Elise Sommer Poetische Versuche Vorrede Die Schüchternheit, mit der ich diese kleine Sammlung dem Publikum übergebe, giebt mir einigen Anspruch auf die Schonung desselben. Mein Bewußtseyn sagt mir es laut, wie sehr ich deren bedarf, und wie gewagt es sei, sich jenem glänzenden Kreise zu nähern, der unser Zeitalter verherrlicht, und der durch so manches treffliche Produkt genievoller Dichter seinem Verfasser die Unsterblichkeit sichert; es sagt mir, wie vieles ich wage, indem ich meine dichterischen Versuche dem öffentlichen Urtheil preiß gebe. – Ich nenne sie Versuche , und mehr sollen sie nicht seyn, auch wurden sie nicht in der Absicht niedergeschrieben, um einst öffentlich bekannt gemacht zu werden. – Wenn ich dies hernach beschloß, so bestimmte mich hierzu theils meine Lage, theils auch das – vielleicht nicht vorurtheilsfreie – Urtheil meiner Freunde. Das Publikum hat ein gegründetes Recht, Rechenschaft von einem Schritt zu fordern, den ich selbst für gewagt erkläre. Es sei mir also erlaubt, einiges anzuführen, was die Mängel meiner Lieder einigermaßen entschuldigt und mich hoffen läßt, daß man sie mit Schonung, und wenn das zu viel gefordert wäre – doch nicht mit derjenigen Strenge beurtheilen werde, womit man die Werke vollendeter Dichter richtet. Meine Gedichte wurden mehrentheils niedergeweint, und in Verhältnissen erzeugt, die die freie Bewegung des Geistes fesseln und jeden Aufflug der Fantasie niederdrücken, und lähmen. Nichts blieb mir übrig, das Dunkel zu mildern, das meinen Lichtkreiß umzog, nichts, was meinem Herzen Trost und meiner Seele Aufheiterung gab, als der Versuch: meine Gefühle in den Rhythmus elegischer Ergießungen zu bringen. Ach, diese Erholung war die einzige Harmonie unter den vielen Dissonanzen meines Lebens! – sie half mir, den Schneckengang desselben erträglich machen, der mich, ohne die freundliche Hand der Musen, vielleicht in das Labyrinth der düstersten Melancholie gestürzt haben würde. Daher dieses Hinneigen meiner Muse zu Klagen und Trauer, dieses Schmachten und Sehnen nach den Gefilden einer besseren Welt! – Die mancherlei Gelegenheits-Gedichte, die meine Sammlung anfüllen, haben zum Theil ihren Grund in meinen Verhältnissen – in der heißen Dankempfindung, die ich so glühend für alle diejenigen Personen in meinem Herzen trage, deren Namen meine Muse genannt hat. Möchten sie in diesem kleinen Opfer den Charakter einer Frau erkennen, die den größten Theil ihres Lebens mit einem ungünstigen Schicksal kämpfte, und daher um so inniger und stärker die Pflichten der Dankbarkeit fühlt, welche die Güte und Humanität ihrer Freunde ihr einflößte. Sollte es nicht unter meinen Schwestern einige geben, die ein ähnliches Schicksal mit mir theilten? und deren Genius ihnen während dem Lesen meiner Gedichte Empfindungen zuflüstert, die ihnen diese Aehnlichkeit verrathen? Wie leicht giebt es ihnen dann einigen Trost, ihre Gefühle in den meinigen wieder zu finden, oder sie fühlen sich mit mir ergriffen von der Ahnung einer besseren Zukunft. Für diese sind meine Gedichte bestimmt; erreiche ich diesen Zweck, so erhalte ich die schönste Genugthuung für mein Herz – und meine kleine Sammlung hat, bei aller ihrer Unvollkommenheit, doch einigen Werth. Und wer wollte mir wohl das Vergnügen mißgönnen, irgend eine edle Empfindung geweckt, ein leidendes Herz zur Ergebung gestimmt – eine Ahnung höheren Seyns, oder ein aufrichtendes Gefühl eigenen Werths erregt zu haben? Marburg, im November 1805. Elise Sommer . Hymne an Gott Zu dir! zu dir soll sich mein Geist erheben, Vor dessen Glanz der Seraf sich verhüllt, Vor dem Gebirg' und Felsen furchtsam beben, Der Aetna's Feuerschlund mit Flammen füllt! Dein Wink gebeut; es fahren Blitze nieder, Im Feuer schwimmt der ganze Ozean, Es rollen tausend laute Donner nieder, Und Meereswellen schlagen himmelan. Du wallst auf weißbedeckten Alpenhöhen, An deren Fuß der Rheinstrom laut sich wälzt; Im Frühlings-Säuseln, in der Linde Wehen, Im Sonnenstral, der Eisgebirge schmelzt! Du wohnst im Thal, auf hoher Eichen Wipfel, Am Silberbach, der sich durch Blumen gießt, Dich find' ich auf des Cimborasso Gipfel, Der stolz und kühn die nahen Wolken grüßt. Der Erde großes göttliches Gebäude Entrollte deinen Händen, wie ein Ball; Du gabst ihr Sonn' und Sterne zum Geschmeide, Den ungeheuren Ozean zum Wall. Der Kolibri mit goldgestickten Flügeln, Preißt, Ew'ger! dich, dich preißt des Löwen Muth, Vom Sternenplan bis zu der Erde Hügeln Tönt alles freudig: groß ist Gott und gut! Ich jauchze mit in diese Harmonieen, Vom Staube steigt mein Geist zu Gott empor. Ich höre Harfentöne, Melodieen Der Seligen im höhern Geisterchor! Abends im Mondscheine Dem Andenken meines Bruders geweiht. Schon seh' ich Phöbus Stralen sinken Mit schnellem Flug' ins Abendmeer, Und Luna mir zur Ruhe winken Vom hochgewölbten Himmel her. Sie steigt herauf voll ernster Feier, Gekrönt mit einem Sternenkranz, Und bricht des Abends dunklen Schleier Mit ihrer Stralen lichtem Glanz. So kommt sie über Meereswogen, Mit stiller Ruh' im ernsten Blick', Wie eine Göttin hergeflogen, Und scheucht den späten Tag zurück. Beim lauten Fest in trunkner Freude Schwimmt sie im schäumenden Pokal, Auch leuchtet sie auf öder Haide Beim einfach ländlich-frohen Mahl. Sie theilet treuer Liebe Schmerzen Und Trost mit blassem Silberblick, Träuft stille Ruh in wunde Herzen Und Hofnung auf zukünft'ges Glück. Aus den gestirnten goldnen Kreisen Verschönt sie jeden Blüthenbaum, Streut Schlummerkörner um den Weisen, Zum langen süßen Morgentraum. Sie wallt um die bemoosten Hügel Der Todten in dem stillen Hain, Und weilt mit ihrem Silberflügel Bei'm Aschenkrug, und Leichenstein. – Dort, wo an Seelands weißer Küste Mein hochgesinnter Bruder ruht, Umschwebt sie dessen kalte Büste, Und spiegelt sich in Meeres-Fluth. Nicht Erde aus dem Vaterlande Deckt meines Albrechts Hülle zu, Am weit entfernten Meeresstrande Fand seine müde Seele Ruh! Getrost! – ein Tag wird uns vereinen! Einst seh' ich dich verklärt und schön In Edens Lichtumfloßnen Hainen Mir sehnsuchtsvoll entgegen gehn! Hulda Romanze. So schön, wie die Rose im Morgengold glüht, So sanft, wie das Veilchen dem Lenze entblüht, An Tugend, an Adel der Seele so reich War Hulda, der ersten der Grazien gleich. Es liebt' sie ein Ritter, voll Hochsinn und Muth; So edel wie Hulda, so bieder und gut; Sie gab ihm erröthend voll Liebe die Hand: Dann knüpfte ein Priester das selige Band. Froh schwanden vier Jahre den Glücklichen hin, Da kam es dem König der Franken in Sinn, Zu winken Graf Robert mit huldvollem Blick, Zum Dienste des Hofes, zu glänzendem Glück. Ihn hatte das Schicksal nur kärglich bedacht, Drum wurde das schmerzlichste Opfer gebracht: Schon wiegt' er zwei liebliche Knaben im Schoos, Drum riß er vom Busen der Liebe sich loß. Kaum war er an Hilderichs Hofe bekannt, Da ward er der stattlichste Ritter genannt, Bei allen Turnieren erhielt er den Preiß, Nach Kampfes Gesetzen und Königs Geheiß. Das wurmte den Schranzen; da pflogen sie Rath, Sie legten ihm Fallen mit Worten und That; Sie neckten ihn bitter mit höhnendem Blick, Er lachte der Thoren und fühlte sein Glück. »Was macht deine Hulda auf einsamem Schloß?« Sprach einstens ein Ritter aus höfischem Troß. »Wie konntest du's wagen, so jung und so schön, So lang' von der lieblichsten Gattin zu gehn?« »Wohl konnte ich's wagen, wohl konnte ich gehn, Mein Weib ist so tugendhaft, sittsam, als schön; Sie liebt mich so innig, sie liebt mich so warm, Als hielt' ich sie glühend im bebenden Arm!« Deß lachten die Damen, deß lachten die Herrn, »Ha! Robert, rief einer mit schimmerndem Stern, Giebst du mir die Freiheit, dein Liebchen zu sehn, Dann ist's um dich warlich auf ewig geschehn! »Auch will ich verwetten Zehntausend dafür, Daß ich sie gewinne zum Eigenthum mir! Nur werd' ihr von unserm Vertrage nichts kund; Komm, laß uns verbriefen, versiegeln den Bund!« »O warlich auf Ehre versprech' ich es dir, Sie höret indessen kein Wörtchen von mir; Auch sei sie die Deine, gewinnst du das Spiel. Nun tummle den Rappen, und eile zum Ziel!« »Wohl habt ihr verlohren den Sinn und Verstand, Rief zornig der König, der Mann ist gewandt, Ist schön, und geübt im Verführen der Frau'n, Wie könnt ihr dem Buben wohl Hulda vertrau'n?« »Und wär' der Verführer so schön wie ein Gott; So hätt' ich doch warlich des Eitelen Spott. Ich kenne die Reine, ich wage nicht viel; Wohl waget der Ritter ein kostbares Spiel!« Nun jagte Graf Reinhard durch Hecken und Dorn, Er gab seinem fliehenden Rappen den Sporn, Bald hielt er am Burgthor, bei dämmernder Nacht. Dann ward er in's Zimmer vor Hulda gebracht. Er ahnete nimmer, was schönes er fand; Ein Engel an Reizen, ein Mann von Verstand, Mit freundlicher Milde lud ein sie den Gast Zu häußlichem Mahle, zu nächtlicher Rast. Und als sie ganz Güte, ganz Frohsinn ihm schien, Da wagt er's voll Liebe, vor Hulda zu knie'n. Mit scheinendem Mitleid hob sie ihn empor, Und lispelte leise dem Ritter in's Ohr: »Komm Morgen, mein Trauter, in jenes Gemach, Ich folge dir leise und flügelschnell nach.« Dann schob sie den Riegel des Schlafgemachs zu, Und brachte die lieblichen Knaben zur Ruh. Es wälzt sich der Ritter im schwellenden Flaum, Ihm tanzen die Sinne im rosigen Traum, Früh eilt er in jenes beschriebne Gemach, Bald hüpfte die höhnende Zofe ihm nach. Leis' schob sie den eisernen Riegel hervor: Dann rief sie dem harrenden Ritter ins Ohr: »Gott grüß euch, Herr Ritter, den mächtigen Herrn, Mit schimmerndem Bande und stralendem Stern, »Der mannhaft und tapfer, wie rühmlichst bekannt, Es wagte, zu trennen das heiligste Band, Die treu'ste der Frauen zu kränken mit Schmach, Hier sollt ihr es büßen im öden Gemach; »Nur wenn ihr gehörsam und fleißig bemüht Die Fäden dem silbernen Flachse entzieht, Gewinnt ihr euch Freiheit, gewinnt ihr euch Brod; Nun ruhig, Herr Ritter, sonst grämt ihr euch todt!« Der Abend sank nieder, der Morgen stieg auf, Noch thut sich das eiserne Gitter nicht auf, Da nahm er die Spindel und dreh'te so leis' Viel zierliche Fäden mit künstlichem Fleiß. Da schob ihm die Zofe zum Inbiß herein Ein kärgliches Essen und Wasser, statt Wein. Dies trieb sie vier Wochen, trotz Bitten und Flehn, Dann durfte der Ritter dem Kerker entgehn. Mit hagerem Antlitz und funkelndem Blick Kam Reinhard voll Ingrimms zu Robert zurück: Dann zahlt er zur Stunde dem Grafen das Geld, Verwünschte die Weiber, und floh in die Welt. Doch wurden im deutschen und fränkischen Land Der Frauen ihm wenig, wie Hulda, bekannt. Wenn allen Verführern so sollt' es ergehn, Wie würden dann Spindeln um Spindeln sich drehn! An Selmar Ich schlief im Mondenschimmer Jüngst unter'm Lindenbaum, Da stand vor mir, wie immer, Dein liebes Bild im Traum. Du sahst mir bang' und trübe Ins blasse Angesicht, Und sprachst voll heißer Liebe: Geliebte, weine nicht! Und Freudenthränen sanken Hin auf mein Busenband, Die junge Veilchen tranken, Gepflückt von deiner Hand. In blauen Wellen wiegte Der Abendhimmel sich, Und Mondesschimmer schmiegte Sich um den Hain und dich. Er malte deine Mienen So liebevoll und süß, Der Himmel stralt' aus ihnen, Der dich mich lieben hieß. Und feierliche Stille Umzog dies dichte Grün; Es zirpte nur die Grille Im duftenden Jesmin. Erquickt von Abendkühle, Lag schlummernd Hain und Flur, Es ruhte, nach der Schwüle Des Tages, die Natur. Du drücktest Feuerküsse Auf Lippe, Wang' und Hand. Dich lieb' ich, riefst du, Süße! – Und ach! mein Traum verschwand! Am Grabe meiner unvergeßlichen Julie v. Hagemeister, geb. Reincken Die Nacht sinkt vom Olymp herab, Die goldnen Sterne funkeln. Ich walle hier um Julchens Grab Im schauerlichen Dunkeln, Und lege diesen Veilchenkranz Und diese blasse Rose Auf meiner holden Freundin Grab, Bedeckt mit falbem Mose. Auch pflanz' ich dunklen Roßmarin Auf diesen Hügel heute; Viel bange Thränen tränkten ihn, Die ich dir, Freundin! weihte. Die tiefste Wehmuth opfert sie, Geliebte! deinen Manen, Im stillen düstren Kirchhofshain, Auf Gräbern deiner Ahnen. Du war'st des besten Mannes Glück, Die stolze Lust der Deinen, Die nun mit thränenschwerem Blick An deiner Urne weinen! Auch mir, o Julie! lachte einst Das Glück an deiner Seite, Da war mir jeder Kummer fremd, Ich kannte nur die Freude. Vergebens ruf' ich jene Zeit Zurück in bangen Stunden; Für mich ist Glück und Fröhlichkeit Auf immer hingeschwunden; Bei meinem tiefsten Schmerze komm, O Julie! und sage: »Auf schnellen Flügeln nah't heran Der schönste deiner Tage!