Frühlingslust oder Lob-und-Liebes-Lieder Denen Edlen/ Ehrenvesten/ Wohlfürnehmen/ Vor-Achtbahren und Wolgelährten Herrn Christian Reichbrodt/ Ihr. Churf. Durchl. zu Sachsen wohlverordnetem geheimen Secretarien etc. Herrn Dietrich/ Herrn Johann/ Petersohn/ Gebrüdern etc. Seinen Hoch- und Viel-geehrten Herren/ und wehrten vertrauten Freunden. Edle/ Ehrenveste/ Wohl-fürnehme/ Vor-Achtbahre Wohlgelährte/ Hoch- und vielgeehrte Herren und wehrten Freunde. Was ich ohngefähr vor drey Wochen einer hohen Persohn so teuer versprochen/ das hat nunmehr die Erfüllung erlanget. Meine Lieder brächen nun gleichsam mit den Rosen bey gegenwärtigem Frühlinge herfür und wollen in dieser anmuthigen Zeit im spatzieren-gehen das lüsterne Frauenzimmer ergötzen/ wo es nur einige Ergötzung daraus schöpffen kan. Diese Zeit zwar ergötzet genug und geräth männiglich nur bey Betrachtung derselben gleichsam in eine süße Verzückung: Bald empfinden wir eine sonderliche Ergötzung an den wider-hoch-auffsteigenden Straalen der Sonnen; Bald belustigen uns die liecht-blauen Gezelte des Himmels; die anmuthige Blöße der Lufft/ die schöne Tapezereyen der Wiesen und Gärte/ die Kristall-hellen Bäche/ so durch die schattichten Wälder dahin rieseln/ und bey denen das verzuckerte Zwitschern der Vögel/ so sich mit dem lieblichem Gereusche der Bäche vereinbahret. Dieses alles erwecket eine unaussprechliche Lust. Ob aber diese geringschätzige Lieder dergleichen Ergötzung würcken können/ zweifelt ihr eigner Meister gar sehr; In dem Er in Betrachtung zihet/ die geringen Erfindungen/ die anmuthigkeit der Wort und schlecht-sinnige Reden. Weil aber offt einem Meister seine eigne Sachen ein Mißfallen und Eckel gebähren/ in dem er Ihm selbige allzugemeine gemacht/ da sie doch anderen höchlich belieben; So wil ich auch meinen eignen Gedancken auff dißmahl nicht zu viel gleuben/ sondern vielmehr frembder urtheil nachhängen und diese meine zusammen gelesene Lieder in diesem kleinen Format der Straaff-süchtigen Lufft darstellen/ weil ich sonderlich einer solchen Lobwürdigen Person hiermit wilfahren sol/ welcher ich dann deßhalben und hierinnen zuförderst alleine gefallen wil. Daß ich aber meiner hochgeehrten Herren und träfflichen Freunde beliebte Nahmen dieser meiner Frühlings-Lust vorsetze/ geschiehet aus besonderer Freundschafft und Zuneigung gegen Sie; dann auch/weil mich sonderlich ihre gutthätige und freundseelige Naturen darzu gelocket und angetrieben/ lebe ich der wahren Hoffnung/ Sie werden dieses mein unterfangen/ wie gut es gemeinet und ausgegeben wird/ so gut auch annehmen und im besten vermercken. Ein mehres lässet weder mein Vermögen/ noch meine wenige Geschickligkeit zu. Mein Herr Reichbrodt/ wird hierbey unschwer erkennen/ wie daß ich seine mir fast vor einem Jahr erwiesene Gutthätigkeit gerne erwiedern wolte: da Er mich (zwar unwürdigen) sampt Herrn Brehmen in sein überaus schönes Zimmer zur Taafel geladen/ an köstlichen Trachten nichts ermangeln lassen/ und mir mit solcher Ehr-Bezeugung begegnet/ daß ich bald sagen dörffte/ es sey mir solches noch nie unnd an keinem Orte widerfahren. Es ist mir auch noch in frischer Gedächtnüß das wunderschöne Jungfer-Bild so an einer Thüren des Zimmers entworffen/ darauff ich dann dazumahl heimlich bey mir also spielete: Wie lebstu? oder nicht? du wunderschönes Bild? Es macht mich gar verzückt der blancken Brüste Schild: So offt ich wil die Thür auffmachen/ So offt pflegstu mich anzulachen: Kan diß der Schatten thun? Was würde wol geschehn/ Wann ich dein ursprungs-Werck lebendig solte sehn? Ich kan mir fast nicht bilden ein/ Daß du solst ohne Seele seyn. Ja aller Lust und Ergötzligkeit zu geschweigen/ belustigte mich auch sonderlich die Darzwischen-kunfft unsers H( errn ) Hertzogs/ daß ich bißher offt und vielmahls mein wider-sinniches Glücke (welches mich allzuzeitlich von Ihnen nach Norden zu gerissen) schmertzlich betauret. Der Himmel sey Ihnen allen geneuget und günstig! und helffe uns in kurtzen glücklich wider zusammen! Sie Beyde belangend/ H( err ) Dietrich und H( err ) Johann Petersohn/ so werden Sie auch hierbey verspüren/ daß Ich die angefangene treue Freundschafft hiedurch zu bekräfftigen und fest zu machen gesonnen/auch des einen tapfferes Gemüthe zu unserer Edlen Poesie mehr zu reitzen als zu erwecken/ Weil Er ohne diß von Natur darzu geschickt und mit außerlesenen Erfindungen und zierlicher Fügung der Worte seinen Liedern eine rechte Anmuth zu geben weiß. Befehle sie hiermit ingesampt der treuen Auffsicht des gütigen Himmels/ Mich aber in Ihre fernere Gunst-gewogenheit und treue Freundschafft; Der Ich gleichesfals bin und verharre Meiner Hoch- und Vielgeehrten Herren und treugeflissenen Freunde Hamburg 27. Tag des Mertzmonats im 1642 Jahre. Dienst-williger Philipp Caesius von Fürstenau. Günstiger Leser Gegenwärtige Lieder hetten zwar in eine bässere Ordnung können gebracht werden/ weil man aber in Verfärtigung derselben (theils Ich im zusammen ordnen/theils der Drucker im drucken) so sehr hat eylen müssen/ hat es die Enge der Zeit nicht zulaßen wollen. Die Lieder seyn zwar meistentheils Weltliche und voller verliebten Gedancken; Doch wil ich nicht hoffen/ daß etwas darinnen den Satzungen der Erbarkeit und guten Sitten zuwider vorlauffen solte/ Oder daß ich diese Nachrede davon tragen werde/ daß ich/ wie Ausonius/ der Virgilianischen Keuschheit eine Gewalt zugefüget. Ich spiele/ doch bey gutem Verstande. Ich schertze/ doch so/ daß es zu verantworten. Die Worte seyn schlecht/ die Reden deutlich/ daß sie jederman verstehen sol. Denn so die Reden allzusehr verfünstert/ daß mancher kaum den halben Verstand daraus erzwingen kan/ wozu dienet es? Im übrigen bin Ich zwar auch geständig/ daß noch viel darinnen zu ändern und zu verbässern/ sonderlich weil sie alle mit flüchtiger Feder fast ohne einiges nachsinnen geschrieben worden/ habe es aber in Wahrheit so eylend nicht thun können. Wird mirs also der geneigte Leser nicht vor übel halten/ sondern vielmehr mein treues Hertze gegen mein liebes Vaterland und desselben Edle Sprache erkennen/ wie ich nun dieselbe fortzupflantzen und belobt zu machen gesinnet und embsig bemühet sey. Gott befohlen! Auff die Frühlings-Lust Herrn Philipp-Caesius von Fürstenau etc. Ihres besonderen Freundes Herr/ was sol ich von Euch sagen? Eure schöne Lieder machen/ Daß Cupido selbst muß klagen/ Daß Saturnus bricht ins lachen und von Liebe diese zwey/ Wann ihr singt/ nicht leben frey. Laßt den Honig Eurer Lieder Fort und fort so süße fliessen/ Weil sie niemand seyn zu wieder/ Laßt den Nectar sich ergiessen/ Dann so sprech' ich: Der ist hier: Der uns zeigt Hymettus Zier. D.E.V.R. Trochäisches Wechsel-Lied über Die des Wohl-Ehrnvesten und Hochgelährten Herrn Philipp Caesius von Fürstenau Deutsche Lieder Hochhalt und Adelwehrt hören in ihrem spatziren/eine fürträffliche Stimme/ wissen erstlich nicht/ was/oder wer es sey/ fahen darüber mit einander an zu singen/ und zwar folgendes. Hör' Ich doch den Flaccus singen! Nein: Es ist solch singen nicht. Mir doch wil es gantz so klingen. unrecht dich dein Ohr bericht. Was denn ist es für ein Schall. Ey! es ist die Nachtigall. Auch noch unrecht seyn wir Beyde/ Gib nur achtung auff den Thon; Caesius/ der Musen Freude/ Phöbus und der Pallas Sohn/ ist es/ der so lieblich singt/ Daß es in den Lüfften klingt. Du bist recht! Ich sol ihn kennen/ und Ich bin ihm auch bekant; Buchner pflegt ihn Sohn zu nennen/ und der Große Ferdinandt hat/ nach dem Er Ihn gehört/ einen Lorbeer-Krantz verehrt. Ja das große Welt-Gewölbe liebet diesen edlen Schwan/ und der Delphin in der Elbe/ strandt nach seinen Liedern an; Auch der Wind legt sich zur Ruh wann er singt/ und hört Ihm zu. Ach! was wiltu darvon sagen/ Noch ein größers ist geschehn/ Hab' ich doch für wenig Tagen Hier die Elbe selbst gesehn/ Daß sie wieder rückwarts kam/ stund/ und wie Er sang vernam. Merck Die Elbe fleusst bey Hamburg vor sich und zu rücke: Wird genennt Ebbe und Fluth/ wann sie dann ihre höheste Fluht hat/ und sich zum Abfall schicket/ stehet sie ein wenig still. Ist dannenhero in diesen letzten Versen auff diese/ der Elbe Eigenschafft gesehn worden. Dieses ist bey der Ehrenburg an der Elbe den iij. Tag des Ostermonats angehöret/ und seinen großen Freunde zu Ehren hieher gesetzt von D. Petersohn. Erstes Dutzend An sein Büchlein Ist es dann nun lauter eylen? Kanstu Büchlein nicht verweilen? Ziht dann ein Magnet dich fort? Ja ich mercke deine Possen/ Dier beliebt ein solcher Ort/ Wo du wirst aus Lieb' ümbschlossen. Du wilt in den edlen Zimmern Bey den schönen Jungfern schimmern; Ihr Gethön hat dich entzückt/ Daß du nun von ihren Zungen Auch wilt werden angeschmückt und mit Freuden hergesungen. Wie? wann aber nicht gefiele/ Was ich hier ohn Anmuth spiele? Wer es dann viel bässer nicht/ Daß du werest bey mier blieben und gescheut das Tagelicht/ Als daß du Dich wilt betrüben? Das Erste Lied An seine Gedancken bey herzunahendem Frühlinge Von lauter Anapästischen Versen/ 1. Auff! meine Gedancken seyd lustig von Hertzen/ In diesem angehendem frölichem Mertzen; Ach sehet der Frühling erneuert sich nun/ Die Erde wil ihre Schatzkammer auffthun. 2. Bald werden die lieblichen Blumen auffschiessen/ Bald werden Zeitlosen und Rosen entspriessen. Bald werden wir holen die blaue Viol/ Die jeden ergötzet und riechet sehr wohl. 3. Bald werden die Tulpen und Liljen ausblühen/ Die manchen zu ihrer Anmuhtigkeit ziehen/ Da könnet ihr/ meine Gedancken und Sinn/ Euch völlig ergötzen und letzen forthinn. 4. Man höret die lieblichen Kinder der Lüffte Schon singen/ daß wider erklingen die Klüffte/ Frau Nachtigal ruffet daß Hügel und Wald/ Daß Thäler und Berge/ daß alles erschallt. 5. Sie loben den Schöpffer/ der ihnen das Leben/ Die fertige Zunge zu singen gegeben/ Die Lerche trieriret ihr tiretielier/ Es bincken die Fincken dem Buhlen auch hier. 6. Die Auen stehn lustig mit Perlen betauet/ Es werden die Hirsche mit Freuden geschauet. Wie färtig sie springen durch kreuter und klee/ Wie lustig sich machet das flüchtige Reh. 7. Was unsre Poeten muß zieren und schmücken/ Das edele Lorberlaub sihet man blicken/ und machet uns einen recht-frölichen Muth; Auff! meine Gedancken/ mein Leben und Bluth! 8. Auff! meine Gedancken/ seyd lustig von Hertzen/ In diesem angehenden frölichem Mertzen/ Auff! sehet der Frühling erlustigt Euch recht/ Auff! meine gedancken/ mein gantzes geschlecht! Das ander Lied Auff eine unglückseelige Nacht Von Jambischen Versen/ Auff die Melodey: Wohl dem der weit von hohen Dingen. 1. Es bricht herfür der Nächte Schatten/ Doch scheint mir noch der Liebsten Licht/ Der Himmel wil es kaum gestatten/ Drümb scheint und gläntzt es ferner nicht. Weil sich die Liebste von mir macht/ Empfind' ich unglück diese Nacht. 2. Die Nacht das Schrecken-Kind entspringet/ Da Leid auff Freude folgen muß/ Die Dunckelheit mich gantz ümbringet/ O harter harter Himmels-Schluß! Weil sich die Liebste von mir macht/ Empfind' ich unglück diese Nacht. 3. Muß dann der rothe Mund verblassen/ Dem noch die schönste Rose weicht? Muß denn das dopple Licht mich hassen/ Vor dem die Sonne selbst verbleicht? Weil sich die Liebste von mir macht/ Empfind' ich unglück diese Nacht. 4. Ach mein! wie hab ich das verdienet? Was hab ich ewig nur verschuldt? Wie bin ich dann noch nicht versühnet Zu leben in der Liebsten Huld? Weil sich die Liebste von mir macht/ Empfind' ich unglück diese Nacht. 5. Doch muß ich mich nur drein ergeben/ und weil es anders nicht kan seyn/ Des trüben Himmels Gnade leben/ Der auff mich zornig ist allein. Weil sich die Liebste von mir macht/ Empfind' ich unglück diese Nacht. Das dritte Lied Daß Weißheit der beste Schatz sey Auff ebenselbige Melodey. 1. Wohl dem! der in den Schrancken bleibet/ und nicht nach großem Reichthum strebt/ Wohl dem/ der so die Zeit vertreibet und stets in stoltzer stille lebt; Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 2. Wer stets nach großen Gütern trachtet und ist auff Reichthum nur erpicht/ Ist wilden Thieren gleich geachtet/ Die ihre Stunde wissen nicht. Ein ander suche Geld und Guth Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 3. Wie große Thürne nicht bestehen/ Die ohne Grund seyn auffgeführt; So muß auch das zu Grunde gehen/ Wobey man keine Weißheit spürt. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 4. Wie keine Frucht nicht wird erkiesen Die nicht ein wenig schmaghafft ist/ So wird auch keiner je gepriesen/ Bey dem man weise-seyn vermisst. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 5. Gleich wie die Rose ziert den Garten/ So ziert ein weiser Mann das Hauß/ Mann hatt was gutes zu gewarten/ Weil alles glücklich geht hinaus. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 6. Wer seine Sachen weißlich führet und redet alles mit Bedacht/ Ist wie ein schöner Quell gezieret/ So täglich quillt in voller Pracht. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 7. Wie bey den Quellen schöpfft ein Müder/ sich labet/ letzet und lustiert; So suchet weisen Rath ein jeder Bey dem/ der weise Reden führt. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 8. Die Herrschafft muß bald untergehen/ Wo keine weise Räthe seyn/ Kein Anschlag kan und mag bestehen/ Wann ungelehrter Mund wäscht drein. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 9. Wenn einer wil zum Himmel führen/ und fängt es nicht recht weißlich an/ Macht eher das Verderben spüren und fehlt der güldnen Himmels-Bahn. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 10. Wer wil mag immer toll sich kräncken/ Nach Reichthum trachten für und für/ Ich wil an dieses nicht gedencken/ Ein höhers such ich mit Begier. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 11. Ein fromm Gemüth pflegt mehr zu ringen Nach stiller und gewündschter Ruh/ Als nach viel Sorgen/ die es zwingen und bringen nach der Höllen zu. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. 12. Nun weicht von mir Ihr schnöden Sachen/ Die ihr uns Angst und Sorgen bringt/ Ich muß der eiteln Welt nur lachen/ Die willig nach dem Tode ringt. Ein ander suche Geld und Guth/ Nach Weißheit steht mein Hertz und Muth. Das Vierde Lied unter eines andern Nahmen Wird eben so wie vorige beyde gesungen. 1. an jemand wohl seyn so geschmücket lß der/ so treuer Liebe voll? rifft an ein Hertz/ das unverrücket inwider liebet wie es soll? ch! wohl demselben dessen Hertz echt treulich liebet ohne Schmertz. 2. st man gleich noch so schön formieret ach euserlichen Schmuck und Schein/ cht aber nicht/ was schöner zieret/ ühlt innerlich kein Treulich-seyn: ch! ist man nicht gantz ungestalt nd in dem jüngsten Alter alt. 3. ol man mich einen Menschen nennen/ ilg' ich die Falschheit billich aus; st jemand falsch/ wie soll wol können och schöne seyn des Hertzens Haus? Ach wol demselben/ dessen Hertz Recht treulich liebet ohne Schmertz. Das Fünffte Lied Eben so: 1. Ihr Wiesen/ Thäler/ Büsch' und Felder/ Die Ihr der Liebligkeiten voll/ Sagt mir/ Ihr Schatten-reichsten Wälder/ Was meiner Schönsten fehlen soll? Mein' allerschönste Halb-Göttin Ist meine Lust/ mein ander Sinn. 2. Gleich wie der kühle Tau im Meyen Die Hügel/ Thäler Berg' und Büsch' Durch seiner Kräffte kan verneuen/ und macht die welcken Rosen frisch; Also verneut auch meinen Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin. 3. Gleich wie die matten Wanders-Leuthe Erfrischt und stärckt das Reben-Bluth/ Gleich wie dem Kriegesmann die Beuthe Erfreuet Hertze/ Sinn und Muth; Also erfreut und stärckt den Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin. 4. Gleich wie auff dücke fünstre Wälder Sich freut bey Sommers-Zeit ein Thier/ und wie die bunt-geschmückten Felder Sich freuen auff der Sonnen Zier: So freut sich auch auff dich mein Sinn/ O allerschönste Halb-Göttin. 5. Gleich wie an frischen Wasserflüssen Ein Hirsch sich labet mit Begier/ Die Ihm ein Laabsaal geben müssen/ Wenn Er durch Durst getödtet schier; So kühlt und labet meinen Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin. 6. Mit kurtzen will ich diß beschließen: Mein Schatz ist mir noch mehr als Tau/ Kan mich noch mehr/ als Wein/ versüßen/ Sie ist die Beut'/ auff die ich schau/ Sie ist mein Schatten/ meine Sonn; Mein einig Laabsaal/ Lust und Wonn. Das Sechste Lied Von Jambischen Versen. 1. Ach weh! Ich muß vergehen und stets in Trauren stehen/ Weil du so fliehst für mir/ Du meine Freuden-Sonne/ Du meine Lust und Wonne/ Sol ich dann nun von dir? 2. Wiltu mich so verschmähen? Du must es ja gestehen/ O Venus meiner Zeit/ Daß ich dir hab' ergeben Mein Hertz/ Muth/ Sinn und Leben/ und schafft mir itzt nur Leid. 3. O ändre deine Sinnen/ Dein thörichtes Beginnen/ Du meiner Freuden Pein/ Weil dein so lieblichs blicken Mein Hertze wil verzücken/ Laß mich der Deine seyn. 4. Wann Cynthia stoltzieren und Titan wird auffführen Den Wagen voll Rubien; So wil ich an dich dencken/ Dier manche Wündsche schencken/ Die durch die Lüffte zihn. 5. Diß laß dir so gefallen und liebe mich vor allen; So sol dein hoher Preiß Durch Lufft und Wolcken steigen und dir nach Willen schweigen Der Neid-gewohnte Kreiß. Das Siebende Lied Von Trochäischen Versen. Unterredung mit dem Brieffe/ welcher ihm eine gute Vertröstung von der Seinen gebracht. 1. Auff! mein hochbetrübtes Hertze/ Mein bißher gequälter Sinn/ Alles klagen ist dahin/ Es verwandelt sich mein Schmertze; Ja mein Schmertz verwandelt sich/ Wann ich/ Briefflein/ schaue dich. 2. Schöner Brieff/ du Hertzens-Bothe/ Den mir schickt mein ander Ich/ Kanstu so erfreuen mich/ Oder ists der Zweiffels-Knodte? B. Nein die Liebste selbst es thut/ Die itzt redet durch den Sud. 3. Soll der Sud mich so ergötzen? Kan Er bringen her von Ihr Die beliebten Seufftzer mir? und mein schwaches Hertze letzen? B. Ja der Sud/ das süße Kind/ Macht es/ daß dein Leid zerrint. 4. Aber wie mag dieses kommen? Vormahls wolte mich allhier/ Meine Göttin tödten schier/ Die mir itzt das Leid benommen? B. Kennstu nicht den kleinen Mann/ Der so träfflich schießen kan? 5. Ja/ wie solt' ich den nicht kennen/ Der durch seine starcke Macht Mich ans Joch der Liebe bracht' und mein Hertz ließ halb verbrennen? B. Wohl! das ist das blinde Kind/ Das Sie gegen dich entzündt. 6. Soll sie mich nicht mehr betrüben? Soll der klahren Augen Zier/ Die mich vor ertödtet schier/ Soll ihr Hertz mich treulich lieben? B. Treulich lieben wird ihr Hertz/ Dich anblicken ohne Schertz. 7. Wohl! so sag' ihr meinen Willen/ und daß ich vor Liebe sey Gegen Sie entzündt auffs neu/ Ja ihr wollen will erfüllen: B. Dieses wil sie gleichfals nun/ Dir zu Willen alles thun. 8. Ey so leb' ich gantz vergnüget/ Weil mein trauren ist dahin und ich nun recht frölich bin/ Weil ich einmahl obgesieget: Andre haben noch den Krieg/ Ich den offt-gewündschten Sieg. Das Achte Lied Kan auch auff vorige Melodey gesungen werden/ Oder auff die: Coridon der gieng betrübet/ etc. 1. Unlängst ist der Neidhart kommen In das edle Sachsen-Land/ An den blancken Elben-Strand und sein Lager da genommen/ Wo der große Daphnis wohnt/ Da die Tugend wird belohnt. 2. Wolte sich in hohe Sachen/ O der Thorheit! mischen ein/ Nichtes kont' ihm eben seyn/ Wolte tadelhafftig machen selbst den hochberühmten Ort/ Wo man hört ein Göttlich Wort. 3. Aus dem Munde giengen Flammen/ Die den edlen Himmels-Fluß/ Der dich/ Room/ auch trotzen muß/ Solten dämpffen allzusammen; Brennt er aber noch so sehr/ Quillt der Fluß doch mehr und mehr 4. Wunder! daß sich so erkühnet/ Dieser Schwefel-blaue Mann/ Den die Hölle liebgewann/ Der den Furien auffdienet/ Den der Styx gezeiget hat und sich nimmer frisset satt. 5. Neidhart packe dich von hinnen/ Bleibe/ wo dein Bleiben ist/ Wo du sonst herkommen bist/ und verübe dein Beginnen/ Wo der Schwefel-Rauch entspringt und sich in die Lüffte schwingt. 6. Man kan deiner wohl entbehren; Deine Kunst und Zierath ist Lästern/ Lügen/ Leugnen/ List; Ich wil deiner nicht begehren/ Bin dir feind von anbegin/ Packe dich nur immer hin! 7. Unser Sinn soll doch nicht wancken/ Sondern standhafft hier bestehn/ Wo die güldnen Quelle gehn; Er soll bleiben in den Schrancken/ Er sol seyn zu Tag und Nacht Auff Beständigkeit bedacht. Das Neunde Lied Auff Seine ein wenig Abgewichene Eben wie voriges zu singen. 1. Muß ich denn nun noch erfahren/ Wie so treuloß sey dein Sinn/ Allerschönste Halb-Göttin/ Die wir doch verbunden waren Durch das feste Liebes-Band An dem Hertzen/ Mund und Hand? 2. Muß ich denn nun selbsten hören/ Daß ein solcher grober Klotz/ Mir gerühmet wird zu trotz/ Wiltu einen solchen ehren/ Einen solchen groben Knoll/ Welcher aller Grobheit voll? 3. Muß Er denn mich so verdringen/ Daß ich deinen Rosen-Mund/ Den ich vormahls küssen kunt/ Fort nicht mehr kan hören singen solche süße Melodey/ Die mich machte traurens-frey? 4. Wiltu denn so gar verlaßen Deinen Liebsten/ der sich Dier gantz ergeben/ meine Zier/ Welchen du auch gleicher maßen inniglich geliebet hast/ Der Dier war ein lieber Gast. 5. Solten deine rothen Wangen/ Sol dein Zucker-süßer Mund/ Der den Himmel zwingen kunt und die Götter hielt gefangen/ Diesem Tölpel eigen seyn/ Der so trotzig tritt herein? 6. Nein. Der Himmel wolle lencken Meiner Hertzens-Meisterin/ Dier/ den gantz verirrten Sinn/ Daß du mögest wieder schencken Deine Gunst und Liebe mier/ Der ich mich ergeben Dier. Das Zehende Lied Unterredung zwischen dem Schäffer Thyrsis und der Schäfferin Amaryllis auff vorige Melodey. 1. Thyrsis. Amaryllis laß uns gehen Nach dem kühlen Schatten zu/ Zur gewündschten Mittags-Ruh; Weil am Mittel-puncte stehen Phöbus Pferd' in vollem Schein und die Hitze bricht herein. 2. Amaryllis. Ja wir wollen uns hinmachen/ Wo die kühlen Wälder stehn und des Sudens Kinder gehn/ Wo die güldnen Thäler lachen/ Wo der süße Widerschall Streitet mit der Nachtigal. 3. Thyrsis. Ach wie hefftig brennt die Sonne/ Laß uns eylen alsobald in den nechst-gelegnen Wald; Amaryllis/ meine Wonne/ Komm/ der Schatten findet sich/ Nun wohlan! erquicke Dich. 4. Amaryllis. Ey so wil ich frischer singen Weil ich nun in süßer Ruh kan dem Buhlen hören zu; Ich wil meine Stimm' erschwingen/ Thyrsis meine Freud' und Zier Liegt in meinen Armen hier. 5. Thyrsis. Sonne/ kan ich diß erlangen/ Ach! so eyle nicht so sehr nach dem blauen Westen-Meer/ Daß ich desto mehr ümbfangen Meine Liebste kann und mag; Ach! verlängre diesen Tag! 6. Amaryllis. Brennt und flammt das Wolcken-Feuer gleich so starck zur Sommers-Zeit Auff den Feldern weit und breit/ Kommet ihnen doch zur steuer Drauff der Tau/ das Kind der Nacht/ Daß die Rose wider lacht: 7. Also wenn gleich brennt und hitzet Noch so sehr der Liebe Gluth/ und entzündet Hertz und Muth; Dennoch/ wenn zur Seiten sitzet Mein Geliebter/ werd' ich kühl/ Daß ich keine Schmertzen fühl. 8. Thyrsis. Ja ich muß es auch bejahen/ Daß die Liebe stärcker flammt Als die Strahlen ingesammt/ Wann sich Titan pflegt zu nahen/ Wann die Sonn' am höchsten steht und die Hitze sich anfäht. 9. Starck ist ein Magnet im zihen/ Stärcker ist ein Liebes-Blick/ Ein Magnet ziht Stahl zurück; Doch wann Liebes-Rosen blühen In der Buhlschafft Eugelein/ Kan die Liebe stärcker seyn. 10. Amaryllis. Ey was wollen wir viel singen Von der Liebe Gluth und Hitz und der Liebsten Augen-Blitz/ Der ein mattes Hertz kan zwingen/ Daß es wird vor Liebe kranck! Seyn wir doch nun frey und franck. 11. Thyrsis. Amaryllis/ meine Sonne/ Nim nun hin mein treues Hertz; Durch dich lindert sich mein Schmertz/ Du bist meine Freud' und Wonne/ Meine Liebe schenck' ich dir/ Amaryllis/ meine Zier. 12. Amaryllis. So wil ich auch diß mein Leben/ Meine Liebe meinen Sinn/ Mein Gemüth/ Dier zum Gewinn/ Thyrsis/ eigentümlich geben; Also dürffen wir nicht mehr Dencken/ daß die Liebe schwer. Das Eilffte Lied Von Jambischen Versen Nach der Erfindung und Melodey: An einem Sontag thets geschehen/ etc. Auff begehren also verbässert. 1. Als einst Cupido zu den Höhen Wolt in Dianen Tempel gehen/ Der Opfferung zu wohnen bey; Ist er zu späte dahin kommen/ Die Stühle waren eingenommen/ Doch trängt Er ein sich ohne scheu; Der Korydon war gleich auch da/ Dem Er in etwas trat zu nah/ Drümb ihn der Hürte schäl ansah. 2. Sprach/ Lecker/ bistu toll von Sinnen? Wiltu noch Schalckheit hier beginnen? Damit trat Er Ihm auff das Bein/ Cupido muste diß verschmertzen/ Wie wohl ihm solcher Schimpff im Hertzen Ein heimlich Kreutze mochte seyn. Er rechte Koridons Gewalt und nam im Augenblick alsbald An sich der Delien Gestalt. 3. Es mochte Koridon wol wissen/ Daß Delia stets war geflissen Dem Opffer gern zu wohnen bey/ Drümb wolt' er Sie allda sehn stehen/ und dann mit ihr nach Hause gehen: Cupido aber treugt ihn frey; Schlägt wie die Hürtin an die Brust/ und reitzt den Koridon zur Lust; Es war Ihm keine List bewust. 4. Als nun das Opffer war geendet/ Cupido sich nach Hause wendet/ Denckt Koridon/ nun ist es Zeit/ Daß ich die Liebste mag begleiten/ und fügt sich an Cupidons Seiten/ Der lacht ihn an mit Freundligkeit: Der Hürte war erfreut so gar/ Denn Er diß vor gewohnet war/ Weil er sie schon geliebt viel Jahr. 5. Er nam Cupido bey den Händen/ Der ihn so artlich konte bländen/ und sprach/ ich lieb' euch träfflich sehr/ Küsst ihm hiermit auff seine Wangen/ und will mit Freuden Ihn ümbfangen/ Er meint/ daß Er im Himmel wer: Es fielen viel der Liebes-Wort/ Der Koridon eylt mit Ihm fort Zu kommen an den schönen Ort. 6. Da eben nun kam her geschritten Die Delia von Ihrer Hütten/ und Koridon von fern erkant/ Küsst ihn Cupido noch der kleine/ sprach/ tritt forthin auff deine Beine: Hiermit von stunden er verschwandt. Der Hürte gantz betrübet stund/ In dieses sich nicht schicken kunt/ Bald Delia thet auff den Mund: 7. Sie sprach/ halt! was war das vor Eine/ Mit der du gingst im Feld' alleine/ Wars deine Delia? O nein/ O falscher Hürt'/ ich kan nun spüren/ Daß du viel andre pflegst zu führen/ Will nicht mehr deine Hürtin seyn. Der Hürte sagte gantz kein Wort/ Sie aber lieff und ließ ihn dort Sehr traurig sitzen fort und fort. Das Zwölffte Lied Von Jambischen Versen. 