109. Abergläubisches oder falsche Wissenschaft. Blut von einem Hingerichteten getrunken hilft gegen Epilepsie und (Ovelg.) gegen Fieber. Man muß es womöglich frisch trinken und dann so lange laufen, als man kann (Wildeshsn.). – Im Jahre 1497 ist in Oldenburg eine Frau festgesetzt, weil sie einem Knecht zur Beseitigung des kalten Fiebers einen Zaubertrank: Krug Bier mit 3 des Nachts vom Galgen geschnittenen Spänen, gegeben hatte. (Jahrbuch f. die Geschichte Oldenburgs, 1906, 15. Band S. 59.) – Ein anderes Mittel gegen Epilepsie ist das Blut einer schwangeren Eselin; man versendet es in Leinewand eingetrocknet und zieht es nachher mit etwas Wein oder dgl. wieder heraus (Oldenbg.). – Oder man schießt eine trächtige Häsin, nimmt die ungeborenen Jungen heraus, verbrennt sie zu Pulver und gibt dies den Kranken ein (Stedgn.) – Oder man setzt einen lebendigen Igel oder Maulwurf in einem sonst leeren Topfe auf's Feuer, bis er verkohlt ist, und gibt dem Kranken die pulverisierte Kohle ein. – Fast scheint es, als ob man in diesen Mitteln das animalische Leben gesammelt einfangen und in den kranken Körper überleiten wollte.