« Fantasieen Ich saß im milden Schein der Abendröthe An meiner Lieblingsquelle Rand, Und lauschte auf der nahen Hirten Flöte, Gelehnt an schroffe Felsenwand. Des Mondes Silberstralen bebten Durch dünner Zweige zartes Grün, Des Abends Nebelwolken schwebten, Gleich Sylfen, über Blumen hin. Hier zirpte einsam noch die kleine Grille Am See, gehüllt in Schilf und Moor, Dort unterbrach die feierliche Stille Ein singend Nachtigallen-Chor. Von leichtem Mondenschimmer ganz umflossen, Umhaucht von jungem Maiengrün, Mit Apfelblüthen übergossen, Sank ich auf weichen Rasen hin. Sanft eingewiegt vom flötenden Gesange Der holden Zaub'rin Nachtigall, Vom Tönen ferner Heerden Schellenklange, Vom nahen lauten Wasserfall; Umflatterten mich rosenfarbne Träume Mit sanfter, magischer Gewalt, Sie malten mir dies Thal voll Blüthenbäume Zu holder Feen Aufenthalt. Sie gaben mir ein Schloß von Marmorsäulen Mit Seid'- und Gold-durchwirkter Wand, Zum Eigenthum ein Land von tausend Meilen, An meine Brust ein stolzes Band. »Dies gab ich dir, – rief mit ergrimmtem Blicke, Fortuna, – und dein Auge weint?« »Ha! rief ich, Täuscherin! zum höchsten Glücke Fehlt mir ein edler, treuer Freund!« Das Veilchen Was für ein Ambra wallt aus dem gefalt'nen Schoose Der Blume, die so schön, so lockend glüht? Halb offen hängt sie da, die frischbethaute Rose, Im Morgengold der Sonne aufgeblüht! Hier streu't mein liebes trautes Veilchen, unter Blätter Und Gras versteckt, den süßesten Geruch; In stiller Größe trotzt es jedem Sturm und Wetter, Und lebt sich selbst, und ist sich selbst genug. An Selmar Nie vergeß' ich jener schönen Stunde, Wo du mir am bangen Busen lagst, Und mit süßem zauberischem Munde: »Meines Herzens Freundinn!« sprachst; Wo dein Herz an meinem Herzen ruh'te, Wo dein Arm mich liebevoll umfieng; Keine Ewigkeit tilgt die Minute! – Wenn auch heut' das Weltall unterging, Würd' ich dieses Wonnetages denken; Er glänzt hoch in seiner Brüder Zahl! Eine Thräne will ich ihm noch schenken, Wenn ich steh' am dunklen Todesthal. An eine Freundinn Hier in dieser dicht umzognen Grotte, In des Waldes schauerlichem Grün, Wo der Linde weiße Silberblüthen Tanzend durch die lauen Lüfte fliehn, Hier will ich, umsäuselt von Zefyren, Mich in dir, o heil'ger Schattenhain, Der Erinn'rung meiner Hohen, Süßen, Meiner ewig theuren Nora weih'n. Selig war vor allen meinen Tagen Der, der, Holde! mich dich finden ließ, Wo ich wonnetrunken dir am Busen Sagte, was mich Freude sagen hies. Deine Freundschaft gäb' ich nicht für Kronen, Nicht für Peru's goldne Schätze hin. Noch dereinst an meines Lebens Abend Soll mein Herz voll Liebe für dich glüh'n. Dorten, wo schon Rosenlauben sprossen, Deren Duft einst unsern Geist umfließt, Wo der Bräut'gam ewig die Verlobte Mit verklärten Engelsblicken grüßt, Wo der Gatte seine Gattinn findet, Wo der Freund dem Langbeweinten winkt, Wo der früh beweinte Liebling jauchzend Seiner Mutter in die Arme sinkt, Dorten find' ich meine edle Freundin, Wo kein Schmerz und keine Trennung ist, Wo mein Geist sich ewig an den deinen Im Entzücken höh'rer Wonne schließt. Selma an Selmar Noch einmal zurück, o ihr Zeiten Der wonnigsten süßesten Freuden, Vor meinen gesunkenen Blick! O! Zauberin Fantasie, male, Und führe im glänzenden Strale Des Mondes mir Selmar zurück. Hier brach ich die duftendste Rose, Dort sucht' ich in schwellendem Mose Das blühendste Veilchen für ihn, Da pflückt' ich im Schatten der Laube Die reifste, die glühendste Traube Zu süßem Genusse für Ihn. Dort, wo wir auf blumigen Rasen, Einst zwischen Vergißmeinnicht saßen, Von blühenden Ranken umstrickt, Da schwamm in des Abendroths Glanze Die Thräne der Liebe am Kranze, Den Selmar'n ich freudig gepflückt. Da küßt er am Kranze die Thränen, Sein Auge, voll Liebe, voll Sehnen, Sprach: »Selma! wie glücklich sind wir.« Den leuchtenden Blicken entschwebten Auch Thränen der Liebe, sie bebten Am rosigen Busenband mir. Das waren, ach! selige Zeiten! Jetzt fühl' ich nur Schmerzen und Leiden: Denn Selmar ist ferne von mir! Oft irr' ich in düstren Gedanken Dort unter den blühenden Ranken, Und seufze, mein Selmar, nach dir! An meine hochverehrte Tante, Frau Obristin L. v. Wulfkrona So sanft, wie sich ein Silberbach Ergießt durch bunte Auen, So flieh' dein fern'res Leben hin, O würdigste der Frauen! Den schönsten Lohn trägst du in dir, – Den Lohn der reinsten Tugend; – So fröhlich sey dein Alter nun, Wie vormals deine Jugend! Danklied Nach Bürger. Auf, schwinge dich, mein Lied, empor! Hinauf in's höh're Sängerchor! Des Dankes Thräne ströme hin, Wo Myriaden Geister knie'n! Da werd' mein tiefgefühlter Dank, Zum Jubellied', zum Hochgesang; Für jedes Glück, das Gottes Hand Im Freudenkranze für mich band! Daß meine rege Fantasie Sich Welten schafft voll Harmonie, Daß ich in ihrem Ozean Mir Freudenquellen öffnen kann, Und daß mit höh'rer Schöpferkraft Mein Geist sich edle Freuden schafft, Daß ich, erfüll't mit Biedersinn, Kein Sklave nied'rer Lüste bin; Daß mir der Wahrheit helles Licht Durch dunkle Labyrinthe bricht, Wenn forschend sich nach ihr mein Geist Aus seines Irrthums Schranken reißt; Daß mir Gesang und Harfenlaut Vor Tausenden ward anvertraut, Daß er mich auf des Liedes Flug In unbekannte Höhen trug, Daß mir im Tempel der Natur Auf bunter Au, in grüner Flur, Wo Lerch' und Filomele schallt, Entzückung durch die Seele wallt, Daß dieses Herz so froh und warm Hoch schlägt in edler Freunde Arm, Daß mancher biedre brave Mann Mit hellem Geist mich liebgewann; Daß oft der Hofnung goldner Stral, Mir glänzt im dunklen Trauerthal, Daß sie an meiner Lieben Grab Mir wischt die blut'gen Thränen ab; Daß dann mein Engel lispelt Ruh Dem schwer beklommnen Busen zu, Und führt den thränenvollen Blick In jene beßre Welt zurück; – O Gott! das alles kommt von dir! Mein ganzes Leben weih' ich dir, Bis ich dereinst vor deinem Thron Dir dank' in höh'rem Sängerton! Aussicht Durch der Dämm'rung grauen Nebelschleier Steigt mein naßgeweinter Blick empor. Phöbus hebt sich; vor des Tages Feier Weicht der Schöpfung trüber Trauerflor. So verklärt sich nach dem Sturm des Lebens Jede Thrän', die sich dem Aug' entwand – Keine trank der Erde Staub vergebens, Sie ward aufgefaßt von Gottes Hand. Nebel schwinden, und der Tag schwebt freier Ueber goldbesäumte Wolken her, In der Morgenröthe Rosenschleier Röthet sich die Schöpfung um mich her. Also wird nach diesen Labyrinthen Freudetrunken mein verklärter Geist Hoher Schöpfung weisen Rath ergründen, Der mich dunkle Pfade wallen heißt. Diese Hofnung soll mich höher bringen, Soll mir Trost in trüben Stunden seyn; Wird mir helfen, jeden Kampf erringen, Und zu neuer Duldung Kraft verleih'n. Lob der Sinne Mögen andere nach Zeno's Hallen, Mit Diogenes verkehrtem Sinn, Im Gefühle ihrer Größe wallen! Meine Gottheit winkt mir nicht dahin; Ihre Stirne ist bekränzt mit Rosen, Ihre Stimme tönt, wie Silberschlag, Sie umflattern leichte frohe Scherze, Und die Freude folgt ihr jubelnd nach. Eure Lust, ihr Sinne! eure Freuden Mögen immer finstre Seelen scheu'n; Ich will ihren höher'n Flug nicht neiden, Will mich eurer reinen Wonnen freun! Schöner dünken mir dann Luna's Stralen, Wenn sie hehr durch Silberwolken bricht, Klarer rieselt mir die Silberquelle Zwischen Veilchen und Vergißmeinnicht; Rührender singt für mich Filomele Vom beblühten Zweig ihr Abendlied, Höh're Wonne hebet meine Seele, Wenn die Sonne früh' in Osten glüht; Schöner lacht für mich die ganze Erde, Froher fühle ich des Lenzes Wehn, Süß'ren Nektar reifet mir die Traube An des Rheines goldnen Reben-Höhn; Hoch empor hebt mich zu reinren Freuden Meiner Harfe goldnes Saitenspiel, Süße Thränen sanfter Rührung gleiten Von den Wangen, malen mein Gefühl, Singt mir Selmar vor mit Zaubertönen, Und mit einem Blick, der Wahrheit spricht, Von der Liebe ew'gen Harmonieen; – Diesen Himmel faßt die Erde nicht! Am Geburtstage meines Gatten Wie die Freudenthräne zittert In dem wonnetrunknen Blicke, Wenn die Ahnung der Verklärung Hehr vor meiner Seele dämmert; Freund! so beben heut im Auge Thränen, die dem Hochgefühle Nie empfund'ner Lust entströmten, Heute, an dem frohen Morgen, Wo das rege Gold der Sonne Dich zum erstenmal begrüßte, – Hör', o Freund, an diesem Tage, Meines Herzens heiße Wünsche: Nicht ein Guth, so schön wie jemals Sich die Fantasie es malte, Dessen Schloß von Marmorsäulen Ueber Wälder von Zitronen Seine stolzen Gipfel streckte, Wo im Pomeranzen-Haine Schäumende Kaskaden springen, Und von Hellas großen Meistern Alle Götter und Göttinnen In erhabnen Marmorformen Zwischen Lorbeerbäumen prangen, – Nie erflehten meine Bitten Pracht und Schimmer von Fortunen! Soll ich Dir die leisen Wünsche Meines Herzens treu verrathen? O! so höre, was am jungen Morgen, unter Maienblüthen, Was am Mond-beglänzten Abend In der Dämmrung milder Bläue Meinem tiefgerührten Herzen, Schwelgend in den süßen Freuden, Die für weichgeschaffne Seelen Reichlich die Natur bereitet, Was für Wünsche ihm entstiegen. Dort in Pomeraniens Auen Eine Wohnung still und ländlich, Wo die nahen bunten Fluren Jede Aussicht lachend malten, Wo sich goldne Saaten beugten Von der Last des reichen Seegens, Wo Pomonens süße Früchte Uns zu köstlichem Genusse Allenthalben golden winkten, Einem Göttersitze ähnlich, Wollt' ich sie für uns bereiten; Unterm Duft der Silberblüthen, Eingewiegt vom Quellgeriesel, Und von Filomelens Flöten, Würden uns die Sommernächte Unter süßen Träumen schwinden; Frühe mit Aurorens Purpur Würden unsre Morgenopfer Auf zum Thron der Gottheit steigen; An der Quelle, die sich schäumend Zwischen Moos und Veilchen stürzte, Würden wir dem Perlgestrudel Und des Bachs Geriesel lauschen. Nach des Tages heiser Schwüle Würden wir im kühlen Schatten Unsrer Rosenlauben ruhen, Oder Arm in Arm geschlungen, Bei Dianens blassem Lichte, Unterm Sternenschimmer wallen; Unsre kleinen weißgelockten Kinder würden uns umhüpfen Und so heiter, wie der Sonne Sinkend Abendgold, uns lächeln; Ruhe, Unschuld, Einfalt würde Uns und unsre Kleinen schmücken. Fern von allem Pomp der Städter, Würde niemals uns gelüsten, Ihres Rausches zu genießen; Mit uns selbst in süßem Frieden Würden wir die reinen Freuden, Die Genügsamkeit und Tugend Immer um sich her verbreiten, Aus der reinsten Quelle schöpfen. Froher Scherz und ernste Weisheit Würden unsre Stunden theilen, Unsres Daseyns Raum verschönen. Oft würd' ich, bekränzt mit Rosen, Mich im Eichenhain verstecken, Hätt' ich dich genug genecket, Würd' ich dir in grünen Grotten Lachend in die Arme hüpfen. O wie würd ich mit Entzückung Und