Filip Zesens dichterische Jugend-Flammen/ in etlichen Lob-Lust- und Liebes-Liedern zu lichte gebracht Der Himmels-flammende Flämming in seinen dichterischen Wäldern am 174 blate. Der Sinnen seind so viel/ als farben mögen sein. ein jeder liebet das/ was er ihm bildet ein. Meinen Herren/ Herrn Eberhard Möllern/ des hohen Stifts zu Hamburg Duhm-Herrn und ältesten daselbst: wie auch Herrn Johansen Jakob Morianen/ uam. Nim/ Edles Paar/ nim hin die Flammen meiner Jugend/ das blitzlen meiner blüht/ den sporen hoher tugend/ der mich trieb Himmel-an/ und riß den muntern Muht aus staub und asche fort nach jener klaren gluht selbst aus und über uns. Frau Fräue spielt hierinnen/ die feine Vene die/ die stärkste der Göttinnen/ der frohen fräuerei und liebe stifterin/ die Rohm von uns geraubt. Die Vene/ die den sinn natürlich rege macht/ wil so ihr ziel erreichen. Drauf sol die Geistliche durch-hin ein kreutze streichen und tämmen die natur. Wann dieses wird geschehn/ wird Vene selbsten sich durch sich gekreutzigt sehn. So steigt durch staffeln auf ein Geist/ der feuer fühlet/ und trift das augen-märk/ darnach er klüglich zielet/ zur wahren Himmels-burg. So steig' ich auch gemach nach meinem zwekke zu/ ans klahre sternen-dach. So schlägt in heisser brunst die keusche liebes-flamme gespitzigt über sich/ als jener gluhten Amme; und wil von Eurer gunst indes sein angeblikt/ bis sie inkünftig mehr/ ja himmels-strahlen schikt/ die über-weltlich seind. Herr Möller/ dem zu ehren/ zu preiß und rühm sich lässt so mancher Dichter hören/ weil ihre süße kunst Er unvergleichlich liebt/ und aller Wissenschaft so milde günste giebt; geruhet doch auch hier ein wenig gunst zu schenken und ein geneugtes aug' auf diese Gluht zu lenken/ die dan viel glühender wird flammen/ als sie pflägt/ wan sich durch eure gunst ihr himmels-blitz bewägt. Herr Morian/ der sich mit spiel- und singe-künsten bei seiner muß' ergetzt/ und hält in milden günsten der hohen Geister witz/ der wolle dieser Gluht durch süßes seiten-spiel auch geben seel und muht/ wie er dan löblich pflegt. Dis sol mir sein ein zeuchen der höchsten Freundesgunst. und dafür wil ich reichen so manchen träuen dank/ so manches süße lied/ so manches zukker-wort/ das hin zur Nach-welt zieht/ und ewig bleiben sol mit ihrem hohen ruhme; so lang in keuscher schahm die rohte rosen-bluhme im liljen-bette glüht; so lang ein Sommer gläntzt; so lang es herbsten wird; so lang es wintert/ lentzt: ja so lange ich lebe meiner Herren dienstwilligster Filip von Zesen. Widmung [1] Ihrem einigen/ geliebten Herrn Bruder Filip von Zesen/ uam. Hoch-edler/ Gestrenger/ Vielgeehrter Herr Bruder/ die liebseelige Adelinde begehret von ihm nebenst gnädiger begrüßung zu wissen/ ob sie nicht einer sang-weise zu meinem liedlein: Blitzet ihr Himmel/ usf. von dem Herrn Bruder habhaftig werden könte. Auch wündschet das gühtige Fräulein/ die Hoch-wohl-gebohrne Schäferin Schatz-währt/ daß doch endlich einmahl seine liederlein möchten getrükt werden/ deren etliche Sie neulich von der übermenschlich-schönen Roselinde bekommen; ja es wündschen es alle hiesige Schäferinnen/ die von Hochdeutschem Bluhte entsprossen/ und alle/ die so nur ein wenig der hochdeutschen sprache fähig seind. Ich mus auch in wahrheit bekennen/ daß er in seinen letzten gantz entzükkend/ und viel süßer/ sin-reicher ist/ als in den ersten. Drüm were es schade/ daß solche liebe lieder der motten speise werden solten/ oder ungesungen verwesen. Viel/ derer gedanken zu schwach und noch an der erde kleben/ können sie dannenher auch nicht so bald begreiffen. Doch was schadets; und sie werdens wohl lernen. Inmittels tragen sie gefallen daran. Die sang-weise so M( alachias) Sibenhaar gesetzet/ gefället uns überaus wohl; ich möchte von ihm noch wohl mehr sehen. Für allen aber gehet das tantz-lied/ so Johann Langen gesetzet/seiner künstlichen ahrt wegen/ weit für. Im fall mein Bruder noch mehr sang-wei sen im vorrahte hat/ so über- schikke er sie mit diesem bohten/ damit wier üm so viel besser unsere zeit verkürtzen können. – – – – – – – – – Inmittels lebe er wohl; und ich bleibe/ so lange ich lebe des H (errn) Brudern träu-beständige Schwester Brüssel den 4 Meiens des 1649 jahres. Adelmund. 1. Das erste Lied/ auf den sin- und wahl-spruch der Durchleuchtigen und Hochgebohrnen Fürstin/ und Fräulein/ Fräulein Julianen/ Fürstin zu Anhalt/ Gräfin von Askanien/ Fräulein zu Zerbst und Bernburg. uam Sçience sans consçience est vanité. Wissenschaft ohne gewissen ist eitel. gesetzet durch Johan Langen. 1. Ia freilich wird zu nichts das prangen hoher sinnen/ Und alle Wissenschaft/ die kein gewissen hägt; Lebt gleich ein mensch alhier auf höchster klugheit zinnen/ Ists doch nur eitle frucht der tohrheit/ die er trägt. Acht man schon für der welt als-göttlich seine kunst/ Neugt sie sich doch/ und bleibt für Gotte lauter dunst. 2. O mensch/ was trotzest du auf dein so eitles wissen/ da deiner werke bild dier niemahls ist bewust! was bistdu nuhr auf kunst/ auf solche kunst/ beflissen/ da du sonst deiner selbst erkäntnüs missen must. Viel kennen/ und sich selbst nicht kennen/ ist nur dunst; viel wissen und sich selbst nicht wissen/ ist ümsunst. 3. Doch wan ich etwas sol von eitlen dingen haben/ so wil ich wissenschaft/ die alles niedertrükt/ die mier erst redlich zeugt den preis der ädlen gaben/ und macht/ daß für mier selbst der hochmuht geht gebükt. Wer wissenschaft nicht acht/ der stirbet wie ein vieh. wer wissenschaft und kunst erlangt/ der stirbet nie. An eben-selbige J.F. Gn. als er Sie bei schlüßung eines briefes Ihres gebuhrts-tages erinnerte. Juliane/ Zier der Jugend/ schönstes Bild der schönen tugend/ kluge Fürstin/ nim doch hin/ was zu deinen Nahmens-ehren meine zunge lässet hören/ was ersinnen kan mein sinn. Frohe tag' und freuden-stunden/ die ein mensch hat je entfunden/ sollen stehn üm dein Geschlecht! Gott und glük sei Dier geneuget/ und Du dem/ der sich erzeuget als dein stets-ergebner knecht. Der Veränderung zwo wider-sinnige töchter. Zwo seind zu viel/ die du uns hast gebohren/ Veränderung. Verlohren/ verlohren geht die Freude/ wann das leiden/ das bastärt/ sie macht scheiden. Ein kind ist guht: das andre stürmt/ und tämmt den muht. Bringt uns ein mahnd der Mannen und der Märsen die frühe lilj' aus Persen; so folgen nach die bunten oster-wochen/ und kommen aus-gebrochen in froher tracht mit vielgefärbter tulpen-tracht. Drauf brechen an des Rosen-mahndes lüste/ die zier der frohen brüste/ in keuscher schaam mit milch' und bluht besprühet: dan milcht die ros' und blühet; dan bluhten sie die lieblichen/ die schönen Rosen die. Sie tauren noch am längsten unter allen/ und wan sie ja verfallen; dan fallen auch darnieder alle freuden/ ach weh! verkehrt in leiden. dan stirbt zur stund die gantze lust mit Rosemund. Das zweite Lied An die lieb-und freund-seelige/ schöne Adelmund/die liebliche Liebes-reitzende Liebes-meisterin. gesetzet durch Malachias Siebenhaaren. 1. Wie ist es? hat liebe mein leben besessen? wie? oder befindt sie sich leiblich in mier/ o liebliches Leben. Wem sol ichs zumessen/ daß meine gebeine so zittern für Ihr. Ich gehe verirret/ verwürret und trübe/ und stehe vertüffet in lieblicher liebe. 2. Die ächzenden lüfte/ die seufzenden winde/ die lächzende zunge/ der augen gewürr'/ das böben der glieder macht/ daß ich verschwinde/ daß ich mich in meinen gedanken verirr'. Ach! Schöne/ Sie schone der schwächlichen Seelen/ wan Sie das gebrächliche hertze wil kwelen. 3. Ihr übliches lieblen/ o liebliches leben/ der lieblenden äugelein frölicher plitz/ macht/ daß ich verzükket herümher mus schweben/ ja/ daß ich verlüre gedanken und witz. Das liebliche singen der zitternden zungen hat mier das hertze durchdrungen/ bezwungen. 4. Sie lieb' ich/ Sie lob' ich/ Ihr leb' ich zu liebe/ Sie ehr' ich/ Sie hör' ich/ Ihr kehr ich mich zu: Sie machet es/ daß ich im lieben mich übe/ daß ich verschertze die hertzliche ruh. Sie schreib' ich/ mich treib' ich/ Ihr bleib' ich ergeben; Sie denk' ich/ mich kränk' ich/ Ihr schenk' ich mein leben. Das dritte Lied An seinen träu-beständigen Freund/ Den Deutsch-hertzigen/ als Er von Ihm abschied nahm. gesetzet durch Malachias Siebenhaaren. 1. Wan ich bestürtzt und traurig bin/ so ists üm dich/ o Liebster meiner Lieben/ weil du den deutsch-gesinnten sinn/ o deutsches Hertze/ wilst betrüben, Ich fühle mich gerührt: die hälfte meines hertzens hastdu mier schohn entführt/ du brun-kwel meines schmertzens. 2. Die liebe/ die von Frauen rührt/ entzündt sich bald/ und hitzt wie feuer-flammen; doch wird sie nicht so hoch geführt/ und hat die augen nuhr zu Ammen: die aber/ die aus träu/ aus freundschaft/ zwischen freunden entspringt/ ist alzeit neu/ und steht bei freund und feinden. 3. Die letzte treibet mich und dich uns hold zu sein/ du Auszug meiner sinnen; und diese macht es/ daß ich mich/ indem du ziehst so weit von hinnen/ für wehmuht kwehlen mus: die zunge kwillt im munde und schweigt den letzten grus in deiner abschieds-stunde 4. Dein lob wil ich mit Demant-stein aufs lichte glas der ewigkeiten schreiben/ und deinen unverfälschten schein zu jenen Helden einverleiben; da wird die Leicht-ahrt dich/ die falsche/ sehn mit schmertzen/ und Roselinde sich erfreun von gantzem hertzen. 