1. Ade/ du Gifft der Zeit/ du eitle Liebes-lust/ die mier (ach blinde Welt!) vor diesem war bewust/ Die mein Gemüth und Sinnen Bezaubert allbereit/ nur Thorheit zu beginnen: Ade! du Gifft der Zeit. 2. Ich bin gesinnet nun der Tugend nachzugehn und nicht mehr bey der Welt der eitlen Welt zu stehn/ Ich wil mich von Ihr reissen/ aus Eckel und Verdruß/ und mich der Zucht befleissen/ So daß ich sagen muß: 3. Ade/ du Gifft der Zeit/ du eitle Liebes-lust/ Die mier (Ach blinde Welt!) vor diesem war bewust/ Die mein Gemüth und Sinnen Bezaubert allbereit/ nur Thorheit zu beginnen: Ade! du Gifft der Zeit. Aus dem Owen Aus meinen Augen quillt des kalten Nilus fluth und aus dem Hertzen flammt des Berges Aethna Gluth: Ein jedes pflegt zugleich mit aller Macht zu kämpffen/ und dennoch kan die Fluth die Feuers-gluth nicht dämpffen; Noch wieder von der Gluth das Wasser trocknen aus; Sie seyn zwey Feinde sonst/ doch werden Freunde daraus. Anderes Dutzend Das Erste Lied Der Deutschen Heliconinnen An den Allerdurchleuchtichsten/ Großmächtichsten/unüberwindlichsten Römischen Keyser Ferdinanden dem Dritten/ Dem Fried-färtigem 1. Ferdinand/ du Großer Keyser/ Dem die Götter allzumahl Palmen- und Oliven-Reyser Schicken aus dem Himmels-Saal; Höre gnädig was wir bringen und vor deinem Throne singen. Schaue/ wie der Himmel blickt und sich zu dem Frieden schickt. 2. Alle Thäler/ Berg' und Wälder/ Echo selbsten von Natur/ Alle Hügel/ Brüch' und Felder/ Alle Gründe ruffen nur: Friede/ Fried' in allen Landen unserm Großen Ferdinanden! Schaue! wie der Himmel blickt und sich zu dem Frieden schickt. 3. Oder/ Donau/ Muld' und Pleisse/ Havel/ Elster/ Elb' und Saal'/ Ja der Bober/ Bill' und Neisse/ So dir dienstbar allzumahl/ Ruffen/ Fried' in allen Landen unserm Großen Ferdinanden! Schaue! wie der Himmel blickt und sich zu dem Frieden schickt. 4. Wasser/ Erde/ Lufft und Himmel Seyn des Krieges alle satt: Hör ich nicht ein still Getümmel/ Wie das milde Sternen-Blat unsern Großen Ferdinanden Friede zeigt in allen Landen? Schaue! wie der Himmel blickt und sich zu dem Frieden schickt. 5. Nim was dir der Himmel zeuget/ Was du längst begehret hast/ Der sich gantz zum Frieden neiget; Ach! so seyn wir schon gefast/ Dich/ O Keyser anzusingen/ Daß die Wolcken sollen klingen. Schaue/ wie der Himmel blickt und sich zu dem Frieden schickt. 6. O! du Gott Europens Erden/ Herr/ vor dem der Mond verbleicht/ Dem die Starcken dienstbar werden/ Dem kein Gott auff Erden gleicht/ Fahre fort! Gott gebe Glücke/ Daß dein Reich der Fried' anblicke! Mache Fried'; Ein jedermann/ Ruffet/ wer nur ruffen kan. Das ander Lied Die Seine schickt Ihm durch die Nachtigal einen Krantz Die also singet. Auff vorige Melodey. 1. Höre/ Schönster deiner Schönen/ Höre/ was ich singen soll/ Wie dein Lieb dich wil bekrönen/ und von deiner Lieb' ist voll: Itzund komm' ich/ dir zu sagen/ Was dein Wohl und Weh muß klagen/ Was dir schickt dein Ichts und Nichts Ja die Fackel deines Lichts. 2. Ich der Wälder Zier und Freude/ Ich beliebte Nachtigal/ Als ich einst sang auff der Heyde Meiner süßen Kehlen Schall/ Kam dein Lieb mich anzusprechen An des Pindus klaren Bächen; Bat' ich möchte bringen Dir Einen süßen Gruß von Ihr. 3. Ich war schon bemüht zu flügen Vor dein schönes Zimmer hin/ Deine Liebste zu vergnügen/ Dir zu sagen ihren Sinn/ Aber weil sie wolte schicken Einen Krantz dich anzuschmücken/ Must' ich warten/ biß Er gar ümb und ümb gezieret war. 4. Dieser soll dein Heupt ümbgeben/ Du hergegen giebst ihm das/ Was Ihm gleichsam giebt das Leben/ Sonsten ist Er viel zu blaß. Gönn' Ihm/ daß er mög' ergäntzen sein nur angefangnes gläntzen; Wird Er nicht geziert von Dier/ Ist Er gäntzlich ohne Zier. 5. Daß du nicht vergessen mögest/ Wann du von dem Schlaaff auffstehst/ Oder dich zu Bette legest/ Wann du sitzest/ wann du gehst/ Deiner Demuth Lieb' und Treue/ Die sie dir verspricht auffs neue/ Ach! so sih! vergiß nicht mein Muß des Krantzes Zierrath seyn. 6. Ey so liebe nun die Deine/ Liebe die dich wider liebt/ und Ihr nicht so hart erscheine/ Wann sie Dir sich eigen giebt. Ich wil wieder von dir scheiden Zu den schön-beblühmten Heyden/ und wil deinem Wohl und Weh Diß berichten. Nun Ade! Das Dritte Lied Tugendreich die kleine Welt Nach der Melodey: Daß mein Gemüth in Angst und Sorgen schwebet. 1. Du gleubst nicht/ daß du seyst der Welt zu gleichen/ O Allerschönste Tugendreich/ Ich sage noch/ daß Sie für Dier muß weichen/ Du bist ihr warlich mehr als gleich/ Ja die Zier der keuschen Jugend Gehet Ihrem Schmucke vor/ Deine mehr als Himmels-Tugend Blickt vor aller Zier empor. 2. Der Himmel deiner Stirn' an welchem blicken Zwo schöne Liechter voller Zier/ Die sich bey später Nacht zum Abzug schicken und früh zum Auffzug mit Begier; Diese seyn ja mehr als Sonne/ Mehr auch als des Mondes Licht/ Man empfindt mehr Freud und Wonne/ Wann ihr schöner Straal anbricht. 3. Der blancke Sternen-Fürst macht alles helle/ Vertreibt die schwartze Fünsternüß; Dein Aug' ist eben auch des Lichtes Quelle/ So mein Gemüth erleuchten muß; Wann dein Auge straalt und funckelt/ Winckt und blincket her zu mir/ Wird der Deine nie verdunckelt/ Wann die Nacht gleich bricht herfür. 4. Der Himmel ist offt trüb' und gibt uns Regen/ Deckt seine schöne Liechter zu/ Die gleichsam auch verhüllt zu trauren pflegen; Die Eigenschafften hast auch du. Lachest offt und sihst offt trübe/ Regnest Thränen ohne Zahl/ Wann dich teuscht die schnöde Liebe/ und verhüllst den Sternen-Saal. 5. Der schönsten Blumen Zier so bey den Flüssen und bey den frischen Brunnen stehn/ Die kan dein Angesicht nicht einmal missen/ Mann siht sie täglich frisch auffgehn: Liljen zieren deine Wangen/ Tausendschönen mischen sich/ Wo die keuschen Rosen hangen und erfreuen dich und mich. 6. Des Hertzens Vorhoff ist schön ausgesetzet/ mit theuren Perlen und Rubien Du kanst auff deiner Brust/ die manchen letzet/ Narcissen-Rößlein hübsch erzihn. Kürtzlich: Alle Gärte weichen Deiner schönen Backen-Zier; alle Blumen müssen bleichen/ Wann dein Mund nur blickt herfür. 7. Diß ist von aussen nur/ was ist wohl drinnen? Was euserlich/ das lob ich hier/ Das ander ist zu hoch für meine Sinnen/ und übertrifft der Reden Zier. Deiner hohen Tugend Flammen/ Schönste/ deine große Zier/ Deine Zucht und Du zusammen Haben mich verbunden Dier. 8. Wer kan nun/ Tugendreich/ dich hassen/ Weil dich der Himmel so geziert/ Die Welt dein Ebenbild kan ja nicht fassen Das hohe Lob/ das dier gebührt; Deine keusche Zucht und Tugend gehet dieser allzeit für/ Nur die Schönheit deiner Jugend Gleicht sich etwas ihrer Zier. Das Vierde Lied In seiner eignen und vorigen Melodey Auff begehren in bässere Verse gebracht. 1. Der edle Schäffer Corydon Saß einst in trauren tieff/ Gedacht an Fillis/ seine Sonn/ Darüber Er entschlieff/ und als er eingeschlaffen kaum sein' Augen zugeschlossen/ macht Ihm durch einen süßen Traum Cupido Liebes-Possen. 2. Ihm daucht als wenn die Phillis käm In stiller Ruh der Zeit/ Ihn freundlich in Ihr' Arme nähm' und küsst' Ihn allbereit/ Daher sein Hertz vor Freuden wallt: Wie soll ich das verstehen/ Sprach er zu seiner Liebsten bald/ Daß mirs so wohl sol gehen? 3. Kaum aber einen Augenblick genoss Er diese Lust/ Da ändert sich sein Schatten-Glück/ Das Ihn bethören must: Cupido mit den Flügelein Ein groß Gereusche machte/ Daß Corydon aus süßer Pein alsbald vom Schlaff' erwachte. 4. Ach sprach der gute Corydon/ Ach! Allerschönste Zier/ Schaffstu mir solche Freud' und Wonn' In dem du weit von mier; Was wird denn wohl dein zahrter Mund Vor große Freude machen/ Wenn du bey mir/ wie ich/ verwundt selbst schlaaffen soltst und wachen? Das Fünffte Lied Ermahnung zur Fröligkeit Auff Pindarische Art von Anapästischen Versen. Lentz/ Sommer/ Herbst/ Winter und andere Zeiten/ die müssen uns dienen zur Nahrung und Kost: der Frühling lässt Streuser und Kräntze bereiten/ gibt Blumen und Kreuter und ändert den Frost/ im Lentzen die Vogel sich nähren und mehren/ sie singen und klingen und laßen sich hören/ Daß Thäler und Felder und Wälder zugleich/ Daß alles erschallet und wallet vor Freuden; Wo Corydon/ Fillis und andere weiden; Die Wiese voll Blumen/ voll Fische der Teich muß unser' Ergötzligkeit helffen vermehren; Die Beume die blühen und grünen mit Macht/ Die Hirsche seyn lustig und laßen sich hören/ Ein jedes/ so lebet und schwebet/ das lacht. Es muß uns der Sommer und Herbest auch dienen/ Der unsere Kammern und Scheinen erfüllt. Es geben uns Honig im Sommer die Bienen/ Die Felder und Wälder Getreydich und Wild; Der Herbest muß allerley Obest uns geben/ Bald äpffel/ bald Birnen/ bald edele Reben; Der Herbest verehret und mehret den Wein/ Der unsere Keller und Tafeln auszieret/ Der frölich uns machet und Lieder gebühret/ Der unsern Geist treibet zu tichten allein. Die letzte Zeit aber/ der Winter/ auch nützet/ Da Netze den Vogeln und Haasen man stellt/ Die Spisse man spicket/ die Stuben erhitzet/ Allda sich ein jeder zur Liebsten gesellt. Itzt hat sich der Frühling auch wider gefunden/ Die lieblichen Stunden/ Da alles sich freuet und frölich erzeigt/ Die Sonne viel höher als sonsten auffsteigt. Der Winter vergehet/ Der Frühling entstehet/ Die fröliche Zeit; Der Wechsel der Zeiten verändert das Leid: Drümb lustig! ihr Brüder/ Singt allerley Lieder/ Es führet uns selbsten die schöne Natur und zeiget die Spur Zur Fröligkeit an und öffnet die Bahn. Das Sechste Lied An die lustige Gesellschaft Von Dactylischen und Anapästischen Versen. Ihr liebesten Brüder/ seyd lustig und munter/ und schlucket den Malvasier wacker hinunter/ Erzeiget Euch frölich/ und ob ihr gleich Ehlich Des meistentheils lebet: Denn sehet! wie schwebet Doch alles in Freuden/ Drümb meidet das Leiden; Lebet in Freuden biß kommet die Nacht/ Da sich ein jeder nach Betleheim macht. Das Siebende Lied Ermunterung zur Fröligkeit Von lauter Dactylischen Versen. 1. Laßet uns Meyen und Kräntze bereiten/ Sehet! Ach sehet die frölichen Zeiten! Sehet ihr Brüder und mercket hierbey/ Welche Veränderung solches nur sey. 2. Laßet uns weinen und trauren vertreiben/ Klagen und zagen sol heute verbleiben/ Klagen und zagen verjaget itzund/ Heute seyd lustig und machet es kunt. 3. Laßet uns Zucker und Honig bestellen/ Laßet uns holen die guten Gesellen/ Laßet herbringen den Spanischen Wein/ Weil wir anitzo beysammen hier seyn. 4. Laßet uns Bürckene Meyer bestellen/ Daß wir Euch schencken ihr guten Gesellen/ Laßet den Bürckenen Meyer ümbgehn/ Laßet die Gläser nicht stille so stehn. 5. Laßet den Malvasier heute besuchen/ Laßet aufftragen Pasteten und Kuchen/ Gebet uns Gläser und Krüge voll Bier/ Weil wir anitzo beysammen allhier. 6. Laßet die Lauten und Geigen erklingen/ Laßet uns eylen zum Tantze/ zum springen/ Nehmet die Kegel und Boßel in acht/ Laßet uns spielen/ biß kommet die Nacht. 7. Laßet uns Geistlich- und Weltliche Lieder Klingen und singen/ ihr liebesten Brüder/ Laßet uns letzen; Die Jugend vergeht/ Wehmuth und trauren im Alter entsteht. Das Achte Lied Von lauter Dactylischen. Als Herr Christian Gueintzius/ des berühmten Gymnasiums zu Halle wohlverordneter Rector etc. seinen Namens-Tag begieng. 1. Hertze des Himmels und Auge der Sterne/ Welches erleuchtet und zieret das Feld/ Kertze der Erden und Fackel der Welt/ Zeige doch deine geschmünckte Laterne/ Zeige das Angesicht voller Rubien: Grüße die Erde mit deinem Gesichte/ Mache das trauren mit Freude zu nichte; Freude sol heute vor trauren einzihn. 2. Heute sol Freude die Stunde verjagen/ Heute sol Freude regieren den Tag/ Freude/ so sonsten in Traurigkeit lag; Freude sol heute verjagen das klagen/ Klagen und zagen sich endet hiebey: Heute sol Phöbus und alle Göttinnen/ Oden und schöne Gesänge beginnen/ Lauten und Geigen erklingen auch frey! 3. Lustig erzeiget Euch/ meine Gesellen/ Wündschet/ daß dieses Fest offte begeh Gueintzius/ ohne Leid/ trauren und weh. Laßet uns Spieler und Geiger bestellen/ Laßet mit Freude vertreiben das Leid: unser Herr Rector erlebe die Zeiten/ Welche der Nestor und andre beschreiten/ Wündschet ein jeder zu itziger Zeit! Das Neunde Lied Von allerhand Versen. An den Seinen. 1. Göstern/ als sich allbereit Mercken ließ die Abends-Zeit/ Da der blasse Mond von fernen Sich gesellte zu den Sternen; Da wir uns lustig erzeigten zusammen/ Bachus entzündte Poetische Flammen Durch edelen Wein/ Welchen mein Bruder mit kräfftigen Sachen versüßet allein; Kam mir ein Becher vor Gesichte/ Ich weiß nicht/ was ich schließ' und richte! Er muß ja löchricht seyn/ Wo bliebe sonst der Wein. 2. Was auff diesem Becher stund/ War uns allen wohl vergunt/ Trinck mich aus und leg mich nieder/ Steh ich auff/ so füll mich wieder; Dieses war eben am Becher geschrieben/ Daß uns zu trincken so wacker getrieben Den edelen Wein: Wie? ist er dann unten und oben voll Löcher? Wie mag es doch seyn? Mein Sinn- und wähnen wird zu nichte/ Ich weiß nicht/ was ich schließ' und richte/ Er muß ja löchricht seyn/ Wo bliebe sonst der Wein. Das Zehende Lied Auff eine vornehme Hochzeit Von Trochäischen und Anapästischen Versen. 