mit nassem Freudenblicke Zum Olympus heiter schauen, Und die Stunden dankend segnen, Die ich der Natur im Schoose Still und unschuldsvoll verlebte! Freudig würden mich besuchen Alle Grazien und Musen, Meiner Harfe goldne Saiten Würden Wonnelieder tönen; Bei des holden Frühlings Nähe, Würden sie bald Jubel rauschen, Bald in süßer Wehmuth Schmerzen Durch der Töne sanfte Klage Leis' verrathen die Gefühle Meiner tiefgerührten Seele. Fern von jener Menschen Menge, Die in alle Formen passen, Würden reiner, voller tönen Meiner Harfe Jubellieder! Dich, o Freund! mit weißen Haaren Lebensfroh an meiner Seite Sehn zu wallen, ist der Erste Unter meines Herzens Wünschen; Noch an deines Lebens Abend Sollst du wahr und treu bekennen, Daß Elisa ihre Freuden Suchte nur in deinem Glück! – An einem trüben Abend Vielleicht ist dies der lezte Abend, Der mir so bang' und düster sinkt! Vielleicht nah't sie sich schon, die Stunde, Die mir zur ew'gen Ruhe winkt. Sei mir willkommen, Nacht und Stille! Und du, mein blasser trauter Freund, Du, meiner Thränen steter Zeuge, Verschweigst es, wenn mein Auge weint. Weg Träume, Hofnung beßrer Tage, Mir blühen keine Rosen mehr; Es liegen alle meine Freuden Zerstreut entblättert um mich her. Elegie Bald schließet mit Freuden zur ewigen Ruh Mein weinendes Auge auf immer sich zu, Dann trägt man mich stille zu Grabe; Schon seh' ich sie flattern in heulender Luft, Die Flöhre der Männer, die dort an der Gruft Den Hügel mit Rasen bedecken. Dann steigt mir kein Morgen, kein Abend sinkt mehr, Von Kummer und Sorgen so schwühl und so schwer, Dann ruh' ich in schattiger Kühle, Dort, wo keine Klage des Jammers ertönt, Wo endlich mein grausames Schicksal versöhnt; Auf, nahe dich, seliger Morgen! Am Grabe meiner Mutter Zu dem Schatten jener Kirchhofs-Linde Folge, traute, düstre Schwermuth, mir! Auf der besten Mutter Aschenhügel Weih' ich bange heiße Thränen dir. Von den bleichen abgehärmten Wangen Gleiten sie im Monde schwimmend ab; Traulich blicket er auf Leichensteine Und auf dieses frischgewölbte Grab. Gleich dem Armen auf entferntem Meere, Den ein Sturm auf öde Felsen trug, Wenn der Himmel sich in Nacht verhüllte, Ein Orkan die wilden Wellen schlug: So verlassen, Mutter! so verlassen Steh' ich hier in deiner Kinder Chor, Lehne klagend mich an deine Urne, Eingehüllt in Krep und Trauerflohr. Hier, o Mutter! pflanz' ich deinen Manen Rosen, Veilchen und Vergißmeinnicht; Meine nahe dichte Schleedornhecke Kühl' euch! Blumen, wenn die Sonne sticht; Und wenn einst ein Lebensmüder Waller Eine Thräne weint auf dieses Grab, O! dann saget ihm: daß Schmerz und Liebe Euch, ihr Blumen, euer Daseyn gab. An einen entfernten Freund Im leichten Flügelkleide Hüpft' ich auf bunter Flur; Da liebt' ich Scherz und Freude, Wie Kinder der Natur. Die kleinen Wünsche waren So leicht, so bald gestillt, Sie stiegen mit den Jahren, Und blieben unerfüllt. Mir duften keine Blüthen, Mir sind die Fluren leer; Der Sonne Strahlen glüh'ten Für mich schon längst nicht mehr. Ich seh' sie golden prangen Und purpurn untergehn, Aurorens Rosenwangen; – Des Abends laues Weh'n; Der Bach im Veilchenthale, Der über Kiesel fließt, Die Quelle, die vom Strale Des Mondes wird begrüßt; Wo ich auf weichem Moose Im kühlen Schatten lag, Und mir die schönste Rose Zum Busenstrauße brach; Wo ich im Sonnenhütchen Mit leichten Schritten sprang, Und mir dabei ein Liedchen Nach meiner Weise sang; Wo unter Apfelbäumen Ich goldne Früchte las, Und oft in meinen Träumen Die ganze Welt vergaß; Wo mich im weißen Kleide Umbrämt mit Rosaflor, Die Unschuld und die Freude Zur Lieblingin erkohr; Wo mir am nahen Teiche, Durch Lauben von Jasmin Und rother Trauben Sträuche, Die Abendsonne schien. – Dahin ist ihre Schöne, Seitdem du ferne bist, Und heisser Sehnsucht Thräne Aus wundem Auge fließt! An meinen verehrten Freund, Herrn Superintendenten Justi zu Marburg Schon sank die Nacht im Sternenkleide Hinab ins stille blaue Meer, Aurora schwamm im Schmuck der Freude Auf wolkenlosem Azur her. Da floh' in weiten Schöpfungsräumen Umher mein trauter Genius, Und brachte mir in goldnen Träumen Den froh'sten seligsten Genuß. Ich schaute Dich dem Glück im Schooße; Du war'st mir noch, wie heute, hold, Und blüh'test frisch, wie eine Rose Im reinen, schönen Morgengold. Auf Silberwolken sank hernieder, Mit Lichtumfloßnem Angesicht, Der Gott der Künste und der Lieder, Der immer frische Kränze flicht. Dir flocht er einen von den Blättern Aus Pindus heil'gem Lorbeerhain, Und weih'te Dich vor allen Göttern Zu Melpomenens Priester ein. Urania gab Dir den Segen; Ein Musenchor umtanzte Dich, Sie warfen Blumen dir entgegen; – Hier dieses Blümchen haschte ich! – An Denselben; am Neujahrstage 1805 Genieß das schönste Glück; Des höchsten bist du werth! Und bleib' der Freundin hold, Die ewig dich verehrt! An dessen Gattin Friederike Charlotte Amalie, geb. Bucher Jede Anmuth, jede Tugend Schmücket, edle Freundin, Dich, Lang' noch freu' Dich Deiner Jugend, Doch, vor allem: liebe mich! Elegie Der Tag ist hingeschwunden, Die letzte Thräne fließt; Ihr stillen Abendstunden Seid feierlich gegrüßt! Ich kenne keine Freuden, Und keine Ruhe mehr, Mein Herz schlägt matt von Leiden, Mein Busen athmet schwer. Hier heb' ich ungesehen Den thränenvollen Blick Hinauf zu lichtern Höhen, Und ahne ew'ges Glück. Hüll', Dämmrung! meine Klagen In deinen dicht'sten Flor! Vielleicht nach wenig Tagen Schwingt sich mein Geist empor. Dann deckt ein kleiner Hügel Die wunden Augen zu. O trüg' des Sturmes Flügel Mich heute schon zur Ruh! Elegie Wo seid ihr hin? entflohne Jahre, Da ich im goldgelockten Haare Mir fröhlich Lenzesblüthen brach? Mir schienen Weste liebzukosen, Wenn ich, bekränzt mit jungen Rosen, Der Freude froh am Busen lag. In meines Lebens Blüthe-Tagen Schien alles fröhlich mir zu sagen: »Ein glückliches Geschöpf wirst du!« Ich sah' die Welt im Rosenglanze Und hüpfte wie im Jubeltanze Der fernen Zukunft lachend zu. Ich fand in tausend Menschen Engel, Die nur verstanden, ihre Mängel Zu hüllen in ein Truggewand. Blind hätt' ich meine Ruh, mein Leben Dem Manne sorglos hingegeben, Der viel beschwor, und nichts empfand. Doch mit der Kindheit goldnen Zeiten Entfloh'n auch meines Lebens Freuden, Denn die Erfahrung rief mir zu: »Sei weise, prüf' zuvor die Herzen; Dein Glaube schuf dir tausend Schmerzen, Er brachte dich um Glück und Ruh!« Jetzt fühl' ich schmerzvoll ernste Kühle, Wo einst im seligsten Gefühle Mein Herz vor Wonne höher schlug! Jetzt flieh' ich in mich selbst zurücke, Mit scheuem, wehmuthsvollem Blicke, Und ahne Falschheit, List und Trug. Auf immer sind dahin geschwunden Die Freuden jener goldnen Stunden, Ich kenne weder Ruh', noch Glück; Auf, fasse dich! der Abend sinket, Wo Staub' die letzte Thräne trinket! Schon nah't der frohe Augenblick! – An meinen Freund Willebrand zu Hamburg An dem Tage, da die Morgenröthe Mir zum erstenmal die Wange küßte, Barg mein guter Genius sich weinend, Flehte: »Laß sie schlummern, Gott! im Grabe.« Und es sank herab auf Rosenäther Von des Himmels Erstgebohrnen Einer, Trocknete die Thränen meines Engels, Und befahl ihm dann mit leisen Tönen: »Nimm die Harfe mit den goldnen Saiten, Gieb sie hin zur Trösterin der Armen, Daß sie ihre Klagen in die Töne, Die des Herzens Angstgefühl entströmen, Mit zerrißnem Herzen leise hauche, Und dann führe ihr die holde Freundschaft Auf dem Felsenpfade ihres Lebens Ueber Dorngewinden sanft entgegen; Trocknen soll sie all' die blut'gen Thränen Lindern soll sie all' die tausend Schmerzen, Die zu tragen ihr von ew'ger Vorsicht Weisheitsvoll und gütig sind gewogen! Laß sie weinen auf die goldne Harfe; Trösten wird sie dann die heil'ge Freundschaft!« Sieh, da schwebte meinem trauten Schutzgeist, Auf des Abendwindes leisem Wehen, In verklärtem Glanz' Dein Bild entgegen; Willebrand ! Dein Bild, das oft so tröstend Balsam der Religion mir reichte, Und die sel'ge Ahnung ew'ger Freuden In dem tiefgebeugten Geiste weckte; Noch am Grabe werd' ich Dir es danken, Daß des Todes Hauch nicht früher wehte. An die Ruhe Himmels Tochter! aus dem Paradiese Zu uns Sterblichen herabgesandt, Die ich bald verklärt in Eden grüße, Holde! führe mich an deiner Hand! O wie fühl' ich oft an deinem Busen Stille Freuden, Himmels-Vorgefühl; Deinem Säuseln nahen sich die Musen, Tönet leicht der goldnen Harfe Spiel. Wo du weilest, wohnet stiller Friede, Fühlt man mehr der Menschheit hohen Werth; Wird man bald der flücht'gen Freuden müde, Die der Weise, ach! so gern entbehrt. Lieber wohnest du in stillen Gründen, Als im goldnen kerzerhellten Saal, Wall'st im Schatten hoher Kirchhofs Linden, Schwebst in Luna's blassem Silberstral; Wohntest einst an jener Silberquelle, Wo Petrarka sich unsterblich sang, Maltest Laura's Bild in jede Welle, Die ins stille Thal vom Felsen drang. Meiner müden Seele gabst du Frieden, Wenn ich sehnend flehte um den Tod, Sprachst: Dir ist ein Ruhetag beschieden, Dorten winket ew'ges Morgenroth! Ach! wenn alles Glück, wenn alle Freuden Von mir wichen, wenn ich trostlos stand; Wenn mich Schmerz zerriß, wenn neues Leiden Jeden Morgen mich in Thränen fand, Seelenruhe! die mich dann erheitert, Wenn das Schicksal mich mit Geiseln schlug, Daß mein ganzes Herz, von dir erweitert, Stiller seine harten Schläge trug; Innigst lieb' ich dich, sei meine Schwester, Meiner höchsten Wünsche Ziel bist du; Schließe dich an meinen Busen fester, Leichter wall' ich dann dem Tage zu, Wo mein Geist, befreit von Erden Mängeln, Meinem Schutzgeist in die Arme sinkt, Wenn er in die Reihen sel'ger Engeln Mir zu meinen längst Geschiednen winkt; In Gefilde, wo voll reiner Triebe Sich Geliebter an Geliebte schließt, Wo im ew'gen Jubellied der Liebe Nur der reinsten Wonne Thräne fließt, Walle bald in deiner höchsten Klarheit, Du, mein Genius! zu mir heran, Führe mich zur Quelle, wo die Wahrheit Strömt, nach ewiger Gesetze Bahn; Daß ich trinke aus der lautern Quelle, Der mein Geist voll Wissensdurst sich nah't, Daß ich schwebe zu des Thrones Schwelle, Daß ich walle auf des Lichtstroms Pfad, Daß ich an dem Feuerquell der Sonne, In der Glorie des Himmels glüh', Daß ich, im Gefühl der höchsten Wonne, Sonnen und Planeten überflieh'! An die Musen Wär' ich würdig, zu gewinnen Eure Gunst, ihr Charitinnen, Der Begeist'rung Sonnenflug, Die mich oft in goldnen Träumen Unter amaranth'nen Bäumen Wie auf Rosenarmen trug; Euch, ihr Holden! zu besingen, Flög' ich dann mit kühnen Schwingen Zum erhab'nen Helikon, Wo im Lorbeerhain die Musen Ruhen an der Götter Busen Stimmt' ich meiner Lyra Ton. Auch der Freundschaft süßen Freuden Sollten jauchzend meine Saiten Süße ew'ge Lieder weih'n! Nicht um Thoren Lob zu singen Oder Güther zu erringen, Wollt' ich, Harfe! dich entweih'n. Oft sah' ich mit vollen Händen Launenhaft Fortunen spenden Manchem Thoren Glück und Gold; Nie will ich nach Güthern dürsten, Selbst das stolze Loos der Fürsten Zahlt dem Tode seinen Sold. Nur zu ruhen an dem Busen Meiner lieben holden Musen, Das ist meiner Wünsche Ziel! Werd' ich diesen Wunsch erlangen, Mögen stolze Thoren prangen Mit Fortunens Schattenspiel! Abendgefühle Gekrönt mit einem Sternenkranz, Schwebt jetzt auf dunkler Bahn, Umwallt von Luna's blassem Glanz, Die stille Nacht heran. Aus dunklen Meereswogen steigt Sie feierlich hervor, Vor ihrem finstern Blick entweicht Der Waldbewohner Chor. Noch ringt mit ihr der späte Tag; In Westen sinkt er hin, Zum Abendlied wird ihm der Schlag Der Frühlingssängerinn. O holde Göttin! träufle du Jezt Frieden in mein Herz. Wieg' meinen Geist in süße Ruh', Und scheuche jeden Schmerz! Elegie Hin ist die Ruhe meines Lebens, Umsonst, umsonst seufz' ich nach ihr; Ach jedes Ringen ist vergebens, Die Freude floh' schon lang' vor mir! Die Schwermuth schmiegt an meine Seite, Wie Epheu sich um Neben an, Mit tausendfachen Dornen streute Die Vorsicht mir des Lebens Bahn. Wie oft ring' ich die wunden Hände, Erbarmung flehend, himmelan. Dann tönt's mir leis': »Schon nah't das Ende, Bald bricht dein lezter Morgen an!