5. Vergis der falschen immerhin/ und mache dich zur träuen Roselinde: es folgt dier nach mein hertz und sinn/ und wündscht dier alle guhte winde. Gedenke meiner dan wan du sie lässt erwarmen/ die dich so liebgewan/ in deinen träuen armen. 6. Wohl! weil es ja getrennt mus sein/ und ich alhier noch diesen winter leben/ so wil ich manchen kühlen wein dem halb-beraubten hertzen geben/ damit dasselbe teil/ das du ihm hast entzükket/ auch sei gesund und heil/ und du mit ihm beglükket. Spruchlied auf den Wahl-spruch/ Last häget Lust Dornen-büsche tragen rosen/ stachel-stauden süße frucht; rauhes wetter bringt zeitlosen; sanfte ruhe folgt der flucht. Acheln hägen gersten-körner; disteln seind auch selbst geziert; ebne stille folgt auf hörner/ so die See vom sturme führt. Regen häget sonnen-blikke/ wie dein Himmel ist bewust. So rufft auch mein glük zurükke: Diese last hägt jene lust. Rosen-währt/ der Färtige. Antwort auf foriges verkehrungs-weise gesetzet. Lust häget last Rosen stehen zwischen stacheln/ süße beeren zwischen acheln; auf die freude folgt das leid/ mit der zeit. Die gebuhrt schleppt nach das sterben/ ja der anfang das verderben: stille fluht hägt sturm der See/ wohl das weh. Ankunft häget schohn das scheiden/ und auf freude folgt das leiden. das belebte roht verblasst. Lust hägt last. Dornendulde/ die Langsame. Das vierde Lied An die hold-leut- und weltselige Perle von Osten/ auf ihre/ und aus ihres Für- und taufnahmens buchstaben entsprüßende/ worte; daß es für ein Frauen-zimmer kein raht gütich reden. gesetzt durch Johan Langen. 1. Endert die sinnen/ welche besinnen/ Daß es kein raht sei/ gütig zu reden; Endert die sinnen/ dieses beginnen/ Redet doch gütig/ tröstet die blöden. 2. Ich wil die liechte Perle von Osten Tugendreich preisen/ welche so blinkert/ über der andern köstliche kosten; Gütig im reden eben so flinkert. 3. Tugend ists freilich gütig im reden/ Haben im munde Perlen von Osten/ Allezeit kräfte geben den blöden/ Reden/ so niemahls können verrosten. 4. Nimmermehr rosten Perlen von Osten/ Iederzeit leuchten gütige blikke/ Ewig/ ja ewig werden sie kosten Keine verwesung/ bauen ihr glükke. Das fünfte Lied an die übermenschliche schöne Himmelshulde/ als Er Sie auf der Lauten spielen hörete. gesetzt durch Malachias Siebenhaaren. 1. Schöne/ wie mag dieses kommen/ daß mich ihrer Lauten-klang/ die Sie kaum zur hand genommen/ macht so balde liebe-krank/ daß die sinnen schwächer werden/ und sich neugen hin zur erden/ daß mich ihrer augen blik ziehet aus mier selbst zurük. 2. Mit den fingern mag sie spielen/ aber mit den augen nicht; dan die kraft macht schmertzen fühlen/ die aus ihren blikken bricht; ja/ was mehr ist/ ihre zunge reget mier auch hertz und lunge/ wan sie so beengelt singt/ und mich fast zum sterben bringt. 3. Ja nuhn kan ich leichtlich gläuben/ daß Orfeus durch seinen klang/ wie die weisen Dichter schreiben/ das vertutzte wild bezwang/ weil itzund Ihr süßes spielen die vernunft mus selbsten fühlen/ und/ o Engel-mänschen-bild/ nichts für ihren strahlen gilt. 4. Ihre laute/ die sie führet/ ist mit bändern schön bestrükt/ die aus lieb' und gunst gerühret/ könt' ich auch so sein beglükt/ daß ein lied aus gunst geschrieben/ meine Schöne möchte lieben/ und derselbe/ der es schreibt/ Ihrer gunst sei einverleibt. 5. Sie ist ja zur gunst gebohren denen/ die Ihr günstig seind/ und zum lieben auserkohren/ drüm werd' ich ja nicht/ als feind/ so unglüklich bleiben müssen; bin ich doch auf nichts beflissen als auf ihren hohen preis/ der von keinem weichen weis. Spruch. Wan liebe bei liebe ist/ dan weis liebe nicht was liebe ist: wan aber liebe von liebe ist/ dan weis erst liebe/ was liebe gewesen ist. Spruch-reime. So lange liebe nur der liebe stehet bei/ weis liebe selbsten nicht/ was recht die liebe sei: wan aber liebe sich von lieb' entfernt und trennet/ dann weis erst liebe recht/ was liebe ward genennet. Auf des Träffenden Nahmen/ Wahl-spruch und sin-bild. in sein stam-buch. Wer in der deutschen zung' auch so begierlich zielet/ wie hier dis blinde kind/ der Liebe tochter/ tuht/ das sonder augen zwar/ doch ohne muht/ nicht spielet/ und trift das augen-märk/ das ihm gab muht und gluht: der mag der Träffende mit fug und rechte heissen/ weil er vernunft vielmehr/ als bloßen augen traut; mehr überdenkt/ als sieht/ nicht was der brauch in Meissen/ und sonst verfälscht gebeut/ doch/ was vernunft wil/ schaut. der Färtige. Das sechste Lied als die Götliche/ Himmels-flammende Rosemund/Die Schönheit der welt/ Die Zierde des Erdkräuses/und Der fast einig-würdige Ruhm der himmlischen Dicht-meister/ Ihren Gebuhrts-tag/ den ersten des Meiens/ hoch-feierlich beging. gesetzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Wie mag das Rosen-kind verzühen? Gegen-stimme: Es wird blühen. Wan sol es dan die blüht' erreichen? G. zeit mus weichen. So würd die zeit uns noch erfreuen? G. gantz verneuen. 2. Da kömmt der ältern wundsch und freude/ G. augen-weide. Der schönsten bluhmen Königinne/ G. Halb-göttinne. Ein kind das schöner nie erkohren/ G. noch gebohren. 3. O schönes Fräulein sei wilkommen/ G. allen Frommen. O Florentine Dorotee/ G. halt und stehe/ entfange doch das lust-getöhne/ G. o du Schöne. 4. Sih' an der Sonnen freuden-blikke/ G. liebes-strükke. Sih' an die bluhmen/ wie sie winken; G. lieblich blinken. Die noch der perlen-tau befeuchtet/ G. strahlt und leuchtet. 5. Es wündscht Dier alles langes leben. G. Glük darneben. Ei lebe! lebe! grühn' und blühe! G. ohne mühe: auf daß dein Bluht mit ehren prange. G. Lebe lange! Das siebende Lied an die träulich-gesinnte schöne Ludwiche/ als Er von Ihr seinen abschied nehmen muste. gesetzet durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Ludwiche/ weine nicht/ mein trautes bild/ schweig stille/ halt inne! dan dein wille ist ja der meine nicht/ und kan es auch nicht sein; dan Rosemund ist mein/ die nuhn zehn mahnde lang sich ohne mich befunden im reichen Niederland'/ am blanken Amstelflus/ bei Der ich wiederüm die freud' erneuren mus in mehr als tausend stunden. 2. O Schöne/ denke nicht/ daß ich zu euren sitten von meinen ab-geschritten. Nein/ nein/ ein Deutsches hertz ist nie so leichte nicht; wer pflicht und träue bricht/ ist euren Dienern zwar/ doch Deutschen nicht zu gleichen. Du sprichst selbst wider dich/ wan du die Deutschen preis'st/ und ihre fäste träu so sonnen-klahr erweis'st/ (ja willig bist zu weichen.) 3. Du lobest das/ was du von mier begehrst zu brechen/ die Deutsche träu zu schwächen. Ich ehre dich/ weil du so tugend-eifrig bist/ und was es sonsten ist/ o tugendhaftes Bild/ warüm ich dich kan loben; sonst hätt' ich nicht einmahl die feder angesetzt/ und mich mit wechselschrift so oft mit dier ergetzt/ ja dich so hoch erhoben. 4. Nuhn weil ich mus von Dier den bittern abschied nehmen/ so wirstdu dich bekwehmen/ und dich nicht also gar in trübnüs laßen ein; ei laß das weinen sein! Die alte Deutsche träu sol unverrükt bestehen. Dich küss' ich noch zuletzt nach deines landes brauch/ und bleibe Dier geneugt/ so lang' ein wind und hauch aus meinem munde gehen. An die tugend-eifrige Engelmund auf die weise: Träu im lieben/ uam. 1. Engelmunde/ weil die stunde mier gönnet ihr gesicht; so mus ich preisen mit engel-süßen weisen ihr tugend-licht. Dan balde mus ich scheiden. Ach! was für kurtze freuden hab' ich bei Ihr! mein sonnenlicht verbleichet. Engelmunden/ Engelmunden/ Engelmunden strahl entweichet. 2. Engelmunde hat die stunde durch ihren engel-mund/ den man betauet mit engel-tranke schauet bis auf den grund/ verzukkert und versüßet. Ihr süßes sprechen flüßet wie honigsäum. Nuhn wil sie weichen. Engelmunden/ Engelmunden/ Engelmunden blikke bleichen. 3. Engelmunde sucht die kunde/ die ihr nuhr rühmlich ist. Hochweise sinnen befördern ihr beginnen zu aller frist. Ihr keusches hertze liebet den jenen/ der sich giebet der tugend selbst. Nuhn mus ich scheiden. Engelmunden/ Engelmunden/ Engelmunden mus ich meiden. Das achte Lied Auf die der überirdischen Rosemund liebes-reitzende augen gesetzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Halt/ liebe Rosemund/ die Liebes-reizerinnen/ die lieben augen weg/ sonst schmachten meine sinnen für ihrer liebes-gluht/ die Liebreitz angezündt/ und die Liebinne nährt/ Du Blitz- und sternen-kind. 2. Ei lieber! wan es dir belieblich ist/ mein Leben/ so halt mit lieblen ein; ich bin dir ja ergeben/ ich bin ja dich allein zu lieben auserkohrn; wie du zu lieben nuhr so lieblich bist gebohrn. 3. Laß aber den nicht nach zu lieben/ der dich liebet/ der sich aus liebe dier/ o Liebste/ gantz ergiebet/ und laß mich/ trautes Lieb/ dein liebster Liebling sein: dan dich erhöb' ich/ lieb' ich/ lob' ich nuhr allein. An die Wohlädel-gebohrne Schatz-währt 1. Sol ich solche hohe tugend/ die uns reisset aus uns hin/ Schatz-währt/ solchen weisen sin/ solche zier der zarten jugend/ den sie bliklich kan erweisen/ mit geschränkten liedern preisen? 