Nachruf Gehaßt, weil du Konkursverwalter der Pleitefirma Deutsches Reich, liegst du zerschossen als ein kalter und toter Mann – und Deutschland ist das gleich. Es kostet nichts. In Blutkapiteln erlebten wirs – was kriegt solch Vieh? Den Auslandspaß – ›Nichts zu ermitteln‹: so kämpft der Geist der Monarchie. Gehaßt, weil du Zivilcourage den Herren vom Monokel zeigst – weil du schon Siebzehn die Blamage der Ludendörffer nicht verschweigst . . . Das kann der Deutsche nicht vertragen: daß einer ihm die Wahrheit sagt, daß einer ohne Leutnantskragen den Landsknechtgeist von dannen jagt. So fielst du. Hinter deiner Bahre gehn grinsend, die den Mord gewollt: in Uniform und im Talare der wildgewordne Teutobold. Und wie dein Blut die Steine netzte, da atmet auf das Militär. Es kondoliert, wer grad noch hetzte . . . Du warst der Erste nicht – bist nicht der Letzte. Prost Helfferich! Der kommt nicht mehr. · Theobald Tiger Die Weltbühne, 08.09.1921, Nr. 36, S. 245.