« Dann blick' ich freudig nach dem Grabe, Mit thränenschweren Augen hin! O goldne Hofnung, komm und labe Erquicke den zerrißnen Sinn. Bald findet, nach besiegtem Kummer, Mein armes Herz im Grabe Ruh': Dann schließt des Todes tiefer Schlummer Die wundgeweinten Augen zu. Dann schwing' ich mich mit leichterm Flügel Hoch durch die Luft zum Stralenthron; Der Ozean wird mir ein Spiegel; Die Palme meine Siegeskron'! Auf die Vermählung des Fürsten v. W. mit der Fürstin zu S.S. Wonnebebend, süß berauscht von Freude, Klopfen lauter unsre Herzen heute Im Gefühle namenloser Lust; Frohe Ahnung von zukünft'gem Glücke Schwebt vor unserm wonnetrunknen Blicke, Hebet schneller athmend unsre Brust! Denn er kommt (verkündigt's laut ihr Brüder!) Friedrich grüßt heut' unsre Gegend wieder, Die ihm nie so schön, wie heute, schien. Seh't! er kommt, an Friederikens Seite, Das Entzücken nie empfund'ner Freude Läßt ihm alle Fluren schöner blüh'n! Hymen taumelt über ihrem Wagen, Der, wie Juno's einst, von Pfaun getragen, Ueber unsre stolzen Thäler schwebt; Auf der Lahne weißen Silberwellen Tanzet die Najad', daß Fluthen schwellen, Die Forelle sich vom Grund erhebt. Frische Blumenkränze laßt uns streuen Auf den Weg, den durch gedrängte Reihen Friederikens Wagen schnell verläßt! Alle Grazien geh'n ihr zur Seite, Amor und Cythere feiern heute Im Olymp ihr schönstes Götterfest. Tauch' in Gold, o Sonne! deine Stralen, Wenn sie Friederikens Wangen malen, Die der Liebe süßes Glück verschönt. Die Natur stimmt ein in unsre Freude, Kommt geschmückt im schönsten Feierkleide, Ihre grünen Locken sind gekrönt; – Sind gekrönt mit einem Rosenkranze; Wie sie schwebt in hohem Götterglanze Ueber unsre bunten Fluren hin! Ihrem Hauch entströmen Nelkendüfte, Froher jauchzen Sänger durch die Lüfte, Durch den Raum des reinen Aethers hin. Unsre Freude donnre in den Fernen, Flieh' empor zu des Olympos Sternen, Wo heut' Friedrichs Ahnherr Wedekind , Auf den Helm gestützt, bei Wodans Mahle, Unter Helden trinkt aus goldner Schaale Trank, der aus Walhalla's Quellen rinnt. Fürstinn! sei uns tausendmal gegrüßet! Sieh' die Thräne, die dem Aug' entfließet! Treuer malt sie unser Hochgefühl; Leichter wandle heut' der Greis am Stabe! Froher hüpfe heut' der junge Knabe, Süßer töne unser Saitenspiel! Unsrem Jubel, unsrem trunk'nen Blicke Weicht der Zukunft Vorhang leis' zurücke, Goldne Tage, Fürstin! warten Dein! Einst wirst Du, nach spät geschwund'nen Jahren, Noch im Schmuck' von weißen Silberhaaren Dich des schönen Bunds der Liebe freu'n! Abendgefühle Der Abend wallt hernieder, Die Silberwolke thaut; Stumm sind des Haines Lieder, Der Berge Blau ergraut, Bewegt vom Abendwinde Wiegt sich der Blüthenzweig Der duftgefüllten Linde Im mondbeglänzten Teich. Laut stürzt die Felsenquelle Von Silberstaub' beschäumt, Hin in des Stromes Welle, Vom Abendroth besäumt; Dumpf hallt aus öder Ferne Des Uhus wildes Schrei'n, Bleich flimmern Mond und Sterne Im dunklen Kirchhofs-Hain. Der Tag, im Nebelschleier Der Dämm'rung eingehüllt, Malt mir mit ernster Feier, Melancholie! dein Bild. Wie schwebt so matt, so traurig Der blasse Mond empor. Wie tönt so ernst, so schaurig Der Unke Ruf im Moor! Wie melancholisch flüstert Der kleinen Grille Lied, In leiser Stille knistert Das falbe, dürre Ried. Ich seh', gestimmt zur Trauer, Dort blaue Flämmchen wehn, Und Geister an der Mauer Im Leichgewande stehn. Hier, wo mich ernster Schauer Mit kalter Hand ergreift, Und jedes Bild die Trauer Der bangen Seele häuft, Hier schwinden, wie Atome, Vor meines Geistes Blick Die täuschenden Fantome In ihre Nacht zurück. Das Schlummergrab der Müden Rust laut und wahr mir zu: »Hier herrschet ew'ger Frieden Und nie gestörte Ruh!« Hier seh' ich klar und helle Die Welt, ihr Schatten-Glück; – Zu seines Urstoffs Quelle Sehnt sich mein Geist zurück! An meinen Freund Hrn. G.R.R. Boden Als du, o Freund! gebohren wardst, Da weih'ten Engel Gottes Dich Zum Segen für die Menschheit ein; Sie senkten in die junge Brust Ein Herz voll reinen Schönheits-Sinns, Das mitleidsvoll bei fremdem Schmerz Wie bei dem eignen Leiden schlägt, Und rastlos ihn zu lindern strebt. Als ich an jener Urne einst Mit thränenschwerem Blicke stand, Und in die Zukunft dunkel sah, Da wünscht' ich mich in's Schattenreich Und wankte schon dem Orkus zu, Da kamst Du, wie ein Genius, Und reichtest helfend mir die Hand, Und sich'rer ward mein matter Schritt Und heller mein bethränter Blick; Er schaute hoffnungsvoll empor Zu des Olympos goldnen Höhn. In Deiner Freundschaft fand ich Trost Und Schutz im Sturme der Gefahr, An Deiner edlen treuen Brust Vergaß ich alles um mich her, Und fühlte nur das hohe Glück, An eines Engels reiner Brust, Im seligsten Gefühl zu ruhn. Die Sprache dünkt mir arm, sehr arm, Wenn sie Dir treu erklären soll, Was ich in Deiner Freundschaft fand Und wie in diesem Busen hier Ein Herz voll reger Dankbarkeit, Voll treuer Freundschaft für Dich schlägt. Den besten Dank für Dich, o Freund! Heb' ich zu beß'ren Welten auf, Vor allen Engeln werd' ich dort Dich meinen theuren Boden sehn; Da nenn' ich Deinen Namen laut Vor Geistern, die Dir ähnlich sind. Schon seh' ich froh das Diadem Das Dir Dein guter Engel reicht; Er sammelte die Thränen auf, Die Du mit liebevoller Hand So still bereit zu trocknen warst. Auch jede Freudenthräne, die Dem frohen Blicke im Genuß, Den ich in Deiner Freundschaft fand, Entsank mit süßem Wonn'gefühl, Die müsse einst zum Freudenquell Dir werden in Elysium! An Pomerania Wie wird mir seyn, o Pomerania! Wenn ich in deinen stillen Gründen Mich selig werde wiederfinden? Wie wird in himmlischem Gefühl Der höchsten Wonne Thräne fließen, Wie wird mein goldnes Saitenspiel Die väterlichen Fluren jauchzend grüßen! Schon seh' ich mich in fernen Hallen ruht Ich walle an der blauen Hylde Durch reiche, liebliche Gefilde; Ich liege schon im Abendstral' Mit meiner Minna dort im Grünen, Und pflücke mir in Jasmunds Thal Vergißmeinnicht von grauen Burgruinen! Da wird mich lieber, edler Freunde Arm Mit Sehnsucht, Liebe und Verlangen, Mit holder Zärtlichkeit umfangen! In lang' entbehrter süßer Lust, Werd' ich in göttlichem Vergnügen An meiner Lina treuen Brust Mit nassem wonnetrunknem Blicke liegen. Mich treibt mein Herz nach Rügens Eiland hin; Ich eile auf der Ostsee Spiegel An meines Vaters Aschenhügel, Und pflanze Rosen auf sein Grab. – – Da will ich Veilchen, Hyazinthen, Und was der Lenz mir schönes gab, Mit feuchtem Aug' um seine Urne winden. Ich werde in der Abendröthe Gluth Von nie besiegter Veste Höhen Die bunten Flaggen wallen sehen; Erweitert wird mein Blick; es schlägt Mein Herz mit jedem Pulse höher, Des offnen Meeres Anblick trägt Mich hoch empor, bringt mich der Gottheit näher. O Heil mir dann, seh' ich mein Vaterland Nach so viel Trauerjahren wieder! Dann sink' ich tief anbetend nieder, Und weihe dem mein Erstgefühl, Der mich erhielt in Labyrinthen, Um einst an meiner Tage Ziel Dort Ruhe und ein stilles Grab zu finden! An das scheidende Jahr Hebe weg die Thränenblicke Von dem Schimmer dieser Welt, Monde fliehen, Jahre eilen – Auch des lezten Sandkorn fällt; Unaufhaltsam rauscht's von hinnen, Schon sein Ende nah't heran, Sieh', die lezten Tropfen rinnen In den großen Ozean! Fleug dann hin mit allen Leiden, Die dir Krieg und Elend gab, Sinke in die grauen Wogen Hin in deiner Brüder Grab; Birg in deinen dunklen Fluten Jede That, die Prüfung scheu't, Nur die Redlichen und Guten Kröne mit Unsterblichkeit. Auf der Hoffnung goldnen Flügeln Schwebe, neues Jahr! heran, Lohne jede edle Tugend, Scheuche Vorurtheil und Wahn; Um die Unschuld zu erretten, Sprich dem kühnen Frevler Hohn, Brich der Tyrannei die Ketten, Stürz' das Laster von dem Thron. Dring in öde Kerkergrüfte, Wo verjährtes Elend weint, Reiche großmuthsvoll die Rechte Zur Versöhnung jedem Feind; Wenn mit giftgeschwoll'nem Geifer Neid und Schmähsucht hämisch spricht, O dann reiß mit edlem Eifer Ihr die Larve vom Gesicht! Zeige nackt des Heuchlers Blöße, Wenn er kriechend Lob erstrebt, Winde dem Verdienste Kränze, Das in stiller Größe lebt! Wecke himmlisches Erbarmen, Mitleid, das zur Hülfe dringt, Wenn verzweiflungsvoller Armen Wilder Schmerz die Hände ringt. Ströme in gebrochne Herzen, Stillen Frieden, süße Ruh; Führe lebensmüde Waller Ihrer stillen Heimath zu. Wenn getrennter Herzen Leiden Von gebleichten Wangen spricht. Mal' des Wiedersehens Freuden In der Hoffnung schönstem Licht. Nach zwölf Trauerjahren führe Uns den goldnen Frieden zu, Wehe mit der Friedenspalme Ueber Teutschland Glück und Ruh; Reife für der Traube Kelter Süßen Most auf Rebenhöhn; Ueber blutgedüngte Felder Müssen goldne Saaten wehn. Hehr und hoch wird dann dein Name Ueber deinen Brüdern stehn, Nicht im grauen Strom der Zeiten Mit den tausend untergehn; Von beglückten Nationen Werden Hymnen dir geweiht, Die, dich würdig zu belohnen, Krönen mit Unsterblichkeit! Morgen-Gefühle Bebet leis', ihr Harfentöne, Rührend, wie die Andacht fleht, In des jungen Morgens Schöne, Werde mein Gesang Gebet! Möchten in der Andacht Feuer Mich Entzückungen durchweh'n, Mein verklärtes Auge freier Dieses Morgens Schönheit seh'n! Aus des Waldes Grotten hallen Jubelhymnen laut hervor, Von der Erde Altar wallen, Weihrauchdämpfe hoch empor. Wie im Sonnengolde glühen Höher Rosenbusch und Baum; Welche rege Harmonieen Tönen durch den Schöpfungsraum! O, wo giebt es ein Entzücken, Das aus rein'rer Quelle quillt, Das so sehr, wie dies Entzücken, Meines Herzens Sehnsucht stillt? Mit der Morgenröthe schwinge Sich mein freier Geist empor, Bis ich höh're Lieder singe Unterm großen Geister-Chor! Abendgefühle In der Wehmuth süßem Schmerz Wall' ich hier alleine, Leise Ahnung hebt mein Herz, In der Dämm'rung Scheine. Wie die Nacht so traut und schön Ueber Meereswogen, Unter'm Nachtigallgetön, Kommt daher geflogen! Ernst und düster weih't sie mich Ein zu stiller Trauer, Meine Blicke wölken sich, Und ein leiser Schauer Weht mich an und preßt mein Herz, Meine Schritte wanken: Von der Erde himmelwärts Fliehen die Gedanken. Aber, ach! gebunden sind Meines Geistes Schwingen, Wie, gebeugt vom Abendwind, Meine Nelken hingen: So ist meines Geistes Blick Matt und hingesunken; Nur an künft'ger Welten Glück Hängt er wonnetrunken. Wenn kein Staub mich mehr umwallt, Ueber Stern' und Sonnen, In der Seel'gen Aufenthalt Einst mein Tag begonnen, Nimmt mich, wenn mein Lauf vollbracht, Göttliches Erbarmen, Nach durchweinter banger Nacht, Auf mit Mutter-Armen! An den Genius des Todes Holder! komm, umarme mich, Sehnsuchtsvoll erwart' ich dich; Eilend aus dem Weltgedränge Hin in deine Schattengänge, Hebt mein Busen freier sich. O, dann wehet süße Ruh Mir von Aschenhügeln zu; Selbst bei spätem Vollmondscheine Wall' ich gern um Leichensteine, Mich erschreckt kein Traumgesicht. Sonder Schrecken, sonder Graus Wall' ich um das Knochenhaus, In des Mondes Silberflimmern Seh' ich Menschenschädel schimmern, – Mir sind sie nicht fürchterlich. Hoffnung hebt mich hier empor, Voll Entzückens, glaubt mein Ohr, Daß es schon der Sel'gen Chöre Laute Hochgesänge höre, Palmensäuseln fühl' ich schon! Eil' ich einst der stillen Ruh Froh in deinen Armen zu, Wiegst du mich in sanften Schlummer, Ausgeweint ist jeder Kummer, Ueber Welten schweb' ich hin! Eile drum, mein Genius! Reiche mir den Weihekuß, Mir erscheinst du nicht mit Hippe, Wie ein schreckendes Gerippe, Nein, als Engel grüß' ich dich. Elegie Bang' und düster, Wie Geflüster, Das am Grabe stöhnt, Fragen meine Blicke Weinend das Geschicke: Wann wirst du versöhnt? O dann tragen Meine Klagen Engel hin zu Gott, Flehen: gieb der Müden Ewig stillen Frieden, Lieber, guter Gott! Dort am Grabe, Wann ich habe Meinen Kelch geleert, Werd' ich mit Entzücken Jenen Freund erblicken, Der die Fackel kehrt! An die Freundschaft Meinem verehrten Freunde, dem Hrn. Geh. Reg. Rath Boden zu Berleburg gewidmet. Du Tochter des Himmels, aus Eden gesandt, Du führ'st uns am seidenen rosigen Band, Du linderst die Wehen, du scheuchest den Schmerz, Ström'st himmlische Ruhe in's zagende Herz. Schon stand ich am Abgrund, schon wankt' ich heran, Da faß'test du, himmlische Göttin, mich an! »Was bebst du? was zagst du? komm, gieb mir die Hand, Ich führe dich glücklich in's bessere Land!