Bergeinsamkeit Die Ferne Zur Fernesucht geboren, Wird nie der Pilgram froh. Seine Heimat ging verloren, Er weiß nicht wo. Ihn rührt ein stummes Mahnen Von blauer Berge Wand. Darf er dahinter ahnen Sein Wunderland? Im Tale Bauden winken, Zum Dorfe traut gereiht. Er aber muß versinken In Einsamkeit. Er haust auf Bergesklippen In dumpfer Schwermut Bann, Umstarrt von Knieholz-Rippen Und wüstem Tann. Verworren träumt im Grunde Des Mühlenrads Gesumm. Er lauscht mit zuckendem Munde, Sein Lied bleibt stumm. Er schmachtet, wie im Staube Ein welkes Blumenhaupt. Doch ward sein frommer Glaube Ihm nicht geraubt. O Pilgram, du mußt lernen In Demut abseits stahn, Du darfst den blauen Fernen Nie täppisch nahn. Wenn ungestüme Minne Dich riß zum Götterweib, Umarmten deine Sinne Nur Menschenleib. So bleib dem Wunderlande In keuscher Andacht hold. Dann spülst du aus dem Sande Das ewige Gold. Es sammelt alle Zähren Die treue Ewigkeit. Sie sollen sich verklären Zum Krongeschmeid. O sieh, ein Fenster glühet Im roten Abendglast! Das Baudenhaus erblühet Zum Goldpalast. Die Felsenschatten dehnen Sich weit ins Talgefild. So wird wohl manches Sehnen Noch spät gestillt. Erst wenn im großen Dunkel Versank die wirre Welt, Erblüht das Trostgefunkel Am Sternenzelt. Und birgt sich in der Erden Ratlos dein Angesicht, Tief innen soll es werden Auf einmal Licht. Wandrers Abendburg Die Sonne neigt sich abe Zum blauen Hügelgrabe. So leb denn wohl, du rotes Liebesfeuer! Ich stehe ganz allein Auf ödem Berggestein. Wohl heime möcht ich gahn Und weiß doch nicht, wo Herberg han ... Schon dräun die Wolken schwarz wie Ungeheuer. Da mahnt die Sonn im Sinken: Sieh dort die Zinnen winken! Den irren Wandrer laden sie, zu hausen. Des Burgherrn Trostlicht wacht Getreu die ganze Nacht. Entzünde dran dein Herze Als eine fromme Klausenkerze! Ums Fenstergitter laß Unholde sausen! Wolke Vom Riesenfelsen, Wolke, niederzieh! Schlag dein Gewand Um mich her und flieh! Zu rauhen Höhen Trage mich empor, Wohin des Menschen Wort sich nie verlor. Wie scheut die wunde Seele diesen Laut! Wie rollt mein Auge, Wenn es Menschen schaut! Doch Fels und Wolke Sind mein stummer Trost; Erhabne Lieder Hör ich sturmumtost. Beruhigt lieg ich, Wo der Gießbach rauscht; Ein Seelenkranker So dem Freunde lauscht. Von grüner Matte Zeigt das goldne Licht Des fernen Landes Lächelnd Angesicht. Der Sagenstein Aus Bergen schleicht der Abendhauch, ein Raunen Im wüsten Hain. Das Tannenvolk umringt mit scheuem Staunen Den Sagenstein. Hier stund ein Schloß; sein Glitzern machte trunken Wie Abendstrahl. Verwunschen wards. Und wo die Pracht versunken, Bezeugt dies Mal. Verdüstert hockt der Stein/ wie seinen Sorgen Ein Bettler grollt. Verkappter Fürst! Im Grunde dir geborgen Ruht Perl und Gold. Kein Gräber drang noch durch die Felsenrinde Zum güldnen Schacht. Ein Glimmen winkt nur dem Johanniskinde In Zaubernacht. Sein Träumeraug erschaut in Höhlenwildnis Den Perlenschrein, Auch marmorweiß ein Königinnen-Bildnis Im Dom von Stein./ Ich kenne sie, die heilgen Heimlichkeiten Der Innenschau. Verwunschen sank auch mir ins Grab der Zeiten Mein Königsbau. Doch was dereinst an Seligkeit erblühte, Ist nimmer tot; Es bleibt mein Schatz, versunken im Gemüte, Der magisch loht. Ich selber bin das Schloß mit güldner Tiefe, Der Sagenstein. Und ob ich ganz der Oberwelt entschliefe, Der Traum ist mein. Die Königin ward diesen heißen Sinnen Hinweggebannt. Verklärt zum Engel weiht sie nun mein Minnen Dem Geisterland. Als Dom von Tropfgestein soll mich umflechten Die Innenwelt. Braut meiner Jugend, throne mir zur Rechten Im Höhlenzelt! Die Sonne kommt Willkommen, Ritter Morgen! Vor deinem güldnen Haupt Entfliehn die Wölfe Sorgen, Die mir den Schlaf geraubt. Der Fels vor meiner Klause Starrt feierlich mich an. Die Wipfel mit Gebrause Wiegt unter mir der Tann. Steingraue Wolkenwogen Verhüllen noch das Tal. Darob der Himmelsbogen Matt leuchtender Opal. Und aus dem Dunstmeer ragen Die Riesenberge steil. Ihr Stirnenglanz will sagen: Ganz oben thront das Heil! Nun blüht von Purpursonne Das Nebelmeer wie Klee; Und auch mein Gram ward Wonne, Weil ich darüber steh. Als Lerche schwebt mein Schauen Hoch ob dem Erdennest Durch selig freie Auen ... O Himmel, halt mich fest! Aufstieg Über Felsen, windumflattert, Klimm ich hoch hinan zum Freien. Droben will ich mich entladen Dieser Qual, im Sturme baden, Neugeboren meine Seele weihen. Berg, vor deinem Riesenantlitz Kann ja Kleinmut nicht bestehen. Sturm, im Brausen deiner Kraft, Die den Forst zusammenrafft, Muß mein Seufzer wie ein Staub verwehen. Innere Heimat Droben kreist ein Königsaar. Auf zu ihm ins Blau der Lüfte, Über Tann und Höhlengrüfte! Himmlische Ferne Lockt und lächelt mir wolkenlos klar. Bist du droben, Heimatland? Sturm und Woge rauscht hienieden, Und ein Pilgram seufzt um Frieden, Weil er die Heimat Immer nur ahnt und nirgends fand. Nur im Traume wird sie mein. Bette, Fels, dies müde Haupt, Das enttäuscht noch immer glaubt. Kehre nun, Seele, Zu den Gefilden tief innen ein! Werde Hauch und Melodie! Wie des Mondes Duft auf Auen Laß dein Schmachten niedertauen! Bräutliche Blumen Wecken im Kusse des Schauens Magie. Schau in alle Kreatur! Lausche! Und mit frommen Tönen Rühre dich das Allversöhnen! Suchender Jünger, Folge des Lichtes heiliger Spur/ Bis das Heiligtum enthüllt, Wo aus Zährenflut sich Wonnen Läutern und aus Sündern Sonnen. Wölbungen blauen; Liebende Sehnsucht wird endlos erfüllt. Droben kreist ein Königsaar Über Tann und Höhlengrüfte ... Und es lächeln mild die Lüfte: »Träumender Pilgram, Dein ist die Heimat! Du träumest wahr!«