aber um jegliches Blatt säuselt der geistige Duft; Kühlung hauch' ich umher und erquicke mit heimlicher Anmuth Aug' und Gefühl, und es liebt Jeder das sinnige Grün. Stets ist's heiter im Schatten bei mir und still und gemüthlich: Nie mit betäubendem Duft trüb' ich den schwindelnden Geist. Gern umkränz' ich die zartere Lust mit dem blühenden Zweige, Und doch werd' ich so oft stolz und verschlossen genannt; Denn nicht beug' ich mich feig, wie die anderen Blumen, des Westes Leisestem Hauch, und frei heb' ich zur Sonne das Blatt. Doch nicht preis' ich mich selber dir gern; denn ich denke, Natur hat So mich geschaffen, und stets schmieg' ich der Mutter mich an. Nimm mich und pflege den Strauch, der so ganz dir gleichet, mit Sorgfalt. Einst dann kränz' ich dir wohl bräutlich die Locken dafür. Die Maiblümchen an Adelheid 1. Charade Bei einem Körbchen mit Maiblumen. Wenn mit der Blüthen buntem Kranz geschmückt So freundlich von des Himmels blauen Höhen Mein kindlich Bild zu dir herniederblickt, So wähn' ich stets mein Schwesterchen zu sehen. Ach, wenn nur deine zarte Hand mich pflückt, Dann will ich gern nach kurzem Blühn vergehen; Ein Lächeln nur aus deinem Aug' erquickt Mich freundlicher als alles Frühlingswehen. Rein komm' ich, klar und zart und unzerknickt, Und doch wirst du vielleicht den Geber schmähen, Der dir des leichten Räthsels Lösung schickt, Als sey's so schwer sich selber zu verstehen. 2. Wir Blümlein keimen, dumpf und dicht, Von Wald und Thal umgeben: Doch eh der Kelch die Hülle bricht, Schaut hoffnungsvoll zum goldnen Licht Die Knosp' und grüßt das junge Leben; Und fern dahin Geht unser Sinn, Wir möchten zum Himmel uns heben. Die Bien' entsummt, das Vöglein flieht Mit fröhlichem Gefieder: Uns hält das irdische Gebiet, Und wenn der frische Kelch entblüht, So senkt er trauernd sich hernieder; Der Duft verrinnt Im Frühlingswind Und kehret uns nimmer wieder. Drum laß zu deinem Sonnenschein, Du zartes Bild, uns fliehen; Du bist so klar, so mild, so rein, Du pflegst uns arme Kindelein Gewiß mit freundlichem Bemühen; An Liebesbrust Lebt sich's mit Lust, Da ist es so süß zu verblühen! 3. Wir Blumen groß und klein Sind freundlich dir gewogen, Drum kommen wir gezogen Zu dir aus Wies' und Hain; Auch sollen wir von allen Quellen Und Vögelein Dir einen schönen Gruß bestellen. Oft auf bethauter Spur Sahn wir vorbei dich wallen, Und heit'rer schien's uns Allen Bei dir als auf der Flur, Denn nach den Freundlichen und Schönen Und Keuschen nur Kann zarter Blümlein Sinn sich sehnen. Wenn uns der Mai belebt, Dann wird aus Mondenschimmer, Aus Thau und Quellgeflimmer Der Klöcklein Glanz gewebt. Nichts darf den hellen Kelch entweihen; Denn leis' umschwebt Uns stets der Tanz der Blumenfeien. Doch zarte Liebe schleicht Uns doch in's Herz allmählig, Wir suchen minneselig Ein Liebchen, das uns gleicht. Dich haben wir uns auserkoren; Bist du vielleicht Wie wir aus reinem Glanz geboren? 4. Die Sehnsucht schwand mit ihren weichen Träumen, Schon ist des Lenzes frühster Kuß verglüht, Ein kräftiger Geschlecht beginnt zu keimen, Der zarten Kindheit frisches Bild verblüht. Nur wenn erwacht in's jugendliche Leben Die duft'ge Welt den blühnden Busen taucht, Kann ahnungsvoll der reine Kelch sich heben, Woraus das Wehn der geist'gen Liebe haucht. Drum wollten wir noch einmal dich begrüßen, Eh schwüle Gluth die Silberwang' uns trübt; O denke du, wenn andre Blumen sprießen, Noch oft an uns, die zärtlich dich geliebt. Noch lebt's und keimt's auf üppigem Gefilde, Und Neues beut dir stets der Augenblick: Doch fruchtlos ruft die früh'sten Traumgebilde Das weiche Herz verlangend sich zurück. Gern wären wir mit heiterm Wort gekommen Und hätten freundlich gern mit dir gekos't: Doch ach, der Schein kann nie dem Herzen frommen, Und Schmerz nur ist des Schmerzes einz'ger Trost. Doch wirst du einst nicht selber zu uns sagen, Wenn unserm Kelch der letzte Duft entflieht: Welkt, Blümlein, welkt, ich will euch nicht beklagen, Ihr habt ja schön, wenn auch nur kurz, geblüht. 