2. Gerne wolt' ich solches zahlen/ was die schöne Ledar heisst; aber ihrer tugend strahlen tränken meinen ganzen geist/ daß ich mich nicht kan besinnen ein so hohes zu beginnen. 3. Doch ich kan so viel noch denken/ daß ihr Liebster ihr ist hold/ weil sie ihm das hertz kan lenken/ und sie höher hält als gold/ als ein reiches kaufmans-schif/ das der wind im Ost anpfiff. 4. Warlich er ist hochbeglükket/ daß ihn solch ein wunder-bild/ solche schönheit/ helt bestrükket/ die noch mehr als perlen gilt. O wie wohl ist der daran/ der so glüklich leben kan! Als er von einem hochadelilichen Frauenzimmer/ der lustigen/ Schatz-währt/ scheiden muste. auf fürhergehende stimme. 1. Ach weh! wie ist mein hertz mit angst und schmertz ümgeben; Nichts ist/ das trösten kan mein als-entseeltes leben; Nichts ist das laben mag mich armen in der pein/ An der ich itzund mus so fest verhaftet sein. 2. Mein abschied ist einmahl/ ja mehrmahl/ ausgesprochen/ Auf Deutschland steht mein sin/ da ich in wenig wochen Rund üm den Elben-strohm von Holland singen will. Gott gebe/ daß der wind mier werde from und stil. 3. Richt auf dein klares häubt/ Du Königin der sterne/ Erleuchte mich und die/ die mir seind hold von ferne. Träu bleib' ich bis zum tod'/ und wündsch' euch tag und nacht/ Auf see und land/ daß euch der himmel nehm' in acht. Das neunde Lied An seinen stand-fästen/ geträuen Felsensohn/ Herrn zur Ehrenburg/ uam. als er von ihm abschied nahm. gesetzt durch Heinrich Alberten. 1. Felsen-sohn/ mein andres Ich/ sei geruhig meinen brüdern zuzuhören williglich/ die mich mit so lieben liedern heute grüßen/ da ich mag feiren meinen nahmens-tag. 2. Heute/ da des himmels zier sich zu kleiden war geflissen/ schrieb mein Deutschmuht her zu mier/ ja mein Bornman fügt zu wissen/ wie er diese gantze nacht/ und noch itzund lieder macht. 3. Eines schikt mier jener zu/ dieser kömmt auch an zu paaren; wo doch aber bleibestdu? hält dich etwan bei den haaren Deine/ die dich von mir trennt/ und sich deine Fürstin nennt. 4. Adelmund ist auch schon hier; ja ihr Bruder wird bald kommen: schau'/ es fehlet nur an dier; du hast mir die lust benommen/ darüm daß du dich entzühst/ und der freunde lust nicht siehst. 5. Aber du hast andre lust/ die dier tag und nacht wird bleiben/ wie dir selbsten ist bewust/ und mier zeugt des Liebholds schreiben; Liebhold schreibt es kurtz und rund/ wol! so bleibt mier Rosemund. 6. Ich erfreue mich mit Dier/ und weil wier uns brüder nennen/ so wird deine Liebste mier/ hoff' ich/ gäntzlich auch vergönnen/ daß ich selbe diesen tag meine schwester nennen mag. 7. Dan ich trink' ihr wol-ergehn bei der Amstel in dem reihen. Lachmund läßt es auch nicht stehn/ mus sich selbsten mit mir freuen; Brunschweig schikt uns ädles bier/ Zerbst ist selbsten auch alhier. 8. Rosemund mein einigs Al/ meine Fromme/ meine Schöne/ mein Erhöben und mein Fal/ macht mier itzt ein solch getöhne/ ja/ sie wird mier mund und hand gäben als ein Liebes-pfand. 9. Itzt geh' ich zu letzt mit ihr bei den blanken Amstelinnen/ unter ihrer linden zier; dan/ o schmertz! ich mus von hinnen/ ja von hinnen mus ich ziehn/ und mein eignes glükke fliehn. 10. Ein verhängnüs träkt mich fort/ o dem ungemenschten Thiere! daß ich diesen ädlen ort/ ach! o schmertz! o leid! verlüre: aber was! es mus so sein/ mein gemüht zwingt helfenbein. 11. Weich- und weiblich-sein geziemt einer Jungfer und den weibern; aber der sich mänlich rühmt/ mus nicht kleben an den leibern/ die nach ehr und ruhm nicht gehn/ und im schwachen folke stehn. 12. Sol ich dan so für und für bei der Allerliebsten liegen/ und nicht kommen für die tühr/ ja mich gleichsam knechtisch bügen? ach! das wil mir gar nicht ein; ich kan nicht gut weibisch sein. 13. Bin ich gleich nicht/ was ich bin/ sol ich gleich die gunst verlüren/ doch behalt' ich meinen sin/ laße mich kein schmeucheln rühren schönheit hält mich gantz nicht auf/ tugend geht doch ihren lauf. 14. Ehre bleibt mier/ oder nichts; reisen mus ich/ oder sterben: doch die kraft des nachgerüchts läßt ohn dis mich nicht verderben. Meine starke Tichterei macht mich für dem tode frei. 15. Tod/ was unterstehstdu dich/ wilstdu unsre Ros' entröhten? wilstdu/ Neid/ vergiften mich? Nein. ihr könnt uns nimmer tödten: wisst ihr nicht/ daß unsre zier grühnt und blühet für und für. 16. Diese Helden gehn herfür/ führen nichts als Ehren-zeichen: dinte/ feder und papier werden eurer macht nicht weichen: dan ihr himlisches gemüht schreibet kein vergänglichs lied. 17. Dis/ mein ädler Felsen-sohn/ haben wir zum hohen lohne; dis tuht unser klahrer tohn/ daß wir stehn für Föbus trohne/ sehn bekräntzt den stäten Mei/ wissen nicht/ was sterben sei. 18. Dis macht mich der freuden fol/ dis erräget mein gemühte; das ich singe/ wie ich sol/ wan mein innerlichs geblühte sich erhitzt mit himmels-kraft/ daß es nichts/ was stärblich/ schafft. 19. Letzlich/ weil ich ja mus ziehn/ und den willen nicht kan zäumen; ei so sol und wil ich ihn selbst befördern ohne säumen. Drüm befehl ich dich dem Herrn/ und mich Dier/ o Freunde-kern. 20. Kern der Freunde/ die mier seind jemahls auf der welt verpflichtet/ der es alzeit treulich meint/ der mich schwachen aufgerichtet; Dier befehl ich auch zuletzt/ was ich bei Dier eingesetzt. 21. Meinen Schatz befehl ich Dier/ der mier ehmals hat gegeben meinen besten schmuk und zier/ ja ein unvergänglichs leben/ daß ich nun im klugen sin himlisch und nicht irdisch bin. Reim-spruch. Ein Weiser were ja wohl weise/ wan er wüste/ daß er herrscht' über sich und über seine lüste. Das zehnde Lied An die mit allen tugenden mildiglich begabte/ und mit allen schönheiten folkömlich-gezierte Adelinde/als er ihrer lieben hand in der ersten ansprache ein küslein abgestohlen. gesetzt durch Peter Meiern. 1. Wer giebt/ o mund/ dier diesen muht/ daß du durch blasses lippen-bluht beschmutzst den heilgen schnee der hände/ der durch der heissen seuftzer pflicht wohl schmältzen solte/ wan er nicht wer' unentfündlich sonder ende. 2. Vergib mier/ schöne hand/ den kus/ den ich gezwungen geben mus/ vergib es mier/ o Adelinde; die schuld ist deiner glieder zier/ die fordern diesen kus von mier/ verfolgt durch tausend hertzens-winde. 3. Du liebe hand/ sei tausendmahl und mehr beglükt/ ja ohne zahl durch mein geträues hertz beküsset; nim an der müden seele geist/ der Dier auf kniehen dienste leist/ und deine Göttin götlich grüsset. 4. O Adelinde/ liebstes Kind/ das keine mutter schöner findt/ verleih mier blikke deiner gnade; entzeuch auch deine liljen nicht/ noch die zwei-fache rosen-schicht dem sauer-süßen lippen-pfade. 5. Ist gleich mein leib von Dier entfernt/ so küsst doch/ weil der himmel sternt/ mein' andacht deine liebe seele; ja dein gedächtnüs sol in mier verbleiben/ weil der geist alhier noch schwebt in seines sitzes höle. An die schöne/ doch harte Roselinde 1. Ihr meiner seufzer schahle winde/ die durch den truknen gaumen gehn/ sagt meiner lieben Roselinde/ wie ich ohn allen trost mus stehn: wie ich aus träuer liebe sterb' und dännoch keine gunst erwerb. 2. Ach Roselinde/ hartes hertze/ die Du mier hast das mein' entwant/ ach! schaue doch/ was ich verschmertze/ in was für einen harten stand mich deine härtigkeit versetzt/ und bis zum tode selbst verletzt. 3. Ein demant wird mit bluht' erweichet/ gold/ stahl und eisen durch die gluht: wan sich dein hertz mit jenem gleichet/ so wil ich auch mein eignes bluht auf dein begähren wagen hin/ weil ich doch einmahl sterblich bin. 4. Dan sol man auf mein grabmahl schreiben: Hier lieget Roselieb versenkt: den Roselinde hies entleiben/ ja den sie tödlich hat gekränkt; der nuhr üm Roselinden starb und für die gunst das grab erwarb. An den weit-berühmeten Hn. Johan Schopen: als er ihn auf der geigen spielen hörete 1. Freilich kan kein mänschen-kind so beengelt spielen/ daß es herz und muht entzündt/ ja die sinne fühlen/ als der ädle Schop/ o welch ein lob! 2. Wan er seinen bogen rührt/ und die seiten streichet/ wird der schwache mänsch verführt/ witz und muht entweichet/ die vernunft wird tum/ alle stimmen stum. 3. Nuhn gilt Orfeus nicht ein haar/ weil uns Schop so spielet/ daß es auch der Engel-schaar/ ja Gott selbsten/ fühlet; Jener zwingt die welt/ Schop das sternen-feld. 4. Wan nuhr Schop und Scheideman ihre kunst vermählen/ flüht der schweer-muht/ was er kan/ alle sinne fehlen; ja die gantze luft fol vom klange/ puft. 5. Das Gerichte setzet ihn zu den lichten sternen da er leuchtet wie rubien/ wie demant/ von fernen. Weil kein mänsch so zielt/ und so englisch spielt. Reim-spruch. Zwee werden nimmer sat; o unheil der gemühter! der/ so das wissen sucht/ und dieser/ der die gühter. Ein anderer. Wer etwas untersucht/ der mehrt die wissenschaft: wer aber gläubt/ der giebt dem irthum neue kraft. Auf der Wohl-ädel-gebohrnen Hochgelehrten Jungfrauen J. Annen Marien von Schürman bildnüs Wan du der Weisheit blitz/ der keuschen tugend flammen/ die kunst der sterblichen wilst schauen je beisammen; so schaue dieses Bild der weisen Jungfer an/ das niemand als Sie selbst folkömlich bilden kan. Ein andres. Die Jungfrau/ derer ruf im ost/ west/ sud und norden durch ihrer künste mäng' ist ausgebreitet worden/ steht hier dem leibe nach entworfen auf ein blat/ das nur von ihrem blitz so schönen schatten hat. Das eilfte Lied An die hochädel-gebohrne/ liebsälige Adelmund/ als sie auf der seelig-verstorbenen Rosemund Herrn-hause/ dessen zeichen die Sonne war/ bei abend ihren einzug hielt. gesetzt durch Johan Langen. 