1. Platz! platz! höret auff zu tantzen/ Schließt den Reyhen/ reumt den Saal/ Seht der Liebe güldne Lantzen! Seht der Pfeile Blitz und Straal! Wie tantzen die Lantzen/ wie eylen die Pfeile/ Wie blitzen die Augen der beyden allhier! Sie funckeln im dunckeln bey nächtlicher weile/ Wie sonsten die Sterne von ferne voll Zier. Sie wincken und blincken und wollen zur Ruh/ Drümb stille! fein stille! helfft immer dazu. 2. Licht und Fackel brennen schone/ Juno zieht den Vorhang auff/ Weist Euch/ schönes Paar/ zum Throne/ Da Ihr spielen solt zu Hauff; Cupido der kleine Schalck tantzet vor Freuden/ Er schwinget die Flügel und springet vorher/ weil Ihr euch/ o Schöne/ wolt sondern und scheiden von Euren Gespielen; das lachet itzt Er: So balde sein Flammen sich schwinget empor/ So balde steht alles in Freuden und Flor. 3. Ey so geht/ Herr Doctor/ gehet/ Führet eure Braut mit euch/ Sehet wie sie fertig stehet und begehrt die Ruh zugleich. So offte sie lächelt verschwindet der schmertze/ das machet ihr herrlich und ehrlich Geschlecht; Es hüpffet und tantzet im Leibe das Hertze/ Sie liebet Euch hertzlich und meinet euch recht. Geht eylend; der Himmel ist schone bereit Euch beyde zu segnen/ O gehet bey zeit! Das Eilffte Lied Von meinen eignen Versen/ mit Trochäischen vermischt. 1. Ach! Schönste/ wie kan so bländen Der Sonnen-lichte Glantz/ Der dich ümbgeben gantz? Wie kanstu mein Hertze wenden/ Du Herscherin meiner Sinnen? Wie kanstu mich so gewinnen Durch deines Scepters Macht Zu Tag und Nacht? 2. Mein wündschen ist dich zu schauen/ Du trautes edles Bild/ Mit Süßigkeit erfüllt! Ich wil mich mit Dier vertrauen/ Wil trincken aus deinen Flüssen/ Die Honig uns geben müssen; Drümb komm und laß mich nicht/ Du edles Licht. Das Zwölffte Lied Von allerhand Versen. 1. Solt' ich an Mavors stat itzund Armeen führen/ So wolt ich ausstaffieren Das gantze Krieges-Heer mit einem solchen Volck/ das hold den büchern wer; Die Studenten müsten seyn Meine beste Bursch und Führer/ Die Gelehrten Officirer; Phöbus Völcker in gemein Müsten die Feinde verjagen und dämpfen/ müsten uns helffen und ritterlich kämpfen. 2. Constabel solten seyn die süßen Musicanten/ Die Helicons-Verwanten/ Der Orgeln Freuden-Schall Solt' an Trompeten statt erschallen überall: Bachus und sein Kammerath Ceres solten uns wohl geben Proviant und Wein zu leben/ uns zu frischen früh und spat/ Musen und Gratien müsten mit kämpfen/ Müsten die Feinde verjagen und dämpfen. 3. Die Feder solte mir an statt der Schwerter dienen/ Wir wollen uns erkühnen In alle Welt zu gehn: mich deucht ich wolte wol mit diesem Volck bestehn In Gefahr und Krieges-Noth: Schrifftgelehrten und Juristen Müsten sich zu streiten rüsten; Die/ vor denen fliht der Todt/ Müsten uns helffen auch ritterlich kämpffen/ Müsten die Feinde verjagen und dämpffen. 4. Ade! du wüster Mars/ Ade! mit deinen kriegen/ Ich kan nun bässer siegen/ Ein Ziel ist mir gesetzt/ Das nicht nach solchem strebt/ was nur die Welt ergötzt. Vor den Mars wird nun gepreist Dieser Krieg und dieses Leben/ Das den Künsten ist ergeben/ Das uns hin zur Tugend weist. Packe dich/ Mavors/ und weiche von hinnen/ übe bey andern dein tolles Beginnen. Drittes Dutzend Das Erste Lied Der Salanen an Ihre Fürstl. Durchl. H. Augustus Hertzog zu Sachsen/ etc. Als Sie zu Halle glücklich angelanget und daselbsten die Ertzbischoffliche Huldigung empfing. 1. Edler Printz von Sachsen-Stamme/ Zweig der Rauten/ so itzund Zeigt den angenehmen Mund und die heisse Liebes-Flamme/ Dir O Halle/ (derer Thor Gantz verlaßen war zuvor/ und sehr traurig sich befunden) Sey gegrüßt zu diesen Stunden und Ihr Stunden auch zugleich/ Stunden/ die Ihr freuden-reich. Glück zu dem Rauten-Zweig/ hört! wie die Pleisse schreyet/ Hört! wie die Saale rufft und sich/ O Fürste freuet Auff eure Gegenwart; Die Stände ruffen zu/ Gott geb' Euch Glück und Heil! Gott geb' Euch Fried und Ruh! Gantz Sachsen wündschet noch Glück auff/ Glück auff die Reise O edles Fürsten-Bluth und singt die Freuden-weise/ die Sonne schaut herfür aus ihrem blauen Zelt/ und schickt Dier/ Halle/ zu den lang-gewündschten Held. 2. Halle/ schicke dich zu grüßen Deinen neuen Breutigam/ Den dir schickt der Sachsen-Stamm; Er wil in den Arm dich schließen/ Neige deinen zahrten Mund Ihm entgegen auch itzund. Sihstu deinen Fürsten reiten? Sihstu kommen Ihn von weiten? Steig auff deine Thürne Du/ Schaue wie Er naht herzu! Ach seht! wie blinckt das Feld mit Rossen fast bedecket/ seht! wie die Traurigkeit sich allgemach verstecket/ Itzt kommt der Printz heran/ itzt neiget sich die Stadt/ Die Er zu schützen ihm itzund erwählet hat. Wie lieblich lacht Er doch! wie redet Er so freundlich! Er meinet alles guth/ und stellet sich nicht feindlich/ Wie jener Boreas. Der süße Zephyr weht Den Frieden mildiglich wo dieser Fürste steht. 3. Weißheit/ Kunst/ Verstand und Ehre Ihn begleiten jederzeit/ Sanfftmuth und Gelindigkeit Leuchten aus Ihm: Ey ich höre/ Wie das Volck ihn lobt und liebt und sich Ihm zu eigen giebt. Hört die angenehmen Worte/ Die Ihr seyd an diesem Orte/ Edlen Bürger/ seht die Zier/ Die ihn hat ümbfangen hier. Wer? oder welcher Fürst kan solche Reden führen/ Die so nachdencklich seyn und ihn zum meisten zieren? Wie wie bedachtsam doch redt Er die seinen an/ Als je ein weiser Fürst erwiesen und gethan? Augustus ist durch Sieg ein großer Keyser worden/ August der Rauten-Zweig aus großer Sachsen Orden/ Erhielt die reine Lehr: Auff daß ihr beydes thut/ O Held/ so geb' Euch Gott Gedeyen/ Glück und Muth! Das Ander Lied Auff Echonische Art 1. Dich Lustkind Echo wil ich fragen/ Echo. diß dein klagen? Ja klagen: Wo fühl' ich die Schmertzen? E. In dem Hertzen. Wer macht die Gluth/ die mich entzündet? E. die dich bindet. 2. Wer macht die Angst/ die mich betrübet? E. die dich liebet. Was kan doch lindern solch betrüben? E. Treulich lieben. Wie sol mich dann mein Schatz ümbfangen? E. Mit den Wangen. 3. Wenn wird die Last von mir genommen? E. Sie wird kommen. Wird Sie dann balde mich befreyen? E. Gantz verneuen. Wie lange wird es sich verzihen? E. Zeit muß flihen. 4. Wovor wird doch geschickt die Krohne? E. Dir zu Lohne. Was macht der Krantz von Gold und Seiden? E. Lauter Freuden. Ach möcht ich nur Sie selbsten haben! E. Dich zu laben. 5. Wird sie bald kommen mich zu küssen? E. Sie wird müssen. Ach! sih der Tag leufft schon zum Ende E. Gar behände. Nun kömmt Sie/ meine Freuden-Sonne/ E. Deine Wonne. 6. Nun wil ich Kuß üm Kuß Ihr geben. E. und dein Leben. Sie wird mir Lust und Freude machen. E. Dich anlachen. Sie wird mir alles seyn zu willen/ E. Dich zu stillen. 7. Wo seyn doch hin die langen Stunden? E. Gantz verschwunden. Sol ich nun fort in Freuden schweben? E. Lustig leben. Nun wil ich ruhen in den Armen: E. Zu erwarmen. 8. Nun fühl ich weder Angst noch Schmertzen: E. in dem Hertzen. Der Schmertz ist itzo gantz verschwunden: E. mit den Stunden. Nun kan ich meine Liebste hertzen: E. mit Ihr schertzen. 9. Ihr Zucker-Mund muß mich erquicken! E. und dich drücken. Was soll ich itzo thun und üben? E. lauter lieben. So lange biß die Nacht verstiebet: E. Sie dich liebet. 10. Ey nun wil ich den Schmertzen meiden: E. Angst und Leiden. Nun mag ein ander Leide tragen: E. Weh und klagen. Ich kan nun für und für mich üben/ E. völlig lieben. Das Dritte Lied Auff eben vorige Art und Melodey. 1. O Echo/ wo sol man dich finden? Echo. In den Gründen. Wer wird uns Ihren Nahmen sagen? E. du must fragen. Wo sol ich dann auff Antwort warten? E. In dem Garten. 2. Wer führt dahin uns arme Blöden? E. wiltu reden? Wohl! wenn uns dieses ist vergönnet? E. Ja Ihr könnet. Ey nun wohlan! So wil ich fragen: E. und Ich sagen. 3. Was thut so weh in meinem Hertzen? E. Liebes-Schmertzen. Wer kan dieselben Schmertzen machen? E. Liebes-Sachen. Ist dann der Venus Sohn so mächtig? E. Ja/ verdächtig. 4. Wann werd' ich seyn in Fried' und Freuden? E. Nach dem Leiden. Das weiß ich wohl/ wann solls geschehen? E. Du wirsts sehen. Ja sehen: Soll ich noch verziehen? E. Schmertz muß flühen. 5. Wer ist der mir soll Freude geben? E. Selbst dein Leben. Soll mich mein liebster Schatz erfreuen? E. Gantz verneuen. Ach ja! mein Liebhold wirds verrichten? E. Dein Leid schlichten. 6. Wie daß er sich so lang verweilet? E. Schau/ Er eylet. Nun freuet Euch Ihr schwachen Glieder! E. Er kömmt wider. Nun wil ich etwas frischer singen/ E. Gar in springen. 7. Gehabt Euch wohl ihr bittern Schmertzen/ E. Weicht vom Hertzen. Ich lebe nun in Freuden-Tagen; E. Andre klagen. Laß andre klagen/ wie sie wollen/ E. Ja sie sollen. 8. Laß fremder Hertzen immer hitzen: E. immer schwitzen. Ein ander mag sich nun bemühen/ E. Liebe flühen. Ich wil nun alle Lust verüben; E. Allzeit lieben. Das Vierde Lied Auch auff Echonische Art/ In seiner sonderlichen Melodey. 1. Echo zeige mir mein Leben! E( cho:) Ja dir eben. Weistu meine Liebste nicht? E. Die dein Licht? Ja sie ist mein Licht und Sonne/ E. Freud und Wonne? Ja sie ist mein Freuden-Schein/ E. Sie ist dein. 2. Sol ich mich noch länger mühen? E. Laß verzihen: Ach verzihen macht mir Leid/ E. Nein. Die Zeit. Was kann lindern meine Schmertzen? E. Jungfern schertzen. Ist nun balde da die Zeit? E. nicht mehr weit. 3. Wird mir bald das Leid benommen? E. Sie wird kommen. Soll sie kommen meine Zier? E. Ja zu Dier. Ach! der Tag wil schon verfließen/ E. Laß sie grüßen. Ey! so bring Ihr meinen Gruß; E. Wenn ich muß. 4. Ach! wo seyn die langen Stunden? E. Gantz verschwunden. Ist dann schier der Schmertz vorbey? E. Du bist frey. Ach! wenn kommet mein Verlangen? E. Sih die Wangen. Ist dann diß mein Wunder-Licht? E. Sihst es nicht? 5. Wohl! ich will sie auch empfangen/ E. dein Verlangen? Wil Sie küssen unverwandt/ E. Mund und Hand? Ey! nun lieg ich in den Armen/ E. Zu erwarmen. Biß der Nächte Liecht verbleicht/ E. und entweicht. 6. Nun wil ich die nacht verjagen/ E. Schmertz und klagen. Nun bring' ich in Fröligkeit: E. Zu die Zeit. Wil mich in dem süßen lieben: E. Stetig üben. Drümb Ade! du Schmertz und Leid E. Weiche weit. 7. Hiermit wil ich dieses schlüßen: E. Dich zu grüßen/ Edles Bild voll Freundligkeit: E. Dieser Zeit. Echo/ leb' in grünen Heyden. E. Ihr in Freuden. Wir seyn nur auff Lust bedacht: E. Diese Nacht. Das Fünffte Lied Von allerley Versen. In unterredung gestellet. 1. Höchster Schatz/ Freuden-Platz/ Komm her zu mier/ Ich wincke Dier. Ach was sol ich bey dir thun? Deine Geberden/ dein reden und lachen können mich schweigend und rede-loß machen. 2. Ach mein Licht/ Laß mich nicht verwarten hier/ Ich muß von Dier. Eine Viertheil-Stunde nur! Liebster/ Er solte wohl meiner genießen/ Aber es möchte der Mutter verdrießen. 3. Ach! mein Licht Es kan nicht verdrüßen Ihr/ Ach! bleib bey mir. Nein: Ich kan nicht warten hier. Ist doch die Mutter zu Gaste gegangen/ Bleibe doch immer mein bestes Verlangen. 4. Nein ich muß Kuß ümb Kuß vergelten nicht/ mein schönes Licht. Kann es denn so gar nicht seyn? Ich scheide zwar itzo doch ist dir ergeben/ Liebster zu eygen mein Leben und Schweben. 5. Soll ich nun Dieses thun und bleiben hier Ohn alle Zier! Liebster/ nun gehab dich wohl! Scheiden zwar schmertzet/ doch muß ichs ertragen/ Hoffen des besten/ verschmertzen das klagen. Das Sechste Lied Nach dem Toone: Du Beherrscher unsrer Sinnen. 1. Wer kan deinem Pfeil entflühen/ O du starcker Bogen-Gott? Jupiter muß vor dir kniehen und verrichten dein Gebot. Ihm entfällt der Donner-Keil/ Wann Ihn rührt dein Liebes-Pfeil. 2. Mars der starcke Gott im kriegen/ Er mag donnern wie Er wil/ Er mag blitzen/ Er mag siegen/ Muß Er dir doch halten still: Du bezwingest seinen Muth Durch die starcke Liebes-Gluth. 3. Daß Vulcan in Ketten führet Sammt der Venus diesen Held/ Daß Er Muth und Sinn verliehret und verlässt sein Krieges-Zelt. Daß Vulcan so zornig ist/ Das verursacht deine List. 4. Schone deiner Mutter/ schone/ Wiltu sonsten schonen nicht; Soll die Mutter Ihrem Sohne/ Dier/ du kleiner Bösewicht/ Auch zugleich seyn unterthan und dich kniehend beten an? 5. Aber nein! Es hilfft kein flehen/ Alle Götter fürchten dich; Die Gelehrten selbst gestehen/ Daß du seyst ein Wütherich. Feuer/ Erde/ Lufft und Meer und was drinnen/ fürcht dich sehr. Das Siebende Lied Auff vorige Melodey. 1. Ach! was sol ich erst anfangen? Sol ich klagen oder nicht? Meine vormahls glatte Wangen Seyn so übel zugericht: Bluthroth ist derselben Zier/ Weil mein Lieb sich macht von mier. 2. Ach! wie kanstu andre lieben/ Weil du mir geschenckt dein Hertz? Bistu nun so standthafft blieben? Ist die Treue nur ein Schertz? Ach! dein schnöder Wanckelmuth Macht die Augen roth wie Bluth. 3. Hastu denn so bald vergessen Das so starcke Liebes-Pfand? Bistu denn so gar vermessen/ Daß du lösest unser Band? Sol die treue Liebes-Pflicht Förder bey uns gelten nicht? 4. Hab ich damals dir gefallen/ Da ich frey und ledig war/ Da du liebtest mich vor allen/ Ey! so schwer ich dir/ Fürwar! Brichstu solche Liebes-Treu/ Wisse/ daß ein Recher sey/ 5. Ich wil dir doch treu verbleiben Biß der bleiche Todt uns trennt/ Dich dem Hertzen einverleiben/ Das von deiner Liebe brennt; Das dich ehret/ das dich liebt/ Ob du mich schon hast betrübt. Das Achte Lied Auff eine vornehme Hochzeit. 1. Wo ist Euer Schönster nur/ Schöne Braut/ itzt hingewichen? Folget balde seiner Spur/ Eh Er gar zu sehr verblichen; Sucht den Liebsten/ Er ist hin/ Es vergeht ihm Muth und Sinn. 2. Seht! wie sehr Er ist verwundt/ Nichtes ist an Ihm als Liebe/ Wie sein Nahme machet kunt/ Denn der Liebe Feder schriebe Vor der Zeit in euer Hertz: Dencket nicht es sey mein Schertz. 