5. Unsre frühern Schwestern schwanden Schon im Hain, Und wir armen Kinder standen Ganz allein. Schwarz war unser Thal umzogen Wie das Grab, Und es rann in Wetterwogen Kalt herab. Ach, da zagten wir im trüben Sturmesdrohn, Weinten still, daß alle Lieben Uns entflohn; Unsre Klöcklein sanken schmerzlich Tief in's Grün, Und wir wünschten heiß und herzlich Zu verblühn. Da, du freundliches Gebilde, Hörten wir, Mitleid wohn' und Huld und Milde Stets bei dir; Ewig heitre Sonne scheine Um dich her, Und wenn du ihm lächelst, weine Keiner mehr. Drum sind wir zu dir gekommen, Retterin! Nimm die friedlichen, die frommen Blümlein hin. Wenn der Kelch bei Sturmesschweben Auch erliegt, Lang noch rinnt das duft'ge Leben Unversiegt. 6. Stets wollten wir zum letztenmal Dich grüßen: Doch deiner Aeuglein holder Strahl Gönnt uns nicht Ruh noch Rast im Thal; Laß unsre Kühnheit uns nicht büßen; Die Lieb' hat keine Wahl. Ach, singt und säuselt nicht der Mai Von Liebe? Schnell flieht das Bienchen uns vorbei, Kurz ist des Lüftchens Tändelei, Jetzt lacht der Strahl, jetzt ist er trübe, Und Blümlein lieben treu. Drum können wir, du Liebchen schön, Nicht scheiden. Ach, sollten wir dir ferne stehn, Dein freundlich Antlitz nicht mehr sehn, Wir müßten ja in bittern Leiden, In Liebesleid vergehn. Der Stern der Liebe Das Blümlein schläft, die Sonne sank Im Zwielicht ringen Nacht und Helle; Still wandl' ich stets den Bach entlang Und seh hinab zur dunkeln Welle. Da schwimmt ein leises, liebes Bild Erzitternd in der blauen Tiefe Und lacht so hold und winkt so mild, Als ob es mich zur Heimath riefe. Das ist der Liebe goldner Stern, Den ich im Bächlein leuchten sehe: Doch bleibt er selbst mir ewig fern, Sein Bild nur lächelt in der Nähe. O wollte doch die Frühlingsluft Empor auf ihrem Wehn mich wiegen! O wenn doch Glanz und Blüthenduft Zum holden Licht mich aufwärts trügen! So muß ich still und einsam gehn Und niederschaun zum klaren Sterne; O Stern, wie lächelst du so schön! Dich lieb' ich auch in weiter Ferne! Kampf und Sieg Epilog zur Feier des 18ten Febr. 1814 im Familienkreise des königl. großbritt. hannöverschen Generals und Oberforstmeisters von Beaulieu. Schon wandl' ich lang verirrt auf rauhem Wege, Im Hain, den sonst mein Fuß so gern betrat; Verödet steht der Wald und ohne Pflege, Die Pflanzung stirbt, der Dorn umstrickt den Pfad. Kein Horn erschallt im dunkeln Jagd-Gehege, Das sichre Wild vernichtet Wies' und Saat, Und kaum erkenn' ich in der öden Wüste Das Reich, das sonst so freundlich mich begrüßte. Wohl hab ich längst dies Mißgeschick empfunden Und weiß es wohl, wer meine Lust gestört; Der theure Freund, er ist hinweg geschwunden, Der sonst so treu die Herrscherin geehrt. Er, der sich früh zu meinem Dienst verbunden, Und dem ich selbst die heitre Kunst gelehrt. – Ach! er verließ Dianen's muntre Spiele Und zog hinweg zum rauhen Kampfgewühle! Bellona ist's, die Trotzige, die Wilde, Sie sammelte mit ihm die muth'ge Schaar, Sie riß ihn fort zum blut'gen Kampfgefilde, Zum Pfad des Ruhms, zum Pfade der Gefahr. Den Eichenkranz verschmäht der sonst so Milde, Und windet kühn den Lorbeer in sein Haar, – Sein eigen Glück, er hat es hingegeben, Um sorgenvoll das Fremde zu erstreben. O kehr zurück zu Deinen alten Eichen, Wo nur zur Lust das helle Horn ertönt, Wo freud'gem Spiel die kurzen Kämpfe gleichen, Und Beute stets die leichte Mühe krönt. Süß ist's zu ruh'n in schattigen Gesträuchen, Am weichen Rand der Quellen hingelehnt, Sich reulos