1. Blitzet ihr himmel/ schwitzet uns regen/ machet getümmel/ lachet mit seegen unsere wälder und felder doch an. Glimmert ihr sterne/ tauet ihr lüfte/ schimmert von ferne/ schauet durch klüfte/ schauet auf diesen verdunkelten plan. 2. Grühnet ihr zweige/ kleidet die linden/ dienet zum zeuge/ schneidet den winden zügel und flügel was zeitiger ab; rieselt ihr wällen/ schleichet durch büsche/ grüselt mit kwellen/ reichet uns fische; sehet der winter sucht schone sein grab. 3. Adelmund schauet/ kommet vom morgen/ bradelt betauet/ frommet den sorgen/ die euch/ ihr Schönen der Amstel/ geplagt. grüsset die Süße/ küsset die füße/ hertzet die finger/ schertzet ihr singer/ daß ihr der Schönsten der Schönen behagt. 4. Singet ihr Dichter/ flammet ihr lichter; bringet zur freude sammet und seide/ kleidet den boden/ da Adelmund steht. stimmet die seiten immer bei zeiten; krümmet die finger/ Stimmer und singer/ weil sich das frohe trompetten anfäht. 5. Schöne wilkommen/ kröhne die Sonne/ mache den Frommen lachen und wonne: Adelmund/ Adelmund/ ruffet die schaar/ Adelmund nahet/ gehet entfahet Adelmund alle; stehet mit schalle; Glük zu der Schönen Hochdeutschen aldar. Klage-lied auf das ufer der Seene 1. Süße Seene/ die fohr diesen durch die schöhn-begrühnte wiesen mit verbuhltem stammern schos/ lief und flos/ itzund aber steht befröhren: und ihr Halb-göttinnen fast dieses klage-lied zu ohren/ das euch singt ein fremder gast. 2. Fug und macht hab' ich zu klagen/ und mein leid Dier fohr zu tragen/ schöner flus; dan du allein must es sein/ dem ich zeuge meine schmerzen/ welch' ein unmänsch setzt hindan/ und führ hart-verstoktem herzen nicht begehrt zu hören an. 3. Wie seid ihrs! ihr Parisinnen/ und ihr freundlichen Seeninnen/ denen sich ein König giebt gantz verliebt? die den mund verstummen machen: und ihr Götter dieser fluht/ die als Götter hört den schwachen und wie götsen hülfe tuht? 4. Wie! seid ihrs/ die ohn' erbarmen mich so hart-bedrängten armen laßen zaplen in gefahr gantz und gahr? Ohren habet ihr zu hören/ aber hände bei zu stehn/ und das übel abzukehren wollen euch nuhn gantz entgehn. Das zwölfte Lied Dem ädlen Paare: Hn. Mattias Dögen/ Kuhrfürstl. Brandenburgischen Rahte und Geschäftsverpflägern bei den Herren Land-ständen in Holland/ uam. dem fürtreflichen/ weltberühmten Maß- und Festungs-meister; und Jungf. Marien Vermeulen/ uam. als sie im 1651 jahre einander ehlich beigeleget worden/wohlmeinend auf-gesätzt durch Einen/ der die Blaue farbe liebet. gesetzt durch Peter Meiern. Es brach ein über-schöner morgen in hofnungs-farbe durch die nacht/ die ich in tieffen zukker-sorgen fast durch-gebracht. Ich ging am blanken Elben-strande/ bei Hamburg/ der berühmten stadt/ wo Hermans Zucht im Marsen-lande ihr läger hat. Da saß bei seinem tapfren sohne ein übermänschlichs Frauen-bild/ bekräntzt mit einer rosen-krohne; die führt' ein schild. Das schild war schwartz mit grühnen zügen/ das sonst verliebten gar gemein; ein hertz/ daraus viel flammen stiegen/ sind mitten ein. Der nennt sie Vene/ jener Fräue/ das beides bei uns Fräundin heisst. Für ihr stund eine lange reihe mit krankem geist. Auch Tugendhold kahm/ anzulangen die große Frau der Fräuerei/ die ihn mit fast gezwungnen wangen schier machte schäu. Er griff aus ihrem Glükkes-schreine zuerst das ungewisse roht/ darnach zwee schwartze schweermuhts-steine/ das unglüks-loht. Hierauf zog er ein gnaden-zeuchen/ den weissen glüks-stein/ froh herfür; ja endlich gold/ dem nichts mag gleichen/ die sieges-zier. Ha! sprach er/ ha! dis ist gesieget. Kom meine liebste Marilis/ die mehr als gold von Ofix tüget; dis ist es dis. So macht' er sich zu ihr mit freuden/ und nahm sie bei der liljen-hand: nuhn/ sprach er/ hab' ich lust für leiden/ mein liebes-pfand. Das volk rief glük. Ich wündsche seegen. Die Vene schauet gühtig zu. Der himmel tauet süßen regen in stoltzer ruh. Spiel-gesang/ an die schöne Karline/ sonst Charlotte genannt Auf die weise: Als Marhold sich einmahl uam. 1. Halt/ Heldin/ halt doch ein/ Ich läge für Dier nieder den bogen und das schwert: das glük ist mier zu wider; mier fällt es ab/ Dier zu. ich bin in deiner hand/ und sähe/ wie das glük sich hat zu Dier gewandt. 2. Drei schlachten haben wier zusammen itzt gehalten: die erste gäb' ich Dier/ und mus für Dier erkalten; die dritte noch darzu: die andre bleibet mein/ doch laß' ich alles Dier/ und wil dein eigen sein. 3. Es fällt die frage für/ ob weisheit oder kräfte verwalten deinen muht/ und tapfre Kriegs-geschäfte; ob schönheit abgewinnt/ und gunst es willig giebt; ob sanftmuht oder grim bei Dier sich spielend übt. 4. Es mus wol etwas sein. Dein' abgerichte gaben/ dein kluger witz und muht/ die mich entzükket haben/ die haben dis getahn; die binden meinen witz/ die fangen meinen muht/ Du/ o der Tugend sitz. Das dreizehende Lied/ in der selbheit der hoch-fürstlichen Lignitzischen Braut Ludwiche/Gebohrnen Fürstin zu Anhalt/ uam. an Ihren Herren Bräutigam 1. Himmel/ ach! schaue mein hertzliches leiden/ schaue/ wie hertzen von hertzen abscheiden. Ach! Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. 2. Liebe verübet und giebet nuhr schmertzen/ wan sie sich treibet zu bleiben im hertzen. Ach! Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. 3. Ach! ach! ach! doch ich verlange mein Leben hertzlich zu hertzen/ Ihm alles zu geben. Ach! Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. 4. Nuhn wil ich üben/ was giebet zum lieben/ Liebe/ ja liebes-lust wil ich verüben. Ach! Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. 5. Liebster/ ach! laß uns doch leben zusammen! laß uns vermehren und nähren die flammen. Ach! Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. 6. Ei! nun so bleib' ich dein eigen mein Leben/ weil Du dich mier auch zu eigen ergeben. Dann Herzog/ Du hast mier das hertze gezogen/ Du hast mich durch liebe zur liebe bewogen. Das vierzehnde Lied Aus den dreien haubt-ahrten der Dicht- sing- und tantz-kunst/ in einer zusammen-sprache/ zwischen einem Jünglinge und einer Jungfrauen/ fürgestellet. gesetzet durch Johan Langen. 1. Wo ist doch meine Rosemund/ die mier mein hertz macht wund? Schau/ hier kommt sie/ Dier ihr leben gantz zu geben. Der himmel mag stürmen/ mag hitzen und blitzen wan unter dem schirme der Liebe wier sitzen. Wier können uns lieben ohn' alles betrüben/ dieweil uns die liebe so lieblich anblikt/ ja weil es sich alles zur fröligkeit schikt. 2. Auf! kehre wieder Rosemund/ und komm/ ach! kom zur stund. Schau/ ich komm'/ und kehre wieder zu dir nieder. Die Liebe/ die liebliche Fürstin der sinnen/ ergetzt uns und letzt uns von aussen und innen; es sollen die hertzen in schmertzen und schertzen/ nuhn beide zusammen stets flammen mit lust/ Die allen recht-liebenden bleibet bewust. 3. Der Mahn sucht stets sein Sonnen-licht/ weil ihm sein glantz gebricht: und den kühlen Mahn die Sonne/ ihre wonne. Die Sonne giebt wonne/ giebt wärme den saaten/ der Mande befeuchtet sie/ daß sie gerahten: Sie wärmet die felder/ Er kühlet die wälder: so tuhn auch zwei Liebsten in liebe verstrükt/ mit seeligen/ lieblichen stunden beglükt. Das funfzehende Lied An die kus- und grus-flüchtige/ übermänschlich-schöne Adelmund/ die lieblich-blühende Rose des gantzen weiblichen geschlechts. gesetzt durch Johan Langen. 1. Was sol die Rosen-blüht/ im fall sie sich entzüht in ihrer jungen zierde der gärtnerin begierde/ und ihre kräntze flüht. 2. Was hilft der stoltze neid? es mus doch mit der zeit ihr rohtes bluht verblassen/ sehn mit verachtem hassen die blasse sterbligkeit. 3. So darf die lippen-blüht die sich dem kuss' entzüht in ihrem ersten morgen/ für spot und has nicht sorgen/ wan ihre zierde flüht. 4. Drüm gib dich/ Adelmund/ und las mir sein vergunt zu kosten in der gühte von deiner frischen blühte den feuchten zukker-grund 5. Dan wie die zeit entflüht/ der rosen stoltz verblüht/ so wird dein frisches blühen sich eben auch entzühen/ das fast noch rascher flüht. An die tugend-folkommene Jungfrau/ Jungf. Marien Vermeulen/ als Sie itzund den lieblichen Braut-nahmen entfangen 1. Was hall ist dis? was schallt so laut? Sie sage miers/ o schöne Braut/ o klügste Tochter Ihres standes: wie? ists der widerruf des neuen landes? da in der stoltzen Amstel-stadt Ihr andres Hertz sein bleiben hat. 2. O nein. es ist der Weisheit schall/ der ädlen Mutter froher hall/ weil sie so weise zucht gebohren/ die nicht märkurisch ist/ noch das erkohren was dieses volk der märkte kuhr/ das redlich-scheinen wählet nuhr. 3. Sie wählet andrer gaben zier/ die sich erhöben gantz von hier und bei den sternen-saaten schweben; Sie wählt/ o kluge wahl! mit Dem zu leben/ Der alzeit lebet/ wan er stirbt/ und dessen nahme nie verdirbt. 