« Wohl schwand mir der Abgrund, mein Lichtkreiß ward hell; Ich schöpfte aus deinem allmächtigen Quell: Dahin schwand der Kummer, wie Mißmuth und Graus, Du söhntest mit Menschen und Schicksal mich aus. Daß nun auch im Sturme mein Haupt sich erhebt, Daß Hoffnung mich golden und lachend umschwebt, Daß Selbstgefühl stolz meine Seele durchdringt, Die Freundschaft zu Freuden und Scherzen mir winkt, Und daß mich nun wieder die liebe Natur Umarmet auf blühender, lachender Flur, Mir duften die Blüthen, und rieselt der Bach, Mir hallet das Eccho im Felsgeklüft nach, Mich kühlet der Abend, mit Perlthau bekränzt, Wenn hoch in den Wolken der Liebe Stern glänzt, Mir schimmert im Strale des Mondes so hell Das Silbergestäube im sprudelnden Quell; Dies dank' ich dir, Freundschaft! dir huld'ge ich laut! Nicht zärtlicher liebt den Verlobten die Braut, Als deine Geweihte dich, Freundschaft, verehrt; Du hast mich die Thoren verachten gelehrt! Und wenn dann nun einmal mein seliger Geist Voll Jubels die irdische Hülle zerreißt, Dann schwebst du entgegen im Palmenhain mir, Wir lieben uns höher und reiner, als hier! Meinem Schöpfer Es jauchzt zu deinem Ruhme, o mein Schöpfer, Die ganze Schöpfung, alle Kreaturen – Dir rieseln laut des Baches Silberwellen Auf Goldsand zwischen bunten Blumenkränzen, Dir wälzt der Ozean die lauten Wogen, Wenn sie an steile Klippen schäumend schlagen, Und wildes Schrecken um sich her verbreiten, Dich preißt des Tages Herold, wenn er festlich Dem blauen Meer' entsteigt mit Feuerglanze, Und hoch an dem ätherischen Gewölbe Durch Rosenwolken jagt die Flammenräder; Dir glänzt der Sirius, in dem Gefolge Von tausend Sternen, an dem Abendhimmel, Dir wallt der blasse Mond in milden Stralen Durch grauer Dämm'rung leichten Nebelschleier, Wenn die Natur den Schlaf der Schöpfung feiert! Ernst ist dein Gang auf schwarzen finstren Wolken, Wenn deinem Fußtritt Donner laut entrollen, Und deine Blicke schrecklich wtteerleuchten. Hier diesen Weltkoloß durchdringt dein Auge, Doch sieht es auch den Wurm zu meinen Füßen, Der fröhlich sich im Sonnengolde spiegelt, Und seines kurzen Daseyns Freude fühlet. Du hörst den Frühgesang der frohen Lerche, Das Abendlied, das Filomele flötet; Du wohnest in der Silberpappeln Säuseln, Die leis' und hehr im Abendgolde wallen, Die Seele des feinfühlenden Betrachters Zu frommer Andacht seligen Gefühlen, Zu sanfter heil'ger Rührung Hochempfindung Erheben von dem Staube zu dem Schöpfer. Du wohnst im heulenden und lauten Sturme, Der tausendjähr'ge Eichen niederstürzet, Und wehest in dem lauen Morgenwindchen, Das die bethaute Rose küßt und streuet Umher in lauen Lüften Silberblüthen. Du formtest diese niedrige Viole, Und jenen Baum, der, einem Walde ähnlich, Des Indus reiche Fluren überschattet; Auch gabst du Düfte dieser Maienklocke, Der Unschuld schöne Farbe ihrem Kelche. Zu einem Balle formtest du die Ströme Der Sonnenglut im ungeheuren Raume, Auch gabst du Leben dieser kleinen Grille, Die froh und leicht von Halm zu Halme hüpfet, Bist hier und da, und dort und allenthalben. Du hör'st des Serafs Lied an deinem Throne, Wenn sein Gesang durch alle Himmel schallet, Und hör'st aus stiller Einsamkeit die Lieder, Die meiner anspruchlosen Harf' enttönen, Du siehst die Thräne, die im Mondglanz zittert, Und die der hochentglühten Wang' entrollet; Du hebst mein Herz zu frohen, höhern Schlägen. O du! der du des Serafs Gott dort oben, Der Welten Schöpfer bist, und auch mein Vater – Säng' ich dir auch, im Jubel meiner Seele, Unsterbliche und deiner würd'ge Hymnen! Mein Geist gleicht hier dem freien kühnen Schwunge Das Adlers mit gelähmten matten Flügeln, Er strebt empor zu höh'ren Regionen, Und sinkt in seiner Ohnmacht Schmerzgefühle. Einst werd' ich dort, (es wallet hoch mein Busen) Verklärt am lichtumfloßnen Throne jauchzen, Da will ich dann mein Glück und deine Größe Durch aller Himmel weiten Raum verkünden, Bis dieser goldne Morgen für mich dämmert, Will ich empor voll froher Hoffnung blicken, Und meine heiligsten Gefühle weihen Dem Gott, der mich bestimmt zu ew'gen Freuden. Die Wonne , die in seiner schönen Schöpfung Den Busen mir zu schnellern Schlägen hebet, Die Thräne , die mein Aug' im Dankgefühle Der heil'gen Freundschaft weinet meinen Lieben, Versöhne mich mit allen meinen Leiden, Mit allen Wunden, die das Schicksal schlug. O du! der du des Serafs Gott dort oben Und auch der meine ewig bist, mein Vater! Verkürze meines Daseyns Raum, und führe In jene beßre Welten mich hinüber; Dann soll mein Lied in himmlischen Gesängen Dein Lob durch aller Himmel Raum verkünden! Dies namenlose wonnige Entzücken Und meines schwachen, leisen Lieds Verstummen Sei dir, dem Weltenschöpfer! dir, dem Großen! So lang' ich noch im Staube vor dir walle, Mein lautester und höchster Preißgesang! An meine Harfe Für mich floß aus Peru's Schachten Weder rothes Gold, noch Silber, Auch ermangeln meine Wände Jedes Glanzes seidner Hülle, Meine Augen täuschen keine Schildereien großer Meister, Kein Tokaier schäumet perlend Für mich im kristallnen Glase, Auch verrathen würz'ge Düfte Nicht des Mahles leckre Speisen, Und mich wiegt kein sorgenfreier Schlummer sanft in frohe Träume! Weisheitsvoll entzogen alles Dieses mir die guten Götter. Aber dennoch sing' ich ihnen Mit Entzückung frohe Lieder, Denn sie gaben mir dich , meine Hochgeliebte sanfte Harfe; Mit dir flieh' ich in den Kreisen Ungeheurer Schöpfungs-Räume, Vom Orion bis zur Sonne, Bis zu ihren lezten Stralen, Daß ich glüh' in ihrer Flamme, Daß ich bebe laut vor Wonne, Und die heißen Freudenthränen Dem verklärten Blick' entströmen. Selig froh greif ich in deine Saiten, wenn der holde Frühling Mir im Veilchenkleide nahet, Oder, wenn in süßen Tönen Filomelens einz'ge Lieder Durch die Abendlüfte schallen. Auch entschweben dir Gesänge An der Seite edler Freunde! Dankbarkeit und Liebe weinen Thränen auf die goldnen Saiten; Wenn die Schwermuth mir den Busen Aengstlich preßt, und Schmerzgefühle Mein gesenktes Auge trüben, O wie tönst du dann so leise Trost in meine bange Seele! Ruhiger blickt dann mein Auge Auf in selige Gefilde, Wo die Garben reicher Saaten Jenem großen Tag' entgegen Unter'm Palmensäuseln reifen. Wenn auch mir die Stunde nahet, Die zur ew'gen Ruhe winket; Dann müß' ich, von deinen Tönen Eingelullt, hinüber schlummern! Und wenn ich am großen Morgen Hoffnungsvoll und froh erwache, O dann müsse dich mein Engel Mir in Edens Palmenhainen Jubelvoll entgegen tragen! An den Herrn Kabinetsrath Jost Wie durch dunkler Nächte schwarze Schatten Schwermuthsvoll die Seele blickt empor, Wenn kein Fünkchen Licht das Dunkel mildert, Schreckgestalten riesenmäßig droh'n, Freund! so blickt' ich einst auf meine Kinder An der Urne ihres Vaters hin, Mit zerrißnem, halbgebrochnem Herzen, Wünscht' ich sie und mich in's stille Grab. In der Zukunft sahen meine Blicke Ungebildet sie und einsam stehn; Sklavisch sah' ich sie den Rücken beugen, Wie der edle Mann ihn niemals beugt. Da erschienst Du, wie ein Bote Gottes, Von dem Thron des Ewigen gesandt, Reichtest mir die Rechte; eine Thräne Bebte in dem seelenvollen Blick. »Trockne, meine Freundinn, deine Thränen! Deiner Kinder Retter der bin ich; Wohl mir, daß ich diesen Schmerz kann lindern, Daß ich diese Sorgen scheuchen kann.« Dankbar hob mein Blick sich in die Wolken, Dann zu Dir, mein edler guter Freund, Wellen schlug Dir laut mein Herz entgegen, Und ich sank gerührt an Deine Brust. Von dem Tag' an nennt Dich meine Seele Ihren Retter, ihren liebsten Freund; Ewig dauernd ist sie die Empfindung, Die in diesem Busen für Dich glüht! An eine Kirchhofs-Linde Wenn dereinst im lauen Abendwinde Unter deinem Schatten, hohe Linde, Hin ein Lebensmüder sinkt, Und aus deinen Silberblüthen Süße Düfte trinkt; O, dann lisple leis' dem armen Müden: »Hier wohnt Ruhe! hier wohnt stiller Frieden, Trockne deine Thränen ab; Unter diesem grünen Hügel Ist Elisens Grab! »Sie auch sehnte sich aus banger Schwüle Nach des stillen Grabes milder Kühle, Lange ahnend frühen Tod, Nun verkläret ihre Thränen Ew'ges Morgenroth! »Athme leichter unter dieser Linde! Wie die Blüthe fällt vom Abendwinde, Schwindet jedes Leiden hin, Wenn im öden Kirchhofshaine Blumen auf uns blühn.« An meinen Freund Hrn. K.R. Jost Wenn im ersten Frühlings-Wehen Himmlisch die Natur erscheint, Dann wind' ich mir Veilchenkränze, Winde sie für Dich, o Freund! Wenn in zartes Grün sich hüllet Neugeschaffen die Natur, Und der Gottheit Tritte wallen Ueber Hügel, Thal und Flur, Wenn mir Filomelens Kehle Wonne in die Seele singt, Wenn mir jedes laue Lüftchen Blüthenduft entgegen bringt, Ich im heiligen Gefühle Am Altar der Schöpfung knie', Höh're ew'ge Wonnen ahnend, In den reinsten Freuden glüh', O dann komm, mein Freund! vollende Der Entzückung Zauberwehn, Laß mich's fühlen, daß durch Freundschaft Wir der Gottheit näher stehn! An Denselben; nach aufgegebenen Endreimen Wär' es einst, o Freund! des Schicksals Schluß , Daß ich einsam, ohne deinen Kuß , Müßte stehn und arm an Freundschaft darben , Seh'n, wie alle meine Freuden starben , O! dann sänk' ich hin für Gram; doch nein ! Deiner Freundin, wäre dies zu klein . Auch entfernt würd' ich oft von Dir hören , Darauf wage ich's, getrost zu schwören , Deine Freundschaft bleibt sich gleich und groß , Bis mich deckt der Erde kühler Schoos ! Am Geburtstage des letztverstorbenen Fürsten zu Wittgenstein-Berlenburg, im J. 1799 Könnt' ich mit der Sappho Feuer malen, Taucht' ich in Aurorens Purpurstralen, Flög' empor zur höchsten Sonnenbahn, Nach der späten Zukunft fernen Tagen Würde meine Wonne hingetragen! Steige, mein Gesang, heut' hoch hinan. Frischen Lorbeer schling' ich um die Leyer, Meine Seele glüht von regem Feuer, Ueber Welten schwingt sie sich empor. Angestaunt vom selig-frohen Volke Streif ich an den Purpursaum der Wolke, Mische mich in's höh're Sänger Chor, Wo die Seelen längst verklärter Geister Dank und Jubel ihrem großen Meister Jauchzen in der Sphären Harmonie. Deine Ahnherrn fallen betend nieder, Ihre Freude tönt in höh're Lieder An dem Tag, der Dich der Erde lieh'. Auch ich mische mich in das Gedränge Jener Geister, die in Stralenmenge Vor dem ganzen Himmel nennen Dich, Eine Perle in dem Diademe, Das Dich krönet, werde meine Thräne, Die vom wund geweinten Auge schlich. Keine Blumenkränze kann ich pflücken, Meine Harfe feierlich zu schmücken; – Oed' um mich liegt Wald und Hain und Thal; Aber bei dem frischen Glanz der Kerzen Wallen froh empfindend unsre Herzen, Wie im Lenzes-Abendsonnenstral. Theurer Fürst! sie schlagen Dir entgegen: »Jedem Deiner Schritte reichen Seegen!