dann des Sieges zu erfreuen Den Brüder-Blut und Thränen nicht entweihen. Du rufst umsonst! ich hab ihn mir erkoren, Den tapfern Freund, und geb' ihn nicht zurück. Der feige Mann wird besser nie geboren, Der kühne nur erhascht das flücht'ge Glück, Und naht bekränzt des Ruhmes goldnen Thoren, Und ordnet selbst als Herrscher sein Geschick – Wer Kraft empfing, zur Schlacht das Schwerdt zu heben, Verschmäht die Ruh' und kämpft sich durch das Leben. Wo laut im Streit die blut'gen Waffen klirren, Da herrscht er kühn mit muthigem Gebot; Wo rasch umher des Todes Pfeile schwirren, Da steht er fest' und mächt'ger als der Tod. Die Taube mag im dunkeln Haine girren, Hoch schwebt der Aar im hellen Morgenroth, Und schießt auf den, der ihn erzürnt hernieder, Und kämpft, und siegt, und hebt sich prangend wieder. Hab' ich nicht früh den Knaben schon erzogen Und heitern Sinn in seiner Brust genährt? Dir war der Jüngling , – mir war der Mann gewogen, Die spätre Wahl beruht auf höherm Werth. Ich gab ihm Kraft, und lieh' ihm Pfeil und Bogen. – Drum schwinge jetzt der Kräftige das Schwerdt! Du raubst den Schatz den ich so treu bewahrte – Der Starke nimmt, was sich der Schwache sparte. So muß ich selbst, Geliebter, Dich beschwören, O komm zurück', o flieh den wilden Streit! Sey stark, mein Freund und laß Dich nicht bethören, Wenn feige Ruh' die weiche Hand Dir beut. Auf, auf! zur Jagd! schon läßt das Horn sich hören, Die Meute bellt, schon steht das Roß bereit. Siehst Du, wie hell im Kampf die Waffen blinken? Mir nach zum Sieg, wohin die Fahnen winken. Was streitet ihr den Edlen zu gewinnen, Der immer nur sich meinem Wink geschmiegt? Ich darf nicht lang auf eit'le Künste sinnen, Wo Tugend herrscht, da hab' ich schnell gesiegt. Was Ihr gewährt, das schwindet bald von hinnen. Mein Werk besteht, auch wenn der Staub verfliegt, Und was Natur begann mit milden Händen, Kann Liebe nur, die Göttliche, vollenden. Schon früh hat er zu mir sich aufgeschwungen Als ich sein Herz zur Prüfung mir erwählt, Und hat mit sich und mit der Welt gerungen, Und seine Brust zum wilden Kampf gestählt; Und meine Gunst dem Schicksal abgezwungen, Und seine Kraft mit meiner Huld vermählt, – Drum schmückt' ich ihn, den edlen Sieg zu krönen, Mit jedem Kranz des Hohen und des Schönen. Am stillen Heerd hab ich ihn sanft umwaltet, Im duft'gen Hain sein müdes Haupt gekühlt – Manch holdes Bild der Zukunft ihm gestaltet, Ihn tief erweicht und scherzend ihn umspielt. – Durch mich nur hat sein Herz sich ganz entfaltet, Durch mich allein gehandelt und gefühlt, Trennt auch der Geist das Schön' in manchem Triebe, Des Herz erkennt im Schönen nur die Liebe . Sie kränzt ihr Haupt mit zarten Myrtenblättern, Wenn kein Gewölk am blauen Himmel droht; Sie rafft sich auf, und trotzt den wilden Wettern Zum Tode stark , und treu bis in den Tod. Ist mächtig zum Erschaffen, zum Zerschmettern, Ein Freund im Glück, ein Engel in der Noth – Drum ward nur ihr von allen Himmelsmächten Die Huth vertraut des Guten, des Gerechten. So folge denn zum Streit mir jetzt der Kühne, Mit mächt'gem Schild bedeck' ich meinen Freund; Nicht ziemt es sich, daß er dem Frieden diene, Wenn nur im Kampf mein schönes Ziel erscheint; Wohl wiegt sich in dem Blüthenkelch die Biene, Doch zückt sie auch den Stachel auf den Feind, – Und Kraft und Milde muß das Herz verkünden, Den sichern Weg zu meinem Thron zu finden. Doch – wenn am Pol die Wolken sich zerstreuten, Und hell empor des Friedens Glanz sich hebt , – Dann will ich sanft zur Heimath ihn geleiten, Wo süße Ruh sein friedlich Haus umschwebt; Und heiter soll die Zukunft ihm entgleiten Von süßem Thau aus meinem Kranz belebt, – Und Unsern Zwist im Frieden auszusöhnen Soll Lieb' , und Ruhm , und Lust zugleich ihn krönen.