4. Ihr sinn wird aus der gruft entzükt. Sie lässt das schwache volk gebükt nach schnödem gold' und silber kriechen/ das auf der erden klebt/ und manchen flüchen der Weisen unterworffen liegt/ ja das sich gleichsam prahlend schmiegt. 5. Es mus sich schmiegen/ ob es schohn ein stündlein prahlt/ und raubt den lohn der ehre/ der sonst ungezwungen der Weisheit nuhr fällt zu von allen zungen; der Weisheit/ die bei Fürsten wohnt/ und selbst durch Fürsten wird belohnt. 6. Zugleich wird Weisheit hier beglükt; weil Ihr das glük ein Lieb zuschikt/ o weise Braut/ Dem Ehr' und günste so mancher Fürst erzeugt für seine künste; Der mit im Weisen Rahte sitzt/ und unter diesen Sternen blitzt. 7. O kluge Weisheit! großes glük! Der unverfälschten Liebe strük verknüpft zwo unbeflekte seelen/ die sich mit eitler sorg und last nicht kwehlen. Die misgunst wühte/ wie sie wil/ so steht doch nuhn ihr glükke stil. Das sechzehende Lied/ An die am bluht und muhte hochädel-gebohrne/ folkommene Rubinemund/ das schönste Rubienchen des Adlichen Frauenzimmers zu Hals-furt. gesetzt durch J(ohan) Schopen. 1. Rubinemund/ Du zierde der jugend/ ach! Sonne/ mahn/ und stern/ welche mit hohen strahlen der tugend stets blikket her von fern; Dich o du Königin aller jungfrauen/ mus ich zwar meiden/ dännoch nicht neiden dein schönes gesicht. 2. Rubinemund/ Du kanst es nicht gläuben/ was ich itzt leiden mus; träu und beständig werd' ich verbleiben/ ob auch mein Himmels-schlus mich schon entfernet und reisset von hinnen: Liebe giebt Ehre selten gehöre/ doch mus es hier sein. 3. Werd' ich nicht wohl der stunden gedenken/ und auch das liebe feld ewig mit tausend wündschen beschenken/ da Du/ o zier der welt/ reitztest mit pfeilen mein schüchternes hertze/ ja es verletztest/ ewig versetztest in leiden und pein. 4. Da mier dein erstes blikken und lachen ein rechter liebes-strük/ der mier das hertz mit schmertzlichen sachen/ mit grauen/ angst und schrik füllte/ verhüllte/ ja stillte die freuden/ brachte mier leiden/ machte mich scheiden/ o Freiheit von dier. 5. Es hat zwar Utrecht manchen bestrükket/ ja Frankreich/ Engeland hat auch die härtesten hertzen verzükket durch jäher liebe brand: doch hat kein Frauenbild können verwunden/ können verzükken/ können verstrükken so eilend/ als Du. 6. Rubienemund/ dieweil Du mein leben so sehr gekränket hast/ ei so vergönne/ daß ich mag geben Dier einen lieben gast/ daß ich in träue dein hertze mag küssen/ daß ich mag schertzen/ kühlen die schmertzen/ o Schöne/ bei Dier. 7. So scheid' ich ab mit freudigem muhte/ dieweil mir deine gunst/ Liebstes Rubienchen/ kommet zu guhte/ und lindert meine brunst. Rubinemund/ o Rubinemund lebe/ lebe vol freuden/ ausser dem leiden/ Ach lebe stets wohl! Über das bildnüs der Liebinnen/ fast nach dem Lateinischen Sie redet selbsten 1. Aus dem Mehre bin ich kommen/ aus des bitren saltzes kraft hab' ich dieses Sein genommen; dessen schaum an meinen lokken wie gefrohrne wasser-flokken annoch haft. 2. Meinen krum-gekrüllten hahren/ hat die wild-erboßte See/ (wie die hohlen wellen wahren) gleiche krümmen eingetrükket/ daß des schaumes silber blikket in die höh. 3. Als Kluginn' und Himmelinne dis mein bildnüs sahen hier/ sprachen sie; es kan Schauminne/ ja Schauminne kan mit rechte/ schahmroth machen ihr geschlächte durch die zier. Das siebenzehende Lied Auf die drei Schönsten in Utrecht. gesetzt auf seine sonderliche weise durch Joan Martien Ruberten. 1. Wie manchen stern der Himmel führet/ so manche Jungfrau lebt in dier/ o schönes Utrecht/ die dich zieret und leucht wie sterne hoch herfür. Hierunter kan nichts schöners sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 2. Die schöne seind von farb und gliedern/ seind oft sehr häslich vom gemüht; und manche wil sich nicht erniedern/ trotzt bloß allein auf ihr geblüht. Drüm kan und mag nichts liebers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 3. Viel seind sehr artig von geberden/ dagegen schwartz und ungestalt; ist sie die allerklügst' auf Erden/ so ist sie mehr als alzu alt. Drüm kan nichts angenehmers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 4. Ist manche gleich sehr wohl gebildet/ so ist sie tum und ungeschikt; ein ander' hat das blei vergüldet/ die manches hertz/ wie gold/ verzükt. Drüm kan ja nichts belobters sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 5. Dan Ewalein ist weis und weise/ und hat die allerliebste zier: Von-Kobed kröhnt den wein mit speise/ und Ledar bringt die lust herfür. Drüm kan und mag nichts süßers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 6. Von-Ewalein ist schön und züchtig/ und über alles wolgestalt; Von-Kobed from und tugend-richtig/ und Ledar ist ein Rosen-wald. Drüm kan und mag nichts höhers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 7. Von-Ewalein ist klug von sinnen/ sehr höflich/ zahrt und wohlgebildt/ Von-Kobed schön von auss- und innen/ und Ledar bleibt der Schönheit schild. Drüm kan ja keine schöner sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 8. Von-Kobeds lob ist ausgesprochen/ daß sie keusch/ fromm und schöne sei. Von-Ewalein ist aus-gebrochen gleich wie der wunder-schöne mei. Drüm kan ja nichts beliebters sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. 9. Von-Ewalein bleibt schön in allen/ und Ledar freundlich/ roht und weis; ja Ewalein mus selbst gefallen der misgunst/ die ihr giebt den preis. Drüm kan und mag nichts schöners sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein. Zugelaßene Liebes-übung 1. Fasst muht/ ihr schöne Seelen/ zu widerstehn der blöden welt/ die euch mit schelten pflegt zu kwehlen/ und aller wohl-lust widerbellt. 2. Sie setzt den lastern straks zur seiten das allerliebste Lebens-licht/ und weil sie flüht die liebligkeiten/ lebt sie auch selbst im leben nicht. 3. Verflucht die tohrheit dieser leute/ die nuhr aus bloßem schwermuht rührt/ und wählt der mehr beglükten seite/ da ihr nichts als vergnügung spürt. 4. Auf! laßt die augen lächlend fechten/ ümhalset/ schertzet/ hertzt und küsst/ und spielt auch selbst bei allen nächten was für ein spiel euch mehr gelüst. 5. Besucht aus süßen rasereien das edle volk der liebes-lust/ das euch im kummer kan erfreuen/ und letzet lippen/ hand und brust. 6. Es ist ein volk von sanften sinnen/ das eher flöht üm eure gunst/ das eher sucht euch zu gewinnen/ als daß es spottet eurer brunst. 7. Sprecht sie nuhr an ohn alles sorgen/ so werden eure dienste sein erwiedert bei dem ersten morgen/ der auf mich wirft den gnaden-schein. 8. Ob auch bei so versüßtem leben gleich solt' ein herber gleitsman sein/ so giebt die lust/ darin wier schweben/ der seelen lindrung aller pein. 9. Das willig-angetahne krunken/ das seufzen mit entzüktem muht/ die halb-verloschne Lebens-funken/ die seind es/ was uns dampf antuht. 10. In so verzukkertem gefechte/ in solcher süßen sinnen-pein/ möcht' ich wohl alle tag und nächte bis in den tod begriffen sein! Het achtiende Lied Aen de schoonste Amstel-nymfe, de onder roosen en doorens altoos bloeyende Lely: op datse haeren valschen vvaen van d'onnoselen Filiset mochte vaeren laeten. op de stemme: Je seroi privée de jugement. ofte; Als Garint sijn ooghjes etc. Ik ben vlouvv, de leevens-lust vergaet, als ik ooverdenk hoe soo vvreed, hoe soo fell vvas de haet door loogens opgevoedt; de moed is vvond. o Lely, schoonste Blom, och! alderschoonste, kom terstond, o aller hooven gloor, en hoor: Glooft niet licht vvat soo een vuylen mond soo onverschaemet roept; hoese praelt, hoese daelt nae de grond gansch sonder grond en vvett. Och! sett, och! laet uyt uvv verdvvaelte sinn de pijn-bank van de minn, den haet. of ik ben in Uvv toorn verloorn. Magh uvv oog, de soete Morgen-sterr, Filisets ghelaet dan so vlien, sich ontsien, jae soo verr. VVaert ghy soo soet als schoon, o Kroon, o Bloem der schoonsten van het vliet; soo soud' ik schrijven niet als Roem. in Uvve schoone deughd verheughd. Uvve naem, uvv Gaer-ghetrouvve roem sou bij sterren staen, eevvigh vvit, eevvig versch als een bloem. Denkt, Lely, vvat ghy doet, gheef moet, gheeft kracht den sinnen, die ghy stoort, op dat se niet vermoordt de nacht. och! Lely, ik verderf, ik sterf. Soo U niet van my Helpimenis vvaerer mond ghetuyght: ach! soo schvvindt, als een vvind, gaer ghevvis de hele leevens-kracht. Nu lacht uvv Licht, dunkt mij, o mijn' Auroor, veel schoonder vveer als voor gesticht door mijnen tvveden mond terstond. door den eyndelyk soet-vloe-yenden mond van onse vveleer toeghe-neugene Helpimenis. Das neunzehende Lied An die mit überirdischen Schönheiten wohlbegabte/hochädel-gebohrne Jungfrau von Elard; auf begehren der liebseeligen Schatz-währt. gesetzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Dorotee/ Glantz der Jugend/ aus-zug aller liebligkeit/ wohnplatz der belobten tugend/ schönste Jungfrau dieser zeit; Sie vergebe meinen sinnen/ daß sie dieses lied beginnen. 