3. Wann ein Held mit frischem Muth An den Feind so gierig setzet/ Wird ihm offte Leib und Bluth Durch das grimme Schwert verletzet/ Daß Er bald muß halten inn und verlieret Muth und Sinn. 4. So ist Euer Liebster auch/ Der Euch wollen abgewinnen und itzund nach Liebes-Brauch Erstlich wird das schiessen innen/ Das aus euren Augen dringt und sein gantzes Hertz ümbringt. 5. Eylt und gebt ihm einen Kuß/ Daß Er mit dem Munde zihen Euren süßen Athem muß/ Daß die Lippen wieder blühen und den Rosen werden gleich/ Die anitzt erblasst und bleich. 6. Ist es/ Schöne/ nun geschehn? Ist er nicht schon so erquicket? Ey nun könnt ihr scheinbar sehn/ Wie Er vor in Lieb' entzücket Gegen Eure schöne Zier/ Daß Er sich geschämt dafür. 7. Nun so sprecht Ihm kühnlich zu/ Hertzet/ schertzet/ weil Ihr könnet. und begebet euch zur Ruh/ Weil Ihr gar vor Liebe brennet/ Geht! o geht! weil Gott und Glück Euch nicht wieder rufft zurück. Das Neunde Lied Ein Gespräche zweyer verliebten Personen. Seyd willkommen/ seyd willkommen Meiner Sinnen Meisterin/ Nun ist mir das Leyd benommen/ Nun ist wieder frey mein Sinn/ Weil ich nun kan wieder schauen Der beblühmten Glieder Auen. Großen Danck und seyd gegrüßet Höchster Schatz/ mein güldnes Licht/ Mein Gemüth wird auch durchsüßet/ Weil ich nun sein Angesicht/ Dem die Rosen weichen müssen/ Kann in gutem Friede küssen. Schönste/ wil sie mit spatzieren In den Garten vor das Haus/ Ich wil bey den Händen führen Sie hinein und wider raus/ Da sich die Natur bemühet und die schöne Rose blühet. Ich wil folgen/ wo Er gehet/ Wo der weissen Liljen Schnee Auff den bunten Beeten stehet/ Wil mich setzen in den Klee und in seinen zarten Armen/ Liebster Schatz/ mit Lust erwarmen. Schönste seht! wie schön nur blincken Die Violen gelb und blau/ Wie die bunten Nelcken wincken Durch den weissen Silber-Tau/ Allhier reiffen die Melonen Pommerantzen und Citronen. Meine Hand ist schon bemühet Ihm zu winden einen Krantz/ Weil die schöne Rose blühet/ Weil noch völlig ist der Glantz/ Weil die Tulpen und Narcissen Noch zu Kräntzen dienen müssen. Hier kann ich mich zwar ergötzen Mit der schönen Garten-Lust/ Besser aber kann mich letzen Ihre Liljen-weisse Brust/ Ihre Lippen/ Ihre Wangen/ Die mit schönern Sachen prangen. Ach! was solten meine Wangen und ich arme Creatur/ mit noch schönern Sachen prangen! Es beliebt dem Liebsten nur So zu reden/ so zu schertzen/ Geht es Ihm doch nicht von Hertzen. Ach! was mag sie/ Liebste/ sprechen/ Es ist Ihre Höffligkeit/ Die sich kann herausser brechen und die Hand der Schöne beut/ Wie sol ich mit bloßem Schertzen brechen aus dem treuen Hertzen? Ach! ich möchte gerne wissen/ Was nur schönes an mir sey? Was auff Höffligkeit geflissen und der Tugend falle bey? Das Ihm hat gelüst zu loben und mich also sehr erhoben. Es beschämen Ihre Wangen Das beblühmte Garten-Beet/ Da die Tausendschönen prangen und die weisse Rose steht; Ich kan sagen/ daß Narcissen Ihrer Stirne weichen müssen. Seht! der Abend kömmt geschlichen/ unsre Freude wird zertrennt und die Sonn' ist fast entwichen/ Die mit vollem Zügel rennt/ Die sich nach dem Meere lencket und die müden Pferde träncket. Soll und muß ich von Ihr scheiden/ Schöne/ meine Lust und Zier/ Ey so lebe Sie in Freuden und verbleibe günstig mier/ Weil die schöne Rose blühet und die Sonne Wasser zihet. Das Zehende Lied Auff vorige Melodey. 1. Was mag ich mich unterfangen? Ach was untersteh ich mich Deine Rosen-rothe Wangen Anzuschauen und auch Dich/ Schönes Bild/ herfür zu streichen/ Dem die Sterne selbsten weichen. 2. Könte gleich Apelles mahlen Dich/ O wunderschönes Bild/ und der Augen helle Strahlen/ Dieser blancken Brüste Schild/ Kan doch nicht entworffen werden Deine Tugend und Geberden. 3. Solche Liebligkeit im sprechen/ Das so milde freundlich-seyn Kann mir Muth und Sinnen brechen; Wenn dein Antlitz bricht herein/ Wenn die braunen Augen funckeln Kann mich keine Nacht verdunckeln. 4. Deiner hohen Stirne prangen schön und braunlecht anzusehn Ist mein Hoffen und Verlangen/ Ach! wenn wird es wohl geschehn/ Daß da wird in meinen Armen Dein so schlancker Leib erwarmen. 5. Ich wil mich mit Macht bemühen Zu erlangen deine Gunst/ Wil mit meinem singen zihen Dich/ zu leschen meine Brunst: Wenn ich dieses werd' erlangen/ Wil ich gerne seyn gefangen. Das Eilffte Lied 1. Cynthia du güldnes Licht/ Das nun durch den Abend bricht/ Scheine meiner Liebsten doch/ Blinckt ihr Sterne her von ferne/ helfft uns tragen dieses Joch. 2. Weil wir schon in süßer Ruh Diesen Abend bringen zu/ Weil mich itzt mein Auffenthalt In den Armen Lässt erwarmen/ Mag es immer werden kalt. 3. Nach der Kälte frag ich nicht/ Wenn ich diß mein Sonnen-Licht Annoch bey mir haben mag/ das mich quicket und anblicket/ Biß sich zeigt der hohe Tag. 4. Sie ist flüchtig wie ein Reh/ Ihren Haaren weicht der Klee/ Ihrer rothen Lippen Zier von Korallen mier gefallen/ Wann Sie neigt Ihr Heupt zu mier. 5. Lieblich klingt es/ wann die Bach Durch die Steine rauscht gemach/ Dieser aber geht sie vor/ Wenn sie singet/ Wenn sich schwinget Ihre Stimme hoch empor. 6. O wie seelig ist die Nacht/ Da mich dieses Licht anlacht/ Da ich Ihren rothen Mund bin geflissen stets zu küssen/ Da mir alles ist vergunt 7. Ihre Liebe schenckt sie mir und ich schencke wider Ihr Meine Liebe biß die Nacht von uns weichet/ wenn verbleichet dieser güldnen Sterne Pracht. 8. Nun du güldnes Feder-Zelt/ Das vor andern uns gefällt/ Laß verschwiegen seyn die Lust/ die wir üben in dem lieben/ die nur dier und uns bewust. Das Zwölffte Lied Als Er von der Seinen einen geschälten Apffel empfing. 1. Schönste/ sol der Apffel hier/ den sie mier gegeben Ihrer Liebe Zeichen seyn Nur allein? Oder wil sie opffern mir in Beständigkeit ihr Leben? Ist der Apffel rund? Ey! so wird die Treue kunt; Denn was rund ist hat kein Ende. 2. Ihr Gemüth ist ohne falsch/ drümm ist er geschälet/ Aller Trüg- und Gleißnerey Ist Sie frey/ Darüm ich zur Freundin Sie schon vorlängst erwählet/ Daß der Apffel steht Auff der Spitzen und sich dreht; Ist die Lieb' im Tod' und Leiden. Auff die Seine/ da Sie verschieden Du warst vorhin verwundt durch einen Pfeil der Liebe/ und nun hat gar gefällt der Pfeil des Todes dich/ O Adelheit mein Schatz; Die Sterne stehen trübe: weil du verletzet bist/ so bin Ich nicht mehr Ich. Ich steh' im Zweifel noch/ weiß nicht/ ob Liebe sey Noch stärcker als der Todt/ weil er das reisst entzwey Was treue Liebe bindet/ Daß Sie den Todt empfindet. Vierdes Dutzend Das Erste Lied Daß die Poeten oben/ Neidhard aber unten schwebe. 1. Seyt die schöne Kunst entsprossen/ Die den Göttern gleich geacht und die Sterbligkeit verlacht/ Die sich vormahls hielt verschlossen und verschwiegen in der Zeit; Findt sich auch und sticht der Neid/ Die vergällten Läster-Meuler Schießen gantz-vergiffte Pfeiler. 2. Aber doch jemehr beschweret Eine Palme sich befindt/ Desto mehr sie Krafft gewinnt und sich weit/ als vor entpöret/ So wird unterdrücket nie Die geehrte Poesie/ Sondern pfleget sich zu rechen/ Wenn der Neid sie gleich wil schwächen, 3. Hört ein Adler in den Lüfften unter sich der Hunde Heer/ Acht ihr bellen gar nicht mehr/ Weil kein Biß ihn kan vergifften; Also achten wir es nicht/ Wenn gleich Neidhard auff uns sticht/ Kann Er uns doch nicht verletzen/ Noch in Noth und Schaden setzen. 4. Wie der Adler pflegt zu schwingen Sich zur rothen Sonnen hin/ So bemüht sich unser Sinn Nach dem hohen Ziel zu ringen und verlacht den schwachen Neid/ Welcher schwindet mit der Zeit/ Weil Er nicht versteht die Sachen/ Die Ihn können Göttlich machen. 5. Wie das klare Wasser steiget über sich und quillt herfür/ Wie Kristall in voller Zier; Dahingegen unten schweiget Der Morast und liebt den Grund; Also steigt auch unser Mund/ Will dem Himmel ähnlich werden/ Da der Neidhart bleibt auff Erden. 6. Wo die güldne Saat der Sterne An dem blauen Himmel steht/ Phöbus auff und nieder geht/ Wo sein Licht uns scheint von ferne; Da sol unser Name stehn und den Sternen gleich auffgehn: Wann die Neider kleben werden An dem schnöden Koth der Erden. Das Ander Lied 1. Unser Augen stumme Reden Geben offters an den Tag/ Was vor Angst uns arme Blöden In dem Hertzen quälen mag: Könt in unsern Augen lesen Der verschwiegnen Liebe Wesen unsers Hertzens Freuden-Ziel: Ach! das wer ein süßes Spiel. 2. Niemand könte recht aussprechen Solche Freude/ solche Lust/ Alsdann würde bald ausbrechen/ Was das Hertz nur hat gewust. Wil manns aber nicht verstehen/ Müssen wir zu Grunde gehen/ Werden vor dem Alter alt/ Ja wohl gar in kurtzen kalt. 3. Doch wer üm der Liebe willen Seinen Leib auffopffern muß/ Der kann anders nicht erfüllen Des ergrimmten Himmels-Schluß: Drüm nur willig dran gegangen/ Weil kein flehen wil verfangen Etwas vor des Liebsten Thier/ Bleibt man sonst doch auch nicht hier. 4. Muß mann nicht der Zeit erwarten Biß die schöne Rose blüht? und biß Flora selbst den Garten mit Tapeten überziht? Dulde dich doch unterdessen/ Deiner ist noch unvergessen: Wann die Lind' am stöltzten grünt/ Recht sie denn zur Lauten dient. 5. Wann die schöne Rose pranget und in voller Blüthe steht/ Jedermann nach Ihr verlanget/ Eh der klare Tau vergeht/ Bricht man sie mit zarten Händen/ unsrem Buhlen zu zusenden: Also eh die Jugend schwindt/ Manchen doch die Liebe bindt. Das Dritte Lied Adelheit lobet den Ihrigen. 1. Herfür du Laute/ meine Lust/ itzt soltu dessen Lob vermehren/ Der meinem Hertzen ist bewust/ Itzt wil ich singen dem zu Ehren/ Der meine Wonn' und Freude bleibt/ So lange man von lieben schreibt. 2. Er ist mein Schönster nur allein/ Sein Antlitz kann mich so entzücken/ Daß ich Ihm gantz muß dienstbar seyn. Wenn seine beyden Sonnen blicken Auff mein verfünstert Angesicht. So darff ich/ Sonne/ deiner nicht. 3. Gleich wie die schönen Rosen hier Bey früher Morgenröthe prangen und blühen recht in voller Zier; So blühen auch die schönen Wangen/ Die voll Magneten und Rubien/ Mich so zum Liebes-Feuer zihn. 4. Wann sich nur regt der schöne Mund/ Hört mann die Redners-worte fließen/ Die mich so mannichmahl verwundt/ Er kan mit Anmuth sie versüßen/ Bald wieder Ernst im Reden seyn/ Wann Zeit und Stunde bricht herein. 5. Ich weiß/ daß Er mich treulich liebt/ Drüm hab ich ihm mich auch ergeben/ Ich weiß/ daß Er sein Hertz mier giebt/ Drümm geb' ich Ihm mein gantzes Leben. So bin ich sein und Er ist mein/ Nichts treuers kann auff Erden seyn. Das Vierde Lied Eine Klage über die Liebe. 1. O Liebe/ wie magstu mit mier so grausam spielen/ Ach! welche starcke Gluth machstu mein Hertze fühlen; O schrecklicher Tyrann/ O ungeheures Wesen/ Das nichts als ängsten kan; Wie sol ich nur genesen? 2. Wer kann mir doch mein Hertz so unvermercket stehlen? Sol mier noch endlich auch mein eignes Hertze fehlen? Des Lebens bin ich satt/ Die Kräffte von mir weichen/ Die Glieder werden matt/ Bald wil ich gar verbleichen. 3. Sol Liebe Liebe seyn/ so sol mann auch genießen/ Sonst ist die Liebe nichts als nur ein bloß Verdrüßen: Wo einer andre liebt Ohn alle Gegen-Liebe und sich aus Zwang Ihr giebt/ Da siht der Himmel trübe. Das Fünffte Lied Als Er seinen Allertreuesten Freund gesegnen muste. 1. Allhier in diesen Wüsteneyen/ Da nichts als schwartze Beume stehn/ Muß ich vor großem Wehmuth schreyen/ Muß weinen und betrübet gehn/ Weil nun mein Hertz mein ander Ich Absondert sich/ Nun seh ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 2. Ihr tieffen Thäler und ihr Büsche/ Ihr die ihr in den Gründen seyd/ Hört meinen Seufftzen zu/ Ihr Fische/ und helfft beklagen dieses Leid: Weil ich den Bruder missen muß/ doch mit Verdruß. Nun seh ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 3. Ihr Berge/ Felsen/ Klüfft' und Steine/ Du Lust-Kind/ Echo/ spring mir bey Sih wie den Abschied ich beweine/ Stimm ein in meine Melodey/ Die nichts als Wind und Seufftzen ist Zu dieser frist. Nun seh ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 4. Ihr Kreuter die ihr stets auffgehet/ Wo Wald und feuchte Brüche seyn/ Das Laub/ das auff den Espen stehet/ Stimmt schon in meine Seufftzen ein; Mein Auffenthalt/ mein Schatz ist hin/ Das kränckt den Sinn. Nun seh' ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 5. Ihr Wasser/ Brunnen/ Quell und Bäche/ Steht still und schaut diß Trübnüß an! Ach! hört was ich in ängsten spreche/ In dem ich diese Trauer-Bahn/ Den Weg des Abschieds zihen soll Des Kummers voll. Nun seh ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 6. Ihr Himmels-Fackeln und ihr Sterne/ So in den blauen Wolcken stehn/ Schaut auff mich Armen doch von ferne/ Der ich so einsam her muß gehn/ und meines Liebsten Angesicht Kann schauen nicht. Nun seh ich/ wie dem ist üms Hertze/ Der seinen Freund verlaßen muß/ Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. 7. Nun komm du süßes Spiel der Winde/ Du weisser West und nimm diß Wort und bring' es eylend und geschwinde Zu dem/ der mein gewündschter Port/ und zeug' Ihm/ daß ich meiner Pflicht vergessen nicht: Sein Bluth/ so auff Papier geschrieben/ Das sol der Treue Zeuge seyn/ Daß Er mich ewiglich wil lieben In Noth und Pein. Das Sechste Lied 1. Als Adelhold auff eine Wiesen Sehr traurig ausspazieren gieng/ Da lauter sanffte Winde bliesen und Ihn das trübe Leid ümbfing/ setzt Er sich auff den grünen Plan und rührt die güldnen Seiten an. 2. Er sang von seiner Liebsten Tugend/ Von ihrer Zucht und Freundligkeit Wie er im Anfang seiner Jugend Sie hochgeliebet allbereit; Neid tobe/ wie du immer wilt/ Sein wündschen ist doch wohl erfüllt. 