« Flehen wir gerührt vor Gottes Thron, Und wann Deiner Tage Waage sinket, Und Dein Engel Dir zur Ruhe winket (Deiner Tugend, Deiner Güte Lohn!) Daß Du dann nach spät geschwundnen Jahren Noch im Schmuck von weißen Silberhaaren Dich an goldgelockte Enkel schließ't, Die voll Feuer nach der Ehre dürsten, Das zu werden unter Teutschlands Fürsten, Was du, Vater Deines Volkes, bist! Am Grabe Desselben Am 4ten Oktob. 1800. Da liegt Er! tiefe, tiefe Klagen Erfüllen laut die Luft, Den edelsten von Teutschlands Fürsten Deckt diese kalte Gruft! 1 Zu frühe kürzt' sein schönes Leben, O Parze! deine Hand; Der Wehmuth blut'ge Thräne fließet Auf seines Grabes Sand. Kein Fürst war dieser Thränen werther Als der, um den sie rinnt; Kein Geist geniest dort höh're Freuden Als Christians Freuden sind! Ha! keine Muse wagt's zu sagen, Wen dieses Grab umschließt; Zu groß für jedes Lob der Erde War der, den es umschließt. Wölbt über seinem Aschenhügel Ein Epitaphium; – Kein ungeweih'ter Fußtritt nahe Sich diesem Heiligthum! Nur Dankbarkeit und Liebe sollen Ihm ihre Thränen weih'n, Sie tränken die Zypressenkränze Um seinen Leichenstein. Er gieng zu höh'ren Regionen In's beßre Leben ein. Sein Name soll uns ewig theuer, Mir soll er heilig seyn! Ich pflanze Veilchen, blasse Rosen Mit thränennasser Hand, Mit wehmuthsvoller Dankempfindung Auf meines Fürsten Sand! Vergebens ruft mit bangen Klagen Mein Schmerz ihn laut zurück, Gesang ist sein Geschäft, und Liebe In Ewigkeit sein Glück! – Fußnoten 1 Unter allen denen, die das Glück genossen haben, diesen trefflichen Fürsten zu kennen, dessen Geistes-und Herzensvorzüge der Humanität seines Charakters entsprachen, wird mich hier gewiß keiner einer Partheilichkeit – einer niedrigen Schmeichelei beschuldigen. O daß meine Muse Kraft und Aufschwung genug gehabt hätte, um diesem großen Fürsten ein seiner würdiges Vergißmeinnicht auf den Grabhügel zu pflanzen! An eine verwelkte Rose; ein aufgegebenes Impromtü Arme Rose! blühtest gestern Reizender, als deine Schwestern, Trugst dein Haupt so stolz empor! Jetzo senkst du es zur Erde, Zeigst, entblättert, daß ich werde Was du, Rose, Morgen bist. An meinen Sohn Friederich Wandle stets den Pfad der Tugend; Fröhlich wird dann Deine Jugend, Seelig wird Dein Alter seyn! Dann nur hoffst Du nicht vergebens, Dich am Abend Deines Lebens Eines bessern Glücks zu freu'n. An ein Maienblümchen Vor allen Blumen, die so schön Auf Florens bunten Beeten stehn, Wähl' ich, o Maienblümchen! dich Zum kleinen Busenstrauß für mich. Dein kleines Klöckchen, zart und weiß, Gepflegt von keines Gärtners Fleiß, Erzog die gütige Natur Auf grüner buntbeblümter Flur. Du blüh'st in hohem Gras versteckt, Von seidnen Blättern überdeckt, Und würzest mild mit süßem Duft Die junge, reine Frühlingsluft. Du trägst der Unschuld Feierkleid, Bist ihr, der Göttlichen, geweiht, Die den, dem sie im Busen lebt, Hoch über diese Welt erhebt. Verblühe, liebes Blümchen, hier, Und hauche süße Düfte mir, Und male meinem nassen Blick' Der sanften Unschuld hohes Glück! Am Grabe meiner Kousine, von Bülov Im Namen ihrer Mutter. In den düsteren Zypressenhainen, Wo die Tochter meines Herzens liegt, Will ich einsam meine Klagen weinen, Meinen Schmerz, den keine Zeit besiegt! Ernst und hehr in stiller hoher Feier Liegt die Nacht auf meiner Holden Grab, Mit dem weißen, naßgeweinten Schleier Wisch' ich bang' der Wehmuth Thränen ab. In des Lebens schönster Jugend-Blüthe Sank sie hin, – der frischen Rose gleich, – War an Schönheit, war an Seelengüte Schon auf Erden höhern Geistern gleich! Brich, o Mond! durch graue Wolkenhülle, Blicke mitleidsvoll auf mich herab, Führe mich in deines Glanzes Fülle Zu der Heißgeliebten frischem Grab; Daß ich durch die öden Schattengänge Dieser Wohnung niegestörter Ruh, Mich mit bangem, wundem Herzen dränge Ihrem kleinen stillen Hügel zu; – Diesem Hügel, der in seinen Schatten Meines Lebens höchstes Glück enthält! Mit mir weint der Schmerz des besten Gatten; – Ach Du warst sein Glück und seine Welt! Mit mir trauren Freunde, edle Brüder Mit gesenktem thränenschwerem Blick, Und in ihre Mitte rufen wieder Deine holden Kinder Dich zurück. Doch vergebens ist dies bange Sehnen, Und gerecht der Schmerz, den Liebe lehrt! Würdig bist Du unsrer heißen Thränen, Bist der Trauer aller Edlen werth! Wenn auch mir der lezte Tropfen rinnet, Der aus Gottes Lebensquelle fleußt, Meinem hellern Blick' der Tag beginnet, Dessen Glanz den Nebelflor zerreißt, O! dann komm in Deiner Siegerkrone, Eile Deiner Mutter Armen zu, Sag mir: daß ich nun an Gottes Throne Mit Dir, unter Palmensäuseln, ruh'. An das Eichenwäldchen zu B. Meiner Schwester gewidmet. Denk' ich meines Lebens Blüthe-Tage, Denk' ich, hoher Eichenwald! an dich, Wo ich, unter'm Nachtigallenschlage, Leicht und froh durch kühle Schatten schlich, Träumend lieg' ich noch an jener Quelle, Die sich laut vom grauen Berge goß, Wo im Abendgolde jede Welle Wie ein Bach geschmolznen Silbers floß. In den Laubgewölben deiner Eichen Bebte Lunens matter Silberglanz; Auf dem Teppich unter deinen Sträuchen Las ich Veilchen, reih'te sie zum Kranz, Schmückte damit Karolinens Locken, Die auf Blumen dort im Schatten lag, Und des Maien weiße Silberklocken Unter frohen Lustgesängen brach. In dem Purpurglanz der Abendröthe Wiegte sich der Zweige zartes Grün, Hirten, spielend auf der Silberflöte, Trieben dort die satte Heerde hin. Ach! da hoben heilige Gefühle Aufwärts meinen freudetrunknen Blick, Und ich kehrte in das Weltgewühle Oft bei spätem Sternentanz zurück. In des Waldes tiefen Schauerhallen, Wo ein schroffer Fels den Blick verengt, Dunkle Tannen in die Lüfte wallen, Und ein Strom sich durch's Geklüfte drängt, Lag ich, aufgelößt in Harmonieen, Göttliche Natur! an deiner Brust, Jede Nerve fühlt' ich höher glühen, Höher hob die Freude meine Brust. Trunken flohen meine feuchten Blicke Ueber Welten, über Sonnen hin; Freude-weinend fleht' ich vom Geschicke: »Laß mir ewig diesen reinen Sinn, Dies Gefühl für's Edle, Große, Schöne, Dieses Herz, bereit zum Kampf für Pflicht, Dies Entzücken, wenn die Wonne-Thräne Stumm-beredt aus nassem Auge spricht!« Am Grabe des Landraths und Ritters Dienies zu Stralsund Ich irre mit zerrißnem Herzen Und blassem Angesicht, Mit einem Blick', den Trauer senket, Der meine Schmerzen spricht, In meiner Väter öde Hallen, An diese stille Gruft, Wo Deinen Namen, theurer Oheim, Der laute Jammer ruft! An Deinem Grabe weint der Weise, Dein dankbar Vaterland, Der Wittwen und der Waisen Thränen Bethauen Deinen Sand! Ich weine mit in ihre Klagen, Ein Retter warst Du mir, Der Liebe und des Danks Gefühle – Sie weih' ich ewig Dir! Dich schätzte Gustav Wasa's Enkel; Zum Pfande gab er Dir Ein Band und Stern! doch mehr noch ehren Dich diese Thränen hier! Sie sind die treuen stillen Zeugen Von Deiner Tugend Werth, Heil ihm dem Edlen, den die Trauer Von guten Menschen ehrt! Mit süßem Frieden in der Seele Schliefst Du, Geliebter, ein, So schläft nach weis' verlebtem Tage, Die stille Tugend ein. Ich winde einen Kranz von Blumen Und dunklem Immergrün, Und hänge ihn mit heil'ger Ehrfurcht Um Deine Urne hin. Er sei ein Opfer Deinen Manen, Das Dank und Liebe weihn, Dein würdiger als Monumente, Die laut Dir Weihrauch streun. Wenn einst an meines Lebens Abend Mein guter Engel winkt, Heil mir, wenn dann so eine Thräne Auf meinen Hügel sinkt! An die Ruhe Stille Ruhe säuselt nieder Von des Himmels goldnen Höh'n, Einsam tönen meine Lieder, Wie der Abendlüfte Weh'n. Ju der Dämmrung Nebelschleier Stirbt des Tages letzter Blick. Meine Seele athmet freier Stiller Ruhe süßes Glück. In der Schöpfung weiten Kreisen Herrscht sie segnend überall; Sie verklärt den Blick des Weisen, Glänzt in Lunens blassem Stral; Tröstend lispelt sie dem Müden: »Nur in meinen Schatten wohnt Jener hohe Seelenfrieden, Der mit froher Hoffnung lohnt!« Heil dem Edlen, der dich immer Sich zur Lieblingin erkohr, Ueber seines Glückes Trümmer Blickt er hoffnungsvoll empor. An den heiligen Altären Wo er Opfer dir gebracht, Nennt er Schatten und Chimären, Was den Thoren glücklich macht. Lächle mir in deiner Schöne, Ruhe, Himmels-Königin! Nimm zum Dank die süßen Töne Meiner goldnen Harfe hin; Lächle mir in deiner Milde, Wenn ich matt vom Weltgewühl Schmachtend steh' vor deinem Bilde, Mit gesunk'nem Selbstgefühl. O dann winke mir zur Wonne, Die den Weisen selig macht, Und mit jeder Morgensonne Himmlisch ihm entgegen lacht. Seine Ruhe wird vom Neide, Wird von Schmähsucht nicht getrübt, In ihm selber wohnt die Freude, Die die ganze Welt nicht giebt. An meine Lina Schön ist's, unter blüthenvollen Zweigen Blasse Sterne langsam schwinden sehn, Wenn die blauen glänzenden Gebirge In der Glorie des Tages stehn; Schön ist's hier, wo im Platanen-Schatten Ernst und Ruh' am stillen Ufer winkt. Schön ist's dort, wo hinter'm grünen Hügel Malerisch die Sonne untersinkt; Schön ist's, wenn der Lenz im Veilchenkranze Ueber goldgelockte Fluren schwebt, Wenn in lauer Nächte dunklen Schatten Lunens Glanz auf hohen Tannen bebt; Schön ist's, wenn des Maies Silberklocke Zwischen grünen Blättern duftend blüht, Schön ist's, wenn die frisch bethaute Rose In dem Morgengold der Sonne glüht; Aber schöner sind die Eichenwälder, Wo ich einst mit meiner Lina ging, Wo das Abendlied der Nachtigallen An geweih'ter Grotte uns empfing; Wo der Waldstrom über Sand und Kiesel In die Silberfluthen niedersank, Wo so manches liebes blaue Blümchen Thränen unsrer Schwesterliebe trank; Wo ich Arm in Arm mit Dir im Grünen Unter'm Schatten hoher Eichen sas, Und des nahen bangen Trennungstages Im Gefühle meines Glücks vergaß. Wie auf Wetterwolken sank er nieder Jener dunkle folgenschwere Tag, Wo ich sprachlos mit zerrißnem Herzen Dir zum leztenmal am Busen lag. Ach! mein Schutzgeist floh die Jammerszene, Er, den mir ein Gott zum Führer gab, Traurend rief er: »ewiges Erbarmen, Gieb der Armen bald ein stilles Grab!« Und die goldne Hoffnung rief mir leise: »Fasse dich! du wirst sie wieder sehn, An der Ostsee friedlichen Gestaden Wirst du deine Lina wiedersehn!« An Marienwerder, bei Hannover Im Julius 1805. In Stunden heiliger Erinnerung, Wo der geschwundnen Tage heitres Bild Zu süßer Nachempfindung uns umschwebt, Wo auch die längst verblühte Blume noch Mit ihrem Duft die Seele sanft umwallt; Da weil' ich noch bei jenem Wonnetag, Wo ich Marienwerder, dich! erblickt, Wo ich in deinem Zauberhaine mich Schon in Elysium hinüber träumt', Wo ich, im Taumel meiner Wonne, rief: »Hier wohnt ein Gott in diesem Feen-Thal! Hier weht sein Athem überall um mich; Hier, wo im reinsten Einklang sich vereint Geschmack und Kunst, und Schönheit und Natur, Hier ist der Himmel, hier ist meine Welt!