2. Schöne Rose/ Gottes-gabe/ des geneugten Himmels kind/ alles/ was ich itzund habe/ ist auf ihren preis gesinnt/ dännoch kan ich nichts aufbringen/ noch ihr lob nach würden singen. 3. Bässer kan man Sie nicht nennen als ein willges Götter-pfand/ welches sie der welt noch gönnen/ und beseelgen unsern stand/ Utrecht hat von glük zu sagen/ und nach keinem stern zu fragen. 4. Dan in England ist verblichen dieser wunder-schöne stern/ und nach Utrecht zu gewichen/ da er steht und blinkt von fern. England hat nach seinem scheiden/ nichts als krieg/ und nichts als leiden. Das zwantzigste Lied An das überweibliche wunder der irdischen geschöpfe/ die wohl-gebohrne Rosemund: gesetzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Rosemund/ mein selbst-eigenes hertze/ leiden und schmertze/ laß dichs nicht irren/ wan ich mit reimen öf- fentlich schertze. Schertzen im hertzen/ äusserlich freundlich kan ich nicht leiden; Träue von aussen/ Falschheit von innen pfleg' ich zu meiden. 2. Lebe mein Leben/ lebe der hofnung/ daß ich nicht trüge/ daß ich nicht wanke/ wan ich mich schmüge/ knechtiglich büge. Lebe mein Leben! schäue dich nur nicht/ mache dich kühner: lebe beständig! dan so verbleib' ich immer dein Diener. An die der lieb-seeligen Rosemund Liebe Augen/ nachdem sie sich eine zeitlang verborgen hatten/ und sich wieder blikken ließen. auf die weise des sechsten Liedes 1. Wo geht ihr hin/ ihr augen-sterne? Gegen-stimme. Gar nicht ferne. Nicht ferne solt ihr auch entweichen/ G. noch verbleichen. Ihr die ihr fol von geist und blitzen/ G. gluht und hitzen. 2. Ihr sonnen/ wollt ihr für mier flühen? G. nein/ verzühen. Ihr blitzel-augen fol von liebe/ G. nimmer trübe. Ach ja! die nimmer-trüben sterne/ G. stehn nicht ferne. 3. Wohlan! so wil ich sie begrüßen. G. lüste büßen. ja ich wil meine lüste büßen/ G. mit genüßen. Genüßen mus darbei sich finden. G. lust entzünden. 4. Da seh ich meine sonnen glimmern/ G. träflich schimmern. Ihr glantz bricht ein in mein gesichte: G. und wird lichte. Ich weis nicht ob ich ihn kan leiden? G. bässer meiden. 5. Ein wenig/ wenig weicht ihr blikke/ G. wie/ zurükke? Ach! ja. Dan eure strahlen funkeln G. auch im tunkeln. Ach! ja! im dunkeln seind sie lichter/ G. brunst-anrichter. 6. Gemach/ ihr lieben augen/ blinkert/ G. ja nicht flinkert. Dan euer blitz tuht weh dem hertzen/ G. machet schmertzen. Ihr habt es schohn/ ihr schöne sonnen/ G. gantz gewonnen. 7. Last euch nuhr etwas sanfter leiten/ G. ja bei zeiten. Bei zeiten mus es auch geschähen. G. du würst's sehen. Wohlan! so leb' ich gantz in freuden/ G. ausser leiden. Leber-reim. Die leber ist vom hecht/ von turteltauben nicht: drüm laß sie förder gehn/ mein Lieb/ mein Lebens-licht. Ein anderer. Die Leber ist vom huhn; und were sie vom Raben; so soltstdu/ Mohre/ sie gewis alleine haben. Het een en tvvintighste Lied Aen een Amstelinneken, de loof-vvaerdighste, lieflike Lely. op de stemme: Polifemus aende strande. Schoonste Lely, kuysche Bloeme, die ik roeme; Ach! hoe ben-ghe dus verstoort? Laet de droeve vvolken vaeren, en de baeren, laetse stormen om het noord, U gesicht moet vrooligh lonken, vrooligh vonken; daerom is het ook soo schoon, daerom siet men leeljen bloeyen, rosen vloeyen om der kuyschen vvangen troon: Daerom is u aengebooren, uytverkooren soo een liefelik gelaet; darom laet uvv ooghe daelen duysend straelen schoonder als het daegeraedt. Rosen vvil ik om U geeven, jae mijn Leeven. mijne Ros' is niet meer root; mijne Ros' is bleek ghevvorden, door het morden, door het stormen van de dood. Vier jaer hebb' ik rouvv ghedraegen, doch mijn klaegen helpt niet meer, noch haer noch mij; 't is nu tijd de droeve daegen vvegh te jaegen, dat ik vvit in kleedern sij; Dat ik blijde verve traege, en ook vraege om een kleed in mijnen Hoof, in het svvarte Rosen-betjen, dae mijn Netjen, dae mijn Roosjen bleek en doof. Roote Rosen saech men groeyen, lieflik bloeyen, die het svvart nu heel belett: vvitte leeljen voor de Roosen, voor tijloosen vvil ik kiesen in mijn bett. Deese verv' is aengenaemer. Mijne kaemer is schoon vvit ghekleedt, en lacht. Jae nu vvil ik vvilligh derfen rosen-verven, die in droefheyd mij ghebracht. Nu vvil ik aen alle kanten Leeljen planten, maer de vvittste selfs in 't hart: Daer sijn vlammen, daer autaeren, Leeljen- blâeren, met een heyligh vuur vervvarrt. Soo sal ik u eer' ervveisen, eevvigh preysen, schoonste Lely, Amstel-kind: Daerom laet de tooren vaeren; laet de baeren, laet sich leggen storm en vvind. Soete blikke, soete sinnen, die gevvinnen: die staen U veel beter aen. Toorn verstellt uvv lieflig lonken, of schoon pronken Roosen mank der leeljen-baen. Der Rosemund Klage-lied im abwesen ihres Liebsten 1. Wo such' ich den Liebsten/ wo sol ich ihn finden? ihr bleichen Masinnen/ weis keine mein Licht? bei welchem gewässer und lieblichen gründen enthält sich mein Trauter/ wie? saget ihrs nicht? Ihr beliebten Amstelinnen/ und ihr höflichen Lechinnen/ kündigt meinem Schönsten an/ daß ich nicht mehr leben kan. 2. Verweilet sich länger mein einiges Leben/ so mus ich für schmertzen und ängsten vergehn; ich wolt' es nicht achten bei fremden zu schweben/ so fern ich nur höhrte sein liebes getöhn. Meine Schwestern wil ich missen/ die bei Pades sieben flüssen üm die schwartzen tannen sein und begehr Ihn nur allein. 3. Die blanken Etschinnen verlaß' ich auch gerne/ wan meine begierde sich nährende stillt/ die lieben Ihninnen beseuftz' ich von ferne/ jedennoch vergess' ich ihr liebliches bild/ wan ich nur den Mahrhold habe/ und mein krankes hertze labe/ welches sein belobtes bild mit dem schönsten glantz erfüllt. Das zwei und zwantzigste Lied An die von tugend/ jugend und schönheit hochgeliebt- und gelobte/ holdseelige Lielje. Die einige zier der Amstelinnen/ die fast einige beherscherin der gekränkten seelen. auf die stimme: Si vous ne me voulez guerir. oder Als ik aen 't Zuyver beekje kom 1. Was hör' ich da? wer bricht zu mier mit solchem wetter/ solchen blitzen? Seh' ich Lieljen sitzen/ Lieljen/ meine Zier? Ach nein! So ist es dan ihr geist/ der mich nur in versuchung führt und reisst/ zu sehn/ ob mein gemüht in reiner flamme glüht? 2. Dan nimmermehr tuht Lielje dis/ Sie ist zu fromm/ zu ehrerbietig/ viel zu tapfer-mühtig. Ja er ists gewis. und anders darf ich gläuben nicht/ im fall ich leben wil in meiner pflicht. Er ists der arge Geist/ der mich in angst so reisst. 3. Nuhn leg' ich allen wehmuht hin: nuhn leb' ich/ lob' ich/ lieb' ich immer nur ein Frauen-zimmer mit erfreutem sinn. Nuhn sol üm so viel ehr und mehr ihr schöner ruhm und Lieljen nahm und ehr hinfort gepriesen sein. Sie ist mein preis allein. An die Hochädele und gelährte Jungfrau/Jungfrau Hildegond von Westohn 1. Wer schreibt diese schöne schrift/ wessen hand und wessen sinnen können solch ein lied beginnen/ das so nah zum hertzen trifft? Hildegond/ könt ihr so singen/ daß die linden wider-klingen? 2. Mier zwar seid ihr unbekant von gestalt und von gesichte; aber euer Lob-gedichte/ das mier ward von eurer hand/ ohne mein verdienst/ geschrieben/ pfleg' ich mehr als mich zu lieben. 3. Meine sinnen seind erblasst/ müssen ungezwungen schweigen/ wan sich eure Lieder zeugen/ und seind ihnen selbst verhasst/ wan ihr hoch-deutsch opizieret/ und die süßen seiten rühret. 4. Fries- und Holland wunderts sehr/ daß ein Weibes-bild so singet/ und die Deutschen seiten zwinget; ja/ ich wundre mich vielmehr/ daß itzt unter fremden zungen unser hoch-deutsch wird gesungen. 5. Aber/ Schöne/ saget an/ was ich wiederüm sol schenken/ daß ihr meiner könt gedenken? was ich würdigs geben kan? meine lieder müssen schweigen/ weil die euren auf-wärts steigen. 6. Eure kunst und zierligkeit macht mich gantz und gar verzükket; eure hand ist so beglükket/ schwingt sich höher als der neid. Euer ruhm würd ewig leben/ und der sternen-schaar gleich schweben. Schäffer-lied bei der Amstel 1. Schöner flus/ bei dessen strande seine liebe Liebste wohnt/ die ihn lägt in schweere bande/ und mit harten worten lohnt/ steh' und hämme deine fluht/ ihm zu guht. 2. Höhre/ wie er sich beklaget für der Allerliebsten tühr; schaue/ wie er zittrend zaget/ und darf selbsten nicht zu ihr. Seiner wangen farb' entweicht und verbleicht. 3. Er wird itzt in ohnmacht fallen/ noch flüht seine Schäfferin/ die er liebt führ andern allen/ und die ihn von anbegin selbst so hertzlich hat geliebt/ nuhn betrübt. 4. Ihrer schönen augen sterne/ das beflamte blitzel-zwei/ blikt itzund nicht mehr so gerne/ seind erzürnt/ und werden scheu: ihre for-beliebte zier weicht von hier. 5. Sie erkänt/ und sieht ihn klagen/ aber hören wil sie nicht/ noch mit ihm ein leiden tragen; Mahrhold/ Mahrhold/ wie sie spricht/ ist mein feind: drüm heiss' ich ihn von mier ziehn. 6. Nicht so scharf/ o Schäfferinne/ Mahrhold hat kein feindlichs hertz: halt/ o harte/ halt nuhr inne; doch es ist vielleicht dein schertz/ und auf sturm folgt ins gemein Sonnen-schein. Das drei und zwantzigste Lied Auf Anakreontische ahrt gemacht/ und gesetzet durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Die Sonn' ist untergangen/ die wangen seind verhangen mit kohl-pech-schwartzen tüchern; Ich sitze bei den büchern/ und schwitze/ da mich frühret/ bin stille/ da mich rühret der innerliche schmertze/ der schmertze/ der mein hertze/ mein schwaches hertze kwehlet/ ja der mich fast entseelet. 