3. Seit daß ich bin von Dier wegkommen/ Du Nymfen-Sitz und Musen-Stadt/ Hat dreymahl ab- und zugenommen Des schier erblassten Mondes Blat/ So lange bin ich allbereit von dir entfernt/ O Adelheit. 4. Es konte niemand mich bereden/ Daß auch so scharff und rauh der Nord/ Ich eylte fort gleich einem Blöden An meiner Sinnen Freuden-Port/ Die Muld' und Elbe nam mich an und hat mier alles guths gethan. 5. Den Krantz/ den mier im kühlen Meyen Zuletzte noch die Liebste schenckt/ Den wird mein Phöbus auch verneuen/ An den mein Hertze stets gedenckt/ Mein Phöbus der berühmte Mann/ Der so vortrefflich spielen kann. 6. Ein Freuden-Lied solt' ich wohl singen/ Ach! aber welche böse Post/ Welch ein Geschrey hör' ich erklingen? Was kömmt vor Bothschafft her von Ost? Ist unsre Lieb' und Freundschafft todt? Ach! O der übergroßen Noth! 7. Doch muß ich mich nur drein ergeben/ Die Liebe stirbet nimmermehr/ Ob gleich der Leib ist ohne Leben/ Bleibt doch der Liebe Ruhm und Ehr; Ich muß gedencken/ daß ich auch nichts bin/ als lauter Schnee und Rauch. 8. Mein Freund ist Gott der mich auch liebet/ und ohne falsch/ des tröst ich mich/ Dem sich mein Sinn und Hertz ergiebet und fürchtet keinen Wütherich/ Neid/ tob' und wüthe/ wie du wilt/ Der Höchste Gott ist doch mein Schild. 9. Ey nun Ade! Ich wil bald scheiden und sehn/ wo schöne Büsche stehn/ Da mier den bunten Krantz mit Freuden Wird geben und entgegen gehn Mein' außerwehlte Nymf' und Braut Die Ich von fernen schon geschaut. 10. Also sang Adelheid zu letzte/ Daß Wald/ Berg/ Thal und Feld erschallt/ Als Er sich nun zu Schiffe setzte/ Zu segnen diesen Musen-Wald/ Trennt uns der Wind/ und dieses Licht/ Das nach der Abendröth' anbricht. Das Siebende Lied Als Er verreisete. 1. Ihr Bücher/ meine Freude/ Du leichte Feder du/ Die ich zum schreiben schneide/ Hört meinen seufftzen zu. 2. Ich soll Euch nun verlaßen/ Wie fang' ichs doch nur an/ Soll zihen meine Straßen/ Ein' ungebähnte Bahn? 3. Der Weg wird mier zu lange/ Das scheiden ist zu schwer/ Es ist mier Angst und bange und bin bekümmert sehr. 4. Wer wil die Zeit vertreiben/ Die allzu lange Zeit/ Wann ich nicht mehr kann schreiben von meiner Adelheit. 5. Wenn ich nicht mehr kann lesen/ Den Edlen Opitz da/ Wie ihm sey lieb gewesen Die braune Flavia. 6. Wann Flaccus schöne Lieder/ Wenn Maro nicht bey mier/ So ist mier nur zu wieder Die schönste Lust und Zier. 7. Die Zeit wil nicht verflüßen/ Wenn Sappho schweigen muß/ Wenn mich nicht kann durchsüßen Der schwere Pindarus. 8. Doch weil ich ja soll scheiden und Euch nicht länger sehn/ So hoff' ich sol mit Freuden Mein wündschen auch geschehn. 9. In kurtzen komm ich wieder und dessen tröst' ich mich/ Da sollen dann die Lieder Erst recht anheben sich. Das Achte Lied Zum Anbinden Seinem Martin Segern der Rechten Geflissenen gestellet Auff die Melodey: Frau Nachtigal mit ihrem Schall: 1. Wohlauff/ mein Sinn/ Wirff alles hin/ Was traurig ist/ Her/ Lautenist/ Greiff an das süße Seiten-Spiel; Was wiltu noch verziehen viel? 2. Der müde Tag Nicht warten mag/ Es fliht die Zeit/ Die uns erfreut/ Der Tag/ an dem ich spielen muß Den süßen Toon mit überfluß. 3. Wohlauff! mein Freund/ Biß Luna scheint; Wann Wein und Nacht uns lustig macht/ Soll recht begehn dein Nahmens-Fest Der angeflammten Sinnen Rest. 4. Heut ist Martin/ Nehmt Wintergrün/ Macht Kräntze draus/ Er giebt den Schmaus; Hey! frölich durch die gantze Nacht und seyd auff nichts als Lust bedacht. 5. Diß sing' ich dier/ Mein Freund/ allhier: Sey Freuden voll/ Der Himmel soll Dier fristen deine Lebens-Zeit/ Nun leb' in lauter Fröligkeit! Das Neunde Lied Fast nach eines andern Erfindung. 1. Wes ist der rothe Mund/ das güldne Licht? Das durch den späten Abend bricht? Wes seyn die Rosen-Wangen? Wes ist das lachen doch/ Das mich nun führt gefangen Ans süße Liebes-Joch. 2. Hastu gezeuget dann/ O schöner Berg/ Ein solches Licht und süßes Werck? So kann ich warlich! sprechen/ Die Freundligkeit ist hier/ Den Spiegel mustu brechen/ O Venus selbsten Dier. 3. Hier hat sich Tugend selbst gepflantzet ein/ Hier ist das milde freundlich-seyn/ Was soll ich dann nun schließen Aus ihrer Liebligkeit? Die Gratien selbst fließen und brechen durch den Neid. 4. Das urtheil sprach Ich nun/ O schöne Zier/ Den güldnen Apffel geb' ich Dier/ Die Tugend/ die ich kaum gesehen/ Hat mich schon so entzückt/ Was wird dann wohl geschehen/ Wann ich dich recht erblickt. Das Zehende Lied Auff Pindarische Art Von lauter Jambischen Versen. Was Liebe sey und was sie kann/ Weiß itzund fast ein jedermann/ Kein Ding ist ja von lieben leer/ Die Erde liebt das wilde Meer/ Der Weinstock pfleget ümzufassen Des ulmenbaums begrünte Zier; Die Nachtigal so für und für Die grünen Wälder nicht kann hassen/ Der schnöden Welt giebt gute Nacht/ Wann sich Ihr Lieb von hinnen macht; Nichts anders als die Lieb' es machet/ Daß sich der Sternen Schaar anlachet/ Ja daß die Lufft das Feuer tregt; Wer hatt doch Gott nur angetrieben Sein Allmacht gegen uns zu üben? Die Lieb' hatt Ihn allein erregt. Drüm recht! Ihr nunmehr Liebes-Paar/ Laßt Euer Leid nun schwinden gar! Es wündscht Euch Glück ein jedermann/ Ich wil die Seiten/ wie ich kann/ Anstimmen und odarisieren Zu Ehren diesem Hochzeit-Schein; Ach solt' ich auff den Wiesen seyn/ Da stets die Vogel modulieren/ (mein Fürstenau/ ich meine dich Da schöne Blumen heuffiglich und edle Früchte seyn zu schauen/ ) Ich wolte laßen Blumen hauen und zieren aus das Braut-Gemach; Doch wil ein Hochzeit-Lied ich singen/ Das soll erschallen und erklingen Biß an das blaue Wolcken-Tach. Nun gehet hin und braucht der Liebe; Des Glückes Neid Euch nicht versehr; Kein unfall niemahls Euch betrübe/ Daß übers Jahr Euch Gott verehr/ Was Euch anlacht Zu Tag und Nacht/ Was nach dem Tod' Euch lebend macht. Das Eilffte Lied Als Erdmuth ihren Nahmens-Tag beging. 1. O Nymfe/ der ich diß zu Ehren singe/ O Erdmuth/ schicke dich zur Fröligkeit und deinen süßen Toon zugleich erschwinge/ Zu loben deinen Gott zu dieser Zeit. 2. Laß deine Nadel stehn und Faden liegen/ Weil itzo bricht herfür dein Nahmens-Licht/ Ich seh schon kommen an mit tieffem Bügen Die Diener deines Herrn der Dier verpflicht. 3. Was tragen sie doch nur vor schöne Sachen? Was ist das für ein Wundsch in güldner Schrifft? Ich der ich dieses seh/ was sol ich machen/ Weil mich itzund nun auch die Ordnung trifft? 4. Nur einen bloßen Wundsch wil ich dier geben und was es mehr wird seyn/ das ich verehr; Der Himmel gebe Dier ein langes Leben/ Damit ich anderwerts den Wundsch vermehr. 5. Also bistu nun auch von mier gebunden/ Du Tugendhafftes Bild voll Lieb und Treu/ Diß Band/ das deinen Arm und Hand ümbwunden/ erfodert Traubenblüth/ das macht dich frey! Das Zwölffte Lied Nach der Melodey Das Glück gantz wanckelmüthig ist 1. Wann schon die Sonne scheint einmahl und durch die Wolcken blicket/ Graß Laub und Thier erquicket/ Macht lustig Feld und Tahl: Kömmt doch das ungewitter/ und macht die Freude bitter/ Wann sich der Sturm erhebt/ Das Meer und Erd' erböbt/ Der Vogel Zahl schweigt allzumahl/ kein Tierelier schwingt sich herfür; Der Sonnen Licht Kann zeigen nicht Den güldnen Glantz/ das liebliche Gesicht. 2. Also/ wenn schon das Glück sich zeigt und uns einmahl anlachet/ Viel Lust und Freude machet/ Wenn Sturm und Wetter schweigt; Bald aber kömmt mit Hauffen Das ungelück gelauffen Wie Schnee und Eiß zergeht/ Die Blume nicht besteht/ So eylt zurück das schnöde Glück und weicht mit Macht Zu Tag und Nacht; Es eylt und flüht/ So bald es blüht/ Ist nur allein auff Flüchtigkeit bemüht. Fünfftes Dutzend Das Erste Lied 1. Sophia komm/ du edles Bild/ Mein Trost und Schild/ Ich fühle deiner Liebe Schmertzen In meinem Hertzen; Ach eyle/ meine Sonn und Zier und komm zu mier/ Ach laß der Augen helles strahlen mich auch bemahlen; Laß seyn in deinen Armen mich/ damit ich dich/ Mein Lieb/ erkennen kann/ Die ich vorlängsten liebgewann. 2. Sophia komm und träncke mich/ So lieb' ich Dich/ Laß deine weisen Ströhme fließen und mich durchsüßen/ Damit ich von dir reden mag Zu Nacht und Tag; Ach! laß mein Heupt nun auch bekräntzen In diesem Lentzen/ und schleuß mich nun in deine Gunst/ du Bild der Kunst; Dein braunes Angesicht/ Das sey in Dunckelheit mein Licht. 3. Laß deinen Zucker-süßen Mund/ Der mich verwundt/ mit meinen dürren Lippen rühren/ Den Tau zu spüren/ Der auff den deinen sich befindt/ Du weises Kind/ Wie Perlen-Tau auff Rosen stehet/ Wenn einher gehet Die Himmels-Braut bey früher Zeit in roth bekleidt: Wohlan! Ich komm zu Dier/ wil bey dier wohnen für und für. 4. Komm/ liebe Braut/ und kröne mich/ Lieb' ich doch dich; Komm/ lege deinen Scepter nieder/ Damit ein jeder von Dier/ O Fürstin/ wird geehrt/ Der dich nur hört; Ich wil mein Antlitz zu Dier kehren und dich nur hören/ Damit ich deine weise Kunst/ Dein' Ehr und Gunst Allzeit genießen mag/ O schöne Braut/ zu Nacht und Tag. Das Ander Lied 1. Weißheit/ sage wo du bist/ wo dein reicher Quell aufsteiget und sich zeiget/ Träncke mich mit deiner Fluth/ Höchstes Guth/ Laß mich deinen Most versüßen und genießen Deinen Zucker-süßen Wein/ Laß mich immer bey dier seyn/ Daß mein Mund mit Weißheit blühe und in Tugend sich bemühe/ 2. O du Fürstin aller Kunst/ die mich kann mit Liebes-blicken So entzücken/ Ach wie herrlich ist dein Glantz und der Krantz/ Der den güldnen Helm ümringet und mich zwinget/ Der auff deinem Heupte steht/ Da der Sonnen Blitz ausgeht/ Da die güldnen Engels-Flammen Sich entzünden allzusammen. 3. Deine Brust mit Perlen gantz üm und üm geschmücket/ Mich entzücket: Ja der hellen Augen Zier Funckeln Dier/ Wie des Adlers hohe Strahlen/ Wenn sie praalen: Deine Wangen wachsen Dier/ Wie der Tausendschönen Zier von dem Tau die Lippen nassen/ Der entspringt auff Hermons Gassen. 4. Du o werthe Creatur/ du hast mir das Hertz gerühret und entführet/ Deine Zucker-süße Wort Seyn mein Port/ Ja das Hertze wil mir brechen/ Kann nichts sprechen/ Wenn dein Mund sich reget nur; Ich muß laßen Ziel und Spur und mich zu denselben Enden/ Da du redest/ willig wenden. 5. Du solt meine Liebste seyn/ meine Freude/ meine Sonne/ Lust und Wonne/ Wann mich ja die dunckle Nacht irrig macht/ Soll der Augen helles blicken Mich erquicken; Meine Schöne/ meine Braut/ Die der Himmel mier vertraut/ Du machst/ das Mich lieben werden Die Gewaltigen auff Erden. 6. Du solt meines Nahmens Lob in die hohen Wolcken bauen Stets zu schauen/ Mein Gedächtnüß wird bestehn/ Wo die Sterne gehn und unsterblich auch verbleiben und bekleiben/ Nur dier/ Neid/ zu Trotz und Hohn: Wohl demselben! der den Lohn/ Der da trotzt die hohen Sinnen/ Kann mit Ehr und Ruhm gewinnen. Das Dritte Lied Auff den Alexandrinischen Seiten. 1. Der Abend bricht herein/ die kühle Nacht entspringet/ da mann der Liebe Lied mit vollen Freuden singet/ die kinder kühler Lufft seyn auch in stoltzer Ruh/ nur Echo wachet noch und rufft mier immerzu die letzten Sylben nach; ich sehe wie den Sternen der schier erblasste Mond zu wincken kan von fernen; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein. 2. Du ruhest/ Hedewig/ und liegst im stoltzen Frieden in deinem Feder-Zelt/ ich aber muß ermüden und schlaaff-loß bringen zu die gantze liebe Nacht/ Da ich allein auff dich/ O Hedewig bedacht; Des Hertzens Vorhoff liegt/ dein Rosen-Mund/ gestillet/ dein edles Heupt ist auch mit küssen eingehüllet; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein/ und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein. 3. Ich bin in Angst und Furcht/ die Eul' erbärmlich schreyet/ Ich höre/ wie sie mier den bittern Todt schon dreuet. Ach Schmertz! Ach weh! ach Leid! ich ächtze durch die Nacht und liege schlaafloß da biß Cynthius erwacht; Es schläfft der Arbeitsmann/ der Drescher ruhet süße/ Das stoltze Pferd ruht aus/ fühlt nicht die müden Füße; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein. 4. Ey nun gehab dich wohl! Ade! du stoltze Dirne/ dich ruff ich Zeugen an/ du güldenes Gestirne/ Euch ruff ich/ zeuget mir/ ihr Thäler/ meine Zier/ Ihr Wiesen/ Berg' und Büsch' und das auch wohnet hier/ Das Lust-kind ruff ich an/ und kann es mehr nicht zeugen/ so wird es dennoch nicht mein letztes Wort verschweigen; Daß ich war ohne Trost und wachte gantz allein und seufftzte fort für fort/ wenn andre schlieffen ein. Das Vierde Lied Von Jambischen und Trochäischen Versen/ Nach Pindarischer Art. Wer in seiner Lebens-Zeit Nur ist auff Einsamkeit beflissen/ Solcher hasset Freundligkeit und achtet gäntzlich nicht/ was weise Leute wissen/ Wil auch kein weiser Mensche seyn; Verwirfft der Schrifften hellen Schein/ So ein anders bringen für/ Wanns schon befihlt der Römer Jupiter/ So muß doch diß/ was uns gebeut der Herr/ Den Vorgang haben hier. Alles/ was mann findet hier/ Auff diesem weiten Rund der Erden/ Das muß lieben für und für: Die Sternen wincken sich mit lieblichen Geberden; Der fetten Erlen grüne Zier/ So liebt die Flüsse für und für/ Giebt dem grünen gute Nacht/ Wenn sich verliert der Flüsse Feuchtigkeit; Das Volck der Lufft kann auch nicht allezeit Vermeiden Liebes-Macht. Drüm seyd/ Herr Breutgam/ dran/ Laßt schwinden Einsamkeit/ greifft nun mit Freuden an/ Der Ehe Zucker-süßen Streit/ So Juno hatt bereit: Dann Weißheit wil nun auch durch Liebes-band verbunden seyn mit Euch in diesen Stand: Gott gebe Glück und Heil dazu und stille Friedens-Ruh! Das Fünffte Lied Auff die Heimbohl- und Riccische Hochzeit. Es bricht herfür der Nächte Licht/ Ach! Liebster/ kommt/ Sein Angesicht Soll meine Sonne werden: Die Nacht das sehr verschwiegne Kind Erweckt den kühlen Suden-Wind Der fast erhitzten Erden: Es wehn und gehn alle Winde sanfft und linde/ Mond und Sterne wincken durch die Lufft von ferne. Ja Venus ziht zum ersten auff und will durch seinen sanfften Lauff uns beyde selbst begleiten/ Dem folgt das andre Sternen-Heer und hängt das Gold je mehr und mehr am Himmel auff von weiten. Ja ich wil mich/ O mein Leben/ Dier nun eben Gantz ergeben/ Nun will ich nach Freuden streben. Ach! schöne Braut/ mein ander Ich/ O mein Rubien/ Ihr geb' ich mich anitzt auch gantz zu eigen: Es zwinget mich Ihr Rosen-Mund/ Das lieblich-sehn das macht mich wund/ Ich kann es nicht verschweigen. Es soll kein Groll/ Noch was feindlich und nicht freundlich uns betrüben; Ich wil Sie von Hertzen lieben. Vom Himmel kömmt diß schöne Bild/ Der Trost/ die Lust/ das Freuden-Schild/ Nun kann ich mich erquicken; Wenn mich der Krieg ja traurig macht/ So kan sie doch zu Tag und Nacht mit Trost mich recht anblicken. Ach mein Schätzlein/ Laßt erwarmen in den Armen meine Glieder/ Legt den Nahmen bey mir nieder. So recht! Ihr wohlgetrautes Paar/ Es wündscht Euch Glück der Musen Schaar. Gantz Bitterfeld erschallet/ Die Mulda fleusst zum Elben-Fluß/ Daß man sich drüber wundern muß/ Wie sie vor Freuden wallet; Ihr schön Gethön Cherubienen/ Seraphinen Hoch erschwingen und dem Herrn ein Danck-lied singen. Gleich wie der Perlen Tau verjüngt/ Her aus der Morgenröth entspringt/ Graß Laub und Kreuter zieret/ So wird auch zieren euren Tisch Die kleine Schaar gesund und frisch/ Wenn Gott die Lust duplieret; Ehlich/ frölich/ lebt und schertzet/ liebt und hertzet Euch in Ehren/ Daß wir diesen Wundsch vermehren. Nun gute Nacht und schlaafft Euch satt/ Weil Ihr vielleicht von Liebe matt und lescht die heissen Schmertzen; Der Himmel gibt Euch seine Gunst und hatt die keusche Liebes-Brunst Entzündt in euren Hertzen. liebt Euch zugleich/ lebt in Freuden ohne Leiden/ Wie wir alle Wündschen ingesammt mit Schalle! Das Sechste Lied 1. Halt! du schöner Morgenstern/ Bleibe fern/ und du güldne Nacht-Laterne/ Halt der weissen Pferde Lauff itzund auff; Steht ein wenig still Ihr Sterne. 2. Gönne mier die süße Ruh/ Sonne/ Du/ Laß uns doch der Liebe pflegen/ Laß den kühlen Reiff und Tau Auff der Au Noch ein wenig unsert wegen. 3. Ist doch meine Liebste mier Sonn' und Zier/ Die mich itzund in den Armen/ In den zarten Armen weiß/ Die mein Preiß/ und mich also lässt erwarmen. 4. und du wunder-schönes Licht Die ich nicht Nach der gnüge kan beschreiben/ Laß der hellen Augen schein bey mier seyn/ Biß der Tag die Nacht wird treiben. 5. Wie hat mich dein rother Mund Doch verwundt? Das zweyfache Schild mich zwinget/ Das vor deinem Hertzen steht Wie ein Beet/ Da der Liljen Pracht auffspringet. 6. Ach! entschlage dich ja nicht Schönes Licht/ Dieser Lust in deiner Jugend/ Brauche deiner Liebligkeit und der Zeit/ Schadt es doch nicht deiner Tugend. 7. Laßt uns immer freudig seyn; Nacht und Wein Reitzen uns itzund zum lieben; Dann wann Liebe Nacht und Wein bey uns seyn/ Kann uns Langmuth nicht betrüben. Das Siebende Lied 1. Ach! wie eitel seyn die Sachen/ Die uns sollen lustig machen! Dieses Lachen und das bittre Zucker-Wort Das uns an ein solches Ort Zihet fort/ Da die schnöden Lüste stehen/ Das muß mit der Zeit vergehen für und für. 2. Mein? Wo bleiben die Geberden Die so weit geholet werden/ Hier auff Erden? Wird nicht blaß der rothe Mund/ Der so manches Hertz verwundt auff den Grund/ Dem die schönsten Rosen wichen und vor Ihm so gar verblichen? Er muß fort. 3. Alle Lust und Freud' ist flüchtig/ Alles/ was wir thun/ ist nichtig/ gantz untüchtig; Selbst der Leib/ ob er gleich schön/ Kann die länge nicht bestehn/ muß vergehn. Ja der gantze Kreiß der Erden Muß durch Gluth zu nichte werden Mit der Zeit. 4. Wohl! was wollen wir noch prangen und der eiteln Ehr' anhangen mit Verlangen? Da doch alles nur verschwindt/ Was man hier auff Erden findt/ Wie der Wind; Drüm wil ich nach jenem trachten und das Weltliche verachten: Welt Ade! Das Achte Lied Auff einen schönen Lust-Platz. Nach der Melodey: Itzund kömmt die Nacht herran: 1. Wohl dem der sich für und für Letzen kann und laben hier/ Wo die schönen Blumen stehn und die glatten Hirsche gehn. 2. Hier ergießet sich ein Fluß/ Der das Feld befeuchten muß/ Von den Alben nimmet Er Seinen Gang und leufft anher. 3. Hier ist ja die güldne Spur/ Hier bekleidt sich die Natur Mit Tapeten überall untermänget mit Korall. 4. Das verbuhlte Lufft-volck singt. Mit dem Staar die Lerche ringt/ unsre Vogel-Meisterin Nimmet doch den Palmen hin. 5. Dich du schönste Nachtigall/ lobet selbst der Widerschall/ Echo das verliebte Kind Nach zu ruffen dier beginnt. 6. Hatt Athen wohl solche Lust/ als dier itzund ist bewust? Hat Adonis und Lucan Solche Lust geschauet an? 7. Nein. Hier ist der Götter seyn/ Hier ist Pallas Sitz allein/ Hier ist Venus und ihr Sohn/ Hier ist Phöbus und sein Thron. 8. Alle Götter wohnen hier/ und genießen deiner Zier; Deine Liebligkeit und Lust Ist uns Nymphen wohl bewust. 9. Drüm sey fruchtbar fort für fort/ Du O wunder-schöner Ort/ grüne/ blühe/ weil auffsteht Phöbus/ und zu Bette geht. 10. und ihr Vogel tiereliert/ Weil das Gold die Sonne führt; Macht Euch lustig/ euer Schall Soll erklingen überall. Das Neunde Lied Von Sapphischen Versen. Fast nach dem Griechischen der Edlen Poetin Sappho. Φαίνετάι μοι κεῖνος ἴσος θεοῖσιν. 1. Wer stets mag sitzen neben Dir/ o Schöne/ Schauet dein lachen/ höret dein Gethöne/ Der kan den Göttern gleich geschätzet werden/ billich auff Erden. 2. Diß macht mein Hertze gantz und gar verzücket; Da ich nur einmahl dein Gesicht erblicket/ bin ich verstummet; vor den süßen Reden muß ich erblöden. 3. Es steht die Zunge/ kann auch nicht mehr sprechen/ Weil mier die Stimme schone wil gebrechen/ Ich bin entzündet/ die verliebten Flammen schießen zusammen. 4. Das Ohr erklinget/ beyde Lichter weichen/ Der Schweiß durchdringet mein Gebeine ingleichen/ Schauern und zittern fallen hin und wider über die Glieder. 5. Ich bin verblasset wie die dürren Kreuter/ Fast gantz entseelet/ kann auch gar nicht weiter/ Der Athem schwindet/ daß ich nun muß werden schleinig zur Erden. Das Zehende Lied An Seinen H.H. Kellnern/ von Lüneburg. 1. Weicht ihr Lateiner/ weichet auch ihr Griechen/ Ihr müsst Euch itzund ingesammt verkriechen/ Eure Gelehrten/ Weisen und Poeten müssen erröthen. 2. Es kann dich Maro unser Deutschland zwingen/ Weil Opitz/ Buchner/ und mein Flemming singen/ Flemming/ den selbsten Phöbus pflag zu hören lieben und ehren. 3. Seht! wie die Deutschen Erd' und Staub verachten und nach dem Himmel unauffhörlich trachten; Hier seyn Poeten/ die mit ihrem singen Eure bezwingen. 4. Was von Poeten/ unsre Poetinnen Euch auch zu fällen allgemach beginnen; Lisabeth Westhons wohlgefügte Sachen Eure verlachen. 5. Hier seyn der Schwartzin Deutsche Pierinnen/ Die leicht beschämen alle drey Corinnen/ Ob gleich die Eine drückte fünffmahl nieder Pindarus Lieder. 6. Sollen Praxillens lachens-werthe Sachen Itzt schaamroth unsre Rosenthalin machen? Nein/ nein. Erinne/ du auch Telesille/ schweige nur stille. 7. O wohl demselben! der sich hier bemühet und hilfft mit Kräfften/ daß sie ferner blühet unsre Poesie wie sie dann erklinget/ Kellner und singet. 8. Wohl! wohl! fahrt immer also fort zu spielen/ Mein Freund/ weil Pallas Liebes-Euglein schielen/ nauff! nauff zum Himmel! wer nur kann der singe/ daß es erklinge. Das Eilffte Lied 1. Wer hat der Venus solche Macht gegeben? Es muß ja alles Ihr zu Willen leben; Wirfft nicht Cupido über alle Lande Ketten und Bande? 2. Alle Gewalten legt Er Ihm zu Füßen: Er als ein Blinder kann so grade schießen/ Willig und gerne muß Ihm dienstbar werden Himmel und Erden. 3. Mars weicht ihm selbsten/ Jupiter auch fühlet/ Der sonst mit Donner/ Blitz und Hagel spielet/ Den Pfeil der Liebe: muß vor Ihm sich schmiegen neigen und bügen. 4. Kann Er doch selbsten seine Mutter zwingen/ und sie ins schwere Joch der Liebe bringen; Wie solt' es kommen/ daß Er dich nicht finden könte zu binden. 5. Wenn du gleich wohntest/ wo sich Phöbus leget/ und wo Er wieder seinen Wagen reget/ Würde dich dennoch mit den süßen Pfeilen Dieser ereilen. 6. Drüm gib dich willig/ Du o mein Verlangen/ Du wirst doch sonsten anderwerts gefangen/ Bleib/ wiltu bleiben/ diß mein Hertz und Leben wil ich Dier geben. Das Zwölffte Lied 1. Sonne/ laß scheinen deine Rosen-wangen/ Die mit Rubienen völlig einher prangen/ Komm/ ach du Fürstin der Gestirnten Felder/ ziere die Wälder. 2. Schmücke dich herrlich mit geflammten Haaren/ Laß durch den Himmel deine Rosse fahren/ Eyle/ die Vogel hör ich schon erschwingen/ Singen und klingen. 3. Nun seyd willkommen/ ihr geehrten Stunden/ Die mich dem trauren gantz und gar entbunden/ Nun seyd gegrüßet; Weil wir können meiden Trauren und Leiden. 4. Diß ist die Stunde/ Lieber/ laß uns schreiben/ Laß uns mit Liedern diese Zeit vertreiben. Meine Geliebte wil die süßen Schmertzen tilgen im Hertzen. 5. Ach hört! die Pferde/ die geschwinden Pferde/ Schnauben und rennen frölich auff der Erde/ Sie bricht mit Freuden durch die schöne Wälder Wiesen und Felder. 6. Lachet ihr Thäler/ ihr begrünten Auen/ Lasset uns wider diese Freude schauen: Die uns der Ostwind vormahls hat entführet/ Kommet gezieret. 7. Sey uns willkommen/ du o Zier der Zeiten/ Liljen und Rosen müssen wir ausbreiten/ Wo du/ mein Leben itzo pflegst zu gehen/ sitzen und stehen. 8. Dein Abseyn machte/ daß die grünen Wiesen Müsten verwelcken und die Winde bliesen Nicht mehr so sanffte/ da der Wind aus Norden stürmisch war worden. 9. Ey nun so leb' ich stets in vollen Freuden/ Es soll uns niemand von einander scheiden/ Kein Neid/ kein Trauren/ keine Noth und Leiden Sollen uns scheiden. In ein Stam-Buch Seinem Freunde Hier laß ich dier/ mein Freund/ das Hertz den Mund/ die Hand; Ob gleich der Leib sich trennt und eylet in ein Land/ Wo kein Bekandter ist: Das Hertz verbleibt getreu; Der Mund verspricht sich dier; Die Hand ohn Heucheley. Der Todt/ die Hell und Lieb'/ ins Grab/ Quaal/ süße Schmertzen; Versetzet/ bringt/ erregt; Den Leib/ die Seel'/ im Hertzen. Das Hertz/ der Leib/ die Seel; brennt/ schwindet/ fürchtet auch; Vor Liebe/ Todt/ die Höll; wie Gluth/ wie Schnee/ wie Rauch. Sechstes Dutzend Das Erste Lied Von meinen eignen Versen. 1. Tugendreich/ mein selbst-eigenes Hertze/ Blume der Zeit/ mein Alles und Nichts/ Fackel und Licht des irrdischen Lichts/ Gönne mier doch/ daß itzo mein Schmertze Möge vergehn durch deinen Anblick/ Blicke mich an/ so lob' ich mein Glück. 2. Solte/ mein Lieb/ die Feder beschreiben Deine Gestalt/ dein' Augen und Zier/ Müst' ich dich selbsten sehen allhier/ Deine Gestalt die müste mir bleiben Immer vor Augen/ immer im Sinn/ Sonsten ich selbsten Augen-loß bin. 3. Eyle mein Schatz/ verweile nicht lange/ Eyle mein Lieb/ der Garten ist hier/ Welcher abbildet dein' eigene Zier/ Rosen die Lippen/ Liljen die Wange/ Nelcken den Halß/ Narcissen die Brust Zeigen an deinem Leibe mit Lust. 4. Deine sehr-schön-geflammete Zöpffe gleichen dem Klee und weichen Ihm nicht/ Sonderlich wann dein schönes Gesicht Strahlen einmischet/ müssen die Köpffe unserer Blumen sincken alsbald/ spüren die Macht der schönen Gestalt. 5. Blühe nun fort du Rose der Zeiten/ Blühe so lange Venus regiert/ Gönne mier das/ was/ Schöne/ dich ziert: Deine Leit-Sterne müssen mich leiten/ Sonsten verirrt sich balde mein Sinn/ Sihe/ mein Schatz/ wie traurig ich bin. Das Ander Lied Von Anapästischen Versen. darinnen der letzte Vers in jedem Gesetze hincket. Auff eine Hochzeit. 1. Was seh ich/ was hör ich die Lüffte durchstreichen! Ach! kommet Herr Breutigam/ sehet ümm euch/ Ach! sehet die Flammen/ die Zeichen ingleichen/ Wie pralen die Stralen/ ich werde fast bleich; Es zittern die Glider wie Flittern/ ein jeder verwundert sich sehr/ Es nahen die Strahlen je mehr und mehr. 2. Ists etwa das Feuer der springenden Ziegen? Wie? oder ein Irrwisch so Menschen verführt? Mit nichten. Ich sehe den Liebes-Gott flügen/ Sein Antlitz ist also mit Flammen geziert: Er nähert sich immer Dem Frauen-Gezimmer/ Wirfft Stralen herfür/ Ach sehet Er sitzet auch schon allhier! 3. Ach! schöne Braut/ schauet er spannet den Bogen/ Er zielet nach euerem Hertzen/ dückt Euch! Ach eylend! ach eylend! O seyd Ihr betrogen? Wie werden die Lippen und Wangen so bleich/ Kein Athem sich findet/ Die Sprache verschwindet/ Bringt Wasser und Kraut/ Kraut/ Wasser her/ Wasser her! kühlt die Braut. 4. Erschrecket doch aber nicht alle zusammen/ Ihr Jungfern/ und werdet nicht balde so roth: Sie fühlet von Liebe nur innerlich Flammen/ Sie lebet noch gleichwol und lieget nicht todt. Die Liebe das machet/ Worüber Ihr lachet so hönisch und viel/ Hier spiegelt Euch itzund an diesem Spiel. 