« Wie Traumgestalten flohen sie dahin Die Schattenfreuden, die die Erde giebt Dem armen Menschen, der nichts höh'res kennt, Als rauschende und immer neue Lust, Als jenes Glück, das Thorheit Größe nennt. So selig werd' ich nimmer wieder seyn, Als ich in dir, Marienwerder, war. – Ein heil'ges Säuseln wallt in deinem Hain, In deiner Palmen Schatten wohnt die Ruh, Die stille Lust, wie sie der beßre Mensch, Dem Himmel gleich, in seinem Busen trägt. Hier winket dichter Lauben Rosenduft, Des Geißblats Schattendach zum Rasensitz; Dort führt ein Pfad durch bunte Blumen-Au'n, Dem Bach entlang, der über Goldsand rinnt, Da strömt in kleinen Wellen leise hin Der blauen Leine klarer Silberstrom, Am nahen Ufer malerisch umkränzt; – Des grauen Klosters Zinnen schimmern dort Im Abendgold durch zitterndes Gebüsch. Hier führt ein Pfad am grünen Hügel hin Zum stillen Hain, wo ew'ge Ruhe wohnt, Zerstreute Gräber liegen einsam da, Bedeckt mit grauem Moos und Leichenstein Und Flittergold, das um die Kreuze rauscht; In diesem öden Garten stiller Ruh Liegt einsam abgeschieden von der Welt, Die Wohnung eines Klaußners, alt und grau, Gebaut von Baumbork' und von rauhem Stein; Die Armuth, die die inn're Wohnung zeigt, Die Andacht, die aus offner Bibel spricht, Und jene Todten-Maale ringsumher Erfüllen uns mit schauerlichem Ernst, Mit Mitgefühl und sanfter Wehmuth Schmerz! Ach, süßre Thränen gab die Welt mir nie, Als hier mein Aug' sie tief bewegt vergoß, So überirdisch – nahe jenem All, Wie in Marienwerders Zauberhain, Hat niemals, niemals wieder die Natur In süße Träumereien mich versetzt. Aetherische Gestalten sah' ich dort, Der Gottheit Bild in jedem Blüthenzweig, Gedanken, würdig der Unsterblichkeit, Erhoben mich, durchbebten meine Brust, Zu meinen Füßen lag die arme Welt! – Erfüllt das Schicksal meine Wünsche einst, Und führet mich mein guter Genius Nach meines Vaterlandes Thälern hin, Dann weih' ich dir, und der Erinnerung Noch eine Thräne, wie sie Freude weint! – Aussicht Er kommt vom Olympos, vergoldet die Hügel, Der Tag, den zum schönsten ich längst mir erkohr; Dann jauchz' ich, dann schweb' ich mit goldenem Flügel Hoch über die Wolken zur Gottheit empor. Dann weih' ich zu himmlischen hehren Gesängen, Zum ewigen Jubellied, Harfe! dich ein; Dort werden mich meine Geliebten umdrängen, Mich jauchzend begrüßen, im stralenden Hain. Unsterblichkeit! göttlicher, großer Gedanke, Des Weisesten Wunsch und des Edelsten Ziel, Einst, wenn ich ermattet zum Grabe hinwanke, Dann lindre der scheidenden Seele Gefühl. Versieget, ihr Thränen, versieget auf immer! O warlich, die Erde ist eurer nicht werth; Wie täuschende Farben, zerflattert ihr Flimmer Dem Auge, das himmlische Wonne verklärt. Morgenlied Schon sinkt die Nacht in ihre Grotte, Der goldne Morgen lößt sie ab; Er wird geweckt von einem Gotte, Der Daseyn und Gefühl mir gab. Ihm will ich die verjüngten Kräfte Mit neuem Tugendeifer weih'n, Und nach vollbrachtem Tagsgeschäfte Mich seiner schönen Schöpfung freu'n. Sie strömet reine Harmonieen In jedes edlen Menschen Brust, Der Leidenschaften Stürme fliehen In ihr, wie jede niedre Lust. Von ihr begeistert, möcht' ich singen In Feueroden Gottes Lob! Ihm will ich höh're Opfer bringen, Der mich vor Tausenden erhob. Doch flög' ich auch mit kühnen Schwingen Zum Sitz der Gottheit selbst hinan, Wie dürft' ich's wagen, Gott zu singen? Ich bet' ihn tief im Staube an. An Eleonore Brandenburg Wenn im Lenz das Veilchen blüht, Nachtigallen tönen, Die Natur im Purpur glüht, Von Aurorens Thränen; Wenn der junge Mai erwacht, Lockt zu Lust und Freude, Wie dann hold die Lilie lacht In der Unschuld Kleide: Freundin! so lacht Dein Gesicht, Ros' und Lilie prangen So in Sultans Gärten nicht, Wie auf Deinen Wangen. Deines Herzens Güte muß Einst die Liebe krönen; Denn Du bist des Besten Kuß Werth von Teutschlands Söhnen; Den, bei Wissenschaften, schmückt Eine edle Seele, Wenn ihn so Dein Aug' erblickt, Freundin! o, dann wähle! An meinen kleinen Karl Komm her an meinen Busen, Du lieber Junge, komm! Wachs' auf zum Freund der Musen, Und werde brav und fromm! Dein blaues Auge lächelt Mich zärtlich an und süß; Sanft, wie ein Zefyr fächelt In Gottes Paradies. Du lachst Natur und Sonne Jetzt nur mechanisch an, Bald blickst Du sie mit Wonne, Mit stillem Staunen an, Rufst Heil dem Augenblicke, Der Dich zur Freude schuf, Als Du zu meinem Glücke Wardst, durch der Gottheit Ruf. Du ruh'st jezt sanft am Herzen, Das über Dir einst schlug, Bis Todesangst und Schmerzen An's Licht der Welt Dich trug. Werd' fromm, Du holder Knabe! Dann harret Wonne Dein, Dann wird Dein Weg zum Grabe Bestreut mit Rosen seyn. Dann finden wir uns wieder, Wo Himmelslüfte wehn: Dann sing' ich mit Dir Lieder, Die Gottes Lob erhöh'n. Im Namen eines Freundes, am Grabe seiner Gattin Mit zerrißnem, halb gebrochnem Herzen Blick' ich, o Louise, auf Dein Grab, Und der Wehmuth bange Thränen fließen Von den bleichgehärmten Wangen ab. Dieser frische hochgewölbte Hügel Deckt die Freude meines Herzens zu! Einsam wall' ich nun des Lebens Pfade Ohne Freude, ohne Glück und Ruh'. Wie die Rose sinkt am jungen Morgen, Wenn ein Sturm den zarten Stengel beugt; Also hast Du in des Lebens Blüthe Der Vollendung frühes Ziel erreicht. Nie, ach! werd' ich Deiner, o Louise, Je vergessen; ewig lieb' ich Dich; In dem Abdruck Deiner holden Züge, Ach, in unsern Kindern lieb' ich Dich! Unsre Kinder, vormals mein Entzücken, Jetzt erhöhen sie nur meinen Schmerz; Trauervoll, mit wund geweinten Blicken, Sinken sie an ihres Vaters Herz. Jede Freude flieht aus ihrem Kreise, Alles, was sie fröhlich sonst gemacht; »Mutter!« jammern sie an Deinem Grabe, »Mutter!« tönt's in öder Mitternacht. Wenn die Zeit mir jene Thräne trocknet, Die mir jezt die wunde Wange brennt, O dann sei ein Altar Dir errichtet, Wie ihn nur die treue Liebe kennt. Schwebe leis' auf sanftem Rosenflügel, Wie ein holder Schutzgeist um uns her, Lisple dann: ich harre Euch entgegen, Trennung schreckt uns ewig dort nicht mehr! Frühlingslied für meinen kleinen Philipp Pflückt Veilchen zum Kranz, Und hüpfet zum Tanz, Ihr Schwestern und Brüder! Der Frühling kommt wieder! Ertönet, ihr Saiten, Dem Geber der Freuden! Der Winter ist hin, Die Thäler sind grün, Die Nachtigall flöthet; Der Sonnenstral röthet Die hüpfende Welle Der lauteren Quelle! Die blumige Au' Schmückt silberner Thau; Balsamische Düfte Durchwallen die Lüfte, Es tanzen im Winde Die Blüthen der Linde. Die Freude erschallt Im grünenden Wald. Wie kosen und spielen In süßen Gefühlen Die Vögel auf Bäumen, In luftigen Räumen! Schlingt Blumen und Band Um Hüte und Hand! Wir wollen uns freuen, Bis Abends die Maien Mit glänzenden Flimmern Im Mondenglanz schimmern! Am Geburtstage einer Freundin Er steigt herab, bekränzt mit jungen Rosen Und Phöbus Gold geschmückt, der junge Tag, Ihm streuen blaue Veilchen ihre Düfte; Ihn feiert Philomelens erster Schlag! Die Deinen flehn mit tief gerührter Seele Dir, ihrem Liebling, ungestörtes Glück; Des Freundes und der Freundin heiße Wünsche Verklären sich in ihrem nassen Blick! Wol blühet überall auf dieser Erde Ein stilles Eden, Gottes Paradies, Wo solche edle Seelen, wie die Deine, Der Schöpfer zu den Menschen wandeln hies. Ich sehe Dich als Kind in Deiner Wiege Mit holdem himmlisch-frohem Angesicht, Und einem Aug', das Muth zu jedem Siege Durch Selbstgefühl und sanfte Duldung spricht. Ich sehe Dich, der Grazien Vertraute, Seh' jede schwesterlich um Dich bemüht, Mit einem Geist, gestimmt für alles Schöne, Mit einem Herzen, das für Tugend glüht! Ich sehe Dich – die Zukunft lüpft den Schleier, Und Freudenthränen feuchten meinen Blick – Gesund und froh des Lebens Pfade wallen, Und Deinem Seelenadel gleich Dein Glück! An eine Freundin, bei Uebersendung eines Kranzes künstlicher Maiblumen und Vergißmeinnicht Kein Maienklöckchen, kein Vergißmeinnicht Blüht mir zum bunten Kranz für Dich entgegen. Nimm diesen hin, der meine Wünsche spricht: Wenn Du ihn wirst um Deine Stirne legen, So denke mein; – die Freundschaft weih't ihn Dir. Ein Herz, das Liebe kennt, mißt nur den Werth nach ihr! Die Täuschung Laurette spricht so hochgelehrt und wichtig, Daß ich oft dacht': die spricht ja wie ein Buch! Dann fühlt' ich meines Wissens Mängel, Mir schien's, als spräch sie wie ein Engel; Doch endlich merkt' ich den Betrug: Sie sprach aus einem Buch. Die Ursache der Verläumdung Zu ihrer Mutter sprach Lisettchen: Wie kommt's, daß man in unserm Städtchen Beständig über andre spricht? O! leicht ist, liebes Kind! dies zu errathen; Nur wenige thun eigne schöne Thaten, Sie wollen dies Bewußtseyn rächen, Und darum über andre sprechen. Der Anmaßende Wie gut, wie menschenfreundlich denkt Herr Kilian, Er sieht die ganze Welt für seines gleichen an! Auf einen Schmeichler A. Warum beugt Thomas stets den Rücken? B. Mir dünkt: er fühlt's, er muß sich bücken. Warnung Elise! merke dir's: es schickt sich nicht, Wenn man, wie du, von sich nur spricht. Das, liebe Mutter, hätt' ich längst schon wissen können: Denn immer hört' ich ja nur fremde Fehler nennen. Der Leichtsinnige Herr Windheim schwört so oft bei seiner Ehre, Daß man wohl merkt, er hält sie für Chimäre. Vorzug des Adels Ein köstlich Ding ist's um den Adel! Mit Recht traf Minna mancher Tadel; Seitdem das Wörtchen von sie schmückt, Ist man von ihrem Witz' entzückt! Der Lügner Ernst will ein Dichter seyn, Ich stimme willig ein; Denn alles, was Er spricht, Ist warlich ein Gedicht. Der Bramarbas Welch' eine Wichtigkeit giebt sich nicht dieser Mann! Da hat er Recht, spricht Klauß, wer gäbe sie ihm dann? Eine Ausnahme Wie? Freund, du hältst für heil'ge Pflicht, Den Mann nicht nach dem Rock zu schätzen; Doch läßt von Mopsens Rocke nicht Der Werth auf seinen Mann sich setzen? Der Schwur Stax schwört: der Teufel soll' ihn holen, Wenn er uns eine Lüge sagt; Doch spricht er weislich nur verstohlen, Damit er nicht zu vieles wagt! Zemire, eine Erzählung Die Sonne sank in stiller Majestät Am Saum des Himmels in den Ozean, Und röthete mit ihrer Purpurglut, Gleich einem Feuerstrom, den gelben Fluß. Es zitterte in ihrem Abendgold' Der hohe duftende Orangenhain, Wo China's Kaiser ernst im Schatten saß, Und, von des Tages Herrscher-Mühen sich Erholend, der Natur am Busen lag; Er fühlte von dem großen Schauspiel sich Allmächtig angezogen, tief bewegt, Der Sonne letzter Stral schien magisch ihn Berührt zu haben, seinem Geist entschwand Das Glück der Hohheit und des Purpurs Glanz; Ihm schien's, als schwände seines Lebens Kraft, Als lösche seines Geistes Fackel aus, Als sei auch seines Daseyns Untergang, Der letzte große Augenblick ihm nah'. Er rief, und mit gebücktem Antlitz lag Ein Sklavenheer, und horchte dem Befehl: »Man rufe mir den Erben meines Reichs!« Prinz Selim nah'te seinem Vater sich, Und hörte ehrfurchtsvoll, was er gebot: »Sohn! sprach der edle Greiß, mein Ende naht! Vielleicht nur wenig Tage nenn' ich mein, Drum leg' ich jetzt mein großes Herrscheramt In deine Hand; nimm meine Krone hin, Und sei ein Vater deines Vaterlands! Beglücker deiner Völker stets zu seyn, Das sei dein erster, würdigster Beruf! Nie wiege dich ein süßer Schlaf in Ruh, Hast du mit keiner schönen, großen That Den Tag bezeichnet, dessen Nacht dich grüßt. Noch bist du frei und unvermählt, mein Sohn! O, gönne mir das süße Vaterglück, Die Gattin, die dein eignes Herz erkohr, Zu segnen mit der Liebe letztem Blick! Groß sind die Reiche, deren Herrscher du Zu seyn gewürdigt von den Göttern wardst; – Der Bürger Wohl bestimme deine Wahl! Der Töchter dieser Reiche sind so viel', Sind gut und schön, gefesselt durch Natur Und Blut und Pflicht an ihrer Väter Land. Wie folgenschwer ist nicht der Fürsten Wahl – Der Eitelkeit, des Leichtsinns Hydra stahl So oft der Bürger Glück, der Länder Wohl; Sie saugte kalt das letzte Lebensmark, Und strömt' Verzweiflung in der Armen Herz; Drum sei das Mädchen, das du dir erwählst, Von diesen niedren Fehlern gänzlich frei! Nur stille Demuth heb' und Sittsamkeit, Und Liebe zu den Göttern ihre Brust! Es künd'ge an ein Herold allgemein Ein großes Fest den Ersten meines Reichs!