2. Tahlmunde/ sol ich fragen? was fragen? nach den tagen? was tagen? die mier geben mein sterben und mein leben. was leben? selbst die jene/ mein Laabsaal/ meine Schöne/ was Schöne? meine Träue/ auf die ich mich erfreue/ mit der ich mich kan letzen/ was letzen? stets ergetzen. 3. Es sol mier noch gelükkken/ so ferne mier den rükken der Himmel selbst wird halten/ und mein gelük verwalten/ daß ich mag kühnlich sagen; was sol ich lange fragen? was sol ich lange klagen? was sol ich schmertzen tragen! mein will' ist nuhn erfüllet/ mein wundsch ist nuhn gestillet. Lisanders Klage nach dem Frantzösischen 1. Unlängsten hört' ich schmertzlich flöhen ein götlichs mänsch bei dieser fluht; Der träuste buhler mus vergehen/ wo ihm sein Lieb nicht hülfe tuht. 2. O süßer strohm/ geh hin und zeuge/ geh/ zeug' es seiner Liebsten an: daß er sich schon zum grabe neuge/ und ohne sie nicht leben kan. 3. Dis eis ist kalt/ doch mus es schwinden für seiner heissen liebes-gluht: wer aber kan ihr hertz entzünden/ das kälter ist als eis und fluht? 4. Kan er sie nicht durch Liebe zwingen/ daß sie vernähme seine pein/ so würd er doch ihr hertz ümringen/ und für die Lieb ihr seufzen sein. 5. Mich deucht/ ich seh sie schohn geschlagen/ wie sie Lisanders tod beweint/ ich höre sie für schmertzen klagen/ wie sie betrauret ihren freund. 6. Kein buhler ist jemahls gewesen so foller ehr' und so beglükt: Lisanders nahmen würd man lesen in seiner Liebsten Hertz getrükt. 7. Er liegt im hertzen seiner Lieben/ o welch ein ädles grab ist das! sein nahme steht darbei geschrieben. es rührt ihn nuhn kein neid noch has. 8. Weil er ihm dan nuhn lässt genügen/ und ruht in ihres hertzens schrein/ so wil er/ daß man bei sol fügen auf einen ewgen grabe-stein: 9. Lisander lebt' und ist gestorben für seine liebste Silvie/ doch hat er ihr nicht gnug erworben/ das ihrer würdigkeit gleich steh. Das vier und zwantzigste Lied An die lieb- und freundseelige Adelmund/ als Er gezwungen ward von Ihr zu scheiden. fast nach der welschen weise/ Amarilly mia bella. 1. Träu' im lieben mus man üben bis in das kalte grab. Drüm/ Adelmunde/ dieweil ich diese stunde mus scheiden ab von deinem lieben blikke/ der mich fast zieht zurükke/ so wollst du mich durch unträu' nicht betrüben. Träu' im lieben/ träu' im lieben/ träu' im lieben mus man üben. 2. Meinem hertzen machstdu schmertzen mit deinem letzten blikk'. Dein auge strahlet ins hertz hinein/ und mahlet dich ab/ o glük! dein bildnüs wil ich ehren/ dein lob sol mancher hören. Ach! Adelmund/ dis sag' ich ohne schertzen; meinem hertzen/ meinem hertzen/ meinem hertzen machstdu schmertzen. 3. Ach! nuhn scheid' ich/ ach! nuhn leid' ich den allerhärtsten stoß. Der seufzer mänge fällt meinem leben strenge; der schmertz wird groß. Der matten augen blikke gehn stets auf dich zu rükke. Sei meinem Geist zu allerzeit erfreulich. Ach! nun scheid' ich/ ach! nun scheid' ich/ ach! nun scheid' ich: liebe träulich. An die Liebinne/ aus einem Hochzeit-gedichte 1. Ein steinern hertz und leere seele/ ein ungemeinter liebes-blik/ ein auge/ das in seiner höhle/ zwar rollt und schmollet ohne schrük/ jedoch nicht aus dem hertzen rührt/ ist nichts als rauch/ der uns verführt. 2. Wer darf so hart für dier erscheinen/ und wil noch ungestraffet sein. mag jemand deinen sohn/ den kleinen/ und dessen bogen/ flühn? ach nein. Die pfeile gehen alzu recht/ die Hart-ahrt ist durch sie geschwächt. 3. Die Hart-ahrt böbet nun und zittert/ sie hält üm schönes wetter an: der kleine schütze steht und kittert/ weil sie ihm auch ist untertahn/ weil ihre jungferschaft sich fügt/ und in den letzten zügen liegt. 4. Die Jungfer wird bald schlaffen gehen nach ihrem letzten bette zu/ auf daß sie Fraue mag aufstehen/ der Himmel gäb' ihr rast und ruh/ und du/ o Liebes-Königin/ beglükke sie nach ihrem sin! 5. Zeuch auf den fohrhang/ der ihr bette/ den tummel-platz der liebe/ dekt/ und schleus üm sie die güldne kette/ die hertz und hertz zusammen trekt/ damit sie sich verjüngen mag/ wie Fönix/ auf den andern tag. 6. Der Mahn mus ihr zu bette leuchten/ die sterne bringen sie zur ruh/ die tropfen/ so das feld befeuchten/ die steigen nach den bergen zu; Es ist die allerliebste nacht/ drüm hertzet/ schertzet/ schlaft und wacht. Reim-spruch. Ein armer der gedültig denket/ ist als ein dacht in öhl gesenket: Der aber dieses niemahls tuht/ ist als ein feuer ohne gluht. Das fünf und zwantzigste Lied Auf die lieblich-blitzlenden äugelein der überlieblichen Lielje auf die stimme: Repicabam Lasca panium. oder God der minne siet etc. Süße Lielje/ schau! deiner äuglein blitz verwürret mier hertz/ sinn/ verstand und witz; verwürret mier hertz/ sinn/ verstand und witz. mein mund ist als verklummet/ verstummet. O süße Lielje/ halt. ich hitz'/ ich hitz'. o süße Lielje/ o süße Lielje/ halt. ich hitz'/ ich hitz'. Halt ein wenig der strahlen blitz zurük. Ich bin ja schohn in deiner liebe strük; ich bin ja schohn in deiner liebe strük. Mich hält die zier der wangen gefangen. Die starke flammen gehn durch mark und bein. die starke flammen/ die starke flammen gehn durch mark und bein. Schöne Lielje/ da hastdu dieses hertz/ das du versetzt in lauter angst und schmertz; das du versetzt in lauter angst und schmertz. Hiermit sei Dier gegeben mein leben/ mein gantzes leben schwebt in deiner hand. Mein gantzes leben/ mein gantzes leben schwebt in deiner hand. Uhrteil-spruch über zwoer Jungfrauen schöhnheit 1. Wan ich an Paris stat sol richten/ so weis ich warlich nicht/ wie ich dis spiel sol schlichten/ das itzt ausbricht. Die Klugemund und Elard seind erkohren/ und zur folkommenheit gebohren. 2. Nuhn fraget sichs/ wer unter ihnen die schönste Schöne sei/ der man als Göttin sol aufdienen? wem steht es frei/ daß er so kühne sei zu sprechen/ was alle Götter würden rechen? 3. Ich mag mich nicht so hoch erkühnen/ dan meiner augen licht verbleicht/ weil dieser Zweling ist erschienen/ dem alles weicht. Ich kan mein wort nicht von mier geben/ und solt' es kosten selbst mein leben. Das sechs und zwantzigste Lied An eine Frantzösische Schöninne/ aus dem Frantzösischen. gesätzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Schöninne/ derer strahlen die sonne dunkel macht/ wan sie sich pflegt zu mahlen mit ihrer morgen-pracht: ja wan sie tuht den letzten zug/ legt an und ab den abend-schmuk. 2. Für deiner augen blikke steht ihre zier verbleicht. Sie flüht für angst zu rükke/ wird schaam-roht und entweicht. Ihr aug' entäugt die deinen nicht: Ihr fehlt/ dier aber bleibt das licht. 3. Dan dieser Sonnen blikke/ das blitzel-aug in mier/ das meinem muht legt strükke/ hat größre macht und zier. Ihr sterblichen folgt meiner bahn/ und bähtet diese Schöhnheit an. 4. Ihr aber seid beschworen/ ihr schönen augen ihr/ die nuhr zum schein erkohren/ bestrahlt mich für und für: laßt niemahls euer licht vergehn/ und bleibt in einem scheine stehn. Das sieben und zwantzigste Lied d.i. des Mahrholds Reise-gesang/ von der Frantzösischen reise/ seiner göttlichen Rosemund zu ehren und gefallen verfasset. gesätzt durch Mal(achias) Siebenhaaren. 1. Als Mahrhold sich einmahl am blanken Seenen-strande/ (so weit von Rosemund) in einsamkeit befande: da sang er bei sich selbst ein solches langes lied/ das er ihr zugesagt/ indem er von ihr schied. 2. Zeit daß ich von euch bin/ ihr liebsten Amstelinnen/ ihr Töchter bei der Mas'/ ihr andern halb-göttinnen/ und ihr auch bei der Lech; so sag' ich ohne scheu/ daß eure Rosemund noch kräftig in mier sei. 3. Bin ich entnüchtert nicht/ so bin ich doch enthertzet; weil eure Rosemund mit meinem hertzen schertzet nach ihres hertzens lust. Die helft ist gar gewis/ ja wo nicht gantz/ bei Ihr. O welch ein ris ist dis! 4. O süße Zauberung! Sie ist mier zwar entlegen ihr mund ist weit von mier; doch kan er mich bewegen/ durch lauter bilder-werk/ und gibt mier solches ein/ daß ich mit willen mus ihr leib-geschworner sein. 5. Fünf sinnen hatt' ich fohr; itzt seind sie mier gemindert/ ihr mund entzüht den schmak: mein rüchen wird gehindert: ihr aug' entäuget mich: ihr singen macht mich taub: mein fühlen nimt sie weg. o welch ein süßer raub. 6. Kein ässen schmäkket mier/ kein balsam mich erkwikket; kein garten lacht mich an: kein seiten-spiel entzükket und macht mein ohr betäubt: Entfündung spür' ich nicht. Hand/ mund/ nas' aug' und ohr seind ihrer lust verpflicht. 7. Ich denke noch daran/ wie bei dem letzten küssen auf ihrer seufzer macht mein ächzen folgen müssen. Die Amstel weis es wohl/ als welche stille stund/ da ich den abschied nahm von meiner Rosemund. 8. Die Mase weis es auch/ wie ungern ich gezogen und mich entfernt von ihr/ vertraut des meeres wogen/ als welches rund üm mich die blauen wellen schlug/ und mich nach Frankreich zu (so ferne!) von Ihr trug. 9. Es weis es Rotertam/ da ich acht folle wochen die reise wohl erwog/ eh wier seind aufgebrochen. Es weis es auch der Briel/ wie ich sechs tage lang im meeres-munde lag (so lange!) sterbe-krank. 