5. Sol Venus Euch/ Schöne/ so balde bezwingen/ Recht! ruffet ein jeder/ wem dieses bewust/ So wolt ich ins Kloster auch zihen mit springen/ Wo Nonnen und Münche sich paaren mit Lust; Wo Tugend und schertzen/ Wo Jugend und hertzen Beysammen sich findt/ Die sehenden führet das blinde Kind. 6. Das müssen wir lachen/ die Kräntze zubrechen/ Wie sehet Ihr/ Schöne/ so sauer uns an? Ins Kloster zu ziehen war Euer versprechen. Nun habet Ihr dieses nicht wacker gethan! Es geben Euch heute Das letzte Geleite Die Freunde dazu: So kommet die Jungferschafft auch zur Ruh! 7. Der Himmel/ die Sterne/ das gütige Glücke/ Seyn sämmtlich Euch günstig und lachen Euch an; Es zihet der Himmel das böse zurücke/ Es flinckert und blinckert der Sternen-Altan. Das Glücke sich zeiget Anitzo geneiget/ Drüm eylet zur Ruh! Sie sagen Euch alle viel gutes zu. Das Dritte Lied Auff das Adliche Zimmer der Poeten und Poetinnen. 1. Was strahlet/ was pralet/ was blitzen vor Spitzen/ In diesem vorträfflichen Zimmer allhier? Was? sollen Poeten so sitzen und blitzen? So gläntzen mit Kräntzen der ewigen Zier? Ja freylich Poeten Die können dich tödten/ Du wüthender Neid: Sie können dich zwingen Durch schreiben und singen; Sie bleiben/ du schwindest im flühen der Zeit. 2. Unsterblich und ewig bekleibet und bleibet Ihr Nahme/ der unter den Sternen bekant; Ihr liebliches singen die Stunden vertreibet/ Verjaget die länge der Tage zu hand. Die Helden seyn nichtig/ Ihr' Ehre gar flüchtig/ Ihr Nahm vergeht: Kann aber was tödten Die Edlen Poeten? Ihr träfflicher Adel und Nahme besteht. 3. Homerus ist längsten in Asche verkehret/ Doch lebet sein Nahme/ sein Ehrenlob grünt; Sein' Ehre wird täglich in Schrifften vermehret/ Das seinem Beruffe zur Ewigkeit dient. Virgilius lebet/ Ovidius schwebet Noch immer allhier; Hesiodus bleibet/ So lange mann schreibet/ So lange die Sonne wird blicken herfür. 4. Der Edele Sophocles/ Flaccus ingleichen/ Mit denen wir reden und schertzen noch itzt/ Die werden auff Erden mit nichten verbleichen/ So lange die Sonne noch flammet und hitzt. Ihr Nahme nicht stirbet/ Wenn alles verdirbet/ Wenn alles vergeht: Dann alles ist flüchtig und alles ist nichtig/ Nur dieses der edelen Sänger besteht. 5. Die färtige Sappho nach ihrem Absterben/ Die lebet jedennoch und schwebet im flor/ Ihr' eigen-erfundene Lieder erwerben Ein ewig-Gedächtnüß und steigen empor. Museus hatt schone Die ewige Krohne/ Aratus auch prangt; Der schnöde Catullus Menander/ Tibullus/ Die haben das ewige Bleiben erlangt. 6. Ein ander mag lauffen nach irrdischen Sachen/ Die alle vergehen/ nach Silber und Gold; Wir wollen viel lieber das alles verlachen Wann Fürsten und Herren uns günstig und hold. Die Schätze vergehen/ Poeten bestehen: Ich nehme die Zier: und muß ich gleich sterben/ im Grabe verderben/ So bleibet mein Nahme doch immer allhier. Das Vierde Lied Auff vorige Melodey. 1. Verzihet noch etwas ihr lieblichen Sterne/ Ach wincket und blincket ein wenig uns zu/ Bleib Röthin/ du güldnes Kind bleibe von ferne/ Weil itzo sich findet die süßeste Ruh. In dem ich im Arme Der Liebsten erwarme/ Halt/ Sonne/ dein Licht Ein wenig verborgen/ Verjage den Morgen/ Weil itzo mir leuchtet der Liebsten Gesicht. 2. Denn meine Geliebte wirfft güldene Straalen Aus ihrem Gesichte so heuffig und mild/ Die unsere Zimmer so schöne bemahlen/ Wie irgend die Sonne die Berge vergüldt. Sie kann mich erquicken Mit güldenen blicken/ Darff sonsten kein Licht/ Sie bleibet geflissen mich freundlich zu küssen/ Ihr Angesicht machet die Nächte zu nicht. 3. Ihr Wangen-roth blühet von schönen Narcissen/ Die Rosen und Lilien mehren die Zier/ Die röthlichen Lippen seyn ähnlich den Flüssen/ Da Zucker und Honigseim quillet herfür. Die Adliche Jugend Ist immer in Tugend und Sitten bemüht; Die Venus muß weichen/ Ihr kann Sie nicht gleichen/ Sie schwebet in völliger Tugend und Blüth. 4. Der Apffel von Golde/ das Zeichen der Schöne Gebühret dier/ Schönste/ den geb' ich auch Dier/ Wie? bistu nicht herrlich- und schöner als jene/ Die Paris erhoben an Schönheit und Zier? Die Schöne muß weichen/ Die Röthe verbleichen/ Die Tugend besteht; Wie soll mann dich ehren? Dein' Ehre vermehren/ Die über die leichteste Feder auch geht? Das Fünffte Lied 1. O Spiegel der Tugend/ wie daß du mit schweigen Die lieblichen Stunden der Jugend verbringst/ Kann diese Musike dein Hertze nicht beugen/ Daß/ Schönste/ du selbsten zur Fröligkeit dringst? Laß schimmern die Blicke/ Komm/ schaue zurücke Die Sonne sucht dich: Dein langes verzihen/ Dein stetiges flühen/ Wie kan es die Nächte so dulden üm sich? 2. Die Sonne verfünstert sich selbsten und scheidet/ verlässet am Himmel die güldene Spur/ So ferne dein Leben ihr Angesicht meidet/ Du andere Sonne/ du schöne Figur. Kom unser Verlangen/ Laß blicken die Wangen/ Dein güldenes Licht; Laß hören dein singen Dein liebliches klingen/ Sonst werden die Tage vor trauren zu nicht. Das Sechste Lied Auff C.W. Hochzeit. Komm/ Liebster/ ich warte mit großem Verlangen/ Ach eyle/ der silberne Monde bricht an; und zeiget am Himmel die lieblichen Wangen/ Er scheinet und gehet die güldene Bahn; Es wincken von ferne Die lieblichen Sterne/ Sie reitzen zur Lust; Drüm laß uns hineylen mit keinem verweylen/ Wo schertzen und hertzen uns immer bewust. Daselbsten soll keiner uns beyde verhönen/ Noch schwatzen aus unserer Schule/ wohlan! Wier wollen nach diesem nicht weiter uns sehnen/ Was unsere Hertzen vor diesem gethan: Wier wollen uns letzen im lieben ergötzen/ Es schweiget die Nacht/ Weil unsere Sinnen Nur Freude beginnen/ Weil unsere Hertzen auff schertzen bedacht. Vom Himmel kömmt dieses mein einigs Verlangen/ Mein Hertze/ mein Leben/ mein edeler Schild/ Wie artlich sind ihre so zierliche Wangen Mit Purpur und Liljen und Rosen erfüllt? Ihr freundlich sehn zwinget/ Zur Liebe mich bringet Ihr rößlichter Mund: Wann Cynthia lachet/ Wann Phöbus erwachet/ Hatt meine Geliebte mein Hertze verwundt. Drüm wollen wir/ Schönste bey Zeiten uns letzen/ Ich folge der Liebsten/ Sie gehe voran. Wir wollen uns hertzlich mit schertzen ergötzen/ Wir haben dem Tantzen Genüge gethan! Wier wollen nun eylen/ Nicht ferner verweilen und leschen die Gluth: Wier wollen uns laben/ Das trauren vergraben/ Wir wollen erfrischen und letzen den Muth. So recht! geht hin und schertzt Euch satt/ Wo Lieb' und Lust ihr Ankunfft hatt/ Ihr wohlgetrauten Beyde: Es wündscht Euch Glück ein jedermann/ Der nur die Seiten zwingen kann/ Stimmt an zu eurer Freude; Es geht und steht Bey Euch Beyden/ nur in Freuden/ geht und liebet/ Weil kein unfall Euch betrübet. Gott wird Euch segnen Tag und Nacht und durch der Engel treue Wacht Euch für und für bewahren/ Der güldne Friede soll auffgehn und stets üm Euer Bette stehn Wo Lieb' und Lust sich paaren/ lebet/ schwebet ohne Leiden/ nur in Freuden/ Wie wir alle Wündschen ingesammt mit Schalle. Das Siebende Lied Als H.A. Schwartze Magister worden. 1. Auff Sonne! laß scheinen dein liebliches blicken/ Auff! zeige dein röthlich und artlich Gesicht/ Ach! ziere dich heute mit güldenen Stücken/ und mache den dunckelen Schatten zu nicht! Ach! sehet sie blicket gar schöne geschmücket in träfflicher Pracht; Nun kommet und singet/ Die Stimmen erschwinget/ Ihr Liebsten/ und nehmet die Zeiten in acht. 2. So werden die Söhne der Musen beschencket! Diß alles erwirbet der eyfrige Fleiß; Herr Schwartze die Sorgen vergisset und dencket nicht weiter an seinen mühseeligen Schweiß; Bricht Rosen im Garten/ Darff weiter nicht warten Auff Zahlung und Lohn: Er schimmert und gläntzet/ Ist schöne bekräntzet/ Das Zeichen von Golde sich zeiget auch schon. 3. Wier nennen hinfüro dich Meister der Künste/ Wir nennen dich Lehrer der Weißheit/ o Freund/ Diß machen der Musen und Gratien Günste/ Die niemahls an Ehren dier etwas verneint. Nun brauche der Ehren Die keiner versehren noch tadelen kann. Es werden die Zeiten Ein höhers bereiten; Drüm schweige du Neider/ du Ehren-Tyrann. Das Achte Lied Als H.B. Heinsius Magister worden. 1. Solte die Tugend so liegen verschwiegen? Solte die Wissenschafft Ehren-loß seyn? Solten die Künste verdunckelt erliegen Ohne Belohnung und würden? Ach! nein. Die Heliconinnen Erwecken die Sinnen und winden den Krantz; Die Hochzeit herdringet/ Das Seiten-Spiel klinget/ unsre Sophia die zieret den Tantz. 2. Phöbus hatt itzund dier solches gegeben/ Was du verdienet durch täglichen Fleiß/ Thoren und Breßlau gab edele Reben/ Rostock die Trauben und Lübeck den Preiß: Ja Leipzig dich tränckte und süßen Most schänckte/ Nun folget der Wein/ Den Wittenberg giebet/ Das deine Kunst liebet Schäncket dier/ Liebster Freund/ Ehre voll ein. 3. Pallas liebeugelt und lächelt vor Freude/ Alle Göttinnen erfreuen sich auch/ unsre Sophia windt Kräntze mit Seide/ Giebet den Trauring nach ihrem Gebrauch. Ey! lustig! Ihr Brüder/ Dactylische Lieder Nun singet und klingt/ Sophia mein Leben/ Dier wil ich nachstreben; unsere Feder gen Himmel dich schwingt. 4. Mercke/ Sophia/ diß sing' ich zu Ehren Deinem Geliebten und selbsten auch Dier/ unsere Muse wird solches vermehren/ Geben dein hohes Lob weiter herfür; Hier will ich beschlüßen mit Versen zu grüßen/ Dich edeles Bild. Wil anderwerts singen Von höheren Dingen welche dein Hertze vollkömmlich erfüllt. Das Neunde Lied Als Ihm seine Hertz-aller-Liebste solte vertrauet werden. 1. Schönste willkommen/ ach Liebste willkommen/ Deine Geberden/ o edeles Bild/ Haben uns gäntzlich das Hertze genommen/ Sehet/ ihr Brüder/ das doppelte Schild mit Perlen besetzet/ die Augen ergötzet die Adliche Zier: Die Lippen/ ach schauet! seyn immer betauet/ Welches von Hermon der Höchste schenckt Ihr. 2. Ihre Gespielen seyn Adel und Tugend/ Stärcke/ Gerechtigkeit/ Klugheit und Zucht/ Welches am nützesten unserer Jugend/ Sonsten ist alles geneiget zur Flucht. Begehrstu zu singen Von künfftigen Dingen/ Das zeiget sie Dier; Sie lesset bekräntzen im itzigen Lentzen unsere Heupter in träfflicher Zier. 3. Sehet ihr Töchter! ach sehet uns stehen/ Sehet das überaus schöne Geschenck/ Helffet das Freuden-Fest alle begehen/ Trincket das edele Freuden-Getränck. Ach! trincket und esset Des Leides vergesset Zu itziger Zeit: Es kommet gegangen in röthlichen Wangen unsere schöne Sophia bereit. 4. Laßet die lieblichen Lauten erklingen/ Laßet die Geygen erschallen allhier/ Laßet uns singen/ die Stimmen erschwingen/ Bachus gibt Reben-Safft/ Ceres giebt Bier/ Kommt laßet uns tantzen und trincken zu gantzen/ Ihr Brüder itzund: Macht Freuden-Gethöne/ Daß unsere Schöne/ unsre Sophia mag leben gesund! Das Zehende Lied Als Sein Freund die Seine gesegnete. 1. Liebste/ wie seyd ihr so sehre bemühet/ Daß ich Euch itzo muß laßen und zihn/ Wisst ihr nicht/ unser Gelücke das blühet/ Hertzes Lieb/ güldner Schatz/ schönster Rubien; Ach laßet mich zihen/ Ich wil mich bemühen und schicken dazu/ Bald wider zu kommen Zu eueren frommen; Lebet in dessen in Frieden und Ruh! 2. Lebet in dessen ach! Liebeste/ lebet/ lebet und dencket im besten an mich/ Euer so treues Gemüthe das schwebet Mir vor dem Hertzen/ und zihets an sich, und schreibet die Treue mit Demand auffs neue Zu innerst hinnein; Macht euer Gesichte Nicht also zu nichte/ Stillet das weinen und laßet es seyn. Das Eilffte Lied 1. Die Fillis unlängsten sich einsam befande/ Nächst einem Gebüsche bey Corydons Strande/ Sie forschte die Sterne bey schattichter Nacht/ Ob irgend der Himmel sie hette bedacht: Sie suchte Propheten/ Laß fleissig dabey Die guten Planeten/ Sie suchte/ wo irgend ihr Liebester sey. 2. Im siebenden Hause stund kräfftig die Sonne/ Im dritten sich eben auch gutes entsponne/ Das machte Sie frölich und sagte/ wohlan: Nun setz' ich das klagen und zagen hindan: Ich habe gesehen Ein Zeichen allhier/ Bald wird es geschehen/ Mein Buhle wird balde sich nahen zu mier. 3. Sie wolte noch ferner besehen die Finger/ Sie suchte die Freyer und fande nichts ringer/ Am kleinesten waren drey Striche zu sehn/ Ey sagte sie balde: Nun wird es geschehn: Ich werde bekommen Drey Männer/ fürwar! Ich hab' es vernommen/ Sie werden mich lieben in aller Gefahr. 4. Nun weichet ihr Sorgen/ ach! weichet von hinnen/ Ich werde nun immer was liebes beginnen/ Ich laße den Schmertzen/ das traurige Weh; Ich mache mich lustig: Drüm trauren ade: Nun kann ich mich üben In völliger Lust; Nun werden mich lieben Die/ denen mein schertzen und Hertze bewust. Das Zwölffte Lied 1. Nun hatt mein Gemüthe sich erquicket/ Weil das Auge dieses Licht erblicket. Welches durch die späten Nächte bricht/ Das mich brennt/ doch ohne Flamm und Licht. 2. Komm und lesche diesen Brand der Liebe/ Komm und mich nicht länger so betrübe/ Du mein Auffenthalt und Lebens-Zier/ Lindre diese Schmertzen doch an mier. 3. Nahe dich/ du güldnes Licht der Freuden/ Wiltu denn so bald von mier abscheiden/ und mich laßen ohne Sonn und Licht/ Weil die trauren-volle Nacht anbricht? 4. Sihe wie so schön die Sterne lachen/ und du wilt dich schon von hinnen machen/ Schöne/ du mein Früh- und Abend-Stern/ Nahe dich/ und bleibe nicht so fern. 5. Wenn gleich alle Stern' am Himmel schienen/ Könten Sie mier dennoch wenig dienen/ Du alleine bist mein bestes Licht/ Dem es nie an Glantz und Schein gebricht.