« Der Tag erschien. In morgenländscher Pracht Versammelte sich China's schöne Welt: Viel tausend Mädchen, lieblich anzuschaun, Von der Natur gebaut, der Männer Herz Zu fesseln mit der Liebe Allgewalt, Und einem Blick', der laut zu sagen schien: Der Schönheit erster Ruhm und Preiß gebührt Vor allen diesen Tausenden nur Mir. Prinz Selims seelenvolles Auge flog Im weiten Saal umher, und blickte froh Und wonniglich die holden Mädchen an, Sein Herz blieb ungerührt; ihn täuschte nicht Der äuß're Glanz, der Liebe süßer Blick, Der sanft und frei aus blauen Augen sprach. Da trat bescheiden in der Unschuld Kleid, Die blonden Locken ohne Schmuck und Stein, Mit hocherröthendem gesenktem Blick, Sittsam verhüllt der Glieder zarten Bau, Zemire in den kerzerhellten Saal, Am Arme eines edlen Greises, ein; Sie mischte in den bunten Haufen sich, Und zog sich bald und unbemerkt zurück. Prinz Selims Auge ruhte hochentzückt Und liebetrunken an Zemirens Bild, Ihr anspruchloses heitres Auge sah' Nur nach dem Vater hin im Silberhaar; Sie hatte kaum den Prinzen angeblickt, Wie ward ihr – welches Beben, welche Angst Ergriff ihr Herz, als dieser sie hervor Aus dunklem Schatten rief, und frei und laut Den Vater bat: »gieb sie zur Gattin mir!« Zemire ward die Mutter ihres Volks, Der Kaiser selbst ein hochbeglückter Mann, Er weih'te spät noch der Bescheidenheit , Der anspruchlosen Tugend einen Tempel. Noch sendet Bürgerglück und Völkerwohl Zu diesem heil'gen Altar stille Opfer. – Am Geburtstage meiner verehrungswürdigen Tante, der Frau Dr. Reincken, geb. Brandenburg; den 11. November Prachtvoll steigt der junge Morgen, In der Glorie des Tages, Aus des Meeres dunklen Fluthen, Wenn Aurora ihre Rosen Ihm zum Kranze um die Stirne Zwischen blauem Azur schlinget. Ihrem Stralenglanz' entweichen Luna und das Heer der Sterne; Gleich Rubinen glänzen alle Tropfen an des Grases Spitzen, In dem reinen Aether schwimmen Aller Blüthen süße Düfte. Mild und hehr im Sternenschleier Sinkt der laue Sommerabend Auf die welken Blüthen nieder, Wenn Dianens Silberstralen Ueber blaue Berge schweben, Und in ernster heil'ger Stille Die Natur den Schlaf der Schöpfung Feiert bis zum neuen Morgen. Betend sinkt der fromme Schwärmer Auf der Erde Altar nieder, Sel'ge Thränen tiefer Rührung Glänzen im verklärten Blicke, Himmlische Gefühle heben Ihn in Edens Thal hinüber. Aber schöner noch ist dieser Goldne Morgen mir entstiegen! Niemals floh' ein Sommerabend Mir so schön, so froh vorüber, Wenn ich lag auf Rosenblättern Und des Frühlings Sängern lauschte; An der Quelle, wo des Pfirsichs Zweige sich zur Laube wölbten, Und die roth- und weißen Blüthen Schöner mir im Wasser glänzten. Höh're Freude fühl' ich heute, Froher kränz' ich meine Locken Mit der Mirthe grünen Blättern An dem Tag, der Dich, o Edle , Rief zu Schmerzen und zu Freuden! Heil'gere Gefühle heben Mich empor zum Thron' der Gottheit, Wenn ich flehend für Dein Leben Mich ihm tief anbätend nahe. Laut, Geliebte! nenn' ich Deinen Namen vor dem ganzen Himmel, Wenn ich jene Edlen zähle, Deren Großmuth, deren Güte Mich dem Leben wieder gaben, Da ich schon am Grabe wankte, Und mit hoffnungslosem Blicke In die ferne Zukunft schaute, Wo die Meinen ganz verwaiset, Mich und ihr Geschick beweinten, Ohne Kenntniß, ohne Bildung Sich dem Jünglings-Alter nah'ten, Fern von Dir und all' den Edlen, Die mein Daseyn retten halfen, Will ich dieses Fest der Freude Feiern mit gerührter Seele! Lebe glücklich dort an jenen Stillen Ufern, wo die Ostsee Hochauffluthend an dem Walle Deiner stolzen Veste strömet; – In dem edlen frohen Kreise Der sich liebevoll vereinet, Dir den Abend Deines Lebens Mannigfaltig zu verschönen! Denke meiner, wenn des Mondes Silberstralen in Dein Zimmer Blaß und melancholisch schleichen, Sage Dir: jezt denkt Elise Mein, voll warmer Dankgefühle, Mein, voll Liebe und voll Sehnsucht; Ihre heißen Thränen schwimmen In des Mondes blassen Stralen, Darum blicket er so trübe In mein ödes stilles Zimmer! Fantasieen Meinen Freunden gewidmet. Oft glänzt am jungen Morgen Durch rosiges Gewölke Der Sonne goldnes Feuer, Doch eh' der Abend dämmert, Oft eh' der Mittag glühet, Umziehen schwarze Wolken Des Himmels reinen Azur, Und Regenströme fließen, Und laute Winde heulen, Und schwere Hagel fallen; Zerknickt liegt Halm und Blume, Entblättert hängt die Rose, Zerrissen Tulp' und Lilje; Des Landmanns frohe Hoffnung, Die Fluren, reich an Segen, Schlug mit des Sturmes Flügel Der schwere Hagel nieder; Der Bäume Blüthenzweige Steh'n mit zerrißnem Kranze, Verweht sind nun die Blüthen, Vernichtet ist die Hoffnung, Zu ärnten süße Früchte. – Seht da, geliebte Freunde, Das Bild von meinem Leben! In meinen Blüthentagen Träumt' ich oft frohe Träume; Die Freude nannt' ich Schwester, Die Unschuld war Gespielin; Und Fantasie, die holde, Half mir in frohen Stunden Oft goldne Schlösser bauen; Dann formt' ich idealisch Die lieblichsten Gestalten, Gab ihnen Geist und Leben, Schuf Herzen, jeder Güte Und jeder Tugend fähig. Ich kannte nur die Menschen Von ihrer schönsten Seite, Und traute leicht und willig Dem Mann mit offnen Blicken. In meinen süßen Träumen Schloß ich mit edlen Seelen Den Bund der ew'gen Treue. Ich malte meine Bilder Mit himmlisch-schönen Farben, Des Götterfunkens würdig, Der jeden Menschenbusen Durchglühet und erwärmet, Der diesen mehr, den minder Mit Allgewalt dahinreißt, Die Tugend anzubeten. Ich fühlte in dem Feuer, Das meine Brust durchglühte, Zu jedem Opfer Stärke, Zu jeder Tugend Willen. Jetzt kenn' ich, ach! vollkommner Die Welt und ihre Menschen; Mein Glaube an die Tugend, An Redlichkeit und Treue Liegt da vor meinen Blicken, Wie schauerliche Trümmer Von stolzen Fürsten-Sitzen! O damals hoben hohe Empfindungen den Busen, Wenn ich mit stolzer Freude Mich eine Teutsche nannte: Dann floh' die junge Seele Zurück in jene Zeiten, Wo reine teutsche Sitten Germanien beglückten. Mit tiefer Rührung weilte Ich froh an den Altären, Die unsre Väter weih'ten Den Manen großer Seelen. Dann malte hohe Röthe Die jugendlichen Wangen. Der Vorsatz, das zu werden, Was unsre Mütter waren, Erhob die junge Seele Zu himmlisch reiner Wonne! Jetzt zittert eine Thräne Im trüben ernsten Blicke, Wenn lachend die Fantome Aus jenen goldnen Tagen' Vor meiner Seele schweben. Die Bilder meines Geistes Zerflatterten im Nebel Der jungen Morgenröthe. In meiner Väter Tagen, Da galten nur die Kerne, Und Schalen blieben – Schalen! – O meine edlen Freunde! Da liegen alle Bilder Aus meinen Blüthen-Tagen, Zertrümmert und zerrissen! Die lachenden Gefilde, Die ich als frohes Mädchen Einst zu durchwandeln hoffte, Zerschlugen Sturm und Hagel; Aus meinen Rosenlauben Entwuchsen Dorn und Disteln; Wo ich mit froher Hoffnung Einst Blumenkränze flochte, Da sproßten ach! nur Nesseln. O! hätten sie mir Armen Die Hände nur verwundet! Sie brannten bis zum Herzen, Und brennen unaufhörlich! Verweht sind nun die Blüthen, Die Blüthen meines Geistes! Dies Auge, das mit Wonne In ferne Tage blickte, Weint jetzt betrogner Hoffnung, Getäuschter Freundschaft Thränen! Euch aber, meine Edlen! Die ihr allein noch pranget Auf jenen Morgen-Fluren, Euch weih' ich diese Thränen Der innigsten Empfindung, Des feuervollsten Dankes! Daß ich nicht ganz den Glauben An Menschenwerth und Tugend, An Freundes Treu und Güte, Verlohr aus meinem Herzen, Das dank' ich eurer Tugend ! Daß ich mit diesem Herzen, Mit diesem Hang zu stiller Und schwermuthsvoller Trauer, Noch nicht bin hingesunken In dunkle Orkus-Nächte, Daß ich noch bin, noch athme, Der Frühling mir noch lächelt, Der Freundschaft reine Wonnen Aus Eurem Blick mir stralen, Wenn ich an Euch mich schließe, Und, – spottend der Chimären Von frohen Jugend-Träumen, Von bunten Seifenblasen, – Mit heit'rer Stirne lächle, Das alles, meine Lieben, Verdank' ich Eurer Freundschaft! An meinen Freund, Herrn Kabinetsrath Jost Auf! scheuche, mein Lieber, mit muthigem Sinn Den Unmuth, die finsteren Grillen dahin; Sie rauben Dir Ruhe und Freude und Glück, Auf! scheuche sie fort in den Orkus zurück! Wer so, im Gefühle von geistiger Kraft, Die Räume berechnet und Welten erschafft, Die Schönheit der Griechen zu forschen versteht, O! der wird vom Hauche der Götter umweht. Ihm blühet die Schöpfung mit größerer Pracht Am rosigen Morgen, in mondheller Nacht: Weit höhere Schönheit auf blumiger Flur Enthüllet ihm gütig die Mutter Natur. Ihm kränzen die Musen den Becher mit Wein, Gereifet an Zypriens schattigem Hain; Ihm winket die Lust nach sokratischem Sinn, Sie reisset zu Plato's Altären ihn hin. Ihm hebt sich gefühlvoll die männliche Brust Am Busen des Freundes zu himmlischer Lust, Er dünkt, ohne Freundschaft, sich elend und arm, Und glühet für höhere Liebe so warm. Und träf' ihn auch wirklich der Edleren Loos, So lacht er der Neider, und handelt stets groß. Einst führt ihn sein Engel mit liebender Hand Durch Wonnegefilde in's bessere Land! An meine Lina Dein gedenk' ich, wenn am jungen Tage Rosenglanz die Silberwolken malt, Wenn bei Filomelens spätem Schlage Luna in mein ödes Zimmer stralt; Dein gedenk' ich, wenn der holde Frühling Mir zu neuen süßen Freuden winkt; Dein gedenk' ich, wenn mein Geist entfesselt Sich empor zum Thron' der Gottheit schwingt. Dein gedenk' ich, wenn, im Hochgefühle Einer schönen That, mein Busen glüht; Dein gedenk' ich, wenn im Weltgewühle Hie und da mir noch ein Blümchen blüht; Dein gedenk' ich, wenn in heil'ger Stille Holder Musen Nähe mich entzückt, Mich in hohen dichterischen Träumen Eine selbstgeschaffne Welt beglückt! Dein gedenk' ich, wenn die laute Freude Die Natur in ihre Arme nimmt; Dein gedenk' ich, wenn im Schmuck der Freude Der Olymp in blauen Fluthen schwimmt, Wenn im Schauer ernster Mitternächte Furcht und Zweifel wechselnd mich ergreift, Und der Engel mit gesenkter Fackel Die Fantome meines Geistes häuft. Dein gedenk' ich, wenn in dunklen Tagen Bange Schwermuth traurig mich beschleicht, Und Dein Name tönt in meine Klagen, Wenn durch Schmerz mein stilles Leiden steigt. O dann heben Liebe und Verlangen, Dich zu sehn, empor die bange Brust, Träumend liegst Du dann an meinem Herzen Im Entzücken lang' entbehrter Lust. Letzter Auftrag an meine Freunde Wenn ich dereinst den langen Schlummer schlafe, Dann pflanzt auf meines Hügels grüne Decke Nur keine Staude dunklen Rosmarins! Nie müssen klagende Zypressenzweige Sich über meiner stillen Gruft erheben, Nie müsse dort der Wehmuth banger Schmerz Durch laue Sommerabendlüfte wallen, Und Thränen auf die kalte Urne weinen. Kein banger Seufzer steig' um mich empor, Sich mischend in der duft'gen Linde Säuseln, Die über meinem öden Hügel grünt. O nimmer, nimmer müsse Schmerz um mich Euch, meine Lieben, eure Wangen bleichen, Und eine eurer Lebensstunden trüben. Verhüllt euch nicht in Krep und Trauerflor, Um die verlohrne Freundin zu betrauern. Wollt ihr einst meinen Manen Opfer weihen, Wenn ihr zu meinem stillen Hügel wallt: Dann müsse nur die Freudenthräne fließen; Sie rinne leis' und sanft von Eurer Wange Auf den gewölbten kleinen Hügel hin. Sie tränke mild die blassen Grabesrosen, Gepflanzt von eines edlen Freundes Hand. Wollt Ihr die Wünsche eurer Freundin ehren; So pflanzt Vergißmeinnicht auf meinen Hügel, Und windet sie zum kleinen blauen Kranz, – Der Treue Bild – um meine kalte Urne, Auch setzt auf des gewölbten Hügels Spitze Ein schwarzes Kreuz mit diesen Worten hin: »In diesem stillen Grabe fand Elise Der vielen Erdenwünsche höchstes Ziel!«