10. Der leib ging zwar zur See/ doch blieb das hertz zurükke: die kühne magd von Dort lös't ihr geschütz und stükke/ und gab uns einen wink. Wier lieffen see-werts ein/ doch kont' ich nirgends nicht als bei der Amstel sein. 11. Die schiffe lieffen fort die wette mit den winden/ wie ein verliebter schwahn/ wan er nicht bald kan finden Die schwähnin/ die er sucht; der nord pfiff segel ein/ so/ daß es mich gedaucht der Liebsten klage sein. 12. Der Himmel wust'es wohl. Der nord-ost bließ gantz sachte/ üm daß er mich alda noch mehr verziehen machte. Zwee tage gingen hin/ eh ich von Seeland kahm/ und meine reise fort/ nach dier/ o Flandern/ nahm. 13. Tühn-kirchen sah' ich stehn. drauf kehrt ich ihm den rükken/ kahm auf Bulonge zu/ wo Kales sich ließ blikken/ der Frantzen grentze-stat: wo gegen über lag der Kant von Engeland. Dis war der dritte tag. 14. Der abend kahm heran! die See stund still' und eben; es hatten unser schif fünf braune fisch' ümgeben/ die spielten auf der fluht; das solt' ein zeichen sein des drauf erfolgten sturms. Der muht wahr zimlich klein. 15. Man sah das nacht-licht auch gantz feuer-roht auf-gehen/ die sterne gantz betrübt in stiller stille stehen. O! dacht' ich/ Rosemund/ dein raht wahr alzu guht: fohr deinen schohs hab' ich den schohs der wilden fluht. 16. Ihr wind' erbarmt euch doch! und kan ich euch nicht stillen/ den man Neptuhn benahmt; so schohnt üm ihrent willen/ daß ich nicht in der see aufgebe meinen geist/ und sie in eigner fluht der trähnen folge leist. 17. Ihr Himmel/ kan ich dan nicht eure gunst erwärben; ist euch so wohl gedient mit unsrer beider stärben? laßt fahren euren grim/ züht euren einflus ein/ daß Rosemund und ich euch können dankbar sein. 18. So tief erseuftzt' ich stets. Der Nord zog aus dem grunde den starken hauch/ und bließ mit ausgehohltem munde das schwache wasser-haus bald himmel-hoch entbohr/ bald auf den abgrund hin/ daß ich mich gantz verlohr. 19. So ging die nacht fohrbei/ an die ich wil gedenken/ so lange sonn' und mahn an ihrem bogen henken. Es war nuhn hoher tag: wier sahen Tiepen stehn/ und ließen unser schif von dar zur Seene gehn. 20. Als nuhn der fünfte tag uns guhte zeitung brachte/ daß alles stille sei: die winde bließen sachte; so lieffen wier gantz froh zum Gnaden-hafen ein/ nach Hohn-flör immer zu bei klahrem sonnenschein. 21. Wier ließen uns alda ans frohe land ansätzen/ das halb-erstorbne hertz mit äpfel-must zu letzen/ der dieser Völker trank. Der Nordman sätzt uns führ/ ein frisches kirschen-obst mit seinem Malvasier. 22. Was frohe lust war da! Das dorf war schöhn gezieret mit gassen durch und durch von laub-werk aufgeführet: die bäume sahe man in gleicher ordnung stehn/ und üm den gantzen platz viel schöne gänge gehn. 23. Wier kamen auf das feld das gantz voll weitzen stunde/ mit gängen auch versähn; da gleich in einem grunde ein höltzern ritter kahm/ sein liebes Lieb ümfing/ und mit demselben fort ins grühne Grühne ging. 24. Was dacht' ich armer wohl! wie wahr mier da zu hertzen! ach! ach! o noch einmahl ach! möchte das nicht schmertzen/ wan ich mit troknem mund' und nassen augen hier ein solches sehen mus; ach! wo ist meine Zier? 25. O ädle Rosemund/ o schönste von den Schönen/ von der Libinne selbst ihr schöhn-sein mus entlehnen. Wo? (ich bö-böbre schohn/ die glieder zittern mier/ der kalte schweis bricht aus) wo bistdu meine Zier? 26. Wo bis-wo bistdu Du/ ach! o du Auserwehlte/ die mich in gegenwart ehmahls gantz neu beseelte/ und nuhn entseelen kan. Weil ich dich sehe nicht/ so nachtets üm und üm/ o Du mein Sonnen-licht. 27. Diß seuftzt' ich bei mier selbst; dis wahr mein heimlichs klagen bis in die dömmerung/ ja das mich muste nagen bis Föbus wieder traht auf seine güldne bahn. Wier ließen unser schif und reiseten fohran. 28. Dis war der sechste tag. Drauf seind wier angeländet des abends zu Ruahn/ so manche schiffe sendet nach dier/ o Mase/ zu. Zwee tage blieb ich da/ bis ich den elften auch Paries in Frankreich sah. 29. Das ädele Paries/ ja das noch ädler were und stöltzer als es ist/ wans würdig wer' der ehre/ Dich/ o du Mänsch-göttin/ zu sehn in deiner zier/ das grüßt' ich zwar erfreut/ doch auch betrübt/ von Dier. 30. Hier leb' ich noch zur zeit inzwischen leid und freude; in leiden/ weil ich Dich mit wider-willen meide; in freude/ weil ich säh/ daß Dier sich keine gleicht/ wie schöhn sie auch mag sein/ und fast mein ziel erreicht. 31. Nuhn schlüß ich meinen mund/ der deinen ruhm zu singen so färtig ist gemacht/ dem alles mus gelingen/ wan Du ihm winkest nuhr/ und der auf dein gebot itzt spricht/ itzt wieder schweigt. nuhn leb' in deinem Got! Das acht und zwantzigste Lied Des betrübten Mahrholds Klage/ über seinen glüks-wechsel in der Liebe 1. Marhold saß in liebs-gedanken mat von seufzen bei der A/ als ihn gleich in liebes-schranken Adelmund/ sein nein und ja/ Adelmund/ sein preis/ geschlossen/ und mit liebes-tau begossen. 2. Ach! sprach er/ wie manche Schöne hat mier ihre gunst geschenkt: Tausend Töchter gab mier Vene/ derer Liebe mich gekränkt. Tausend haben mich bewogen/ und durch gunst zur gunst gezogen. 3. Ich war gleich im ersten blühen/ als mich Himmels-hulde schohn pflag in ihre haft zu ziehen/ ach zu früh! durch ihren tohn/ der so überlieblich schallte/ und durch alle sinnen hallte. 4. Reinahrt war die zweite flamme; Lielje ward mier bald entrükt: dan hat mich die Liebetamme kaum drei wochen lang entzükt. Hildegond und Adelheit brachten auch für freude leid. 5. Erdmuht hätt' ich schier vergessen/ die so manchen lieben tag mier in armen hat gesessen/ die mier lang im hertzen lag. Doch die allertiefste wunde/ machte meine Rosemunde. 6. Rosemund/ die ohne tadel/ fol von tugend/ schöhn und glat/ reich und von uhraltem Adel/ aus der großen Venen-stadt: Diese machte solche wunde: itzund ist es Adelmunde. 7. Doch ich weis nicht was ich tuhe/ Rosemund liegt mier im sin/ und vergönnt mier selten ruhe; ob sie schohn ist längsten hin. Mein verhängnis hält mich feste/ Himmel/ zeuge mier das beste. Leber-reim. Die leber ist vom hecht/ von keiner taube nicht/ drüm/ Liebste/ weg mit ihr; sie ändert sinn und licht. Gedächtnüs-säule der überirdischen/ seligen Rosemund Steh Wandersmann/ und grüße diese säule mit tieffer ehr-erbietigkeit: steh still: nim dier ein wenig weile und schaue/ was mann Dier gebeut. hier sollstdu das gedächtnüs hägen der höchst-belobten Rosemund: und Ihr auf diesen marmel-grund so manches lobgedichte legen. wan sich das jahr verneuet so geht und streuet der Rosen blüht/ seid stets bemüht auf ihren preis/ der niemahls weis sein end' und ziel: rühmt oft und viel ihr tugend-licht/ das nie gebricht/ das nie verbleicht/ das nicht entweicht/ das nicht vergeht/ so lang als steht ein rosen-garten von unterschiednen arten; so lang ein wohlberedter mund der Menschen hertzen machet wund. dan Ihr hat Marhold dis gedächtnüs hergesetzt Ihr Mahrhold/ den ihr lob noch allezeit ergetzt: streut blumen/ streuet laub/ ihr sterblichen/ streut zweige von palmen hier herüm/ daß sich Ihr Nahme zeuge. Das neun und zwantzigste Lied auf die schönen augen der von nahmen und gaben hochädelen Klugemunde. 1. Ihr schönen augen ihr/ ihr lichterlein der schwachen/ die an der hohen burg der glatten stirne wachen/ dadurch mein trautes Lieb die härtsten hertzen zwingt/ und durch den schwartzen kwal bis in die seele dringt. 2. Euch bäht' ich kniehend an/ und flöhe zu den flammen/ daß sie doch ihre macht und kraft nicht alzusammen auf meinen schwachen geist und seele laßen gehn/ sonst bin ich tod/ und kan führ ihnen nicht bestehn. 3. Der kleine Liebes-schalk hat schon genug geblitzet: ich seuftze nach der luft/ der gantze gaumen hitzet/ der mund brennt lichterloh; drüm haltet doch zurük/ ihr lieben augen ihr/ den wunder-starken blik. 4. Kluginne kühle mich mit ihrem frischen taue/ der auf den lippen steht/ und den ich lieber schaue/ noch lieber trinken mag/ als mäht und reinschen wein/ der ist mein ädler trunk/ und gehet lieblich ein. 5. So fürcht' ich keine gluht/ so fühl' ich keine schmertzen/ die oftmahls nuhr ein blik entzündt in meinem hertzen. Wan Klugemunde mich mit einem kusse kühlt/ so acht ich ihrer nicht/ wan sie mit blikken spielt. Die leber ist vom huhn und lebet nuhn nicht mehr/ weil sie der liebe gluht/ mein Lieb/ verbrant so sehr. Die leber ist vom huhn und weil sie nicht mehr lebet/ so lebt das huhn auch nicht; so ist die liebe fort. Doch weil sie nur vielleicht noch in der irre schwebet/ so fahe sie/ mein Lieb/ und is sie auf mein wort. Die leber ist vom huhn. doch deucht mich daß wier träumen. dis lebt ja nicht/ dis ist ja nicht der Liebe sitz. Warüm dan sol ich dis so ungereimet reimen? Dan in der leber lebt ja sonst der Liebe blitz. Die Leber ist vom huhn/ vom hasen nicht begehrt/ sonst hätte Mohre sie/ die weisse/ wohl bewährt. Die Leber ist vom hecht/ doch/ were sie vom schwan/ so solte Mohre sie viel lieber nehmen an.